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Zeitschrift Flugsport: Jahrgang 1918 als digitaler Volltext

Die Zeitschrift "Flugsport" war die illustrierte, flugtechnische Zeitschrift für das gesamte Flugwesen und wurde im Zeitraum von 1909 bis 1944 von Oskar Ursinus herausgegeben. Über alles, was die zivile und militärische Luftfahrt betraf, wurde in dieser Zeitschrift ausführlich berichtet. Jedes Heft widmete sich zudem den Themen Modellflug, Literatur, Bücher, Patente, Luftwaffe und Flugzeugtechnik, etc. Ebenso wurde über den Luftverkehr im Inland und Ausland berichtet. Pennula bietet nachstehend den kompletten Jahrgang 1918 der Zeitschrift Flugsport vollumfänglich an; aufgrund der Konvertierung mit der maschinellen Text- und Bilderkennung (Optical Character Recognition, OCR) kann es jedoch zu Format- und Rechtschreibfehlern gekommen sein. Bei insgesamt weit über 50.000 Einzelseiten aller Jahrgänge sind diese Fehler jedoch vernachlässigbar. Alle Jahrgänge der Zeitschrift Flugsport von 1909 bis 1944 findet Ihr in der Übersicht. Bei der Firma Digital River GmbH könnt Ihr Euch alle verfügbaren PDF Dokumente der Zeitschrift Flugsport anschauen.


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Nn , technische Zeitschrift und Anzeiger aa*UQ"™

"0. I "» oro Jahr M. 18 M

„Flugwesen"

oro Jahr M. 1881

2. Januar "'r das besänne ausiaiia

par Krauzkano «I 21.11 Elmelor M IM

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben >-■»■»

Tele«. Hansa 4557 Oskar UrsiflUS, Civiling-enieuP. Tel.-fldr.: Uralnu». Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. — Erscheint regelmäßig I4tägig. — Zu beziehe» durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. ==

Der Nachdruck unserer Artikel Ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenargahe gestattet

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 16. Januar.

1908 bis 1918!

Zehnter Jahrgang! Die Entwicklungsgeschichte des Flugwesens ist in einer stattlichen Reihe umfangreicher Bände niedergelegt. Mit Flugversuchen Ende 1908 auf dem Griesheimer Exerzierplatz und auf dem Magdeburger Krakauer Anger hatte die Entwicklung des Motorflugwesens in Deutschland eingesetzt. Die Betätigung begann von Jahr zu Jahr sprunghaft immer größere Kreise zu ziehen. Die Ereignisse begannen sich zu überstürzen.

Noch vor dem Kriege begann Deutschland die Flugleistungea des Auslandes zu übertreffen. Was dann der Krieg hervorgebracht hat, übersteigt beinahe alle bisher dagewesene Fantasie.

Wofür wir in dieser Zeitschrift gekämpft haben, geht aus den ■Jahrgängen hervor. Es ist nicht vergeblich gewesen. Oiese gedruckten Dokumente werden in der Geschichte fortleben.

Wenn einst das Flugwesen sich auf Bahnen des Friedens segen bringend betätigen wird, wird es wie bisher unsere vornehmste Aufgabe sein, dazu beizutragen, die Entwicklung, was jetzt in Zukunft besonders in Frage kommt, die Flugindustrie vor störenden Einwirkungen und Elementen, die sich auf diesem gewinnbringend scheinenden Gebiet breit machen werden, zu schützen. Die friedliche Arbeit des Flugwesens wird in der Zukunft noch größeres schaffen!----

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Englisches Luftgesetz?

Gleich wie Heer und Marine werden jetzt die Luftstreitkräfte (air force) geschaffen. Das Gesetz hierfür hat am 12. November die zweite Lesung überlebt. Die Vorgänge und Verhandlungen über die Entwicklung des Militärflugwesens in England zeigen vielfach Beachtenswertes und vieles, wie man es nicht machen soll. Das Air Board sieht man als überlebt an. Trotzdem werden die bisherigen Leistungen von verschiedenen Seiten in den höchsten Tönen gepriesen. Für den Beobachter ist es nicht schwer aus den überall unterirdisch hervorbrechenden Lobeserhebungen die Stimmen der früher im Air Board Beteiligten zu erkennen.

Ueberall lugen persönliche Interessen hervor. Das Munitions-Beschaffungsamt will vorzügliches geleistet haben (vergl. Aeroplane vom 14. November). Es möchte seinen Einfluß nicht schwinden lassen, Andere Seiten wünschen wieder, daß innerhalb der Luftstreitkräfte nach Heer und Marine geteilt werde. — —

Man sieht auch, wie gewisse Persönlichkeiten, die die Luftfahrt bereits seither in üblicher Weise als Sprungbrett benutzten, bei der Aufstellung des Gesetzes rechtzeitig für die Erfüllung ihrer Wünsche vorsorgten, sodaß das große Reinemachen nicht zum gewünschten Ziele geführt zu haben scheint. Jedenfalls wird über das Gesetz noch viel gesprochen und manches anders werden.

Bombenabwurf und das Goerz'sche Zielfernrohr.

(Nach englischer Darstellung).

Jeder aus einer Höhe herabfallende Körper ist zwei konstant wirkenden Kräften ausgesetzt: Dem Luftwiderstand und der Erdanziehung. Die Wurfbahn ist nur dann eine Vertikale zwischen dem Punkte beginnender Fallbewegung und den. A^ftreffpunkt, wenn nicht, wai bei Luftfahrzeugen zumeist, bei Flugzeugen fast regelmäßig der Fall ist, der ßimbe oder dergl. durch die Bewegung des Luftfahrzeuges eine Anfangsgeschwindigkeit, die gleicher Größe und Richtung, wie die Bewegung des Luftfahrzeuges relativ zum Erdboden ist, erteilt wird. Diese mehr oder weniger horizontale Beschleunigung setzt sich mit der Beschleunigung der Erdanziehung und der Verzögerung des Luftwiderstandes zu einer dauernd Größe und Richtung ändernden Beschleunigung zusammen, als deren Ergebnis die Fallkurve, z. B. AO entsteht (Abb. 1).

Trifft die Bombe auf eine in Bewegung befindliche Luftschicht, d. i. Wind, so wird sie in ihrer Bahn von letzterem beeinflußt, sie wird „abgetrieben". Wind von hinten verlängert AD, Wind von vorn verkürzt die Wurfbahn A F.

Wird die Bombe aus einem Flugzeug abgelassen, das durch sehr starken Wind auf demselben Punkt gegenüber dem Erdboden „stehen zu bleiben" gezwungen wird (in diesem Fall ist die Geschwindigkeit des Windes genau gleich aber entgegengesetzt gerichtet der des Flugzeuges), so hat sie keine Anfangsgeschwindigkeit und die Wurfbahn, die dann nur eine Funktion des vom Wind erzeugten Abtriebes

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v^eite 3

(und natürlich der Erdanziehung) ist, endet am Erdboden hinter dem Abwurfpunkt, vgl. A b in (Abb. 1). Dieser Fall ist indessen äußerst selten,*) denn er setzt einen Wind von Fluggeschwindigkeit voraus, also von 35—50 m/Sek. und darüber; bei derartigen Windstärken werden Eombenflugzeuge im allgemeinen nicht auf den Weg geschickt.

Die Visierlinie ist die gerade Verbindungslinie zwischen dem Abwurf- und dem Auftreff-(Ziel -)Punkt, also dem Endpunkt der

Wurfbahn, der V i si er-winkel, der Winkel zwischen der Visierlinie und der Vertikalen im Abwurfpunkt. Da die Wurfbahnen im allgemeinen gekrümmt sind, ändert sich der Visierwinbel mit der Wurf höhe. Da Wind das Wurfgeschoß abtreibt, ändert sich der Abtrieb mit der Form des Wurfgeschosses und mit der Fallgeschwindigkeit.

Zusammengefaßt ist die Wurfbahn einer aus einem Flugzeug abgeworfenen Bombe das

Abb. l

Ergebnis der Einwirkung folgender Einflüsse: Gewicht I

Form ' Elemente, die für einen bestimmten ßombentyp konstant Abtrieb

sind.

iFür einen bestimmten Flug-zeugtypals konstant anzusehen.

Variable Elemente.

Flugzeuggeschwindigkeit in der Luft. Abwurfhöhe.

Anfangsgeschwindigkeit der Bombe (inbezug auf

den Erdboden). Geschwindigkeit des Stirnwindes.

Eins dieser letztgenannten variablen Elemente, die man für jeden einzelnen Bombenwurf kennen muß, nämlich die G eschwindi g beit des Stirnwindes, kann unmittelbar werden, wenn die Flugzeuggeschwindigkeit relativ zum Erdboden bekannt ist, da die Windgeschwindigkeit der Differenz zwischen der Flugzeuggeschwindigkeit relativ zum Erdboden und der normalen, durch die Type gegebenen Flugzeuggeschwindigkeit in ruhiger Luft ist. Hat z. B. ein Plugzeug

*) Man hat bereits längere Zeit vor dem Kriege diesen Sonderfall künstlich herbeizuführen vorgeschlagen, und zwar wollte man der Bombe mittels einer Preßluftvorrichtung dieselbe Beschleunigung nach hinten erteilen, die sie als Teil des Flugzeuges nach vorn besitzt, sodaß sich beide aufheben. Der komplizierten Regelungs-Einrichtung wegen ist dieser Gedanke nicht zur Ausführung gelangt.

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eine Norinalgesehwindigkeit von 150 km in der Stunde und es bewegt sich mit 100 km i. d. Stunde relativ zum Erdboden vorwärts, dann hat es einen Stirnwind von 50 km in der Stunde zu überwinden. (Bei 3/4 Wind von hinten betrüge die Flugzeuggeschwindigkeit 175 km, bei 3/4 Wind von vorne 125 km i. d. Stunde.) Daher ist es nur erforderlich, die Flughöhe und die Anfangsgeschwindigkeit der Bombe in horizontalem Sinne zu kennen, wenn man die Flugbahn fortlegen will. Diese Methode rechnerischer Festlegung der Wurfbahn hat das Bestreben sich auf wissenschaftlicher Grundlage aufzubauen, um eine mathematische 0-enauigkeit des Ergebnisses zu erzielen. Unglücklicherweise hat man hierbei aber sich auf eine nur der Vermutung zugänglichen Annahme der atmosphärischen Lage zu stützen, und die ist voller Launen' und Zufälligkeiten: -Legt man beispielsweise in 4000 m Höhe die Windgeschwindigkeit zu Grunde, die dort herrscht, unter der Annahme, daß sie unverändert bis zum Erdboden dieselbe bleibt, was in Wirklichkeit selten der Fall ist. so sind, wenn von 300O m ab der Wind seine Richtung ändert, die genannten Rechnungen, die besten Ziefernrohre und die geschicktesten Beobachter nicht in der Lage, genau zu zielen. Als Abwurfhöhe kommt diejenige in Betracht, die man durch Subtraktion der Höhe des zu bewerfenden Zieles von der aus dem Höhenmesser ablesbaren Flughöhe erhält; lliegt die Maschine beispielsweise in einer Höhe von 4200 m über dem Meeresspiegel und liegt die anzugreifende Fabrik 200 m hoch, so ist die Abwurfhöhe 4000 m. Dieser Faktor ist bei größeren Flughöhen nur sehr geringen Fehlern unterworfen. Z. ß. entspricht bei einer Flugzeuggeschwindigkeit von 90 km in der Stunde in einer Höhe von 4000 m ein Irrtum in der Höhe um 500 m nur einem Zielfehler von 25 m auf dem Erdboden.

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100 200 300 400 SOO tOO 700 600 90O HOO

1000

§1000

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4000\

Am schwierigsten ist die Flugzeuggeschwindigkeit relativ zum Erdboden, mit anderen Worten die Anfangsgeschwindigkeit der Bombe zu ermitteln, weil diese sich mit der Windgeschwindigkeit ändert und der Wind sich in einem Zustande dauernder Unbeständigkeit befindet. In welcher erheblicher Weise veränderliche Windgeschwindigkeiten oder gar -richtungen die Treffgenauigkeit beeinflussen, geht aus Abb. 6 hervor. Um diese Ermittelungen möglichst zu vereinfachen, sollte ein Bombenwurf-Flugzeug stets nur mit Stirn-—~" wind angreifen, weil

dann die Geschwindigkeit die kleinstmög-liche ist. Diese Geschwindigkeit ermittelt man nun mittels derjenigen Zeit, die erforderlich ist, um einen beliebigen festen Punkt des Erdbodens, einen bestimmten Winkelbereich, z. ß. von 45° oder von 22V2° durchwandern zu lassen (natürlich unter Innehaltung der Höhenlage;; die festgestellte Sekundenzahl ist proportional der Fluggeschwindigkeit relativ zum Erdboden; ihren Wert entnimmt man einer vorbereiteten Tabelle. Fliegt beispielsweise die Maschine in einer Höhe-von 4000 m und bedarf ein Punkt der

Erdoberfläche zum Durchwandern eines Winkelbereichs von 22'/,,° 36 Sekunden, dann fliegt sie mit 1U0 km in der Stunde über Land; braucht der Punkt nur 18 Sekunden, dann ist die

Abb. 6. Bombenfallkurven bei verschied. Fluggeschwindigkeiten Fluggeschwindigkeit, (nach engl. Darstellung). oder mit anderen

Worten die horizontale Anfangsgeschwindigkeit der Bombe 200 km in der Stunde.

Von den Instrumenten nun, die der Bestimmung des Zeitpunktes des Bombenabwurfs dienen, steht das Goerzsche Zielfernrohr an erster Stelle. Es ist dies sicher das beste und vollendetste Erzeugnis

loo zoo too 400 soo 600 700 eoo 900 1000

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deutscher Wissenschaft, das außerhalb der Reichweite ihrer Riesengeschütze bestimmt ist, Eisenbahnen und Industrieanlagen zu zerstören und Menschenleben zu vernichten. Es besteht aus einem etwa 1 m langen Fernrohr, das auf einem Universalgelenk gelagert, in alle Richtungen eingestellt und ganz unabhängig von der jeweiligen Lage des Flugzeugs genau senkrecht gehalten werden kann; es ist in Abb. 2 die auch 3en optischen Aufbau erkennen läßt, schematisch dargestellt. Das Gesichtsfeld ist 500/1000 und die Vergrößerung eine 1,5 fache. Am unteren Ende des Rohres ist ein Prisma auf ürehzapfen gelagert; es wird mittels einer Scheibe mit Gradenteilung gesteuert. Wird das Rohr vertikal gehalten, so gestattet die Beweglichkeit des Prismas, die Lichtstrahlen um die Zahl von Graden, die der Einstellung auf der Scheibe entsprechen, abzulenken bezw. einfallen zu lassen. Auf der Scheibe sind 2 Einstellungen besonders hervorgehoben, nämlich die von 0° und 221/2°. Bei den ersteren sieht der Beobachter längs der Vertikalen auf den Erdboden (Abb. 3), bei der zweitgenannten kommen die Sehstrahlen unter einem Winkel von 221/2° von vorn (Abb. 4.) Außerdem ist noch eine Einstellung auf — 5°, d. h. nach hinten möglich (Abb. 5.) Auf der Scheibe ist ein kleiner Läufer verschiebbar und mittels eines kleinen Einschnapp-Mechanismus feststellbar. Ist dieser einmal eingestellt, so schnappt er beim Verstellen der Scheibe in eine Vertiefung ein und macht den Beobachter darauf aufmerksam, daß er nunmehr den Erdboden unter dem Winkel sieht, der mit der durch den Läufer festgesetzten Gradzahl übereinstimmt. Durch einen etwas kräftigeren Druck der Hand wird die Einstellung wieder gelöst.

Im anderen Teil des Rohres befindet sich eine Flüssigkeitswage (Spiritus); die Ränder von deren Luftblase werden derart wiedergespiegelt, daß sie in der Form eines dunklen Kreises erscheinen; dieses dient als Gesichtskreismittelpunkt des Rohres. Beim Visieren muß der Beobachter diese Luftblase dauernd im Mittelpunkt des Okulars halten; dadurch wird das Zielfernrohr ganz unabhängig von der Lage des Flugzeuges vertikal gehalten.

Das Universalgelenk gestattet dem Rohr eine unbeschränkte Neigung nach den Seiten oder nach vorn oder hinten. Dreht es sich jetzt um die Rohrlängsachse, und nämlich dann, wenn die Sehstrahlen statt aus gerader Richtung von vorn oder hinten von rechts oder links der einzuschlagenden Route eintreten, so wirkt das Rohr auf den Routen - Korrektor ein. Dies ist eine elektrische Einrichtung. Widerstände beeinflussen ein sehr empfindliches Galvanometer, das vor dem Flugzeugführer angebracht ist, und dies zeigt ihm an, wie er die Flugbahn zu verbessern hat, um sie genau über das anzugreifende Ziel verlaufen zu lassen., vgl. Abb. 7.

Was nun die bereits eingangs besprochenen Einflüsse auf die Gestaltung der Flugbahn und die Berücksichtigung dieser durch das Goerzsche Zielfernrohr anbelangt, so ermittelt der Beobachter zunächst einige Minuten vor dem beabsichtigten Bombenwurf die Flughöhe und die Anfangsgeschwindigkeit der Bombe; erstere als Differenz: Höhenmesser-Anzeige minus, Höhenlage des Ziels-Bembenwurfhöhe. Dann wird der Läufer auf der in Grade eingeteilten Scheibe auf 221/2° eingestellt. Nun wird irgend ein weiter vorn befindlicher bemerkenswerter Punkt im Gelände (ein Haus, eine Waldecke) oder eine die

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outen-Korrektor ßeobachtersiti ,

Abb. 7. Anorduung des Zielfernrohrs im Flugzeug.

Flugbahn schneidende Geländelinie (ein Fluß, eine Straße), die natürlich auf dem Wege zum Ziel liegen müssen, in dem von der Luftblase gebildeten dunklen Kreis im Okular festgehalten wobei die Scheibe — m. a. W. das ve-stellbare Prisma — dauernd gedreht werden muß. Hierbei wird sich zunächst das Ueberschreiten des eingestellten Winkels von 221/2° der drehenden Hand bemerkbar machen, indem der Läufer

in die Vertiefung einschnappt; in diesem Augenblick setzt der Beobachter die neben dem Okular befindlich Stoppuhr in Gang Das Hilfsziel wird nun weiter, unter fortwährender Drehung im Mittelpunkt des Gesichtsfeldes des zugleich vertikal (Luftblase) gerichteten Rohres gehalten, bis zum zweiten Mal der Läufer einschnappt — bei 0° — und den Beobachter veranlaßt, die Uhr zu stoppen. Nun braucht der Beobachter nur auf einer Tabelle mit der aus der Uhr ablesbaren Stundenzahl in der Spalte, die der Flughöhe entspricht, nachzusehen um den Visier- oder Vorhaltswinkel zu erhalten. Nachdem er noch ■den Läufer auf diesen Winkel — beispielsweise 10° — eingestellt hat, ist der Beobachter mit seiner Vorbereitung f. rtig. Er wartet nun, bis er das Ziel, das er anzugreifen beabsichtigt, deutlich in das Gesichtsfeld und dann in den Kreis der Flüssigkeitswage bekommt und verfolgt diese genau wie das Hilfsziel unter Drehen der Scheibe bezw. des Prismas. Hierbei wirkt gleichzeitig der Routen-Korrektor mit. Wenn das Flugzeug rechts oder links aus der beabsichtigten Flugbahn abirrt und der Beobachter infolgedessen das Rohr um seine Längsachse drehen muß, um das Ziel im Kreis zu halten, so kündigt dies das Galvanometer vor dem Führer letzterem an, ohne daß der Beobachter durch eine diesbezügliche Nebentätigkeit von seiner Hauptaufgabe abgelenkt wird. Genau in dem Moment, wo der Läufer in die Vertiefung — nach dem Beispiel 10° gerät und dies der Hand fühlbar macht, betätigt der Beobachter die Auslösevorrichtung und die Bombe fällt ihren gekrümmten Weg hinab.

Wie schon erwähnt, muß der Führer— zumindest von dem Beginn der Vorbereitung ab — die Maschine genau gegen den Wind steuern; der Luftblasen-Kreis muß ständig im Mittelpunkt des Okulars gehalten werden und nur das Spiel des Prismas dient dazu, das Ziel zu suchen.

Jeder, — so anerkennt unser feindlicher Gewährsmann — der das Goerzsche Zielfernrohr einmal mit wenigen raschen Handgriffen bedient hat, weiß, von welcher elementaren Einfachheit es ist. Das bewegliche Prisma läßt das Ziel mit Leichtigkeit finden; der Luft-blasenkreis gestattet, das Zielfernrohr unmittelbar in der Vertikalen zu halten. Wunderbar konstruiert, offenbart sich in dieser Ausführungsform ein bemerkenswerter Vorsprung über alle früheren Ereignisse dieser Art.

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Die Messung der Steigfähigkeit und Geschwindigkeit der Flugzeuge.

In demselben Maße, wie die Anforderungen an das Flugzeug im Kriege gestiegen sind, wie z. B. aus Gipfelleistungen einzelner Maschinen und Führer Durchschnittsleistungen geworden sind, die man heute fast von jeder Maschine und jedem Führer verlangt, mußte auch die Technik der Prüfflüge eine weitere Vervollkommnung erfahren. Meßirrtümer, die früher bei den durchschnittlich viel geringeren Leistungen belanglos waren, können heute nicht wieder gutzumachende Nachteile im Gefolge haben. Und wie der Krieg nach Clausewitz die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, so wird sich nach dem Kriege der Kampf mit anderen Mitteln foitsetzen, nämlich auf wirtschaftlichem Gebiete. Wir wissen, wie England sich für diesen sogenannten friedlichen Wettstreit der Völker vorbereitet, indem es unsere Handelsbeziehungen ein für alle Mal zu zerstören sucht; auch dadurch, daß es seine im Ansehen gesunkene Seegeltung durch die Schaffung einer Luftgeltung wett zu machen sich heiß bemüht. So große Aufgaben das Flugzeug auch jetzt im Kriege zu lösen bekommen und auch gelöst hat, noch größere stehen ihm im kommenden Luftverkehr bevor. Die Frage der Wirtschaftlichkeit des Flugzeuges, die während des Krieges mehr oder weniger in den Hintergrund getreten ist, wird später die Entwicklung bedingen. Mindestens ebenso, wenn nicht mehr noch als bisher, wird man also, später die rücksichtslose Ausbeutung dieses jüngsten Kindes der Technik anstreben. Hierzu gelangt man aber nur auf dem Wege einwandfreier Leistungsvergleiche und zu diesen wieder nur, wenn man die Meßtechnik von den Zufälligkeiten befreit, die ihr infolge ihrer Abhängigkeit von meteorologischen Einflüssen anhaften. Der Bedeutung entsprechend, die die Meßtechnik besitzt, sind seit Kriegsausbruch auch alle auf diesem Gebiet gemachten Fortschritte von der Veröffentlichung zurückgehalten worden, was natürlich 1 vom wissenschaftlichen Standpunkte aus bedauerlich erscheint. Zum ersten Male ist jetzt dieser Grundsatz in England durchbrochen worden. Ein Hauptmann des Royal Flying Corps, namens Tizard, hat im März dieses Jahres vor der Aeronautical Society über gewisse Vervollkommnungen auf dem genannten Gebiet berichtet, und zwar hat der Vortrag hauptsächlich Verbesserungen der Steigfähigkeits- und Ge-schwindi'gkeitsprüfung von Flugzeugen [zum Gegenstand gehabt, die zuerst in geineinsamer Arbeit mit der Royal Aircraft Factory, der staatlichen Luftwerft Englands, ausgearbeitet, dann von dem „Testing Squadron" (Versuchsabteilung) des R. F. C. angewandt und weiter entwickelt worden sind. Stellt das bekanntgegebene Matenaf auch zweifellos Methoden dar, die in Fachkreisen längst nicht mehr neu sind und nicht allein bei Uns, sondern wahrscheinlich auch in England selbst zu den elementarsten Grundlagen gehören, ohne den letzten Grad der derzeitigen Verfeinerung wissenschaftlicher Leistungsprüfung zu bilden, so sind die Ausführungen Tizards bemerkenswert genug, um nachstehend auszugsweise wieder gegeben zu werden.

Einfluß des Führers auf die M es s u n gs e rg eb n i sse. So scharf auch Messungsverfahren ersonnen sein mögen, ihre Genauigkeit wird letzten Endes immer von dem Grade an Vorbildung, praktischer Erfahrung und vor allem an Sorgfältigkeit abhängen, den der Führer der zu prüfenden Maschine besitzt. Er ist derjenige, der das meiste zu dem guten Gelingen der Versuche beiträgt. Ist er nachlässig und nicht im Besitze der erforderlichen Geduld, so haben die auf seinem Flug beruhenden Feststellungen wenig Wert ;. andernfalls sind die gestellten Aufgaben nicht schwer zu lösen. Der Einfluß des

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Fliegers macht sich auch dann bemerkbar, wenn man in der Umwandlung aller Beobachtungsinstrumente in sei bs t r e gi s tr i.'e ren d e sein Heil sieht. T. urteilt über derartige Bestrebungen abfällig; er hat mehr Vertrauen zu den direkt abgelesenen Ergebnissen, die fertig vorliegen und nicht erst einer Korrektur der durch den Registrier-Mechanismus neu hereingebrachten Fehler bedürfen, ganz abgesehen davon, daß „es bei der augenblicklichen Ueberlastung der mit der Herstellung von Prüfinstrumenten bewanderten Firmen ein unbilliges Verlangen wäre, Entwürfe neuer Instrumente, die peinlichst durchgearbeitet werden müßten, fordern zu wollen. Soweit man Registrier-Instrumente bereits hat, soll man sie lediglich zur Kontrolle verwenden und darüber hinaus allenfalls Einsitzer-Führern mitgeben, um sie zu entlasten."

I. Plughöhe, Luftdichte und Temperatur.

Angenommen, es sei zum Leistungsvergleich zweier Flächenprofile A und B an verschiedenen Tagen festgestellt worden, daß „in 3000 m Höhe" A 145 B 150 km-Stde. Luftgeschwindigkeit gehabt, und um auf diese Höhe schnellstens zu gelangen, A 760 B 920 m pro Minute Steiggeschwindigkeit gezeigt hätten. Geht dann A oder B als das bessere Profil aus dieser Gegenübersiellung hervor?

Ohne weiteres ist diese

aooo°l Frage nicht zu beant-

worten. Denn 1) sind die „Höhenmesser" gar nicht imstande, die wirklichen Höhen anzuzeigen, sondern können nur den Luftdruck einer bestimmten Stelle angeben ; 2) kann der Ausdruck „3000 m Höhe" sich ebenso beziehen auf die Höhe über dem Aufstieg-gelände, wie über dem Meere; 3) selbst wenn im Falle A und B wirklich dieselbe Höhe erreicht war, kann der Zustand der Luft in Bezug auf Druck und Temperatur an beiden verschiedene Leistungen be-in der Fest-

1600O

isooo

¿000

Temperatur in "F. Abb. 1. Aenderung der Temperatur mit der Höhe an versehied. Tagen

Tagen ein ganz verschiedener und daher dingender gewesen sein. Die wichtigste Angabe nämlich fehlt Stellung, die der Luftdichte. Von der Luftdichte hängt die gesamte L e i s t u ng d es FI u gzeu g es ab, sie ist dieWurzel des Meßproblems. Alle Luftkräfle, die am Flugzeug auftreten, Auftrieb, Widerstand, Leistung der Luftschraube und des Motors sind irgendwie proportional der Luftdichte, d. h dem Gewicht der Luft bezogen auf die Volumen-Einheit, und nicht etwa dem Luftdruck, d. h. dem atmosphärischen Druck der Luft auf die Flächeneinheit. Alle Messungen, die nicht dieselbe Luftdichte zur Grundlage haben, können nicht ohne weiteres mit einander verglichen werden, um so weniger als in der gleichen Höhe über dem Boden der Luftdruck nicht allein an verschiedenen Tagen, sonder auch zu derselben Stunde, wenn auch an verschiedenen Punkten des Luftmeeres

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-stark abweichende Werte aufweisen kann.1) Man muß also sämtliche Höhenfeststellungen auf der Grundlage einer Normaldichte machen und wählt hierzu am zweckmäßigsten diejenige, die den üblichen Luttgeschwindigkeitsmessern von jeher zu Grunde gelegt worden ist, nämlich die Dichte, die trockne Luft bei 760 mm Druck und 16 0 C besitzt: 1,221 kg/cbm.2; Und um eine Einheitsbeziehung zwischen Luftdichte und Höhe zu erlangen, einigt man sich über diejenigen Dichten, die erfahrungsgemäß in den verschiedenen Höhen vorherrschen, also über die m i 111 e r e n Luftdichte werte. In England (und anscheinend euch in Frankreich) benutzt man hierzu diejenigen Werte, die Dines auf Grund zahlreicher Beobachtungen als die durchschnittlichen Luftdichten der betreffenden Höhen festgeslellt hat. Tabelle 1 zeigt eine Zusammenstellung dieser Werte zugleich unter Berück' sichtigung der durchschnitilichen Temperatur der betr. Höhe; ferner sind in besonderen Spalten die Luftdichten in Prozenten der Normaldichte (1,221 kg/cbm) •und die mittleren Luftdruckwerte in Millibar') aufgeführt.

Die Werte der Tabelle 1 könne i so angesehen werden, als ob sie den in einer idealen^ Normal-Atmpsphäre ..herrschenden Zustand , ausdrückten; alle Leistungen auf'diese Werte reduzieren, heißt also nichts anderes, als die jeweils gemessene Leistung des Flugzeugs in denjenigen Zahlen ausdrücken, die man von dem betr. Flugzeug an einem Tage erwarten kann, dessen atmosphärischer Zustand dem von Dines ermittelten Durchschnittszustand gleicht. Die jeweilige Leistung wird also an manchen Tagen eine bessere, an manchen Tagen eine schlechtere, als die reduzierte Leistung sein; zöge man aus einer genügend großen Anzahl jeweiliger Leistungen einer Maschine das Mittel, so würde, wenn die Merkmale dieser Maschine (Motor, Verspannung usw.) stets dieselben blieben, diese Mittelleistung gleich der reduzierten sein. Allerdings lassen sich auch hierdurch nicht alle atmosphärischen Einflüsse berücksichtigen, wie z. B. auf- und absteigende Luftströmungen, die man mitunter an einer sonst unerklärlichen Zu-oder Abnahme der Steigfähigkeit oder daran erkennen kann, daß die beobachtete Luftgeschwindigkeit der einer anderen Luftdichte entspricht.

Wie schon aus der Tabelle I hervorgeht, ist die Temperatur für eine einwandfreie Messung von großer Bedeutung. Das Gesetz der Druckabnahme mit

zunehmender Höhe lautet bekanntlich: H = k .T. In ^—j worin p, und p2 die

Luftdrücke zweier um die Höhe H verschieden hochgelegener Punkte im Räume, k eine Konstante = 29,3 und T = 273 + 1 0 C den Mittelwert der Temperatur (absolut) zwischen den beiden Punkten bedeutet. Kalibriert man nun ein:n Höhenmesser, so muß man irgend eine Temperatur zu ■Grunde legen; gewöhnlich wurde t = 100 C gewählt. Dann aber sind die Angaben des Höhenmessers nur für die Temperatur von 10 " C genau und weichen um so mehr ab, je größer die Temperaturunterschiede sind. Wie wenig gesetzmäßig die Temperaturabnahme nach oben hin verläuft, geht aus den Beispielen der Abb. 1 hervor. Die Wahl von 10 0 ist nun für Flugzeuge insofern

') Es ist, wenn man den Höhenmesser nicht als solchen, sondern bewußt als Luftdruck —, im weiteren Sinne als Luftdichte-Messer benutzt, zweckmüßig, von der üblichen Nnlleinstellung vor jedem Versuchsflug abzusehen, den Nullstrich der Höhenskala vielmehr dauernd auf 760 mm eingestellt zu lassen; er zeigt dann die Luftdrücke unmittelbar an, woraus man unter Berücksichtigung der Temperatur die Luftdichte errechnen kann.

a) Dieser gewöhnlich in f bezeichnete Wert stellt die Gewichtsdiclite der Luft dar,

T

während p = — die Massendichte der Luft, also etwa — 0,125 ist. g

3) 1 Millibar, der 1000 sie Teil einer Megadyne (1,0104 kg) auf 1 qcm = 0,740« mm ■Quecksilbersäule.

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Tabelle 1.

Mittelwerte des Luftzustandes in verschiedenen Höhen (nach Dines)

Tabelle II. Höhenmesser-Korrektion 73+1

H =

283

-.h

Seite 12

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N<>. 1

unzweckmäßig, besonders bei den jetzigen großen Flughöhen, als nur an heißesten Sommertagen, und auch dann nur selten, die mittlere Temperatur zwischen Boden und 6000 m Höhe 10 "C beträgt. Diese Temperatur ist somit zu hoch gewählt, was an kalten Wintertagen bei einer Höhe von z. B. 5000 m 600 m ausmachen kann, sodaß der Höhenmesser etwa 5600 m anzeigen würde. Aber wenn dies auch nicht der Fall sein würde, müßle doch eine Höhenkorrektur vorgenommen werden und zwar für auf 10 °C kalibrierte Instrumente nach der

Formel: H ^— Ii, worin H die wirkliche Höhendifferenz zwischen zwei Punk-

ten, t die mittlere Temperatur in 0 C undh die vom Höhenmesser abgelesene Höhendif-

ferenz ist. Zweckmäßig stellt man sich die Korrektionsziffern (-A in einer Kurve zu-

sammen ; Tabelle II gibt eine Reihe solcher Ziffern wieder. Bei 1000 m Höhenunterschied nach dem Höhenmesser und 5 0 C Durchschnitlstemperatur beispielsweise würde der wirkliche Höhenunterschied nur 0,986 . 1000 = 986 m betragen, Die Formel ist mir für geringe Höhen — bis zu 3C00 m — genau, sonst angenähert. Die Temperaturabnahme geht mit der Höhe nur unregelmäßig vor sich; annähernd gesetzmäßig verläuft sie erst von etwa 3000 m ab. Für die Anbringung des erforderlichen Thermometers ist zu beachten, daß seine Messung nicht von der Nähe des Rumpfes oder von der Abwärme des Motors beein-

Theorie und Praxis stimmen darin überein, daß ein Flugzeug am besten steigt, wenn man das Höhensteuer nur soviel zieht, daß die Angaben des üblichen Geschwindigkeitsmessers, der eigentlich nur den Staudruck mißt

und auf der Formel P=^-' p ' v2 beruht, sich nicht ändern (also p . v* konst.)

d. Ii. wenn scheinbar die Geschwindigkeit zur umgebenden Luft sich nicht ändert. Diese konstante Geschwindigkeit oder richtiger gesagt der Staudruck muß auch in der Gipfelhöhe des betreffenden Flugzeuges innegehalten werden, um horizonlal zu fliegen; bei jeder Geschwindigkeits-Zu- oder -Abnahme würde es an Höhe verlieren. Angenommen, diese Angabe des Höhenmessers betrage 25 m/5ek., dann steigt die Maschine am besten — bis zur Gipfelhöhe, um dort schließlich in Horizontalflug überzugehen —, wenn die „Geschwindigkeit" aui dieser Zeigerstellung dauernd erhalten wird, sie also weder über- noch unterschreitet. Kleine Abweichungen hiervon haben allerdings keine erheblichen Unterschiede zur Folge: Eine B E2c-Maschine stieg mit 24 m/Sek beinahe ebenso schneit auf 1500 m wie mit 25 m/Sek; dies hat besonder-« bei Einsitzermaschinen den Vorteil, daß der Führer dem Höhenmesser keine sehr gioße Aufmerksamkeit zu widmen braucht. In unruhiger Luft, die gewöhnlich nur in geringeren Höhen vorhanden ist, läßt sich die Aufgabe, wenn überhaupt, weniger gut durchführen. Da es mitunter, zumal bei ungeeignetem Fuhrerpersonal schwierig ist, die beste Steiggeschwindigkeit einer Maschine zu ermitteln, ist bei der Versuchsabteilung ein Steiggeschwindigkeits-Anzeiger in Gebrauch genommen worden, der dem Führer in der Bewegung und Stellung eines Flüssigkeitstropfens in einem Kapillarrohr anzeigt, wenn er die günstigste Steiggeschwindigkeit gefunden hat. 4)

Bei der Steigprobe werden in England außer vorheriger Gewichtsfeststellung folgende Beobachtungen gemacht:

1. Alle 1000 Fuß (nach Hohenmesser-Angabe) Feststellung der Zeit und der Temperatur;

flußt wird

II. Steigfähigktitsprüfung.

') Offenbar nichts Minieres als das ßallonvarionieter von Di'. Uestelmeyer.

No. 1

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2. Zeitweilig Festlegung der Angabe des Geschwindigkeitsmessers und der Umdrehungszahl des Motors.

Die Auswertung erfolgt, indem auf kariertem Papier zunächst die gemessenen Höhen als Ordinaten, die Zeilen als Abcissen aufgetragen und durch eine Kurve verbunden werden. Aus dem Winkel der Tangente in einem beliebigen Punkt erhält man die Steiggeschwindigkeit mit Bezug auf angezeigte Höhen. Dann werden die Höhenzahlen unter Berücksichtigung der Temperaturen korrigiert und von neuem in einer Kurve aufgetragen, aus dieser mit Hilfe der Tangenten die wahren Steiggeschwindigkeiten entnommen und mit diesen und den „Normalhöhen" eine neue Kurve aufgezeichnet. Die Zeit, die zum Erreichen einer bestimmten Höhe erforderlich ist, erhält man durch graphische Integration der Kurve. Tabelle III stellt die Ergebnisse einer Steigprüfung dar.5) Häufig sind die erforderlichen Korrekturen viel größer, als sie sich bei diesem Beispiel ergeben. Die Verlängerung der Steiggeschwindigkeitskurve nach oben führt zum Schnitt mit der Höhenachse; hier ist also die Steiggeschwindigkeit null und somit die Steiggrenze erreicht. Die betreffende Höhe heißt die Gipfelhöhe des Flugzeuges.

Hl. Geschwindigktits-prüfung.

Die Geschwindigkeits-prüfwig'wird in der Regel an die SteigprUfung angeschlossen , derart, daß sie bei der Rückkehr zum Abllugsort in gewissen Höhenintervallen (in England alle 2000 Fuß) vorgenommen wird, und zwar wird die bei ungedros'seltem Motor im Horizontalflug auftretende maximale Geschwindigkeit des Flugzeuges zur umgebenden Luft (im Folgenden kurz als Luftgeschwir.digkeit bezeichnet) bestimmt; außerdem werden einige andere Geschwindigkeiten bis herab zur Mindestgeschwindigkeit durch Drosselung erzeugt und hierbei wird außer der Höhenmesserangabe noch der Thermometerstand und

/Thermos

Abb. 2. Stiitoskop.

die Tourenzahl festgestellt. Anstelle des üblichen Höhenmessers, der für die hierbei erforderliche peinliche Innehaltung einer gewissen Höhenlage zu empfindlich ist,

'') Die dazu gehörigen graphischen Ermittelungen sind nicht veröffentlicht.

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wird einStatoskop verwendet. Es besteht, wie aus Abb. 2 hervorgeht, aus einer Thermosflasche und einem damit verbundenen, ^horizontal angeordneten, geschweiften Glasröhrchen, in dem zwischen zwei an den Enden eingeschmolzenen Fängern, vgl. Abbildung 2 unten, sich ein Flüssigkeitstropfen befindet. Nimmt beim Steigen der Maschine der Luftdruck ab, so treibt der Druck der in der Flasche eingeschlossenen Luft den Tropfen nach rechts, wo er von dem Fänger aufgehalten wird, während gleichzeitig ein Teil dir eingeschlossenen Luft entweicht; beim Sinken der Maschine wandert der Tropfen nach links und wird Luft eingelassen; beim Horizontalflug bleibt der Tropfen stehen. Es ist ohne weiteres klar, daß ein derartiges Instrument sehr viel empfindlicher gegenüber Luftdruckänderungen ist, als ein Aneroid-Barometer. Trotz des Statoskops verlangt die Innehaltung einer bestimmten Höhenlage viel Geduld und Sorgfalt vom Führer. Ist die Luft unruhig, so ist die Maschine fortwährend Beschleunigungen und Verzögerungen unterworfen und die Meßergebnisse werden ungenau. Als am zweckmäßigten hat sich folgendes Verfahren erwiesen: Das Flugzeug wird zunächst einmal leicht aufwärts und einmal leicht abwärts gesteuert, die hierbei ermittelten Geschwindigkeiten schließen dann in sich die gesuchte Horizontalgeschwindigkeit ein. Nun hält der Führer so stetig wie möglich die Geschwindigkeit in der Mitte zwischen den beiden vorgenannten Geschwindigkeiten, in dem er gleichzeitig Geschwindigkeitsmesser und Statoskop beobachtet! schlägt das Staioskop auch jetzt noch nach rechts oder links aus, so muß der Führer sein Höhensteuer um einen geringen Betrag drücken oder ziehen, bis das Statoskop Stetigkeit erlangt hat. Auf diese Weise kann man in ruhiger Luft sogar von leichtey Maschinen einwandfreie Resultate erzielen. Es gibt indessen eine Schwierigkeit, die nicht umgangen werden kann: Die Anzeige des Geschwindigkeitsmessers ist von vornherein falsch, wenn auf- oder abströmende Luftmassen durchflogen werden, die stetig und wirbelfrei sind und sich infolgedessen nicht bemerkbar machen; denn um in ihnen horizontal zu fliegen, muß man die Maschine um einen geringen Betrag relativ zur Luft abwärts bezw. aufwärts steuern. Bis zu einem nicht unbeträchtlichen Grade eliminiert man diesen Fehler durch die Vornahme der Prüfung In mehreren Höhenlagen.

Wie wohl allgemein bekannt, zeigt der Geschwindigkeitsmesser in größeren Höhen zu niedrig an; dies beruht wie beim Höhenmesser darauf, daß er eigentlich nur ein Druckmesser (aber von großer Empfindlichkeit) ist. Hierbei wird der Unterschied zwischen dem Druck in einem vorn offenen entgegen der Fahrtwindrichtung eingestellten Rohr und dem statischen Druck der Außenluft anzeigt. Diese Druckdifferenz beträgt ^ • p • v2, vorausgesetzt, daß das Instr ment nicht von Streben o. dgl. störend beeinflußt wird. Auf der Grundlage dieser Beziehung werden die Geschwindigkeitsmesser, wie bereits erwähnt, so graduiert, daß sie bei einer Luftdichte von y = 1,221 kg/cbm genau anzeigen. Diese Dichte entspricht etwa der in 250 m Höhe über dem Meere vorhandenen. Angenommen nun, die tatsächliche Geschwindigkeit in h m Höhe sei V m, so verhält sich, wenn man mit p die in Bruchteilen der Normaldichte ausgedrückte Luftdichte der betreffenden Höhe bezeichnet: p • V* = 1 • v2. Zur Korrektion der angezeigten Geschwindigkeit muß man sie daher durch die Quadratwurzel aus der prozentualen Dichte p teilen. Beispielsweise: Höhe nach dem festeingestellten Höhenmesser 2400, angezeigte Geschwindigkeit 128 km/Stde, Temperatur O'; diesen Werten entspricht, aus Kurven o. dgl. ablesbar, ein p = 0,85

128

der Normaldichte. Also ist die richtige Geschwindigkeit v = 140 km.

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IV. Kalibrierung des Luftgeschwindigkeitsmess-rs, optisches Verfahren,

Rennstrecke.

Da man nie genau weiß, ob der Geschwindigkeitsmesser nicht durch seine Lage zu anderen Flugzeugteilen in seinen Feststellungen beeinträchtigt wird, ist es stets notwendig, die Größe [der möglichen Fehler festzustellen, also den Messer zu kalibrieren. Das einzige Mittel hierzu besteht in der Messung der Geschwindigkeit des Flugzeugs vom Erdboden aus; sie hat man als die wichtigste anzusehen, da auf dieser Kontrolle alle anderen Geschwindig-keitsmessuugen beruhen. Diese Prüfung kann man vornehmen, entweder, indem man das Flugzeug dicht über dem Erdboden eine Rennstrecke abfliegen läßt, oder indem man es in größerer Höhe mit optischen Mitteln verfolgt. Bei der Versuchsabteilung wird das letztere Verfahren bevorzugt, da die Verhältnisse, unter denen hierbei die Prüfung vor sich geht, sich mehr denen der Luftgeschwindigkeitsmessung in verschiedenen Höhenlagen nähern, ferner die atmosphärischen Verhältnisse oben in der Regel viel ruhigere sind und schließlich sich der Führer oben mehr seiner Aufgabe der Innehaltung konstanter Geschwindigkeit widmen kann als in Bodennähe.

Bei dem optischen Verfahren werden zwei Bildkammern („camera obscura"), Abb. 3, (siehe Tafel 1) benulzt, deren eine (I) vertikal nach oben gerichtet ist, während die andere (11) in der ihnen gemeinsamen Vertikalebene um einen Winkel von 45° zu der ersteren geneigt ist; beide stehen etwa 1200 m voneinander entfernt, vgl. Abb. 3. Befindet sich die Prüfmaschine über der vertikalen Bildkammer, so ist sie in Höhen zwischen etwa 300 und 5000 m im Ge^^ätsfeld der schräggestellten Bildkammer. Als Versuchshöhen werden ge. wohnlich solche zwischen 1200 und 1800 m benutzt; nur an ganz klaren Tagen lassen sich in größeren Höhen genaue Meßangaben erzielen.

Bei der Prüfung überfliegt die Maschine möglichst im rechten Winkel zur Verbindungsebene die vertikale Bildkammer in möglichst gerader Linie und mit möglichst konstanter Geschwindigkeit. Beobachter in den Häuschen zeichnen sekundenweise die Lage des Flugzeuges aut. Die durch beide Bildkammern gehende Ebene schneidet die beiden Beobachtungsplatten in einer Geraden (Mi Mi bezw. Mn Mn). Kreuzt die Maschine diese Gerade in der einen Kammer, so kreuzt sie in demselben* Augenblick auch die in der anderen, wodurch auch ohne sonstige Verständigungsmittel eine Uebereinstimmung in der Beobachtungszeit gewährleistet wird. Mittels dieser Beobachtungen läßt sich die Flughöhe H beträchtlich genau ermitteln, bei Anwendung von Sorgfalt bis auf 0,001 genau. Ist aber die Höhe bekannt, so läßt sich die Geschwindigkeit relativ zum Erdboden aus der Bildgeschwindigkeit in der vertikalen Kammer

durch Multiplikation mit -y ermitteln, worin f^die Brennweite der Linse ist. Um

nun den Einfluß des Windes eliminieren zu können, muß man seine Richtung und Stärke in der Flughöhe ermitteln. Dus geschieht durch Feststellung des Bildweges einer Rauchwolke R, die vom Flugzeug aus möglichst senkrecht über der vertikalen Kammer abgelassen wird. Aus der Flugzeuggeschwindigkeit relativ zum Erdboden und der Windgeschwindigkeit läßt sich dann in bekannter Weise mittels des Geschwindigkeitsdreiecks, vgl. Abb. 4, die zur Kontrolle des Geschwindigkeitsmessers gesuchte Flugzeuggeschwindigkeit; relativ zur umgebenden Luft ermitteln.

Dieses Verfahren besitzt folgende Vorteile: l/[kann der Führer in guter Entfernung vom Erdboden seine ganze Aufmerksamkeit der Prüfung widmen ;. 2. kann er sich eine ruhige Luftschicht aussuchen; 3. ist er nicht streng an eine

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bestimmte Strecke gebunden, dafür kann er umsomehr auf die Gleichmäßigkeit der Geschwindigkeit achten; und 4. braucht keine unmittelbare Zeitverständigung zwischen beiden Bodenbeobachtern zu bestehen; das Kreuzen der durch beide Bildfelder gehenden Verbindungsgeraden legt die Zeit einheitlich fest. Diesen

Tabelle IV.

Beispiel eines englischen Prüf-Protokolls für Geschwindigkeitsmessung zwecks Kalibrierung des Geschwindigkeitsmessers.

(Aufgenommen 24. 12. 1916.)

„Flugsport", Oisgan d. Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. Modellflugv. 1918. Tafel I.

Messung der Flugzeug

Nachbildung verboten.

Geschwindigkeit.

Iu England angewendetes Verfahren zur Ermittelung der Fluggeschwindigkeit behufs Kalibrierung des Geschwindigkeitsmessers in schematischer Darstellung. Der auf dem Bildtisch I in der Zeiteinheit zurückgelegte Bildweg x des Flugzeugs D gibt

mit dein Faktor ljhlgllöhe, H multipliziert die GesehwindigBrennweite f

keit relativ zum Erdboden an; die Flughöhe H wird durch gleichzeitige Feat-cgung des Bildweges auf dem Bildtisch II erhalten, indem die Lage, die das Fingzeugbild in einem tewisseu Zeitpunkt zum Schnittpunkt der optischen Hauptachsen O1O1 und und MiMi bezw. OiiOn und MiiMii hat, den räumlichen |Bild-winkcl bestimmt; mit dessen Hufe und der Basislänge läßt sich die Höhe errechnen oder mechanisch ermitteln. Den zeitlichen Ausgangspunkt hierfür stellt der Augenblick dar, in dem. beide Flugzeugbildev (gh-ichzeitig) die Verbindungsgeraden M,kreuzen. In gleicher Weise wird an der Bildweglänge y einer vom Flugzeug abgegebenen Rauchwolke Ii die Geschwindigkeit und Rieh hing des Windes in Finghöhe gemessen.

----Basis —

Abb. 3

<*5RL

m

m 1

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AXIAL'PROPELLER

sind weäen ihrer ünüberrre//-liehen Leisf unäsfähi&keii die erfoläreiensien und beäenrfesfen Luffecfaauben der Ge£enwarf,

Axial PropeUerFabrik

Berlin. O 34. ^rscnauersfr. 58 u.59 Xelepfton. Alexander 1569 u.1586 ■ ; Telegramm Adresse-- Axial -Berlin

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Vorteilen steht, abgesehen davon, daß eine besondere, gut ausgebildete Einrichtung notwendig ist, der Nachteil gegenüber, daß sich das geschilderte Verfahren nicht zu jeder Zeit anwenden läßt; tief lagernde Wolken und andere Gründe zwingen fazu, wenn sich die Geschwindigkeitsprüfung in eiligen Fällen nicht aufschieben läßt, sich des sog. Rennstreckenverfahrens zu bedienen.

Hierbei fliegt die Maschine eine abgesteckte Strecke in nur etwa 15 m Höhe ab und zwar mehrere Male. An jedem Ende steht ein Beobachter mit einer Stoppuhr. Ueberfliegt die Maschine den Anfangspunkt, so gibt der dort stehende Beobachter dem anderen ein Zeichen und setzt seine Uhr in Gang; der Beobachter am Ende der Strecke setzt auf das Zeichen hin ebenfalls seine Uhr in Gang und bei Ueberfliegen der Ziellinie gibt auch er ein Zeichen unter diese doppelte Zeitnahme wird die Leute eliminiert; der Mittelwert aus

Abb. 4. Gcschwindigkeitsdreieck. Aß - Geschwindigkeit des Flugzeuges relativ

am Erdboden nach Größe und Richtung-C ß * Windgeschwindigkeit und Richtung. AC = gesuchte Geschwindigkeit d. Flugzeuges

relativ zur Luft nach Größe u. Richtung.

gleichzeitigem Abstoppen der Uhr. Durch sogen. Reaktionszeit der beobachtenden allen genommenen Zeiten stellt mit hinreichender Genauigkeit die Flugzeit dar. (Im Flugzeug wird natürlich währenddem die angezeigte Luftgeschwindigkeit notiert, ebenso Luftdruck und Temperatur.) Aus der Fluggeschwindigkeit wird der Windeinfluß mitHilfe eines

I60OO

HOOQ

80QO

4coo

Ist nach vorstehendem die Luftgeschwindigkeit des Flugzeuges (v) ermitt-telt und die Luftdichte (p) bestimmt worden, so erhält man die Angaben, die der Luftgeschwindigkeitsmesser machen müßte, aus v. V"j;. Dieser Wert mit dem abgelesenen verglichen, gibt die Korrektionsgröße an. Die Tabellen IV und V

geben Beispiele der rechnerischen Durchführung englischer Qeschwindigkeitsprüfungen an der gleichen Maschine wieder. Abb. 4 stellt die Geschwindigkeiten und Umdrehungszahlen der Tabelle V graphisch dar; Abb. 5 gibt ein anderes Beispiel wieder, wo die Beobachtungen sehr gute waren; die Werte larsen sich im allgemeinen gut in den Kurven zusammenfassen; nur an einer Stelle — bei 10000 Fuß Höhe - ist eine um im mu Abweichung vorhanden, die

... !" t «. '"\ ■ aT; - wahrscheinlich auf einen ab-

lJindrehungszahleiibzw.Luttgeschwindigkeiteni. niistde. , . . . ,. , .. ,

Abb. 6. Prüfdiagramm: Luftgeschwindigkeit und Um- steigenden Luftstrom zurück-drehungszahl in Abhängigkeit von der Höhe. zuführen ist. Zusammenfassung: Es ergibt sich also folgende Reihenfolge der Feststellungen: 1) Horizontalflug mit ungedrosseltem Motor etwa alle 600 m; hierbei Feststellung der Angaben des Geschwindigkeitsmessers, des Tourenzählers und des Thermometers; 2) aus der Höhenmesserangabe und der Temperatu' in jeder Prüfhöhe die Luftdichte ermitteln; 3) Korrektion des Geschwindigkeitsmessers hinsichtlich der dem Instrument anhaftenden Fehler auf Grund der optischen oder Rennstreckenkontrolle; 4) weitere Korrektion hinsichtlich der Höhe mittels Division durch V~j^~ Soweit wäre, abgesehen von Beobachtungsfehlern, die wahre Geschwindigkeit zur umgebenden Luft in den verschiedenen Höhen-schichfen bestimmt. Nun werden 5) die erhaltenen Werte als Abscissen in ein Koordinatennetz eingetragen, das als Ordinaten die „Normalhöhen" enthält, d. h. die Durchschnittshöhe, die der während des Versuchs vorhandenen Luftdichte entspricht, und durch eine Kurve verbunden; 6) werden in gleicher Weise die Umdrehungszahlen in Abhängigkeit von den Normalhöhen aufgetragen, da sie eine Kontrolle über die Verläßlichkeit der Versuchsergebnisse bilden; 7) kann auch das Verhältnis Luftgeschwindigkeit/Umdrehungszahl für die verschiedenen Höhen aufgetragen werden, da man hierdurch einen wertvollen Ueberblick über die Leistung der Luftschraube gewinnen kann.

Verzeichnis der 85 im Monat November 1917 in unserem Besitz gebliebenen feindlichen Flugzeuge.

Englische- 28 Sopwith. Einsitzer: Nr. B. 2408, Oberleutnant Harrison, gefangen; Nr. B. 5160, Oberleutnant Taylen, gefangen ; Nr. B. 6355, Leutnant Cribb, gefangen; Nr. 6382, Leutnant P. Wilmot, gefangen; Nr. B. 2441 Oberleutnant Gordou, gefangen; Nr. B. 630,

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Leutnant Felix Cobbold, verwundet; Nr. ß. 1757, Leutnant Thompson, gefangen; Nr. B. 6290 Leutnant W. S. Magreth gefangen; Nr. D. 2040, Leutnant K. S. Morrison, verwundet; Nr. B. 2458, Sec.-Lt. Ted Prior Morgan gefangen; Nr. 3375, Insasse tot; Motor Nr. 1344/11493, Lt. Hall, tot; Nr. unbekannt, Sec.-Lt. Harold Partrington Ledger, tot; Nr. B. 6287, Insasse verwundet; Nr. B. 6269, Insasse verwundet ; Nr. B. 5222, Leutnant C. F. Keller, gefangen; Bei 5 Sopwith-Einsitzern waren die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

Zweisitzer: Nr. unbekannt, Sec.-Lt. Atkinson, gefangen; Bei einem Sopwith-Zweisitzer waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

Sopwith-Camel: Nr. B. 3824, Sec.-Lt. M. W. Breacliffe, gefangen; Nr. F. I. B. 6385, Sec.-Lt. G. J. Kent, gefangen; Nr. B. 2366, See. Lt. Eugen F. Marchand, gefangen; Nr. B. 2417 Leutnant David Harden Scott, tot; Bei einem Sopwith-Camel war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

7 De Ha vi 11 and. Einsitzer: Nr. A 9201, Sec,-Lt. 0. W. Meredith, tot; Bei 4 De Havilland-Einsitzern waren die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

Zweisitzer: Nr. unbekannt, Sec.-Lt. W. C. Prudon, Sergt. John Coulin, beide gefangen; Nr. A. 2170, Sec.-Lt. R. Main verwundet; G. Mach Leach, gefangen.

4 B. E. Zweisitzer: Nr. A. 7292, Lt. F. W. Morse, verwundet, Sergt. Stophanson, tot; Nr. unbekannt, M. Samways, Lt. P. C. Campbell, beide tot; Bei 2 B. E.-Zweisitzern waren die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

4 S. E. Einsitzer: Nr. unbekannt, Lt. Kingsland, verwundet; Bei H S. E.-Einsitzern waren die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

4 Spad. Kinsitzer: Nr. 6777, Leutnant Cockburn, tot; Bei 3 Spad-Einsitzern waren die Namen der Insassen und die Nummern der Flugzeuge nicht feststellbar.

3 Nieuport. Einsitzer: Nr. C. 6827, Sec.-Lt. F. G. Baker, gefangen; Nr. 3578, Leutnant L. Keit gefangen; Nr. B. 67290, Sec.-Lt. S. Steward Henry, gefangen.

2 R. E.: Einsitzer: Nr. unbekannt, Lt. W. G. Mann, tot.

Bei einem R. E.-Einsitzer war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

2 Bris toi-Fig hter: Zweisitzer: Nr. unbekannt, Leutnant Megget, gefangen, Captain Durrad, tot; Nr. 3215, Lt. H. C.Robinson gefangen; Lt. J. J. B. Hammersley, verwundet.

2 Martinsyde: Bei 2 Martinsyde-Zweisitzern warer die Namen der Insassen und dio Nummern der Flugzeuge nicht feststellbar.

1 F. E.: Zweisitzer: Nr. A. 5577, Capt. E. B. Barnes, beide Insassen tot.

1 Handjley Page: Zweisitzer: Nr. 3141, Leutnant Linneil, Leutnant Smith.

3 englische Flugzeuge: Einsitzer: Die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Inssassen waren nicht feststellbar.

Französische. 3 Spad: Einsitzer; Nr. S. 426817, Hauptmann Torres, gefangen; Nr. 1636, Adj. Jean Gazade, gefangen ; Bei einem

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Spad war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

3 Nieuport: Einsitzer: Nr. 3656 Caporal Pierre Blain, gefangen; Bei 2 Nieuport-Einsitzern waren die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

1 Sopwith: Zweisitzer: Nr. 3158, Oberlentnant Jean Legoryn See.-Lt. Louis Jean Chauvin, beide tot.

Russische. 2 Nieuport: Einsitzer. Nr. 2174, (Dornet Tula-now, gefangen ; Nr. A. 3352 Cornet Belikow, gefangen.

1 Spad Einsitzer: Nr. S. 1471, Leutnant Rosenfeld, gefangen.

1 Avro: Zweisitzer: -Nr. 1882, de la Bastide, Veyisset, beide Insassen tot.

1 Rumpf. D. D. Zweisitzer; Nr. P. C. 140 K, beide Insassen tot.

Italienische. 5 Sopwith, 4 Savoia Pomiglio, 1 Uaproni, 1 Nieuport, 1 Klugzeug unbekannten Typs. Die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen waren nicht feststellbar.

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion).

Vorsichtige Behandlung der Sehlauchleitungen von Schweißapparaten.

Wenn die Schlauchleitungen von Schweißapparaten, wie es so oft vorkommt, brutal behandelt werden, so darf man sich nicht wundern, wenn die Schweißflamme unregelmäßig brennt und anfängt zu knallen. Infolge des geringen Gasdruckes fn der Acytulenleitung verwendet man für diese dünnwandige Gummischläuche von 8—10 mm lichten Durchmessers. An den Anschlußstellen, wo der Schlauch über einen Nippel gezogen ist, und besonders da, wo der Schlauch frei in einem Bogen hängen soll, bilden sich leicht Knickstellen Die Folge davon ist ein Knallen des Brenners Um dieses zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Schlauch an der Bogenstelle mit einer Drahtspirale (alte Abfederungsspiralen) zu überziehen. Die Spirale muß selbstverständlich das auf dem Nippel sitzende Schlauchteil noch mitfassen. Das Einknicken ier Schläuche wird durch die Spiralbewehrung vermieden.

Auch empfiehlt es sich, diejenigen Stellen der Schläuche, die der Gefahr des Betretens ausgesetzt sind, auf diese Weise zu schützen. Auch an den in der Wandung stärkeren Sauerstoffschläuchen, die im Dauergebrauch gleichfalls Knickneigung erhalten, empfiehlt es sich, solche Schutzspiralen anzubringen.

Schwarzfärben von Stahlteilen.

Verschiedentlich empfiehlt es sich, im Flugzeugbau Stahlteile zu brünieren oder schwarz zu färben. Das Brünierverfahren erfordert eine besondere Einrichtung und geübte Arbeiter. Das einfache Schwarzfärben erzielt man nach Karmasch durch die Behandlung mit folgenden Flüssigkeiten: 1. Auflösung von Quecksilbersublimat und Salmiak; 2. Auflösung von Eisenchlorid und Kupfervitriol, mit Salpetersäure und Weingeist gemischt; 3. Auflösung von Eisenchlorid und Eisenchlorür, ebenfalls mit Salpetersäure und Weingeist gemischt; 4. Auflösung von Schwefelkalium. Nachdem die Gegenstände mit diesen vier Lösungen nacheinander behandelt sind, werden sie nochmals mit der dritten Flüssigkeit behandelt und zum Schlüsse abgewaschen, schwach geölt oder mit farblosem Lack überzogen.

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Wugtecbnifibe ftundftfiau.

Inland.

Das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt Herbert Scharf aus Buch holz, Einj.-Utffz. bei einer Art.-Fliegerabteilung. Flugzeugführer Zinsmai er.

