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Flugzeug-Cockpit-Stativ für die Panasonic AG HVX 200 im Ultraleichtflugzeug Comco Ikarus C 42

Nachdem ich die letzten zwei Jahre größtenteils mit der Fingerkamera vom Typ Sony HQ1 Ex-View Color CCD, neuerdings mit der Helmkamera GoPro HD Hero sowie mit dem kleinen Minicamcorder Aiptek PocketDV Z300 HD herumgespielt, herumgeflogen und herumgefilmt habe, war es wieder an der Zeit, die große, sehr gute Fernsehkamera Panasonic AG HVX 200 im Flugzeug zu verwenden.

Zwar ist die HVX 200 kein Schultercamcorder, aber ihre Ausmaße sind für den Einsatz im Cockpit schon bedenklich und an eine Außenmontage am Flugzeug ist erst recht nicht zu denken. Ich glaubte zunächst, die Nachteile hinsichtlich der Handlichkeit und der Verwendungsmöglichkeit der HVX im Flugzeug seien zu groß, denn nutzt man die HVX 200 vom Copilotensitz aus der Hand heraus, so übertragen sich zum einen nicht nur Erschütterungen und Thermikwackler auf den Kameramann selbst, sondern auch - mit einer Art verlängerter Hebelwirkung - über die Hände des Kameramanns wiederum auf die Kamera. Selbst bei stabiler Wetterlage in den frühen Morgenstunden oder in den späten Abendstunden ist kein Kameramann so perfekt, die HVX ohne extreme, störende Verwackelungen zu führen. Da ich nun alles andere als ein Kameramann bin und auch kein Stabilisierungssystem während des Fluges nutzen kann, blieb mir nur noch eine seltsam anmutende Eigenkonstruktion übrig, der ich den Namen "Holzkäfig" gegeben habe.

Zunächst dachte ich daran, die HVX 200 - und dies gilt im Prinzip für alle größeren Camcorder - kopfüber beispielsweise mit einem Pedco Ultraclamp Klemmstativ am Gestänge der C 42 im Cockpit zu befestigen. Jedoch sind die Klemmstative alle für wesentlich kleinere bzw. leichtere Camcorder ausgelegt; bei der HVX 200 würde ich Gefahr laufen, mir die Stativgewindeschraube sprichwörtlich herauszureißen. Hinzu kommt, daß einmal mehr eine unerwünschte Hebelwirkung über das Klemmstativ entsteht.

Die Lösung mußte ein nicht kopfüber stehender, fester Kamerakäfig sein, der so starr wie möglich mit dem Gestänge im Cockpit verbunden wird und so wenig wie möglich Hebelwirkung entfalten kann. Am besten wäre hierfür eine Leichtmetallbauweise, doch da ich weder mit Metall umgehen kann und ohnehin handwerklich gesehen sprichwörtlich "zwei linke Hände" habe, fiel die Wahl auf eine Holzkonstruktion.

Der "Holzkäfig" ist so konstruiert, daß die HVX an eine Stativplatte angeschraubt wird und diese Stativplatte wiederum in eine Art Versenkung eingebettet wird. Die Befestigung am Gestänge, die zwar starr, aber jederzeit wieder abnehmbar sein sollte, wird durch einen kleinen Schraubstock mit großen Gummibacken erzielt, der über dem gesamtem Holzkäfig fixiert ist. Die großen Gummibacken sorgen dafür, daß später keine Druckstellen am Gestänge entstehen. Wie genau nun mein "Holzkäfig" ausschaut, sollen die nachstehenden Photos vermitteln.