Den Pour le mérite erhielten: Hptm. Kel 1er, als Kommandeur eines Kampfgeschwaders, ausgezeichnet für seine großen Erfolge auf verschiedenen Kriegsschauplätzen und für die schneidigen Angriffe auf Dünkirchen.

Oberltn. der Res. Schleich, Ltn. Klein und Ltn. Buckler wurden mit dem hohen Orden beliehen für die große Zahl ihrer Luftsiege. Oberleutnant Schleich blieb 25 Male, Leutnant Buckler 20 Wale Sieger im Luttkampf, während Leutnant Klein neben der hervorragenden Führung seiner Jagdstaffel selbst 15 feindliche Flugzeuge und 5 Fesselballone herabschoß.

Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt Ludw. Blumenschein Chef. Konst. i. Fa. Reschke.

Offzst. Kruse -f. Ein alter Friedensflieger, von Anfang 14 im Felde, ist auf einem Uebungsfluge abgestürzt.

Bruno Jahlonsky als alter Vorkämpfer für das Flugwesen bekannt, wirkt zur Zeit als Dozent Uber Flug- und Motorwesen an der freien wissenschaftlichen Hochschule des Kriegsgefangenen-Lagers Wakefield i. England. Die Hochschule hat 60 Dozenten und 600 Hörer,

Der Flug Berlin- Vlossul ist eine glänzende Fliegerleistung. Der Fliegerhauptmann Hans Hesse ist von Berlin auf dem Luftwege in Mossul eingetroffen. Er hat die Strecke von zehn Tagen in 34 Luftstunden zurückgelegt.

Brieftaubenspionage. Eine Bekantmachung besagt : Feindliche Flieger haben in den letzten Tagen in Deutsch-Lothringen Brieftaubenkästen mittels Fallschirms abgeworfen. In diesen Kästen befinden sich in einem drahtumgitterten Körbchen Brieftauben, ferner Depeschenformulare, Brieftaubenkapseln usw mit der Aufforderung an den Empfänger, die Brieftauben unter Mitgabe von Nachrichten abzusenden. Es wird bekannt gemacht, daß jeder, der im Besitze solcher Brieftaubenkästen betroffen wird, sich des Kriegsverrats verdächtig macht.

Von der Front.

8. Dezember. Paris. Bei einer Beschießung von Calais durch deutsche Flugzeuge in der Nacht vom 5. zum 6. Dezember wurden 7 Personen getötet und an 20 verletzt.

9. Dezember. Metz. In den Nächten vom 4. auf den 5., vom 5. auf den 6., sowie am 5. und 6. Dezember selbst überflog der Feind mehrfach mit Bombengeschwadern unsre Front. In unseren Industriewerken und an den Bahnanlagen, die er sich namentlich zum Gegenstand seiner Angriffe ausersehen hatte, wurde trotz des zahlenmäßig starken Einsatzes dank unserer Abwehr nirgends irgendwie erheblicher Schaden angerichtet. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen.

10. Dezember. Berlin. Der Feind unternahm im November zwei Bombenangriffe gegen das deutsche Heimatgebiet. Ein Angriff fand am Allerheiligen-Tage statt und richtete sich gegen friedliche Städte und Dörfer in Baden und der Pfalz, der zweite Angriff hatte das lothringisch-luxemburgische Industriegebiet zum Ziele. Eine Frau wurde durch Bombensplitter leicht verletzt. Sachschaden wurde nur in ganz geringem Umfange, militärischer Schaden überhaupt nicht verursacht. Der Feind büßte den Angrilf am Allerheiligentage mit dem Verlust eines Flugzeuges, das brennend abgeschossen wurde, ein zweites Flugzeug wurde durch unser Abwehrfeuer jenseits der Linien zur Landung gezwungen.

11. Dezember. Deutscher Tagesbericht. Starker Einsatz der Fliegerverbände, namentlich an der französischen Front, führten zu heftigen Luftkämpfen Unsere Gegner verloren elf Flugzeuge und einen Fesselballon.

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12. Dezember. Deutscher Tagesbericht. Im November beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen Fronten 22 Fesselballone und 205 Flugzeuge, von denen 85 hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind,

Wir haben im Kampf 60 Flugzeuge und 2 Fesselballone verloren.

Berlin. Eines unserer Marineflugzeuge, Führer Oberleutnant z. S. Christiansen, hat bei einem Aufklärungsfluge in den Hoafden am 11. Dezember vormittags das englische Luftschiff C 27 vernichtet. Das Luftschiff stürzte brennend in die See.

Italienischer Bericht. Durch englische Flieger wurden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen.

An der italienischen Front erbeutetes Caproni-Großflugzeug.

13. Dezember. Haag. Ein großes englisches lenkbares Luftschiff von etwa 50 Meter Länge überflog heute früh Utrecht und ging dann bei Eemnes nieder. An Bord des Luftschiffes, das zunächst für ein französisches gehalten wurde, befanden sich englische Apparate, englische Seekarten und zwei englische Maschinengewehre. Außerdem hatte das Luftschiff drahtlose Telegraphie und zwei Körbe mit Brieftauben an Bord. Die Insassen des Luftschiffes waren geflüchtet. Im Laufe des Tages wurde bei Dortrecht e'n 18jähr1ger englischer Flieger aufgegriffen, der von einem Hydroplan stammt. Der Hydroplau selbst wurde nicht gefunden. Dann wurden weiter vier englische Flieger, ein Kapitän, ein Maschinist und zwei Matrosen aufgefunden, die in der Nacht, wie sie angaben, aus einem Aerop'an gefallen waren. Einer dieser Flieger hatte einen Beinbruch.

16. Dezember. Berlin. Unsere Flieger belegten Dünkirchen und Fournes erfolgreich mit Bomben.

17. Dezember Deutscher Tagesbericht. Leutnant Müller errang seinen 38. Luftsieg.

Berlin. Im November haben unsere Gegner durch die Täiigkeit unserer Kampfmittel an allen Fronten im ganzen 205 Flugzeuge und 22 Ballone verloren.

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Wir haben demgegenüber 60 Flugzeuge und zwei Ballone eingebüßt Davon sind 33 Flugzeuge jenseits der Linien verblieben, während die anderen 27 über unseren Linien verloren gingen. Auf die Westfront allein entfallen von den 205 außer Gefecht gesetzten feindlichen Flugzeugen 167, von den 60 deutschen Flugzeugen 44. An der italienischen Front haben wir 26 feindliche Flugzeuge abgeschossen und zehn eigene eingebüßt. Im einzelnen setzt sich die Snmme der feindlichen Verluste folgendermaßen zusammen: 150 Flugzeuge wurden im Luftkampf, 38 durch Flugabwehrkanonen, vier durch Infanterie abgeschossen, dreizehn landeten unfreiwillig hinter unseren Linien. Von diesen Flugzeugen sind 85 in unserm Besitz, 120 sind jenseits unserer Linien erkennbar abgestürzt.

Italienischer Bericht. Auf der ganzen Front war die Fliegertätigkeit auf beiden Seiten ziemlich groß. Einer unserer Caproni-Erkundungsgeschwader bombardierte mehrmals die feindliche Infanterie in der Gegend nördlich des Monte Grappa und beschoß sie mit Maschinengewehren.

Ausland.

Französische Bombenabwürfe in der Schweiz. Wie festgestellt wurde, sind die bei Menziken (Aargau) abgeworfenen Bomben französischen Ursprungs, gleich den Bomben, die dieser Tage bei Muttenz abgeworfen wurden.

Das Politische Departement hat am 10. Dezember an die französische Botschaft eine Note gerichtet, in der die Gebietsverletzungen durch fremde Flieger, die Bomben französischen Modells in der Gegend von Muttenz und Menziken auswarfen, zur Kenntnis gebracht werden. Mit der Anzeige der schweren Zwischenfälle wurde die dringende Aufforderung verbunden, solchen Zwischenfällen endlich ein Ziel zu setzen.

Französische Flieger über Spanien. San Sebastian ist in völkerrechtswidriger Weise von französischen Fliegern überflogen worden.

Gleit- und Modellflugwesen.

Vorteilhafte Anordnungen des Gummimotors bei verschiedenen Flugmodellen.

Es dürfte lohnen, die Möglichkeiten zusammenzustellen, den Gummimotor bei einem Flugzeugmodell sener Konstruktion entsprechend besonders günstig uuszunutzen. Maßgebend für die Verwendung dieser oder jener Vorrichtung ist die Lage der Schraube und des Schwerpunktes des Modells. Im Nachfolgenden sind deshalb die Möglichkeiten für Apparate mit vorn liegender, mit hinten liegendender und mit zwischen Haupttragfläche und Schwanz liegender Schraube beschrieben.

Da Modelle mit Zugschrauben, wenn sie einem brauchbaren Flugzeuge proportioniert sind, häufig dazu neigen, schwanzlastig zu werden, kommen hier die Vorrichtungen in Betracht, die den Schwerpunkt des Modells nach vorne bringen, um zu große Gesamtlänge und besonders zu langen Hals des Modells zu vermeiden Bei dem Streben nach möglichst hoher Aufziehzahl bei möglichst geringer Gummiinenge verwendet man hier am vorteilhaftesten eine einfache Üebersetzung. Durch sie wird der Gummi am besten ausgenutzt, was sich daraus ergibt, daß das Drehmoment eines Gummistranges mit dem Quadrat seines Querschnitts wächst, die Aufziehzahl, bei der Zerreißen des ganzen Stranges eintritt, jedoch nur umgekehrt proportional der Quadratwurzel aus dem Querschnitt ist Hat man z B. einen Strang mit dem Querschnitt I und einen mit dem Querschnitt 2, so hat man bei dem zweiten Strang das vierfache Drehmoment wie bei dem ersten, vorausgesetzt, daß beide Stränge im Verhältnis zu ihren höchsten Aufziehzahlen gleichmäßig aufgezogen sind Man kann also bei doppeltem Querschnitt, um gleiches Drehmoment zu erhalten, im Verhältnis 1:4 übersetzen. Als höchste Aufziehzahl des ersten Stranges sei T = 280 angenommen. Bei dem

T 280

zweiten Strang mit zweifachem Querschnitt ist diese dann = ~r-r — 200.

V2 1 ,4

Es würden sich statt 280 Umdrehungen als Höchstleistung bei dem ersten, bei diesem zweiten nur doppelt so schweren Strang bei einer Üebersetzung von 1:4 280 . 4

—= 800 Umdrehungen der Schraube ergeben. Dieser hohe Gewinn an Umdrehungen, bei doppelter Gummimenge und gleichem Drehmoment fast dreifache

An der italienischen L'rmit erbeutetes Caproni-Großfiugzeug.

Seile 24__„FLUGSPORT"._____No. 1

Aufziehzahl, wird dadurch etwas herabgesetzt, daß hier die bei sauberen Lagerungen und geeigneten Zahnrädern geringen Reibungsverluste sowie der Umstand, daü das Mehrgewicht an Gummi und der Uebersetzungsanlage mitgenommen werden muß, unberücksichtigt geblieben ist. Dem Übersetzungsverhältnis sind auch gewisse Grenzen gesetzt, da man sonst auf konstruktive Schwierigkeiten und hohe Reibungsverluste kommt. Wollte man bei doppeltem Querschnitt mit gleicher Gummimenge wie bei einfachem Querschnitt auskommen, müßte man einen Strang verwenden, der nur halb so lang wie bei einfachem Querschnitt ist.

In unserem angenommenen Falle ergäbe dieser eine Aufziehzahl von ^^ = 400,

also gegen den gleich schweren doppelt so langen Strang noch einen Gewinn von fast 50"/„, von dem nur ein kleiner Bruchteil durch Reibungsverluste und das mit zu tragende Gewicht der Uebersetzung verloren würde. Bei dem Streben nach hohe i Aufziehzahlen wird man das zuletzt erwähnte Vorgehen nur in ganz seltenen Fällen verwenden, wo man in der Länge des Stranges oder der Gumrni-menge sich absichtlich Beschränkungen auferlegt. Man wird vielmehr im allgemeinen danach streben, einen langen Strang und ein günstiges Uebersetzungs-verhältnls zu verwenden. Das wird die besten Erfolge zeigen.

Bei Entenmodellen, die hinsichtlich ihrer Scliwerpunktlage kaum besondere Schwierigkeiten bereiten, würde sich gleichfalls ein starker Gummistrang und übersetzte Schraube infolge der günstigsten Gummiausnutzung empfehlen. Anders liegen die Verhältnisse bei Modellen mit vorne liegender Haupttragfläche und hinten liegender Schraube, eirjem Typ der unter Ausschaltung einiger Nachteile der Ente deren Vorteile mit denen der Zugschraubeumaschine verbindet. Bei ihm ist bei normalen Längenverhältnissen die Gefahr besonders groß, daß das Modell stark schwanzlastig wird. Man muß daher hier wohl immer danach trachten, den Schwerp-inkt nach vorne zu bringen. Will man dies durch nützliches, nicht totes Gewicht erreichen und strebt man außerdem nach hoher Aufziehzahl, so bleibt nur übrig, zwei einzelne Gummistränge vom gleichen Querschnitt zu verwenden, die vorne durch gleichgroße Zahnräder aneinander-geschaltet sind und deren zweiter nötigenfalls nur bis zum Schwerpunkt des Modells reicht. Im allgemeinen wird aber das an einem ziemlich langen Hebel wirkende Gewicht der Aneinanderschaltungsvorrichtung den Schwerpunkt genügend weit nach vorne bringen, sodaß man auch den zweiten Strang in der ganzen Länge des ersten nehmen kann. Die Wirkung ist fast genau dieselbe, als hätte man einen Strang vom Querschnitt eines einzelnen aber der Gesamtlänge beider hierbei gebrauchten Stränge. Man erhält demnach in diesem Falle bei gleichem Drehmoment doppelte Aufziehzahl als bei einem einzigen Strang. Praktisch wird diese auch hier durch die Erhöhung des Modellgewichtes etwas herabgesetzt. Es. leuchtet ein, daß diese Art hinsichtlich der Ausnutzung des Gummis der einfachen Uebersetzung unterlegen ist. Für Modelle mit hinten liegender Schraube bei vorn liegender Haupttragfläche bietet die Aneinander-schaltung zweier gleichstarker Gummistränge aber die beste Möglichneit, hohe Aufziehzahlen zu erreichen und 'gleichzeitig die Lage des Schwerpunktes so zu beeinflussen, daß man das Modall ohne übertrieben langen Hals und in normalen Längenverhältnissen ausführen kann.

Für Modelle mit der Schraubenanordnung unmittelbar hinter den Hauptflächen, wie sie früher bei Dorner, Aviatik, Allbatrus, Farman, Voisin, Curtiss u.a. zu finden war, kommen je nach der notwendigen Beeinflussung der Schwerpunktslage beide beschriebenen Anordnungen in Betracht. Wird das Modell leicht schwanzlastig ausfallen, empfiehlt sich die Auseinanderschaltung, die den Schwerpunkt weiter nach vorne bringt, wird es kopflastig, so wählt man die Uebersetzung, da durch sie bei diesen Modellen die KopHastigkeit gemildert oder aufgehoben werden kann. Bei Einflächenmodellen, fast immer mit Druckschraube versehen, muß gleichfalls im einzelnen Falle nach deren Konstruktion entschieden werden, ob sich eine Aneinanderschaltung oder eine Uebersetzung empfiehlt. Hier wird man meist zur Aneinanderschaltumi greifen.

Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten von Gummianordnungen. Sie sind meist komplizierter und bringen oft nur geringe Vorteile, was daran liegt, daß der Gummi nicht aufs äußerste ausgenutzt wird. Damit ist nicht gesagt, daß auch andere Vorrichtungen in seltenen Sonderfällen, z. B. bei starker Beschränkung in der Länge der Gummianlage oder bei besonders guter Tragfähigkeit, gelegentlich von Vorteil gegen einen einfachen Gummimotor sein können.

-y-

No. 2 16.Januar 1118. »Inj. I.

Jllustrirte technische Zeitschrift und Anzeiger

für das gesamte

„Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Telef. Hansa 4557 Oskar Ursinus, Civiling-enieur. Tel.-ftdr.: Urslnus. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurts. M., Bahnhofsplatz 8.

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Der Nachdruck unserer Artikel Ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 30. Januar.

Vergebliches Rennen.

Das Ausbleiben der amerikanischen Lufthülfe scheint man bereits Ende November in der City endgültig erkannt zu haben. Der Öffentlichkeit wagte man es nicht zu sagen. Es blieb nichts anderes übrig, als zur Selbsthülfe zu greifen. Das Resultat sollte sein, das Selbstständigwerden der Luftstreitkräfte. Es sollte selbsständig sein, so steht im Gesetz. ! — — Die Bleigewichte, Abhängigkeit vom Munitionsministerium, der Kreuzigungsparagraph, wie ihn „Aeroplane" nennt (Clausel 8, abhängiges Arbeiten mit Heer und Marine), die man dem Gesetz anhing, machen es jedoch zum Gegenteil.

Inzwischen scheint man noch nervöser geworden zu sein. Man sucht zu retten, was noch zu retten ist. Alle verfügbaren Hobel und Sägen werden für Flugzeuge bereit gestellt.

„Daily Chronicle" schreibt zu der Flugzeugfrage : Die Erzeugung von Flugzeugen in England hat gegenwärtig einen derartigen Umfang angenommen, daß man sich besorgt fragen muß, ob nicht die Erzeugung anderer wichtiger Dinge dadurch beeinträchtigt wird.

"Was bei einem solchen überhasteten Arbeiten herauskommen wird, ist nicht schwer zu übersehen. Jedenfalls hat das Ausbleiben der 100000 amerikanischen Flugzeuge, die noch Ende 1917 in Frankreich aufsteigen sollten, in England sehr ernüchtert. Enttäuscht sind auch unsere Flieger, die nun vergeblich auf die amerikanischen Häschen gewartet haben.

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Das Flugzeug als Waffe, unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Maschinen,

nach französischer Darstellung.1) (Nachdruck verboten.) Wie beim Kampf zu Wasser und zu Lande besteht der Sieg beim Luftkampf darin, daß man den Gegner außer Stande setzt, in der Art seiner Kriegführung fortzufahren, indem man es ihm unmöglich macht, sich an der Kampfesstätte zu behaupten oder ihm so viele Mannschaften und Kriegsmittel zerstört, daß er keinen dauernden Widerstand mehr leisten kann. Der Luftkampf besteht aus einem Zusammenspiel einzelner Handlungen, durch die die Kämpfer aus ihrem Material und ihren Waffen die größtmögliche Leistungsfähigkeit herauszuholen suchen, um die Kraft, die der Feind aus seinen Kampfmitteln zu entwickeln sucht, zu brechen. Elemente der Luftkampf-T akti k sind die Maßnahmen, die bezwecken, den Vorteil des günstigsten Augenblicks, der besten Lage, der erfolgreichsten Kampfgestaltung u. s. w. zu wählen. Die Taten, die ihren Ursprung in den Eigenschaften des Flugzeugs, wie Beschaffung, Geschwindigkeit, Wendigkeit, Steigvermögen u. dgl. haben, gehören zu den technischen Elementen. Diese taktischen und technischen Elemente des Luftkampfes bilden zwei Arten von Faktoren, die zwar sehr verschieden von einander aber unter sich eng verbunden sind.

Der Kampf beginnt mit einer Reihe taktischer Maßnahmen mittels deren der Herausforderer den Gegner anzugreifen sucht, wobei er die günstigsten Erfolgs-Wahrscheinlichkeiten auf seine Seite stellt: Ueberraschung, Vorteil größerer Höhe, Angriff in Gruppen, von hinten u. s. w.; der Kampf schließt mit dem technischen Einzelgefecht zwischen den beiden eingesetzten Kampfmittel-Einheiten bis zur Zerstörung oder zur Flucht eines von zwei Flugzeugen. Technische Eigenschaften der Kampfflugzeuge.

Offenbar lassen sich die taktischen, den Kampf einleitenden Handlungen nur dann durchführen, wenn die technischen Eigenschaften des Flugzeugs es gestatten. So z. B. hat das Flugzeug die Freiheit, einen Kampf aufzunehmen oder ein Gefecht zu vermeiden, nur dann, wenn es eine Ueberlegenheit an Geschwindigkeit besitzt; und der Besitz der 4 technischen Haupteigenschaften: Geschwindigkeit, Bewaffnung, Wendigkeit und Steigvermögen, gestattet dem Führer, sich im Gefecht aller taktischen Vorteile bedienen zu können. Ein Flugzeug, das nur eine dieser technischen Ueberlegenheiten besitzt, kommt unter Umständen garnicht in die Lage, sich ihrer zu seinem Vorteil bedienen zu können. Beispielsweise war 1915 der Voisin-Doppeldecker mit 3,7 cm-Schnellfeuer-Geschütz den meisten gegnerischen Maschinen an Bewaffnung überlegen; da er jedoch weder Geschwindigkeit, noch Wendigkeit besaß, und nicht auf über 2500 m zu steigen vermochte, war es ihm fast niemals möglich, mit seiner einseitigen Ueberlegenheit Vorteile zu gewinnen. Die deutschen Flugzeuge zogen aus ihrer Geschwindigkeit und Wendigkeit Nutzen, indem sie das französische GeschUtzflugzeug einfach angriffen, ohne sich in seinen sehr beschränkten Schußbereich zu begeben, oder indem sie, was ihnen ihre Ueberlegenheit an Steigvermögen gestattete, dem Kampf dadurch aus dem Wege gingen, daß sie 500 m höher stiegen.

Die technischen Eigenschaften sind für die Flugzeuge eines Typs die gleichen, aber ihre Anwendung im Kampf, also zu taktischen Maßnahmen, hängt von dem Verständnis des Führers in jedem einzelnen Fall ab; auch mit Maschinen, die denen des Gegners nachstehen, kann ein geschickter und mutiger Führer tak-

') Aua „La Natuve" vom <>. 10. 17.

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tische Erfolge bis zum vollständigen Siege erringen. Immerhin ist technische Ueberlegenheit der sicherste Weg, um zur taktischen Ueberlegenheit im Kampf zu gelangen. Ueberlegenheit der Kampfmittel, so behauptet der französische Verfasser, sei der Hauptgrundsatz aller deutschen Taktik beim Kampf au f dem Erdboden.

Der Grad der Bedeutung, der den vier technischen Haupteigenschaften beizumessen ist, hängt von der dem Flugzeug zuerteilten Aufgabe ab.

Für Kampfflugzeuge ist ihre Rangordnung: Geschwindigkeit, Wendig keit, Bewaffnung, Steigvermögen; die Erfolge der Nieuport- und Spad-Maschinen sollen auf ihrer hohen Wendigkeit beruhen.

Maschinen zum Einschießen der Artillerie, für Photographie, kl ei n e re Bomben-Unte rnehmungen und Abwehr, die wegen ihrer Sonderaufgaben nicht die genügende Geschwindigkeit besitzen können, um Luftkämpfen aus dem Wege zu gehen, sollten außer den für die Durchführung ihrer Aufträge erforderlichen Eigenschaften, eine technische Ueberlegenheit an D ef e n s i v-Bewaffnung besitzen; Wendigkeit und Geschwindigkeit sind hierbei nicht von der hohen Bedeutung wie für Kampfflugzeuge.

Die Großflugzeuge für nächtlichen Bombenwurf erfordern wieder ganz andere Eigenschaften, nämlich gutes Tragvermögen, großen Flugbereich, leichte Landungsfähigkeit u. s. w.

Die gegenwärtige Geschwindigkeit der deutschen und französischen Jagdflugzeuge schwankt zwischen 180 und 200 km/Stunde; sie wäre noch größer, wenn man bei diesen Maschinen nicht Tragflächen von einer solchen Größe vorsehen müßte, daß sie ihre 1000kg bis 5000-6000m Höhe schaffen und ohne Bruch auf beliebigem Gelände iandtn können. Bei den Artillerie-Flugzeugen u. s. w. bewegt sich die Geschwindigkeit zwischen 125 und 150 km/Stunde, bei den Nachtflugzeugen kann man sich, wenn sie sonst den Bedingungen an Tragfähigkeit genügen, mit 90-120 km/Stde, zufrieden geben.

Das Verlangen nach Wendigkeit, einer Eigenschaft, die auf sachgemäßer Verteilung der auftretenden Kräfte (Gewichte und Luftkräfte) beruht, kennt keine Einschränkung, zumal hinsichtlich der für den Kampf besonders gezüchteten Maschinen.

Doch bleibt die Bewaffnung der entscheidende Faktor des Kampfes denn ihr fällt die Aufgabe zu, die Kraft des Feindes zu vernichten.

Entwicklungsgeschichte und Arten der Bewaffnung.

In der ersten Periode des Krieges spielte das Flugwesen noch nicht die bedeutsame Rolle wie heute, wo man es als ein unentbehrliches Mittel, den Sieg zu erringen, ansieht; damals war man sich noch nicht der Notwendigkeit der Luftherrschaft bewußt, und der Luftkampf war ein seltenes Ereignis. Die Flugzeuge stiegen nur mit Karabiner oder Gewehr an Bord auf und hüteten sich zumeist vor dem Angriff. Bei dem energischen Bestreben beider Seiten, die eignen Vorbereitungen vor der Entdeckung zu bewahren, die des Gegners dagegen zu erkunden, wurden die Luftkämpfe dann immer häufiger. Nun wurden in aller Hast Maschinengewehre in Doppeldecker eingebaut und auf Untergestelle gesetzt, wie sie der Zufall eingab, nur um rasch damit fertig zu werden. Das war die erste Periode des Luftkampfs, die schließlich nur eine Bewaffnungsart kannte : Das vom Beobachter bediente M. G.

Die Mehrheit der französischen Flugzeuge besland damals aus Doppeldeckern mit hinten angeordneter Luftschraube, vgl. Abb. I. Das M. G. war im allgemeinen im Vorderteil der Gondel untergebracht und hatte hinter sich einen ganz beträchtlichen toten Winkel, der überraschende Angriffe begünstigte und sogar gegen seitliche Angriffe die Verteidigung nicht leicht machte.

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Bei den deutschen Maschinen dagegen, die vorwiegend eine Vorderschraube besaßen, war das M.-Q. hinter den Tragflächen aufgestellt — vgl. Abb. 2 — und ^ zwar auf einem Drehgestell, der eine schnelle

/ \ Richtungsändernng der Waffe zum Schuß

nach rechts oder links gestattete. Hierbei befand sich der tote Winkel vor der Maschine und im Gesichtsfeld des Führers.

Man wunderte sich damals, häufig die Beobachtung machen zu müssen, dpß erbitterte Kämpfe auf nahe Entfernungen nur unbedeutende Ergebnisse, vielleicht einige Geschoßlöcher in den Tragdecks, hatten. Dies lag auf französischer Seite in erster Linie daran, daß man zu wenig Munition vorgesehen hatte; sie wurde in Streifen zu 25 oder Rollen zu 100 Patronen abgemessen. Der Mechanismus der M.-G. war empfindlich, die Untergestelle sehr wenig praktisch und außerdem die Schußgenauigkeit eine ganz mangelhafte. Die Ursachen dieser Ungenauig-keit waren mehrfacher Art, sie rührten hauptsächlich von Zielfehlern her: Man trug damals den Geschwindigkeiten, die die beiden Kämpler jeweils zu einander hatten, nicht > Rechnung; ferner machten die starken durch « die leichten M.-Ge. selbst erzeugten Er-\ schütterungen jedes genaue Zielen unmög-i lieh; die Stellungen, die der Schütze ein-' nehmen mußte, wenn er einen stehenden Kreis schießen wollte (vgl. Abb. 1) waren zu unbequem; dazu kamen die Schwierigkeiten, eine schwere Waffe in einem Fahrtwinde von 100 km/Stde. handzuhaben.

Andererseits wurden die Geschoßbahnen der seitlich etwa nach O gerichteten Schüsse, vgl. Abb. 3, durch Kräfte Abb. 1. Schußwlnkel (stark ausgezogene beeinflußt, mit denen man bisher noch Kreislinie) und toter Winkel (punktierte , . „ . , , , , „ .. ,. ,

Kreislinie) des fraiizös. Farman-Doppel- keine Erfahrungen gemacht hatte, nämlich deckers 1915. dje mit Bezug auf das Geschoß seitliche

Geschwindigkeit V, ____

die ihm von der Flugzeugsgech windigkeit erteilt wird und der dieser Geschwindigkeit entgegengesetzt gerichtete, seitliche „Wind" L; diese beiden Kräfte setzen sich mit der

Mündungs Abb g Schlißwinkel und toter Winkel der deutschen Avi.itik-

geschwindlgkeit J Doppeldeckers 3915.

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des Geschosses zusammen und ändern die Geschoßbahn von Grund auf. Außerdem weist das Visier keine genaue Einteilung mehr für Schüsse auf, die fast senkrecht nach oben oder unten abgegeben werden; auch für Horizontalschüsse ist es auf Flugzeugen unzuläng- f _---"''ö lieh Die Schußentfernungen liegen im allgemeinen unterhalb 400 m; daraus ergeben sich

weitere Fehlerquellen. Aus Vorstehendem kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie schwierig es ist, von

Abb. 3 Seite; (

Beeinflussung V anfängliche

Abb.4. Festeingebautes Maschinengewehr auf Nieuport-Anderthalb decker; muß zum Laden heruntergeschwenkt werden.

Frage des fest eingebauten M.-G.s als Kampfmaschinen auszubilden, dann

der Geschoßbahn beim Schießen nach der seitliche Geschwindigkeit des Geschosses Fingzeuggeschwindigkeit); L seitlicher Luftwiderstand als Folge von V; I eigentliche Geschoßgeschwindigkeit.

einem Flugzeug aus treffen zu können.

Die zweite Periode umfaßt die Organisation der Bewaffnung derjenigen Flugzeuge, die mit Sonderaufträgen betraut sind. Hierfür sind bei allen Kriegführenden 3 Hauptarten angenommen:

I. Ein oder zwei nach vorn gerichtete über oder durch den Schraubenkreis feuernde festeingebaute M.-G.e (Einsitzer).

II. Ein oder zwei festeingebaute M.-G.e wie zuvor aber unter Hinzufügung eines hinter den Tragflächen auf Laufring angeordneten beweglichen M.-G.s (Zweisitzer).

III. Je ein vorn und hinten auf Drehgestell angeordnetes M.-G. und ein auf Drehzapfen angeordnetes unter den Rumpf feuerndes M.-G. (Dreisitzer).

Zu I. In dieser Periode wurden die Konstrukteure veranlaßt, sich mit der zunächst um die Einsitzer angedeuteten Unzulänglich-

Abb. ü. Garros' Geschoßtöter; ein wenig brauchbares Mittel, um durch den Schraubenkreis feuern zn können; Stahlwinkel auf den Schraubenflügeln bei c.

zu befassen, um die bereits

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keiten der auf Laufring oder Zapfen drehbaren M.-G. e zu beseitigen. Das festeingebaute M.-G. bietet offenbar den Hauptvorteil, daß der Einsitzer-Führer Waffe und Flugzeug gleichzeitig bedienen kann; das M.-G. schießt in Richtung der Flugzeug-Mittelachse und der Führer richtet es mit seiner ganzen Maschine

Abb. 6.

Fokker-Kampfehideeker mit fest eingebautem, durch den Schraubenkreis feuerndem M.-G. 1915/16.

Abb. 7. M.-G.»Anordnung anf einem Albatro Doppeldecker 1917.

über ein festes Visier hinweg. Dazu kommt, daß infolge der festen Verbindung mit der ganzen Masse des Flugzeugkörpers, alle Erschütterungen, die von den Schüssen herrühren, aufgehoben werden. Andere Vorteile dieser Anordnung

sind: Stets richtige Stellung des Schützen zur Waffe, keine seitliche Abtrift des Geschosses, weder durch den seitlich auftreffenden Fahrtwind L (Abb. 3) noch durch die vom Flugzeug erteilte Anfangsgeschwindigkeit V; letztere Geschwindigkeit addiert sich lediglich zu der Mündungsgeschwindigkeit J des Geschosses.

Die erste Anwendung des f esteingebautenM.-G.s fällt mit dem Erscheinen der ersten Jagddoppeldecker Nieu-ports (Abb. 4) zusammen ; hierbei feuerte das auf dem Oberdeck angebrachte M -G. über den Schraubenkreis hinweg. Der Hauptnachteil dieser Anordnung bestand in dem großen Luftwiderstande und in der Schwierigkeit, die mit der Patronenzuführung verbunden war. Zu diesem Zweck nämlich mußte der Führer das M.-G. von oben (B) nach unten schwenken, bevor er die leere Trommel entnehmen und eine neue mit 47 Schuß einsetzen konnte. Bei einer Feuergeschwindig-

Abb. S. Anordnung des M.-G.s mit Patronen-Behälter vor dem Fuhrersitz. (Oben von links nach rechts): Motoruiiidrehungszähler, Drei-wegehahn für Breniistoffznfiihrinig, festeingebantes M.G. (Unten von links nach rechts): Anhissvomchtung, Zündschaltungfür Abflug, Zündschaltung des Motors, leerer Gurt, Patronenbehälter mit gefülltem Gnrttcil.

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keit von 300 -400 Schuß/Min. waren diese 47 Patronen bald verbraucht. Man kann sich daher ohne Weiteres vorstellen, wie mühevoll es für den Führer sein mußte neben der Steuerung seines Doppeldeckers seine Schüsse abzugeben und alle Augenblicke sein M.-G. neu aufzuladen. Tatsächlich mußten die ersten Nieuport-Doppeldecker das Gefecht abbrechen, wenn nicht gleich mit der ersten Trommel Erfolge erzielt waren.

Die z wei t e An wen d u n g des fest-( - 7,,7'-'|fc>'t 1-^-^ /^\Üt eingebauten M.-Gs. bestand darin, daß

man durch den Schraubenkreis hindurchfeuerte; der erste, der dies tat, war Garros, vgl. Abb. 5. Auf den ersten Blick erscheint die hierzu verwendete Anordnung recht sonderbar. Das M.-G. schoß nämlich mit seiner gewähnlichen Geschwindigkeit; um nun zu vermeiden, daß die Geschosse die Flügel der Luftschraube träfen und zerstörten, waren in jener Gegend an den Flügeln, wo die Geschosse auftreffen mußten, äußerst harteStahlkörper angebracht, vgl. c in Abb. 5. Durch sie wurden die auftreffenden Geschosse abgelenkt und gingen verloren, während die übrigen ihre Bahn auf das Ziel zu weiter verfolgten. Der Abb. 9. Albatros-Jagddoppeldecker 1917 Prozentsatz der verloren gehenden Geschosse mit2festeiugebauteii, durch den Schrauben- dürfte weniger als 7 bis 8%2) betragen kreis feuenideu Maschinen-Gewehren. , ,

haben.

Ein Nachteil dieser Vorrichtung, mit dem man vorher nicht gerechnet hatte, hieß sie allerdings schleunigst aufheben: Sie hatte nämlich einen G e-sch windigkeitsverlust von etwa 20 km/Stunde für das Flugzeug zur Folge, weil die Schraube einen Teil ihrer Zugkraft einbüßte. Dies rührte daher,

daß, einmal in-

,,l;,vi. folge der Ein-

schnürung an der Stelle, wo die Stahlwinkel angebracht wa-

( •, I TT^ly''" ^~i3» I ren' an^ dann, ''iv * K?"I I weil man die

Schraubensteigung verringern mußte, um den höheren Luftwiderstand der Stahlwinkel auszugleichen und

dem Motor seine normale Umdrehungszahl zu bewahren, der Wirkungsgrad der Sch r aub e v er sch lecht er t wurde. Dieser für Jagdflugzeuge auf taktisches Gebiet übergreifende Nachteil konnte durch die sonstigen Vorzüge einer derartigen Bewaffnung nicht wettgemacht werden.

Abb. 10.

Schußwinkel des hinteren M.-G.s bei den Albatros-Doppeldeckern 1917.

') Hiiie offenbar viel zu günstige Zahl; sie ist von anderer .Seite auf etwa äö—10 °lo berechnet worden. Die Kcliriftleitung.

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Die dritte Anwendung des festeingebauten M.-Gs. erfolgte anf deutscher Seite, zum ersten Mal3) in dem Augenblick, als die ersten Jagdeinsitzer vom Fokkertyp, vgl. Abb. 6, auf dem Kriegsschauplatz erschienen Auch hierbei wird durch den Schraubenkreis gefeuert, aber das M.-G. steh mit dem Motor in Verbindung, seine Feuergeschwindigkeit ist mit der

Abb. 11. Parabellnni-M.-G., anf Laufring drehbar: A, seitliehe Kolle zur Aufnahme eines Gurts mit 250 Patronen; B, Sack zur Aufnahme der leeren Hülsen; C, angelenkte Traggabel; D, Laufeinrichtnng. Gewicht 12 kg, mit 250 Patronen und Zubehör 32 kg. Umdrehungsgeschwindigkeit des Motors synchron. Da die Schraube eine minutliche Umdrehungszahl von 1400 hat, minutlich also 2800 mal ein Schraubenflügel an der M.-G.-Mündung vorbeistreicht, so muß die Abzugsregelung sehr genau arbeiten, um die Geschosse in den kurzen Zeitinterwallen von 1/46 Sekunde

Abb. 12. Maxim-M.-G. für festen Einbau: A, Vorrichtung zur Synchronisierung des Abzuges mit dein Motor; B, Abzugschalter am Bowdenkabel. Gewicht 13,3 kg. mit 500 Patronen und Untergestell 36 kg.

durch die Flügelzwischenräume durchzubringen. Der Antrieb des M.-Gs. durch den Motor erfolgt entweder mittels starrer Zwischenglieder (bei Fokker, Albatros D, Halberstadt) oder durch biegsame Mittel (bei Albatros C, Rumpier C). Der Führer setzt nach Belieben seine Waffe in Tätigkeit, indem er auf einen

3) Dies trifft insofern nicht ganz zu, als die betreffenden deutschen Erfindungen, bereits geraume Zeit vor dein Kriege gemacht waren und teilweise auch schon zur Patenterteilung geführt hatten. (Eulerpatent No. 24860 erteilt 23. 7. 1910.) In der Fixigkeit sind, uns die Franzomm überlegen, in der ltiditigkeit aber — und das dürfte immer noch die-Hauptsache sein — wir ihnen. Die Srhiil'tleitung.

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Knopf an einem Bowdenkabel drückt. Diese deutsche Synchron-Ein-richtung wird auf den meisten Flugzeugen aller kriegführenden Mächte angewendet. Das M.-Q. liegt auf einer Seite im Schutze des Motors, vgl. Abb. 7, seine Munitionszuführung ist leicht, die Auswechselung ebenfalls. Die Patronenbehälter (Abb. 8) können Gurte für 800—1000 Patronen für jedes M.-G. aufnehmen.

Die Jagdflugzeuge sind im allgemeinen Einsitzer; man zieht es vor, keinen Beobachter mitzunehmen, weil man hierdurch an Geschwindigkeit, Wendigkeit, Steigvermögen und Flugweite gewinnt.

Die deutschen D-Flugzeuge besitzen zwei festeingebaute, durch den Schraubenkreis feuernde Maschinengewehre, Abb. 9, deren jedes mit 1000 Patronen ausgerüstet ist.

Zu II: Eine andere Bewaffnungsart ist bei den Zweisitzern und weniger schnellen sogenannten C-Flugzeugen für Artillerie-Einschießung, Photographie

und kleinere Bombenaufträge vorhanden, die nur eine Stundengeschwindigkeit von HO—160 km besitzen, vgl. Abb. 10; sie hat defensiven Charakter und ist übrigens auch bei den gleichartigen französischen Maschinen nachgeahmt worden: Ein vorderes festeingebautes und durch den Schraubenkreis feuerndes M-G. dient zum Angriff, wenn dieser zur Abwehr eines Angriffs erforderlich ist; außerdem ist aber noch ein hinteres richtbares M.-G. auf einem Laufring vorhanden. Das vordere M.-G. gibt an Kräftigkeit der Bauart den Infanterie-M.-G.en nichts nach. Das hintere M.-G, ist eine viel leichtere Waffe. Die Patronen werden auf Gurten zugeführt, die ■ bei den richt-baren M.-G.en auf Rollen oder Trommeln (Abb. 11 und 12) auflaufen.

Zu III: Die dritte Bewaffnungsart ist diejenige, wie sie auf dreisitzigen Abwehr- oder Bombenmaschinen (Abb. 13) in Anwendung kommen; auch sie hat im Wesentlichen einen defensiven Charakter; um den Rumpf Vorderteil frei zu halten, ist der Doppeldecker mit zwei Motoren bezw. zwei Schrauben ausgestattet. In diese Klasse gehören die G.-Flugzeuge von Gotha, Friedrichshafen, AEG u. Rumpier; sie sind noch nicht alt und besitzen anscheinend eine Geschwindigkeit von etwa 150 km/Std, also ungefähr die gleiche wie die C-Maschinen. Sie scheinen zum Schutz bestimmter Linien oder Punkte oder der A-Flugzeuge und zur Ausführung großer Bombenunternehmungen (London) Verwendung zu finden. Ihre Bewaffnung besteht aus je einem vorderen und hinteren auf Laufring beweglichem M.-G.; dazu kommt noch ein drittes auf Zapfen ver-

Abb. 13. Anordnung und Schußbereich der 3 Jl.-G.e auf einem Gotha-G-Doppel-decker 1916/17.

Abb. 11. Pnrabelliun-M.-G., auf Laufring drehbar ; A, seitliche Kolle zur Aufnahme eines Gurts mit 250 Patronen; Ii, Sack zur Aufnahme der leeren Hülsen; C. angelenkte Traggabel; D. Laufeinrichtung. Gewicht 12 kg, mit 250 Patronen und Zubehör 32 kg. Umdrehungsgeschwindigkeit des Motors synchron. Da die Schraube eine minutliche Umdrehungszahl von 1400 hat, minutlich also 2800 mal ein Schraubenflügel an der M.-G.-Mündung vorbeistreicht, so muß die Abzugsregelung sehr genau arbeiten, um die Geschosse in den kurzen Zeitinterwallen von 1/46 Sekunde

Abb. 12. Maxim-JJ.-G, für festen Einbau: A, Vorrichtung zur Synclirouisierting des Abzuges mit dein Motor; Ii, Abzugsehalter am ßowdenkabel. Gewicht 13,3 kg. mit 500 Patronen und Untergestell 36 kg.

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schwenkbares M.-G., das durch eine Bodenöffnung und das Fahrgestell hindurch nach unten feuert.

Diese stark bewaffneten Großflugzeuge sind schwer anzugreifen; wie man sich auch nähert, man gerät verhängnisvoller Weise in das Feuer eines der drei Maschinen-Gewehre. Die Taktik, die man offenbar gegen diese fliegenden Festungen anzuwenden hat, besteht

®A

Abb. 16

Abb. 14—16. Verschiedenheit der Vorhaltewinkel, darin, daß man den hinteren Schützen durch fortgesetzte Belästigungen mit akrobatischen Schleifen zwingt, dauernd mit der Bedienung seiner beiden M.-G.e wechseln zu müssen und ihn hierdurch ermüdet.

Diese Flugzeugart mit großer Tragfähigkeit ist berufen, sich weiter zu entwickeln; denn der Schutz der mittleren Maschinen wird immer schwieriger; außerdem drängt sich die Ueberzeugung von der Notwendigkeit weit gesteckter Bombenflüge auf, die teils gewisse Industrieen lahmzulegen, teils Vergeltungsangriffe auf feindliche Städte auszuführen hätten.

Zielfehler und ihre Berichtigung: Wenn auch die Anwendung festeingebauter M.-G.e, die in die Flugrichtung feuern, einen Teil der Einflüsse, die ungünstig auf die Geschoßbahn einwirken vermeidet, so hat man nichtsdestoweniger noch bestrebt zu sein, auch die für die richtbaren M.-G.e bestehenden Ziel-Schwierigkeiten zu überwinden, wie auch für die festen M.-G.e die Ungenauigkeiten zu beseitigen, die von den relativ zu einander auftretenden Geschwindigkeiten herrühren.

Die vorzunehmende Zielberichtigung ist eine erhebliche, wenn die Flugbahnen der beiden Maschinen sich rechtwinklig schneiden (Abb. 15); während

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das Geschoß die Bahn A B durchfliegt, ist das feindliche Flugzeug van B nach C gelangt; die Maschine A muß also einen Winkel BAC vorhalten, bezw. be' festeingebautem M.-G. in der Richtung AC fliegen. Je mehr die Flugrichtnngen vom rechten Winkel abweichen (Abb. 16), um so kleiner ist der Vorhaltewinkel; im Falle der Abb. 14 ist er^ = 0. Um eine möglichst große Schußgenauigkeit zu erzielen, wird man also bestrebt sein müssen, den Gegner so anzugreifen, daß man sich möglichst in die Lage des Flugzeugs A der Abb. 14 bringt. Die notwendigen Berichtigungen erhält man aus Spezialvisieren; sie leiten sich ohne Weiteres aus dem Winkel ab, unter dem das feindliche Flugzeug von dem Schützen gesehen wird; näheres kann zur Zeit hierüber nicht gesagt werden.

Die vorstehend aufgeführten Bewaffnungsarten sind nach der Angabe des französischen Verfassers sowohl beim deutschen wie beim französischen Heer in Gebrauch ; außerdem gebe es noch einige andere Arten; diese wären aber nur bei Versuchsmaschinen oder bei einigen wenigen bald wieder verschwindenden Flugzeugen vorhanden. Es bestände allgemein die Tendenz, für gleiche Aufgaben gleiche Maschinen zu benutzen.

Entsprechend der früheren Einteilung werden noch folgende Angaben über Flächengrößen und Motorenstärken usw. gemacht :

I. D.-Jagdflugzeuge: Ein Motor von20O PS; einsitziger Doppeldecker von 25 qm Tragfläche, zwei festeingebaute, durch den Schraubenkreis feuernde M.-G.e.

II. C.-Maschinen (für Artillerie, Photographie und Bombenwurf): Ein Motor von 220 oder 260 PS; zweisitziger Doppeldecker von 40 qm Tragfläche; 1 festeingebautes M.-G., 1 M.-G. auf Laufring.

III. G-Maschinen (für Abwehr und größere Bombenflüge): 2 Motoren von 500 - 550 PS.; dreisitziger Doppeldecker von 100 qm Tragfläche; 1 M.-G. auf Laufring vorn, 1 desgl. hinten, 1 M-G. auf Zapfen, nach unten schießend.

Munition:

Zum Schluß führt der Verfasser über die zur Zeit in den kriegführenden Heeren gebräuchliche Munition folgendes aus, für dessen Richtigstellung wir ihm ausdrücklich die Verantwortung überlassen müssen:

Es gibt gewöhnliche4), Brand-, Stahlkorn und Explosiv-Geschosse (Abb. 17). Die Brand- und Leuchtspur-Geschosse sind hohl und enthalten einen

l) Daß beim deutschen Heer fast ausschließlich die gewöhnlichen Geschosse zur An!' wendiui's; elangen, glaubt der französische Verfasser mit Herstellung»-Schwierigkeiten au-zunserer Seite begründen zu müssen; Gründe der Menschlichkeit setzt er scheinbar bei uns

Laihn

Maì/fechorf- Maillechorr Percuteur

Capsule

Abb-17. Mascbineii-GeweUr=Mnnition nach franz. Darstellung: Laitoii=Messing ; Maillecliort=Neusilber; Acier-Stalil: Comp, de Phosphore » Pbosphorsatz; Percuteur=Ziindstift; Capsule = Zündsatz; Poudre Pulver ; Masse = Zündmasse. Die 4 Geschosse sollen von links nach rechts ein gewöhnliches Infanterie-, ein Stahlkorn, ein Leuchtspur-u. einExplosiv-Geschoß wiedergeben.

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Phosphor-Satz. Sie hinterlassen beim Schießen einen leuchtenden Streifen, der sowohl Ballone und Benzinbehälter in Brand setzen, als auch dem Schützen die Geschoßbahn anzeigen soll ') Die Stahlkorn-Geschosse besitzen einen von einem Neusilber-Mantel umschlossenen gehärteten Stahlkern und dienen dazu, metallische Körper, insbesondere Flugmotoren, zu durchdringen. Andere Geschosse sind explosiv; sie haben die Form und Zusammensetzung kleiner Granaten : Ein kleiner Zündstift und ein Zündsatz ist mit einer Detonationsmasse darin enthalten. Alle diese Spezial-Geschosse, die auf den Gurtbändern der M.-G.e bis zu 10—15% verteilt sind, haben Flugbahnen, die von denen ge* wohnlicher Geschosse abweichen; dies beruht auf der Verschiedenartigkeit ihrer Form und ihres Gewichts. Unter 300 m ist die Abweichung jedoch so gering, daß die Anwendung von Spezial-Visieren nicht notwendig wird.

Flächenverspannung und Stirnwiderstand.

(Hierzu Tafel No. II.)

Als der alte Pionier der Flugtechnik, Chanute, und nach ihm die Gebrüder Wright als die ersten zu der Anwendung übereinandergesetzter Flächen für ihre Gleitapparate griffen, schien ihnen erklärlicherweise die Gewichtsfrage, wie es in der Tat für die damals geringen Geschwindigkeiten berechtigt war, von größerer Bedeutung zu sein, als die des Stirnwiderstandes. Infolgedessen war es damals ganz selbstverständlich, daß sie die Art der Verspannung allein aus dem Gesichtspunkte des Verhältnisses £*ewicnt wäh|ten unrj geschah ganz natürlich

Festigkeit s

in der Form von Holzstreben und Klaviersaiten. In früheren Zeiten bestanden die Erbauer von Flugzeugen nicht aus so durchgebildeten Konstruktions-Ingenieuren wie heute und daher stellten die älteren Doppeldecker wahrhafte Irrgärten von Drähten dar. So z B. sah man in jenen Tagen allgemein — abgesehen davon, daß es sicherlich etwas außergewöhnliches war, ein Flugzeug überhaupt zu Gesicht zu bekommen — Spanndrähte, die vom Oberende eines Hinterteils zum Unterende des benachbarten Vorderstiels verliefen. Schrittweise wurde dann entdeckt, daß man einige von diesen Drähten sehr gut entbehren konnte und schließlich kam man soweit, als allgemein gültige Regel anzusehen, daß Diaaonaldrähte zwischen Hinterstielen, Diagonaldrähte zwischen Vorderstielen und Diagonaldrähte, die die oberen und unteren Enden der ein Paar bildenden Vorder- und Hinterstiele verbinden, (die man jetzt auch als Anstelldrähte bezeichnet), alles das wären, was für die äußere Verspannung der Tragflächen erforderlich sei. Eine Reihe von Jahren hindurch wurde in der Praxis an dieser Verspannungsart ausnahmslos festgehalten; sie bildete ein gemeinsames Kennzeichen aller Doppeldecker, ganz unabhängig davon, wie sehr sie auch immer sonst von einander abwichen.

Von Zeit zu Zeit wurden Versuche unternommen, sich irgendwie von der Streben- und Drahtverspannung frei zu machen, aber nur mit kärglichem Erfolge. U. a. hatten bereits im Jahre 1911 die Al b atros werke einen Doppeldecker („Militär" — D. D., Paris 1911, Ala 1912) gebaut, der statt der bis dahin üblich gewesenen Vertikalstiele und Diagonalspanndrähte aufwies ; die Funktion der fehlenden Drähte sollte von den Sctirägstielen übernommen werden. Und Breguet hatte ebenfalls geraume Zeit vor dem Kriege einstielige Maschinen mit einfacherer Verspannung herausgebracht. Keine von beiden Maschinen wurde bestimmend für die Weiterentwicklung. Erst die überwältigende Entwicklung der Flugtechnik während des Krieges, die dringende Notwendigkeit, die Fluggeschwindigkeit bis aufs äußerste zu steigern, brachte es mit sich, daß es neben der Steigerung der Leistung der Motoren und ihrer Zuverlässigkeit, neben der Züchtigung wirksamerer Flächenprofile gelang, Mittel und Wege zu finden, um

nicht voraus: bei diesem Mangel an Xnehliehkeit kann man daher au.-h von ihm erwarten, dato er von der bereits in den ersten Monaten des Krieges gegen uns verwendeten Duindum-Mitnition it. (Igt. spricht. Die Sehriftleitiing.

5) Dies zum Krsatze der in der Luft ja nicht erkennbaren Anfsohlagwirkniig ; ihc bei Anwendung des M.-U.s auf dem Erdboden in dem Aufwirbeln von Saadwolken u. dgl. bestellt und der genannten Waffe in so furchtbarer Weise das „EhisehieJien'1 erleichtert.

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den Stirnwiderstand der'Maschinen und in erster Linie den Stirnwiderstand des Strebewerks um ein beträchtliches Maß zu verringern und mit der dadurch möglichen Steigerung der Flugeschwindigkeit den Charakter der Maschinen von Grund auf zu ändern. Zweifellos sind wir in dieser Beziehung noch lange nicht am Ende angelangt; aber schon jetzt dürfte es Interesse bieten, sich umzublicken und durch den Vergleich einiger wesentlicher Typen zu vergegenwärtigen, was bereits erreicht worden ist und welche Richtlinien der Fortentwicklung man auf dem Gebiete der Widerstandsverminderung bei dem derzeitigen Stande dieser Angelegenhrit erwarten darf. Einer englischen Fachzeitschrift entnehmen wir hierzu nachstehenden, von einem italienischen Statistiker, Marco Polo, herrührenden Beitrag, der, wenn er auch die Frage nicht erschöpfend behandelt, und nicht sehr tief in die durch Verspannungsänderungen bedingten Unterschiede der Tragflächen-Konstruktion eindringt, doch genug des Beachtenswerten bietet, um im wesentlichen nachstehend wiedergegeben zu werden :

Um diese Grundlage zu schatten, auf die sich ein Vergleich verschiedener Formen von Flächen-Verspannung aufbauen läßt, sei angenommen, daß ein Konstrukteur vor die Aufgabe gestellt ist, eine Maschine zu entwerfen, die gewisse bestimmte Bedingungen erfüllen soll, und daß er hierbei ermittelt hat, daß er mit der Kraftquelle und den Profilen, die ihm zur Verfügung stehen, einer Fläche von etwa 25 qm bedarf. (Eine größere Fläche vielleicht, als sie für die neuzeitlichen Kampfmaschinen gebraucht wird, aber die Größe dieser aus bestimmten Zweckmäßigkeitsgründen gewählten Zahl kann den Beweis qualitativ nicht beeinflussen.) Um also nun aus seiner in Flächengröße, Flächenprofil und Motorleistung festgelegten Maschine — auch über die Rumpfform sei bereits entschieden — das bestmöglichste Ergebnis herauszuholen, wird sich natürlich der Konstrukteur die Frage vorlegen, in welcher Form er die Flächenverspannung ausführen muß, um ein Mindestmaß an Widerstand zu erzielen, selbstverständlich in Zusammenhang mit der Frage der Festigkeit der diesbezüglichen Bauteile.

In Abb 1 sind schematisch die Vorderholme eines normalen Aufklärungsdoppeldeckers (Standard scout) mit ihrer Drahtverspannung dargestellt. Es ist der rechtwinklige Typ ohne Staffelung gewählt worden (wenn letztere auch vielfach bei neueren Aufklärungsmaschinen angewendet wird), da die Behand-lungsweise einfacher ist; es erscheint dies zulässig, da hierdurch die Beweiskraft nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Die „freie Länge" des Holms ist etwa 2,5 m, eine etwas reichlich große Entfernung für starke Beanspruchungen, die einen recht kräftigen Holm erfordert; doch stimmen die Verhältnisse, wenn auch nicht die wirklichen Massengrößen, angenähert mit der der Praxis überein. Die Anordnung des Oberdecks ist die des sog. „canopy"1) — Typs, wie er von den Deutschen angewendet wird, d. h. das kurze Mittelstück des Oberdecks ist auf vier Vertikalstreben, die vom Rumpf ausgehen, aufgesetzt. In der beigegebenen, die Hauptabmessungen der untersuchten Flugzeugtypen enthaltenden Tabelle sind in der vorletzten Spalte Zahlen enthalten, die als „Widerstandszahlen" bezeichnet sind; wie sie entstanden sind, sei zunächst erläutert: Wenn man einen gültigen Vergleich zwischen den verschiedenen Ausführungsformen der Flächen-Verspannung in Maschinen ziehen will, so müßte genau genommen, für jeden der zugehörigen Teile, aus denen sich die Verspannung zusammensetzt, der Widerstandswert ermittelt werden. Für die Zwecke vorliegender Abhandlung nun braucht man sich nicht in Berechnungen des wirklichen Widerstandes ausgedrückt, zu vertiefen, braucht man also nicht zu wissen, wie groß der tatsächliche Widerstand der verwendeten Drähte und Stiele bei einer gewissen Geschwindigkeit auf den laufenden m in kg ist, sondern hat nur nötig, zu ermitteln, wie groß das Verhältnis des auf die Längeneinheit bezogenen Widerstandes von Stielen zu dem von Kabeln ist.

Aus den Berichten, die von den verschiedenen mit Windkanal-Untersuchungen betrauten Stätten veröffentlicht worden sind, dürfte es bekannt sein, daß ein glatter runder Draht vom Kaliber 10*) fast denselben Widerstand auf den laufenden m besitzt, wie eine gut profilierte Strebe in solcher Abmessung, wie sie auf Maschinen von Scout — Art und Größe üblich sind. Da jedoch auf neuzeitlichen Flugzeugen, jedenfalls auf solchen hoher Geschwindigkeit, runde Drähte nicht mehr gebräuchlich sind, erscheint es nicht angängig, Stielen den gleichen Widerstandsfaktor wie für Drähte zuzuerkennen. Der sog. RAF-Strom-

1) canopy lialdachin.

2) Entspricht einem Durchmesser von 3,1 mm.

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linieri-Draht, der allerdings kein genaues Stromlinien-Profil besitzt, wird aus verschiedenen Gründen nicht allgemein von privaten Konstrukteuren geschätzt, sodaß es nicht zweckmäßig ist, den Vergleich auf diese Drahtsonderart zu erstrecken. Ein Verfahren, das demgegenüber von vielen bevorzugt wird, besteht in der Anordnung zweier Kabel im Abstände von etwa 2—3 cm hintereinander, wobei der Zwischenraum mit Holz ausgefüllt wird. Trotzdem auch diese Ausführungsart keine absolut genaue Stromlinienform ergibt, ist deren Widerstand aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso gering wie der des RAF-Drahtes, dürfte sich aber als beträchtlich fester erweisen, besonders gegen so plötzliche Beanspruchungen, wie sie bei böigem Winde auftreten. Wenn man berücksichtigt, daß solch eine Kombination von Kabeln und Holzfüllung etwa 13X13 mm mißt, während die Streben-Abmessungen etwa 102X32 mm betragen, so darf man im Hinblick auf die weniger vollkommene Profilierung der Kabel mit Holzfüllung annehmen, daß der Widerstand auf den laufenden m bei den Stielen das doppelte von dem bei Kabeln beträgt. Die Zahl 2 — in der Tabelle als Vergleichszahl angegeben — ist, wie zugegeben werden muß, eine ganz willkürliche, und da auf ihr die nachstehende Durchführung des Vergleichs aufgebaut ist, so müßte sie natürlich eigentlich unbedingt genau sein. Es scheint jedoch, daß vorstehende Annahme sich nicht sehr weit von der Wahrheit entfernt. Auf jeden Fall beeinflußt ein Fehler, der auf eine Ungenauigkeit der sog. Widerstandskraft zurückzuführen ist, das Ergebnis nur quantitativ.

Wenden wir uns wieder dem Gegenstande der Abb. 1 zu, so sehen wir, daß die Widerstands-Zahl des „Standard-scouts" für die gewählten Flächenabmessungen und Verhältnisse 56,1 ist. Diese Zahl ist also dadurch entstanden,, daß die Länge der Streben mit 2 multipliziert wurde — ein Wert, der den Stielwiderstand im Verhältnis zu dem von Kabeln angibt — und das so entstandene Produkt zur gesamten Draht- oder genauer gesagt Kabellänge addiert wurde.

In Abb. 2 ist die Verspannungsart dargestellt, die bei älteren Mustern des deutschen Halberstadt-Doppeldeckers gebräuchlich ist; hierbei sind zwei Stielpaare auf jeder Seite vorgesehen und die Oberdeckflächen auf einer „cabane„3) abgestützt, anstatt in der Baldachin -artigen Weise, die man gewöhnlich bei den Aufklärungsmaschinen englischer Bauart findet. Hierfür beträgt die Widerstands-zahl 86,28 gegenüber 56,1, ein ganz beträchtlicher Unterschied, der die Leistung sowohl hinsichtlich Geschwindigkeit wie Steigvermögen einer mit Halberstadt-Verspannung ausgestatteten Maschine erheblich herabsetzt. Indessen muß darauf hingewiesen werden, daß diese Verspannungsart unverhältnismäßig kräftiger ist, da die freie Länge des Holms bedeutend kürzer als bei der einstieligen Anordnung ist; der Grund für ihre Anwendung ist in dem Umstände zu suchen, daß ein großer, schwerer wassergekühlter Motor eingebaut ist, wohingegen die meisten, oder doch sehr viele der kleinen englischen Scouts einen viel leichteren Umlaufmotor besitzen. Daher ist nur für einen leichten Motor die Halberstadt-Ver-spannung als weniger brauchbar anzusehen, als die „Standard-Scouf-Verspannung.

Die erste Weiterentwicklung der hier als Standard-Scout-Verspannung bezeichneten Art wird in Abb. 3 gezeigt: Diese Bauart ist zuerst von der S o p-with Aviation C° eingeführt und seitdem von vielen anderen angewendet worden; sie unterscheidet sich von der früheren Ausführung nach Abb. 1 nur in der Anordnung der Rumpf-Stiele, die den Mittelteil des Oberdecks abstützen. Wie man aus der Abbildung erkennt, verlaufen diese Stiele, anstatt eine vertikale Fortsetzung der eigentlichen Rumpfstiele zu bilden, um einige Grade schräg nach außen Wie aus der Maß-Tabelle hervorgeht, ist die Gesamtlänge der Drähte dieselbe wie in Abb. 1, während die Gesamtlänge der Streben um ein Geringes größer ist; daher ist die Widerstandszahl 56,7 statt 56,1. Dieser Unterschied ist zu vernachlässigen, wenn man daran denkt, daß durch das Divergieren der Stiele nach oben hin die freie Länge des oberen Holms, der der schwerer belastete ist, verringert wird, was eine für Maschinen dieser Art sehr wünschenswerte Verstärkung nach sich zieht. Die in Abb. 3 dargestellte Ausführungsform muß somit als eine hinsichtlich Widerstands wie Stärke sehr gute bezeichnet werden.

In aerodynamischer Hinsicht ist der Eindecker leistungsfähiger als der Doppel- oder Mehrdecker, da stets, wo 2 oder mehr Flächen übereinander angeordnet sind, ein gewisser Störungsverlust auftritt, der sie, und besonders die untere Fläche, einzeln weniger leisten läßt, als sie aus dem störenden Einfluß der anderen Fläche herausgebracht leisten könnten. Hieraus folgt aber, daß, je größer der prozentuale Anteil des Oberdecks an der Gesamtfläche ist, um so besser die

3) Oabane, der aus dem französischen entnommene Fachausdruck für die beiden oben iisainmenlaufonden Htieliiaare, die da« Oberdeck abstützen.

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Leistung der Doppeldeck-Kcmbination ist. Doch hat man aus verschiedenen Gründen die Verkleinerung des Unterdecks auf ein gewisses Maß einzuschränken.

Beläßt man beispielsweise im Grenzfall das Oberdeck in seiner bei Doppeldeckern üblichen Lage oberhalb des Rumpfes, während die Fläche des Unterdecks auf Null verringert wird, so ensteht eine Eindecker-Art, die unter dem Namen „Parasol-Typ" bekannt ist, der sich jedoch des tiefliegenden Schwerpunktes wegen trotz seines guten Gesichtsfeldes nach unten als Militärmaschine nicht lange einer Beliebtheit hat erfreuen können. Somit hat sich erwiesen, daß trotzdem aerodynamisch der Eindecker der leistungsfähigere ist, praktische Anforderungen diesen Vorteil aufzuheben trachten, und wir kehren wieder zum Doppeldecker zurück.

Es bleibt immer noch wahr, daß, je größer der prozentuale Anteil des Oberdecks an der Gesamtfläche ist, umsogrößer die Leistung ist, — jedoch in Grenzen. Dieser Vorbehalt hängt, wie nähere Betrachtung ergibt, mit den Gründen zusammen, die schließlich zur Verurteilung des Parasol-Eindeckers führten, und der französischen Firma Nieuport gebührt das Verdienst, als erste eine Bauart eingeführt zu haben, die man als ein erfolgreiches Kompromiß zwischen der theoretischen Leistung des Eindeckers und den praktischen Vorteilen des Doppeldeckers bezeichnen kann. Hier ist zu bemerken, daß bisher von der Leistung der Tragflächen nur im Hinblick auf ihre Eigenschaft als aerody-

Jjeutsche Flugabwehrkanone auf Kraftwagen bei der Fliegerabwehr an der italienischen Front.

namische Fläche („aerofoil") gesprochen wurde, die Frage der Flächen-Verspannung aber noch unberührt blieb. Bei der Bauart Nieuport ist die aerodynamische Leistungsfähigkeit der Eindecker fläche fast erreicht worden, trotzdem die Doppeldeck-Anwendung beibehalten wurde, und der Erfolg, den diese Maschine erzielt hat und noch täglich erzielt, ist ein hinreichender Beweis ihrer Leistungsfähigkeit.

Vorstehende Tatsachen genügen, um zu zeigen, daß, abgesehen von der Flächen-Verspannung, das große Ober- und das kleine Unterdeck oder die An d e r th al b = D e ck er-Anordnung sowohl vom aerodynamischen wie vom praktischen Standpunkt gleich gut anzusehen ist; das kleine Unterdeck stört nämlich den Blick nach unten nur in sehr geringem Maße. In Abb. 4 ist die Ver-spannung der Nieuport-Decks schematisch dargestellt. Außer dem Unterschied in der Größe der beiden Flächen besteht die Haupteigentümlichkeit bei Nieuport in dem Einzelholm des Unterdecks und in der V-Stellung des Vorder- und Hinter-

Deutsche Flugabwehrkanone auf Kraftwagen bei der Fliegerabwehr an der italienischen Front.

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stiels, beides natürlich durch einander bedingt. Auftriebsdrähte4), 2 auf jeder Seite, laufen von Punkten des Rumpfes zu den oberen Enden der beiden ein V bildenden Stiele, die Landungsdrähte dagegen laufen von den Stielen des oberen Deckmittelteils zu dem Fußpunkt des durch die Stiele gebildeten Vs. Wie aus der Maßtabelle hervorgeht, ist die Widerstandszahl 52,84 die kleinste bisher festgestellte. Die Nieuport-Verspannung erscheint also um ein Geringes besser als die des „Standard Scout" der Abb. 1, obgleich der seitliche Ueberhang des Oberdecks etwa 0,3 m größer ist. Wahrscheinlich würde der Vorteil der Nieuport-Verspannung bei einer Maschine etwas geringeren Tragflächenareals noch größer ausfallen, als es bei dem gewählten Beispiel der Fall ist In Wirklichkeit hat auch die Nieuport-Normal-Maschine ein beträchtlich kleineres Flächenareal.

Es sei nun untersucht, zu welchem Ergebnis man gelangt, wenn man Spanndrähte fortläßt (bei der Nieuport-Anordnung könnte man z. B. an einen der beiden Auftriebsdrähte auf jeder Seite denken). Beim Fliegen mit Maximai-Geschwindigkeit, also unter sehr kleinem Anstellwinkel, wandert der Druckmittelpunkt nach hinten auf den Hinterholm zu. Da das Oberdeck eine verhältnismäßig große Flächentiefe besitzt, ist der Weg des Druckmittelpunktes wahrscheinlich beträchtlich, zumal vorauszusetzen ist, daß aus Gründen der Leistungssteigerung kein sog. stabiles Flächenprotil verwendet wird. Dann hat das Oberdeck das Bestreben sich unter noch kleinerem Anstellwinkel einzustellen; diesem Bestreben kann — und vermutlich ist dies bei Nieuport auch geschehen — durch Wahl eines geeigneten Winkels für die beiden Auftriebsdrähte entgegen gewirkt werden. Wird nur ein einziger Auftriebsdraht vorgesehen, der an einem Punkt zwischen den oberen Enden der V-Stiele — in der Nähe des Druckmittelpunktes — befestigt, im rechten Winkel zur Flugrichtung ohne Komponente nach vorn verläuft, so wurde das Wandern des Druckmittelpunktes nach hinten die Hinterkante des Oberdecks zu heben, die Vorderkante zu senken suchen; dies könnte nur dann stattfinden, wenn der Fußpunkr des Vs nach hinten ausschwingt, eine Bewegung, die notwendigerweise eine Abbiegung des Unterdecks nach hinten zur Folge hätte. Däm müßte natürlich durch die inneren Widerstandsdrähte des Unterdecks entgegengearbeitet werden; aber bei der geringen Flächentiefe und dem Einzelnholm des Nieuport dürfte es nicht leicht sein, eine innere Widerstands-Verspannung zu finden, die nicht allein dem Widerstande, sondern auch der durch das Wandern des Druckmittelpunktes des Oberdecks zusätzlich erzeugten Sonderbeanspruchung wirksam entgegenarbeitet Für große Anstellwinkel allerdings würde das Wandern des Druckmittelpunktes die entgegengesetzte Wirkung haben, d. h. es würde sich hierbei das Bestreben einstellen, die Beanspruchung der unteren Widerstandsdrähte zu verringern. Indessen kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß der Widerstand bei kleinen Anstellwinkeln und hoher Geschwindigkeit mehr Bedeutung besitzt. Daher die Anwendung doppelter Auftriebsdrähte beim Nieuport.

Alle bisher besprochenen Verspannungsarten hatten das eine gemeinsam, daß sie Spanndrähte verwenden. Der nächste Schritt zur Züchtung des Trägers führte ganz natürlich zur Bildung eines Baukörpers ohne irgendwelche Drähte. Ein Beispiel dieser Art liefert der drahtlose („Wireless") Scout" von Curtiss, dessen Verspannung in Abb. 5 dargestellt ist Auch hier pst wie bei den früheren Beispielen ein Tragflächenareal von 24,6 qm dem Vergleich zu Grunde gelegt worden, derart daß, wenn auch die Flächengröße nicht dieselbe wie bei der Original-Curtiss-Maschine ist, doch die Verhältnisse annähernd übereinstimmen. Bei dieser Verspannangsart wird, wie man aus der Abbildung ersieht, nur ein einziger Stiel zwischen den Flächen angewendet. Dieser Stiel ist von etwas eigentümlicher Form, die ihm wegen seiner Aehnlichkeit in Seitenansicht mit dem Buchstaben K die Bezeichnung „K-Stiel" eingetragen hat. Der Mittelteil des Oberdecks wird gegen den Rumpf durch zwei umgekehrte Vs

l) Dem niisers Wissens bei uns nicht allgemein gebräuchlichen Ausdruck stehen weitere ähnliche gegenüber; znr Erläuterung sei bemerkt, daß unter A u f tr i eb sdr äh t e n (,.lit't wires") diejenigen verstanden werden, die im wesentlichen in vertikalem Sinne die Tragflächen-Konstruktion von Biegungsmonieuten entlasten, die im Fluge durch die Auftriebskräfte hervorgerufen werden; Lan d ung s d räh t e (,,lauding wires)1' die dasselbe gegenüber Kräften, die beim Landen, und UelHulaudrollen auftreten, tun: Widerstandsdrähte (,,(lrift wires"), die die durch den Stirnwiderstaiid erzeugten horizontalen Kräfte aufnehmen, und schließlich A n s tel ld r äh t e, die in der Ebene eines Stielpaares vorwiegend zur Regelung des Anstellwinkels dienen. Die entsprechenden bei uns üblichen Ausdrücke; Trag-draht, H an g edrah t, Stirndralit und Sie Ii e r h ei tsdr ah t erscheint nicht so gut iint(Tscheidl)a,r.

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Abb. .9. Sopwith-D D. Sil,?

Abb. 4. Nieuport Anderthalbdecker. 52,84

Abb. 5. „Drahtloser" (Wirdes*) Curtiss-D.D. mit „K"-Stielen. 24,13

Abb. 6. Schrägst* ele in Wellznanord.nung (Albatros 1911) 80,4,7 Nachbildung verboten.

Abb. 7. Vereinigung von Schrägstreben vnd Nieuport-Anderthalb-Decker 03,08

EL

Abb. 11. Dreidecker mit I-Stielen in Wellenanordnung 37,7

Abb. 12. Dreidrxk&r „Drahtlos" nach Curtiss 30

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(„cabane") gestützt. Das Kennzeichen der „drahtlosen" Maschine aber besteht darin, daß anstelle der üblichen Drähte für Auftrieb und Landung sich vom Unterdeck zur Nabe des Laufrades beiderseits eine einzige Strebe erstreckt; diese Anordnung wird durch die Verwendung von in sich federnden Ackermann-Rödern5) ermöglicht. Es ist also die Nabe starr mit dem Untergestell verbünden. Befindet sich die Maschine im Flug, so erfüllen diese beiden Streben die Aufgaben der Auftriebsdrähte, beim Landen dagegen die der Landungsdrähte, wobei sie auf Druck beansprucht werden. Aus der Maßtabelle erkennt man, daß die Widerstandszahl bei weitem die kleinste der bisher gefundenen ist. Zu der Zahl 24,13 gelangt man, wenn man den Widerstand derK-Stiele als den 2Vaf achen der Kabel von Stromlinienprofil annimmt, während für den gewöhnlichen Stiel (Abb. i—4) nur der zweifache Wert zu Grunde gelegt war. (Schluß folgt.)

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden g um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion).

Drahtschlaufenblegezange. Ein

im Flugzeugbau sehr oft gebrauchtes und vorkommendes Element ist die Drahtschlaufe.

Ein Weg, die Schlaufe leicht und rasch anzufertigen, besteht darin, daß man sich einer Zange nach Art der Abb. 1 bedient. Der Draht wird zuerst soweit gebogen, daß er zwischen die Backen der Zange paßt, die gewöhnlich eine große Maulweite hat. Die Schere wird nun zugedrückt und die aus Abb. 1 ersichtliche Anordnung der Bolzen und Schablone gibt dem Draht die Form, wie sie Bild 2 zeigt. Hierauf ist es ein leichtes, den Federring aufzuschieben. Der noch vorstehende kürzere Schenkel wird umgebogen (Abb. 3) und dient dann zugleich als Sicherung für den Federring, indem er das Wegrutschen desselben verhindert.

(Siehe auch die in Flugsport 1912 Nr. 23 beschriebene engl. Zange).

Schfitzt Gummi vor Kälte. Gerade zur Zeit wo viele Artikel, die früher aus gutem Gummi hergestellt wurden und einen hohen Grad von Widerstandsfähigkeit gegen die Einwirkungen der Temperatur besaßen, jetzt aus Regeneraten verfertigt werden, die natürlich viel empfindlicher sind, als frischer Gummi. Alle diese Artikel gilt es, genauso wie im Sommer vor Hitze, jetzt noch mehr vor Frost zu schützen. Dies trifft besonders auch bei Gummiplatten zu. Es muß dringend davor gewarnt werden, Gummiplatten und überhaupt Gummiwaren in

Abb. 3

Abb.1

5) Vergl. „Flugsport" 1917, Heft No. 17, Seite 542.

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Lagerräumen aufzubewahren, wo die Temperatur unter 0 sinken kann, denn unter Umständen genügen die wenigen Stunden einer sehr kalten Nacht, um große, wertvolle Lagerbestände zu schädigen. Wenn die Tafeln, glatt aufeinandergelegt, Frost auszuhalten hatten und nachher vor der Verarbeitung in mäßig warmen Räumen ausgebreitet einige Stunden lagerten, so wird in der Regel kein Schaden entstehen. Aber speziell für den Postkolliversand gerollte Tafeln, welche nur leichtem Druck ausgesetzt sind, springen und reißen; auch die Handhabung glatt lagernder Tafeln, welche dem Frost ausgesetzt waren, muß mit Vorsicht geschehen weil die Tafeln leicht rissig und brüchig werden.

Lagerung von Stahlrohren. Der Lagerung von Stahlrohren wird vielfach zu wenig Beachtung geschenkt. Zunächst müssen die Stahlrohre so gelagert sein, daß sie vor Beschädigung, Einbeulungen u. s. w., bewahrt bleiben. Wichtig ist, die verschiedenen Qualitätssorten mit einer entsprechenden Anstrichfarbe zu kennzeichnen. Zu welchen Unannehmlichkeiten z. B. die versehentliche Verwendung von hochwertigen Stahlsorten, die der Schweißbearbeitung unterliegen, führt, ist jedem Fachmann bekannt. Daß die Stahlrohre gut eingeölt sein müssen, ist selbstverständlich.

Die liegende Lagerung auf geeigneten Lagerungsrosten ist der stehenden vorzuziehen. Innerhalb aufgestellter Stahlrohre entsteht durch die Aenderung der Lufttemperaturen im Aufbewahrungsraum und durch die Luftströmung durch Oeffnen von Türen und Fenstern eine kaminartige Luftströmung. Die Rostgefahr wird daher innerhalb der Rohrwandung vergrößert.

(Flugtecljmfctje ftundfctjau.

Inland.

Das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielten: Utffz. u. Flugzeugf. Fritz Knevels in einer Artilleriefliegerabteil; Vizfw. u. Flugzeugf. Dr. Räch; Vizfw. u. Flugzeugf. Heinrich Ande, außerdem den türkischen Eisernen Halbmond I. Kl.; die Seeflieger Flugzeugf. Fritz Haase und Ltn. zur See u. Beobachter Schroeder der II. Seefliegerabteilung; Ltn. zur See u. Beobachter Achilles; Oberltn. u. Beobachter Voagt in der Marine-Landfliegerabteilung.

Mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse wurden ausgezeichnet: Ltn. u. Flugzeugf. Kacheline; Obltn. u. Beobachter Walter Wehmeyer in einer Bulgar Fliegerabteilung; Ltn. d. R. Heinr. Antzen, Beobachter; Deckoffz. u. Flugzeugf. in der Marine-Landflieger-Abteilujig Franke, Ltn. Wolfram Engelmann, Vizfw. u. Flugzeugf. Heiflingsfelder.

Den (Heldentod fürs Vaterland fanden: Utffz. u. Flugzeugf. Gustav Ehinger; Fliegerschütze u. Flugzeugf. Waiter Reißig und Obltn. u. Beobachter F. Wilms, Ritter des Eisernen Kreuzes I u II. Klasse.

Hauptm. Klein, Führer eines Bombengeschwaders, ist in Ausübung seiner Pflicht den Heldentod gestorben. Hauptmann Klein war als Geschwaderfiihrer bei mehreren Bombenangriffen auf englischen Boden verschiedentlich in den amtlichen Bekanntmachungen ehrend erwähnt worden und besaß neben anderen anderen hohen Orden auch den Pour le mérite.

Oberflugmeister Meyer, einer der erfolgreichsten Seeflieger, ist am 31. Dezember bei einem Probeflug mit einer Schulmaschine auf bisher unaufgeklärte Weise tödlich verunglückt. Es ist anzunehmen, daß M, welcher sehr niedrig flog, mit dem Apparat in der Nähe der Unfallstelle befindliche Bäume streifte und das Flugzeug so zum Absturz kam.

Meyer ist am 29. 2. 1894 in Mülhausen i. E. geboren, war sowohl Ingolds als Stoefflers erster Monteur und hat diese als solcher bei verschiedenen großen Ueberlandflügen begleitet. Bei Kriegsausbruch war M. zusammen mit Stoeffler auf der Wasserflugkonkurrenz in Warnemünde und wurde dortselbst vereidigt und eingekleidet. Infolge seiner großen Strebsamkeit avancierte er sehr schnell. Eines Tages stieg er, ohne vorher geschult zu haben, als Obermaat in einem

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abgeschossenen von ihm wieder hergestellten Bleriot, ilog diesen ohne weiteres und landete ohne Bruch. Von seinen Vorgesetzten bekam er natürlich einen Rüffel, lenkte jedoch dadurch deren Aufmerksamkeit auf sich und diese ließen ihn alsdann zum Flugzeugführer ausbilden. Wie bereits erwähnt, avancierte M. sehr schnell und hat es bis zum Oberflugmeister gebracht. Er galt als einer der besten Marineflieger Er ist aus 18 schweren Luftkämpfen ah Sieger hervorgegangen und hat außerdem das englische Luftschiff „C 17" ca. 100 m lang mit 8 Mann Besatzung über dem Kanal abgeschossen.

M. war Inhaber des E K. I und II, sowie des Kriegsverdienstkreuzes am weiß und schwarzen Bande.

Gefangenenaussagen. Folgende Aussagen gefangener englischer Offiziere bestätigen aufs Neue die unerhörten schweren Verluste der Engländer bei Cambrai u. a. wird gesagt: „die deutschen Fliegerseien vollkommen Herren der Luft".

Fliegerschadenersatz. Auf

eine kürzlich mitgeteilte Anfrage des Abgeordneten Dr. v. Schulze-Gaevernitz wegen der Entschädigung der Fliegerschäden ist, wie aus Berlin gemeldet wird, folgende Antwort des Reichskanzlers ergangen: Die Wahl des Zeitpunkts, zu dem Ersatz geleistet wird, ist dem freien Ermessen des Bundesstaats Uberlassen, in dem die Beschädigungen stattgefunden haben. Dasselbe gilt für Elsaß-Lothringen. Dem Reich fehlt es mangels gesetzlicher Unterlagen an der Möglichkeit, einen maßgebenden Einfluß auf die Bestimmung jenes Zeitpunkts auszuüben. Indes ist die Anfrage den Regierungen der von Fliegerschäden betroffenen Bundesstaaten und dem Herrn Statthalter in Elsaß-Lothringen mit der Anheimgabe der Erwägung übersandt worden, inwieweit dem geäußerten Wunsch entgegengekommen werden kann.

Oberflugmeister Meyer f

Von der Front.

19. Dezember. Deutscher Tagesbericht. Unsere Flieger haben London, Ramsgate und Margate mit Bomben angegriffen und gute Wirkung erzielt. Leutnant Bongartz errang seinen 27. Luftsieg.

Reuter meldet aus London: Deutsche Flieger kreuzten ungefähr um Vi nach 6 Uhr abends über der Küste von Kent und Essex und bewegten sich in der Richtung nach London. Einige Flieger erreichten den Londoner Bezirk und warfen Bomben ab. Auch wurden Bomben auf Kent und Essex abgeworfen. Meldungen Uber die Opfer und den Schaden sind noch nicht eingetroffen. Die englischen Kanonen und Flieger traten in Aktion.

Englischer Bericht. Die australischen Luftgeschwader unternahmen am 17. Dezember erfolgreiche Operationen.

Englischer Palästinabericht. Bei Nadius haben wir ein Flugzeug heruntergeschossen. Interessant ist dabei, daß unsere Flieger, als sie die Schiffe und Baracken am Nordrand des Toten Meeres beschossen, 400 Fuß unter dem Meeresspiegel flogen.

2(1. Dezember. Türkischer Heeresbericht. An der ganzen Front rege Fliegertätigkeit.

Oberfluijmeister Meyer f

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Reuter meldet aus London. Der offizielle Text der letzten Berichte zeigt, daß etwa 16 bis 20 feindliche Flugzeuge an den Luftangriffen teilgenommen hatten. Drei Gruppen der Angreifer flogen zwischen '/« nach 6 und 5 Minuten vor '(,6 Uhr über die Küste von Kent. Drei andere Gruppen flogen zwischen 6 und lIJ Uhr Uber die Küste von Essex und dann landeinwärts. Alle sechs Gruppen wandten sich London zu. Die Mehrzahl der Flugzeuge wurde an verschiedenen Stellen durch Abwehrgeschütze zur Umkehr gezwungen. Etwa fünf Flugzeuge erreichten und bombardierten London zwischen 7 und 8 Uhr. Nach Ablauf des Hauptangriffes zeigte sich noch ein einzelnes Flugzeug gegen 9 Uhr auf dem Wege nach London. Ein Flugzeug wurde durch Geschützfeuer getroffen und ging schließlich auf dem Meere in der Nähe der Küste von Gent nieder. Zwei Mann der aus drei Mann bestehenden Besatzung eines bewaffneten Trawlers gefangen genommen. Es besteht Anlaß, anzunehmen, daß ein weiteres feindliches Flugzeug im Kanal niedergehen mußte. Eine Bestätigung liegt indissen noch nicht vor. Ein englischer Flieger griff ein feindliches Flugzeug an und feuerte eine Menge Munition ab, während es aus einer Höhe von 13000 Fuß Bomben auf London abwarf. Ein anderer britischer Flieger ließ sich ebenfalls oberhalb der Hauptstadt in einer Höhe von 11 000 Fuß mit einem feindlichen Flieger in einen Kampf ein. Alle englischen Flieger kehrten wohlbehalten zurück. Vollständige Berichte über die Opfer und den Schaden liegen bis jetzt noch nicht vor.

Reuter berichtet offiziell: Die letzten Polizeiberichte besagen, daß in London 10 Personen getötet und 40 verwundet wurden. Außerhalb Londons wurden lediglich 5 Personen verwundet. Verschiedene Brände brachen aus, der Materialschaden ist jedoch nicht schwer. Militär- oder Flotteneinrichtungen wurde kein Schaden zugefügt.

Französischer Bericht. Am 19. Dezember belegten die deutschen Flugzeuge die Gegend von Dünkirchen und Calais mit Bomben Es gab vier Tote und 10 Verletzte.

Italienischer Bericht. Ein feindliches Flugzeug wurde durch einen unserer Flieger nördlich von Grappa abgeschossen, ein anderes durch unser Abwehrfeuer getroffen, stürzte bei Lovadina ab.

Englischer Bericht aus Salonik. Französische und englische Flieger führten einen Angriff auf den Endpunkt der Pestowo-Bahn nordwestlich des Doiran. Im Laufe dieser Operationen zwang ein Flugzeug einen feindlichen Apparat zum Landen. Die britischen Flieger bombardierten Topolano und Cili östlich von Seres.

Englischer Bericht, Trotz dem schönen Wetter hinderte gestern ein dichter Nebe] unsere Artillerieflieger an der Beobachtung. Immerhin wurde eine große Zahl "Aufnahmen von Flugplätzen und Ruhestellen des Feindes gemacht, und einige Bomben wurden auf Baracken und Kantonnements abgeworfen. Drei deutsche Flugzeuge wurden im Luftkampf abgeschossen, zwei andere gezwungen, beschädigt zu landen. Eines der unsrigen ist nicht zurückgekehrt.

Bericht der englischen Admiralität. Die Fabriken von Brügge wurden in der Nacht vom 18. Dezember von unseren Seefliegern beschossen. Die Gebäude erhielten einige Volltreffer. Eines der Gebäude wurde in Brand gesetzt. Eine große Menge Sprengstoffe wurden abgeworfen Der Flughafen von Blissephen wurde am 16. Dezember am Mittag ebenfalls beschossen. Die Bomben explodierten inmitten der Anlagen um den Flughafen, und es wurden Volltreffer festgestellt. Ein feindlicher Apparat wurde zerstört und ein anderer gezwungen, wahrscheinlich entwaffnet, niederzugehen. Einer der unsrigen fehlt.

21. Dezember. Berlin. Am 19. Dezember schössen Marineflieger bei Ostende und Nieuport über See je ein feindliches Flugzeug ab.

20. Dezember. Paris. Im Laufe des 19. Dezember haben deutsche Flugzeuge Bomben in der Gegend von Dünkirchen und Calais geworfen, wobei vier Personen getötet und 10 Personen verwundet wurden.

21. Dezember. Berlin. Am 19. Dezember schössen Mnrineflieger bei Ostende und Nieuport über See je ein feindliches Flugzeug ab.

22. Dezember. Welschschweizerische Blätter geben eine Heraldmeldung wieder, die auf Grund von Briefen die Deutschen beschuldigt, einen Ententeluftangriff auf Antwerpen vorgetäuscht zu haben, um die Bevölkerung gegen die Entente aufzuhetzen. Deutsche Flieger hätten Bomben auf die Stadt abgeworfen und Hunderte von Personen getötet. — Die Behauptung, eine Stadt im eigenen

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Besitz, in der sich zahllose eigene Anlagen und Soldalen befinden, einer Täuschung wegen zu bombardieren, ist so unwahrscheinlich, daß eine Widerlegung sich nicht lohnt.

23. Dezember. Deutscher Tagesbericht. Die tagsüber in vielen Abschnitten sehr starke Fliegertätigkeit blieb auch bei mondheller Nacht rege Sheerneß, Dover, Dünkirchen, sowie Bahnanlagen und Munitionslager hinter der englischen und französischen Front wurden kräftig mit Bomben belegt.

24. Dezember. Konstantinopel Palästinafront Auf der ganzen Front starke Fliegertätigkeit,

25. Dezember. Englischer Bericht von der italienischen Front. Die feindlichen Flieger führten gestern einen energischen Angriff auf den Standort des britischen Fliegerkorps aus. Wie Gefangene aussagen, erfolgte das Bombardement als Vergeltung für einen britischen Fliegerangriff, rder dem Feinde starke Verluste an Offizieren und Mannschaften zugefügt hatte. Die britischen und italienischen Abwehrvorrichtungen, sowie unsere eigenen Kampfflugzeuge betätigten sich mit Erfolg, sodaß wenigstens fünf feindliche Apparate zerstört wurden. Aus noch ausstehenden Berichten wird sich vielleicht sogar eine höhere Zahl ergeben. An dem Fliegerstandort wurde nur unbedeutender Schaden angerichtet Wir hatten keine Verluste.

26. Dezember. Karlsruhe. Englische Flieger bewarfen am gestrigen Weihnachtsnachmittag die offene Stadt Mannheim mit Bomben. Keinerlei militärischer Schaden. Zwei Personen wurden getötet, 10 verletzt, darunter keine Militärperson, dagegen französische Kriegsgefangene. Ein Flugzeug wurde in der Pfalz zum Niedergehen gezwungen, die Insassen gefangen genommen.

Führer und Beobachter in einem deutschen Doppeldecker.

28. Dezember. Italienischer Bericht. Ein gewaltiges Caproni-geschwader wurde gegen zahlreiche feindliche Streitkräfle geschickt, die im Ronchitale signalisiert wurden. Es bombardierte sie mit ziemlich befriedigenden Ergebnissen.

Führer und Beobachter in einem deutschen Doppeldecker.

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Englischer Pa 1 ästi nabericht. Unsere Flieger beschossen Truppen und Transporte der Umgegend von Ruludia, 6 Meilen nördlich von Jerusalem, mit Bomben und Maschinengewehren.

29. Dezember. Französischer Bericht. In der Nacht vom 28. zum 29. Dezember haben unsere Flugzeuge die Bahnhöfe von Mezieres, Metz und Diedenhofen, sowie die feindlichen Anlagen in den Gegenden von Vouziers und Rethel beschossen.

Englischer Heei esbericht. Unsere Flugzeuge nahmen viele wohlgelungene Lichtbilder auf und warfen über hundert Bomben auf drei feindliche Flugplätze nördlich Lille ab. Sieben feindliche Flugzeuge wurden von den unsrigen abgeschossen, wovon vier in unseren Linien niederfielen. Vier weitere feindliche Flugzeuge wurden von unseren Abwehrgeschützen heruntergeholt.

Italienischer Heeresbericht. Gestern abend um 9Va Uhr bewarfen feindliche Flieger Treviso, Monte Belluna, Castelfranco und Padua, alles ungeschützte Städte, mit Bomben. Auf den Mittelpunkt von Padua, wo die Bevölkerung überaus dicht und die Kunstdenkmäler sehr reich und zahlreich sind, wurden acht Bomben abgeworfen, die 13 Personen töteten und 60 verwundeten. Die meisten Opfer sind Frauen und Kinder; nur sechs sind Militärpersonen. Kein Kunstdenkmal wurde beschädigt. In den anderen beworfenen Städten wurden weder Personen getötet, noch Sachschaden angerichtet.

Haag. Amtlich wird durch das Ministerium des Aeußern mitgeteilt, daß am 2. Oktober 1917 sieben britische Flugzeuge bei Breskens über niederländisches Gebiet geflogen sind und die niederländische Regierung deshalb bei der englischen Regierung protestierte. Die englische Regierung entschuldigte sich wegen dieser Verletzung der niederländischen Neutralität.

1918.

1. Januar. Italienischer Bericht. Während der Nacht griffen feindliche Flieger den Flugplatz von Istrana an und erneuerten ihren Angriff gegen bewohnte und unverteidigte Zentren, wie Vizenza, Bassano, Castelfranco und Treviso. Es sind 13 Tote und 44 Verwundete zu beklagen, die größtenteils der Zivilbevölkerung angehören. Der Sachschaden ist klein. Unsere Geschwader bombardierten feindliche Flugplätze. Zwei feindliche Flugzeuge wurden tagsüber durch französische und englische Flugzeuge abgeschossen.

2. Januar. Paris. In der gestrigen Nacht wurden vier deutsche Flugzeuge abgeschossen. Sie ließen mehrere Gefangene in unsren Händen.

Rom. Flieger und englische Batterien schössen drei feindliche Flugzeuge ab; zwei weitere wurden im Kampfe mit italienichen und französischen Fliegern abgeschossen Während der Nacht warfen feindliche Flieger einige Bomben auf Mestre, Treviso und Bassano.

3. Januar. London. Bericht aus Italien, Seit dem letzten Bericht haben die englischen Flieger glänzende Arbeit geleistet, indem sie verschiedene feindliche Flugzeuge zerstörten, einige Bombenstöße erfolgreich durchführten und Erkundigungen auf große Entfernungen unternahmen.

4. Januar. Deutscher Tagesbericht. Seit dem 1. Januar verloren unsere Gegner im Luftkampf und durch Abschuß von der Erde 73 Flugzeuge und zwei Fesselballone. Oberleutnant Loerzer errang seinen 20. Luftsieg.

Karlsruhe. Beabsichtigte Fliegerangriffe in der vergangenen Nacht auf Mannheim, Rastatt und Freiburg scheiterten an unserem Abwehrfeuer. Einige abgeworfene Bomben verursachten keinen oder ganz unerheblichen Schaden. Ein feindliches Flugzeug sfürzte südlich Marnheim-Ludwigshafen brennend ab. Die Insassen sind tot.

Rom. In der Nacht zum 2. Februar warfen feindliche Flieger wieder auf Castelfranco Bomben. Zwei Hospitäler erhielten Volltreffer. 18 Verwundete wurden getötet — Feindliche Flugzeuge machten Streifen zwischen Piave und Bacchigliano, gegen Treviso und Padua

5. Jannar. Türkischer Generalstabsbericht. Palästinafront Aus einem feindlichen Flugzeuggeschwader von 12 bis 14 Flugzeugen, das einen unserer Flughäfen angriff, wurden durch Luft- und Erdabwehr zwei feindliche Flieger zum Absturz gebracht. Drei Insassen waren tot, einer schwer verletzt. Auf dem angegriifenen Flugplatz wurde kein Schaden angerichtet. Unsere Flieger bewarfen feindliche Anlagen mit 40 Bomben. Mehrere Treffer im Ziel wurden beobachtet. Trotz heftiger Gegenwehr kehrten alle Flugzeuge zurück. An den übrigen Fronten keine Ereignisse.

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6. Januar. Rom. Starke Tätigkeit der beiderseitigen Flieger bei Er-kundungsflügen. Versuche feindlicher Patrouillen zwischen Brenta und Piave wurden leicht autgehalten. An der unteren Piave zwischen Frossalta und dem Meere fanden zeitweilig heftige Artilleriekämpfe kleinkalibriger Geschütze, sowie heftiges Maschinengewehrfeuer und Gewehrfeuer statt

6. Januar. Deutscher Tagesbericht. Am 4. und 5. Januar wurden im Luftkampf und von der Erde aus 15 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone abgeschossen.

Karlsruhe. In den frühen Morgenstunden bewarfen heute feindliche Flieger wiederum Mannheim, .Ludwigshafen, Offenburg und Freiburg mit einigen Bomben. Der angerichtete Sachschaden ist gering. Eine Person wurde getötet, drei verletzt.

7. Januar. Bern. Zu dem Fliegerangriff in Kallnach meldet der „Bund", daß im Augenblick des Einschlagens der fünf Bomben der schweizerische Militärzug nur 500 Meter von der Station entfernt war. Der angerichtete Schaden ist, wie gemeldet, nicht der Rede wert. Die Lage der Einschläge und die Wahrnehmungen der Leute sollen nach dem „Bund" auf eine Flugrichtung Ost-West quer zur Eisenbahnlinie deuten. Etwa 500 Meter von der Station Kallnach steht die größte Zentrale der Bernischen Kraftwerke und daneben die Carbidfabrik Weinmannn. Mehr Wahrscheinlichkeit als ein vorbedachter Angriff auf diese Fabrik hat die Annahme, daß der Bombenwerfer durch den nächtlichen Nebel den dunstigen Lichtkreis des Kraftwerkes wahrgenommen und daraus geschlossen hat, er habe bedeutende Industrieanlagen unter sich, ohne zu wissen, wo er sich befand. Ueber die Nationalität des Fliegers ist nichts bekannt geworden. — Wie das Pressebüro des Armeestabes mitteilt, sind die gestern auf Kallnach abgeworfenen Bomben wiederum französischen Ursprungs. Die Empörung über diesen bis gegen das Herz der Schweiz vorgetragenen Fliegerangriff ist in der ganzen Schweiz gewaltig. Der „Bund" spricht von frevelhafter Gleichgültigkeit und schreibt: „Das Beunruhigende des Vorfalls ist die Tatsache, daß allen Warnungen und Verwahrungen zum Trotz sich die Luftangriffe nicht nur wiederholten, sondern immer weiter ins Land hineingetragen werden, soweit, daß man Mühe hat zu glauben, daß der Flieger überzeugt war, über Feindesland zu fliegen." — Bittere Ironie bewirkt es, dali gerade heute das parlamentarische Departement mitteilt, die französische Botschaft habe sich wegen des jüngsten Fliegerangriffs auf Muttenz und Menziken entschuldigt und die französische Regierung habe Maßnahmen ergriffen, um die Wiederholung derartiger Zwischenfälle zu verhüten.

Metz. Wie die Blätter melden, wurden bei den Fliegerangriffen am 3. Januar nachmittags und in der Nacht vom 3. auf 4. Januar eine Frau tötlich verletzt, zwei Arbeiter, eine Arbeiterin und ein russischer Kriegsgefangener wurden verwundet.

Ausland.

Amerikanische Flieger für Italien. „Tribuna" msldet, daß in einer sUditalienischen Stadt von der italienischen Regierung eine Schule zur Ausbildung amerikanischer Flieger errichtet wurde. Die .sich in dieser Schule ausbildenden Flugschüler, einige Hundert an der Zahl, seien zurzeit die einzigen in Italien stehenden Truppen der Vereinigten Staaten.

Fliegerwirkungen in London. Wie aus London gemeldet wird, sind bei dem deutscnen Fliegerangriff auf London am 6. Dezember nach amtlichen Mitteilungen 19 Brände ausgebrochen. Ueber 30 Gebäude wurden hierdurch vernichtet. Der Polizeiberictit verieichnet 41 Tote und 102 Verwundete. Ein englisches Marineflugzeug ist bei der Verfolgung der Flieger westlich von Margate abgestürzt.

Brand im Petersbarger Flugzeugdepot. Der „Berner Bund" meldet aus Petersburg: In den Marineflugzeugdepots des Petersburger Hafens brach infolge Explosion ein Brand aus. Die Gebäulichkeiten und Flugzeuge sind vernichtet.

Die englischen Fliegerbomben über Holland. Das Niederländische Korrespondenzbüro meldet: Das Ministerium teilt mit: Die Untersuchung der Scherben der am 22. Dezember auf Goes abgeworfenen Bomben, durch die ein Einwohner getötet wurde, ergab, daß die Bomben ganz anders konstruiert waren,

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als die in den früheren Fällen gefundenen. Auf dem Stabilisierungsflügel wurden aber noch Ueberbleibsel einer Etikette mit englischer Aufschrift gefunden, woraus hervorgeht, daß die Bomben offenbar englisches Fabrikat waren Infolgedessen wurde der niederländische Gesandte in London beauftragt, die britische Regierung zu ersuchen, eine gründliche Untersuchung einzuleiten, ob die Verletzung der niederländischen Neutralität auf einen britischen Flieger zurückzuführen sei.

Französische Bomben auf schweizerischem Gebiet. In Beantwortung einer Note des schweizerischen politischen Departements vom 1. Dezember 1917 über den Abwurf von Bomben französischen Modells bei Muttens und Menzikon auf schweizerisches Gebiet teilt die französische Botschaft in Bern namens der französischen Regierung mit, die Untersuchung habe keine Feststellung unbedingt zuverlässiger Art ergeben. Die Botschaft drückt namens der Regierung aufrichtiges Bedauern Uber den Zwischenfall aus, der durch einen Irrtum eines wenig erfahrenen Fliegers hervorgerufen sein könne. Die französische Regierung habe Maßnahmen getroffen, derartige Zwischenfälle zu verhüten.

Landung englischer Flieger in Holland Am 7. Januar landete bei Brielle ein englischer Doppeldecker. Die Maschine wurde abmontiert. Der Flieger, ein Offizier, wurde nach Haag gebracht.

Firmennachrichten.

Stock Motorflug Aktiengesellschaft mit dem Silze zu Berlin: Ingenieur Carl Gleiche in Berlin ist nicht mehr Vorstandsmitglied; zum Vorstandsmitglied ist ernannt Dr. Ing. Karl Schmidt in Charlottenburg.

Pfalz-Flugzeugwerke mit beschrankter Haftung in Speyer. Die Vertretungsbefugnis des Geschäftsführers Richard Kohn ist erloschen.

Mercur Flugzeugbau - Gesellschaft mit beschränkter Haftung Berlin: Durch den Beschluß vom 7. November 1917 ist das Stammkapital um 100000 Mk. auf 300 000 Mk. erhöht worden.

Franz Schneider, Flugmaschinenwerke Gesellschaft mit beschränkter Haftung Berlin: Dem Ingenieur Georg Jakob Erlacher in Falkenhagen-West und dem Betriebsleiter Georg Hack in Seegefeld ist derart Gesamtprokura erteilt, daß beide gemeinschaftlich zur Vertretung der Gesellschaft berechtigt sind.

Richard Bialler, Berlin: Prokurist: Frau Hedwig Bialler, geb. Silberberg, Berlin.

Kurt Fliegel. P/opellerbau G. m. b. H. Potsdam. Geschäftsführer ist Holzzimmermeister Erich Dressler, Potsdam, Busselstraße 43.

Eingesandt.

In Heft 17, 18 und 19 Ihrer Zeitschrift hat Herr Ing. Otto Wittowsky und ein anonymer Herr einen Streit über das Thema „Schwingenflug" ausgefochten.

Ich habe nun schon lange Jahre mich mit dem Problem beschäftigt und glaube zu ganz guten Resultaten gekommen zu sein.

Als Militär im Felde kann ich leider die Versuche nicht fortsetzen. Da ich meine Ausführungen nicht preisgeben, aber doch die große Sache möglichst fördern will, seien hier für Leute, die dasselbe Interesse und Gelegenheit zu weiterer Ausführung haben, einige Winke gegeben.

Was Herr W. und seine Gegner über Steigen und Fallen des Vogelkörpers ausfochten, kann ich kinomathographisch beweisen.

Es gibt Vögel, die im Fluga Wellenlinien beschreiben können (z. B. die Möve), aber alle Vögel können mit ihrem Körper in gerader Linie durch die Luft fliegen. Der schwarze Rabe fliegt stets so.

Meine ersten Versuche führte ich in wassergefülltem Aquarium 1 X 3 X 1,5 m aus, und zwar mit einem Modell, das ich pneumatisch betrieb. Das Modell darf schwer und klein sein.

Wohl wird diese Methode nur zum Studium der Bewegung und der Bauart helfen, aber dn sich der Vergleich zwischen Wasser und Luft berechnen läßt, wird man bald in die Luft übergehen können. Die Material- und hauptsächlich Festigkeitsfrage wird mit unsern neuen starken Maschinen leicht zu überwinden sein.

Ich hoffe, daß diese Anregung Anklang finden wird und uns bald zum Ziele führt. G. Blum-Naff, Ltn. d. K.

Jllustrirte

No- 3 technische Zeitschrift und Anzeigrer „^"ü^"^

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30. Januar für das gesamte Ausland

per Kreuzband M. 21.20 Elnzelpr. M. 080

mm.i „Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Teléf. Hansa 4557 Oskar UrslntlS, Civiling-enieur. Tel.-fldr.: Urslnus. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8.

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — -- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. ==

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 13. Februar.

Amerikanischer Jahrmarktsrummel.

Der jSriegsminister der Vereinigten Staaten hat im November vorigen Jahres einen Bericht veröffentlicht, der die Schritte schildert, die getan wurden, um einen Normal-Flugmotor für das angekündigte Kiesenluftheer zu schaffen; er lautet in wörtlicher Uebersetzung:

„Der „Flugmotor d e r Ve r e i n igt e n Staaten" (United States aviation engine) hat die Schlußprüfungen bestanden. Sie waren erfolgreich und erfreulich. Der neue Motor ist nun die Hauptstütze der Vereinigten Staaten bei der Geschwind- und Massen-Herstellung hochmotoriger Schlachtflugzeuge für den Kriegsdienst. In Leistung, Geschwindigkeit (?), Zweckdienlichkeit und geringem Gewicht hält der neue Motor jeden Vergleich mit den besten Erzeugnissen aus, die der europäische Krieg hervorgebracht hat.

Ich sehe die Erfindung und rasche Schaffung dieses Motors als eine der wirklich großen Erfüllungen der Vereinigten Staaten seit ihrem Eintritt in den Krieg an. Der Motor wurde durch die Zusammenarbeit von Schaaren von Ingenieuren zu Wege gebracht' die ihr Können und ihre Geschäftsgeheimnisse in der Not des Krieges zusammentaten und gefördert vom FlugzeugrBeschaffungsamt, vom Kriegsdepartement und vom Normalisierungs-Büro tätig waren. Die Geschichte der Herstellung dieses Motors ist der bemerkenswertesten eine Wahrscheinlich hat derKriegkeine größereEinzeltat hervorgebracht. (So steht wörtlich da! Schriftleitung.)

Die Schaffung eines zuverlässigen Motors war eins der ersten Probleme, vor das sich das Kriegsdepartement und das Flugzeug-Beschaffungsamt nach der Kriegserklärung gestellt sah. Zwei Wege waren begehbar. Der eine hieß die Fabrikanten anspornen, ihre eignen Typen zu entwickeln, der andere, die besten aller Typen zusammenzubringen und einen Normalmotor zu entwerfen.

Die Notwendigkeit eiliger und mengenhafter Erzeugung führte zur Wahl des letztgenannten Weges und ein Normal-Motor wurde das Ziel unserer Ingenieure.

Zwei der besten Ingenieure unseres Landes, die sich nie vorher gesehen /'hatten, brachte man in Washington zusammen; ihnen wurde das Problem, einen

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All-Amerikanischen Motor zu einem frühesten Zeitpunkt zu schaffen, vorgelegt. Ihre erste Besprechung am 3. Juni dauerte von Nachmittags an bis 2 Uhr 30 Morgens. (Erstaunlich, was? Schriftleitung.)

Diese beiden Ingenieure wurden bildlich in einen Raum eines Hotels in Washington eingesperrt und mit der Entwicklung eines Flugzeugmotors für den Gebrauch amerikanischer Flieger Uber den Schlachtfeldern Europasbeauftragt. Vor fünf Tagen verließ kein Mann die Flucht der für sie gemieteten Räume. Beratende Ingenieure und Zeichner aus verschiedenen Gegenden des Landes wurden nach Washington befördert, um ihnen beizustehen. Die Arbeit im Zeichnerraum ging ohne Unterbrechung vor sich, Tag und Nacht. Die beiden unmittelbar mit dem Motoren-Entwurf betrauten Ingenieure machten umschichtig 24-stündigen Dienst.

Ein begeisterndes Charakteristikum dieser Arbeit war der von beratenden Ingenieuren und Motorenfabrikanten geleistete Beistand; sie gaben ihre Geschäftsgeheimnisse unter der zwingenden Notwendigkeit des Krieges preis. Um die Neukonstruktion als einen Regierungsentwurf entstehen zu lassen und den Anschein zu vermeiden, als ob die Firmen oder einzelnen Beistände in selbstischer Weise Vorteile zu erlangen suchten, gaben die Motorenfabrikanten patriotisch ihre Geschäftsgeheimnisse preis und stellten Geschäfts-verfahren von großem kaufmännischen Wert zur Verfügung. Diese Industriellen haben auch die Dienste von 200 ihrer besten Zeichner beigesteuert. (Da sieht man, was der amerikanische Geschäftsmann für ein idealer Kerl ist. Wie kann man da nur an die Wurst denken, die nach der Speckseite geworfen wird. Schriftleitung.)

Die beiden, in einem Hotelraum zusammengesperrten Ingenieure gaben der Regierung das Versprechen, einen brauchbaren Motor wenn irgend möglich zu entwerfen, bevor ein betriebsfähiges Modell von Europa herübergebracht werden könnte. Ein ganz beachtenswerter amerikanischer Motor wurde auch tatsächlich hergestellt, bevor irgend ein Modell von Europa herangeschafft wurde. Es war versprochen worden, daß dieser Motor vor dem „Vierten Juli" fertig werden sollte. 28 Tage später, nachdem die Zeichnungen fertiggestellt waren, war der neue Motor zusammengesetzt; das war am 3. juli.

Um den Motor am Tage der Unabhängigkeits-Erklärung in lauffähigem Zustande in der Landeshauptstadt zu haben, wurde der fertige Motor von einer Stadt Westamerikas in einem Expreß-Sonderzuge dorthin gesandt. Die Reise wurde in 21 Stunden zurückgelegt und vier junge Leute bewachten den Motor auf dem Wege nach Washington und begleiteten ihn persönlich beim Umladen von ein er Bah nIinie a u f d ie andere.

Mit der Notwendigkeit beschleunigter Herstellung als Ansporn, wurden bereits vor der Vollendung der Zeichnungen Werkzeuge zum Bau des ersten Motors hergestellt — unter der Annahme, daß sie genau sein würden. Teile des ersten Motors wurden an 12 verschiedene Fabriken vergeben, die alle auf dem Wege von Connecticut nach Kalilornien liegen. Als die Teile zusammengesetzt waren, war ihr Zusammenpassen ein vollendetes und die Leistung des Motors war wundervoll befriedigend. Dies allein schon beweist die Leistungsfähigkeit amerikanischer Fabriken, wenn sie auf die Probe gestellt und Tür dringend notwendige Arbeiten solcher Art gehörig organisiert werden.

Eins der Hauptgesetze, die beim Beginn der Entwurfsarbeit als Richtlinien aufgestellt wurden, besagte, daß keinem Ingenieur gestattet war. eine Konstruktion hineinzubringen, die nicht sorgfältig durchdacht war. Zum Theoretisieren war keine Zeit. Der neue Motor ist deswegen so erfolgreich geworden, weil er die besten Gedanken heutiger Ingenieuren-Wissensehaft verkörpert. Nicht allein lieferte das eigne Land durch seine berühmten Konstrukteure Ideen, auch die Vertreter Englands, Frankreichs und 11aIiens wirkten an dem Entwurf mit.

30 Tage nach der Zusammenstellung des ersten Motors bestätigten vorläufige Prüfungen in unzweideutiger Form die Annahme der Regierung, daß mit ihm der beste Flugzeug-Motor aller Länder geschaffen worden sei. Die abschließenden Prüfungen bekräftigten unsern Glauben in jeder Hinsicht. Sowohl Flug- wie Höhen-Prüfungen des neuen Motors sind erfreulich verlaufen. Eine Prüfung führte auf den Pikes Peak (4312 m ü. d. M. Schriftleitung), wobei der Normal-Motor der Vereinigten Staaten in dieser großen Höhe (!) befriedigende Leistungen aufwies. Einer dieser Motoren brach den amerikanischen Höhenrekord.

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Wenn es auch nicht angebracht erscheint, ausführlich im Einzelnen seine Leistung und Wirkungsweise zu besprechen, so darf immerhin gesagt werden, daß die Normalisierung ein wesentliches Merkmal seiner Herstellung ist. Zylinder, Kolben wie überhaupt alle Bestandteile des Motors sind normalisiert worden. Sie können schnell und in wirtschaftlicher Weise durch eine große Anzahl Fabriken, die unter Regierungs-Verträgen arbeiten, hergestellt werden.

Ebenso schnell können sie, entweder in Einzelwerkstätten oder in einer zentralen Montage-Werkstätte zusammengebaut werden.

Der neue Motor bedeutet praktisch ein internationales Modell. Er stellt das beste dar, was amerikanische Ingenieurkunst leisten kann und besitzt die besten Eigenschaften europäischer Modelle, soweit es Uberhaupt möglich war, die letzteren den amerikanischen Herstellungs-Methoden anzupassen.

Die beiden unmittelbar mit der Herstellung des U. S. A.-FIugmotors b;-trauten Ingenieure hatten nicht allein die Blaupausen und Modelle der erfolgreichsten Motoren (in erster Linie also die deutschen, Schriftleit.), die der Krieg gezüchtet hat, vor sich, sondern auch jedes erreichbare Modell amerikanischer Schöpfung. In der Erfindung von Automobil- und Flug-Motoren bewanderte Männer berieten diese beiden Ingenieure, die mit der Aufgabe betraut waren, schnell und unfehlbar einen allen Erfordernissen des Kriegsgebrauchs entsprechenden Motor zu schaffen. Zum Wesen des Motors nicht gehörige Komplizierungen wurden von diesen Ingenieuren folgerichtig verworfen. Das Ergebnis war ein Kompositions-Entwurf höchster Leistung, geringsten Gewichts, „great speed capability" (?) und der Eigenschaft schneller Herstellungsfähigkeit.

Die Normalisierung der Einzelteile vereinfacht wesentlich das Problem der Reparatur und Instandhaltung. Reserveteile stehen jeder Zeit unverzüglich zur Verfügung. Sogar die Zylinder wurden getrennt für sich entworfen. Man ist in der Lage, den neuen Motor in vier Ausführungsformen, mit 4 bis 12 Zylindern zu bauen, und nach dem nun verwirklichten Normalisierungsentwurf läßt sich unter Verwendung der gleichen Zylinder, Kolben, Ventile u.s.w. eben so gut ein 8-Zylinder-Motor wie ein 12zylindriger herstellen. Dies macht die Reparaturfrage zu einer verhältnismäßig einfachen Sache. Die Teile unbrauchbar gewordener 8- oder 12-Zylinder-Motoren sind auswechselbar und aus Teilen zu Bruch gegangener Motoren lassen sich neue Motoren zusammenstellen.

Die Normalisierung der neuen Motoren bedeutet andrerseits nicht, daß man sie im Laufe des Krieges etwa nicht doch noch ändern könnte. In dem Maße, wie neue Typen und Verbesserungen an der Front sich entwickeln und neue Ideen durch die Bedürfnisse des Krieges geboren werden, sollen dauernd Versuche angestellt werden. Wenn sich der Motor verbessern läßt, wird er verbessert werden; aber so wie der Motor heute dasteht, ist er von wundervollem Erfolge und unter dramatischen Umständen entstanden. (Der amerikanische Kriegsminister muß seine Leute kennen, wenn er auf diese wiederholte Feststellung Wert legt. Schriftleit.)

Die Herstellung des neuen Normalmotors soll nicht störend auf die ständige Anfertigung anderer brauchbarer Modelle europäischen oder amerikanischen Ursprungs einwirken, die von den vorhandenen Werkstätten bereits dauernd herausgebracht werden. Die Produktion des U. S. A.- Motors wird fast vollständig auf einem neuen und ausdehnungsfähigen Industriegebiet fortgeführt werden.

Die Regierung wird zuweilen gefragt: „Warum nehmen die Vereinigten Staaten nicht eins der englischen oder französischen hochmotorigen Flugzeuge in Besitz und stellen sie her?" In der Regel eignen sich englische und französische Maschinen nicht für die amerikanischen Herstellungs-Methoden. Es sind hochspezialisierte Maschinen, die von den Arbeitern, die Wahrheit Künstler sind, viel Handarbeit verlangen. Ein Jahr oder noch mehr würde es dauern, bis amerikanische Fabrikanten und ihre Arbeiter gelernt hätten, solche hochspezialisierten Flugzeuge herauszubringen.

Mit der Erfüllung der letzten Prüfungen des Motors, die sowohl erfahrene Ingenieure, wie auch Offiziere des Heeres befriedigten und erfreuten ist man bereits dazu übergegangen, die Industrie für die Herstellung der neuen Motoren zu organisieren; die Lieferungen beginnen „in verhältnismäßig kurzerZeit."

Soweit der amerikanische Kriegsminister. Der Schluß hat unverkennbare Aehnlichkeit mit den bekannten fortgesetzten Ankündigungen von Aussohreiern vor Jahrmarkts-Circussen, daß „die Vorstellung sofort ihren Anfang nimmt." Wie ja überhaupt die p-anze

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Aufmachung des kriegsministeriellen Expectorats auf den Ton roarkt-schreiei ischer Reklame gestimmt ist. Geradezu lächerlich wirkt auf uns, die wir von unserer Heeresleitung nur durch Taten, nicht durch Worte, geschweige denn durch romanhaften Wortschwalle hören, die eingehende Schilderung der Absperrung der Konstruktions-Leiter und der Einholung des Erstgeborenen durch vier Ehrenjiinglinge. Wie die Kriegsbemalung und die Schwatzhaftigkeit der Rothäute in den Erzählungen, die man noch aus der Kinderzeit her in Erinnerung hat, ist auch hier der Zweck der Uebung, im eignen Lager Vertrauen zu eigner — wahrer oder scheinbarer — Tüchtigkeit, beim Feinde die Vorstellung übernatürlicher Stärke zu wecken. Daß letztere Absicht bei uns, die wir uns des Besitzes der Daimler- und Benz-Motoren erfreuen, nicht erreicht wird, versteht sich von selbst. Und dafür, daß auch seine Freunde, zumindest England, den amerikanischen Bundesgenossen durchschaut hatten, gibt die englische Fach-Presse genügend Beweise her. Schrieb doch „Aeroplane" einmal gelegentlich einer Aeußerung über die uneingelösten amerikanischen Versprechungen : „Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man die Amerikaner glauben läßt, daß das amerikanische Genie sich nur ein paar Minuten lang den Kopf zu kratzen brauche, um sofort einen epochemachenden Flugzeugtyp hervorzubringen, der nur über den europäischen Heeren umherzufliegen braucht, um den Krieg zu beenden.

Der Hauptfehler des amerikanischen Volkes ist der, daß es so verflucht englisch ist. Siedenken immer, sie wüßten es besser und wären besser als jeder andere. Wenn die amerikanische Flugzeugindustrie klug ist, so wird sie ihrer Fachpresse sagen, sie solle den Mund halten, bis die Industrie etwas hervorgebracht hat, das des Schreiens wert ist."

Diesen Rat kann sich auch der amerikanische Kriegsminister hinter den Spiegel stecken.

Prüfen eines K ampfeinsitzers vor dem SlnrL

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Farman Rumpfdoppeldecker.

(Hierzu Tafel No. III.)

Die Gitterschwanz-Rumpf doppeldecker mit hinten liegendem Motor Wurden, da diese in der Hauptsache von Farman gebaut wurden, als Farman-Doppeldecker bezeichnet Die englische Bezeichnung F. E. Modell bedeutet ursprünglich: „Farman Experimental" und ist erst später während des Krieges als „Fighting Experimental" ausgelegt worden. Anfangs wurde auch B. E. als „Bleriot Experimental" gelesen. Die Bezeichnung „British Experimental" entstand auch erst später.

Am Anfang des Krieges banten Henri und Maurice Farman ein gemeinsames Horace-Farman Modell. Von beiden nahm man das Beste. Von Maurice Farman die Trsgflächen, von Henri Farman Gitterschwanz, Seitensteuer und Höhensteuer. Neuerdings ist Farman gleichfalls zum Rumpfdoppeldecker übergegangen. Die Gesamtanordnungen, wie die Abbildungen auf Taf. III erkennen lassen, verraten deutschen Einfluß. Auffallend ist der große Tragflächenabstand von 2,1 m. Farman hat mehrere Versuchsflugzeuge nach dieser Art gebaut, die im Großen nicht eingeführt worden sind.

Das Modell mit 160er Motor soll eine Geschwindigkeit von 175 km entwickeln. Das Totalgewicht beträgt 760 kg, die Tragfähigkeit 440 kg, die Steigfähigkeit 2000 m in 8 Minuten. Die Ausrüstung besteht aus einem Hotchkiß Maschinengewehr, Station für drahtlose Telegrafie und einer ßombenabwurfvorrichtung. Dieser Rumpftyp F soll sehr gut ausbalanciert sein und sich sehr leicht fliegen.

Von den Gebrüdern Farman wird mitgeteilt, daß die Anlagen in Billancourt eine Ausdehnung von 3,2 km haben. Sie beschäftigen 5000 Arbeiter und bringen täglich zehn Flugzeuge heraus. Sämtliche Holz- und Metallteile werden in der eignen Fabrik hergestellt.

Eine andere Type, die nicht in den Zeichnungen dargestellt ist, wiegt 760 kg und kann 600 kg Nutzlast tragen. Dieses Flugzeug entwickelt mit einem 220 PS Motor eine Geschwindigkeit von 200 km. Steigfähigkeit 2000 m in 6 Minuten.

Die Bombenwurfmaschine wiegt 900 kg und soll 700 kg Nutzlast tragen. Die Geschwindigkeit mit einem 220 PS Motor wird mit 190 km angegeben. Steigfähigkeit: 2000 m in 6 Minuten. Die Maschine soll 10 Stunden sich in der Luft halten können ; mit welcher Belastung wird nicht gesagt.

Schalldämpfung an Plugmotoren.

Die häufig von unkundiger Seite gesttllte Frage, warum Flugmotoren so sehr viel geräuschvoller arbeiten, als die gewöhnlichen Automobilmotoren, läßt sich mit drei Gründen beantworten. Einmal arbeitet der Flugmotor (auch der Rennwagen- und Bootsmotor) dauernd annähernd unter Vollast, während der Wagenmotor gewöhnlich nur einen bescheidenen Teil seiner Maximalleistung abgibt; beide Leistungen stehen im Verhältnis der mittleren Kolbendrücke zueinander, nämlich etwa wie 9,6 atm (F.M.) : 5,6 (A M). Zweitens wachsen die Energieverluste, die bei Schalldumpfung unvermeidlich sind, mit dieser höheren Beanspruchung ganz unverhältnismäßig an. Und schließlich ist die Leistung der Flugmotoren durchschnittlich eine: bedeutend größere, als die der Automobilmotoren; die der letzteren übersteigt in der überwiegenden Mehrheit der Fälle

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nicht 30 PS, während die heutigen Flugzeuge Motoren-Einheiten von nicht unter 100 PS bis zu 220 PS besitzen, die noch dazu in den Großflugzeugen zu mehreren vereinigt werden. Wenn man bedenkt, daß die Verluste durch Dämpfung bis 7 °/„ und mehr betragen können, so ist ohne weiteres einleuchtend, daß bei der Sparsamkeit, die wir immer noch in der Flugtechnik walten lassen müssen, — zumal 'm Kriege, wo es sich darum handelt, aus dem Material, wie aus den Menschen, das Letzte herauszuholen, — vorläufig an eine allgemeine Einführung der Schalldämpfung nicht zu denken ist. Immerhin muß die Angelegenheit im Auge behalten werden; erfüllen sich die Träume der Weltpolitiker, die den Kampf um die Luftherrschaft auch nach dem Kriege fortsetzen wollen, d. h. verwirklicht sich der jetzt schon eifrig vorbereitete Luftverkehr, so hat die Menschheit ein großes Interesse an der Lösung der Schalldämpfungs-Frage. Nachstehend sei daher über zwei Vorschläge berichtet, die in einer englischen Fachzeitschrift veröffent-icht worden sind.