Vorab bleibt zu erwähnen, daß dieser kleine Schraubstock mit einer dicken Schraube am Holzkäfig befestigt ist - und zwar nur mit einer Schraube, um den gesamten Käfig drehen zu können. Damit kann die HVX 200 oder jede andere Kamera entweder geradeaus - also direkt aus dem Cockpit - filmen oder der Käfig kann so gedreht werden, daß die Kamera aus dem rechten Fenster bzw. aus der rechten Tür filmen kann. Hierbei entstehen zwei weitere Probleme, deren Lösung aber relativ simpel ausfiel: Zum einen wirkt die Plexiglasscheibe der Cockpittür wie eine Art Photofilter; es entstehen unerwünschte Reflexionen, Abschattungen und ein ernormer Farbverlust. Zum anderen kann der Kamerakäfig an seiner Aufhängung nur gedreht, aber nicht geneigt werden.

Was nun die simple Lösung betrifft: Die Störungen der Plexiglasscheibe können dadurch gänzlich beseitigt werden, indem die gesamte Tür ausgebaut wird. Fliegen ohne Tür. Da ich jedoch noch nie ohne Tür geflogen bin, will ich dies, wenn es denn sein soll, in den kommenden Monaten mit einem Fluglehrer kennenlernen und erproben; alternativ helfen vorerst die mächtigen Werkzeuge der Farbkorrektur, die mein favorisiertes Videoschnittprogramm Canopus Edius Broadcast bietet. Um den Holzkäfig nicht nur drehen, sondern auch neigen zu können, hatte ein einfacher Holzkeil wahre Wunder bewirkt, um den gewünschten Neigungswinkel der Kamera einzustellen. Letztlich mußte nur noch ein solcher Zoomfaktor eingestellt werden, daß weder Türrahmen noch Tragläche im Videobild zu sehen waren.

Schlußendlich sollte klar sein, daß der Holzkäfig keine professionelle oder gar motorisierte Pan / Tilt Steuerung bietet. Der Holzkäfig ist und soll starr mit dem Flugzeug verbunden sein, so daß der gewünschte Bildausschnitt nur durch entsprechende Flugmanöver (Slippen, Kurven, Vollkreis, Gieren, Nicken, Rollen, etc.) erzielt wird. Insofern ist und bleibt mein "Holzkäfig" ein Prototyp, aber ein sehr nützlicher, da mich die Ergebnisse sehr erfreut und überzeugt haben - dies vor allem im Hinblick auf die Materialkosten: Schraubstock der Marke Bullock beim OBI Markt für 14,95 Euro, Schrauben, Holz aus der Garage und die Stativplatte vom ohnehin vorhandenen Stativ.


Bild Nr. 1
In diesem Bild ist der "Holzkäfig" im Cockpit einer C 42 zu sehen. In ihm die HVX 200 mit ausgeklapptem Display zur Kontrolle. Die Sonnenblende der HVX 200 wurde zuvor abgenommen.



Bild Nr. 2
Diese Aufnahme zeigt eine größere Ansicht auf Holzkäfig, Cockpit und Flugzeug. Der Käfig ist in Richtung Tür gedreht, da bei diesem Testflug gezielt die Landschaft gefilmt werden sollte.



Bild Nr. 3
Schwer zu photographieren: Der Schraubstock mit seinen dicken Gummibacken, der fest am Gestänge kurz unterhalb des Cockpitdaches befestigt wird.

Auf dem Bild ist leider nicht der Sicherheitskabelbinder zu erkennen (Hintergrund); dieser wird um das Gestänge und um den Holzkäfig gebunden, falls sich widererwartend der Schraubstock lösen sollte.



Bild Nr. 4
Diese Aufnahme zeigt das ursprüngliche Problem des Neigungswinkels der Kamera: Die Stativplatte, die in den Holzkäfig eingesetzt ist, müßte hinten um ca. 13 Millimeter angehoben werden.

Unabhängig davon bietet das eingebaute Display eine optimale Kontrollmöglichkeit während des Fluges: Fliegen, Horizont und Instrumente überwachen sowie ein zusätzlicher kurzer Kontrollblick auf das Kameradisplay sind ohne Sicherheitsbedenken möglich.