Das Problem der Schalldämpfung, sagt L. Cammen in „ Aeronautlcs", läßt sich lösen, wenn man die Geschwindigkeit der Abgase beträchtlich unter die Schallgeschwindigkeit reduzieren kann, ohne hierdurch hinter den Auspuffventilen Unterdruck hervorzurufen Dies ist nicht leicht, da Strömungen hoher Geschwindigkeiten (4—5 m/sek.) hartnäckig sich jedem Versuch der Richtungs- und Geschwindigkeitsänderung widersetzen (dies trifft sowohl für Flüssigkeiten wie für Gase zu) und hierdurch der Strömungswiderstand erhöht wird, ein Punkt, der nicht stark genug betont werden kann. Der erste derartige Widerstand kann durch unzweckmäßige Formgebung des Auspufftopfes verursacht werden, sowohl beim Eintritt wie beim Austritt der Gase. (Gelegentlich von Dämpfer-Untersuchungen, die in Amerika angestellt wurden, fand man in einem bestimmten Fall, daß nicht nur kein Energieverlust bei Anwendung der betr. Schalldämpfer-Klappe auftrat, sondern sogar ein Gewinn, was offenbar auf mangelhafte Konstruktion und dadurch bedingte Erzeugung von Unterdruck bei geöffneter Klappe zurückzuführen war.) Aus diesem Grunde ist auch die Anwendung langer gekrümmter Rohre zur Schalldämpfung zu verwerfen, da wegen des Richtungswechsels eine Widerstandszunahme eintritt. Wenn auch der Einfluß von Rohrkrümmungen auf den Strömungswiderstand von Gasen nicht so gründlich untersucht worden ist wie für Wasser, so haben doch angestellte Versuche zur Genüge ergeben, daß qualitativ in beiden Fällen gleiche Verhältnisse vorliegen; ein ähnliches gilt auch für Dampf. Jeder Versuch schließlich, Schalldämpfung durch Anordnung des Dämpfers unmittelbar an der Mündung des Auspuffstutzens oder in kurzer Entfernung davon, oder gar in ihm selbst, ist vergeblich und muß zu Mißerfolgen führen. Mag i man den Schalldämpfer konstruieren und anordnen, wie man will, man kommt um die ^ Tatsache nicht herum, daß er die Richtung 2 eines mit äußerst hoher Geschwindigkeit strömenden Gases ändern soll; und dies kann nicht geschehen, ohne daß ein gewisser Betrag an Widerstand erzeugt wird. Es ist zwar nicht schwer, einen Dämpfer, unmittelbar am Auspuff angebracht, zu konstruieren, der das Auspuffgeräusch unterdrückt, aber dann erhöht er unweigerlich den Unterdruck, es sei denn, daß schon der Auspufftopf so minderwertig ist, daß sich der hinzukommende Widerstand nicht fühlbar macht.

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Abb. 2

Das in Abb. 1 dargestellte Diagramm zeigt die Einflüsse verschiedener Dämpfertypen. Bei freiem Auspuff sinkt der Druck äußerst schnell: in kurzer Entfernung von der Mündung erreicht er die Nullinie, d. h. atmosphärischen Druck. In diesem Fall ist kein Unterdruck an den Auspuff-Ventilen vorhanden. Der nächste Linienzug EM,PM, stellt den Auspuff bei Automobilen dar; der Dämpfer M ist am Ende eines kurzen Rohres angebracht, für das keine wirksame Kühlung vorgesehen ist. Die Gase erreichen ihn mit hoher Geschwindigkeit und stoßen daher auf beträchtlichen Widerstand. Da das Rohr nur kurz ist, vergrößert dies den Widerstand hinter den Auspuffventilen bis zu ihnen hin, sodaß die Druckkurve im Auspufftopf, Rohr und Dämpfer ungefähr nach Linie ETM verläuft (in Wirklichkeit ist die Sache komplizierter, als für Illustrationszwecke geeignet dargestellt). Dieser Verlauf bedeutet, 1) daß die Möglichkeit vorliegt, daß die Abgase wieder in die Zylinder treten und die Füllung ver schlechtem. (Dieser letztere Fall scheint auch bei den Dämpfer-Vorrichtungen-die vor einiger Zeit vom National Advisory Commitee for Aeronautics untersucht worden sind, vorgelegen zu haben).

Der einzige Weg, einen Fortschritt zu erzielen, besteht darin, daß man schrittweise, also nicht durch plötzliche Richtungsänderung, die Geschwindigkeit des Gasstromes verringert, bevor man ihn in eine Vorrichtung eintreten läßt, die seine Geschwindigkeit weiter, und zwar in solchem Maße verringert, daß die Gase beim Austritt in die Luft kein Geräusch mehr verursachen. Es muß also

zwischen dem eigen t- ____.-n it-

lichen Schalldämpfer und ^ EKSSÖrtffi) ^a=rf^

dem Auspufftopf eine Hilfsvorrichtung eingeschaltet werden, die entweder die Temperatur der Gase oder ihren Druck oder beides ver- Abb. 3

ringert. Geschieht dies, so verläuft die Drucklinie in Abb. 1 ungefähr nach EM, PM2. Dies hat zweierlei Folgen: In erser Linie ist der Widerstand im Dämpfer geringer und somit Ms PMa kürzer als M, PMt; zweitens ist der Druck am Ende des Rohres, wo es mit dem Dämpfer in Verbindung steht, geringer, sodaß der Druck, trotzdem er in diesem Falle vom Dämpfer wieder erhöht wird, auch nur bis zur Höhe TM2 steigt, welche weit unter derjenigen liegt, die eine Abströ- ' mung von den Auspuffventilen E

££U&

Abb. I

gewährleistet. Die Verhältnisse inbezug auf den Motor sind demnach dieselben wie bei freiem Auspuff. Zusammengefaßt ist also Bedingung, daD

1) die anfängliche Strömung des Gases weder umgelenkt noch gehindert werden darf (Auspuff-Führung gradlinig mit dem Auspuff-Topf).

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2) eine Vorrichtung vorgesehen wird, die die Strömungsgeschwindigkeit erheblich verringert, bevor die Gase in den eigentlichen Dämpfer treten und daß

3) ein genügend großer Dämpfer benutzt wird.

Nachstehend wird eine Ausführungsform einer nach vorstehenden Gesichtspunkten entworfenen Schalldämpfungsanlage dargestellt, die zugleich dem Erfordernis Rechnung trägt, eine Zunahme des Flugzeugs an Stirnwiderstand wie möglichst eine unzulässige Gewichtserhöhung zu vermeiden:

Wie in Abb. 2 und 3 dargestellt, strömen die Abgase aus dem Motor ohne Umlenkung in den Zuleitungskanal 2, der eine geradlinige Fortsetzung des Auspufftopfes ist und keine Krümmungen besitzt. Dieser Kanal ist von viel größerem Querschnitt als der Auspufftopf und besitzt aus später erkennbaren Gründen eine Rechteckform. Für einen 160—200 P5 - Motor empfiehlt Cammen, ihn etwa 300X50 mm groß zu machen bei einer Länge von etwa 3,5X4,5 m, und errechnet hieraus eine Entziehung von 11 "/„ der erzeugten Wärme. Genügt dieser Betrag noch nicht, so läßt sich dadurch nachhelfen, daß man eine Anzahl (etwa 100) kleiner Löcher (5) von 3—5 mm Durchmesser im Zuleitungsrohr vorsieht. Die

Abb. 6

aus derartig kleinen Oeffnungen abblasenden Gasstrahlen verlieren erfahrungsgemäß rasch ihre Wärme und ihren Ueberdruck (durch Reibung und Wirbelbildung) und übertragen vor allem die ihnen innewohnende Energie geräuschlos auf die Masse der Außenluft. Sie tragen somit wesentlich zur Druckabnahme im Innern des Zuleitungsrohres bei. Aus dem Zuleitungskanal 2 treten dii Abgase mit etwa 1/5 ihrer ursprünglichen Geschwindigkeit in die einen Teil des Flugzeugrumpfes bildende Kammer 3 (Abb. 4) ein, die einen etwa viermal so großen Querschnitt als das Zuleitungsrolir hat. Die hier erfolgende Expansion der Gase zieht eine weitere Druck- und Geschwindigkeitsabnahme nach sich, sodaß man sie nunmehr in den eigentlichen Dämpfer 4 eintreten lassen kann, ohne eine schädliche Behinderung der Auspuffventile am Motor befürchten zu müssen.

Ob die vorstehende Anordnung das leistet, was sie verspricht, muß erst noch erwiesen werden; Angaben über den auch hier zu erwartenden Leistungsverlust des Motors gibt der englische Urheber nicht an. Der Flugzeug-Konstrukteur dürfte jedenfalls über die neuerliche Beschränkung des Raumes im Rumpf und auch durch die Gewichtszunahme nicht sehr erfreut sein, zumal eine Annäherung an die Benzinbehälter sich nicht wird vermeiden lassen können.

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Außerdem wäre es wohl gänzlich unzulässig, einen Teil der Abgase, wie aus Abb. 2 und 3 hervorgeht, in das Rumpfinnere eintreten zu lassen.

Einen Teil der genannten Uebelslände vermeidet eine andere, ebenfalls von englischer Seite herrührende Erfindung von Farrand und Bridge in Manchester die sich mit dem gleichen Problem der Schalldämpfung befaßt haben, hierzu jedoch die Luftschraube heranzuziehen sucht.

Bei diesem Vorschlag wird ein bereits von Bleriot im Jahre 1910 gemachter Vorschlag wiederholt, die Luftschraubenflügel hohl auszubilden, um die Motorabgase hindurchzuleiten und an einem Punkte, wo im Arbeitszustande Unterdruck herrscht, austreten zu lassen. Wie aus Abb. 5 und 6 zu erkennen ist, steht der Auslaßstutzen mit dem Rohrsatz A und weiterhin über einen ringförmigen Raum B in der Nabe mit den Flügelkanälen F in Verbindung, und letztere münden an den Spitzen oder an einem anderen Punkte der Flügel in die Außenluft. Diese Einrichtung ist auch an Umlaufmotoren verwendbar.

Auch dieser Vorschlag läßt sich, so einfach er erscheint, nich: durchführen, ohne in die aerodynamischen Verhältnisse des Flugzeugs einzugreifen, denn selbst wenn der Querschnitt des Flügelkanals wegen der anzunehmenden großen Geschwindigkeit der Abgase auf ein Minimum beschränkt werden könnte, so hätte er doch eine Verdickung der Flügelblätter zur Folge, die den Wirkungsgrad der Luftschraube ungünstig beeinflussen würde. Dies bedeutet wiederum unter sonst gleichen Verhältnissen eine Mehrleistung des Motors. Und dessen Aenderung greift in den gesamten Aufbau des Flugzeugs ein. Nur wenn ein dem Energiemehrbedarf entsprechender Auspuff-Energieverlust erspart würde, alte Vorschlag die Bedeutung eines Fortschritts haben.

Französisch e Bombenflugzeuge ■ Das Entsichern der Bombe.

könnte dieser

Flächenverspannung und Stirnwiderstand.

(Schluß.)

Bezüglich der Festigkeit scheint die Verspannung des „Drahtlosen" nicht ganz so gut abzuschneiden, jedenfalls nicht bei Maschinen von dem großen Flächenareal, das vorliegend zwecks Vergleichs gewählt worden ist. Die freie Länge des Oberdeckholms (3,2 m) ist zu groß, um Vertrauen zu erwecken. Für Maschinen geringeren Tragflächenareals dürfte indessen die „drahtlose" Bauart

Französisch e Bombenßvgzcuge. Das Entsichern der Bombe.

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so wie sie ist, anwendbar sein, wenn es auch scheint, als könnten gewisse Aen-derungen eine erhebliche Verbesserung an Festigkeit vermutlich ohne große Zunahme an Widerstand herbeiführen. Versuchen wir einmal, herauszufinden, ob dies der Fall sein würde. Die außerordentliche Länge des freitragenden Holms könnte z. B. sehr beträchtlich dadurch verringert werden, daß man statt des umgekehrten V's schräg nach außen laufende Streben zur Abstützung des Oberdeckmittelteils nach Art von Sopwith vorsieht. Macht man diesen Mittelteil 1,5 m breit, was durchaus nicht übertrieben erscheint, so könnte die freie Holmlänge auf ungefähr 2,6 m verkürzt werden, wobei gleichzeitig der Ueber-hang des Oberdecks auf etwa 1,5 m eingeschränkt würde. Diese Anordnung ist in Abb. 5 mit gestrichelten Linien angedeutet. Mißt man die Streben dieses verbesserten Entwurfs nach, so findet man, daß ihre Gesamtlänge tatsächlich einige Zoll weniger als beim Originalentwurf beträgt, was eine Widerstandszahl von 24 ergibt; sie ist also noch etwas kleiner als sie ursprünglich war, trotz besserer Lastverteilung. Ein weiterer Verbesserungs-Vorschlag besteht im Hinblick darauf, daß die zwischen den Decks befindlichen Stiele auch die Aufgabe der Auftriebsdrähte zu übernehmen haben, darin, Stiele aus Stahl zu verwenden, und zwar solche, die äußerlich eine I-Form aufweisen, aber aus zwei vorn und hinten mit einander verschweißten Hälften besiehen. Besitzt Holz auch an sich eine hinreichende Zugfestigkeit, so ist es doch schwierig, dafür

Endverbindungen zu konstruieren, da stt ts die Gefahr besteht, daß die Verbindungsbolzen des Stielschuhs ausreißen, ohne den ganzen Querschnitt des Stieles zu der Aufnahme der Zugbelastung heranzuziehen. Im Falle der Druckbeanspruchung des Stieles tritt diese Schwierigkeit natürlich nicht auf, da dann der Schuh nur dazu dient, den Stiel am Ausweichen zu hindern.

Wie bereits eingangs erwähnt, hatten die Albatroswerke im Jahre 1911 an ihrem M i I i t ä r d o p p e I decker wellenartig angeordnete Schräg-stielel;) verwendet. Da diese Bauart wegen des Fortfalls von Spanndrähten Vorteile haben Franzosische Bombenflugzeuge. kann, sei auch sie nach- Das Anbringen der Haltevoiriehtung. stehend vergleichweise untersucht. In Abb. 6 ist eine derartige Verstrebungsweise schemalisch dargestellt. Der Oberdeck-Mittelteil wird von einer vier-strebigen Cabane in der gewöhnlichen Weise gestützt, aber der erste Stiel läuft von der Verbindungsstelle des Unterdecks mit den Rumpfstreben schräg nach außen in genau der gleichen Lage, die für gewöhnlich von dem ersten Auftriebsdraht eingenommen wird, dessen Aufgabe hier auf den Stiel übertragen ist. Der nächste S'iiel erstreckt sich vom Oberdeck aus schräg nach außen bis

r;> tn luigland als Trägci'bauart unter der Bezeichnung „Warren f.russ girder" bekannt.

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zu dem Punkt, wofür gewöhnlich die Vertikalstiele am Unterdeck befestigt sind, während der letzte Stiel das Oberdeckende stützt, wobei er als Auftriebsdraht wirkt, wenn die Maschine in der Luft ist.

Bei der Messung der Gesamtlänge der Stiele wurde vorausgesetzt, daß jedes Stielpaar 2 Anstelldrähte besitzt; ersetzt man letztere durch eine Diagonalstrebe, um die Bauart zu einer drahtlosen umzugestalten, so ändert sich an der Widerstandszahl nichts, da ja der Stielwiderstand pro laufenden m gleich dem doppelten Widerstand des Stromlinienkabels angenommen wurde. Die Widerstandszahl beträgt bei einer Maschine von den zu Grunde gelegten Abmessungen (24,6 qm) 80,47, ist also nur wenig besser als bei der Halberstadt-Type mit 2 Stielpaaren Buf jeder Seite. Auch der den Vorläufer bildende Albatrosdoppeldecker war zweistielig, und da der Gewinn an Widerstand ihm gegenüber unbeträchtlich und vermutlich eine Reihe praktischer Schwierigkeiten (z. B. in der Konstruktion des schrägen Stielschuhs) zu überwinden war, so mag hierin der Grund zu erblicken sein, warum dieser Sondertyp nicht weitergebaut wurde.

Es dürfte von Interesse sein, zu untersuchen, ob möglicherweise ein Gewinn erzielt werden kann, wenn man den Wel 1 en-Träger mit der Nieuport Verstrebung vereinigt, d. h. wenn man die V-Anordnung der Stiele Nieuports beim Albatros anwendet, und die Auftriebsdrähte durch Stiele ersetzt. Diese Anordnung stellt Abb. 7 dar. Wie im vorher besprochenen Falle ist der Oberdeck-Mittelteil als auf einer Cabane autgestützt angenommen, während die V-Stiele Nieuports wellenartig gestellt sind. Konstruktiv würde diese Anordnung, wie schon bei Besprechung der Abb. 4 erwähnt, den Nachteil haben, daß das Wandern des Druckmittelpunktes am Oberdeck die Belastung der inneren Auftriebsdräh:e im Unterdeck vergrößert. Gibt man dem Unterdeck zwei Holme anstatt eines einzigen und setzt man die Fußpunkte des V's auf eine beide Holme verbindende Strebe, so könnte möglicherweise das Unterdeck soweit verstärkt werden, daß es die zusätzlichen Beanspruchungen mit Sicherheit aufnehmen kann, vorausgesetzt, daß diese Anordnung aus anderen Ueberlegungen heraus nicht nachteilig ist. Wie aus der Maßtabelle hervorgeht, beträgt die Widerstandszahl 63,08, ist also nicht so gut wie beim normalen Nieuport (52,84). Andererseits aber wird die freie Länge des Holms und der Ueberhang für das Oberdeck erheblich reduziert, während sie sich beim Unterdeck gleich bleiben. Vermutlich ist für so kleine Maschinen wie die Nieuports die. Original-Verspan-nung (Abb. 4) als die bessere anzusehen, während für Maschinen der in unseren Beispielen gewählten Größe oder noch größere die Albatros-Nieuport-Kombina-tion gewisse Vorteile bietet.

Es ist noch eine Vervollkommnung des Albatros-Trägers denkbar. Wie im Anschluß an Abb 6 festgestellt wurde, hat der Albatros-Träger einen recht hohen Luftwiderstand; könnte dieser verringert werden, so erscheint die Brauchbarkeit dieses Systems nicht ausgeschlossen. Und dies ist der Fall bei Verwendung der beim drahtlosen Curliß-Doppeldecker besprochenen „K'- und „1"-Stiele. Wie früher schon bemerkt, lassen sich für Holz, das ja zwar Druckbeanspruchungen gegenüber recht fest ist, nur mit Schwierigkeit geeignete Stielschuhe konstruieren; zumal di.rt, wo die Stiele abwechselnd Zug- und Druckspannungen aufnehmen müssen, ist der Holzstiel, sei er nun voll oder furniert, nicht sehr geeignet. Bei dem Curtiß-K-Stiel dagegen haben wir das Beispiel eines zweckentsprechend konstruktiv ausgebildeten Stieles, bei dem man — ob es bereits geschehen ist, ist unbekannt — rohr- oder U-förmige Bauelemente verwenden kann, um die Ausläufer des Stieles gut durchzubilden und eine Gelegenheit zu schaffen, daß man sie in den die Stiele mit den Holmen verbindenden Schuhen gut aufnehmen kann. Eine andere Möglichkeit bestände darin, daß man l-Stiele von der aus Abb. 8 ersichtlichen Form in 2 Hälften aus Stahl preßt und diese längs Vorder- und Hinterkante miteinander verschweißt. Vielleicht stellt sich hierbei in praxi die Notwendigkeit heraus, die dünne Wandung des Stiels durch innere Versteifungsteile etwas zu verstärken. Nimmt man wie schon einmal bei den K-Stielen den Stielwiderstand zu dem 2,5fachen desjenigen beim Stromlinien-Kabel an, während die Stiele am Rumpf nur mit dem doppelten Wert in Rechnung gesetzt werden, so erhält man eine Widerstandszahl von 36,5, d;e nur noch vom drahtlosen Curtiß bisher unterschritten wurde und sogar besser als die beim Nieuport (52,84) ist. Allem Anschein nach ist diese Ver-spannungsart somit eine recht gute — vorausgesetzt, daß die Stiele konstruktiv in hinreichender Weise Zugbeanspruchungen gewachsen sind und die inneren Verspannung die horizontalen Biegungsmomente aufzunehmen vermag.

Französische Bombenflugzeuge-Das Anbringen der Halte Vorrichtung-.

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Nunmehr wird es von Interesse sein, auch zu untersuchen, wie die Verspannung der Dreidecker möglichst zweckentsprechend durchzuführen ist und in welchem Verhältnis sie zu der der allgemein verwendeten Doppeldecker steht. Wie im gegenwärtigen Kriege — in erster Linie durch die Sopwith-Dreidecker — reichlich erwiesen ist, ist der Dreidecker hervorragender Leistungen fähig, nicht zuletzt vom Gesichtspunkte des selbstschießenden Führers aus. Eine charakteristische Eigenschaft dieser Maschinenart, die zu erwarten läßt, daß sie hinsichtlich des Stirn Widerstandes Vorteile bieten wird, ist der Umstand, daß bei Aufteilung der tragenden Fläche in 3 statt in 2 Einzelflächen die Flächentiefe erheblich kleiner als beim Doppeldecker gehalten werden kann, wodurch das Wandern des Druckmittelpunktes eingeschränkt wird. Dies drückt aber nur mit anderen Worten den Vorteil aus, daß der einzelne Stiel von „K"-, I- oder X-Form leichter fest genug hergestellt werden kann, um ohne Anwendung von Anstelldrähten schädliche Folgen der Druckmittelpunktswanderung zu verhüten. Wie im Falle des Doppeldeckers wird auch beim Dreidecker die Belastung der Spanndrähte im Innern der Tragflächenkörper durch das Wandern des Druckmittelpunktes vergrößert, jedoch ist hierbei der Hebelsarm kleiner und daher ist es erklärlich, daß die einstielige Dreidecker-Verspannung konstruktiv vorteilhafter ist, zumal die Holme auch wegen der geringeren Flächentiefe dichter übereinander liegen. Bei den Sopwith-Dreideckern werden Einzelstiele verwendet, und bisher hat man nichts davon gehört, daß diese Maschinen hinsichtlich ihrer Festigkeit nicht so gut wären wie Doppeldecker.

In Abb. 9 ist die gewöhnliche (do p pe 1 stiel ige) Verspannung des Dreideckers dargestelll, also mit je 2 Auftriebs-, Landungs- und Anstelldrähten. Die geringe Differenz im Flächenareal unseres Beispiels (25,36 qm statt wie bisher 24,6) hat wohl kaum einen Einfluß auf das Wesen der Verspannung. Die Widerstandszahl von 64,81 ist nicht annähernd so gut als wie bei gewissen Doppeldeckern; immerhin ist sie besser als beim zweistieligen Doppeldecker.

In Abb. 10 ist die einstielige Art der Verspannung des Sopwith-Dreideckers mit I-Stiel und nur je 1 Auftriebs- und 1 Landungsdraht gezeigt. Mit der Annahme 2,5fachen Widerstandes gelangt man zu der Widerstandszahl 28,73, die im Vergleich mit der Verspannungsart der Abb. 9 sehr gut und nur wenig höher als bei dem drahtlosen Doppeldecker von Curtiß (24,13) ist. Bei einem so geringen Stirnwiderstand ist es nicht schwer, den Grund oder doch wenigstens einen der Gründe für die Beliebtheit des einstieligen Sopwith-Drei-deckers zu finden.

Es sei nun untersucht, was die Anwendung des einstieligen Wellen-Trägers beim Dreidecker für Ergebnisse zeitigt. In Abb. 11 ist dieseAn-ordnung dargestellt; sie erweckt auf den ersten Blick keine großen Hoffnungen, ganz abgesehen von dem zu erwartenden Widerstande, ist die Verstrebung der Mittelfläche eine ganz ausgefallene, da diese an einer großen Zahl Stellen durchdrungen wird; hierbei ist es gleichgültig, ob die Stiele an allen Ueberschneidungen befestigt sind oder nicht. Die Widerstandszahl von 37,7 ist ja an sich ganz gut; bei der Unbeholfenheit der Verstrebung jedoch wird diese Art den Konstrukteuren kaum empfehlenswert erscheinen, und dies um so weniger, als die Widerstandszahl beträchtlich höher als bei der in Abb. 11 dargestellten Anordnung ist. Der einzige Umstand, der die Wahl dieser Anordnung rechtfertigen könnte, besteht in der Möglichkeit, den kurzen Stielstücken einen geringeren Querschnitt geben und somit den Widerstand noch etwas verringern zu können. Indessen ist diese Möglichkeit noch zweifelhaft und daher ist es unwahrscheinlich, daß die Wellen-Träger-Verspannung des Dreideckers sich jemals größerer Beliebtheit erfreuen wird, trotzdem die freien Längen der Holme kürzer sind als beim Sopwith.

Abb. 12 zeigt eine Anordnung, bei der die Bauart des drahtlosen-Curtiß-Doppeldeckers, der ja, wie erinnerlich sein wird, die kleinste Widerstandszahl aller Doppeldecker aufwies, auf Dreidecker übertragen wird. Die Wurzeln der beiden oberen Decks sind an einer Cabane befestigt; die freie Länge der Holme ist wieder dadurch verringert, daß Halbstiele von den oberen Streben des Rumpfes aus schräg nach außen verlaufen, ganz nach Art des Original-Sopwith-Anderthalb-Deckers. Die zwischen allen drei Tragflächen befindlichen Stiele verlaufen, wie beim Curtiss-Drahtlosen von unten nach außen, und wie dort verbinden Streben die Laufräder mit dem Unterdeck an den Stellen, wo die Hauptstiele angebracht sind. Die freien Längen und Ueberhänge sind im allgemeinen dieselben wie beim Sopwith-Typ, daher ist anscheinend kein konstruktiver Gewinn von der Verspannungsart der Abb. 12 zu

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«rwarten, ausgenommen für die zum Rad führende Strebe, die wegen ihres schrägen Verlaufs nach vorne in einem gewissen Grade die innere Verspannung des Unterdecks gegen den Rücktrieb und auch gegen die von der Oberdeck-Druckmittelpunktswanderung nach hinten herrührende Beanspruchung unterstützt. Die Widerstandszahl beträgt 30

Die eigentliche Sopwith-Dreidecker-Verspannung steht als in jeder Hinsicht gegen alle die untersuchten Verspannungsarten ihren Mann. Es ließe sich nun vielleicht noch irgendeine Verspannungsart des Vierdeckers ausfindig machen, die die Widerstandszahl noch weiter herabsetzt; es ist aber zur Zeit nur verhältnismäßig wenig über die aerodynamischen Eigenschaften des Vierdeckers bekannt und die wenigen, die während des Krieges gebaut sind, haben sich offenbar nicht «o erfolgreich erwiesen, daß sie andere Mehrdecker-Arten auszustechen imstande gewesen wären, und noch wenige solche Leistungen gezeigt, daß man sich ermutigt gefühlt hätte, auf diesem Wege fortzuschreiten. Daher erübrigt es sich, die Frage der Flächen-Verspannung diesbezüglich weiterzubehandeln. Die vorstehende Beurteilung des Vierdeckers bezieht sich natürlich nur auf Maschinen des im vorliegenden Aufsatz zu Grunde gelegten Einheitsareals und nicht auf Groß-Flugzeuge der Zukunft, die durchaus vom Vierdecker-Typ denkbar sein können.

Verzeichnis der 47 im Monat Dezember 1917 in unserem Besitz gebliebenen feindlichen Flugzeuge.

Englische. 3 Sopwith. Einsitzer: Nr. D. 2040, Lt. Morrison verwundet; Bei einem Sopwitn-Einsitzer war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

Zweisitzer: Nr. M. 5081, Lt. White, Lt. Salter, beide gefangen.

6 Sopwith. Camel: Nr. ß. 6234, Lt. L. G. Nixon gefangen; Nr. N. 6330, Sec.-Lt. Clark, gefangen; Clerget Motor Nr. 98 — 1792 — 14921, Insasse gefangen; Nr. 8413, Lt. I. D. Cameron, gefangen; Nr. T. 2388, Lt. Robert H. Dowan, gefangen; Nr. B. 2414, Lt. >Cutbill gefangen.

5 Spad. Einsitzer: Nr A. 6642, A. Keutal verwundet; Nr. B. 3559, Lt. H. A. Jeo, tot; Nr. A. 6662, Insasse gefangen; Nr. B. ■6786, Lt. Caler, gefangen; Bei einem Spad war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

4 Nieuport. Einsitzer: Nr. ß. 3678, Laurence Kert, gefangen; Nr. 3586, Insasse gefangen; Nr. B. 3555, Lt. James Brydone gefangen; Nr. 6753, Lt. Charles E. Edgen.

3. R. E. Zweisitzer: Nr. M. 5020, Lt. Thomas William Calvert, verwundet, Lt. Albert William Pallmer, gefangen; Bei 2 R. E. waren die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

2 ß. E. Zweisitzer: Nr. ß. 1153, Insassen nicht feststellbar; Nr. nicht feststellbar, Lt. Whitworth, Sergt. M. H. Everin, beide gefangen.

2 Bristol-Fighter. Zweisitzer: Nr. A. 7270, Capt. J. E. Johnston verwundet, Lt. Suchfort tot; Nr. unbekannt, Sergt. Charles Buttler, William Long, beide gefangen.

2 De Havilland Scout. Einsitzer: Nr. 9335, R. E. Angus, tot; Zweisitzer: Nr. 7422, Lt. Miller verwundet, Lt. A. Ch Hoyles, tot.

1 F. E. Zweisitzer: Nr. A. 51178, beide Insassen tot.

1 Martinsyde Nr. B. 263, Insasse gefangen.

1 Flugzeug unbekannten Typs, J. G. Glendinning, J. Torrel, beide tot.

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1 Bombenflugzeug unbekannten Typs. Nr. des Flugzeuges und Namen der Insassen waren nicht feststellbar.

Französische. 3 Spad. Einsitzer: Nr. 1774, Sergt. Theophile Goly, gefangen; Nr. 6024, Benjamin Stuart "Walcot, tot; Nr. unbekannt, Lt. Astor, gefangen.

2 Sopwith. Zweisitzer: Nr. 4130, Capt. Gaston Bloch, Carp. Brieux, beide gefangen; Rhone-Motor Nr. 8460 Unteroffizier M. Baroa, Henry Rebut, beide gefangen.

2 ßreguet. Zweisitzer: Nr. 1202, Sergt. Henry "Wesplede gefangen, Sergt. Emil Bolignae verwundet; Nr. 11/1168 Sec.-Lt. Leop. Debrus, Sergt. Georg Bourlaton, beide gefangen.

Kampfeinsitzer wird aus der Halle gebracht.

1 Caudron. Zweisitzer: Nr. 2993, Sec.-Lt. Gocguet, Caporal Ringußen, beide gefangen.

1 Bombenflugzeug unbekannten Typs, vollständig verbrannt.

Italienische. 2 Sopwith. Einsitzer: Nr. B. 4604, Lt. Robertson, gefangen; Nr. B. 6425, Lt. B. Mey gefangen.

1 Saml. 1 Caproni. 1 Spad. Die Nummern der Flugzeuge und die Namen der Insassen waren nicht feststellbar.

An der mazedonischen Front, 2 Nieuport. Einsitzer: Nummern der Flugzeuge und Namen der Insassen waren nicht feststellbar.

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Konstruktive Einzelheiten.

Amerikanische Stielverbindungen.

Die primitiven Ausführungen kennzeichnen die Rückständigkeit des amerikanischen

Flugzeugbaues.

Das Ackerman-Rad mit federnden Speichen.

Als Laufräder für Flugzeuge verwendet man in Amerika vielfach, das Ackerman-Rad; es ist dies ein Rad mit federnden, flammbogen-artigen Speichen. Curtiß hat, wie es heißt, sehr gute Erfahrungen mit dieser neuen Bauart gemacht und sie u. A. bei seinem „drahtlosen" Doppeldecker angewendet, der, wie der Name besagt, Spanndrähte vermeidet und das Unterdeck (und damit auch das Oberdeck) gegen den Rumpfkörper durch eine Strebe abstützt, die vom Unterdeck zur Radnabe verläuft. Die Bauart des Ackerman-Rades ist aus nebenstehender Abbildung zu ersehen, die ein solches nach einem bis zur Reformation durchgeführten Belastungsversuch darstellt; es wiegt in der Abmessung 26' mal 3" etwa 10 kg. In der Abb. auf Seite 542 Nr. 17 Jahrg. 1917

Kampfeinsitzer wird aus der Halle gebracht.

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brachten wir einen Curtiß-Anderthalb -decker, bei dessen

Fahrgestell ein solches Rad verwendet war. Die Speichen sind naturgemäß zur Verringerung des Luftwiderstandes abgedeckt. Die Versuche ergaben hinsichtlich einer Belastung parallel zur Achse eine Maximallast von 1700 kg und hinsichtlich einer ratialen Belastung eine Maximallast von rund 4000 kg. Auch andere Versuche, wobei die Räder schwerbelastete Wagen tragen und in voller Fahrt über künstliche Hindernisse getrieben wurden, ergaben sehr günstige Resultate.

Auf der Zerreißmaschine bis zum Bruch belastetes Ackermanrad.

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion).

Ueber das Biegen von Hölzern. Cas Biegen von Bauhölzern spielt im Flugzeugbau eine große Rolle und findet hauptsächlich zur Formengebung der Rumpfholme Anwendung, die am Rumpfvorderteil und oft auch am Ende Biegungen von ziemlich kleinem Radius aufweisen. Ganz schwache Schweifungen, die sich auf größere Längen erstrecken, können meist schon durch die Verspannung erreicht werden. Zur Einhaltung bestimmter Rumpfwölbungen sind aber besondere Biegeverfahren notwendig, zu deren Durchführung Biegeschablonen erforderlich sind. Diese Schablonen können entweder aus Holz oder besser aus Eisen, und zwar Winkeleisen hergestellt werden. Letztere sind teuerer und empfehlen sich meist nur bei Serienfabrikation. Da sie aber sich immer wieder verwenden lassen, indem man die alte Winkeleisenschablone nach der neuen Form leicht umbiegen kann, soll man doch möglichst, vor allem beim Biegen stärkerer Hölzer und immer, wenn die Biegung sich nach zwei Richtungen erstreckt, Eisenschablonen verwenden. Nehmen wir z. B. den Bogen am Rumpfvorderteil, so sieht man, daß derselbe nicht nur in einem ziemlich kleinen Radius, der von der Rumpfbreite abhängt und etwa die Hälfte derselben beträgt, also etwa 400-450mm, seitlich abzubiegen ist, sondern zudem fast stets noch von oben etwas nach unten und auf der andern Seite eber.so wieder zurückgeschweift ist. Es genügt nun, eine Schablone für den halben Bogen anzufertigen. Dem Winkeleisen von etwa 50 X 50 mm wird nach Zeichnung genau die richtige erforderliche Biegung und Schweifung gegeben, worauf es als Schablone gebrauchsfertig ist und an einer Werkbank oder sonstwo fest eingespannt wird. Das Holz wird vor dem Biegeverfahren im Dampfapparat erhitzt. Je nach der Dicke des zu biegenden Holzes muß dieses länger oder kürzer im Dampf

Auf der Zerreißmaschine bis zum Bruch belastetes Ackermanrail.

Nachbildung verboten.

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liegen. Auch von der Holzart hangt dies ab, da natürlich bei harten Hölzern, wie Esche, der Dampf wesentlich langer braucht, bis er in das Gewebe des Holzes eingedrungen und dieses biegsam gemacht hat. Für Hölzer von etwa *0X40 mm ist in der Regel eine dreistündige Dämpfung erforderlich. Nach dieser wird nun das Holz in die Schablone gebracht und an einem Ende vermittels einer Schraubzwinge befestigt. Nun werden je nach der Stärke der Krümmung in Absländen von 20 bis 40 cm weiter Schraubzwingen hintereinander angebracht, die das Holz in die Biegung hineinpressen. Die Schablone muß natürlich derartig angefertigt sein, daß die Öeffnung des Winkels das Holz aufnehmen kann. Ist das Holz auf die ganze Länge der Schablone angepreßt, so läßt man es erkalten, was 20—39 Stunden "dauert. Ist an einer baldigen Verwendung des Holzes viel gelegen, so kann es auch künstlich mit einer Lötflamme ausgetrocknet werden. Man darf aber nicht zu lange eine Stelle anflammen, sondern mit der Lötflamme wird dauernd die ganze Länge der Schablone entlang gestrichen, was etwa eine halbe Stunde lang erfolgen muß. Nach diesem Verfahren läßt man das Holz noch vielleicht zwei Stunden in der Schablone erkalten, worauf es gebrauchsfertig ist, d. h. wenn nur eine halbe Schablone verwendet wird, muß nun erst die zweite Hälfte gebogen werden.

Dünnere Hölzer, wie sie bei Spanten, Sitzen, Steuerrudern usw. vorkommen, und die meist nur in einer Ebene zu biegen sind, werden über entsprechend zugeschnittene Bretter gebogen, die zweckmäßig etwas stärker gehalten werden als die Bieite des zu biegenden Holzes. Sie können auch vorgedämpft werden, was aber nicht unbedingt erforderlich ist. Sie werden mit der Hand über die Holzschablone gebogen und mit dünnen Stiften aufgenagelt. Dann wird das Holz mit der Lötflamme erhitzt, und zwar besonders an den Biegungsstellen. Nach etwa einstündigem Erkalten, oft schon viel früher, kann dann das Holz abgenommen werden.

Geringere Biegungen der Rumpfholme, wenn diese nicht zu stark, nur etwa 30 X 30 mm stark sind, lassen sich auch bei der Montage durch die Ver-spannung und kurze Hilfshölzer, die hintergeschraubt werden, ausführen. Einen glatten Verlauf der Biegung erreicht man dann dadurch, daß der so gebogene Holmteil noch mit der Lötflamme erhitzt wird. Dadurch werden die Biegungsspannungen im Rumpfholm schnell beseitigt und die Schweifung wird glatter. Man nennt dies ein Ausbügeln des Holzes.

Mechanische Biegeeinrichtungen, wie sie z. B. im Wagenbau verwendet werden, sind im Flugzeugbau nicht erforderlich, da hier die Hölzer selten erhebliche Abmessungen erhalten. Anders im Wagenbau, wo z. B. Holzräder-Reifen aus einem Holz von 200 mm Höhe; und 70—80 mm Dicke zu einem Ring von 1,00 m Durchmesser gebogen werden müssen. Dies erfolgt in großen Biegemaschinen, in denen die Hölzer maschinell in starke eiserne Formen gepreßt werden, und zwar meist ohne vorheriges Dämpfen. Erst nachträglich werden sie hier erhitzt. Es ist selbstverständlich, daß das Einpressen hier nur langsam vor sich geht, da sonst ein Bftich des Holzes unvermeidlich wäre. Aehnliche Verfahren, wenn auch nicht söajroße und schwere Hilfsmaschinen sind zum Biegen der Karosserie-Versteifungen bei schwereren Automobilen erforderlich. Da diese sowohl, wie die leichteren Autos stets in großen Serien gebaut werden, empfiehlt sich bei ihnen auch für schwächere Hölzer eine maschinelle Einrichtung, da hierdurch Handarbeit gespart und Zeit gewonnen wird, was der Billigkeit der Herstellung zugute kommt.

Von sehr großer Bedeutung bei allen Biegeverfahren ist die Art des Holzes. Weitaus am besten von deutschen Holzarten biegt sich das Nußbaumholz, ihm zunächst stehen dann die Esche und Ulme. Von ausländischen Hölzern ist das amerikanische Wi t h w o o d allen anderen überlegen und wird daher vorzugsweise im gesamten Automobilbau verwendet. Buche und Fichte lassen sich auch ganz gut biegen, aber recht wenig biegsam ist die Birke. Sie hat offenbar zu kurzfaserige Holzsttuktur. Weide biegt sich auch außerordentlich leicht, ist aber ziemlich empfindlich auf WitterungseinflUsse und verzieht sich gerne wieder. Im Flugzeugbau wird es auch nicht sehr viel, wenigstens nicht hei wichtigen Bauteilen verwendet. Daß aber auch andere Holzarten sich unter dem Einfluß der Witterung, insbesondere der Feuchtigkeit verziehen, auch wenn sie vorher Uber Schablonen gebogen waren, liegt auf der Hand. Dies macht sich vor allem bei hölzernen Steuerflächen oft sehr unangenehm bemerkbar.

Handelt es sich um stärkere Hölzer — es können solche bis zu etwa 50 X 80 mm Stärke noch gut ohne maschinelle Einrichtungen gebogen werden — so treten oft nach der Montage wieder Unebenheiten der Kurve auf, was von

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der verschiedenartigen Struktur und Holzbeschaffenheit an einzelnen Stellen herrührt. Man tut daher gut, wenn es auf glatte Linienführung ankommt, z B. bei Karosserien, einige mm Holz vorher zuzugeben und dies nachträglich mit dem Handhobel abzufassen. Natürlich spricht auch immer die Geschicklichkeit des Schreiners mit, dem es überlassen ist, wie weit er bei dem Biegen auf der Schablone die Schraubzwingen auseinandergesetzt und ob er beim Arbeiten mit der Lötflamme das Holz auf die gnnze Länge gleichmäßig erwärmt oder nicht.

Besondere Schwierigkeiten bietet das Biegen von Sperrholz, worauf wir in einem besonderen Aufsatz zurückkommen werden.

Wugtecbnifibe dtundfclfau.

Inland.

Das Eiserne Kreuz II. Kl. erhielten: Ltn. Heinze, Führer eines Flack-Zuges, Utffz. u. Fliegerfunker Walter Orlamünder.

Das Eiserne Kreuz I. KI. wurde verliehen: Ltn. d. R. Beob. Georg Grott.

Den Roten Halbmond erhielt Ltn. d. R. Eduard Lewens. Das Hamburger Hanseatenkreuz erhielt Utffz. u. Fliegerfunker Walter Orlam Under.

Reg.-Baumeister a. D. Hacks tetter, Leiter der Rumpler-Militär-Flieger-schule erhielt das „Verdienstkreuz für Kriegshilfe".

Zum Ltn. d. R. wurde befördert: Zivilflieger Vzfw. Olto Lindp ai nt n e r.

Fliegerltn. Max Müller -j;. Der bayrische Fliegerltn. Max Müller bei der Jagdstaffel Boehlke, Ritter des Ordens Pour le mérite, ist in der Nähe von Cambrai nach seinem achtunddreißigsten Luftsiege durch einen Flugzeugfehler tödlich verunglückt und so unbesiegt für das Vaterland gefallen.

Richtpreise für Plugzeugholz. Das Kriegsamt hat im Einvernehmen mit der Inspektion der Fliegertruppen, den Kriegsverband der Flugzeugindustrie, dem Königlich Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sowie Vertretern des Privatwaldbesitzes Richtpreise für die Flugzeug-Laubhölzer festgelegt und sie den bundesstaatlichen Kriegsindustrien sowie den Kriegsamtsstellen mit dem Ersuchen mitgeteilt, diese Preise bei ihrer Mitwirkung an die Sicherstellung des Flugzeugholzbedarfs zu Grunde zu legen. Um den Preis für das fertige Flugzeug im allgemeinen Reichsinteresse auf einer stetigen Grundlage (bei der Vergebung von Flugzeugen als RohmateriabHöchstpreise) zu erhalten, werden die in Betracht kommenden Stellen folgende ^Rundnolzpreise in Ansatz bringen: Eschenrundholz 210 M., Lindenrundholz 180 M, Birkenrundholz 80 M, Erlenrundholz 80 M., Ahornrundholz 200 M., Rüster- und Ulmenholz 150 M. Die Preise gelten mit Rinde gemessen frei Wald. Die Erfüllung der Anforderungen der Flugzeugindustrie ist von besonderer Wichtigkeit für die Landesverteidigung. Geeignete Firmen für die Uebernahme der Hölzer werden vom Kriegsverbande der Flugzeugindustrie, tierlin W. 35, LUtzowstr. 107, einer von der lnspektion der Fliegertruppen unter anderem für die Sicherstellung und Verteilung des Holzbedarfes der Flugzeugindustrie geschalfenen Organisation, auf Anfrage nachgewiesen.

Von der Front.

9. Januar. Deutscher Tagesbericht. Im Dezember beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen Fronten 9 Fesselballone und 119 Flugzeuge, von denen 47 hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind.

Wir haben im Kampf 82 Flugzeuge und zwei Fesselballone verloren.

10. Januar. Englischer Heeresbericht. Am Morgen des 9. Januar herrschte eine große Tätigkeit in der Luft. Vier feindliche Flugzeuge wurden steuerlos zum Niedergehen gezwungen. Drei unserer Flugzeuge werden vermißt. Zwei von diesen stießen, wie beobachtet wurde, während des Kampfes Uber den feindlichen Linien zusammen Nachmittags machte ein heftiger Schneesturm das Fliegen unmöglich.

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11. Januar. Berlin. Wie aus London gemeldet wird, sind bei dem deutschen Fliegerangriff auf London am 6. Dezember nach amtlichen Mitteilungen 19 Brände ausgebrochen. Ueber 30 Gebäude wurden hierdurch vernichtet. Der Polizeibericht verzeichnet 44 Tote und 102 Verwundete. Ein englisches Marineflugzeug ist bei der Verfolgung der Flieger westlich von Margate abgestürzt.

12 Januar. Im Dezember unternahm der Gegner 13 Luftangriffe auf das deutsche Heimatgebiet. Sechs Angriffe galten dem lothringisch-luxemburgischen Industriegebiet, sieben Angriffe der Stadt Freiburg sowie anderen Städten in Baden, den Städten Mannheim, Saarbrücken und Zweibrücken. Bis auf eine Betriebsstörung, die durch einen Bombentreffer in die Gasleitung eines Eisenwerkes verursacht wurde, war das Ergebnis di-r Angriffe bedeutungslos; der Schaden an privatem Eigentum war im ganzen gering. Durch die Angriffe wurden sieben Personen getötet, 31 verletzt, darunter französische Kriegsgefangene. Ein feindliches Flugzeug wurde innerhalb des deutschen Heimatgebietes, ein anderes jenseits der Linien abgeschossen.

13. Jauuar. Deutscher Tagesbericht. In zahreichen Luftkämpfen wurden gestern sechs feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone abgeschossen.

Berlin. Im Dezember haben unsere Gegner durch die Tätigkeit unserer Kampfmittel auf ihrer Front im ganzen 119 Flugzeuge und neun Ballone verloren. Wir haben 82 Flugzeuge und zwei Ballone eingebüßt Davon sind 57 Flugzeuge jenseits unserer Linien verblieben, während die anderen 25 über unserem Gebiet verloren gingen. Auf die Westfront allein entfallen von den 119 außer Gefecht gesetzten Flugzeugen 101, von den 82 deutschen 74 An der italienischen Front haben wir 17 feindliche Flugzeuge abgeschossen und 6 eigene eingebüßt Im einzelnen setzt sich die Summe der feindlichen Verluste folgendermaßen zusammen: 83 Flugzeuge wurden im Luftkampf, 30 durch Flugabwehrkanonen, 1 durch Infanterie abgeschossen. Fünf landeten unfreiwillig hinter unseren Linien. Von diesen Flugzeugen sind 47 in unserem Besitz, 72 jenseits unserer Linien erkennbar abgestürzt.

Der Pariser Funkspruch vom 8. Januar nachmiMags meldet, daß die Franzosen im Dezember 1917 76 deutsche Flugzeuge abgeschossen hätten, und sagt u. a. weiter: Von diesen scheinen ?5 Flugzeuge, die in ihren Linien niedergingen, vernichtet zu sein, doch konnte hierüber keine abschließende Feststellung gemacht werden Demgegenüber werden die französischen Flugzeugverluste auf 20 u. 1 Fesselballon angegeben. Von diesen 20 Flugzeugen seien 13 Uber ihren eigenen Linien abgeschossen worden. Tatsächlich beliefen sich die deutschen Verluste auf dem französischen Teil der Westfront im Dezember 1917 auf neun Flugzeuge diesseits und 32 jenseits, während die französischen Verluste nicht 20,

Leuchtrakete mit Mörser. Der StarMJntcroEfizicr mit einer Handvoll Leuchtraketen (im Fliegennunde Fliegerradieseheu). AnE der Schulter tragt er die Radieschentronnnel. Die Trommel^vird vermittels des an ihr befindlichen eisernen Sporns in die Erde gesteckt und eines der Kadieschen hineingesetzt. Die Zündschnur, welche aus der Büchse ragt, wird an= gesteckt und Jioch in die Luft geht das Radieschen.

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sondern 44 Flugzeuge betrugen, von denen nicht 13, sondern 36 nach einwandfreier Feststellung jenseits abstürzten. Nicht 1, sondern 3 Fesselballone wurden abgeschossen. Die Talsache, daß der französische Bericht die 35 deutschen Flugzeuge, deren Abschuß nach seinem eigenen Eingeständnis nicht sicher war, unbedenklich als deutschen Verlust rechnet, kennzeichnet seine Glaubwürdigkeit zur Genüge.

14. Januar. Bei einem heute Mittag auf Karlsruhe erfolgten Fliegerangriff wurden einige Bomben abgeworfen. Eine Person wurde ganz leicht verletzt. Sonstiger Sachschaden gering.

Französischer Bericht. Außer den 15 Flugzeugen und dem Fesselballon, die bereits in der Periode vom 1.—10. Januar als abgeschossen gemeldet wurden, brachten die französischen Flieger 12 Apparate über den feindlichen Linien zum Absturz, die wahrscheinlich zerstört wurden, was jedoch nicht sicher bestätigt werden konnte.

Englischer Bericht. Mehrere feindliche Apparate griffen unsere Formation erfolglos an. Wir haben unsere sämtlichen Ziele getrolfen und unser Geschwader ist ohne den geringsten Verlust vollzählig wieder zurückgekehrt.

Französischer Bericht. Die Fliegertätigkeit war gestern durch Schneefall gehemmt.

Nach dem erfolgreichen Fliegerunternehmen nach Deutschland wurde in der Nacht vom 14. zum 15. Januar eine zweite Expedition ausgeführt. Unsere Ziele bildeten die Stahlfabriken von Dudenhofen, auf die wir eine Tonne Geschosse abwarfen. Die weitere halbe Tonne wurde außerdem auf zwei bedeutende Eisenbahnknotenpunkte in der Gegend von Metz abgeworfen. Die Ziele wurden durch Abwehrfeuer und Scheinwerfer stark verteidigt. Alle unsere Flieger sind unversehrt zurückgekehrt.

15. Januar. London. Im Anschluß an den sehr erfolgreichen Fliegervorstoß nach Deutschland bei Tageslicht am 14 Januar wurde ein weiterer in der Nacht vom 14. zum 15. Januar durchgeführt. Das Ziel waren in diesem Fall die Stahlwerke von Diedenhoten, wo eine Tonne Bomben abgeworfen wurde. Eine halbe Tonne Bomben wurde auf zwei große Eisenbahnknotenpunkte bei Metz abgeworfen.

16. Januar. Italienischer Bericht. Längs der ganzen Front war die Fliegertätigkeit rege. Englische Flieger schössen in der Gegend von Vazzola drei feindliche Flugzeuge ab. Ein vierter Apparat wurde von unseren Fliegern in Arsie heruntergeholt. Unsere Abwehrbatterien brachten einen fünften Apparat in Cima Dolmo zu Fall.

21. Januar. Deutscher Tagesbericht. In den beiden letzten Tagen wurden elf feindliche Flugzeuge una ein Fesselballon abgeschossen

Ausland.

Wie die englischen Flieger die holländische Neutralität wahren.

Wie wenig englische Flieger bei ihren Luftangriffen gegen das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet die holländische Neutralität achten, beweist ein Fund aus einem abgeschossenen englischen Flugzeug. Es sind uns hierbei eine Generalstabskarte mit eingezeichneten Flugwegen und eine auf einem Pappdeckel gezeichnete Routenkarte in die Hände gefallen. Die Generalstabskarte zeigt deutlich den Hin- und RUckflug, den der englische Flieger unter Nichtachtung der holländischen Neutralität gewählt hatte, um auf die rascheste Weise da3 Industriegebiet von Aachen-Köln zu erreichen. Beide Wege führen über holländisches Gebiet, und zwar kreuzt der südliche Kurs (Hinflug: Dünkirchen —Gent-Maastricht—Aachen—Köln) von westlich Maastricht bis westlich Aachen auf einer Strecke von 24 Kilometer den SUdzipfel der holländischen Provinz Limburg. Der nördliche Kurs (Rückflug: Köln—Weert — nördlich Antwerpen südlich Hülst — nördlich Brügge—DUnkirchen) schneidet sogar an drei Stellen holländische Gebietsteile: a) Uber Roermond—Weert auf eine Strecke von 44 Kilometer, b) südlich Hülst—Axel vorbei auf eine Strecke von 21 Kilometer, c) südlich Aardenburg vorbei auf eine Strecke von 7 Kilometer, zusammen 73 Kilometer. Die Routenkarte enthält die Flugzeit für die einzelnen Teilstrecken des südlichen Kurses.

Der Fund ist ein neuer Beweis dafür, daß es sich bei Grenzverletzungen englischer Flieger keineswegs um Zufälligkeiten, sondern um bewußte, planmäßige Verletzungen der holländischen Neutralität handelt.

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Austausch Italienischer und englisch-französischer Fliegergeschwader.

Nachdem schon seit längerer Zeit englische und französische Fluggeschwader an der italienischen Front tätig sind, hat Italien neuerdings einige Flieger* geschwader nach den Fronten der Alliierten entsandt. Der Zweck des Austausches ist eine gegenseitige Förderung im Flugwesen.

Abzeichen für zum englischen Seeflugdienst kommandierte Offiziere.

Für den englischen Seeflugdienst sind in letzter Zeit eine'große Anzahl Marineoffiziere kommandiert worden. Zur Unterscheidung tragen diese ein geflügeltes A in Gold,' welches über dem Rangstreifen und an der Schulter zu tragen ist.

Maschinengewehr in einem englischen Flugzeug.

Firmennachrichten.

Dr. Thulius Aeroplanfabrik A.-G. Unter diesem Namen hat sich in Stockholm mit einem Aktienkapital von 1,50 Mill. Kr. ein Unternehmen gebildet, das um die Konzession für den Luftverkehr Stockholm-Gothenburg-Malmö nachgesucht hat.

Firma Motorenfabrik Oberursel: Aktiengesellschaft zu Oberursel.

1) Dem Kaufmann Wilhelm Meister, wohnhaft zu Niederhöchstadt im Taunus,

2) dem Ingenieur Eduard Freise, wohnhaft zu Oberursel, 3) dem Ingenieur Kurt

Maschinengewehr in einem englischen Flugzeug.

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Strautz. wohnhaft zu Frankfurt a. Main, ist Gesamtprokura in der Weise erteilt worden, daß Jeder von ihnen gemeinschaftlich mit je einem Vorstandsmitglied oder mit je einem Prokuristen zur Vertretung der Aktiengesellschaft berechtigt ist.

Firma Hans Windhoff Motorenfabrik, Berlin-Johannisthal, ist in das

Handelsregister und als ihr Inhaber der Fabrikant Hans Windhoff zu Schepsdorf bei Lingen eingetragen worden.

Junkers-Fokker-Werke Dessau. Die im Oktober erfolgte Gründung der Junkers-Fokker-Werke A.-G. in Dessau ist nunmehr im Handelsregister eingetragen. Das Kapital betrögt Mk. 2600000. Mitglieder des Vorstandes sind Hermann Schleißing und Paul Spaleck-Dessau. Gründer sind Wilhelm Horter (Berlin), Direktor Anthony Fokker (Schwerin), Professor Hugo Junkers (Aachen,) Kaufmann Kurt Lottmann (Dessau) und Hermann Schleißing (Dessau). Die Einbringung des Fabrikwesens von Junker in Aachen, gelegen in Dessau, geschieht in den beiden Geschäftszweigen Flugzeug- und Munitionsherstellung, wie es steht und liegt.

Hanseatische Flugzeugwerke Karl Caspar A.-G. Hamburg. Die außerordentliche Generalversammlung genehmigte die Erhöhung des Grundkapitals um 1 l/t auf 3 Mill. Mk. Die neuen Aktien werden von einem Konsortium unter Führung der Hamburger Bankfirma Carlo Thomsen übernommen, welche Firma auch dem Unternehmen die zur Erledigung des hohen Auftragsbestandes notwendigen Kreditte zu ermäßigtem Zinsfuß zur Verfügung stellt. Von den neuen Aktien werden 900000 Mk. zum Kurse von 115 Prozent den alten Aktionären im Verhältnis von 3 zu 2 zum Bezüge angeboten, 25 Prozent dem Vorbesitzer zum Kurse von 110 Prozent überlassen. Wie die Verwaltung mitteilte, ist für das erste Geschäftsjahr mit einer Dividende von wenigstens 10 Prozent zu rechnen, und glaubt man, auch weiterhin eine angemessene Verzinsung des erhöhten Aktienkapitals in Aussicht stellen zu können, da man schon jetzt in Vorbereitungen zur Friedensarbeit eingetreten sei.

Außerordentliche Generalversammlung der Ungarischen Lloyd-Flug -und Motorenfabrik A.-G. in Aszod. Vor- einigen Tagen fand unter dem Vorsitze des Generaldirektors Heinrich Bier eine außerordentliche Generalversammlung der genannten Flugzeugfabrik statt, bei der beschlossen wurde, mit Rücksicht auf den in letzter Zeit erfolgten Ausbau der Fabrik und die damit verbundenen Investitionen das Aktienkapital von zwei Millionen Kronen auf fünf Millionen zu erhöhen Ferner wurde in dieser Versammlung Richard Bier in die Direktion berufen, der nunmehr außer dem genannten Generaldirektor Heinrich Bier, Dr. Ludwig Urbach und Ernst Sarkanz von llenczfalva angehören. In den Aufsichtsrat "wurde Doktor Johann Samaßa gewählt.

Bertiner Flugzeugteilbau Paul Ziegler Neukölln Berlinerstraße 32 wurde in das Handelsregister eingetragen.

Bayerische Flugzeug-Werke, Aktiengesellschaft, München. Die Gesellschaft hat ihr Aktienkapital von 1 Mill. auf 3 Mill. erhöht. Die neuen Aktien werden zu 1070/° ausgegeben.

Verband Deutscher Flugzeug-Iudusirleller, Gesellschaft mit beschrankter Haftung. Durch den Beschluß vom 15 Dezember 1917 ist § 1 Abs. 4 des Gesellschaftsvertrags wegen der Firma abgeändert worden, und §2 hat einen Zusatz wegen der Beiträge sowie §9 als Abs. 3 einen solchen wegen eines Stellvertreters des Geschäftsführers im Falle des § 248 H.-U.-B., erhalten.

Luft-Fahrzeug-Vertriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftune. Berlin. Durch den Beschluß vom 29. Juni 1917 ist das Stammkapital um 1200000 Mk. auf 500000 Mk. erhöht worden. Durch den Beschluß vom S>9 Juni 1917 sind §3 des Gesellschaftsvertrags wegen der Erhöhung des Stammkapitals und §9 Abs. 4 und 5 wegen des Aufsichtsrats abgeändert worden

Hofmann'sche Luftfederung, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. Dem Kanfmann Otto Hebron in Charlottenburg ist derart Gesamtprokura erteilt, daß er berechtigt ist, die Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer oder einem anderen Prokuristen zu vertreten.

Paul Schober & Co, Berlin-Lichterfelde. Gesellschafter sind: Paul Schober, Kaufmann und Frau Marie Schober, geb. Lebmann, beide zu Berlin-Lichterfelde. Die Gesellschaft hat am 1. Mai 1917 begonnen. Geschä'tszweig: Flugzeug-, Automobil- sowie Waggonbau, Material und Zubehör en gros, Geschäftslokal: Lorenzstraße 12

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Deutsche Kolonial Kapok-Werke mit beschränkter Haftung, Rathenow.

Der Sitz der Gesellschaft ist nach Potsdam verlegt worden. Der Gesellschafts-vertrag vom 4 September 1911 ist durch Beschluß der Gesellschaftsversammlung vom 28. Dezember 1SJ17 dahin geändert, daß der Sitz der Gesellschaft nach Potsdam verlegt worden ist.

Berichtigung: Auf Seite 48 No. 2 bei Firniennachrichten muß es heißen: Stock Motorpfl ug-A.-G.

Gleit- und Modellflugwesen.

Preßluft Eindecker-Modell Heinze.

Zum Antriebe des nachstehend besprochenen Modelles wurde ein fünf-zylindriger Preßluft-Rotationsmotor französischen Ursprungs verwendet Den Luftbehälter bildet hier eine etwa 75 cm lange Aluminiumröhre von 4 cm Durchmesser, welche im Mittel 200 Pumpenstöße aufzunehmen vermag und hierdurch dem Motor eine Laufdauer von 20 Sekunden verleiht. Die 40 cm große Central-Luftschraube macht etwa 800 Umdrehungen in der Minute. Um die Gewähr für einen stabilen Flug zu haben, wählte der Erbauer, wie er angibt, die Anordnung des hochliegenden Tragdecks. Das Modell ist von der Spitze des Fahrgestelles zum Rumpfende gemessen 110 cm lang und besitzt eine Spannweite von 148 cm.

Eindecker-Modell Heinze.

Die Tiefe der Tragfläche beträgt 25 cm. Die Fläche ist ungeteilt und in ihrer Mitte in Rumpfbreite offen gehalten worden. Vermittelst vier Stielpaaren ist dieselbe fest mit dem Rumpf verbunden. Die Fläche ist 60° gegen die Flugrichtung angestellt und weist etwa l1/,0 V- und 3° Pfeilform auf. Von beiden Flächenseiten laufen insgesamt 24 Spanndrähte zu den beiden Spanntürmen. Der Rumpf ist 86 cm lang und hat 11 cm größten Durchmesser im ersten Längsdrittel. Am Rumpfende sind zu beiden Seiten Klappen angebracht, welche gestatten, dem

Eindecker-Modell Heinze.

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Luftbehälter den Betriebsstoff zuzuführen. Am vorderen Teil des Rumpfes ist ein Paar des fünfstrebigen Fahrgestelles eingelassen, während das andere Strebenpaar von der Radachse zur unteren Spannturmspilze läuft. Um Deformationen in der Längsrichtung zu vermeiden, läuft vom letzthin bezeichneten Punkte ein starker Spanndraht zur Rumpfspitze. Die durch GummischnUre federnd an der Radachse aufgehängten 7 cm großen Räder haben 27,5 cm. Spurweite. Das in seinen Abmessungen groß gehaltene Höhensteuer ist am oberen Teil der hinteren Rumpfhälfte befestigt. Der Uebergang des Rumpfendes zum Seitensteuer ist so ausgeführt, daß sich wenig Luftwiderstand bietet. Aus demselben Grunde ist auch von einer Klappensteuerung abgesehen worden, deshalb sind die Steuerflossen in Draht ausgeführt, welche es gestatten, alle gewünschten Steuerschläge zu erzielen, ohne daß die Steuerlagen durch athmosphärische Ein-

wirkungen verändert werden können Der Rumpf ist allseitig geschlossen, die Tragfläche einseitig, Höhen- und Seitensteuer jedoch doppelseitig bespannt. Zur Bespannung wurde JapanPapier verwendet, welches noch zelloniert wurde. Das Gesamtgewicht des flugfertigen Apparates beträgt 680 g. Bei den ersten Probeflügen zeigte der Apparat wieder die eigentümliche Stabilität, welche dieser Type eigen ist.

Jllustrirte

No 4 technische Zeitschrift und Anzeiger „^"^«'bo

13. Februar 'ür das gesamte Ausland

mmx „Flugwesen" «je1?..

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telaf. Hansa 4557 Oskar UrslnUS, Civilingrenleup. Tel.-ftdr.: Urslnus. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M„ Bahnhofsplatz 8.

— Erscheint regelmäßig I4tägig. — = Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. ^=

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 27. Februar.

Luftwacht.

„Sollten wiederum friedliche deutsche Heimstätten durch feindliche Fliegerbomben zu leiden haben, so wird die Stadt Paris erneut die vergeltende Strafe zu erdulden haben in einem Umfang und einer Stärke, wie sie rückfälligen Verbrechern gegenüber am Platze ist", «o schließt einer der letzten amtlichen Berichte. — — Wie es den deutschen Landen ergangen wäre, wenn unsere Luftstreitkräfte nicht gewacht hätten, ist den Wenigsten richtig zum Bewußtsein gekommen.

Wie war doch der Hergang? In der Geschichte steht es geschrieben.*) Im April 1913 gründete sich in Paris ein Fliegergeheimbund. Sein Ziel war, durch eine schnelle Aktion auf Deutschland einen furchtbaren Schlag auszuführen.

„Wir wollen Berlin bombardieren, mit Sprengstoffen überschütten, seine Paläste, seine Kasernen, seine Verwaltungs- und militärischen ■Gebäude in Trümmerhaufen verwandeln und direkt ins Zentrum der feindlichen Organisation Tod und Verderben tragen."

So sprach man in Paris bereits 1913. Der deutschen Ingenieurkunst haben wir es zu danken, daß wir im Flugzeugbau das gesamte Ausland bald überflügelten. Sollte der letzte Angriff auf Paris noch keine Vernunft aufkommen lassen, so wird die nächste Strafe für Frankreich doppelt empfindlich ausfallen.

Unsere Luftwacht ist bereit!

*) Vergl. Flugsport 1914 No. 17 S. 711.

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AGO, ein interessantes feindliches Flugzeug.

(Engl. Darstellung ans „Flight„.) Einen Schritt auf dem richtigen Wege hat ohne Zweifel das englische Flugministerium gemacht, indem es eine Anzahl von feindlichen Flugzeugen, Teile von Flugzeugen und Flugzeugmotoren in einem Londoner Depot anmeldete und den Flugzeugkonstrukteuren und den Vertretern der verantwortlichen Firmen die Möglichkeit gab, diese Sammlung zu besichtigen. Die Frage kann aufgeworfen werden, warum die Sammlungen nicht der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die verschiedenen Ausstellungsobjekte sind jedoch derart, dafJ sie in erster Linie mehr auf den geschulten Ingenieur, als auf die Allgemeinheit wirken, weil die Art und Weise ihrer Anordnung den besonderen Zweck verfolgt, jedes Konstruktionsdetail der verschiedenen Flugzeuge zu zeigen. Hierfür ist allerdings die Anordnung bewunderungswert getroffen. So werden vollständige Flugzeuge gezeigt, die eine Seite bis zur Mittellinie des Flugzeugrumpfes überzogen, während die andere Seite unbespannt gelassen ist.

Auf diese Weise ist es möglich, auf der einen Seite einen Eindruck der allgemeinen Linien des Flugzeuges zu erhalten, während man auf der anderen Seite nach Belieben jeden Stiel, jeden Holm, jeden Draht und jedes Ausrüstungsteil studieren kann. Große Sorgfalt und Sachkenntnis zeigen sich auch in der Art und Weise, in welcher verschiedene Teile, sowie Rippen usw. aufgeschnitten worden sind, um die Prüfungen der inneren Konstruktion zu ermöglichen. So ist tatsächlich kein Teil vorhanden, von dem die Allgemein- und Detail-Konstruktion nicht sofort durch eine kurze Besichtigung klar wird. Wir beabsichtigen nicht, in diesem Artikel eine vollständige Liste der Ausstellungstypen zu geben, da sie sich von Zeit zu Zeit doch ändern, aber wir hoffen, später in der Lage zu sein, Skizzen und Beschreibungen auch von anderen Flugzeugen zu veröffentlichen.

Für den Augenblick wollen wir uns auf den „AGO" beschränken, welcher Dank der Höflichkeit des Flugministeriums von unseren Vertretern in allen Einzelheiten besichtigt werden konnte. Den ersten Eindruck, welchen man empfängt, wenn man plötzlich vor AG O - Doppeldecker steht, ist eine Mischung von Ueberraschung und Neugierde, denn der Ago hat ein auffallend ungewöhnliches Aussehen, welches in der Hauptsache durch die sehr stark verjüngten Flächen hervorgerufen wird. Diese Bauart ist abweichend von allen modernen Maschinen, und wenn man sie plötzlich bei einem deutschen Flugzeug von verhältnismäßig geringem Alter findet, — an verschiedenen Bezeichnungen gewinnt man den Eindruck, daß es jedenfalls nicht vor den ersten Monaten diese? Jahres gebaut worden ist — so ergibt sich natürlich die Frage, warum diese ungewöhnliche Konstruktion gewählt worden ist. In erster Linie ist es ohne weiteres klar, daß, was auch immer der Konstrukteur beabsichtigt hatte, er sich darauf gefaßt machen mußte, bedeutende Schwierigkeiten mit in den Kauf zu nehmen» da die Herstellung von derartig verjüngten Flächen, wie die des Ago, keineswegs vom kaufmännischen Standpunkt vorteilhaft sind, weil nämlich durch diese eine verschiedene Ausführung der Hälfte der Rippen folgt, von denen nicht zwei in einer Fläche gleich sind. Da auch die Holme am Ende der Fläche zusammen laufen, so schneiden sie die Rippen in verschiedenen Abständen, was wiederum besondere Schwierigkeiten in der Fabrikation macht. Was die Holme angeht, so verjüngen diese sich ebenfalls von der Wurzel bis zur Spitze, was noch mehr Schwierigkeiten und Verteuerung bedeutet.

Was also sind die Gründe, welche den Konstrukteur dazu geführt haben auf dem Fabrikationsgebiet ein derartiges Opfer zu bringen, um sein Ziel zu

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erreichen? Ein Rundgang um das Flugzeug liefert bald die Antwort auf diese Frage. Wenn man vor dem Flugzeug steht, so fällt einem sofort die große Spannweite des Vorderholms auf. An Stelle des gewöhnlich vorhandenen Stieles ist bei dem Ago-Flugzeug nur ein einfacher Stahldraht, welcher von dem vorderen Unterholm zu dem vorderen Oberholm führt, während alle anderen Trage- und Gegenkabel in der vorderen Verspannungsebene fehlen. (Abb. 1.) Diese Eigentümlichkeit wird wahrscheinlich die Lösung dieser besonderen Konstruktion enthalten. Indem die vordere Verspannungsebene weggelassen worden ist, ist ein bedeutend freieres Schlußfeld erzielt worden. Es kann kein Zweifel bestehen, daß dieses der Zweck gewesen ist, den der Konstrukteur im Auge hätte.

Abb. 1. A(jo=Do|>pt'l(lecker. fEngl. Durst

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Gemäß der nach hinten verlaufenden Vorderkante der Flächen sind die äußeren Stiele viel weiter zurück, als sie bei einem Flugzeug mit geraden Flächen sein würden, ebenso infolge der Verjüngung viel näher beieinander und verdecken daher das Schußfeld in geringerem Maße. Die geringe Flächentiefe am Ende der Flächen bedingt eine geringere Druckmittelpunktswanderung, daher mag die Verdrehung der Flächen geringer werden, und das Fehlen der vorderen Verspannungsebene ein weniger ernster Defekt sein, wie man im ersten Moment glaubt. Wenn wir von einem Fehlen der vorderen Verspannungsebene sprechen, so ist dies nicht ganz richtig, da, wie bereits gesagt, ein einzelner Stahldraht vom oberen zum unteren Holm geht.

Wie bekannt, trägt bei Doppeldeckern mit gleichen Ober- und Unterflächen und mit Flächenabstand gleich Flächentiefe die obere Tragfläche ungefähr 30°/0 mehr, als die untere, roh gesagt, 4/7 zu 3/7. Indem ein Drahtseil vom oberen bis zum unteren Holm gespannt wird, wird der letztere daher gezwungen, einen gewissen Anteil von der Last des oberen Holmes zu tragen und verringert so das enorme Biegungsmoment, welches bei einer freitragenden Länge von 4,1 m auftreten muß.

Soviel über die Gesamt-Konstruktion desAGO. In der Detail-Konstruktion sind ebenfalls viele interessante und ungewöhnliche Einzelheiten. Der Rumpf, welcher wie bei der Mehrzahl der deutschen Flugzeuge von sehr geräumigen Abmessungen in bezug auf die Bequemlichkeit der Insassen ist, ist mit Stoff überzogen, mit Ausnahme des Vorderteils, um den Flugzeugmotor, welcher mit Fournier bedeckt ist. Der Boden des Rumpfes ist aus Fournier vom Rumpfende bis zum Ende des Führersitzes. Von hier aus bis zur Nase des Flugzeuges ist der Boden mit Aluminiumblech beschlagen. Im Querschnitt ist der Rumpf rechteckig mit einem leicht und verhältnismäßig flach geformten Schildkrötenrücken. Dieser Rücken ist als besonderer Teil gebaut und ist abnehmbar durch saubere und sehr einfache Verbindungshaken Im Falle, daß der Rumpf stark beansprucht gewesen ist, ist es eine Kleinigkeit, den Rumpfdeckel zu entfernen und die Ver-spannung nachzuprüfen.

Die vier Rumpfholme, welche quadratischen Querschnitt haben, sind aus Fichte von dem hinteren Sitz bis zum Schwanzende, während sie im vorderen Teil aus Esche bestehen. Die Stiele sind aus Stahlrohr und die Stahldrahtver-spannung ist an den Stahlrohren in der Art und Weise befestigt, wie es auf der Abb. 3 gezeigt ist. Ein kleiner Teller, anscheinend aus dem Vollen hergestellt, hat an seinem Rande Löcher, durch welche die Verspannungsdrähte hindurchgezogen werden. Dieser Teller ist über das Ende des Stahlrohres gestteift, welches kleine Einbuchtungen an seinem Ende iür die Drahtösen hat. Der Teller mitsamt seinem Stiel ist an dem Holm durch eine Schraube befestigt, und zwar befindet sich die Mutter und die federnde Unterlagsscheibe innerhalb des Tellers. Mit Ausnahme der Tatsache, daß der Holm durch zwei Löcher sehr nahe beieinander durchbohrt ist, der horizontale und vertikale Verspannungsstiel sind nebeneinander befestigt, erscheint diese Anordnung sehr sauber und beansprucht sicherlich sehr wenig Platz.

Am vorderen Ende ist die Rumpfverspannung aus Diagonalstahlrohren hergestellt und sind keine Drähte verwendet. Der hintere Sitz ist durch den M.G. Schützen besetzt, welcher auf einem schmalen Sitze sitzt, der aus einem Rahmwerk von Stahlrohr gebaut ist, über welches Segeltuch gespannt ist. Der Sitz (Abb. 4) ist so befestigt und gefedert, daß sobald der Schütze von seinem Sitz aufsteht, der Sitz in eine vertikale Lage aufschnellt, im Falle, daß der Schütze stehend zu schießen wünscht. In horizontaler Lage ist der bitz durch ein Stahlrohr unterstützt, welches an seinem unteren Ende am Boden angelenkt ist,

Abb. 2. Ago-Doppelilecker. (Engl. Barst.)

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während das obere Ende in einer Stahlführung gleitet, welche an der unteren Seite des Sitzes angebolzt ist. Das Gewehr ist auf einem schwengbarem Arm montiert, welcher von einem drehbaren M G. Ring aus Holz getragen wird. Durch diese Anordnung kann das Gewehr in jede beliebige Richtung gebracht werden. Um eine Verletzung des Vorderteiles des Flugzeuges und des Propellers zu verhindern, ist eine Rast für das Gewehr angebracht aus zwei Rahmen, welche an die hinteren Beine des Spannturmes angeschraubt sind. Diese verhindern, daß der Gewehrlauf zu weit um den Rumpf hineingebracht werden kann.

Der Führersitz ist auf dem Hauptbenzintank, der auf dem Boden des Rumpfes ruht, befestigt. Ein Hilfsbenzintank ist in dem oberen Tragdeck links vom Spannturm eingebaut. In der entsprechenden Oeffnung in der oberen rechten Fläche befindet sich der Kühler (s. Abb. 1 u. 2), und es ist interessant festzustellen, daß das Wasser und Benzin durch das rechte und linke Bein des Spannturmes geführt ist, sodaß der zusätzliche Luftwiderstand der Leitungsrohre gespart worden ist.

Die Steuerung ist mehr oder weniger von dem gewöhnlichen deutschen Typus mit einem senkrechten Knüppel, welcher am oberen Ende in einen zweiteiligen Handgriff endigt und durch ein Universalgelenk auf einem Längsrohr befestigt ist, welches an seinem hinteren Ende die Hebel zur Befestigung der Verwindungskahel trägt. Auf dem Flugzeug waren keine Gewehre montiert, aber aus den verschiedenen Anschlußstücken ist zu ersehen, daß zwei Gewehre zu gleicher Zeit dem Motor montiert gewesen sind, mit der üblichen Unterbrecherwelle zum Schutze des Propellers.

Der große Motor, ein 230 P.S. Benz, ist aui zwei Längsholmen montiert, welche vom Rumpf aus durch drei direkte Stützen getragen werden, — am Ende eine geneigte Schölte aus Fournier, in der Mitte Stahlrohre, welche von der Verbindung der hinteren Schotte zu dem unteren Holm reichen und vorne eine weitere Schotte von Fournier, welche senkrecht steht. In Verbindung mit diesen direkten Unterstützungen ist der Motor außerdem durch Stahlrohr nach den oberen Holmen und durch Diagonalrohre von der Spitze zu den unteren Rumpfholmen verspannt.

Es ist bereits erwähnt worden, daß der Hauptbenzintank auf dem Boden des Pilotensitzes montiert ist, während der Hilfstank sich in einer Oeffnung des oberen Tragdecks befindet. Der Oeltank, der verhältnismäßig klein ist, ist unter der Motorenverkleidung auf der rechten Seite des Gehäuses eingebaut. Der Propeller, welcher bei dem besichtigten Flugzeug nicht montiert war, hat wahrscheinlich eine Propellerhaube, da diese anscheinend einen schönen Abschluß für das vordere Ende des Rumpfes, welcher an dieser Stelle einen runden Querschnitt hat, geben würde. (Siehe Abb. 5 u. 6. Die Red.).

Die Hauptflächen sind, wie bereits gesagt, vom Rumpfende bis zur Spitze in sehr auffälliger Weise verjüngt, und zwar verjüngt sich die Hinterkante der Flächen stärker wie die Vorderkante. Die sich folgenden Rippen sind von verschiedener Höhe und von verschiedener Tiefe infolge des Umstandes, daß die Holme zusätzlich zu ihrer Konvergenz von verschiedenen Höhen vom Rumpfende bis zur Spitze sind. Ob aber die Rippen sich so ändern, als ob sie ursprünglich alle dieselbe Form gehabt hätten und nur geometrisch verkleinert sind, oder ob sie sowohl in Größe als auch in Form sich ändern, hat nicht festgestellt werden können. Wenn man nach der Art der Verjüngung der Holme urteilt, so scheint es, als ob die Endrippen nicht dieselbe Form haben, wie die inneren Rippen.

Was die Konstruktion anbelangt, sind die Rippen von gewöhnlichem Doppel-T-Querschnitt mit Stegen, welche aus Pappel gemacht zu sein scheinen, und mit Gurten aus Esche. Zwischen den Holmen sind die Stege durch die üb-

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Abb. 3. Einzelteile v. Ago-Doppeldecker. Engl. Davst.1 1. Holm; 2. Rnmpfstrebenverbindung; 3. Seilschützer; 4. Vorderer unterer Holmschnitt; 5. Vorderer unterer Holm in perspektivischer Darstellung; 6. Hinterer Holmschnitt; 7 A. falscher Holm mit Verwindungsklappenteil; 7 B. Verwindungsklappenrippe; 7 C. An-lenkuug der Verveindungsklappen-Verbindungsstange.

liehen Ausschnitte erleichtert. Die Stirnkante ist aus Fichte und hat U- oder, richtiger gesagt, runden V-Querschnitt zwischen den Rippen und ist vollgelassen an den Stellen, wo die Rippen befestigt sind. Die Hinterkante ist eine dünne Latte, ungefähr 1 Zoll breit und 3/16 Zoll dick.

Die Hauptflächenholme haben eine interessante Konstruktion, ihr Querschnitt ist aus Abb. 3 ersichtlich. Die beiden Gurte sind an die dünnen Seitenstege geleimt, das Ganze in Nessel eingewickelt. Weder Nägel noch Schrauben sind verwendet, um die Stege an die Gurten zu befestigen. Man hat sich wahrscheinlich darauf verlassen, daß die Leimung und die Umkleidung von Nessel für diesen Zweck genügt. An den Punkten, wo die Rippen befestigt sind, ist ein Fourniersteg in dem Holm eingeleimt, aber dieser ist so schmal, daß, wie wir an einigen Stellen festgestellt haben, die Nägel durch die Rippengurte auch die Holmgurte durchbohrt haben und in den hohlen Holm hineinragen. Der Hinter-

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holrh, welcher von geringfügig kleineren Dimensionen als der Vorderholm ist, ist insoweit verschieden, als der obere Gurt ausgefräst ist. Sonst sind die beiden Holme gleich, auch darin, daß bei beiden der obere Gurt nicht ganz so dünn wie der untere Gurt ist. Die Holme scheinen von Fichte gebaut zu sein, wahrscheinlich Danziger Fichte.

Da wo der obere Bolzen, welcher als Befestigung für den Draht, welcher zu der oberen Drahtfläche geht, dient, befestigt ist, ist der Holm durch ein, Mittelstück von besonderer Form verstärkt. Dieses Verstärkungsstück ist in der Abb. 3 gezeigt. Es ist zu sehen, daß die Sägeschnitte am Ende dieses Distanzstückes vier sich verjüngende Enden übrig lassen, welche ausschauen wie Tragbalken, die an einem Ende eine Last tragen sollen. Diese würde in diesem Falle dargestellt sein durch die seitliche Belastung des Holmes. Ob dies aber die Absicht des Konstrukteurs ist, erscheint zweifelhaft Es ist wahrscheinlicher, daß die Form dieses Stückes das Resultat eines Versuches ist, den Holm auf eine größere Länge auf jeder Seite der Verbindung zu verstärken. Der vertikale Bolzen, der vorhin auch schon erwähnt wurde, ist nicht durch den Holm selbst gebohrt, sondern durch ein zusetzendes Verstärkungsstück, welches an der Vorderseite des Holmes angeleimt ist. Zwei horizontale Bolzen durch den Holm, welche die Druckstrebe für die innere Flächenverspannung halten, sind die einzige Verbindung außer dem Leim für dieses senkrechte Verstärkungsstück mit dem Holm selbst. Es ist klar, daß ein Zug an dem zwischen den Flächen befindlichen Draht den Holm verdrehen will, da der Draht so weit pußerhalb der vertikalen neutralen Achse angreift.

Die äußeren Flächenstiele sind ovale Stahlrohre, die durch ein Diagonalstahlrohr in der Art und Weise, wie es die Abb. 1 zeigt, verschweißt sind Zu-

Abb. 4. Einzelteile v. Ago-Doppeldecker. (Engl. Davst,) 1. Beobachtersitz; 2. Spanntnrm; 3. Kabelanschluß; 4. der in oberen Fläche eingebaute

Fallbenzintank.

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sätzlich zu dem Diagonalstahlrohr ist ein Draht eingezogen, welcher in der entgegengesetzten Richtung diagonal verläuft, vermutlich damit die geschweißten Enden der Stiele keine Beanspruchungen bei Veränderung der Last, welche durch die Wanderung des Druckmittelpunktes hervorgerufen wird, etfahren.

Die Verwindungsklappe, welche an ihrem äußeren Ende einen geringfügig kleineren Anstellwinkel hat, als an ihrem inneren Ende, ist an einem falschen

Abli. !i. Ago-DcppeUleeker.

Abb. 6. Agn-Doppelcleeker.

Alili, (i. Ago- Doppeldecker.

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Holm in geringer Entfernung vom Hauptholm befestigt. Der Querschnitt dieses Hilfsholmes ist in der Abb. 3 gezeichnet. Die Vorderkante der Verwindungs-klappe besteht aus einem Stahlrohr, welches in einem gewissen Abstand von einer Schale von Fournier umgeben ist Ihr Zweck ist offenbar, dem vorderen Ende der Verwindungsklappe die notwendige Dicke zu geben, ohne das Gewicht eines stärkeren Stahlrohres mit in den Kauf nehmen zu müssen Die Methode, die Rippen an diesem Stahlrohr zu befestigen, ist ebenfalls aus Abb. 3 ersichtlich. Ein kurzer dünner Streifen Stahlrohr ist um das Stahlrohr gebogen. Seine beiden hervorragenden Enden schauen nach hinten und sind in einer Nute in der Rippe eingepaßt. Der Stahlstreifen ist an das Stahlrohr gelötet und vermutlich auch verstiftet, trotzdem dies nicht festgestellt werden konnte Halbwegs zwischen den folgenden Rippen sind kleine Distanzstückchen an das Fournier angenagelt, um dessen Form zu erhalten. Die freien Enden stützen sich auf die Oberfläche des Stahlrohres. Eine andere Zeichnung (Abb. 3 [?]) zeigt das Stahlrohr, an welches die Verbindungsstrebe der Verwindungsklappert befestigt ist. Der Hebel der oberen Verwindungsklappe ist eine etwas schwierige Konstruktion und hat eine Verlängerung, welche über dem Hilfsholm gebogen ist und in eine Oeffnung zwischen die Rippen hineintaugt. An diesem Arm ist eines der Verwindungsseile befestigt, welches über eine Rolle am unteren Holm und weiter in der unteren Fläche zum Hebel des horizontalen Rohres der Steuerung verläuft. In der Draufsicht ist der Vei binJungshebel gebogen und läuft durch eine Rippe. Die Schelle, welche ihn an der Verbindungsstange befestigt, ist dieselbe, wie die in der unteren Klappe (siehe Skizze). Von diesem Verwindungshebel läuft ein Verwindungsseil über eine Rolle in denselben Kasten wie das erste in das untere Tragdeck zur Steuerung. Derart wird das Heben sowohl als das Senken der Querruder direkt unzwangläufig betätigt.

Die Stahlrohrvorderkante der Querruder wird durch ein kleines Lager am inneren Ende und durch zwei Stahlschellen, die über das Rohr gebogen sind und in einem gewissen Abstand von einander am Hilfsholm verbolzt sind, gehalten. So ist jedes Querruder dreifach gelagert. Das äußere Ende des Querruders trägt frei. Etwas, was einem sofort auffällt, wennn man die Querruder von Ago betrachtet, ist daß »der Querruderhebel sehr nahe am inneren Ende des Ruders sich befindet, ein Umstand, der verhältnismäßig große Verdrehungpkräfte auf das Ruder kommen läßt.

Die Schwanzilächen sind von derselben Konstruktionsart wie die Haupttragflächen und sind dieselbe Art von Kastenholmen verwendet. Die Dämpfungsfläche ist mit der Rumpfoberfläche ausgeglichen worden, indem die Rumpfholme gesenkt worden sind, ähnlich etwa wie bei den alten Deperdussin-Eindeckern.

Eine Schelle befestigt den Vorderholm der Dämpfungsfläche an den Rumpfholm, während der hintere Holm mittelst einer anderen Schelle befestigt ist, welche gestattet, allerdings nicht während des Fluges, den Anstellungswinkel der Dämpfungsfläche zu verändern.

Die Kielfläche aus Stahlrohr ist auf der Dämpfungsfläche montiert und bewegt sich mit dieser. Es ist daher keine große Verstellungsmöglichkeit für die Dämpfungsfläche gegeben, da bereits eine kleine Bewegung des Hinterholmes das Seitensteuer an den Ausschnitt der Kielfläche stoßen läßt. (S. Bild).

Das Seitenruder, welches ebenfalls aus Stahlrohr gebaut worden ist, hat keine Befestigung Uber dem Schwanzende des Rumpfes. Der Erfolg ist, daß das Seitensteuer sehr stark überhängt und nicht zu stark für seine Belastung aussieht. Das Fahrgestell hat V-Form und ist aus Stahlrohr mit Windabfluß aus Holz gebaut. Die Achse ist mit Gummischnur in das Knie des Fahrgestells aufgehängt und in einem Windabfluß aus Aluminium eingeschlossen. Der untere

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Teil dieses Windabflusses ist an der falschen Achse befestigt, während der obere Teil über die Achse hinaushängt und sich gemäß der Bewegungen der Achse auf und ab bewegen kann. Der gedrungene hölzerne Schwanzsporn, der mit Gummischnur im Inneren des Rumpfes abgefedert ist, trägt an seinem unteren Ende einen flachen Stahlteller.

Aus der Kinderstube des amerikanischen Luftheeres.

Amerikanische Schriftsieller bedauern es jetzt sehr, daß das Land der Gebr. Wright in Friedenszeiten so wenig Interesse für das Flugwesen gehabt hat. Wenn es so wie in Frankreich und Deutschland gewesen wäre, so meinen sie, dann hätte man nach der Kriegserklärung gleich so und soviel — natürlich — Tausende von Fliegern mit entsprechendem Maierial nach Europa schicken können.

Tatsache ist jedenfalls, daß sich das Flugwesen drüben nur kurze Zeit allgemeiner Gunst erfreuen durfte und dann in die Reihe der kostspieligen Sportvergnügen, die sich nur reiche Leute leisten können, abgetan wurde. Einige Rundtlüge wurden, ohne die Massen zu begeistern, abgehalten, Schulen gegründet, ohne Schüler zu bekommen, Flugzeugfabriken ohne Aufträge. Die Teilnahm-losigkeit der Allgemeinheit war so groß, daß bis in die letzte Zeit hinein der Sprachschatz der Mehrheit der Amerikaner nur einen einzigen Ausdruck für alle Arten von Luftfahrzeugen kannte: Airship! Ballone, Luftschiffe, Flugzeuge — alles hieß Luftschiff.

Allerdings wurde 1910 eine Heeresfliegerabteilung gegründet und zwei oder drei Doppeldecker sollen damals an einer Expedition gegen mexikanische Aufrührer teilgenommen haben. Pershing, damals Oberst, nahm bei seinem Streifzug nach Mexiko zwei Fluggeschwader mit. Bei Kriegsausbruch sollen etwa 50 Flieger und 100 Maschinen für Heereszwecke zur Verfügung haben stehen können.

Inzwischen ist natürlich die Entwicklung etwas lebhafter vor sich gegangen und wir erfahren aus dem Scientific American etwas über die Flugtätigkeit auf drei Flugplätzen, das uns dies bestätigt. So sind in einer Juli-Woche 1917 in der Flugschule Mineota 539 Flüge von insgesamt 222 Stunden, San Diego 58ä Flüge von insgesamt 265 Stunden ausgeführt worden; kleinere Zahlen werden vom Flugplatz Kelly in San-Antonia (Texas) berichtet.

Ueber die Art der amerikanischen Flieger-Erziehung wird einiges in der französischen Zeitschrift „La Nature" berichtet; demnach sind die Fliegerschulen in drei Arten eingeteilt: 1. Die Schulen vom „general training", wo die Schüler die erste elementare Ausbildung erhalten. Streng verboten ist es sowohl ihnen wie ihren Lehrern, akrobatische Kunststücke in der Luft zu machen. Haben die Schüler gelernt, ein Flugzeug zu führen, so erhalten sie ihr Zeugnis und gehen 2. in eine andere Schule über, wo ihnen nach dem amerikanischen Ausdruck ein „finishing off" zu teil wird; dort sollen sie Luftschleifen, Korkzieherflüge Kurven auf der Flügelspitze und andere akrobatische Kunsstücke, die allerdings in der heutigen Lufttaktik zuweilen eine Rolle gespielt haben, lernen. Auch bringt man ihnen dort gleichzeitig die Bedienung des Maschinengewehrs, den Bombenwurf, die Lichtbildnerei und ähnliche Sachen bei Eine dritte Art von Schulen, die „advanced aviation schools" sollen ihnen dann den letzten Schliff geben, sodaß sie als vollendete tind geprüfte Lufthelden auf das arme Deutschland losgelassen werdenkönnen. In diesen Luftakademieen nämlich „sucht man die Verhältnisse: des Luftkampfes herzustellen*.

In der ersten Schule beginnen die Schüler mit dem Auseinandernehmen und Wiederzusammensetzen von Motoren, wobei ihnen die Wirkungsweise der

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einzelnen Teile erklärt wird. Dann kommen sie in die Reparatur-Werkstätte, um einen Begriff von der Adjustierung der Motoren zu bekommen; sie sollen nicht den Montör ersetzen lernen, sondern nur irr den Stand gesetzt werden, später zu beurteilen, ob auszuführende Reparaturen sachgemäß erledigt worden sind, um so die Wahrscheinlichheit unvorhergesehener Unfälle auf ein Mindestmaß zu beschränken. Dann werden sie mit Reparaturen der übrigen Teile des Flugzeugs vertraut gemacht, z. B. der Steuerteile, Tragflächen usw.

Das Grundgesetz dieser Schulen lautet, so heißt es: PSafety first!" Und bei dieser Gelegenheit leistet sich unser Gewährsmann einen Seitenhieb auf die französischen Zustände. „Man bemüht sich also", sagt er, „solche sinnlosen und verbrecherischen Unfälle zu vermeiden, wie sie auf gewissen europäischen Flugfeldern so häufig sind, wo die Schüler auf Maschinen übler Verfassung gleichzeitig mit dem Fliegen den Selbstmord lernen". In Amerika hat jedes Flugzeug seinen Verantwortlichen, der jede Woche dem Haupt-Inspektor «in Schriftstück überreicht, in dem er seine Beobachtungen über den Zustand jedes der zahlreichen Einzelorgane der Maschine niedergelegt hat. „Die kleinste Schraube, das kleinste Drahtendchen ist hierin erwähnt" Derartige Bestimmungen gibt es natürlich überall, sie liegen auf der Hand. Ganz abgesehen aber von der Frage, ob sie sich in der Praxis mit peinlicher Schärfe durchführen lassen, sind und bleiben sie doch immer äußerliche Maßnahmen, solange man nicht die Maschine jedesmal nach einer harten Landung auseinander nimmt und die Einzelteile Belastungsproben unterwirft.

Explosion einer Phosphorbombe, wie sie zum Angriff auf Fesselballone von den Fliegern verwandt wird.

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Dasselbe sorgliche Bestreben, Unfälle zu vermeiden, findet sich auch bei der Abnahme neuer Maschinen, die zunächst einmal vollständig auseinandergenommen und in ihren Einzelteilen peinlich untersucht werden. Der kleinste Fehler hat Rücksendung an die Fabrik zur Folge.

Der erste praktische Unterricht wird auf Curtiss-Maschinen mit Doppel-Steuerung erteilt. Der Schüler sitzt vor dem Lehrer. Die Ausbildung, die sich nur auf Flüge in geringer Höhe und auf Landungen erstreckt, muß eine Gesamtflugzeit von mindestens 15 Stunden, das Rollen auf dem Boden abgerechnet, mrifassen; dann erst kommt der Schüler in die Klasse der „Solisten", d. h. er darf nun allein fliegen. Nach mindestens fünf Flugstunden efhält er das Zeugnis eines „Heeres-Flugzeugführers der Reserve" und darf nun in die nächsthöhere Schule übergehen. Ueber die weitere Forlbildung ist näheres nicht angegeben. Nur auf einen kleinen Dreidecker von Spad-Qröße „Bijou Curtiss" wird geheimnisvoll hingewiesen, der 3000 m in zehn Minuten steigen und Geschwindigkeiten zwischen 75 und 200 km besitzen soll.

Dann werden zwecks Stimmungsmache einige Zahlen angeführt, über die : ■ Laie staunen soll. So z. B. wird von 100000 Arbeitern erzählt, die die .\-::onal Cash Register Co. in Dayton und Henry Ford zusammen haben, und dzä beide Firmen bereits ihre Vorbereitungen zum Motorenbau1) getroffen hätten. Eine Firma in Detroit habe sich zur täglichen Lieferung von 1000 Paar Flügeln

Von deutschem Flugzeug in Brand geschossener abstürzender Fesselballon. *' Tgl. Flugsport 1918, Nr. 3, Amerikanischer Jahrmarktsrummel.

Vom "i.nl-rtiriii I-'hiif/fii- in (»miiil (p^rhim-a-iUT »bftlUrxrtHl^r I-Vh-k'HkUIoii. V'lfl. rir-j^jM.rl l'.'l-, . \iii'iik:iiii^r|)iT .).iliiiii¿iikl^riiiiiiiii-l

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verpflichtet. Da diese Zahlen und ferner die Aufzählung der drei oder vier Amerikaner, die sich als Flieger einen Namen gemacht haben, noch nicht genügen, um den beabsichtigten Rauschzustand herbeizuführen, wird noch H. Q. Wells, dessen Massenträume vielleicht noch mal Wirklichkeit werden, mit einer unfehlbaren Prognose aus der Daily Mail zitiert: „Das furchtbare Streiten wird in einer Luftschlacht von ungeheurer Ausdehnung sein Ende finden; der Sieg wird derjenigen Partei zufallen, die 10000 Flugzeuge in die Schlachtfront bringen kann. Unter den Eigenschaften, die für einen tüchtigen Flieger unerläßlich sind, herrscht die Frage des Alters vor: Es muß zwischen 18 und 20 Jahren liegen. Und es dürfte für die Zentralmächte unmöglich sein, 10000 Männer, die diesem Erfordernis entsprechen und die für einen Flieger nötigen Kräfte des Körpers und des Geistes besitzen, zusammenzubringen, während die Entente dank der amerikanischen Unterstützung, zwei- bis dreimal so viel liefern kann". Mit derartigen Redensarten hat man sich bei der Entente vor vermeintlich bevorstehenden .letzten Entscheidungen" stets noch Mut zu machen versucht; sie ist von der Unterschätzung unserer Kräfte eben einfach nicht zu kurieren. Mancher lernts nie.

Flugzeuglacke und ihre Anwendung.*)

Vor 6—7 Jahren etwa wurden in Deutschland die ersten Flugzeug-Bespannungen imprägniert; man ölte oder firnißte den Baumwoll- oder Seidenstoff oder verwendete Ballonstoff, also gummierten Baumwollstoff. Sehr befriedigend waren die Ergebnisse nicht; es war schwierig die Bespannung mit den genannten Mitteln straff zu bekommen und außerdem litt sie bei diesen Methoden unter den Benzin- und Oelspritzern des Motors. Die heutigen Mittel der Lackierung ohne die die hohen Leistungen der Flugzeuge undenkbar wären, sind noch verhältnismäßig jung.

Stoffe: Bevor wir auf die Imprägnierung näher eingehen, sei ein kurzer Ueberblick auf die anwendbaren Bespannungsstoffe geworfen, denn die Brauchbarkeit des Lacks hängt wesentlich von dem verwendeten Gewebe ab und von der Behandlung, die das Gewebe vor Aufbringen des Lackes erfährt. Am meisten wird gegenwärtig Leinewand bevorzugt; sie ist fest, dicht und reißt nicht so leicht auf. Außerdem kommen besonders gewebte Baumwollstoffe auf den Markt. Deren Hauptnachteil besteht darin, daß sie verhältnismäßig leicht aufreißen ; auch nehmen sie den Lack nicht so gut an wie Leinewand. Jedoch wird sich im Laufe der Zeit eine Lackart finden lassen, die diesen Nachteil behebt. Das Gewicht der Leinewand beträgt zwischen 120 und 160 gr. pro qm und die Reißfestigkeit 1100 bis 1800 kg pro m je nach dem Stoff gewicht. Für Baumwolle sind die entsprechenden Zahlen 50 bis 140 gr. pro qm und 450 -1400 kg pro m. Als Regel gilt, nur solche Stoffe zu verwenden, die in Schuß und Kette gleich fest sind.

. Das Verfahren der Aufspannung ist so allgemein bekannt, daß man nicht näher darauf einzugehen braucht. Jedenfalls wird der Stoff erst auf das Trag-flächen-Qerippe aufgebracht und dann erst einige Male mit dem Lack behandelt, dessen Hauptzweck es ist, den Stoff dicht zu machen und ihm eine glatte, straffe Oberfläche zu geben, die sowohl Witterungseinflüssen wie Benzin und Oel widersteht. Die Lackierurg erhöht die Reißfestigkeit um 10—60 »/o je nach Art des Stoffes und der Spannung, die er vor dem Lackieren erhalten hat. Näheres hierüber weiter unten,

Unentflatnmbarkeit des Lacks: Die gegenwärtig verwendeten Lacke lassen sich in 2 Gruppen teilen. 1) In solche, die aus Ce 11 ul os en i tra t oder

*) Naeii ausüiiKlisrheu Quellen.

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Pyroxylin und 2.) in solche, die aus Celluloseacetat hergestellt werden. In beiden Fällen wird die Base in einer geeigneten Lösung gelöst Zuweilen werden Chemikalien hinzugefügt, die die Schmiegsamkeit des Stoffes erhöhen oder das Einlaufen des Stoffes ändern, die also eine ähnliche Bestimmung haben wie der Kampher in Celluloid. Der wesentliche Unterschied zwischen Cellulose-Azetat und Cellulose-Nitrat besteht in der Unentflammbarkeit des letzteren, dessen Herstellungskosten dafür etwas größer sind. Man hat diesbezüglich einen Ausweg gefunden, indem man zunächst drei Pyroxylin-Aufstriche und dann erst zwei oder drei Azetat-Aufstriche vornimmt, wodurch man ebenfalls eine feuer beständige Fläche erzielt. Wie Versuche gezeigt haben, wird bei Azetat-Lack-Verwencung der Stoff nicht eher vom Feuer ergriffen, als bis der Aufstrich in der Hitze geschmolzen oder wegggekohlt ist; bei Pyroxylin-Verwendung steht plötzlich der ganze Aufstrich in Flammen und das Feuer greift umgehend auf den Stoff über. Noch lehrreicher ist der Versuch mit Benzintropfen, die man auf zwei verschieden imprägnierte Stoffstückchen aufbringt; auf Acetat-Lack brennen sie nieder, ohne daß das Gewebe irgendwie verletzt wird; auf Pyroxylin Lack dagegen fängt sofort der ganze Aufstrich Feuer, das auch auf das Gewebe übergreift. Inbezug auf Feuerbeständigkeit ist daher der Azetat-Lack viel geeigneter.

An Lackierungsarten gibt es eine ganze Reihe von Methoden. Manche Beriebe ziehen vor, das Gewebe so stramm wie möglich auf den Rahmen zu ziehen, worauf sie dann einen Lack von nur geringem Schrumpfungs-Vermögen verwenden; andere, die sich der Spannfähigkeit des Lacks bedienen, spannen das Gewebe weniger straff; noch andere schlagen Mittelwege ein. Diese Verschiedenartigkeit der Verfahren hat ihren Grund darin, daß man der Lackierung bisher wenigwissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Eigenschaften einer guten Tragdeck-Fläche: Hingegen herrscht Uebereinstlmmung in den Ansichten darüber, wie eine gute Tragdeck-Fläche nach dem Trocknen beschaffen sein muß.

Zunächst muß sie na- WKKEI^K^^^^^^K5lk**r*i.

türlich glatt sein. Ein Maß hierfür bietet der Luftwiderstand im Prüfkanal. Versuche haben ergeben, daß im Vergleich mit ebenem Glas als Maßeinheit lackierte oder gefirnißte Flächen einen

Widerstandswert von nicht über 1,2 besitzen; solche Stoffarten wie Drahtgewebe oder gesengte Baumwolle haben einen Wert von 1,35 bis 1,70, ungesengte Baumwolle noch höher. Was den Einfluß auf die Geschwindigkeit anbelangt, so ändert sich für sehr

~! u. m- u ■ Neueste Anfnahme des Rittm. Frhr. v. lliehthofen Kreise der

glatte Flachen wie Glas Offeiere seiner .lasdstaffel.

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und lackierte Flügel die Flächenreibung mit der 1,8 bis 1,85. Potenz der Geschwindigkeit Im allgemeinen ist der Exponent um so höher, je rauher die Fläche ist, und erreicht den Wert 2 bei Flächen mit Behaarung.')

Die nächste Eigenschaft, die eine gute Fläche besitzen muß, ist die, daß der Lack gut am Sioff haftet. Der Grund hierfür ist klar: Reißt die Fläche aus irgend einer Veranlassung, so darf sich der Riß nicht derart auf die Lackierung übertragen, daß diese sich abschält. Ferner muß die Fläche straff, wasserdicht und benzin- und ölbeständig sein. Die Notwendigkeit dieser Eigenschaften bedarf keiner Erläuterung, man braucht nur an ein Flugzeug im Regen zu denken oder sich vorzustellen, welche Mengen von Benzin und Oel im Betriebe häufig auf die Decks gespritzt werden.

Wie bemerkt, muß die Fläche straff sein, d. h, sie darf keine Dallen bilden; andererseits aber ist es wünschenswert, daß die Tragfläche zu einem gewissen Grade unter der Belastung nachgibt. In diesem Fall nämlich werden die auftretenden Spannungen verringert, während eine unnachgiebige Fläche eher bricht. Versuche in England1) haben gezeigt, daß man eine Vorstellung von der Nachgiebigkeit gewinnt, wenn man ein Stück des zu untersuchenden Materials von bestimmter Größe unter zunehmender Belastung mißt und die Dehnungskurve aufzeichnet. Aus ihr geht der Arbeitsaufwand hervor, der notwendig ist, um das Material zu Bruch zu bringen. Im allgemeinen war die Streckung der etwa 305 mm langen und 25,4 mm breiten Streifen bis zu einer Belastung mit etwa 9 kg bei nicht imprägnierten Geweben größer als bei imprägnierten. Anscheinend ist bei den rohen Geweben ein gewisser Spielraum vorhanden, der zunächst unter leichter Belastung aufgezehrt wird; sobald dies geschehen ist, geht die Streckung langsam vor sich. Ferner fand man, daß Leinewand, die ohne Spannung mit Lack behandelt war, eine viel größere Dehnung zeigte, als gespannt lackierte; in einigen Fällen erforderte es 2,5 mal so viel Arbeit, ohne Spannung lackierte Leinewand zum Reißen zu bringen, als denselben Stoff ohne Aufstrich. Andrerseits war der Arbeitsaufwand, der zum Reißen eines unter Spannung lackierten Leinenstückes erforderlich war, ungefähr derselbe, wie für rohes Leinen ohne Lackierung, und trotzdem schien das lackierte Leinen eine höhere Zugfestigkeit zu besitzen. Mit anderen Worten: Unlackiertes und unter Spannung lackiertes Leinen haben ungefähr denselben Gütegrad, aber ohne Spannung lackiertes Leinen hat einen 2,5fachen Gütegrad. Wie oben bemerkt, wird das Gewebe vor der Lackierung gewöhnlich etwas gestreckt, wobei der Grad der Streckung in den verschiedenen Betrieben verschieden ist; nach Vorstehendem empfiehlt es sich, das Gewebe so wenig wie möglich zu strecken, denn eine größere Dehnbarkeit vermag die von einem heftigen Windstoße hervorgerufenen Beanspruchungen zu mildern und, wenn die Beanspruchung nicht zu groß ist, die Fläche vor Verletzungen zu bewahren. __ (Schluß folgt.)

') Gibbons stellt allerdings in den Berichten'des Advisory Committee von 1910, S. 178 u. ff. Ausnahmen fest; bei dieser Gelegenheit zeigt er, daß die Widerstands-Dlfferenz zwischen einem >>icht imprägnierten Gewebe, wie ungesengter Baumwolle, und ebenem Glas

■63 gr/qni bei 31,3 m sekundlicher Geschwindigkeit beträgt; in großen Maschinen kann sich daraus eine Stirnwideistandszunalime von 8 kg ergeben, was einer Auftriebsverminderung

woii 70—80 kg gleichkommt.

*) Gibbons u. Smith in den Berichten des Advisory Committee für 1916, S. 143, 154 u. ff.

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FürWerksrarru.Flugpiarz

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion).

(Nachdruck verboten.)

Das Biegen von Sperrholzplatten. Lieber die richtige Bearbeitung von Sperrholzplatten, wenn dieselben mit einer Wölbung versehen werden sollen, herrscht noch vielfach Unklarheit, obwohl die Verwendung von Sperrholz immer mehr und mehr in Gebrauch kommt. Zunächst muß immer unterschieden werden: Sperrholz und Furnier.

Furnier ist ein ganz dünnes Holzblatt, das in einer Stärke von 0,3 bis 1 mm in der Weise hergestellt wird, daß gut gewachsene HoUstämme - Birke, Erle, Buche, sowie härtere Hölzer bis zur Esche — in ihrer Längsrichtung in breiten Hobelanlagen maschinell abgeschält werden. Hierbei laufen die in ihrer Längsrichtung eingespannten, etwa 2 m langen Holzstämme langsam um ihre Längsachse herum gegen ebenso breite Hobelschärfen, wobei sich in gewünschter Stärke das dünne Holzblatt abschält. Es ist leicht erklärlich, daß bei ungleichmäßig gewachsenem Holz oft Beschädigungen der Platten vorkommen, indem sie während des Abschälens reißen oder brechen. Leimt man mehrere solcher dünner Holzplatten, die im allgemeinen in Stücken von X 2 m geschnitten werden auf einander, und zwar in der Art, daß sich die Fasern d^r einzelnen Holzplatten diametral Uberdecken, so entsteht das sogenannte Sperrholz. Es ist hierbei erforderlich, daß die auf einander geleimten Platten gepreßt werden, damit eine innige Verbindung der ganzen Leimflächen entsteht, da ungeleimte Stellen zwischen den einzelnen Blättern von außen nicht festzustellen sind und die Kraft des Sperrholzes wesentlich schwächen. Je nachdem wie viele von den dUnnen Holzplatten auf einander geleimt werden, spricht man von 3- oder 5 fach verleimtem Sperrholz, ja bei größeren Sperrholzstärken werden oft noch mehr Platten über einander geleimt, je nachdem wie stark die Platten an sich gehalten werden. Das dünnste Sperrholz hat eine Siärke von 1 mm und ist 3fach verleimt. Infolge des kreuzweisen Verlaufs der Holzfasern innerhalb des Sperrholz-Verbandes, wird erreicht, daß das Sperrholz einerseits nicht ausreißen oder brechen kann und andererseits sich nicht verzieht. Das 1 mm starke Sperrholz läßt sich sehr leicht biegen und sogar zu ziemlich kleinen Röhren verarbeiten Aber schon das 3 fach verleimte 2 mm starke Sperrholz widerstrebt Biegungen sehr stark. Die immer um '/« mm zunehmenden weiteren Sperrholzstärken wachsen in ihrer Festigkeit sehr schnell, sodaß schon 4 mm Sperrholz sich überhaupt nicht mehr frei biegen läßt, sondern mit besonderen Vorrichtungen gebogen werden muß. Es liegt in der Natur des Sperrholzes, daß es sich nicht einmal in einer Ebene ohne weiteres biegen läßt, da die auf einander geleimten Holzplatten immer ihre alte Spannung beibehalten wollen. Schon bei geri iger Durchbiegung treten daher starke Kräfte auf, die sich dadurch bemerkbar machen, daß das Sperrholz, wenn es mit zu kleinen Schrauben angeschraubt ist, diese herausreißt oder, falls es über .3 Streben gebogen ist, die mittlere Strebe einzudrücken versucht. Es ist daher ratsam, schon bei 2'/a—3 mm starkem Sperrholz, das entweder in einer oder in beiden Richtungen gewölbt aufgebracht werden soll, sobald es sich um beträchtliche Wölbungen handelt, vorzubiegen. Um dies zu bewerkstelligen, muß ein dem mit Sperrholz zu verkleidenden Körper, z. B. die vordere Rundung einer Karosserie oder etwa eine Rumpfdecke, auf der sich noch eine Kopfentwirbelung befindet, gleich geformtes Modell aus Holz hergestellt werden. Ueber dies wird nun das Sperrholz gelegt, leicht befeuchtet und ein wenig mit der Lötflamme angewärmt. Von der Mitte nach den beiden Seiten hin gleichmäßig fortschreitend werden nun etwa 5 cm breite und 4-5 mm starke biegsame Holzplatten mit Schraubenzwingen über das Sperrholz gelegt und auf das Modell aufgepreßt. Um ein Verrutschen der Holzleisten zu verhindern, können sie mit dünnen Nägeln angeheftet werden. Bei der Herstellung des Modells durch den Modell-Tischler ist besonders darauf zu achten, daß Uberall die Möglichkeit gegeben ist, Schraubenzwingen anzulegen, d. h. das Modell darf

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nicht eine zu große Rolle besitzen Durch langarmige Schraubenzwingen kann man auch die in der Mitte des Modells liegenden Punkte einspannen. Ueber das ganze Modell hinweg wird eine Holzleiste neben der anderen gelegt, bis das ganze Sperrholz, soweit es gebogen werden soll, von ihnen verdeckt ist. Es ist leicht erklärlich, daß sich konkave Biegungen leichter herstellen lassen als konvexe. Man wird daher für konvex zu wölbende Sperrholzplatten praktischer Negativ-Modelle anfertigen. Eine Verbindung von konvexen und konkaven Wölbungen nebeneinander kommt im Flugzeugbau sehr selten vor und man tut gut daran, jede Wölbung für sich herzustellen und dann an einander zu setzen.

Die Aneinandersetzung kann entweder stumpf erfolgen, indem die beiden Ränder der Sperrholzplatten auf eine Leiste aufgeleimt und aufgeschraubt werden Durch nachträgliches Abreiben mit Glaspapier wird die Stoßfuge, zumal, wenn noch ein Anstrich darüber kommt, völlig unsichtbar. Soll aber das Sperrholz Kräfte und Spannung übertragen, so ist ein stumpfes Stoßen unangebracht und man muß die beiden Platten „schiften". Dies erfolgt in der Weise, daß man die Ränder der beiden Sperrholzplatten flachschräg anschneidet und mit den beiden Schrägungen, die 15—20 mm lang sein müssen, über einander leimt und unter Druck trocknen läßt. Bei sorglältiger Ausführung läßt sich hierdurch eine außerordentlich spannungsstarke Verschalung herstellen und sie bietet einen völligen Ersatz für die früher bevorzugten Furnier-Arbeiten, bei denen am Flugzeugrumpf selbst meist über eingelegte Schablonen die Furnierplatten aufgewickelt und über einander geleimt wurden. Da aber einmal hierzu viel mehr Schablonen notwendig sind und die Herstellung mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wenn man das fertige Sperrholz auflegt, erweist sich also eine Sperrholz-Verschalung als billiger und einfacher. Allerdings kann sie nur bis zu einer beschränkten Wölbung zugelassen werden, da selbst vorgebogenes Sperrholz, wenn es den Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, wieder zu arbeiten anfängt und sich gerade zu strecken versucht. Sind die Ränder der gewölbten Sperrholzplatten gut aufgeleimt und mit hinreichend langen Schrauben befestigt, so übt die sich zu strecken versuchende Platte auf die Wölbungs-Unterlage Druckwirkungen aus, von denen man sich nicht so leicht eine Vorstellung machen kann. Selbst ziemlich kräftige Streben werden von ihnen durchgedrückt, sodaß sich die Wölbung verflacht, wodurch Ungleichmäßigkeiten im Wölbungsverlauf der öperrholzverschalung ergeben. Es ist deshalb auf eine genügende Verstrebung besonders Rücksicht zu nehmen, da nachträgliche Einbuchtungen im Sperrholz, wenn es einmal am Rumpf angebracht ist, nur schwer wieder wegzubringen sind. Man kann dies einerseits dadurch erreichen, daß man mit der Lötlampe vorwärmt und dann von innen mit Schablonen herausdrückt oder aber direkt mit heißen Eisen ausbügelt.

Handelt es sich um geschlossene rotationskörperartige Rümpfe wie z. B. der des französischen Deperdussin-Monocoque, so kommt nur mehrfach über einander geleimtes und in seinen einzelnen Lagen auf den Rumpf aufgetragenes Furnier in Betracht. Hierbei muß aber anf ein sehr gutes Auftragen des Leimes besondere Sorgfalt verwendet werden, da sich sonst die dünnen Holzplatten blähen und Stellen von ungenügender Sicherheit ergeben. Um solche Schalenrümpfe vor Witterungseinflüssen zu schützen, werden sie meist noch mit verleimten Leinenbändern umwickelt, was dem ganzen Gefüge eine außerordentliche Widerstandskraft verleiht. Auch fertig aufgetragene Sperrholzplatten neigen sehr zum Blähen infolge von Witterungseinflüssen, weshalb man nicht zu sparsam mit dem Unterlegen durch hochkant gestellte dünne Leisten, die zur Verminderung des Gewichtes aus Weidenholz hergestellt werden können, sein soll. Ueber die richtige Anbringung dieser Leisten-Unterlagen lassen sich kaum nähere Angaben machen, sie hängen von der Stärke der Wölbungen und von der Dicke der Sperrholzplatten ab. Man soll aber bei dünnem Sperrholz bis zu 3 mm Stärke mindestens alle 25 cm, bei stärkerem Sperrholz etwa alle 30—35 cm eine Verstärkungsleiste anordnen.

Dadurch, daß beim Biegen von Sperrholz die Poren der außen liegenden Furnierhaut etwas aus einander gezogen werden, entsteht ja einerseits eine größere Rauhheit der Oberfläche als auch eine größere Empfindlichkeit gegen Witterungseinflüsse. Ehe daher solche Stellen angestrichen werden, sind sie sorgfältig mit Glaspapier abzureiben und zu glätten, bevor man mit dem mehr= maligen Ueberstreichen beginnt. Infolge der Bearbeitung mit Glaspapier verschwinden dann alle Stöße und Schiftungen im Sperrholz und geben der aus mehreren Stücken zusammengesetzten Verschalung das Aussehen einer einheitlichen nahtlosen Hülle.

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Ein neues Leichtmetall. Eine neue Alumimumlegierung wurde unter dem Namen „Acieral" von Nordamerika her in den Handel gebracht. Es soll sich durch besondere Leichtigkeit und Widerstandsfähigkeit auszeichnen, darum für den Bau von Flugzeugen, Automobilen, Militärausrüstungen und Eisenbahnwagen eine große Zukunft haben. Das neue Hilfsmetall ist silberweiß und enthält 92 — 97% Aluminium. Sein spezifisches Gewicht ist 282, sein Schmelzpunkt 740 Grad Celsius. Die Fabrikantin, die Acieral & Co. of New York, soll bereits täglich 10 Tonnen des neuen Materials herstellen können.

Mugtecbnifibe (Rundfcljau.

wurde verliehen: Vzfw. u. Flgzf. Fritz Würdemann von einer

am weiß-schwarzen Bande erverdienstvollen Fokker-Mitglied der technischen

Inland.

Das Eiserne Kreuz I. Kl. Willy Eiler, Uffz. u. Flgzf. Fliegera'iteilung im Westen.

Das Eiserne Kreuz H. Kl.

hielten: A. H. G. Fokker, Direktor der bekannten Flugzeug-Werke, Schwerin; ferner Heinrich Oelerich Direktion der deutschen Flugzeugwerke Leipzig-Lindenthal.

Den Heldentod fürs Vaterland fanden: Flieger Obltn. Walter Th ie m an n > k. u. k. Flieger Obltn. d. R. Karl Bahr, Fliegerltn. Julius Hausmann, Ltn. u. Flugzeugbe..b. Georg Koch. Flgzf. Willy Renbelt, Flgzf. Vzfw. Max Krauß im Luttkampf, Flgzgf. Peter Euler anläßlich eines Ueberlandfluges.

Ein besonderes Abzeichen für Fliegerschützen. Für Fliegerschützen ist vom Kaiser ein besonderesAbzeichen angeordnet worden. Es besteht aus Silber und wird an dem Rock auf der linken Brustmitte mit einer Nadel befestigt. Die Abzeichen werden auf Vorschlag der Kommandeure der Flieger, der Führer der Obersten Heeresleitung unmittelbar unterstellten Fliegerverbände oder der Inspektion der Fliegertruppen vom kommandierenden General der Luftstreitkräfte verliehen. Vorbedingung ist die Erfüllung der vorgeschriebenen Prüfungen. Das Abzeichen ist so fange zu tragen, wie der Inhaber zum Fliegerschützen im Felde geeignet und im Dienste der Fliegertruppe Verwendung findet. Wenn Fliegerschülzen bei ihrem Ausscheiden mindestens drei Jahre als solche bei der Fliegertruppe tätig gewesen sind, kann an Stelle des bisherigen Abzeichens das Erinnerungszeichen vom kommandierenden General der Luftstreitkräfte dauernd verliehen werden. Von dieser Vorbedingung kann abgesehenwerden, wenn das Ausscheiden gegen den Willen des Betreffenden, 7. B. infolge einer Verwundung oder infolge eines Unfalls während des Krieges erfolgt ist.

Vzîw. Eßwtin hat in den Hauptmann Keller, Führer eines üomuengesrhwad letzten drei Tagen sechs feindliche erhielt den Pour le mérite.

Ilîviijilntîinn Keller, Führer finos lìoinh'ciigcscJiwaders erhielt <U:ii Pour le mñ-itu.

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Flugzeuge abgeschossen, also eine besondere Leistung, die keineswegs zu den alltäglichen gehör . Von Beruf Feinmechaniker, ist Otto Eßwein, der jetzt im 28. Lebensjahr steht, bei Kriegsausbruch mit dem Inf-Reg. 143 als Qefr. ausgerückt, nachdem er seiner Dienstpflicht bei den Bayern in Zweibrücken genügt hatte. Mit den ersten erwarb er das Eiserne Kreuz 2. Klasse nach der Schlacht bei Sennheim; er focht dann bei Saarburg und Ypern. Am 1 August 1915 trat er als Uffz. zur Fliegerwaffe über und hat als Flieger bei den Verdunkämpfen mitgewirkt, dort auch zwei Gegner abgeschossen und das Eiserne Kreuz 1. Kl. erhalten, dazu die Goldene WUrttembergische Tapferkeitsmedaille.

Ein flugtechnisches Forschungs-Institut. Die Verwaltung der Hannoverschen Waggonfabrik A-G. hat der Technischen Hochschule in Hannover den Betrag von 100000 M. zur Errichtung eines flugtechnischen Forschungs-Instituts zur Verfügung gestellt. Ueber die Verwendung dieser Summe soll nach den Bestimmungen der Stiftung ein aus Vertretern der Hochschule und der Industrie gebildetes Kuratorium befinden, das sich der in Bildung begriffenen Hannoverschen Gesellschaft zur Förderung der Gemeinschaftsarbeit technischer Wissenschaft und Praxis anschließen soll.

Von der Front.

25. Januar. Karlsruhe. Am 24. Januar abends fanden mehrere Fliegerangriffe auf die offenen Städte Mannheim, Ludwigshafen und dessen weitere Umgebung, Lahr und Freiburg statt. Der Sachschaden ist in Mannheim und Lahr unerheblich, in Freiburg wurden verschiedene bürgerliche Wohngebäude erheblicher beschädigt. Dort wurde auch eine Frau getötet.

26. Januar. Deu tsch er Ta gesberi c h t. In den letzten vier Tagen wurden im Luitkampf und von der Erde aus 25 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Unsere Flieger führten erfolgreiche Angriffe gegen die französische Nordküste durch. Gute Wirkung wurde in Dünkirchen, Calais und Buulogne beobachtet Leutnant Roeth brachte gestern innerhalb weniger Minuten drei französische Fesselballone brennend zum Abs urz.

Türkischer Generalstabsbericht. An den Dardanellen rege, aber erfolglose feindliche Fliegertätigkeit.

Französischer Bericht. Es wurden 8000 Kilo Explosivstoffe auf deutsche Anlagen abgeworfen, besonders auf die Bahnhöfe von Diedenhofen und Freiburg i. Br , auf die Fabriken der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen und auf die deutschen Kantonnements in Longuyon.

27. Januar. London. Die Flieger waren am 26. Januar infolge dichten Nebels weniger rege tätig. Ein feindliches Flugzeug wurde durch Flugabwehr-geschülze und Maschinengewehrfeuer abgeschossen. Am 27. Januar wurde gegen Mittag der Bahnhof und die Verbindung nach Trier durch unsere Flugzeuge erfolgreich (!) mit Bomben beworfen. Dichter Nebel, der Uber dem Ziel lag, verhinderte unsere Flieger, genau die Stelle des Platzens der Geschosse festzustellen. Alle unsere Flugzeuge sind unversehrt zurückgekehrt.

28. Januar. Rom. Lebhafte feindliche Fliegertätigkeit auf der ganzen Front. Ein feindliches Flugzeug wurde bei einem Vorstoß in der Nacht vom 27. Januar von englischen Fliegern abgeschossen. Ein feindliches Flugzeug, das von unseren Luftabwehrbatterien getroffen war, stürzte über dem Südhang des Montello ab. Die aus drei Mann bestehende unversehrt gebliebene Besaizung, darunter zwei Offiziere, wurde gefangen.

Bericht der englischen Admiralität. Unsere Wasserflugzeuge bombardierten am Mittag des 27. Januar die Flughalle von Aertrycke, ebenso die Munitionslager von Engel. Da die Ziele durch Nebel verdeckt waren, könnten unsere Flieger sich nicht genau Uber die Erfolge der Beschießung vergewissern. Alle unsere Apparate sind unbeschädigt zurückgekehrt.

Rom. Unsere Fliegergeschwader zeigten überall ihre Ueberlegenheit.

29. Januar. D e u t scher Tag es be ri cht. Rege Fliegertätigkeit führte zu zahlreichen Luftkämpfen. Wir schössen gestern 13 feindliche Flugzeuge und einen Fesselballon ab. London, Sheerneß wurden erfolgreich mit Bomben beworfen.