Bild Nr. 5
Schließlich konnte der optimale Neigungswinkel mit Hilfe eines Holzkeils eingestellt werden. Dieser erstreckt sich zwar nicht auf die gesamte Breite der Stativplatte, aber erfüllte für den Testflug sehr gute Dienste.

Wichtig: Der Holzkäfig ist so montiert, daß im Notfall ein Auslösen der Rakete ohne Einschränkungen möglich ist. Auch das Sichtfeld des Piloten zur rechten Seiten hinaus ist nicht wesentlich eingeschränkt; es ist vergleichbar mit einem Passagierflug, d.h. der Passagier versperrt sogar noch massiver den Blick.



Je nach Sonneneinstrahlung, je nach Steuerkurs und je nach Fluglage entstehen bedingt durch die Plexiglasscheibe Bildfehler. Die Scheibe selbst wirkt teilweise wie ein Graufilter und teilweise wie ein Spiegel. Mit den Möglichkeiten der nachträglichen Farbkorrektur können fast alle diese Bildfehler extrem reduziert werden. Einzig Spiegelungen und Reflexionen bleiben auch nach der Farbkorrektur erhalten. Ob die Verwendung eines Polfilters Abhilfe schaffen kann, bleibt fraglich, denn seine Verwendung verlangt in jeder neuen Fluglage und bei jedem neuen Motiv ein zeitaufwendiges Einstellen der Kameraoptik, was während des Fluges aus Sicherheitsgründen definitiv nicht möglich ist. Außerdem haben Versuche mit einem Polfilter für die HVX 200 ergeben, daß u.a. der Autofokus und die Belichtungsmessung nicht mehr korrekt funktionieren. Nachstehend seien exemplarisch die Unterschiede vor und nach der Farbkorrektur dargestellt.


Abb: Vorher, tiefstehende Sonne dadurch wenig Kontrast


Abb: Nachher, Kontrast und Farbe angepaßt



Abb: Vorher, ausgewaschene Farben


Abb: Nachher, kräftige Farben, aber leider Reflexion



Abb: Vorher, ausgewaschene Farben


Abb: Nachher, saftiges Grün der Bäume



Gewiß gibt es wesentlich bessere Filme mit Luftaufnahmen. Und es gibt auch tausendfach besseres Equipment; zu denken sei dabei an die High-End-Technik mit dem Namen "Cineflex V14 HD", die an Hubschraubern bis zu einer Geschwindigkeit von ca. 310 km/h eingesetzt werden kann (vgl. exemplarisch http://www.aerialfilmwork.com). Zu erwähnen ist aber auch selbstentwickelte, kreiselstabilisierte Kamerasystem an einem Ultraleichtflugzeug von Fliegerkamerad und Kameramann Wolfgang Kaiser, der am Flugplatz Koblenz stationiert ist (vgl. http://www.skycam-tv.de). Doch was mich und meinen "Holzkäfig" betrifft, so erfüllt mich dieser mit ein wenig Stolz und zugleich mit großer Freude, da ich bislang noch nie solch halbwegs wackelfreie Videoaufnahmen mit der HVX 200 aus dem Flugzeug heraus erstellt habe. Außerdem, auch wenn es zahlreiche und bessere Luftaufnahmen gibt, ermöglicht der Holzkäfig eigene Aufnahmen, die sich zumindest im Freundes- und Bekanntenkreis sehen lassen können. Ob künftige Testflüge mit dem Holzkäfig mit oder ohne Tür stattfinden, wird sich zeigen. Auf alle Fälle werden die nächsten Aufnahmen in Zeitlupe gedreht, d.h. in der Einstellung "Film Camera" mit "720@25pn" und "50 fps", da die Kamerabewegung an sich zwar recht weich ist, aber der Bildausschnitt gerade bei großen Brennweiten sehr schnell wechselt. Nachstehend noch ein kurzer Testflug bzw. Testfilm mit dem Holzkäfig.

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