Französische Flieger setzen ihre Angriffe gegen unsere Lazarette fort. Während im Monat Dezember die Lazarettanlagen von Rethel mehrfach das Ziel ihrer Bombenabwürfe waren, griffen sie in den letzten Tagen die Anlagen von Labry (östlich von Conflans) an.

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Italienische Front. Eines unserer Bombengeschwader warf in der Nacht vom 26. zum 27. Januar mit guter Wirkung 21 0U0 Kilogramm Bomben auf Castelfranco, Treviso und Mestre ab. Große Brände waren weithin sichtbar.

Reutermeldung aus London. Gestern hat ein Luftangriff stattgefunden, der länger war als alle bis jetzt ausgeführten. Er dauerte ununterbrochen fünf Stunden bei hellem Mondschein, wolkenlosem Himmel und Windstille. Das Geschützfeuer war heftiger, das Knattern der Maschinengewehre deutlicher als gewöhnlich und nur die fortdauernde Tätigkeit der englischen Flieger, die mit den Angreifern kämpften, veranlaßten Hausen von wechselnder Dauer. Dann brach das Feuer wieder von neuem los, da wieder eine neue Gruppe von Maschinen erschien.

Amtlich wird mitgeteilt: Die Verluste bei dem Luftangriff gestern Nacht betragen 14 Männer, 17 Frauen, 16 K'nder tot, 93 Männer, 51) Frauen und 17 Kinder verwundet. Mit Ausnahme der Toten und Verwundeten kam es zu keinen Verlusten in Lo don. Der Schaden ist nicht bedeutend.

30. Januar. Deutscher Tagesbericht. Unsere Flieger führten erfolgreiche Angriffe auf England und die französische Nordküste durch.

Unterbringen tler WnsserNngzenge i>nf einem engl. Flii^zcng-Muttpi'.srliirf.

Unterljriuiít'n tin- Wns^crllugzeiigc ani' cincin ciiyl. llii^miy-MnttCT.scliiiT-

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London und Southend sowie Dünkirchen, Gravelines und Calais wurden mit Bomben beworfen.

Im Luftkampf wurden gestern acht feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone abgeschossen.

London. Amtlicher Bericht über die Luftangriffe. In der letzten Nacht zwischen 10 Uhr abends und 12 Uhr 30 Min. morgens sind von feindlichen Flugzeugen mehrere Angriffe auf London unternommen worden. In einem Falle gelang es den Angreifern, in die Hauptstadt einzudringen. Die erste feindliche Maschine überflog die Insel Thanes um 91/» Uhr und fuhr die Themsemündung weiter in der Richtung auf London. Sämtliche Flugzeuge wurden durch Geschützfeuer zur Umkehr gezwungen. Ungefähr zur selben Stunde flogen vier andere Angreifer über die Küste von Essex. Auch ihnen gelang es nicht, durch diu äußere Verteidigungslinie der Hauptstadt durchzudringen. Inzwischen passierte ein einzelnes Flugzeug, das um 9'/2 Uhr Uber die Küste von Essex geflogen war, im Bogen Nord- und West-London und warf einige Bo nben am südwestlichen Rande der Stadt ab. Zur gleichen Zeit ließ eine andere feindliche Maschine Bomben am Nordoststrande der Stadt fallen, ohne jemanden zu verletzen oder Schaden anzurichten. Andere Flugzeuge, die die Küste von Kent und Essex zwischen 10 Uhr 26 und 10.50 überflogen hatten, wurden auf ihrem Wege nach London an verschiedenen Stellen zur Rückkehr genötigt. Der Schlußangrilf, der von drei oder vier Maschinen zwischen ll'/2Uhr und Mitternacht über die Essex-Küste hinweg unternommen wurde, war ebenfalls ohne Erfolg. An verschiedenen Stellen von Kent und Essex wurden Bomben abgeworfen, aber es lagen noch keine detaillierten Angaben über Menschenverluste oder Schäden aus diesen Grafschaften vor. In den südwestlichen Vorstädten von London wurden einige wenige Personen getroffen. Vermutlich nahmen an den Luftangriffen ungefähr ebenso viele Flugzeuge wie in der vorherigen Nacht teil, nämlich 15. Eine Anzahl unserer Flugzeuge stieg auf und es werden mehrere Gefechte mit feindlichen Flugzeugen gemeldet. Einer unserer Flugzeugführer griff ein feindliches Flugzeug am noidwestlichen Rande von London an, was zur Folge hatte, daß es seine Bomben im offenen Gelände fallen ließ und sich davon machte. Alle unsere Flieger kehrten wohlbehalten zurück

31. Jannar. Deutscher Tagesbericht. Am Weihnachtsabend und im Laufe des Januar haben Flieger unserer Gegner trotz unserer Warnung wieder offene deutsche Städte weit außerhalb des Operationsgebietes angegriffen.

Dank unserer Abwehrmaßnahmen traten nennenswerte Verluste und Schäden nicht ein.

Zur Strafe wurde die Stadt Paris im ersten planmäßigen Luftangriff in der Nacht vom430 zum 31. Januar mit 14000 Kilogramm Bomben belegt.

Türkischer Generalstabsbericht. Mesopotamien. Von fünf feindlichen Flugzeugen, die ohne Erfolg Kifri mit Bomben angegiiffen hatten, ist eines abgestürzt und verbrannt.

Französischer Bericht. Am 29. Januar bombardierte ein französisches Geschwader unter Führung von Hauptmann Guillemin und Unterleutnant Lecreux den Bahnhof von Thiaucourt, wo ein großer Brand entstand

Italienischer Bericht. Unsere und die alliierten Flieger trugen von neuem glänzende Siege davon und >chossen im ganzen sieben Flieger ab. Einer davon wurde von den Apparaten abgeschossen, die er anzugreifen versuchte, während diese ein wirksames Bombardement auf die wichtigste Verbindungslinie des Asiago-Plateaus ausführten. Zwei andere wurden von einem unserer Jagdgeschwader zwischen Costalanga und Mont Malaga heruntergeholt. Die vier anderen wurden von englischen Fliegern zwischen Frumello und Oderzo auf dem linken Piadeufer abgeschossen.

Paris. Ein Angriff feindlicher Flugzeuge auf Paris hat in der letzten Nacht stattgefunden. Gegen 11 Uhr 30 wurde Alarm geblasen. Die Bomben wurden an verschiedenen Stellen des Pariser Häusermeeres abgeworfen. Man meldet Sachschaden und Todesfälle. Vollständigere Mitteilungen werden veröffentlicht, sobald verbürgte Nachrichten eintreffen — Laut amtlichem Bericht ist jetzt die Zahl der Verluste infolge des Luflangrifis am Mittwoch bekannt. 36 Tote, davon 22 in Paris und 14 in der nächsten Umgebung, und 190 Verwundete, davon 114 in Paris und 76 in der nächsten Umgebung, waren die Opfer, darunter eine große Anzahl Frauen und Kinder. Drei Spitäler wurden von Bomben getroffen; in einem davon brach ein Brand aus. Der Alarm wurde in

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der gewöhnlichen Weise geschlagen. Der Rettungsdienst trat mit gewohnter Schnelligkeit in Tätigkeit. Die Feuerwehr wurde namentlich in der Zeit von 11,45 bis 1,30 Uhr an 32 verschiedene Orte gerufen. Sowohl in Paris wie in der Umgebung war es möglich, allen Anforderungen gleichzeitig nachzukommen. Das Material kam in kürzester Zeit an den verschiedenen Unglücksstellen an. Die Hilfsaktion war vollkommen. Insgesamt waren etwa 60 Flugzeuge aufgestiegen, von denen etwa 30 beständig in der Luft blieben. In wenigen Minuten hatten sich die Verteidigungsgeschwader mit den Patrouillen vereinigt, die vor dem Alarm Uber Paris kreuzten.

Calais. Am letzten Freitag überflogen mehrere deutsche Flugzeuge Calais. Sie konnten trotz heftiger Flugabwehr eine große Anzahl Bomben abwerfen, die ziemlich bedeutenden Sachschaden anrichteten. Mehrere Personen wurden getötet.

Ein englisches Wasserflugzeug wird von Bord des Flugzeug-Mutterschiffes zu Wasser gelassen.

1. Februar. Genf. Der neue Fliegerangriff auf Paris hat in den französischen Zeitungen die heftigsten Ausbrüche des Hasses und ein rücksichtsloses Verlangen nach Rache und Vergeltung hervorgerufen. Dagegen hat die Zensur jede tatsächliche Berichterstattung verboten. Nach den letzten amtlichen Ziffern sind insgesamt in Paris und den Vororten 36 Personen getötet und 190 verwundet worden. Unter din Getöteten befindet sich der ehemalige Pariser Gemeinderat Salmon. Die Zahl der deutschen Flieger, die am Angriff teilnahmen, wird vom ,,Temps" auf etwa 20 geschätzt. Die Verteidigung der französischen Hauptstadt wurde von 60 Fliegern übernommen. Nach der amtlichen Mitteilung soll einer der deutschen Apparate, wie bereits erwähnt, über dem Vorort Chelles im Osten von Paris abgeschossen worden sein; eins der französischen Verteidigungsflugzeuge ist auf der Place de la Concorde abgestürzt, und der Führer Lejuge wurde getötet, sein Begleiter verwundet. In der Umgegend von Paris ist ein Patrouillenflieger Halphen, der aus der Kriegsgefangenschaft in Deutschland entkommen war, abgestürzt. Am stärksten scheint vorgestern St. Denis im Norden von Paris gelitten zu haben, sowie das nördliche Zentrum der Hauptstadt selbst, besonders die Stadtteile von der Oper bis zu den Champs Elysees. In den letzteren sollen die oberen Stockwerke eines großen Hotels vollständig in Staub verwandelt worden sein; vor dies m Hotel wurden auch zwei Schutzleute getötet. In einem Vorort wurden Magazine mit großen Vorräten an Stoffen in

Ein englisches Wasserflugzeug wird von Bord des Flugzeug-Mutterschiffes zu Wasser gelassen.

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Brand gesteckt; das Feuer dauerte gestern Abend noch fort. Auf dem Montmartre flüchteten sich Tausende von Menschen in die Station der Untergrundbahn, die jedoch schon geschlossen war. In dem offiziellen Bericht wird behauptet, daß Bomben auf drei Spitäler gefallen und Frauen und Kinder getötet worden seien. Die Zeitungen erwähnen nur, daß in die Höfe von zwei Krankenhäuser Bomben gefallen sind, die einen Brand verursachten, aber keine Opfer forderten. Die Verwaltung der schönen Künste hat gestern sofort eine Reihe von Maßregeln getroffen, um auch die Kunstwerke des Schlosses von Versailles in Sicherheit zu bringen. Die Armeekommission der Kammer hörte gestern den Bericht des Unterstaatssekretärs für das Luftwesen Dumesnil über den Verlauf des Fliegerangriffes und die durch die Verteidigung von Paris ergriffenen Maßregeln. Nach einer Pariser Havasmeldung beschäftigte man sich in den Wandelgängen der Kammer und in der Presse fast nur mit dem letzten Luftangriff auf Paris. Die Blätter schätzen die Zahl der Flugzeuge, die den Angriff unternommen haben, auf 60, die in mehreren Geschwadern Paris von 11.30 bis 1.30 Uhr überflogen und Bomben abwarfen. Insgesamt seien 70 Bomben abgeworfen worden

2. Februar. Berlin. Bei dem Luftangriff auf Paris soll die Gesamtzahl der deutschen Fliegergeschwader sechs zu je zehn Apparaten gewesen sein Aus der Pariser Presse läßt sich über den Fliegerangriff weiter entnehmen, daß der ganze Stadtbereich mehr oder weniger mit Bomben belegt wurde. Hauptsächlich wurde das 16., 17. und 19 Departement betroffen. In der Nähe der Gare du Nord, Gare d'Est, in der Rue d'Athènes, in der Nähe des Gaswerks und auf dem linken Seine-Ufer im Gebiet Benille Montante wurde schwerer Schaden angerichtet. Die nördlichen Vororte wurden dem „Petit Parisien" zufolge besonders schwer heimgesucht. In der Umgegend von Paris schlugen verschiedene Bomben in Fabriken, zwei in eine, sechs in eine andere. Lagerhäuser mit Aus-rüstungsgegenständen brannten ab. In einer bedeutenden Fabrik der nördlichen Vororte wurden etwa zehn Arbeiter verletzt. Alle Angaben lassen erkennen, daß mehrere Bomben auf die Innenstadt und die Boulevards fielen, wo außerordentlicher Sachschaden entstand. Untergrundbahnstationen wurden zerstört. An vielen Stellen sah es wie auf einem Schlachtfelde aus Ein Abwehrflugzeug wurde im Luftkampf beschädigt und landete, Sachschaden anrichtend, auf dem Konkordiaplatz. Der Führer ist schwer verwundet. Mehrere Lageihäuser mit Leinwand- und Tuchvorräten wurden durch die Bomben in Brand gesetzt und zerstört- In der Umgebung von Paris sind die Zerstörungen noch größer. Die Häuser wurden von den etwa 100 Kilogramm schweren Bomben oft bis zum Keller durchschlagen.

Amtliche Meldung über den Luftangriff auf Paris: Vier feindliche Geschwader überflogen unsere Linien nördlich Compiègne und erreichten Paris. Sie flogen1 wegen des klaren Himmels sehr hoch und näherten sich so dem Bezirk Paris von Osten her, wobei sie nacheinander Bomben auf verschiedene Gemeinden der Pariser Bannmeile abwarfen Sie überflogen hierauf Paris, hauptsächlich auf dem rechten Ufer, wo sie in einigen Augenblicken nahezu ihre sämtlichen Bomben abwarfen. Sie vernichteten dabei viele Menschenleben, besonders Frauen und Kinder. Zwei Hospitäler wurden getroffen, mehrere Gebäude durch Brände geschädigt. Die Zahl der Getöteten beträgt 20, die der Verwundeten 50. Mehrere Kämpfe wurden nördlich der Hauptstadt geliefert. Ein deutsches Flugzeug wurde abgeschossen, die zwei Insassen gefangen. Ein französisches Flugzeug mußte landen, beide Insassen sind verwundet. Ein späterer Bericht wird die Zahlen unserer Verluste angeben.

Italienischer Bericht. Die Flüge unserer Piloten gaben Anlaß zu Luftkämpfen.. Gestern griffen feindliche Flugzeuge Treviso und verschiedene bewohnte Ortschaften zwischen Brenta und Piave an. Sie warfen zahlreiche Bomben ab, wodurch einige Personen verletzt und leichter Schaden an einigen Fabriken angerichtet wurde.

4. Februar. Deutscher Tagesbericht. In Luftkämpfen und von der Erde aus wurden in den beiden letzten Tagen 18 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballons zum Absturz gebracht.

Zürich. Der „Secolo" meldet aus Paris: Der durch den Luftangriff angerichtete Schaden wird vorsichtig auf über 15 Millionen Francs geschätzt. In Paris und in der Bannmeile von Paris sind 72 Häuser vollständig oder teilweise zerstört und mehr als 150 beschädigt. — Wie der „Corr. della Sera" in einer Pariser Korrespondenz mitteilt, sind bei dem Luftangriff die Westbahnanlagen, auf denen aus Bordeaux amerikanische Truppen heranrollten, besonders schwer

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getroffen. Das Dach des Westbahnhofs wurde zerschlagen, die Schienen kilometerweise aufgerissen. Die Bevölkerung sei erregt über das Versagen der Abwehrmaßnahmen von Paris.

Paris. Meldung der „Agence Havas". Bei den Luflangriffen am 30. und 3i. Januar wurden in Paris 33 Personen getötet, darunter 11 Frauen und zwei Kinder, und in der Bannmeile zehn Personen, darunter drei Frauen und drei Kinder. Verletzt wurden in Paris 134 Personen, darunter 50 Frauen und zehn Kinder, und in der Bannmeile 72 Personen, darunter 33 Frauen und sieben Kinder.

London. Reutermeldung: Die amt ichen Polizeiberichte geben die Gesamtverluste, die durch den Luftangriff in der Nacht vom 28. zum 29. Januar verursacht wurden, in allen von den feindlichen Flugzeugen berührten Bezirken, soweit sie bekannt wurden, folgendermaßen an: Tote 58, Verwundete 173. Von obigen Verlusten sind 30 Personen getötet und 91 verwundet worden an einem einzelnen, als Schutzaufenthalt für Luftangriffe benutzten Gebäude. Die Beseitigung der Trümmer dieses Gebäudes ist durch den gefährlichen Zustand des Bauwerkes bedeutend erschwert.

6. Februar. Deutscher Tagesbericht. Gestern wurden sieben feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon abgeschossen. Leutnant Bongartz errang seinen 29. Luftsieg.

Französischer Bericht. Am 5. Februar überflog eines unserer T'om-bardterungsgeschwader mit vollem Erfolg Saarbrücken und warf auf einen bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt 3610 Kilogramm Geschosse ab. Von mehreren feindlichen Fliegergruppen angegriffen, nahmen unsere Flieger den Kampf auf; sie schössen drei deutsche Apparate ab und sind vollzählig in ihre Linien zuiückgekehrt.

6. Februar. 11 a 1 ie n i s c h er Beri c h t. Auch die Fliegertätigkeit war an der ganzen Front beträchtlich. Italienische und britische Bombengeschwader griffen gestern feindliche Truppen in der Umgebung von Rimolano sowie das feindliche Flugfeld von San Giaconio di Beglia mit gutem Erfolg an. Unsere Luftschiffe riefen im Munitionslager von San Stino di Livenza einen stoßen Brand hervor. Es wurden fünf feindliche Apparate abgeschossen, zwei durch unsere Flieger und drei durch Mannschaften. Gesiern nach Sonnenunlergang waren Venedig, Mestre und Treviso abermals das Ziel feindlicher Fliegerangriffe. Es gab weder Opfer noch Sachschaden.

7. Februar. D e u t s ch er Tage sbe ri c h t. Vizefeldwebel Eßwein schoß in den letzten drei Tagen sechs feindliche Flugzeuge ab.

Amtliche Meldung aus Berlin. Deutsche Bombengeschwader haben in der Nacht vom 30. zum 31. Januar zum ersten Male planmäßig und kraftvoll die Stadt Paris angegriffen. Der Angriff war erfolgreich, Verluste und Schaden nach dem amtlicnen französischen berichte stark.

Die Strafe, die die Stadt Paris damit erduldet hat, war hart, aber gerecht» schon vor einem Vierteljahr hatten wir Frankreich durch Funkspruch gewarnt, die Bombenangriffe auf offene deutsche Städte weit außerhalb der deutschen Operationsgebiete fortzusetzen Wir haben gedroht, daß, falls diese Luftangriffe nicht aufhörten, Paris die Strafe zu tragen haben würde. Frankreichs Regierung hat nicht gehört. Am heiligen Weihnachtsabend überfielen feindliche Flieger die offene Stadt Mannheim, sie griffen im Laufe des Januar die offenen Städte Trier, Heidelberg, Karlsruhe, Rastatt, Freiburg in zweckloser Weise mit Bomben an. Die Stunde der Strafe war gekommen. Frankreich ist abermals gewarnt, nicht mehr durch Worte, sondern durch die Tat. Und sollte auch diese warnende Strafe unbeachtet bleiben, sollten wiederum friedliche deutsche Heimstätten durch feindliche Fliegerbomben zu leiden haben, so wird die Stadt Paris erneut die vergeltende Strafe zu erdulden haben in einem Umfange und einer Stärke, wie sie rückfälligen Verbrechern gegenüber am Platze ist.

Italienischer Bericht. Im Laufe einiger Luflkämpfe schössen britische Flieger einen feindlichen Apparat ab. Die Orte Calvisano und Hassane, sowie neuerdings Treviso und Mestre wurden in den ersten Morgenstunden des gestrigen Tages von Fliegern mit Bombenangriffen heimgesucht, nie nur unbedeutenden Schaden verursachten und nur wenig Opfer hervorriefen. Eines unserer Flugzeuge unternahm in der letzten Nacht einen Ang.iff gegen das feindliche Flugfeld von San Giacomo di Veglia. Es wurde I Tonne Geschosse mit großer Explosivkraft abgeworfen. Die Zahl der feindlichen Flugzeuge, die in den Luftkämpfen

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vom 26. Januar [bis 6. Februar von unseren Fliegern abgeschossen wurden, beträgt 56.

8. Februar. Italienischer Bericht. In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar überflog einer unserer Flieger unter schwierigen Bedingungen die feindlichen Flugfelder an der Livenza, warf mit großer Wirkung Bomben ab und kehrte wohlbehalten auf seine Basis zurück.

10. Februar. Englischer Bericht. Trotz des schlechten Wetters führten unsere Flieger einen erfolgreichen Raid nach Deutschland aus und warfen mit ausgezeichnetem Erfolg fast eine Tonne Explosivstoff auf bedeutende Eisenbahnknotenpunkte und Schuppen und Geleise bei Courzelles-Ies-Metz ab. Einer von ihnen wird vermißt.

Ausland.

Luftverkehr Schweden-Finnland. Mit Zustimmung der schwedischen Postbehörde schlägt der schwedische Fliegerhauptmann Olaf Dahlbeck die Errichtung eines Luftverkehres Norrtelgö-Abo vor, der möglichst schon im Februar in Wirksamkeit treten soll. Die Erlaubnis von finnischer Seite ist gesichert. Der Verkehr soll von Wasserflugzeugen besorgt werden. Die 225 Kilometer lange Strecke Norrtelgö-Abo könnte in zwei Stunden zurückgelegt werden.

Verurteilung englischer Flieger im Vergeltungsweg wegen Kriegsverrats. Zu der Verurteilung der englischen Fliegerleutnants Scholtz und Wooken wird folgendes berichtet: Seit mehr als zwei Jahren wurden von englischen Offizieren Flugschriften aufreizenden Inhalts hinter den deutschen Linien abgeworfen, um durch Wort- und BildFchilden.ngen des guten Lebens der deutschen Gefangenen in England unsre Truppen zum Ueberlaufen zu verführen. Da bereits im März 1916 zwei deutsche Offiziere von der Entente vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tod verurteilt wurden, weil sie Flugblätter abgeworfen hatten, ein Urteil, das allerdings später in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt wurde; und ferner Frankreich angekündigt hat, es werde deutsche Flieger, die Flugschriften hinter der französischen Linie abwerfen, vor ein Kriegsgericht stellen, wurden als Vergeltungsmaßregel diese beiden englischen Flieger nunmehr vor ein deutsches Kriegsgericht gestellt. Sie wurden des vollendeten Kriegsverrats für schuldig befunden und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Französische Vorsichtsmaßregeln gegen Luftangriffe. Wie der Schweizerische Preßtelegraph aus Paris meldet, wurden in einer Besprechung zwischen

Handley Page Gi'olllliigzeiig auf einem Kingplatz in Kon).

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dem Unterstaatssekretär für das Flugwesen, dem Unterstaatssekretär des Innern' dem Pariser Militärgouverneur und dem Polizeipräsekten umfassende Vorsichtsmaßregeln gegen Fliegergefahr vereinbart Die Bevölkerung wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Gebäude mit vier Stockwerken im Keller im allgemeinen Schutz bieten können. Die Bewohner kleiner Häuser müssen in größeren Nachbargebäuden Schutz suchen, auf jeden Fall sei der Aufenthalt an den Fenstern gefährlich Für die im Freien sich aufhaltenden Personen bieten die Bahnhofstunnels der Untergrundbahnen genügende Sicherheit. Die Anlagen der Untergrundbahn und die Gebäude mit zugänglichen Kellern werden durch blaue Laternen gekennzeichnet. Einige Zeit nach dem Fliegeralarm stellen die Züge der Untergrundbahn die Fahrt ein, so daß die Passantensich in die Tunnels flüchten können.

Major Salomone, der bekannteste italienische Flieger, wurde kürzlich im Luftkampf getötet.

Patentwesen.

Gebrauchsmuster.

77h. 618197. Jacob Lohner & Co. Wien: Vertr.: H. Springmann, Th. Stört, E. Herse, Pat.-Anwälte, Berlin SW. 61. Flugzeugstrebe. 17. 10. 14. L. 35889. 12. 10. 17.

77h. 618266. Ernst Romen, Berlin, Motzstr. 9. Modellflugzeug. 25. 9. 14. R. 40303. 13. 10. 17

77h. 618736. Automobil & Aviatik, A.-G., Freiburg i. Br. Mechanischer Antrieb der Benzinpumpe us*. 26. 10. 14. A. 23796. 15. 10. 17.

77h. 621891. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig. Motorenanordnung usw. 21. 12. 14. D. 28294. 30. 11. 17.

77h. 621892. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig. Propellerantrieb usw. 21. 12. 14. D. 28293. 30. 11. 17.

77h. 621893. Deutsche Flugzeugwerke G. m. b. H., Lindenlhal- Leipzig. Spannschloßaufhängung usw. 21. 12. 14. D. 28292. 30 11. 17.

77h. 621S94. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig Steuerflächen für Flugzeuge 21. 12. 14. D. 28291. 30. 11 17.

77h. 621895. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b H-, Lindenthal-Leipzig. Vorrichtung zum Verstellen der Dämpfungsfläche usw. 21. 12 14. D. 28290. 20. 11 17.

77h. 621896. Deutsche Flugzeugwerke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig. Maschinengewehranordnung usw. 21. 12. 14. D. 282S9. 30. 11. 17.

77h. 621897. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H„ Lindenthal-Leipzig. Maschinengewehranordnung usw. 21. 12. 14 D. 28288. 30. 11. 17.

77h. 621898. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig. Flugzeug. 21. 12. 14. D. 28287. 30. 11. 17.

77h. 621899 Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig. Spannbock usw. 21 12. 14. D. 28286. 30 II. 17.

77h. 621901. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal-Leipzig. Maschinengewehranordnung usw. 21. 12 14.

77h. 630904. Siemens-Schuckertwerke G. m b. H., s^iemensstadt b. Berlin. Steuerung für Flugzeuge. 5. 12. 14. St. 19964. 30. 11. 17.

77h. 6309C5. Siemens-Schuckertwerke G m. b. H., Siemensstadt b. Berlin. Holmanordnung in den Flügeln usw. 5. 12 14. St. 19963. 30. 11. 17.

77h. 632062 Automobil & Aviatik, A.-G., Mülhausen-Burzweiler, Eis. Dre-sitz für Flugzeuge usw. 24. 10 14. A. 23 786. 15. 10. 17.

77li. 671601. Neue-Industrie-Gesellschaft, Rieck & Hawerländer, Berlin. Speichenkreuz für Handsteuerräder u. dgl. 8 1. 17. N 15252.

77h. 671 723. Gustav Pätjo, Stoppenberg, Kr. Essen. Flugzeug. 22. 8. 17. P. 29 066.

77h. 171 726. Walter Hetischkel, Berlin-Schöneberg, Bennigsenstr. 8. Verstellbare- Hebelarm-Stoßdämpfer. 14.9.17. H. 74244.

77h. 671762. Kohlbach & Co., G m b. H., Leipzig-Lindenau Vorrichtung zum Auslösen von aus Luftfahrzeugen abzuwerfenden Geschossen mittels eines Schaltwerkes. 28. 6 17. K 70 279.

Handle)' l'une GrulSHiigzeu« auf cincin Flugplatz in Uíim,

Seite 100

„FLUGSPOET"

No. 4

77h 671 763. Kohlbach & Co. Q. m. b. H, Leipzig-Lindenau. Vorrichtung zum Halten und Fallenlassen von Geschossen aus Luftfahrzeugen. 28. 6. 17. K. 70 289.

77h. 673166. Max Stellmacher, Berlin-Baumschulenweg, Köpenickerland-straße 151. Windgeschwindigkeitsmesser für Flugzeuge. 24. 6. l.\ St. 20311.

77h. 673242. Carl Leich, Berlin-Johannisthal, Moltkestr. 3. Vorrichtung zur Regelung der Propeller bei Flugzeugen. 24. 3. 16. L. 37674.

77h. 673316. Oscar Krain, Lauchhammer. Kinderdrachenflugzeug mit Klappervorrichtung, zur Hervorbringung der natürlichen klappernden Geräusche eines Flugzeugmotors. 3. 12. 17. K. 71152.

77h. 673680. Oscar Ursinus, Frankfurt a. M., Bahnhofspl. 8. Tragdeckenanordnung für Flugzeuge. 5. 8. 15. U. 5132.

77h. 6736sl. „Laurica" Maschinenfabrik G. m. b. H., Berlin. Spannschloßsicherung, insbes. für Flugzeugspanndrähte. 7. 9. 15. K. 66 816.

77h. 673682. Dr. Rudolf Wagner, Hamburg, Bismarckstr. 105. Luftschiff-gerüst. 9. 9 15 W. 46 202.

77h. 673683. Bruno Erich Schröter, Radeberg i. S. Flugzeugschwimmer. 5. 10. 15. Sch. 55815

77h. 673684. Paul Urlaub, Berlin, Dortmunderstr. 4. Nabe für Flugzeugfahrgestelle 6 10. 15. U. 5162.

77h. 673685. Fritz Thiel, Görlitz, Pragerstr. 15. Luftschiff- und Flugzeuggondel mit eingebautem Zweipropeller-System. 12. 4. 16. T. 18487.

77h. 673691. Fa. A. Knubel, Münster i W. Propeller. 19. 4 17. St. 21357.

77. 674495. Werner Kettelhack, Berlin, Freisingerstr. 15. Gleichgewichtswage für Flugzeuge. 12. 11. 17. K. 71007.

674648. Luft-Verkehrs Gesellschaft m. b. H, Berlin-Johannisthal Karda-nischer Stielanschluß bei Flugzeugflügeln. 8. 9. 17. L. 39212.

77h. 674651. Anthony H. G. Fokker, Schwerin i. Meckl. Aus einer Flugzeugrippe hergestellter Photugraphierahmen. 28. 9. 17. F. 35454.

77h. 674686. Heinrich Bier, Aszod, Ungarn; Vertr.: Dipl.-Ing. Fels, Pat.-Anw. Berlin SW 61. Tragfläche für Flugzeuge. 3. 5. 16. U. 5249. Oesterreich 27. 4. 16.

77h. 674742. Heinrich Bier, Budapest; Vertr.: Dipl.-Ing. Fels, Pat.-Anw., Berlin SW. 61. Schwimmfähige Tragfläche für Flugzeuge. 28 11. 17. V. 78097. Oesterreich 27. 4. 16.

77h. 674050. Hans Schebeler, Hermsdorf, Nrdb. Waldseestr. 33. Drei-decker. 8. 11. 17. Sch. 50121.

77h. 675048. Dr. Arnold, Rahtjen, Berlin, Boxhagenerstr. 26. Propeller mit durch Metallauflage geschützter Eintrittskante für Flugzeuge. 5. 10. 15. R. 41524. ;

Patent-Anmeldungen.

77h. 9. P. 31816. Gustav Pieske, Berlin, B!ücherstr. 1. Wasserflugzeug mit Mittelschwimmer oder mit als schwimmfähiger Bootskörper ausgebildetem Rumpf und verstellbaren Seitenschwimmern. 6. II. 13.

77h. 5. R. 35 640. Max Röhner, Dresden, Fritz Reuterstr. 21. Flugzeug mit im Grundriß sichelförmigen oder von der Flügelmitte aus, beiderseitig nach rückwärts gezogenen vogelflügelförmigen Tragflügeln. 28. 5. 12.

77h. 15. L. 42656. Walther Lentz, Bremen, Baumstr. 52. Fallgeschoß für Luftfahrzeuge. 19. 10. 14.

77h. 5 W. 44646. Rudolf Wagner, Breslau, Bunzlauerstr. 9. Trag- und Treibfläche mit gegen das äußere Flächenende zu abnehmendem Anstellwinkel. 12. 3. 14.

77h. 5. W. 44 647. Rudolf Wagner, Breslau, Bunzlauerstr. 9. Trag- und Treibfläche mit gekrümmter Querschnittsform. 12. 3. 14.

42o. 5. M. 61674. Wilhelm Morell, Leipzig, Apelstr. 4. Fliehkraft-Tachometer. 7. 8. 17.

42o 5. M. 61901. Wilhelm Morell, Leipzig, Apelstr. 4. Fliehkraft-Tachometer mit getrennter Anzeige für Vor- und Rückwärtsgang. 3. 10. 17.

77h. 9. K. 62761. Ernst Paul Keller, Stollberg i. Erzgeb. Kufenförmiges ederndes Traggestell für Flugapparate. 31. 7. 16.

42o. 11. H. 71273. Dr. Erich F. Huth G. m. b. H. u. Dr, Siegmund Loewe, Berlin. Umdrehungszähler. 4. 5. 16.

77h. 9. B 77529. Ernst Bielefeld, Wilhelmshaven. Wasserflugzeug mit über dem Hinterteil des Bootes gelagertem Propeller. 23. 5. 14.

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Patent-Erteilungen.

77h. 15. 303442. Dr. Paul de Gruyter. Charlottenburg, Bismarckstr. 10. Bombenabwurfvorrichtung. 31. 7. 15. B. 79 918.

77h. 6. 303500. Kurt Fliege], Propellerbau G. m. b. H, Potsdam. Splittersicherer Propeller. 25 11. 15. F. 40394

77h. 15. 303594. Geka-Werke Offenbach Dr. Gottlieb Krebs Q. m. b. H., Offenbach, Main. Fallschirmleuchteinrichtung für Luftfahrzeuge. 8. 6. 15. G. 42 987.

77h. 15. 303595. Geka-Werke Offenbach Dr. Gottlieb Krebs G. m. b. H., Olfenbach, Main. Fallschirmleuchteinrichtung für Luftfahrzeuge; Zus. z. Pat. 303594. 17 8. 15. G. 43184.

77h. 15. 303722. Otto Stüttgen, Coin a. Rh., Brabanterstr. 32 Leuchtvorrichtung für Luftfahrzeuge. 19. 10. 15. St. 20651.

77h. 5. 303772. Luft-Verkehrs-Gesellschaft m. b. H., Berlin-Johannisthal. Flugzeug, dessen Tragflächen im Querschnitt flügelprofilartige Ausbauten besitzen. 13. 10. 14. Sch. 47852

Steuergreifgabel für Flugzeuge.*)

Durch die vorliegende Erfindung soll dem Beobachter eines durch Verwundung oder Ohnmacht des Piloten führerlos gewordenen Flugzeuges die Möglichkeit einer Einwirkung auch auf diejenigen Steuerorgane der Maschine gegeben werden, die für ihn sonst von seinem Sitz aus unerreichbar sind.

Dieser Aufgabe entsprechend besteht der Erfindungsgegenstand in der Hauptsache aus einem als Greifwerkzeug ausgebildeten, langgestreckten Arm, mit dessen Hilfe der Beobachter von seinem Sitz aus das im Führersitz liegende Flugzeugsteuer erfassen und auch, wenn er will, in bestimmter Lage feststellen kann

Abb. 2

Ein besonderes Ausfuhrungsbeispiel einer solchen Steuergreifgabel zeigen die Abb. 1 und 2. Ein langgezogener, etwas gekröpfter Arm a, der mit einem Handgriff b versehen ist, trägt am Ende zwei Zinken c. Der Abstand dieser

*) D. R. P. Nr. 302898. Dr. Karl Henkel in Frankfurt a. Main.

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Zinken verjüngt sich nach dem sie tragenden Arm a zu und erreicht an diesem selbst die Stärke des Steuerhebels, den sie umfassen sollen. Die zwischen ihnen liegende Nase d ist zum Eingreifen in eine entsprechende Bohrung oder Ausfräsung des Steuerhebels bestimmt. Ist die Greifgabel ins Steuer eingehakt, so kann sie mit ihrem an den Handgriff grenzenden Ende in eine an der Bordwand befestigte Federklemme e eingerückt werden und dadurch samt dem mit ihr nunmehr zwangläufig verbundenen Steuer in bestimmter Stellung festgelegt werden.

In der hier ausgeführten Gestalt kann der Erfindungsgegenstand beispielsweise zur Einwirkung auf den Seitensteuerfußhebel eines führerlos gewordenen Kampfflugzeuges benutzt werden. Verliert der Flugzeugführer die Besinnung, so reißt der Beobachter, von seinem Platze aus sich nach vorn überlehnend, die aus federnden Halteklemmen leicht lösbare Greifgabel von der Bordwand und hakt sie in den Seitensteuerfußhebel ein (vgl. Abb. 1). Mit der Linken gleichzeitig das Höhensteuer bedienend, kann er nun mit Hilfe der Greifgabel nicht nur den im steuerlosen Flugzeug sofort auftretenden Drall überwinden, sondern auch selbst dann, wenn sich Gliedmassen des besinnungslosen Piloten gegen die Steuerorgane legen sollten, das Flugzeug durch Vor- bezw. RUckbewegen des Hebels mühelos und ganz beliebig lenken.

Will er eine bestimmte Flugrichtung beibehalten, so stellt er die ins Steuer eingehakte Greifgabel, die in ihrem an den Handgriff grenzenden Ende entsprechend ausgebildet ist, mit Hilfe der oben erwähnten Federklemme fest. Gleichzeitig kann er jederzeit den die Benzinzufuhr zum Motor regelnden Gashebel von seinem Platz aus erreichen.

Patent-Ansprüche:

1. Steuergreifgabel für Flugzeuge, gekennzeichnet durch die Verwendung eines langgestreckten, mit einer Handhabe zum Anfassen versehenen Armes, der in seinem Ende durch Angliederung von Zinken, Nasen, gefederten Klauen o. dgl. derart als Greifwerkzeug ausgebildet ist, daß mit ihm von einem in gewisser Entfernung liegenden Punkt aus ein Flugzeugsteuerhebel erfaßt und im Sinne des gewünschten Ausschlages bewegt werden kann.

2. Steuergreifgabel für Flugzeuge nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den zur Umfassung des Steuerhebels dienenden Gabelteilen eine Na^e oder dergl. liegt, die eine Verschiebung der Greifgabel in Richtung des von ihr umfaßten Steuerhebels ausschließt.

3 Steuergreifgabel für Flugzeuge nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der zum Erfassen des Steuers dienende Arm mit seinem der Handhabe nahe gelegenen linde in eine an Teilen des Flugzeuges befestigte Federklemme eingerückt und so festgelegt werden kann.

Firmennachrichten.

Automobil & Aviatik, Aktiengesell chaft, Zweigniederlassung in Thekta betreffend, ist in das Tauchaer Handelsregister eingetragen worden, daß a) der Geaellschaftsvertrag durch Generalversammlungsbeschluß vom 3. Dezember 1917 hinsichtlich des Grundkapitals abgeändert worden ist, und zwar beträgt das Grundkapital jetzt 2000000 M und ist zerlegt in 2000 auf den Inhaber lautende Aktien von je 1000 M, bei Artikel 5 und 17 des Gesellschaftsvertrags Zusätze erhalten haben.

Ganderibergersche Maschinenfabrik, Georg Goebel zu Darmstadt.

Geschäft samt Firma sind auf Georg Goebel, Fabrikant In Darmstadt, und Wilhelm Goebel, Leutnant in Darmstadt, als persönlich haften je Gesellschafter übergegangen. Die Gesellschaft hat am 24. November 1917 begonnen.

Die Prokura des Georg Goebel in Darmstadt ist erloschen. Karl Becker, Kaufmann in Darmstadt, ist zum Prokuristen bestellt.

Astro Flugzeug-Industrie Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Fabrikbesitzer Alfred Rohde in Berlin-Zehlendorf ist nicht mehr Geschäftsführer.

Flugzeugbau Friedrichshafen G. m. b. h. in Frie richshafen. Dem Kaufmann Emil Heidorn, Schnetzenhausen b. Friedrichshafen ist an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Emil Geiger Gesamtprokura erteilt worden.

Jllustrirte

No. 5 27. Februar 1818 J9hr|. I.

technische Zeitschrift und Anzeiger B""s,-r!!.*-.

pro Jahr M IBM

Ausland por Kreuzband M.Z1.Z0 Elnzelpr. M. IN

für das gesamte

„Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telef. Hansa 4557 Oskar UrsintlS, Civilingenieur. Tel.-Adr,: Urslnua. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8,

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — == Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. =

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer C^uellenargabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 13. März.

Englische Sorgen.

Der deutsche Fortschritt, die Engländer nennen es die deutsche Luft-Früh jahrsoffensive, scheint diesen viel Kopfzerbrechen zu machen. Dem englischen Luftministerium mit seinem Drum und Dran bangt es vor der Zukuft und es sucht aus der englischen Flugzeugindustrie herauszupressen, was nur irgend möglich ist. Die Sorge durch die Streiks und den Materialmangel hat die englische Industrie schwer geplagt. Dazu kommt noch der starke Druck des Ministeriums auf die Industrie, um im Rennen um den technischen Fortschritt nicht zuviel an Distanz zu verlieren.

Es klingt wie der Angstschrei eines abgehetzten Wildes, wenn „Flight" ausruft, kaum daß man eine Maschine fertiggestellt hat, welche an Geschwindigkeit, Steigveimögen eine Höchstgrenze erreichte, so wird morgen bereits wieder eine solche verlangt, die diese Leistungen übertrifft. Und diese Deutschen, bei denen heute ein 240 P. S. Motor etwas gewöhnliches darstellt, werden bald Maschinen besitzen, bei denen Motore von bedeutend höherer Leistung als kleinste Kraftquelle für Durchschnittsmaschinen zur Verwendung gelangen. Daß eben zu Flugzeugen auch immer wieder neue Motorentypen gebaut werden müssen, scheint den aus der City geflüchteten Leuten viel Kopfzerbrechen zu machen.

Seite 104 „FLUGSPORT" No. 5

Englischer Sopwith-Dreidecker.

Der Rumpf mit Flossen und Rudern ist der gleiche wie der des-kleinen Sopwith-Einsitzer-Doppeldeckers.

Die drei Flügel haben 8,07 m Spannweite bei 1 m Tiefe. Unter-und Mittelflügel sind an Ansatzstücken mit Profil am Rumpf befestigt. Die Oberflügel sitzen an einem Baldachin. Die beiden Holme der Oberflügel sind voll, die der Unter- und Mittelflügel haben doppel T-förmigen Querschnitt.

Die Stiele aus Spruceholz mit tropfenförmigem Querschnitt laufen vom Ober- zum Unterflügel bezw. vom Baldachin zum unteren Rumpfholm durch.

Der in Augenhöhe liegende Mittelflügel ist zur Verbesserung der Sicht am Rumpf ausgeschnitten.

No. 5

„FLUGSPORT'

Seite 105

Die Verspannung besteht aus Profildrähten mit 2/8" Schaftdurchmesser. Die einfach angeordneten Gegendrähte liegen in der Stielebene, während die Baldachinverspannung sowie die doppelten Tragdrähte nach vorne geführt sind. Vom Hinterholm der Mittelflügel laufen Drähte nach vorne und hinten zum oberen Rumpfholm. Ebenso ist der Unterflügel noch nach vorn verspannt.

>oite Id.

Querruder sind an sinn!iieljen Flügeln ungeordnet Zur Kontrolle der Rollen sind in den Klügeln l 'ellontenster angebracht.

Der Motor ist ein II11 l'S i'lerget. Das Benzin wird ihm durch Druckluft, die durch eine klein.", am rechten Balda.-Uinsticl sitzende IV o|iellerluftpumpe erzeugt wird, zugeführt. Da die Luf[sehr<iube nicht mehr vorhanden war, können Angaben hierüber nicht geuiae.hr werden.

Im Führersitz sind an Instrumenten usw. angebracht.

Rechts: Das Handrad zur Verstellung der Höhenflosse; eine Handluftpumpe: ein Benzinstandglas.

In der Mitte: Geschwindigkeitsmesser, Manometer. Hnrduhr, Drehzähler, Kurzschlieller.

No. 5 ,, F 1,1'llS i' i.1 K Ï "' sc:le 1"7

Lin Ks : In-n/îinlialm, llt-U-l zur l.nrr- -ulierung. 11 < ■ í ■. ■ í y.nr Benzi u-rcguliening.

Das Gewicht des leeren Flngzcugi-s wurde ¡cu !!'<• kg festgestellt : wird die Xut'/.laM zu ^ hi kg geschätzt. m> t-rgiU >wh ria Uionstgewicht \ on (>!><> kg, dem bei til.'.Ui ni ' Klitgt.'lthii-he eir.e BcLiMnng von '■' 1.1 kg m- entspricht.

Jim

tic w i t ht c:

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Fl.i-oi-n mi.! Kinfcr......M <> I Bun/in '. i >. ! Ri

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Englischer S o p w i t h ■ I) r p i ecker

. , ■■ '•■ ' • li, ,'

Verzeichnis der 67 im Monat Januar 1918 in unserem Besitz gebliebenen feindlichen Flugzeuge.

Hnjjlische l-'i Si.hwitl,: K-.'!-:.',-r: N'. Ii '.il:i|. Lt. K. S. I 1 .i x - -1. r -< >Vi ti.i; Ni'. C r.:::U, Cipi. S, iw,- >■': Xr. L'li:;. l.iii. !J4ii> Ii' i ■' < i-1 \ vi wiui'.li-i ; Xr. Ii \>\'.'> \.U\. I.'^.u! tii-l.i n»,",i . Xi. J! i'ili''- l.ui, l)i.hjr,.anl!v wrwur l''i . Xr S. (.. Ii j.V>. r:. ^tL:_^l. t,,i. M •!■ lin-'i ■!; l'i'i .-1 er ' A f.... !,ii,.-,.!n i. Tnu in i - ^-.-!., n : Xr. \

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Seite HO

„FLUGSPORT"

No. 5

1. Spad: Zweisitzer: Nummer des Flugzeuges und der Insassen waren nicht feststellbar.

1 Einsitzer unbekannten Typs: Ltn. Baker tot.

2 Flugzeuge unbekannten Typs.

Französische. 2 Spad: Einsitzer Nr. 2018, Utffz. Bourdettot; Nr. S 4267, Adj. Le Boucher gefangen.

1 Spad. Zweisitzer Nr. 6249 Adj. Monges, Cheval, beide gefangen.

3 Nieuport, Einsitzer Nr. 5449, Marechal Henri Durrant gefangen; Nr. 5964, Ltn. Belloc tot; Nr. nicht feststellbar, Ltn. Variot gefangen.

2 Sopwith: Zweisitzer Motor Clerget 2033, Adj. Pourcelet, Schütze Legros, beide tot; Nr. 3374, Utffz. Piel tot, Mar. d. log. Ruse gefangen.

2 Paul Schmitt: Zweisitzer Nr. 309, Ltn. Drouet, Sergt. Riehe, beide gefangen; Motor Hispano Suizza 1104, Ltu. ßettez, mar. d. log. Menendais, beide tot.

1 Voisin: Zweisitzer Nr. 2546, Ltn. Angnier, Plossu, gefangen.

1 Farman: Zweisitzer Motor Clemens Bayard 2168, Adj. Röchet, Sergt. Tramoni gefangen.

1 A. R. Zweisitzer Motor Renault, Ltn. Jacob tot, Beobachter Jacob verwundet.

1. F. E. Zweisitzer Nr. 852, See-Ltn. Taylor, Ltn. Le Fevre, unverwundet gefangen.

Italienische. 3 Sopwith: Einsitzer Nr. B 2436, Sec.-Ltn. D. W. Roß tot; Umlaufmotor Erskine tot; Nr. 13062 Sec.-Ltn. J. D. O. Gore tot.

1 Nieuport: Einsitzer Nr. 27, ital. Sergt. gefangen.

2 Flugzeuge unbekannten Typs. Namen der Insassen nicht feststellbar.

Mazedonische Front. 1 B. E. Zweisitzer Nr. A 6206, Ltn. Tracey, Obltn. Rowan, beide gefangen.

1 Nieuport: Einsitzer. Nummer des Flugzeuges und Name der Insassen war nicht feststellbar.

Flugzeuglacke und ihre Anwendung.

(Schluß.)

Verfahren zur Erzielung einer guten Tragdeck-Fläche: Was zunächst die Glätte anbelangt, so ist sie natürlish um so leichter zu erzielen, je glätter da9 Gewebe selbst ist. Ferner muß man Vorsichtsmaßregeln treffen, um Schmutz vom Lack fernzuhalten, bevor er gebraucht wird, und von den Flächen, bevor sie trocken sind. In der Regel wird vier- bis sechsmal aufgestrichen; in manchen Betrieben wird noch, um die Glätte zu erhöhen, vor jedem neuen Aufstrich der alte mit Sandpapier abgerieben. Zweckmäßig ist es auch, den ersten Aufstrich gut in das Gewebe hineinzuarbeiten, um den Lack möglichst gut zum Haften zu bringen. Die folgenden Schichten werden besser mit langen Strichen aufgetragen bis auf die letzte Schicht, die zur Kräftigung dicker gestrichen wird.

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Oft wird den Lacken die Schuld dafür zugeschrieben, daß sie zu wenig haften, während der Fehler auf Seiten des Gewebes liegt. Im allgemeinen dringen Lacke nicht gut in gesteifte Gewebe ein; doch gibt es Ausnahmen von dieser Regel und der Grund hierfür mag darin liegen, daß dort, wo Lacke gut in gesteifte Gewebe eindringen, dasSteifenmiltel sich im Lack löst. Ein andrer Fehler, der hier wahrscheinlich mitspricht, ist der Charakter, den die Lacklösung besitzt; je kolloidaler dieser ist, um so weniger Neigung zum Eindringen liegt vor. Wie Versuche erwiesen haben, vermag jeder Lack besser einzudringen, besser zu haften, besser atmosphärischen Einflüssen zu widerstehen, besser sich zu halten, wenn er auf ungesteiften Stoff, als wenn er auf gesteiften Stoff aufgetragen wird. Dies ist wahrscheinlich damit zu erklären, daß der Lack dort, wo er auf ungesteiften Stoff aufgetragen wird, in die Stoffasern eindringt, anstatt nur in die Maschen, und so im trocknen Zustande einen Teil der Faser bildet. Da das Steifmittel zumeist durch Auskochen in reinem Wasser oder einer weichen Alkalilösung entfernt werden kann, so ist es nicht schwer, gute Haftung zu erzielen.

Was die Straffheit anbelangt, so machen die heutigen Lacke wohl alle die Fläche straff, nur verursachen sie hierbei mehr oder weniger Schrumpfung. Sie sind zunächst wohl auch alle wasserdicht, nur der Grad, in dem sie der dauernden Einwirkung des Wassers Widerstand leisten, wenn sie z. B. in einer Regen-Periode dem Wetter ausgesetzt sind, ist verschieden. So war in der letzten Aero Show in New-York eine Maschine ausgestellt gewesen, die 6 Wochen lang an der Nord-Atlantischen Seeküste in einer sehr ungünstigen Jahreszeit Dienst getan hatte; sie war eisbedeckt zurückgekommen und doch war die Bespannung noch in guter Verfassung. Man hatte sie mit Acetat-Lack behandelt und dann noch eine oder zwei Spat-Firniß-Schichten aufgestrichen. Tatsächlich hat ja der von einigen Firmen angewendete Spat-Firniß die Eigenschaft, die Fläche widerstandsfähiger gegen Wasser zu machen, aber auch den Nachteil, daß man Löcher und dgl. nicht flicken kann, wie bei den gewöhnlichen Lackarten, die man als Klebmittel benutzt, um ein Flickstück aufzulegen; denn -der Spat-Firniß klebt nicht und muß vor einer Reparatur erst wieder entfernt werden.

Der Krankheit des Lackraums, die sich in der Bildung weißer Flecken auf den lackierten Flächen äußert, ist bisher noch nicht Erwähnung getan worden > sie tritt häufiger bei Pyroxylin- als bei Acetat-Lacken auf und entsteht durch de Kondensation der Feuchtigkeit beim Trocknen und zwar nur an feuchten oder regnerischen Tagen. Man kann die Flecken durch Ueberstreichen mit einer Lacklösung am besten einer Acetat-Lack-Lösung, die zugleich auch die Fläche feuerbeständig macht, beseitigen. Die Bildung der weißen Flecken läßt sich sogar an nassen Tagen vermeiden, wenn man den Feuchtigkeitsgehalt der Luft im Lackraum regelt; aber das erfordert gewöhnlich ein gut durchgearbeites Ventilation s-System.

Deckkraft: Ohne weiteres läßt sich die Frage nach der Deckkraft dieses oder jenes Lacks nicht beantworten, da hierbei die „persönliche Gleichung" des Arbeiters eine Rolle spielt und das Verhalten der verschiedenen Gewebe verschieden ist. Ein bestimmter Lack enthält soundsoviel feste — d. h. nicht flüchtige — Bestandteile auf das Liter und kann daher, jenachdem, ob er dick oder dünn aufgestrichen wird, weniger oder mehr Fläche decken. Indessen sind verschiedene Lacke mit gleichem Prozentsatz an festen Bestandteilen ganz verschieden in ihrer Deckkraft, wenn diese an dem zur Herstellung einer brauchbaren Fläche auf einem bestimmten Gewebe erforderlichen Betrag gemessen wird. Im allgemeinen kann man bei dieser Kompliziertheit der Einflüsse sagen Die Lacne decken etwa 0,45 bis 0,9 qm pro Liter, wenn sie nur allein aufge-

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strichen werden, also ohne Schlußaufstrich, wie z. B. Spat-Firniß. Diese Leistung wird mit 4 bis 6 Aufstrichen — je nach der Aufstrichpraxis im einzelnen — erzielt, auf jeden Fall aber wird das Gewicht des fertigen Ueberzuges bei einem bestimrhten Lack und einem bestimmten Grad der Schlußbehandlung annähernd das gleiche sein. Dieses Gewicht bewegt sich zwischen 50 und 120 gr pro qm.

Haltbarheit: Schwierig ist es auch, die Frage nach der Länge der Zeit, in der sich eine gut lackierte Fläche hält, einigermaßen genau zu beantworten. Der am meisten bestimmende Faktor ist hierbei natürlich der Lack selbst, wenn auch noch eine Reihe anderer Umstände, wie wir bereits gesehen haben, hierbei mitspricht. Einige Angaben hierüber sind in den Berichten des Advisory-Committee von 1916 enthalten; sie lassen erkennen, daß im allgemeinen die Azetatlacke den Nitratlacken bei Anwendung auf Baumwolle weit überlegen sind: d.h. die Reißfestigkeit der lackierten Gewebe nimmt infolge Wettereinflusses viel weniger bei Azetat- als bei Nitratlacken ab. Dasselbe gilt anscheinend auch bei Verwendung von Leinewand, wenn auch nicht in so hohem Maße.

Gewöhnlich werden die zu prüfenden Lackgewebe auf Bretter gespannt und eine Zeit lang Wind und Wetter ausgesetzt. Dies ist allerdings eine härtere Behandlung, als f'lugzeuge sie gewöhnlich erfahren. Die erste der geschätzten Eigenschaften, die zuerst verschwindet, ist in der Regel die Geschmeidigkeit; die Länge der Zeit bis zum Eintritt dieser Erscheinung kann als Maß für den relativen Wert der verschiedenen Lacke augenommen werden. Wegen der weitauseinandergehenden Verschiedenheiten der atmosphärischen Verhältnisse je nach der Jahreszeit und dem Ort der Untersuchung ist es nicht möglich, eine bestimmte Zeit als Normaldauer festzulegen. Man kann nur ganz allgemein sagen, daß es notwendig sein dürfte, alle 3-5Monateden Aufstrich zu erneuern.

Wenn auch die durchscheinenden, unentflammbaren Tragflächen nicht eigentlich in das Kapitel „Lacke" gehören, so wird es doch von Interesse sein, hierüber einiges zu hören. Das in Betracht kommende Material ist aus Cellulose Azetat hergestellt. In einer Stärke von 0,25 mm wiegt es 300 g/qm und besitzt eine Reißfestigkeit von etwa 1300 kg/m. Es wird behauptet, daß ein mit derartigen Flächen ausgestattetes Flugzeug von einer gewissen Höhe ab fast unsichtbar sej; jedenfalls dürfte das Gesichtsfeld des Führers erklärlicherweise erheblich vergrößert sein. Eine wenig angenehme Eigenschaft dieser Blättftr besteht darin, daß sie sich nur schwer befestigen lassen und sehr rasch aufreißen, wenn sie erst einmal einen Riß bekommen haben. Um das Aufreißen zu vermeiden, hat man vorgeschlagen, die transparenten Blätter durch ein Gewebe wie losegewebte Seide zu verstärken. Wenn ein derartiges Gewebe an sich auch keine große Festigkeit besitzt, so dient es doch dazu, ein weiteres Aufreißen zu verhüten. Hiermit ist allerdings dann wieder der Nachteil verbunden, daß die Transparenz abnimmt.

Vorstehender, einer englischen Zeitschrift entnommener Bericht übergeht eine Seite und zwar eine sehr unangenehme Seite der Flugzeuglacke, Die Giftigkeit, die einige ihrer Arten besitzen.

Luftfahrzeug- und Automobilmotoren.

In einem Vortrag, den der englische Fabrikant des Sunbeam-Motors, Louis Coatalene, vor einigen Monaten vorder Aeronautical Society hielt, stellte er u. a. die wesentlichen Unterschiede dar, die den heutigen Flugmotor von dem bei Automobilen verwendeten Moto: trennen, wobei er Wert aif die Feststellung egte, daß der Flugmotor nicht aus dem eigentlichen Automotor, sondern aus

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seiner Sonderart, der Rennwagentype hervorgegangen sei. Die beachtenswerten Ausführungen hierüber seien nachstehend wiedelgegeben.

Unterschiede der beiden Motorenarten:

Die Hauptmerkmale des Automobilmotors sind:

1) Das Gewicht spielt praktisch keine Rolle.

2) Die Herstellungskosten sind von äußerster Wichtigkeit; daher darf nur ein Mindestmaß an Bearbeitung aufgewandt werden. Die Pleuelslangen werden z. B. nicht gefräst und die Kurbelwellen nicht vollständig bearbeitet.

3) Die Herstellung muß in großen Mengen bei geringsten Kosten möglich sein, d. h. mit dem geringsten Arbeitsaufwand.

4) Die G er aus ch v e r m i n d e r u n g muß bis auf das äußerste, praktisch mögliche Maß durchgeführt werden.

5) Die Höchstleistung, deren der Motor fähig ist, braucht nicht lange Zeit anzuhalten; er arbeitet selten mit voller Kraft. Aus der kurzen Dauer der Maximalleistung erklärt sich die außerordentliche Zuverlässigkeit sogar der minderwertigen Arten von Automobilmotoren.

6) S c h m i egs a m k ei t; sie gibt ein konstantes Drehmoment zwischen 300 und 2000 Kurbelwellen-Umdrehungen in der Minute.

7) Naturgemäß ist dies ein Drehmoment, das einem sehr niedrigen mittleren Druck, etwa 5,6 atm,, entspricht.

8) Die Kompression ist verhältnismäßig niedrig und der Ventilquerschnitt klein, die Nockenformen bequem und die Ventilfedern leicht.

9) Das übliche Schmiersystem, bei dem sich das Oel auf dem Boden des Kurbelwellen-Gehäuses befindet, ist ausreichend.

10) Die Höchstleistung an PS, die von dem Motor verlangt wird, nähert sich selten der Zahl 100; in der weit überwiegenden Mehrheit der Fälle überschreitet sie nicht 30 PS.

Die Hauptmerkmale des Flugmotors sind:

1) Das Gewicht ist von äußerster Wichtigkeit.

2) Die Herstellungskosten bilden keinen ausschlaggebenden Faktor, vorausgesetzt, daß die verlangten Leistungen hinsichtlich der vorgeschriebenen Abmessungen („über alles") des Motors, sowie hinsichtlich seines Gewichts und des Verbrauchs von Benzin, Schmiermitteln und Wasser erreicht werden und der geforderte Grad der Zuverlässigkeit vorhanden ist.

3) Die Arbeit, die notwendig ist, um einen befriedigten Luftmotor hoher Leistungsfähigkeit herzustellen, war stets ein Mehrfaches derjenigen Arbeitsmenge, die ein Automobiltnotor erfordert und wird es auch in Zukunft sein; es ist dies eine Sache untergeordneter Bedeutung, vorausgesetzt nur, daß die verlangten Leistungen erzielt werden. Kein Herstellungsverfahren ist zu kostspielig, wenn es Gewichtsersparnis nach sich zieht.

4) Geräuschlosigkeit ist verhältnismäßig bedeutungslos.

5) Der Flugmotor leistet eine ganze Arbeit mit voller Kraft.

6) S ch m i egsa m k ei t oder Gleichförmigkeit des Drehmotors ist durchaus von untergeordneter Bedeutung, denn von einem Flugmotor wird verlangt, daß er das Maximaldrehmoment nur bei praktisch stets gleicher Drehzahl entwickelt oder zumeist doch nur in einem äußerst begrenzten Drehzahlbereich.

7) Aber dieser D r e h zahl b e r ei ch ist derart, daß er einen sehr hohen mittleren Druck erfordert, etwa 9—10 atm.

8) Die Kompression muß verhältnismäßig hoch und der Ventil-Querschnitt groß sein, wobei die Ventilfedern wegen der scharfen Nockenform stärker als für Automobilmotoren ausfallen müssen.

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9) Der notwendigerweise hohe mittlere Druck in Verbindung mit dem Umstände, daß der Motor fast seine ganze Arbeit unter Vollbeladung leistet, schafft einen vollständig andern Ausgangspunkt für die Durcharbeitung der Konstruktions-Einzelheiten und erfordert vor allem neue Methoden der Schmierung. Die Erfahrung hat im Uebermaß gezeigt, daß, wenn der Gehäuse-Boden als Oel-Wanne benutzt wird, wie es in der Praxis der Automotoren geschieht, das Schmiermittel in kurzer Zeit zu heiß, also zu flüssig wird, worauf sich eine Druckminderung in den Hauptlagern einstellt; daher ist die Anwendung des „Trocken-Sumpf-Systems"bei Flugmotoren zweckmäßig. Das von Coatalene bei Rennwagen-Motoren benutzte Verfahren besteht darin, daß das Oel von einer Pumpe aus dem Gehäuseboden abgesaugt, und von einer zweiten Pumpe in die Lager gedrückt wird; dazwischen bleibt das Oel in einem Kühl-Behälter unJ zwar ohne Ueberdruck; die Verminderung der Rohrlänge, in der das Oel unter Preßdruck steht, ist ein Hauptkennzeichen dieser Methode.

10) Schließlich ist zu bemerken, daß eine Leistung von etwa 100 PS heute von allen Flugmotoren als Mindestleistung verlangt wird, während die Höchstleistung mehrere hundert PS pro Motoreneinheit betragen dürfte.

Verwandtschaft der beiden Motorenarten : Aus den vorstehenden zehn Punkten der Gegenüberstellung, deren Zahl sich zweifellos vergrößern ließe, tritt zu Tage, daß der heutige Flugmotor nicht dem Normal-Automobil-Motor verwandt ist. Zugegeben sei, daß beide Seiten verwandte sind, die aus einem gemeinsamen Stammbaum, dem Viertakt-Benzin" Explosions-Motor hervorgegangen sind. Im übrigen ist der Flugmotor von heute ebensowenig dem normalen Automobilmotor ähnlich, als dieser etwa den Spielarten ähnelt, die in Geschäftswagen oder in Motorbooten eingebaut sind. Der Automobilmotor ähnelt der Flugtype kaum mehr als in dem bescheidenen Maße, wie es bei der stationären Gasmaschine gegenüber dem handlichen Benzinmotor der Fall ist. Daß der Luftfahrzeugmotor sich aus der Tourenwagen-Spielart entwickelt hat, läßt sich also nicht nachweisen, mühelos dagegen, daß er eine ganz bestimmte Abzweigung in der Entwicklung der Explosionsmotoren darstellt. Daher sind auch manche Firmen, die auffallend erfolgreich in der Herstellung von Motoren für Touren- oder Geschäftsfahrzeuge waren auf große, ja in einigen Fällen auf unüberwundene Schwierigkeiten gestoßen, als sie zur Herstellung von Motoren für Luftfahrzeuge Ubergingen. Die offenbar bereits beim Entwerfen vorhandenen Unterschiede spitzen sich nur noch mehr zu, wenn sie sich in Probleme der Werkstätten-Herstellung umsetzen. Andererseits darf man nicht übersehen, daß die sehr schnelle Vervollkommnung des Flugmotors während des Krieges und die hierbei gewonnenen Herstellungs-Erfahrungen einen mehr oder weniger lange dauernden Einfluß auf Entwurf und Herstellung von Motoren für Automobilzwecke ausüben wird.

Jedenfalls dürften sich die beiden Schulen, die sich je mit einem der beiden Probleme beschäftigen, auch weiterhin zum größten Teil längs zweier verschiedener Linien entlang bewegen, deren Divergenz eher zu- als abnehmen wird. Es ist noch zu bemerken, daß bis auf den heutigen Tag die nichttechnische Ansicht des kaufenden Publikums, die man durchaus nicht mißachten darf, einen nicht unbeträchtlichen, gelegentlich auch schädlichen Einfluß auf Konstrukteur und Fabrikanten ausgeübt hat. Die Entwicklung des Flugmotors hat dieser Faktor kaum früher beeinflußt, geschweige denn unter den Verhältnissen, die die Industrie jetzt am Schluß des dritten Kriegsjahres beherrschen.

Die Aehnlichkeit mit dem Rennwagen-Motor.

Im Gegensatz zu vorgenannten Motorenarten steht eine andere Art, die abweichend von der Normaltype besonders gebaut wird, allerdings nur in ge-

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ringet Zahl relativ zur Jahresproduktion, denn sie wird lediglich für Rennzwecke gezüchtet und benutzt. Es mag zugegeben werden, daß bei Beginn der Motoren-Industrie der Rennwagen des einen Jahres das Standard-Fahrzeug der nächsten Saison wurde; im Laufe der Zeit jedoch wurde der Rennbetrieb in so hohem Maße verieinert, daß der Rennmotor des einzelnen Bewerbers, wenn er erfolgreich sein sollte, ein ganz anderes Aussehen bekommen mußte, als die für öffentliche oder gewöhnliche bürgerliche Zwecke brauchbaren Normal-Motoren-Typen. Dieser Punkt wird durch eine Reihe der vom Rennmotor verlangten Haupteigenschaften bestätigt; man findet sie in ganz beträchtlichem Grade denen gleich, die man für einen Flugmotor verlangt: nämlich :

1) Das Gewicht ist von Wichtigkeit.

2) Die Herstellungskosten spielen keine wesentliche Rolle.

3) Der Arbeitsaufwand und die zur Herstellung nötige Zeit sind Dinge von verhältnismäßiger Bedeutungslosigkeit, wenn nur für eine bestimmte Ausführungsform des Motors die verlangte Höchstleistung an PS erreicht wird. Beispielsweise ttnrß jeder Teil des Rennwagen-Motors bearbeitet werden; die Pleuelstangen werden auf Mindestquerschnitt gefräst u.s.f.

4) Geräuschlosigkeit ist auf jeden Fall unwesentlich.

5) Der Rennwagenmotor leistet eine ganze Arbeit mit Vollkraft, jedoch muß sich die Gleichförmigkeit seines Drehmoments auf sehr viel größere Dreh-^ahlbereiche erstrecken, als es bei Flugmotoren nötig ist; ersterenfalls wird Gleichförmigkeit zwischen, 1600 und 3400 Kurbelwellen-Umdrehungen in der Minute verlangt, wohingegen bei Flugmotoren die Normaldrehzahl 2100 ist. Diese Zahl ist nicht weniger als um 1 300 Umdrehungen in der Minute niedriger als ■die Höchstzahl der Sunbeam-Rennwagen-Motoren. Dafür muß dem Rennwagen-Motor zu Gute gehalten werden, daß er in seinem Dienst stärkeren Beanspruchungen unterworfen ist, als gegenwärtig der Flugmotor; dafür jedoch wieder nur auf viel kürzere Zeit, außer in den Fällen, wo der Rennwagen auf einer Rennbahn gefahren wird. Selbst in diesem Falle werden zwölf aufeinanderfolgende Stunden als ein sehr langer Zeitraum angesehen, wohingegen von Flugmotoren •bereits 24 Stunden ununterbrochener Arbeit des öfteren geleistet worden sind.

6) Bezüglich „Schmiegsamkeit" muß der Rennwagen-Motor sich mehr den Anforderungen des Normal-Wagens als denen des Flugdienstes anpassen. Diese Eigenart entwickelt sich daher als ein Nachteil für den Rennwagen-Motor. Beim Gebrauch auf trockenen Straßen steigt das Anfangsdrehmoment schnell auf einen hohen Wert, während beim Angehen des Flugmotors noch keine Belastung im Propeller ist; diese wächst annähernd mit der dritten Protenz der Umdrehungszahl.

7) Rennwagenmotor und Flugmotor ähneln sich darin, daß in beiden ein sehr hoher mittlerer Druck besteht; in einigen Rennwagenmotoren ist er auf 9,5 atm, gemessen aus den Bremspferden, die am Schwungrad vorhanden sind, gestiegen.

8) Da die Losung lautet „Leistung im Verhältnis zu Motor-Gewicht und Umfang", und nicht „Geräuschlosigkeit und geringer Preis", so hat der Konstrukteur der Rennwagenmotoren freie Hand hinsichtlich Kolbenräume, Ventilabmessung, Kompression, Stärke der Ventilfedern u.s.f.; die günstigen Gelegenheiten in diesem Zusammenhang nähern sich bedeutend mehr denen der Fliegerei als denen der Normalwagen-Praxis.

9) Der notw endige hohe mittlere Druck in Verbindung mit dem Umstände, daß fast die ganze Arbeit mit Vollkraft geleistet werden muß, erfordert Schmi er-Verfahren, die gänzlich verschieden von der bei Normalwagen üblichen sind; wenn sie sich auch erst wenig den bei Flugmotoren üblichen Verfahren genähert

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haben, so sind doch immerhin die Probleme der Druckhaltung im Oelumlauf und der Erhaltung normaler Temperatur im Schmiermittel dem Rennwagen- wie dem Flugmotor gemeinsam.

10) Alle Motoren für Rennwagen bedürfen verhältnismäßig großer PS-Leistungen, durchschnittlich nämlich zwischen 80 und 225 PS, ähneln also auch in dieser Beziehung mehr den Anforderungen des Luftdienstes als denen, wie sie Tourenwagen, Stadtwagen oder Nutzwagen stellen.

Schließlich läßt sich die Beeinflussung von außen, wie sie für den Entwurf von Privat- und Qeschäftswagen nachweisbar ist, für Rennwagen ebensowenig wie für Luftfahrzeug-Motoren feststellen. Die Rennwagentype ist mit fast staunenswerter Schnelligkeit durch verschiedene Stadien hindurch in der Richtung höchster Kraftleistung in Verbindung mit geringem — zu unterscheiden von geringstem — Gewicht und äußerster Zuverlässigkeit entwickelt worden.

Man kann vielleicht den Ueberblick über die Beziehungen zwischen den drei Zweigen des Motorenbaues durch die Hinzufügung vervollständigen, daß-man beifti •■ Lüftfatirzeugmctor noch mehr • 'auf' GewfclrtsverhJinderung hinarbeiten muß, als beim Rennwagenmotor; hierzu gehört auch die Sparsamkeit im Benzin-und Oelverbrauch. Beim Rennwagenmotor sind diese beiden Merkmale von, besonderer Wichtigkeit, aber mit keinem von beiden hat man sich in der Normalwagen-Praxis eingehender zu beschäftigen brauchen. Demgemäß könnte man allgemein gesprochen mit Recht schließen, daß für den Lufffährzeugmotor das Rennwagen- und vielleicht auch das Bootsmotoren-Unternehmen ein Stadium der Entwicklung darstellt. Auf diesen Gebieten getätigte Arbeiten gaben uns die1 Daten an die Hand, mit denen die ersten Motoren entworfen werden konnten ' auf Linien, die zu der heutigen hohen Leistungsfähigkeit der Flugmotoren führen ging von da ab die weitere Entwicklung dieser Motorenart selbständig vor sich; sie ist heute voll und ganz auf den Erfahrungen aufgebaut, die man in den drei Kriegsjahren an Flugmotoren gewonnen hat; in dieser Zeit hat keine der führenden Firmen sich mit dem Bau von Rennwagen-Motoren abgegeben. Nach dem' Kriege werden sich die Verhältnisse gegen die Zeit vor dem Kriege vollständig umgedreht haben: Einen nicht geringen Einfluß auf den Entwurf von Rennwagen-Motoren werden die am Flugmotor gesammelten Erfahrungen bilden.

Soweit die Ausführungen Coatalenes Uber die Abstammung und Verwandtschaft des Flugmotors.

Aus der großen Reihe seiner für den Ausbau der Flugmotoren aufgestellten, ins Einzelne gehenden Gesichtspunkte seien nur noch diejenigen allgemeiner Art wiedergegeben. Außer den beiden Haupteigenschaften, die der Flugmotor besitzen muß, leichies Gewicht in Verbindung mit geringem Betriebsstoff-Verbrauch und Zuverlässigkeit stellt er folgende Nebenforderungen auf:

a) Ve rei nf achu ng bis aufs äußerste, angesichts dessen, daß die Motoren vielfach in die Hände von Leuten gegeben werden, die im Fliegen und in der Behandlung der Motoren nur wenig ausgebildet sind.

b) Sicherheit gegen falsche Behandlung („foolproof"), so viel wie möglich, denn manche der tollkühnsten Flieger ermangeln der Veranlagung oder besitzen kein Verständnis für die Notwendigkeit, den Motor, dem sie anvertraut sind, schonen zu müssen.

c) Gute Zugänglichkeit im Hinblick darauf, daß alle Luftfahrzeugmotoren dauernder Bewachung bedürfen und das Kriegsgeschick es gelegentlich erfordert, die lebenswichtigsten Teile auszuwechseln.

d) Normalisierung; zum ersten Male in der Geschichte des Motorenbaus stellt man Hochleistungsmotoren in Serie her.

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e) Geeignete äußere Form, damit die Kraftquelle sich zweckmäßig dem Luftfahrzeug anpaßt und ein Mindestmaß an Schwerpunktsverlegung erfordert. Aus den weiteren Ausführungen, in denen Coatalene auch die Eigenschaften der verschiedenen Zylinderanordnungen bespricht, geh"t hervor, daß er die Sternanordnung für Standmotoren als eine äußerst zweckmäßige ansieht. Er berichtet ferner über die Herstellung von Zylindern, Kolben und Zubehöraggregaten aus einer Aluminiumlegierung, bei der sich jedoch vorläufig noch die Größe des Ausdehnungskoeffizienten störend bemerkbar gemacht hat. Qewisse Mängel der jetzigen Kühlung glaubt er mit höherer Wassergeschwindigkeit beheben zu können. Schließlich sei noch auf seine Ausführungen über die Anpassung des Vergasers an die Aenderung der Arbeitsbedingungen verwiesen, denen dieser wichtige Motorteil unter den heutigen Verhältnissen gegen früher unterworfen ist. Einen weiteren Schritt der Entwicklung sieht er in der Anwendung der Vorkompression.

Verehr.) Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Nachdruck aller Artikel unter dieser Rubrik ist verboten).

Uebersetzung einer franz. Verspannnngsvorschrift der Flugzeugwerke F. Llore & Olivier, Levallois-Perret (Seine).

130 PS Sopwith Zweisitzer. Hauptmerkmale des Flugzeuges. Spannweite: 10,20 m, Länge über Alles: 7,70 m,

Tragflächeninhalt: 32,50 m8, Leergewicht: 536 kg, Gewicht beladen: 936 kg. Einstellen des Flugwerkes. Allgemeine Anordnung des Flugzeuges.

Beim horizontalen Fluge liegen die oberen Rumpflängsholme sowie die Motorachse horizontal. Die Flügel haben eine Staffelung von 610 mm und eine geringe V-Form mit einer Neigung von 104,5 mm auf 2,50 m; sie haben keine Pfeilform, d. h, die Einfrittskanten liegen in einer Ebene senkrecht zur Symetrie-ebene des Flugzeuges. Die Sehnenneigung jedes Flügels ist 62 mm auf 1,68 m mit Ausnahme der linken Flügelenden unter der letzten normalen Rippe, wo sie zum Ausgleich des Motordrehmomentes 66 mm beträgt.

Verspannen der Zelle. Grundzüge des Verspannens.

Bei horizontal liegendem Flugzeug bringe den Vorderholm durch Einstellen der V-Form und den Hinterholm durch Einstellen des Hügelwinkels in die richtige Lage. Prüfe während der letzten Einstellung die Pfeilform, die Staffelung zwischen Eintrittskanten von Ober- und Unterflügel, sowie die symetrische Lage der Eintrittskanten rechts und links.

Verspannen. 1 In die Lage legen des Flugzeuges, nach der Längsachse: Einwiegender oberen Rumpf längsholme (Abb 1); nach der Querachse: Einwiegen des unteren Mittelstückes mit Hilfe einer Richtlatte, die an beiden Enden zwei Ecken trägt, welche sich unter und gegen die Kastenrippen des Mittelstückes legen (Abb. 2).

2. Zum Verspannen der Zelle setze Böcke unter den Unterflügel, löse alle Spannschlösser und gehe in folgender Weise vor: Stelle die V-Form der Vorderhalme von Ober- und Unterflügel ein mit Hilfe eines keilförmigen Richtscheites und der Wasserwage durch Regulieren der Verspannungsdrähte a und b (Abb. 3). Die V-Form soll 2° 25' betragen. Lege ein Richtscheit von 2,896 m Länge auf

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die Beschläge der Halbstiele. Prüfe ob dieses Richtscheit wagerecht liegt und ob zwischen ihm und der mittleren Kastenrippe ein Zwischenraum von 60 mm ist

Abb. 1 Wasserwage

Abb. 2

(Abb. 3). Stelle den Einstellwinkel der Unterflügel ein mit Hilfe einer Lehre durch Verstellen der Tiefenkreuzspannung c und d zwischen den Stielen. Der Einstellwinkel soll 2" betragen. Man überzeuge sich mit einem Winkelmaß, daß

Lehre für V-Form: 2°25' Abb. X

Staffelung und Abstand der Eintrittskanten überall gleich sind Nach Bedarf berichtige man sie durch Verstellen der Baldachin und Tiefenkreuzverspannung, ■wobei man sich überzeugt, daß sich der Einstellwinkel nicht ändert (Abb. 4).

Abb. 4 Abb. 5

3. Die Querrudersteuerung wird eingestellt in der Art, daß die Klappen 25 mm unter der Flügelaustrittskante liegen (Abb. 5).

Allgemeine Betrachtungen über die möglichst gute Verw endung

des Flugzeuges. Verstellbare Höhenflosse. Die verstellbare Höhenflosse, welche durch ein Handrad zur Rechten des Führers bedient wird, hat den Zweck, den Gegendruck des Höhenruders auszuschalten, wenn das Flugzeug einer bestimmten Flugbahn folgt. D:e Vorrichtung ist so angebracht, daß zum Aufrichten des Flugzeuges das Handrad im Uhrzeigersinn gedreht werden muß. Die Marke des Rades soll nach oben zeigen, wenn die Flosse in halber Höhe steht. Ihr Einstellwinkel gemessen durch die Höhendifferenz ihrer Vorder- und Hinterholme ist dann 2° gegenüber der Horizontalen. Der Steuerknüppel steht dann senkrecht, während das Höhenruder in Verlängerung der Flosse liegt. Die beste Geschwindigkeit für schnelles Steigen ist 90 km/Stde, entsprechend einem Winkel des Rumpfes gegen-

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sind weäen ihrer unüberfre/f- -liehen Leisfun4sfähi£keif die erfol&reicAsfen und be&enrfesiert Luftschrauben der Gegenwart." ,

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Uber der Horizontalen von 12—15°. Berichtige die Flossenverspannung unter Benutzung einer Wasserwage, die wagerecht auf die Holme der Höhenflosse und senkrecht an die Kielflosse gelegt wird.

Luftbremse. Die Luftbremse gestattet mit geringer Geschwindigkeit und auf beschränktem Gelände zu landen. Sie soll ungefähr 60 m über dem Boden betätigt werden. Achte darauf, daß bei normalem Fluge ihr Feststellhebel nach unten gedrückt ist.

Verspannungstoleranzen. Für die V-Form 2-3 mm mehr oder weniger auf 2,5 m. Für die Staffelung 10 mm mehr oder weniger auf 610 mm, jedoch muß Staffelung und Flächenabstand gleichförmig sein und Symetrie auf beiden Seiten eingehalten werden.

Notiz: Bei der Verspannung wird vorausgesetzt, daß das Mittelstück am Rumpf genauen Einstellwinkel hat. Man prüfe, ob die Differenz der Höhenlage von Vorder- und Hinterholmachsen 36,5 mm beträgt.

Einstellen des Triebwerkes.

Aufsetzen der Luftschraube. Da der Schuß des M.-G. durch den Motor ausgelöst wird, ist die Schraube so aufzubringen, daß sie die Flugbahn des Geschosses im Augenblick des Abschusses 2—3 cm überschritten hat.

Regulierung des Motors. Man richte sich nach dem Motorschild.

Brenn stoffmengen. Benzin 1881 (Haupttank 173 I. Zwischentank 15 1), Oel 46 1.

Benzinschaltung. Im Fluge achte man darauf, daß der Lufthahn des Zwischentanks geöffnet wird, sobald das Schauglas am Benzineinlauf keine Zirkulation mehr anzeigt (Abb. 6). Bei Flugzeugen mit Drucktank beträgt der Normaldruck 50 gr; er darf niemals 100 gr überschreiten.

Lufti/enül

Haupttank

flstra-Pumpe

Abb. 6

Unterhaltung des Flugzeuges. Versehe mit konsistentem Fett die Kabelführungen im Rumpf, schmiere die Gelenke der Querruder, Höhen- und Seitenruder. Schmiere die Lager und Rohre der verschiedenen Steuerhebel, das Gewinde der Flossenverstellvorrichtung, die Radnaben und die Kugellager der Rollen in den Flügeln.

Wugtecljnifclje (Rmdfcljau.

Inland.

Den Orden Pour le mérite erhielten: Obltn. d. R. Christiansen, Leiter einer Seeflugstation. Die Leistungen dieses hervorragenden Fiegers sind aus den Admiralstabsberichten unseren Lesern bekannt. Ferner Obltn. Loerzer Führer einer Jagdstaffel, welcher am 19 Januar 1918 seinen 20. Luftsieg erfocht.

Den Heldentod fürs Vaterland fanden : Uffz. und Flgzf. Brettschneider bei einer württbg. FliegerrAbteilung am 30. 1. 18.

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Flugverband-Haus. Der Verband Deutscher Flugzeugindustrieller, der Kaiserliche Aero-Klub und der Kriegsverband der Flugzeug-Industrie haben das ehemalige Anwaltshaus am Schöneberger Ufer 40, bezogen. Dem neuen Zweck entsprechend, wurde vom Industriellen-Verband, der die Gesellschafts- und Büroräume z. T. an die befreundeten Gruppen weitervermietet, der [Name „Flugverband-Haus" gewählt.

Von der Front.

10. Februar. Englischer Bericht. Trotz des schlechten Wetters führten unsere Flieger einen erfolgreichen Raid nach Deutschland aus und warfen mit ausgezeichnetem Erfolg fast eine Tonne Explosivstoff auf bedeutende Eisenbahnknotenpunkte und Schuppen und Geleise bei Courzelles-Ies-Metz ab. Einer von ihnen wird vermißt.

11. Februar. Berlin. Im Monat Januar haben die Gegner 31 Luftangriffe auf das deutsche Heimatgebiet unternommen. Davon galten 17 dem lothringischluxemburgischen Industriegebiet und 14 den offenen deutschen Städten Ludwigs1 hafen, Freiburg (je drei Angriffe), Trier (zwei Angriffe), Friedrichshafen, Rastatt, Offenburg, Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg je ein Angriff. Wenngleich die Zahl der Angriffe gegenüber dem vorigen Monat (13 Angriffe) infolge der günstigeren Weiterlage bedeutend gestiegen ist, so waren doch für uns Schäden und Verluste glücklicherweise geringer als im Vormonat. Die Opfer der Angriffe waren insgesamt fünf Tote nnd neun Verletzte. Der Sachschaden war in allen Fällen unerheblich. Die wenigen Bomben, die auf die Werke unsrer Rüstungsindustrie fielen hatten keine nennenswerte Betriebsstörung zur Folge Der Gegner büßte bei diesen Angriffen vier Flugzeuge ein.

Wien. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet'. Der italienische amtliche Bericht vom 7. Februar meldet, daß von italienischen Piloten und deren Verbündeten 56 feindliche Maschinen in der Zeit vom 26. Januar bis 6. Februar zum Absturz gebracht worden seien. Demgegenüber wird festgestellt, daß die Zahl der in dieser Zeit zum Absturz gebrachten österreichisch-ungarischen Flieger acht Apparate beträgt, während in demselben Zeitraum neun feindliche Flieger abgeschossen wurden. Während des gestrigen Tages herrschte trotz der ungünstigen Beobachtungsmöglichkeit an der Südwestfront rege Fliegertätigkeit, der ein italienischer Ballon zum Opfer fiel. Oesterreichisch-ungarlsche und deutsche Abieilungen führten zahlreiche Bombenflüge aus und konnten mehrere Bahnanlagen, Luftschiffhäfen und Flugfelder mit gutem Erfolg bewerfen.

Barcelona. Meldung der Havasagentur. In einer Straße im Zentrum der Stadt explodierten in der letzten Nacht mehrere Bomben. Niemand wurde getötet.

En gl i s c h er Be ri c h t. Einer unserer Flieger schoß nacheinander zwe feindliche Flugzeuge ab. Das erste ging nördlich von Piovene nieder, und seine Insassen wurden gefangen genommen, der zweite Apparat ging in Flammen bei Balli del Signori nieder.

12. Februar. Italienischer Bericht. Ein feindliches Flugzeug wurde durch einen unserer Flieger in der Gegend von Bertiaga abgeschossen.

13. Februar. Deutscher Tagesbericht. In Vergeltung feindlicher Bombenabwürfe auf Saarbrücken am 5. Februar griffen unsere Flieger gestern abend die Festung Nancy mit Erfolg an.

Mazedonische Front. Bei Monastirund am Wardar Artillerie- und Fliegertätigkeit.

Französischer Bericht Deutsche Flugzeuge warfen letzte Nacht mehrere Bomben auf Nancy. Drei Personen der Zivilbevölkerung wurden getötet, fünf verwundet. In der Periode vom 1. bis 10. Februar schössen unsere Flieger 28 deutsche Flugzeuge ab, von denen 14 ganz zerstört und 14 schwer beschädigt wurden.

Englischer Bericht. Im Laufe eines gestern nach Deutschland ausgeführten Fliegerunternehmens warfen unsere Flieger mit ausgezeichneten Ergebnissen mehr als l'/4 Tonnen Geschosse auf die Kasernen und den Bahnhof von Offenburg ab. Im Bahnhof, auf den Geleisen und den Eisenbahngebäulich-keiten wurden mehrere Treffer beobachtet. Brände brachen bei den Kasernen aus und zwei weitere in der Stadt. Einer unserer Flieger führte mit Erfolg e ne

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Erkundung über feindliche Flugzeuge aus. Alle unsere Apparate kehrten wohl behalten zurück.

Italienischer Bericht. Oestlich von Comegliano wurden zwei feind-iche Fesselballone durch britische Flieger in Brand geschossen.

15. Februar. Deutscher Tagesbericht. Im Monat Januar beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen Fronten 20 Fesselballone und 151 Flugzeuge, von denen 67 hinler unsren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind.

Wir haben im Kample 68 Flugzeuge und 4 Fesselballone verloren.

Französischer Bericht. In der Nacht vom 12. auf den 13., warfen unsere QeschwaJer 4700 Kilo Geschosse auf die Bahnhöfe von Diedenhofen. Con-flans, Chamblay, und Metz-les-sablon ab. In den Bahnhöfen von Chamblay und Metz-les-Sablon wurden Feuersbrünste und Explosionen festgestellt.

Explosion einer deutschen Fliegerbombe.

16. Februar. Fr a n zös i sc h er B eri c h t. Feindliche Flieger warfen letzte Nacht mehrere Bomben nördlich von Nancy ab. Man meldet Tote und Verwundete unter der Zivilbevölkerung. — Der Luftkrieg war am 15. schwierig, das Wetter war wieder wolkig und neblig, aber unsere Flugzeuge führten verschiedene Erkundungsflüge aus. Einige Bomben wurden abgeworfen auf feindliche Gräben und veischiedene andere Ziele hinter den feindlichen Linien, auf die Maschinengewehrfeuer eröffnet wurde. Letzte Nacht wurden Bomben auf Menin, die Eisenbahnstation, die Ausweichstellen und feindliche Flugplätze und Quartiere abgeworfen. Ein deutsches Flugzeug landete unversehrt hinter unseren Linien, die Insassen wurden gefangen genommen Alle unsere Flugzeuge sind unversehrt zurückgekehrt.

17. Februar. Deutscher Tagesbericht. Unsre Flieger haben in der letzten Nacht London, Dover, Dünkirchen, sowie feindliche Seestreitkräfte an der französischen Nordküste mit Bomben angegriffen.

Berlin. Am 16. Februar griffen unsere Flugzeuge in den südlichen Hofden englische Wasserflugboote an, die einen von England nach Rotterdam fahrenden

Explosion einer deutschen Fliegerbombe,

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Geleitzug begleiteten. Eines der Flugzeugboote wurde durch Oberleutnant z. S. d. Res. Christiansen brennend zum Absturz gebracht.

London. Feindliche Flieger überflogen die Küste von Kent in der Nähe der Themse-Mündung gestern Abend kurz vor 10 Uhr und gingen gegen London vor. Bisher ist, wie gemeldet wird, erst eine Bombe über London abgeworfen worden.

18. Februar. Deutscher Tagesbericht. Bei klarem iFrostwetter waren die Flieger am Tage und in der Nacht sehr tätig.

Militärische Anlagen hinter der feindlichen Front wurden in großem Umfange mit Bomben belegt. Ein Flugzeug griff London an

In den beiden letzten Tagen wurden im Luftkampf und von der Erde aus 16 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone abgeschossen.

Wie Reuter aus London meldet, veröffentlicht der Kommandant der Seestreitkräfte des Mutterlandes folgenden Bericht: 5 oder 6 feindliche Flugzeuge Uberflogen am Samstag Abend die Themse-Mündung und griffen London an. Alle wurden verjagt mit Ausnahme eines einzigen, dem es gelang, die Verteidigungsanlagen zu überqueren und nur eine Bombe auf den Südwestdistrikt der Stadt abzuwerfen. Diese Bombe zerstörte eine Gebäulichkeit, wobei ein kranker Offizier, seine Frau und zwei Kinder unter den Trümmern begraben wurden. Das Flugzeug hat, bevor es die Verteidigungsanlagen passierte, mehrere Bomben in der Umgebung von London abgeworfen, ohne jedoch, soweit gemeldet wird, Opfer oder Schaden hervorzurufen.

Ein feindlicher Angriff, der am Samstag gegen Dover ausgelührt wurde, wurde abgewiesen. Die feindlichen Flieger warfen einige Bomben ab, die auf freiem Felde niedergingen. Mehrere unserer Flieger nahmen den Kampf mit den gegnerischen Fliegern auf, von denen einer ins Meer fiel. Endgültige Berichte über diese Kämpfe sind noch nicht eingegangen. Es scheint jedoch, daß die Verluste und der Schaden gering sind.

19. Februar. D e u t scher Tagesbe rieht. Im Luftkampf wurden gestern 7 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Oberleutnant Lörzer errang seinen 21., Leutnant Udet und Leutnant Kroll errangen ihren 20. Luftsieg.

Ausland.

Die Luftschilfahrtskonferenz. Laut „ldea Nazionale" reist der italienische Kommissar Chiesa am 25. Februar nach London zur internationalen Luftschiffahrtskonferenz ab.

Fliegerpanik In Paris. In Paris wurde am 17. Februar, abends gegen 11 Uhr, wie gemeldet, ein Fliegerangriff angekündigt. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine starke Panik. In der großen Oper, wo eben der vierte Akt der „Favoritin" beginnen sollte, stürzte das Publikum nach dem Erdgeschoß. Die Leute, die in den Straßen die Sirenen hörten, sahen sich verzweifelt nach den grünen Laternen um, die nach einer Verfügung der Polizeipräfektur die Zufluchtsstellen in jeder Straße bemerkbar machen sollten. Sie waren unsichtbar.

Den Anlaß zu der Panik gab ein von der Front zurückkehrender Flieger, der sich verirrt und seine Raketen verbraucht hatte, sodaß er kein Signal mehr abgeben konnte. So nahm ihn die Luftverteidigung von Paris für einen feindlichen Flieger und alarmierte die Bevölkerung. Die Folge war lediglich, daß zwei Flugzeuge des Flugplatzes von Le Bourget, die zur Abwehr der deutschen Flieger herbeieilten, abstürzten, wobei ein Flieger getötet und zwei schwer verwundet wurden.

Materialmangel In England. Der Vormarsch der Deutschen über Dünaburg erregt in England ernste Besorgnis, da jetzt schon in England Flachsmangel herrscht und große Schwierigkeiten wegen der Flugzeug-Industrie befürchtet werden. Am 31. Januar fand bereits eine Versammlung der Interessenten der Flachsindustrie in Belfast statt in der der Vorsitzende auf den außerordentlichen Flachsmangel und die sich vermehrenden Hemmnisse für die Fertigstellung von Leinen hinwies. Die Flachsproduktion Englands sei nahezu gänzlich verschwunden

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Patentwesen.

Gebrauchsmuster.

77h. 675247. Karl Potthast, Kiel, Lützowstr. 7. Neigungsmesser für Flugzeuge. 25. 7. 17. P. 28 976.

77h. 675 249. Hermann Trambo, Dresden, Ammonstr. 37. Schwingenflugzeug. 17. 9. 17. T. 19t60

77h. 675250. Otto Marschall, Ohlau i. Schi. Schwingenflieger. 3 10 17. M. 57686.

77h. 675 251. Alwin Menk, Mesendorf, Ostprignitz. Fliigmaschine. 9. 10. 17. M. 57 716.

77h. 675 254 Gustav Arendt, Weimar i. Thür. Hebezeug oder Aufbocker für Flugzeuge. 7. 11. 17. A. 27 475.

77h. 675255. Siegfried Jahnke, Hanrover, Königstr. 41. Vorrichtung zur Verständigung zwischen Führer und Beobachter des Flugzeuges. 12. 11. 17. I. 17453.

77h 675338. O. Trinks, Fabrik für Flugzeugteile, Berlin-Marienfelde. Kauschenschäkel. 10. 7. 15. T. 18050.

77h. 675 339. Luft-Verkehrs-Gesellschaft m. b. H., Berlin-Johannisthal. Radachsenabfederung, besonders für Flugzeuge. 19. 11. 15. Sch. 56 009.

77h. 675340. Josef Sablatnig, Berlin-Schöneberg, Steinacherstr. 2. Anordnung an Tragflächenrippen für Flugzeuge. 12. 2. 16. S. 36910.

77h. 675 445. Richard Ruß, Berlin, Diefftnbachstr. 37. Bremsvorrichtung für Flugzeuge. 8. 6. 15. R. 41 317.

Patent-Erteilungen.

77h. 6. 304039 Jean Goebel, Darmstadt, Griesheimerweg 57. Propellerbefestigung. 25 8. 14. G 42252.

77h. 9. 30404S Jacob Lohner & Comp., Wien; Vertr.: H. Springman u. E. Herse, Pat-Anwälte, Berlin SW. 61. Lenkbares Fahrgestell für Flugzeuge. 27. 1. 14. L. 41293. Oesterreich 16. 12. 13.

77h. 6. 304446. Franz Reschke G. m. b. H., Berlin. Propellerförmiges Windrad zum Antrieb von Hilfsmaschinen auf Luftfahrzeugen. 2. 3 16 R 42973.

77h. 15. 304015. Ludwig Meyer, Bochum, Hernerstr. 153. Bombe mit Fallschirm für Luftfahrzeuge. 17. 2. 15. M. 57657.

Firmennachrichten.

Max Matthaey & Co. G. m, b. H., Inh. Jessurun & Hurtig, Berlin-Neukölln. Diese bisherige Firma ist handelsgerichtlich abgeändert worden in Jessurun u. Hurtig G. m. b. H. (Vorm. Max Matthaey u. Co.)

Zeppelin-Werke G. m. b. H., Staaken. In diesem neuen Unternehmen sind die bisherigen Firmen Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. und Flugzeugwerft G. m. b. H., mit allen Aufträgen, Außenständen und Verpflichtungen zusammengelegt worden. Den Vors'and der Gesellschaft bilden: die bisherigen Geschäftsführer des Luftschiffbau Zeppelin, G. m. b. H., Dipl.-Ing. Dörr und Dipl.-Ing. G:af F. v. Zeppelin, und der seitherige Geschäftsführer der Flugzeugwerft G. m. b. H., Direktor Rasch.

Rumpler-Werke A.-G., Berlin-Johannisthal. Diese neu gegründete Gesellschaft hat den Geschäftsbetrieb der Rumpler-Werke G. m. b. H. Berlin-Johannisthal übernommen. Zum Vorstand der Gesellschaft ist Ingenieur Edmund Rumpier bestellt worden.

Jakob Lohner & Co., Wien. Der Name dieses Unternehmens ist in Lohnerwerke Gesellschaft m. b. H. umgewandelt worden. Alleiniger Geschäftsführer ist Ludwig Lohner.

Gothaer Flugzeugwerke Q. m. b. H. Unter dieser Firma wurde in das Handelsregister zu Gotha folgendes eingetragen: Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung und der Verkauf von Flugzeugen. Das Stammkapital beträgt 20000 M. Der Gesellschaftsvertrag ist am 9. Februar 1918 errichtet. Geschäftsführer ist der Prokurist Herr Otto Motschmann in Gotha.

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Gleit- und Modellflugwesen.

Noch etwas zum Antrieb von Flugzeugmodellen mit Gummimotoren.

Ing. Hermann Hene. Vor nicht allzulanger Zeit kam für den Antrieb der Luftschraube bei freifliegenden Klugzeugmodellen nur der Gummimoior in Betracht. Diese Art des Betriebes, wohl von Penaud zum ersten Male benutzt, ist zugleich die leichteste und betriebssicherste, die letztere Eigenschaft ist die ins Gewicht fallendere. Ein Versagen ist, wenn der Gummistrang aufgewickelt ist, beim Start und im Fluge ganz ausgeschlossen, wenn nur nicht der Nachteil wäre, daß die Kraftentfaltung mit jeder erfolgten weiteren Umdrehung mehr nachläßt und von sehr kurzer Dauer ist.

Man hat schon viel zur Hebung dieses Uebelstandes unternommen und die im Laufe der letzten zwei Jahre dem Kaiserlichen Patentamte zur Eintragung vorgelegten Erfindungen zeigen, wie sehr unsere Modellkonstrukteure an dem weiteren Ausbau der zweckmäßigsten Ausnutzung des Gummis als Motor arbeiten. Und das geschieht sehr zu recht! Man sollte derartige Bestrebungen auch weit-gehendst unterstützen; denn, haben wir auch schon alle möglichen Modellmotoren, wie Stahlfeder-, Preßluft-, Kohlensäure-, Benzinmotoren usw., so wird doch der Gummimotor nie seine Bedeutung verlieren, und warum sollen wir unsi auch ohne weiteres von einer Antriebsart trennen, die uns jahrelang den Bau freiliegender Modelle überhaupt ermöglichte!

Hat es außerdem nicht einen besonderen Reiz, wenn ein Modellbauer eine Glanzleistung vollbracht hat, daß er aus der Menge seiner Sportsgenossen hervortreten kann, da er infolge eifrigen Studiums und gesammelter Erfahrung zu geschickter ideeller Verquickung seiner Konstruktion gekommen ist, welche bei gleichem Motorgewicht und Tragflächenareal eine Flugstrecke erreichte, die hundert anderen mindestens ebenso geschickten Modellbauern nicht gelungen ist

Ueberhaupt soll hier noch einmal, wie es schon so oft. doch lange noch nicht oft genug, darauf hingewiesen werden, daß man bei erzielten Flugleistungen immer berücksichtigen muß, um was für ein Modell es sich gehandelt hat; es ist ganz klar, daß man mit einem Benzinmotor-Flugmodell von 2,50 m Spannweite andere Leistungen erzielen wird, als mit irgend einem anderen Antriebe. Man muß beim Vergleiche zweier Modelle immer die Antriebsart, die Spannweite, das Gewicht und das Motorgewicht berücksichtigen. Gerade darin liegt das Können eines Modellbauers, mit geringen Kräften und Mitteln möglichst große Effekte zu erzielen.

Auf die bisher bekannt gewordenen Gummimotoranordnungen soll weiter nicht eingegangen werden und ist darüber auch schon an anderer Stelle genügend geschrieben worden, vielmehr will Verfasser auf eine von ihm befolgte Methode der Flugverlängerung hinweisen. Verfasser hat trotz jahrelanger beobachtung keinen ständigen Vertreter dieser Richtung gefunden, wenigstens war nie aus dem Flug und dem Bau der Modelle zu ersehen, daß dei Erbauer sich streng an den noch zu beschreibenden Weg in seiner Konstruktion gehalten hatte. Es ist wohl möglich, daß dieser oder jener Modellbauer sich schon mal irgendwie betätigt haben wird, doch ist nie zum Nutzen der Allgemeinheit an besonderer Stelle darauf hingewiesen oder etwas geschrieben worden.

Betrachtet man die einzelnen Modelle bei Ausstellungen und Wettbewerben, so kann man sehen, wie ganz verschiedene Versuche die Erbauer und Konstrukteure machen, die Flugstrecke ihrer Modelle zu verlängern. Hier ist der Gummimoior äußerst lang gewählt, damit der Propeller recln lange angetrieben werden kann, dort wieder hat man die Slreben und alle möglichen Teile in ein der Luft'.sehr günstiges Profil gebracht, um unnötigen Luit- und Stirnwiderstand zu vermeiden und dem Modell eine möglichst große Geschwindigkeit zu geben, oder mit anderen Worten, um die tatsächliche Flugstrecke möglichst weit in die Nähe des theoretischen ^chraubenweges zu bringen. Ein anderer ist noch weiter gegangen und hat die Flächen doppelt bespannt und die Streben usw. mit Windabflüssen aus starkem Papier umgeben. So kann man die verschiedensten Versuche feststellen.

Eine Maschine mit langem Motor hat meistens den Nachteil, zu wenig Energie zu besitzen, der Propeller zieht nicht genügend durch, da kann man auch häulig beobachten, wie bei derartigen Modellen der Gumniimotor noch eine ganze Zeit läuft, wenn das Modell schon längst zum Erdboden zurückgekehrt und gelandet ist, und das bei Handstart, bei Bodenstart geht die größte Menge

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Energie schon verloren, ehe das Modell erst mal vom Boden wegkommt. Diesen Fehler findet man am meisten bei Anfängern und jungen Modellbauern.

Die beste Art und Weise, bei Modellen die Flugstrecke möglichst groß zu bekommen, ist jedoch die folgende:

Das Modell muß zum Motor in einem derartigen Verhältnis stehen, daß der Motor das Modell bis fast zu den letzten Umdrehungen in aufsteigender Kurve in die Luft zieht, dann muß es in einen äußerst flachen und gestreckten Gleitflug übergehend zur Erde zurückkehren und kpnn man bei sehr guter Konstruktion einen doppelt so großen Gleitflug zurücklegen, als die Flugstrecke bei Motorbetrieb betrug, doch das nur bei äußerst geschickter Konstruktion. Geschieht nun dieser Vorgang bei guter Modellgeschwindigkeit, so ist dies die beste Art und Weise, die Flugstrecke zu verlängern.

Es soll nun unsere Aufgabe sein, das Für und Wider dieser Methode zu untersuchen. Solange der Motor läuft, soll das Modell an Höhe gewinnen, die kleine Einbuße an Weg beim Aufstieg wird durch den langen Gleitflug wieder reichlich wettgemacht. Schon darin liegt ein gewisser Vorteil, daß das Modell, solange der Motor läuft, an Höhe gewinnt, und zwar kann einem einigermaßen stabilen Modell nun auch ein etwas stärkerer Windstoß nicht so gefährlich werden; denn es hat genügend Fallhöhe, um sich event. wieder aufzurichten oder wenigstens ohne große Havarie zu landen Da man nun den Modellmotor vor-teilhait nicht zu lang wählen wird, ist man in der sehr angenehmen Lage, bei Modellen, die großen bestehenden Flugzeugtypen nachgebildet werden sollen, die Abmessungen hesser einhalten zu können.

Bedingung für Erzielung einer großen Flugstrecke ist also Vermeidung jeglichen Luftwiderstandes, ein möglichst groUer Propeller mit großer Steigung, dabei aber äußerst leicht, ein Gummistrang, nicht zu lang, der in scharf gespanntem Zustande eingehängt wird (nach jedesmaligem Gebrauch herausnehmen damit der Gummi seine Elastizität nicht verliert) und außerordentliche Stabilität'

Die Forderungen, die zur Erreichung des Zieles erfüllt werden müssen, sind nicht gering. Auf Vermeidung des Stirnwiderstandes und Erreichung guter Stabilität soll hier nicht näher eingegungen werden, dafür aber auf die Verwendung eines großen leichten Propellers.

Wenn man dem Modell genügende Geschwindigkeit geben will, muß man einen großen Propeller (möglichst noch größer als ein Drittel der Spannweite) verwenden, der auch genügende Sttigung besitzt. Steigung und Durchmesser müssen unter Berücksichtigung des Modellgewichtes und Stirnwiderstandes in ganz bestimmtem Verhältnis stehen. Wenn nun diese Forderungen glücklich erfüllt sind, so hat man aber schon wieder zwei neue Uebelstände heraufbeschworen. Der große Propeller setzt, wenn der Motor abgelaufen ist und das Modell in den Gleitflug übergeht, der Luft einen nicht unbedeutenden Widerstand entgegen, der nicht einmal nicht bloß zur Verminderung der Geschwindigkeit nach erfolgtem Ablaufen des Motors beiträgt, sondern auch ein Drehmoment hervor-

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ruft, welches das1 Modell seitlich zu kippen sucht. Dazu kommt noch, daß an sich schon nicht ganz stabile Modelle meistens so verspannt sind, daß sie sich nur bei vollem Propellerzuge im Gleichgewicht befinden, beim Einsetzen des Gleitfluges ist es dann meistens mit dem schönen Fluge vorbei; hier fällt das Drehmoment noch viel mehr ins Gewicht, die Modelle gehen sehr häufig in eine zunehmend steile Kurve über, manchmal überschlagen sie sich sogar!

Verfasser hat diese Versuche selbst gemacht und sind ihm bittere Enttäuschungen und Erfahrungen nicht erspart geblieben; doch hat er sich nicht beirren lassen und hat, von der Richtigkeit seiner Methode überzeugt, eine Konstruktion geschaffen, welche in einer überaus einfachen, jedoch eigenartigen Propeller-Lagerung besteht; diese ist Verfasser gesetzlich geschützt und vermeidet all die genannten Nachteile, besitzt aber die Vorteile. Sie unterscheidet sich von den bekannten Propellerlagerungen durch die gewissermaßen ..unstarre" Befestigung des Propellers auf der Welle; d. h. der Propeller wird im Betriebszustande mittels einer Art Klaue gekuppelt.

Die Abbildung zeigt ein Ausführungsbeispiel für Gummimotore, doch kann die Lagerung auch für andere Motorarten Verwendung finden. Durch den Aluminiumbügel b ist die Welle w mit der Doppelöse ö gesteckt und der Bügel b mittels der Hülse v gegen den Gummizug abgesteift.

">■*> Durch die Doppelöse wird eine stärkere Motorleistung erzielt, da die Spannung der beiden in die Öse eingehängten Gummistränge den Motor zwingt, bis zur letzten Umdrehung mit fast gleicher Geschwindigkeit zu laufen. Der Ring r sitzt fest auf der Welle w, dahinter befindet sich die Stahlkugel m zur Verminderung der Reibung. Das Kupplungsstück k 2 ist leicht und sauber laufend auf die Welle w aufgeschoben und ist durch Schrauben s mit dem Propeller p verbunden. Vorn auf der Welle w ist das Kupplungsstück ki mittels der Mutter m fest aufgeschraubt. Die Ausparungen der Kupplungsstücke sind so konstruiert, daß sie klauenförmig ineinander greifen und daß ki, wenn es in Umdrehung, links herum in der Flugrichtung gesehen, versetzt wird, k 2 mitnimmt.

Die Wirkungsweise ist nun folgende: Man ziehe den Propeller p nach vorn, so daß k 2 in k i hineingreift und drehe ihn, von k i aus gesehen, rechts herum auf. Gibt man ihn nun frei, so wird er das Modell treiben; denn er befindet sich vermittels des treibenden Kupplungsteiles k i und des getriebenen k 2 mit der Welle w in starrer Verbindung. Ist nun aber der Motor abgelaufen und geht das? Modell in den Gleitflug über, so hat der Propeller infolge des Fahrtwindes das Bestreben, weiter zu laufen. Er wird auch daran nicht gehindert; denn er kann leicht aus k i herausgleiten und leer weiterlaufen, was den Vorteil hat, daß das Modell vor dem Stürzen bewahrt, der Gleitflug und somit der ganze Flug'verlängert wird und das unerquickliche Drehmoment seine schädliche Wirkung kaum äußern kann.

Zu beachten ist auf alle Fälle, daß man nur dann mit ähnlichen Vorrichtungen gute Resultate erzielen kann, wenn man viele kleine Räder und Hebelchen nach Möglichkeit vermeidet; denn sie alle verzehren bei noch so sauberer Arbeit einen im Verhältnis zur Gesamtenergie immerhin beträchtlichen Teil der Kraft.

Auch noch einen ganz anderen Weg zur Verlängerung der Flugdauer von Modellen gibt es und ist dieser schon teilweise mit sehr gutem Erfolg beschritten worden. Verfasser sind verschiedene dahingehende patentamtlich eingetragene Erfindungen bekannt und soll die Besprechung dieser Gegenstand eines weiteren Aufsatzes sein. Der Weg besteht darin, zwei oder mehr Gummistränge zu verwenden, die einen nach dem andern auf den Propeller wirken, derart, daß der noch aufgezogene Strang sich automatisch einschaltet und den Flug fortsetzt, wenn der vorher treibende abgelaufen ist.

Verfasser glaubt hiermit einige interessante Anregungen gegeben zu haben, und wenn dadurch ein Teil der Modellbauer, die sich bereits mit dem Bemerken, daß mit dem Gummimotor nicht mehr viel anzufangen sei, von diesem abgewandt haben, zu besserer Ansicht bekehrt werden, wäre der Zweck dieser Zeilen erreicht.

Fliegerbund Karlsruhe, E. V.

Am 17. März veranstaltet der Verein eine Modell-Ausstellung, bei guter Witterung daran anschließend ein Modell-Wettfliegen. Die Ausstellung findet im Vereinslokal „Gasthaus zur Krone", Amalienstr. 14 statt.

per Kreuzband M.Z1.M Elnzülpr. M. ILM

Jllustrirte

No ß technische Zeitschrift und Anzeiger ^YZ'».^^

13. März fur das gesamte Ausland

ms. jB»rg. i „Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telef. Hansa 4557 Oskar UrslnUS, CiVÜlngenieUF. Tel.-fldr.: Urslnus. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8 — Erscheint regelmäßig 14tägig. — Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. ==

Der Kachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit erenaner Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 27. März.

Zuständigkeit.

Ueber die Schaffung von Luftverkehrslinien sind in die Tages-ipresse allerlei Projekte lanciert worden. Diese Unternehmungen stammen fast ohne Ausnahme von Persönlichkeiten, die auf dem Gebiet der Fliegerei als Laien zu betrachten sind. Es sind dies Elemente, die das gewaltig entwickelte Flugwesen mit seiner Rücksichtnahme auf die jetzige Lage unter Umgehung wohlerworbener Rechte und des allgemeinen Interesses auszunutzen suchen.

Der deutsche Staat mit seiner in der ganzen Welt an der Spitze marschierenden Fiugindustrie hat in dieser Frage ein wichtiges Wort mitzureden. Oder glauben diese Laien vielleicht daß die deutsche Flugzeugindustrie, welche das Flugzeug zu dem gemacht hat, was es heute ist, nicht wisse, was sie heute in der Luftverkehrsfrage zu tun habe? — — Die Lösung der Luftverkehrsfrage ist ein wohlerworbenes Recht derjenigen, die das Flugzeug wie es für den Luftverkehr in Frage kommt, geschaffen haben.

Zur Aufklärung von allen denjenigen Kreisen, dazu gehören auch die Einanz, die Gemeinden u. s. w., sei dies hier einmal ausdrücklichst festgestellt. Wer auf den Gimpelfang dann noch hineinfällt, hat sich selbst den Schaden zuzuschreiben. Jedenfalls wollen wir darüber wachen, daß in dieser Frage kein Raubbau betrieben wird.

Russisches Rießenflugzeufl. Tup Sikorsky.

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Flugzeugverständigung und Funkentelegraphie.

Nach französischer Darstellung.

In der französischen Zeitschrift „La Nature" Nr. 2306 v. 8. Dezember 191T führt Lefranc zu obigem Thema aus:

Man hat das Flugwesen als denjenigen Teil des Riesenkörpers Heer bezeichnet, der die Rolle des Gesichtssinnes spielt. Dieser Vergleich trifft auch vollkommen auf diejenigen Teile des Flugwesens zu, die sich mit der Aufklärung beschäftigen, die ferner in Lichtbildern die Angriffs- und Abwehreinrichtungen, des Feindes festlegen, die das Artillerie-Einschießen besorgen und schließlich-auf die Infanterieflieger, die über den Fortgang von Angriffen auf dem Laufenden halten.

Diese Anwendung der fünften Waffe hat nur mittelbare Kriegseinwirkungen zur Folge, im Gegensatz zu der unmittelbaren Einwirkung beispielsweise die Kampffliegerei, die ohne fremde Beihilfe die feindlichen Flugzeuge zerstört, oder der Bombenfliegerei, die durch Abwurf ihrer Fallgeschosse ebenfalls selbständig Zerstörungen verursacht.

In der Tat bedeuten die Ergebnisse der Feldflieger-Abteilungen Aufschlüsse und Feststellungen, die, getragen von der Kenntnis des Artilllerie- und Infanteriewesens, es diesen Waffen ermöglichen, mit einem Mindestmaß an Irrtümern und Verlusten und andererseits mit größtmöglicherWirksamkeit in die Erscheinung zu treten.

Bei ihren verschiedenartigen Aufgaben im Kampfe selbst oder bei seiner Vorbereitung sind die Flugzeuge die unmittelbaren Helfer der Heeresleitung; beider Rollen lassen sich treffend denen des Gesichtes gegenüber den Nervenzentren, die unsere Handlungen veranlassen, vergleichen.

Eine große Schwierigkeit bestand ehedem in der Herstellung der Verbindung zwischen Flugzeug und Befehlsstelle und insbesondere einer solchen Verbindung, deren Vorhandensein sich nachprüfen läßt.

In der ersten Zeit des Krieges fand man eine Lösung dieser Aufgabe, die die einfachste zu sein schien: Man nahm mit dem Flugzeug zum Zeichengeben vorher vereinbarte Schwenkungen u. dgl. vor. Die Zahl der auf diese Weise zu übermittelnden Nachrichten war äußerst beschränkt, das Verfahren zudem langsam und mit vielen Irrtümern verbunden. Das arbeitende Artillerieflugzeug konnte von einem angreifenden Gegner oder von Abwehrgeschützen aufs Korn genommen werden und behielt dann nicht mehr volle Bewegungsfreiheit in seinen Schwenkungen.

Rechtskurven, Linkskurven, S-Kurvcn, Spiralen usw. entsprachen nach der Vereinbarung des Tages Angaben wie „Schießen anfangen", „Zu kurz"; „Zu weit" u. s. w. Das Einschießen dauerte hierbei lange und hatte ungenaue Ergebnisse, außerdem erriet der Gegner, der sofort auf die eignen Absichten aufmerksam gemacht wurde, bald nach den ersten Salven die Bedeutung der Zeichen

Man sah sich daher schleunigst gezwungen, diese zu unvollkommene Verbindung durch ein neues Verfahren zu ersetzen, und zwar ging man zu Leucht-geschosssen verschiedener Farben (rot, grün, weiß) und Formen (Kugeln, Sterne, Schweife) und verschiedener Zusammenstellung der Leuchtkörper Uber; die abgeworfen oder aus Pistolen abgeschossen wurden. Dadurch erhielt man sogleich ein sehr viel vollständigeres Verständigungsschema; zwei oder drei Leuchtgeschosse abzuwerfen oder zu schießen nimmt weniger Zeit in Anspruch, als das Drehen einer Kurve, und überdies kann der Beobachter unabhängig vom Führer handeln. Aber die Leuchtgeschosse arbeiteten nicht sehr zuverlässig; manches Einschießen ist falsch verlaufen oder verzögert worden, lediglich deswegen, weil die Leuchtmunition z. B. nur eine statt zwei Kugeln zur Entflammung brachte.

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Abb. 1. Planquadrat mit eingezeichneten Zielen als VerständigungHunterlage zwischen Batterie und einschießendem Flugzeug.

Die praktische Wahrnehmungsgrenze dieses Verständigungsmittels liegt unterhalb 7 oder 8 km, besonders bei dunstigem oder nebligem Wetter. Beim Einschießen auf Ziele in Entfernungen und darüber hinaus ist somit das Flugzeug nicht in der Lage, das Ziel zu überfliegen, was häufig für solche Ziele, die in Einschnitten stehen, notwendig ist, sondern muß sich auf den Raum zwischen Batterie und Ziel beschränken.

Man verwendet derartige Leuchtgeschosse auch des Nachts, um sich zu erkennen zu geben, und zwar, wenn man von unten her durch Scheinwerfer angesprochen wird, um zu vermeiden, daß die Artillerie irrtümlich auf eigne Flugzeuge schießt, oder auch, um Verbindung mit Infanterie- oder Artillerie-Einheiten he zustellen.

Während des Kampfes bedienen sich deutsche Flieger für genauere und längere Mitteilungen der Abwurftaschen anscheinend einer sehr einfachen Sache, die indessen insofern praktische Schwierigkeiten bietet, als sich diese verhältnismäßig kleinen Körper nur immer schwer am Boden auffinden lassen. Sie bestehen aus einem Metallrohr, das eingerollt eine mit Anmerkungen versehene Karte oder ein sonstiges Blatt Papier

mit eiligen Meldungen über das Beobachtete enthält. An dem Rohr ist eine Tuchfahue befestigt, die das Herabfallen deutlich sichtbar machen soll, und eine kleine Zündpatrone, die bei Berührung des Bodens detoniert und eine Rauchwolke zur Erleichterung des Auffindens erzeugt.

Solche Abwurftaschen können mitunter durch Wind mehrere hundert Meter abgetrieben und dürfen daher nur über einem vorher vereinbarten Punkt, vorzugsweise in der Nähe der Befehlsstelle abgeworfen werden; dort ist ein Beobachtungsmann aufzustellen.

Gewisse deutsche mit Weitflügen, z. B. nach London, beauftragte Maschinen verfügen Uber Brieftauben; man läßt diese los, wenn das Bombenunternehmen geglückt oder das Flugzeug Opfer eines Unfalls oder Kampfes geworden ist.

Bei Nachtflügen können auch mittels Bord-Scheinwerfers, der ' zugleich der Erleichterung des Lan-

Abb. 2. Stromerzeuger <ln- Idlheg mit Luft- dens dient' Nachrichten durch Morse-turbinenantrieb. Vgl. Anh. a = b,, b-b,. oder sonstige verabredete Zeichen

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übermittelt werden; die Scheinwerfer werden von kleinen Akkumulatoren oder von einer Dynamo gespeist.

Keins der vorgenannten Verbindungsmittel vom Flugzeug zum Erdboden konnte den von Tag zu Tag gebieterischer sich herausstellenden Bedürfnissen nach einer vollkommenen Verbindung zwischen einem seinen Auftrag ausführenden Flugzeug und einem operierenden Heer genügen.

Um die Vorbereitung der Artillerie wirksam zu machen, muß man nicht allein so sehr als irgend möglich vermeiden, daß tausende von Granaten auf bedeutungsloses Gelände sich verirren, sondern im Gegenteil alle Schüsse mit äußerster Genauigkeit auf bestimmte Punkte von besonderer Wichtigkeit, wie Batterien, Schutzhöhlen von Maschinengewehren und leichten Geschützen, Munitionslager, Schützengräben, Verbindungsgräben und Verkehrsknotenpunkte, Stabsquartiere usw. zu lenken bestrebt sein.

Anfang 1915, als man zu merken begann, wie gänz-ich unerläßlich die Mitarbeit des Fliegers an jeder Operation sowohl zu ihrer Vorbereitung wie zur sachgemäßen Durchführung ist, wurde ein Uebermittlungs-Verfahren, das alle bisherigen unendlich überragte, in die Wirklichkeit umgesetzt: Der drahtlose Fernspruch, die Funken-telegraphie (F.T.).

Einige Versuche waren mit der F. T. bereits in Friedenszeiten angestellt worden; in Frankreich hatte z. B. Breguet eine Anzahl Wasserflugzeuge der englischen Regierung damit ausgestattet, doch waren die Aufgaben, die die Gewichts- und Raumfragen stellten und die Einfachheit der Sendeeinrichtung damals noch nicht so zur Zufriedenhet gelöst worden, um allgemeinen Einbau und dauernde Benutzung an Bord des Flugzeuges zu gestatten.

Abb. 3. Sehematischer Schnitt durch den Stromerzeuger der Abb. 2. A«Wechse&tromdynamo, D = Gleichstrom-dyuamo, E = Eiuti-itt der Kühlluft, S = Austritt der Kühlmft, H- Hinteres, V« Vorderes Kugellager, B, = Ranm der Anschlußklemmen für Wechselsti'omeri-eguxg, B-, = desgl. für den Sender und sonstigen Strombedarf, Wechselstrom-Kollektor, Gleichstrom=KoUektor, R«Widerstand, S = Flng-richtuug.

Wenn es auch möglich war, bald eine sehr gute Abgabe der Hertzschen Wellen von Bord aus zu erzielen, so blieb immer noch das sehr bedeutungsvolle Problem ihrer Aufnahme durch den Beobachter zu lösen; die dichte Nähe des Höllengeräusches des Motors hindert dies in ernsthafter Weise. Die meisten der von außen kommenden Geräusche werden von den Flugzeug-Insassen nicht wahrgenommen und so ist es auch bis auf den heutigen Tag unmöglich gewesen, die so leichten Knarrgeräusche, die beim Empfang der Hertzschen Wellen ent-

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Abb. 4. Selialleisen, die den Gebrauch verschiedenartiger Scliwingnngskreise, Sy.item C 1916, Huth iider Telefunken, gestatten und Schaltirrtümer ausschließen.

stehen, hören zu können. Es dürfte übrigens kaum zweifelhaft sein, daß man entweder durch beträchtliche Verstärkung der Empfan^sgeräusche oder durch Abschwächung des Motorgeräusches schließlich doch dahin kommt, die Nachrichten vom Erdboden aufnehmen zu können.

Alle vorher besprochenen Nach-richten-Uebermittelungs-Verfahren gehen vom Flugzeug aus und finden bei einer Stelle auf dem Erdboden Aufnahme. Die Verwickeltheit des Angriffs im heutigen Grabenkriege und die Notwendigkeit, die Unternehmungen und Absichten des Feindes während des Kampfes zu verfolgen, zwingen die Befehlsstellen häufig, die Ermittelungen des Flugzeugs eingehend zu leiten und es zu ergänzenden Aufschlüssen zu veranlassen; auch die kämpfende, von der Gluthitze der Schlacht ergriffene Tiuppe sieht sich genötigt, die Flugzeuge um funkentelegraphische Uebermittlung von Nachrichten äußerster Dringlichkeit an die Befehlsstellen zu ersuchen.

Die deutschen Truppen verwenden, um sich ihrerseits mit ihren Flugzeugen in Verbindung zu setzen, Flächenstreifen lebhafter Färbung und in verschiedenartiger Zusammenstellung; auch Feuerwerkskörper, die starken Rauch erzeugen, sind zu demselben Zweck in Benutzung. Natürlich lassen sich durch diese einfachen Mittel nur wenige vorher vereinbarte Mitteilungen machen.

Für längere Meldungen werden kleine tragbare Scheinwerfer ') verwendet, mit denen man durch Morsezeichen Blinksprüche abgeben kann. Eine sehr einfache Sache ist das allerdings nicht, denn der Infanterieflieger muß in geringer Höhe fliegen und trotzdem Herr aller seiner Bewegungen bleiben, und wenn die Schlacht auch noch so tobt, darf der Beobachter keine Sekunde das kleine leuchtende Pünktchen, das mit ihm sprechen will, aus dem Auge verlieren.

Auf deutscher Seite sind sämtliche C-Flugzeuge dauernd mit Mitteln zum Verbindungshalten, also F. T.-Anlage, Leuchtpistole usw., ausgestattet; die Aufgaben dieser Maschinen bestehen vorwiegend in Einschießen und Unterstützung der Infanterie, sonst noch in Lichtbild- und Sperrefliegen.

Das „E i n s ch i eß e n" sei an Hand der Abb. 1 erläutert. Angenommen, es soll ein Munitionslager M, dessen Vorhandensein aus Lichtbildern oder Gefangenen-Aussagen festgestellt worden ist, beschossen werden. Die Lage des Ziels wird vom Batterieführer und dem einschießenden Beobachter auf das Peinlichste festgestellt und über Zeit und Art der Durchführung Vereinbarung getroffen, um sich während des Einschießens selbst auf ein Mindestmaß von

Abb. 5. Schaltleisten für verschiedene Drehrielitnngen des Stromerzeugers: a ^ zutii Sender; b * zu Lampen n. dgl.

') Nach unserer französischen Quelle sollen sie die Bezeichnung „Mitlehrer Scheinwerfer" führen.

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Mitteilungen beschränken zu können. Nun fliegt die Maschine los, steigt auf ihre Höhe und überfliegt ihre Batterie. Auf F. T.-Anfrage, ob die Geschütze schußbereit sind, antwortet die Batterie in ausgelegten Stoffstreifen mit „ja" oder „nein" und zeigt durch die Kundgebung selbst an, daß die Erd-Antenne die Sendung des Flugzeugs richtig aufnimmt. Ist die Batterie schußbereit, so fliegt die Maschine auf das Ziel zu, um dessen Lage genau festzulegen, und funkt dann „1. Salve, Feuer!". Hat der Beobachter die Krepierpunkte beobachtet, so trägt er sie auf seiner Ka te ein und funkt der Batterie die Zahl, die der mittleren Abweichung entspricht. Hiernach berichtigt der Batterieführer seinen Schuß. Ist man im Ziel drin, so kann man entweder sofort oder in einem späteren günstigeren Augenblick das Zerstörungsschießen folgen lassen.

Auf beiden Seiten kennt man mehr oder weniger genau die Lage der feindlichen Batterien und bestimmt sie durch das Planquadrat ihrer Lage auf den Karten, vgl. Abb. 1. So z. B. würde der R Beobachter seine Meldung, daß die Batterie B (Abb. 1) in Tätigkeit ist, mit dem Funkspruch ausdrücken: „1027 in Tätigkeit."

Abgesehen von den Fällen des Angriffs oder unbedingter Notwendigkeit verhindert tatsächlich die Anwesenheit von Artillerieflugzeugen über der Front das Feuern der gegnerischen Batterien; man hat also ein ganz außerordentliches Interesse daran, sich während einer Kampfhandlung der Beherrschung der Luft erfreuen zu können, weil sie einen Teil der feindlichen Batterien lahmgelegt und außerdem jeden dreisten Einblick seitens feindlicher Flieger verhindert. Die Funksprüche, die

von Antennen in der Nähe der Artilleriebefehls-Abb. 6. iSchaltschema für Rechts- , c c . ... ... . »

(11) und Linkslatrf (L) des Strom- stellen aufgefangen werden, übermittelt der „An-erzengers: A--We.chselstromdynamo, tennenoffizier" alsbald der in Betracht kommenden D-01ei(«r^ynam^E.Wecli8el- Batterie; auch gibt er eigne Beobachtungen an die

Befehlsstelle weiter. Die Aufgabe des „I n f a n t e ri e I Ii ege r s", die Truppe bei Angriffen zu unterstützen, ist siehe* die am meisten Umsicht verlangende und gefährlichste, aber auch die fruchtbarste Tätigkeit in der Fliegerei. Sobald die Truppe ihre Stellung verlassen hat, hat sie keine Verbindung nach hinten mehr; Fernsprecher und Telegraph wie Meldegänger sind vollständig der Möglichkeit beraubt, Befehle oder Meldungen über ein von den Granaten zerwühltes Feld oder durch den Geschoßhagel durchzubringen. Dank der F T-Anlage löst das Flugzeug diese Aufgabe sofort; die einzige Schwierigkeit besteht hierbei, wie bereits erwähnt, in der Uebermittlung der Meldungen von der Truppe nach dem Flugzeug hinauf. Der Beobachter ist imstande, der Befehlsstelle hinten die Bitten der Infanterie um Artillerie-Verriegelung, Munition oder Verstärkung zu übermitteln ; er kann unter Umständen berichten, wie sich die Ereignisse abspielen, die eine Aenderuig des ursprünglichen Angriffsplanes nach sich ziehen; auch vermag er z. B. über das Vordringen von Tanks zu melden und ihre Vormarschrichtung anzugeben.

Zu Beginn seiner Aufgabe hat sich der Infanterieflieger den Truppen, mit deren Unterstützung er beauftragt ist, zu erkennen zu geben; dies geschieht durch das Signalwimpel oder Leuchtmunition in vereinbarten Farben. Jede infanteristische Einheit, die hieran ihre Maschine erkennt, gibt von sich durch

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•weiße Stoffstreifen, die verschiedenartig ausgelegt werden oder durch rauchentwickelnde Feuerwerkskörper Kunde. Auf diese Weise erfährt der Beobachter, bis zu welchem Punkte das Vorrücken der Infanterie gediehen ist, und meldet dies nach hinten; auf Grund dessen legt die Artillerie ihr Feuer entweder weiter nach vorn oder weiter nach hinten. Ist erst einmal die Verbindung hergestellt, so lassen sich genaue Beziehungen mittels der kleinen Signal-Scheinwerfer herstellen. Zur Erzielung guter Ergebnisse muß die Maschine sehr niedrig fliegen, etwa in Höhen zwischen 300 und 1000 m, und befindet sich hier im Schußbereich der feindlichen Maschinengewehre und Infanteriesalven; ihr Flug geht mitten durch Garben von Tausenden von Granaten des Feindes wie des Freundes hindurch. Das „Infanteriefliegen" stellt äußerst gefährliche Aufgaben und verlangt von Führer und Beobachter ganz besondere Eigenschaften des Verstandes und besonnenen Mut. Eine falsch aufgefaßte oder übersehene Meldung kann Tausenden von Infanteristen das Leben kosten oder gar den Erfolg in Frage stellen.

Antenne

Abb 7. .Schaltschema des Telefunken-Senders, Type A. F. S. 35: A - Wechselstiom-Ansc.hluQ; ii < Gleichstvom-Anschlnß; E = Funkenstrecke ; J -- Intensitätsregler ; L - Längenreglcr; SO • Selbst-Indnktions-Spirale; K« Widerstand ; T «Transformator.

Die F. T. Sende-Anlage an Bord der deutschen Flugzeuge besteht aus

1. einer Stromquelle, die Wechsel- und Gleichstrom erzeugt,

2. einem Schwingungskreis, der die Hertzschen Wellen in sich entstehen läßt, und

3. einer Antenne, die diese Wellen in den Raum aussendet.

Zu 1.: Der Generator. Ursprünglich wurde der nötige Strom von einer Ak ku m u I a t or en-Ba 11 erie an Bord des Flugzeuges geliefert; sie gab |zu zahlreichen Schwierigkeiten Anlaß, denn sie war schwer, empfindlich und geneigt, sich sehr schnell zu entladen; eine Menge Cinschießungen sind durch ihr Versagen gestört worden.

Man ging daher bald dazu über, kleine Dynamos für Wechsel- und Gleichstrom zu schaffen und zu verwenden; ein solcher Stromerzeuger wird durch eine propellerartige Luftturbine oder vom Flugmotor (z. B Benz), mit

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dem er durch eine seitens des Führers aus- und einrückhare Kupplung verbunden ist, angetrieben.

Der Stromerzeuger der ■Idflieg 191 7, den die deut-C. L. C.£. sehen Flugzeuge besitzen, setzt

sich aus 2 auf derselben Axe sitzenden Dynamos zusammen, vgl. Abb. 2 und 3. Die eine der beiden Dynamos (D) liefert Gleichstrom, der für die Erregung der Wechselstrom-Dynamos und unter Umständen für 'M Lampen und Bordscheinwerfer gebraucht wird; die andere Dynamo (A) liefert Wechselstrom für den Schwingungskreis. Genannter Stromerzeuger wird zusammen mit verschiedenen Arten von Sendeeinrichtungen angewendet; zur Zeit sind dies: Sender Type C 1916, Huthsender H und Telefunken-

Abb. 8. Telefunken-Sender für Flugzeuge. B = Anschlussklemmen: T = Transformator; R»Schalt= widerstand für Intensitäts-Regelung; OCondensator; E ' Plattenfunkenstrecke; SO * Selbst Induktions-Spirale ; V ■- Variometer; M = Klemme für Gegengewicht; D = Klemme für Anteunenanschluß; CV Variometer-Schalter; CL = Lüngen-Schalter; CE = Intensitäts-Schalter. (Vgl. Abb. 7.)

sender T. Diese verschiedenen Schwingungskreise bedürfen Ströme verschiedener Höhe; der Stromerzeuger der Idflieg ist so beschaffen, daß er mit allen 3 Arten von Schwingungskreisen zu arbeiten vermag. An der Unterseite des Stromerzeugers befinden sich im vorderen Teil eines Kästchens 12 Klemmen, die in den Erregerkreis der Wechselstrommaschine verschiedene Größen eines Widerstandes R, der in Serie geschaltet ist und unter dem Stromerzeuger zwischen B, uud B2 (vgl. Abb. 3) liegt, bringen. Jenachdem man den Sender C 1916 oderH oder T verwendet, werden die entsprechenden Klemmen benutzt. Um eine schnelle und von Irrtümern freie Umwechselung zu ermöglichen, werden an diese Klemmen Schaltleisten, vgl. Abb. 4, gelegt, die den benutzten Sendern entsprechen. Diese Schaltleisten bestehen aus Isoliermaterial wo Klemmen verbunden werden müssen, geschieht dies durch kleine Kupferstreifen. In dem Deckel des Schaltleisten-Kästchens ist ein Fenster vor-

Abb. 9. Windetrommel des Antennendraht. Y Gewicht; A - Anschlussklemme.

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gesehen, damit man sich vor Verwendung des Stromerzeugers die Gewißheit verschaffen kann, daß die angelegte Schaltleiste dem verwendeten Schwingungskreis entspricht. Zu diesem Zweck tragen die Schaltleisten auch die Bezeichnungen C 1916, H oder T. Die Stromerzeuger können in beliebiger Richtung angetrieben werden, je nach der Drehrichtung der Luftturbine oder des Motors. Der hintere Raum B2 enthält 2 Leisten für die Anschlußklemmen; sie tragen die Bezeichnungen R (Rechts) und L (Links), je nach der Drehrichtung des Generators, vgl. Abb. 5. Von den Klemmen dienen 1 und 2 dem Anschluß des Wechselstroms, 3 und 4 dem Erregerstrom; 1, 2, 3 u. 4 laufen in einem Isolierschlauch vereinigt zum Sender. Die Klemmen 5 und 6 geben Gleichstrom für Bordzwecke, wie Lampen, Scheinwerfer und dgl., ab.

Die beiden schematischen Darstellungen der Abb. 6 erläutern den Stromverlauf und ihre Umkehrung bei Rechts und Linkslauf infulge Anwendung der Schaltstreifen R und L.

Der Stromerzeuger wiegt mit Turbinenflügeln und Kabeln 10,3 kg; die Flügel sind für eine Umdrehungszahl von 4500 i d. Min. und für einen mittleren Fahrt-Wind von 150 km/Stunde berechnet; Geschwindigkeitsänderungen beeinflussen die Wirkungsweise des Stromerzeugers wenig.

Die unmittelbare Kupplung i'es Stromerzeugers mit dem Motor erscheint insofern zweckmäßiger, als ein gewisser Kraftverlust, den die Zwischenschaltung der Luftturbine mit sich bringt, vermieden wird. Die Kühlung des Stromerzeugers wird mittels Luftdurchspülung erzielt. Die eigenartige Form des Gehäuses mit 2 Wülsten führt im Fluge Ueberdruck (Lufteintritt) und Unterdruck (Luftaustritt) herbei, vgl. Abb. 3. Der Schraubenantrieb sichert, im Vorteil gegenüber der unmittelbaren Kupplung den Betrieb auch bei stillstehendem Motor; bei Maschinen, die Nachts Flüge auszuführen haben, könnte diese Einrichtung somit als eine Notwendigkeit angesehen werden. Welche Gesichtspunkte in Deutschland sonst noch für den einen oder den andern Antrieb in Frage

fotenmirfrurjilmunirion

Lichtbild kämmen Antenne 10

6ebe faste /Amper-Meter FT Leuchtpistole

Bombenwurf-Einrichtung

Beobachter-5ite

Abb. 10. Anordnung der F. T.-Aulage und sonatiger Ausrüstungsteile im Rumpf des Rumplei'-Doppeldeckers Cv 1917.

kommen, ist nicht bekannt. Die Eigenschaften des Wechselstrom-Erzeugers sind auf einem am Gehäusekörper befestigten Schild angegeben.

Zu 2): Der Sende-Apparat. Die Gesamtheit der mit Schwingungskreis bezeichneten Einrichtung läßt die Hertzschen Wellen entstehen. Ein solcher Apparat, vom System Telefunken, ist in einem Holzkasten von den Abmessungen 35 X 25X 15 cm untergebracht und wiegt 8,7 kg. Der Wechselstrom und der Gleichstrom für die Erregung werden an die Klemmen B angeschlossen,

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der Stromverlaiif geht aus Abb. 7 hervor. Wie jeder Schwingenkreis unifaßt auch der nach dem Telefunken-System einen Transformator T, einen Kondensator, eine Pluttenfunkenstrecke F. und einen Selbstregler (Variometer). Außerdem hat Telefunkcn noch einen dreiteiligen Schalter I, der die Intensität der Abgabe durch einen Vorschaltwidurstand im Erregerkreis zu ändern und gleichzeitig den Widerstand der Plattenfunkenstrecke durch Kurzschließen einer Anzahl Platten für schwächere Ausstrahlung zu verringern gestattet. Ein anderer dreipoliger Umschalter 1. gestattet die Verwendung dreier verschiedener Wellenlängen von 150, 2C0 und 250 m Lunge durch die Einschaltung einer oder mehrerer Windungen einer Selbst Induktionsspule, vgl. Abb. s. Die Selbstregelung gestaltet, den Antennenstromkreis mit dem Primiir-Stromkreis abzustimmen. Der Beobachter weiß, daß sein Stromkreis reguliert ist, wenn das Amperemeler einen eriißlen Ausschlag zeigt. Eine Klemmen-schraube (M) ist für das Gegengewicht vorgesehen, eine andere |D) für das Anipereiiieter und die Anleime Zu 3): Die Sen de - A n t e n ne bildet ein Kupferdraht von I mm Durchmesser und etwa -10 in Länge; dieser Draht nimmt, wenn herabgelassen, im Fluye we_;en seines Widerstandes bei 160 kg Stunde Geschwindigkeit eine fast horizontale Lage ein; deswegen hat auch das Ende des Fülirungsrnlires (Abb. !') eine Ahhiegung nach hinten Ein eiförmiges Gewicht P verhindert ihn am Flattern in der Luft. Die Antenne wird um eine mit Handgriff und Spcrr-Klinkc versehene Trommel aufgewickelt; dns Gewicht V genügt, um den Draht sich abwickeln zu lassen, sobald die Klinke gehist ist. Auf dem Trommelträger befindet sich ein Schild, das die zweckmäßigen 1.ringen für die Verwendung der verschiedenen Sender C ihk;. H und T angibt; eine einstellbare Marke wird dann aul dem Draht befestigt, der die Abwicklung übrr die vorgeschriebene Länge hinaus verhindert.

Das Gewicht der gesamten Sende-Einriclitung betragt 2").7 kz; ihre miniere Reichweite scheint 33 km zu hitragen, was für die Zwecke des Artillerie- und Infanteriefliegers hei weitem gentigt.

Abh. 10 zeigt die Anordnung der I" T Einzelteile im Rumpf bei einem RiimpkT-C V-Dopprlili-ckr- v .n l'iir.

Jede deutsche PüiUllii■». ■ Vhl liiig hat unter ihrem rollenden Mutet

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einen Schleppwagen, der zum Wiederherstellen und Ausprobieren der Sende-Einrichtungen dient.

Abgeben wie Aufnehmen von Funksprüchen ist sehr einfach, wenn in einem Frontausschnitt nur ein einziges Flugzeug tätig ist; schwierig wird dies aber, wenn mehrere Maschinen nahe beieinander arbeiten und zu gleicher Zeit Funksprüche äußerster Wichtigkeit abzusenden haben. Man weist daher jeder dieser Maschinen eine Sonderart der Absendung zu, bestehend in der Verschiedenheit der Längen oder der Intensität der Wellen.

In dem gleichen Maße, wie sich die Methoden des Kampfes auf dem Erdboden vervollkommen, wird die Rolle, die das Flugwesen dabei zu spielen hat, von Tag zu Tag eine bedeutungsvollere. So nehmen deutsche Flugzeuge auch an der Bekämpfung der Tanks bereits Teil, indem sie diese auf dem Schlachtfelde aufsuchen und ihren Spezialbatterien deren Zahl und Bewegungsrichtung melden. — — —

Die Wichtigkeit einer vollkommenen Verbindung zwischen Flugzeugen und Artillerie oder Infanterie läßt sich jedenfalls nicht leicht übertreiben.--—

Der amerikanische „Freiheitsmotor".

Das Täterätä des amerikanischen Kriegsministers über das inzwischen „Liberty-Motor" getaufte Landeserzeugnis, das wir in Nr- 3 dieses Jahrgangs wiedergaben, ist selbst in dem an Riesenreklame gewöhnten Dollarika als peinlich empfunden worden, zumal sich herausgestellt hat, daß der Motor nicht das leistet,

was die Ankündigung versprochen hatte. Wie die Z. d. V. D. J., mitteilt, liegt eine verständige Aeußerung der amerikanischen Zeitschrift „Machinery" (Januar-heft 1918) hierüber vor, die nachstehend wiedergegeben wird. Es dürfte nicht sehr angenehm für Herrn Baker sein, daß sein Liberty-Motor, die „«roßte Einzeltat des ganzen Krieges", nur für den Aufklärungsdienst und andere ähnliche untergeordnete Aufgaben brauchbar sein soll.

„Als der Kongreß erklärte, daß zwischen den Vereinigten Staaten und dem deutschen Reiche Kriegszustand herrsche, wurde sofort die Bedeutung der Flugzeuge erkannt, und wurden Schritte unternommen, um eine möglichst große Anzahl Flugzeuge für Heer und Marine zu erbauen. Der Liberty-Motor stellte das Ergebnis der Bemühungen da:, einen Entwurf zu schaffen, in dem die besten Gedanken der Motorenkonstrukteure der Vereinigten Staaten verkörpert sind. Seine Geburt wurde mit Fanfaren Stößen verkündet, über die technischen Einzelheiten jedoch wurde nichts zur Veröffentlichung freigegeben. Nun hören wir, daß der Liberty-Motor nicht so vollkommen ist, wie man zuerst geglaubt hat, er ist vielmehr wahrscheinlich nur für den Aufklärungsdienst und andere ähn-Das neue Abzeichen für Flieger.ocuur.zen, das für die- MchuntergeordneteAufgaben jenigen Mannschaften bestimmt ist, die als Maschinen- brauchbar, lausende von Dollars gewehi-Schützen zur Flugzengbesatzung gehören, wurden vergeudet in dem Bestreben,

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den Liberty-Motor mit größtmöglicher Geschwindigkeit herzustellen, und die Entdeckung, daß er den besten europäischen Maschinen, nicht ebenbürtig sei, ist für das amerikanische Volk ein peinlicher Schlag.

Diese unglückliche Entwicklung ist die logische Folge der Geheimniskrämerei und der Zensurtätigkeit. Wäre der Entwurf des Liberty-Motors in der technischen Fachpresse veröffentlicht worden, so hätte die Behörde den Vorteil einer eingehenden Kritik von hunderten von Ingenieuren des ganzen Landes gehabt. Das Ergebnis einer solchen Kritik, die verbessernd auf den Entwurf gewirkt haben würde, hätte nur günstig sein können. Auf einen wichtigen Punkt wäre dann zweifellos mehr Sorgfalt als jetzt verwendet worden, nämlich auf die Durchbildung der Konstruktion mit Rücksicht auf die Herstellung. Die Ingenieure, die beauftragt waren, die Werkzeuge für die schnelle Herstellung des Motors zu entwerfen, stellten fest, daß die Konstruktion ohne weiteres derart hätte abgeändert werden können, daß schnelle und einfache Herstellung gewährleistet war.

Geheimhaltung 1st ein feststehender Kriegsgrundsatz, der aber, soweit wir das beurteilen können, hauptsächlich den einen Zweck verfolgt, das Volk im Lande über die bestehenden Verhältnisse im unklaren zu halten. Dennoch kennt die deutsche Militärverwaltung zweifellos alle militärisch bedeutsamen Begebenheiten in unserem Lande (Amerika), da ihre Agenten und Spione bei ihren Nachforschungen sicher nicht auf die Tages- und Fachpresse angewiesen sind."

Ob allerdings die Veröffentlichung des Entwurfs in der technischen Fachpresse den wesentlichen Nutzen hätte bringen können, den der Verfasser jenes Aufsatzes annimmt, darf bezweifelt werden. Eine endlose Diskussion hätte sich entsponnen — oder wäre unterdrückt worden — und der Bau hätte sich verzögert. Aber welches mehr oder weniger öffentliches Verfahren man auch gefunden hätte — eins läßt sich auch mit der größten amerikanischen Fixigkeit nicht künstlich erzeugen: Der tiefe Schatz der Erfahrung, den unsere Flugmotoren-Industrie in jahrzehntelanger stetiger Entwicke-lung aufgespeichert hat. Eine ähnliche Lehre empfingen seiner Zeit auch die Franzosen, als sie mit der Abzeichnung unseres in Luneville notgelandeten Zeppelins bis auf die kleinsten Einzelheiten hinter die Geheimnisse unserer Luftschifftechnik gekommen zu sein glaubten und es ihnen doch nicht gelang, ein brauchbares starres Luttschiff zu bauen. Den Daimlermotor hat man in England, Frankreich undAmerika zu kopieren versucht. — Vergeblich !---Auch technische

Gebilde haben ihre auf Erfahrung und Vererbung beruhende Seele, die sich nicht durch äußerliches Abtasten gewinnen läßt. Verpacken der Brieftauben, die von jedem Seerlieger

mitgenommen werden, damit er im Falle einer Notlandung seiner Station Nachricht gelten kann.

Verpacken der Brißfrantjen, die von jedem Seellieger mitgenommen «erden, damit er im Kalle einer Notlandung seiner Station Naehrlelit gellen kann.

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Verehr.) Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Nachdruck aUer Artikel unier dieser Rubrik ist verboten).

Bearbeitung von Stirnflächen geschweißter Distanzrohre. Auf Fahr-gestellbügel, Holmbeschläge, Fahrgestellstrebenschuhe u. s. w., also alle Teile, welche eine klemmende Wirkung haben sollen, werden meistens kleine Stahl-röhrchen, sogenannte Distanzröhrchen aufgeschweißt, welche bei der Montage die Bolzen aufzunehmen haben und auch zuweilen als Qeradführung für diese dienen. Diese Distanzröhrchen werden aus LeichtigkeitsgrUnden aus verhältnismäßig schwachem Stahlrohr hergestellt. Da als Verbindung zwischen dem Röhrchen und dem betreffenden Beschlag die Autogenschweißung Verwendung findet, werden die Stirnflächen in den seltensten Fällen so ausfallen, wie man es sich im Konstruktionsbüro gedacht hatte, der Katzenkopf und die Bolzenmutter werden selten eine glatte Auflagefläche haben;. daran ist nicht etwa der betreffende Schweißer schuld, wenigstens nicht immer; man muß sich nur mal den Vorgang klar vor Augen halten, um die tatsächlichen Ur-q sachen richtig zu erfassen: Ein kleines schwachwan-diges Röhrchen soll mit einem etwas stärkeren Stahlblech verschweißt werden, das setzt als Bedingung für den Schweißer voraus, das Röhrchen möglichst wenig zu erhitzen, dem Beschlag aber wiederum genügend Hitze zu geben, daß eine autogene Verbindung beider Teile überhaupt möglich ist und genügend Flußmittel zur Erzielung einer gut verlaufend Hohlkehle hinzugegeben werden kann. Sind die Röhrchen nur kurz, so ist das äußerst schwer. Man tut auf jeden FalUgut, die Röhrchen immer etwas länger abschneiden zu lassen, um für die Stirnflächen genügend Material zur Bearbeitung nach erfolgter Bearbeitung zu haben; denn nur dann haben Distanzrohre einen tatsächlichen Zweck, wenn der einzusetzende Bolzen eine gute Führung und Kopf sowie Mutter desselben eine glatte Auflagefläche haben. Die Art der Bearbeitung der Stirnflächen richtet sich ganz nach der Größe des Beschlages. Am einfachsten aber teuersten ist einfaches Befeilen, billiger ist schon schleifen,, doch läßt sich das nur bei kleinen leichteren wenig komplizierten Beschlägen anwenden, wo man bequem mit der Schmirgelscheibe ankommt. Am besten ist die Verwendung eines kleinen Fräsers mittels Bohrmaschine. Bei großen Quanten lohnt es sich zwecks größerer Genauigkeit eine einfache Lehre aus Stahlblech anzufertigen. Bei dem jetzigen Bedarf ist eine derartige Spezialisierung in der Fabrikation wirklich sehr von Vorteil, zumal man dadurch in der Lage ist, einen großen Teil von Arbeiten, mit der sich sonst die gelernten Arbeiter aufhalten müßten, von Frauen und ungelernten Kräften ausführen zu lassen. (Siehe die beistehende Abbildung.)

Verbrannte Schweißnähte können unter anderem durch überhitztes Ace-tylen entstanden sein. Bei überhitztem Acetylen wird ein Teil von Kohlenstoff in Form von Teer-Derivaten ausgeschieden. Bekanntlich sucht Eisen im

Bearbeitung von^Stirnflächen geschweißter Distanzrohre,

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geschmolzenen Zustande den Wasserstoff zu lösen. Beim Uebergang des geschmolzenen Eisens in den Erstarrungszustand wird der Wasserstoff unter Blasenbildung der Schweißnaht wieder ausgeschieden. Man sieht daher oft bei verbrannten Schweißnähten das übliche Bild; in sich zusammengesunkene Blasen, die in der Mitte eine kleine Oeffnung zeigen, aus welchem der Wasserstoff entwichen ist. Nebenbei findet eine Anreicherung von Kohlenstoff statt, sodaß das Material in der Schweißnaht stahlhart wird.

flugtecbnifcbe (Rundfcfjau.

Inland.

Deutsche und feindliche Flugzeugverluste im Jahre 1917.

Einen Ueberblick über die deutschen und feindlichen Flugzeugverluste im Jahre 1917 gibt die nachstehende (Jebersicht:

Flugzeuge

Errichtung eines flugtechnischen Instituts in Hannover. Die Verwaltung der Hannoverschen Waggonfabrik A.-G. hatdertechnischen Hochschulein Hannover den Betrag von 100 C00 Mark zwecks Errichtung eines flugtechnischen Instituts zur Verfügung gestellt.

Von der Front.

19. Februar. Berlin. Am 18 Februar abends belegten vier Marinellugzeuge den Seebahnhof von Calais sowie ein daneben Hegendes Barackenlager erfolgreich mit Bomben und griffen dort drei Scheinwerfer mit Maschinengewehren an. Im Barackenlager wurden Brände beobachtet. Einer der Scheinwerfer wurde zerstört.

Amtliche Meldung aus Berlin. Im Januar haben unsere Gegner durch die Wirksamkeit unserer Kampfmittel auf ihren Flügen im Ganzen 151 Flugzeuge und 20 Fesselballone verloren. Wir haben 68 Flugzeuge und vier Ballone eingebüßt, davon sind 17 Flugzeuge jenseits unserer Linien verblieben, während die anderen 51 über unserem Gebiet verloren gingen. Auf die Westfront allein entfallen von den 151 außer Gefecht gesetzten feindlichen Flugzeugen 138, von den 63 deutschen 1. Im einzelnen setzt sich die Summe der feindlichen Verluste folgendermaßen zusammen: 167 Flugzeuge wurden im Luftkampf, 35 durch Flugabwehrkanonen, 1 durch Masch nengewehre von der Erde aus, 1 durch Infanterie abgeschossen, 5 landeten unfreiwillig hinter unseren Linien. Von diesen Flugzeugen sind 67 in unserem Besitz, 84 sind jenseits der ^Linien erkennbar abgestürz', außerdem wurden 11 feindliche Flugzeuge jenseits unserer Linie zur Landung gezwungen.

Reuter meldet aus London: Ein feindliches Luftgeschwader überflog kurz nach 9 Uhr die Küste von Essex und richtete seinen Kurs auf London. Keiner der Flieger konnte den Verteidigungsgürtel Londons durchbrechen. Bisher wurden we<'er Schaden noch Opfer gemeldet. Bei dem Luftangriff vom Sonntag wurden 13 Männer und 3 Frauen getötet und 27 Männer und 10 Frauen verwundet.

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Französischer Bericht Am 18. Februar und in der Nacht darauf warfen unsere Bombengeschwader 1I6O0O Kilogeschosse auf feindliche Ziele ab, u. a. auf die Bahnhöfe von Metz->ablon, Forbach, Berndorf und auf die Lager von Ensisheim, wo sich eine starke Feuersbrunst entwicke te, ferner auf verschiedene Flugplätze.

Englischer Bericht. In Fortsetzung der am 18. Februar bei Tage erfolgreich ausgeführten Streiffluge über Trier und Diedenhofen griffen unsere in geringer Höhe fliegenden Nachteeschwader die beiden Städte wiederum mit guter Wirkung an. Im Bahnhof von Trier wurde das Explodieren von fünf Geschossen beobachtet. Außerdem brach dort ein Brand aus. Drei weitere Gebäude standen beim Auffliegen unserer Apparate in Flammen Während des zweiten Angriffs auf Diedenhofen wurden auf der Bahnlinie und in dem Bahnhof Sprengwirkungen festgestellt. Unsere Piloten, die den Angriff auf Trier ausführten, nahmen dort das Entstehen einer heftigen Feuersbrunst wahr. Die deutschen Abwehrgeschütze und Patrouillenflieger waren im Laufe der letzten zwei Nächte ungemein rege Eines unserer Flugzeuge ist nicht zurückgekehrt Am 19, Februar führten wir am Tage einen weiteren Streifflug, den dritten innerhalb 33 Stunden, über der Stadt Trier aus und warfen eine Tonne Sprengstoffe ab. Unsere Piloten beobachteten 11 Explosionen im Bahnhof und sechs an benachbarten Gebäuden, wo drei große Brände entstanden. Die feindlichen Patrouillenflieger griffen unsere Apparate unablässig, jedoch erfolglos an. Die deutschen Geschütze entwickelten ebenfalls eine sehr ausgiebige Tätigkeit Einer unserer Apparate ist nicht zurückgekehrt.

Italienischer Bericht. Einer unserer Flieger schoß im Luftkampf ein feindliches Flugzeug ab, das bei Pederobva niederstürzte. In den ersten Stunden des Abends führten feindlich; Apparate Streifzüge in die Ebene aus und warfen Bomben auf bewohnte Oertlichkeiten. Nur in Vicenza, wo vier Bomben eine Explosion verursachten, sind einige Opfer und leichter Schaden zu beklagen

20. Februar. Karlsruhe Vergangene Nacht wurde die offene Stadt Mannheim von feindlichen Fliegern angegriffen. Sechs Bomben wurden abgeworfen. Sie verursachten einigen Häuseischaden. Leider sind auch eine Frau und ein Kind verletzt und ein Kind getötet worden.

Amtlich wird aus Berlin gemeldet: Am 18. Februar abends belegten vier Marineflugzeuge den Seebahnhof von Calais sowie ein danebenliegendes Barackenlager erfolgreich mii Bomben und griffen dort drei Scheinwerfer mit Maschinengewehren an. Im Barackenlager wurden Brände beobachtet. Einer der Scheinwerfer wurde zerstört.

Laut Berner Tageblatt meldet Havas amtlich aus Paris: Um 9,40 abends wurden verdächtige Motorgeräusche von unseren Wachtposten im Nordosten von Paris vernommen. Es wurde deshalb Rlieger-Alarm gegeben und unverzügliche Maßnahmen ergriffen. Da um 10,30 Uhr die Motorgeräusche aufgehört hatten und keine Bombe fiel, ging der Alarm gegen 11 Uhr abends zu Ende. Eine spätere Mitteilung besagt, daß sich in der betreffenden Nacht kein deutscher Flieger Paris näherte. Ein französischer Flieger, der von der Bombardierung feindlicher Linien zurückkehrte, verirrte sich bei Paris, wo er von der Verteidigung nicht erkannt werden konnte, die schoß und Alarm gab.

2t. Februar. London. Der Gesamtverlust bei dem Luftangriff Sonntag Nacht beträgt 19 Tote uud 34 Verwundete.

Englischer Bericht, In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar wurde Diedenhofen neuerdings von unsern Fliegern angegriffen, die 26 großkalibrige Bomben auf den Bahnhof abwarfen, wo man alle Geschosse über den Zie en oder in dessen Nähe explodieren sah. Es ereignete sich eine starke Explosion und zwei Feuersbrünste wurden beobachtet. Trotz des heftigen Feuers der Abwehrgeschütze kehrten alle unsere Flugzeuge unversehrt zurück. Am 20. Februar bombardierten unsere Flieger bedeutende Fabriken und den Bahnhof von Pirmasenz in Deutschland, wo eine Tonne Geschosse abgeworfen wurde. Beim Bahnhof, beim Gaswerk und auf Fabriken wurden Treffer und heftige Feuersbrünste beobachtet. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt.

Italienischer Bericht. Die Fliegertätigkeit war am gestrigen Tage beiderseits rege Uber den ersten Linien. Ein britisches Geschwader näherte sich in der Frühe überraschend dem feindlichen Flugfeld von Casarsa und bombardierte es mit guter Wirkung. Ein Luftschiffschuppen wurde zerstört. Eines unserer

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Geschwader flog am Abend nach dem Flugfeld von Comina und warf dort zwei Tonnen Sprengstoff ab, wodurch ausgebreitete Brände hervorgerufen wurden. Alle unsere Apparate und alle Apparate der Verbündeten kehrten unversehrt zurück. Am Abend des 19. Februar wurde ein feindliches Flugzeug, das nach Bombardierung bewohnter Ortschaften zurückflog, bei Villorbe von Treviso, abgeschossen.

Auf der Hochebene von Asiago wurde ein feindliches Flugzeug abgeschossen. Englische und italienische Bombengeschwader griffen die feindlichen Flugfelder bei La Comina, Visnadello und Moeta di Livenza erfolgreich an. Auf diesen Flugplatz warfen ferner Marineflugzeuge zwei Tonnen Bomben mit starker Sprengwirkung ab. Alle Apparate sind unversehrt zurückgekehrt. In der Zeit von gestern Abend 7 Uhr und heute Nacht 1 Uhr erschienen feindliche Flieger über unseren Städten und richteten an Kunstschätzen und Privateigentum Schaden ari. Padua wurde dreimal bombardiert. Auf Vicenza, Mestre, Venedig und Trebaseleghc (nordwestlich von Mestre) wurden zahlreiche Bomben abgeworfen. Wir haben einige Opfer, alles Zivilpersonen und zumeist Frauen, zu beklagen. Die Abwehrbatterien empfingen den Feind mit gutem Erfolg. Bei Volpago wurde ein feindlicher Apparat brennend abgeschossen. Gestern Morgen wurde der wichtige Bahnhof Innsbruck von einem unserer Geschwader mit gutem Erfolg angegriffen.

Innsbruck. Heute Nachmittag um 3 Uhr erschienen von Süden kommend drei feindliche Flieger über unserer Stadt. Sie umkreisten den Bahnhof und die angrenzenden Stadtteile und warfen drei Bomben ab. Eine Frau ist tot. Ein iV\ilitärarbeiter erlitt schwere Brandwunden. Die Flieger warfen eine große Anzahl von Flugzetteln ab, die in deutscher Sprache gehalten waren und mit den Worten endeten: .Viele Grüße Auf Wiedersehen." Schließlich entflohen sie in nordwestlicher Richtung. Der „Tiroler Anzeiger" meldet dazu: Einen regelrechten Ueberfall unternahmen die Flieger auf zwei Rotekreuz-Züge, die sie mit Maschinengewehrfeuer überschütteten. Wie wir hören, soll ein österreichischer Flieger lp der Gegend der Martinswand zum Absturz gebracht haben.

22. Februar. Deutsc her Tagesb eri cht. In den letzten drei Tagen wurden im Luftkampf und von der Erde aus 24 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone abgeschossen.

Berlin Am 16. Februar 1918 kurz nach 8 Uhr abends warf ein Flugzeug fünf Bomben auf holländisches Gebiet bei Hoek Terneuzen. Die Bomben richteten Mate ialschaden an. Am 17. Februar gegen 1 Uhr mittags überflogen zwei Flugzeuge holländisches Gebiet zwischen Brügge und der Scheidemündung. Am 17. Februar abends warf wiederum ein Flugzeug am Sluiskanal Bomben auf holländisches Gebiet. In allen drei Fällen war die deutsche Regierung sofort in der Lage, an Hand von einwandfreien Meldungen des Flugmeldedienstes nachzuweisen, daß es englische Flugzeuge waren, die die holländische Neutralität verletzt haben.

23. Februar. Rom. Eine am Montag Abend veröffentlichte halbmonatliche Note besagt: Bei dem Vorstoß in der letzten Nacht warfen feindliche Flieger 27 Bomben auf Venedig, 30 auf Mestro und 5 auf Cästelfranco. In Venedig wurden zwei Personen getötet und neun verletzt, in Mestro drei Personen getötet. Die Opfer gehören sämtlich der Zivilbevölkerung an. Es wurde leichter Schaden an Gebäuden und Privateigentum angerichtet.

Berlin. Zu dem gemeldeten Fliegerangriff auf Venedig in der Nacht auf den 21. Februar schreibt die „Gazzetta di Venezia", daß der Palast Moconigo, der 1818 Byron beherbergte, getroffen worden sei. Mehrere Bomben sollen in der Nähe der Kunstakademie und des Palastes Tiepolo niedergefallen sein. In den Palästen Nezonino und Giustininci, wo Wagner einst wohnte, wurden sämtliche Fenster zerstört.

27. Februar. Deutscher Tagesbericht. Vielfach kam es zu heftigen Luftkämpfen. Ein einheitlicher Angriff englischer Flieger gegen unsere Ballone zwischen Oise und Aisne scheiterte. Wir schössen gestern 15 feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone ab. Hauptmann Ritter v. Tutscheck errang seinen 24 Luftsieg. Gefreiter Kaffner brachte bei einem Fluge zwei Fesselballone zum Absturz.

Innsbruck. Heute Nacht fanden drei bis vier Fliegerangriffe auf Bozen statt. 15 Bomben wurden abgeworfen, von denen eine ein Quartier traf, das von Kriegsgefangenen bewohnt war. 8 Kriegsgefangene wurden getötet, 20 verwundet.

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Deutscher Tagesbericht. Ein feindlicher Luftangriff auf Kortryck verursachte erhebliche Verluste unter der belgischen Bevölkerung.

1. März. Italienischer Beric ht. Im Verlaufe des 27. Februar schössen britische Batterien ein feindliches Flugzeug ab, das bei Nei vesa brennend niederging.

Englischer Bericht aus Mesopotamien. Unsere Flieger griffen Lager und Kantonnements bei Hit wie auch an der oberen Diala an.

Keuter meldet aus Venedig: Der letzte Nachtangriff war der größte von den 45 Angriffen, die Venedig seit Kriegsbeginn durchgemacht hatte. Er dauerte acht Stunden, von 10 20 Uhr abends bis 746 Uhr, mit einer Pause von einer halben Stunde. Im ganzen wurden 300 Bomben abgeworfen. 58 Hauser wurden vernichtet. Das königliche Palais wurde beschossen und ein Flügel in Trümmer gelegt. Etwa 15 Bürger wurden verlet/t, darunter zwei Frauen schwer. Ein Mann wurde getötet. Die geringen Verluste sind darauf zurückzuführen, daß sich die Leute mit großer Schnelligkeit in die für Luftangriffe vorgesehenen Unterschlüpfe retten konnten, und mit Rücksicht auf die Tatsache, daß von den 150000 Einwohnern nur 60000 zurückgeblieben sind Wieviele Flugzeuge an dem Angriff beteiligt waren, läßt sich nicht sagen, denn es kamen immer wieder dieselben Maschinen zurück, nachdem sie neue Bombenladungen genommen hatten. Venedig liegt doch nur wenige Flugminuten von den österreichischen Linien entfernt.

Bern. Am 15. Februar um 11.20 Uhr abends haf ein französisches Flugzeug über Wald Längernberg zwischen Merishausen und Schaffhausen Bomben abgeworfen. Das Politische Departement hat eine Note an die französischen Regierung gerichtet, in der auf das formellste und energischste gegen diese neue Verletzung des schweizerischen Budens Protest erhoben wird. — Der Armeeslab teilt mit: Am 26. Februar, etwa um 11.25 Uhr, wurde ein Flieger über Meris-hausen im Kanton Schaffhausen gehört und etwa 11.25 Uhr abends mehrere heftige Detonationen. Nach längerem Suchen wurden am 27. Februar nachmittags im Längerbers-Wald zwischen Schaffhausen und Merishausen zwei große Löcher, Schäden an Bäumen, sowie eine Anzahl Splitter von Fliegerbomben gefunden. Die Splitter sind genau von derselben Art wie bei den letzten Bombenabwürfen in Mutenz, Menziken und Kullnach gefundenen, also zweifellos französischen Ursprungs.

2. März. Deutscher Tagesbericht. Hauptmann Ritter v. Tutschek errang durch Abschuß eines feindlichen Fesselballons seinen 25. Luftsieg.

Rom. In der Nacht vom 27. Februar bombardierte eines unserer Marineflugzeuggeschwader Pola und warf mehrere Bomben Explosivstoffe auf das

Deutschen Pressevertretern werden bei einem Bombengeschwader an der Westfront Bomben vorgeführt.

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Arsenal und andere militärischen Einrichtungen mit sichtlicher Wirkung ab. Trotz lebhaften Sperrfeuers sind alle unsere Flugzeuge zurückgekehrt.

7. März. Deutscher Tagesbericht. Im Luflkampf wurden 19 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone abgeschossen.

Hauptmann Ritter v. Tutsckek errang seinen 26. Luftsieg. Durch Bombenabwurf englischer Flieger auf ein Lazarett in Tourcoing wurden zahlreiche französische Einwohner getötet.

8. März. Berlin. London, Margate und Sheerneß wurden in der Nacht vom 7. zum 8. von mehreren Flugzeugen mit Bomben angegriffen. Gute Wirknng war zu beobachten.

Reuter meldet aus London amtlich: Feindliche Flieger kamen gestern Abend kurz nach 11 Uhr über die Ostküste von England und flogen in der Richtung nach London. Der Angriff ist noch im Gange. Ein späteres Telegramm besagt: Der Luftangriff von gestern Abend war der erste in einer Nacht ohne Mondschein. Kurz nachdem Alarm geschlagen worden war, hörte man in London heftiges Kanonenfeuer, das ungefähr eine Stunde dauerte.

9. März. DeutscherTagesbericht. Zur Vergeltung für feindliche Bombenabwürfe auf die offenen Städte Trier, Mannheim und Pirmasens am 19. und 20. Februar haben unsere Flugzeuge in der Nacht vom 8. zum 9. März Paris erneut mit Bomben angegriffen und große Wirkung erzielt.

Reuter meldet aus London amtlich: An dem Fliegerangriff von gestern scheinen sieben oder acht Flugzeuge teilgenommen zu haben. Zwei Flugzeuge erreichten London und warfen dort Bomben ab. Die ersten beiden Angreifer näherten sich der Insel Thanet gegen 11.55 Uhr abends und tlogen dann weiter längs der Themse. Sie wurden beide zurückgetrieben, bevor sie Newton erreichten Inzwischen flog ein drittes Flugzeug gegen 11.20 Uhr über die Küste von Essex und von dort nach Westen Um 11.55 Uhr wurde es Uber dem westlichen London signalisiert, und einige Minuten später fielen die Bomben in den südlichen und nordwestlichen Bezirken Gegen 1150 Uhr warf der vierte Flieger, der ebenfalls über Essex gekommen war, nördlich von London einige Bomben ab, flog dann südwärts über die Stadt und ließ um 12.20 Uhr und 12 30 Uhr die übrigen Bomben fallen. Es wurde einiger Schaden an städtischem Eigentum angerichtet Verschiedene Häuser wurden zerstört. Die letzten Polizeiberichte melden, daß bei dem Ueberfall elf Menschen getötet und 46 verwundet wurden. Man befürchtet, daß noch sechs Menschen unter den Trümmern eingestürzter Häuser begraben liegen. Alle Unglücksfälle ereigneten sich in London.

Der „Nieuwe Rotterdamsche Couranf meldet aus London, der Luftangriff am Donnerstag sei eine große Ueberraschung für die Einwohner gewesen. Man

Deutsches Großflugzeug vor dem Start. Prüfen des im Eumpfvorderteil angebrachten Maschinengewehrs. (Die deutschen Großflugzeuge haben eine Flügelspannweite von 34 m. 2 Motoren von je 250 PS, 3—4 Mann Besatzung, sind mit 3 Maschinengewehren ausgerüstet und können eine Bombenlast von ca. 8 Ctr. tragen.)

Deutschen Pressevertretern wi-rrlen ht*ì einem ßoinl »engest: Invader an «1er Westfront Bomben vorgeführt.

Deutsches Gi'oßfhigzotig vor dem Start. Prüfen des im Uumpfvordcrteil angebrachten Maschinengewehrs. (Die deutschen Großflugzeuge haheu eine jHiigelspannweito von -21 m. 2 Motoren von je 250 PS, 3—4Mann Besatzung, sind mit 3 Maschinengewehren ausgerüstet und ki'mnen eine Bombenlast von ca. 8 Ctr. tragen.)

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dachte, daß die Flieger ohne Mondschein den Weg nach London nicht finden könnten. Die Sterne funkelten, außerdem war ein glänzendes Nordlicht zu beobachten. Nach dem Angriff glühte das Nordlicht in roten Strahlen auf, und man hielt es für den Widerschein eines großen Brandes. Um zwei Uhr strahlte der Himmel stärker als bei Vollmond. Viele Jahre war eine derartige Erscheinung nicht zu beobachten gewesen.

Englischer Palästinabericht. Am 4. führten unsere Flieger mit Erfolg Streifzüge aus und beschossen die Eisenbahnlinie und den Flugplatz bei El Kutram, 80 Meilen nördlich von Maan. Am 5. warfen sie eine Tonne Bomben auf die Eisenbahn von Calaat Fhesa, 45 Meilen nördlich von Maan, sowie auf Truppenlager bei Schumet-Nimrin, auf dem linken Ufer des Jordan 10 Meilen östlich von Jericho ab Am 6. griffen unsere Flieger mit Bomben und Maschinengewehren feindliche Truppen und Transporte auf der Straße von Nimrin nach El-Goraniyech an.

Französischer Bericht. Im Laufe des 8. März wurden zwei deutsche Flugzeuge von unseren Fliegern heruntergeholt.

Italienischer Bericht. Unsere Flieger beschossen trotz der schlechten Luftverhältnisse einen Trainpark des Feindes im Nordosten von Oderzo.

10. März. Deutscher Tagesbericht. In den beiden letzten Tagen wurden 28 feindliche Flugzeuge und 1 Fesselballon abgeschossen. Jagstaffel Bölcke brachte ihren 200. Gegner zum Absturz.

Ausland.

Was man von den amerikanischen Flugzeugen erhofft? Die meistgelesene englische Zeitschrift „John Bull" schreibt am 9. Februar wörtlich: Amerika müsse eine Flotte von mindestens tausend Flugzeugen verschaffen, deren einziger Zweck sei, deutsche Städte zu bombardieren ihre Gebäude zu zerstören, Tod, Unheil und Entsetzen zu verbreiten. Weder Mann, noch Frau noch Kind dürften geschont werden. Das sei das Evangelium des Hasses, der Barbarei und der Wildheit: Aber es sei jetzt Krieg.

Amerikanische Flugzeuge nach Frankreich. Reuter meldet aus Washington: Der amerikanische Kriegsminister hat mitgeteilt, das die ersten in Amerika hergestellten Kampfflugzeuge jetzt nach Frankreich unterwegs wären. Sie wären ungefähr 5 Monate früher fertiggestellt, als man zuerst angenommen habe.

Wie unsere Feinde einen Fliegerangriff auf Berlin durchführen wollen. Die „Züricher Post" berichtet: Im Pariser „Eclair" untersucht der bekannte Marinefachmann Admiral Degouy die Möglichkeit systematischer Angriffe auf Berlin. Für Angriffsgeschwader seien die 900 km Entfernung von der französischen Front nach Berlin zu groß. Er schlägt daher einen Flottenangriff auf die günstig gelegenen Inseln an der Schleswig-Holsteinischen Küste vor, zwecks Schaffung einer großen Fliegerstation. Die Insel S., welche er nicht näher bestimmt, sei nur 123 km von Kiel, 175 von Hamburg, und 400 von Berlin entfernt und würde sich sehr gut als Stützpunkt für einen Fliegerangriff auf Berlin eignen.

Die große Luftoffensive im Sommer 1918. Das „Berner Tageblatt" berichtet aus Paris : „Homme Libre" berichtet, um den Feind bezwingen zu können, müsse die Zahl und die Qualität der Flugparks weiter vervollständigt werden. Der Sommer 1918 wird die große Luftoftensive bringen.

Die Flieger Garros und Marchai, die kürzlich aus Deutschland entkommen sind, sind Agence Havas zu Folge in Paris eingetroffen.

Major Salomone, der bekannteste italienische Flieger, wurde kürzlich im Luftkampf getötet.

Aktooselskabet Nordisk Luftkraft Kristiania wurde mit 600000 Kronen Aktienkapital für Handel in Flugzeugen, Hydroaeroplanen, % Luftmotoren und anderem Flugmaterial gegründet. Vorstand sind die Herren Dir. S. T. Sverre (Vorsteher), Großwiedler E. Sundt, Dir. H. Sandberg, alle in Kristiania.

Fliegerunfall in der Schweiz. Am 8. 3. stürzten auf dem Thuner Allmend der Fliegerleutnant Pagan-Genf und der Artillerie-Oberleutnant Schoch-Wülfingen als Begleitoffizier mit einem Doppeldecker aus einer Höhe von etwa 50 Meter ab. Das Flugzeug überschlug sich in der Luft und fing Feuer. Die beiden Offiziere, die auf ihren Sitzen festgebunden waren, verbrannten.

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Abb. 1

Patentwesen.

Flugzeug mit einer zur Aufnnahme eines Maschinengewehrs dienenden Kuppel. *)

Die Erfindung erstreckt sich auf Kampfflugzeuge mit in einer Kuppel beweglich gelagertem Maschinengewehr.

Bei Panzerschutzschilden ist es bereits bekannt, die zur Aufnahme des beweglichen Geschützes dienende Schießscharte mittels einer einteiligen verschiebbaren Panzerplatte abzudecken. Ferner ist es bekannt, bei Flugzeugen eine durchsichtige, aufrollbare Windschutzwand vor dem Führer vorzusehen.

Gemäß der Erfindung ist ein durchsichtiger Windschutz mit einem Panzerschutz zu einem beweglichen Schild in der Weise vereinigt, daß je nach Bedarf entweder der Panzerschutz oder der Windschutz vor den Schützen gebracht werden kann. Diese Vereinigung ist. dadurch zu stände gebracht, daß der Schild zwecks Gewährung des Durchblickes zu einem Teil aus Cellon besteht.

In der Zeichnung ist eine beispielsweise Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes dargestellt, und zwar in Fig. 1 und 2 in Längschnitt und Draufsicht bei Anwendung einer Vollkugel, Fig. 3 und 4 in Längs- und Querschnitt bei Anbringung in einem gewöhnlichen Rumpf.

In der Ausführungsform nach Fig 1 und 2 wird die Kuppel durch eine Reihe von Reifen 1, die sich rechtswinklig schneiden und mit einem geeigneten Ueberzug aus Aluminium, Celluloid oder dergl bekleidet sind, gebildet. Innerhalb der Kuppel sitzt das Maschinengewehr 2. Um dem Maschinengewehr freie Beweglichkeit in senkrechter Richtung zu gewährleisten, ist die Kuppel mit einem über ihren ganzen Umfang laufenden Ausschnitt versehen, welcher von einem Kreisband überdeckt wird. Dieses Kreisband besteht zur Hälfte aus einer Panzerplatte 4

Abb. 2

*) D. E.-P. Nr. 302354 Robert Woerner in Berlin-Johannisthal.

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und zur anderen Hälfte aus einem Cellonband 5. Panzer- und Cellonband ergänzen sich zu einem vollen Kugelkreisband.

Das Maschinengewehr wird durch eine Oeffnung in der Panzerplatte hindurchgesteckt. Panzerplatte und Maschinengewehr können gleichzeitig auf der Zahlung 3 durch ein entsprechendes Getriebe bewegt werden.

Bei der Ausführungs-form nach Fig. 3 und 4 ist das Kugelkreisband ausPanzerstahl undCellon oder dergl. in den Vorderteil eines gewöhnlichen Flugzeugrumpfes eingebaut Im Flugzeugrumpf6 sitzt ein festestehender Rahmen 7, innerhalb dessen ein mit Zähnen versehener, beweglicher Rahmen 8 angebracht ist. In diesem beweglichen Rahmen 8 sitzt das Panzer-und Cellonkreisband

Durch ein feststehendes Zahnradgetriebe 9 kann das Panzerplatten-Cellonkreisband in willkürlicher Weise verschoben werden. Bei dieser Ausführungsform kann das Maschinengewehr 2 der Kreisbewegung des Panzerbandes nicht ganz folgen, es wird vielmehr, wenn das Panzerband nach hinten bewegt werden soll, aus demselben seitlich ausgeschwenkt. Zu diesem Zwecke kann das Maschinengewehr beispielsweise in einer Gleitführung 10 beweglich sein. Außerdem ist die Maschinengewehrstütze im Lager 11 drehbar.

Patent-Anspruch. Flugzeug mit einer zur Aufnahme eines Maschinengewehrs dienenden Kuppel, deren Schießscharte durch einen Panzerscnild abgedeckt ist, dadurch gekennzeichnet, Panzerstahl, zur anderen Hälfte ans

Abb. 4

daß der SchilJ aus einem zur Hälfte aus Cellou oder dergl. gebildeten Kreisband besteht.

Gebrauchsmuster.

77h. 675781. Deutsche Flugzeuewerke, G. m b. H., Lindenthal b. Leipzig. Flugzeug mit mehreren Propellern 12 7. 17. D. 30890

77h. 675 788. Sprengstoff A.-G. Carbonit, Hamburg. Abwurfvorrichtung für Abwurfbi.mben. 3. 12. IV. S 39864.

77h 675798. Carl Neils, Charlottenburg, Röntgenstr 7a Schutz tur Benzintank. 21. 12. 17. R. 16397.

77h. 675 916. Vedder & Schomacker, Beckum i. W. Steuerrad für Automobile, Flugzeuge usw. 1. 12. 17. V. 14191.

77h. 675917. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H, Leipzig-Lindenthal. Holmverschlag. 3. 12. 17. D. 31313. .

77h 675919. Hermann Saß, Wildpark b. Potsdam. Hebevorrichtung für Flugzeuge aller Art. 5. 12. 17. S. 39 288.

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SeVte 149

77h. 675921. Max Rittberger, Berlin-Schöneberg, Heilbronnerstr. 26. Flugzeug mit versetzt gegeneinander nach hinten zurücktretenden Tragflächen. 6. 12. 17. R. 44540.

77h. 675933. Hannoversche Waggonfabrik A-Q., Hannover-Linden. Anzeigevorrichtung für den Benzin-Haupttank von Flugzeugen 24. 12. 17. H. 74881.

Patent-Anmeldungen.

77h. 15. S. 43461. Siemens-Schuckert-Werke G. m. b. H., Siemensstadt b. Berlin. Abschußvorrichlung für Granaten und dergl. von Luftfahrzeugen. 21. 5. 15.

Patent-Erteilungen.

77h. 5. 304 740. Alfred Woide Berlin-Baumschulenweg, Kiefholzstr. 251. Feststellvorrichtung für Flugzeugsteuerungen. 18. 8. 16 W. 48283.

Firmennachrichten.

Gesellschaft für Apparatebau m. b. H., Berlin. Gegenstand des Unternehmens: Fabrikation und Vertrieb von Apparaten für die Flugzeug- und Automobilindustrie, für andere Fabrikbetriebe und die Hauswirtschaft sowie verwandte Handelsgeschäfte jeder Art. Das Stammkapital beträgt 20000 Mk. Geschäftsführer sind die Herren Edgard Schumann, Ingenieur, Berlin-Wilmersdorf, Carl Bestehorn, Kaufmann, Berlin-Tempelhof. Jeder der Geschäftsführer ist ermächtigt, selbständig die Gesellschaft zu vertreten.

Pfadfinderkompaß und Flugzeugzubehör, Gesellschaft Berlin-Johannisthal. Wilhelm Albers ist nicht mehr Geschäftsführer.

Rheinische Aerowerke. Der bisherige Geschäftsführer Karl Trutschel ist mit Wirkung vom 1 8. 1914 zurückgetreten und an seine Stelle der Kaufmann Gustav Buchenau in Euskirchen zum Geschäftsführer bestellt

Eingesandt.

(Ohne Verantwortung der Redaktion.) Sehr geehrte Redaktion!

Zu dem Artikel des Herrn Ing. Hene in No. 5 Ihrer geschätzten Zeltschrift sende ich Ihnen folgende Zeilen. Auch ich bin der Meinung, daß der Gummimotor seine Bedeutung für den FIugzeu°modelIbau nicht verlieren darf und auch nicht wird, besonders nicht für Anfänger. Dann ist es selbstverständlich, daß Flugleistungen von Modellen ganz verschiedener Art, wie Enten-, Rumpf-, Gummi-, Preßluft- und Benzinmotorenmodelle, nicht nach demselben Schema F gewertet werden dürfen, sondern nach Formeln, bei denen alle Modelle und ihre Eigentümlichkeiten gerecht gewertet werden.

Vor längerer Zeit schon haben Herr Ernst Reimer, der bekannte Enten-konstrukteur, und ich diese Frage in Artikeln Ihrer Zeitschrift behandelt. Dort wurde auch noch der verschieden große Einfluß des Rückenwindes auf Leistungen verschiedener Typen behandelt.

Jetzt komme ich zum Hauptpunkt: Die Propellerkupplung, die den Propeller nach abgelaufenem Motor zum Leerlauf freigibt, ist nicht neu. Schon lange vor dem Krieg, vo- ca 6 Jahren zeigte uns Herr Reimer an seiner Ente diese Kupplung, die bei ihm aus 2 in den Propeller geschlagenen Drahlstiftchen und einem auf die Achse gelötetem s-förmigen Streitchen Blech bestand.

Diese Vorrichtungen verlängern gewiß die Flugstrecke, da der Widerstand des stehenden Propellers fortfällt, beseitigen aber keinesfalls das Drehmoment, das die zum Motorflug verstellten Flächen hervorriefen (beim Gleitflug).

Dieses Drehmoment kann nur durch eine Vorrichtung beseitigt werden, die die zum Motorflug verstellten Flächen oder Klappen sofort nach abgelaufenem Motor wieder umstellt. Dies geschieht durch den Gummimotor selbst, bei der von mir in Ihrer Zeitschrift beschriebenen Vorrichtung.

Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß man durch Erzielttng von mehr Umdrehungen desselben Motors die Flugstrecke verlängert. Dies geschieht durch Ausdehnen des Gummistranges auf die Ü -4 fache Länge vor der Torsion.

Martin Sultan.

Jllustrirte

N(K 7 technische Zeitschrift und Anzeiger „„'"^"^

27. März fur das gesamte autiand

per krauztuo M.21.20 Elnztlpr. m 0.80

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von relef. Hansa 4557 Oskar Urslnus, CiviUngrenleur. Tel.-Adr.-. Urslnus. Brtef-Adr.: Redaktjon, und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8.

. — Erscheint regelmäßig 14tägig. —

-=^= Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. .

mmi „Flugwesen"

Der Nachdruck unserer Artikel Ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer QaellenPnga*"' gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 10. April.

Sieg.

„Das Flugmaterial der Verbündeten ist qualitativ, wie ebenso das ITliegermaterial dem deutschen überlegen. Den ersteren Nachteil suchen •die Deutschen durch sparsame Benützung auszugleichen".

. Das ist die Ansicht von Flight, eine Ansicht, wie sie jedenfalls in den Kellern Londons Verbreitet -wird.- Man hofft, daß die deutschen Luftstreitkräfte den Anforderungen der, kommenden Offensive night gewachsen seien und die englischen'und französischen Streitkräfte •die Oberhand gewinnen werden. Deutschland müsse, wenn es nicht untergehen wolle, siegen. In diesem Falle bleibt England nichts •anderes übrig, als Frieden zu schließen. Deutschland könne aber nicht siegen, da es in der Luft unterlegen sei." So schrieb man am 14. Februar.

Heute liegeu die Tage vom 22., 23., 24. März hinter uns. Deutschland hat gesiegt!

Wir danken es den kraftvollen Leistungen unserer Konstrukteure, unserer Flugzeugindustrie, unseren Flugmotorenfabriken, die ihr Letztes fürs Vaterland gegeben haben. Im Ausland würde man solche Leistungen mit Prämien, auszeichnen.--Bei uns, nun — da — betrachtet

■es jeder als sein«) Pflicht, und würde nicht im geringsien daran •denken, einen anderen Zweck als diesen als Endzweck zu betrachten. Nicht weil es sq sein muß, sondern weil jeder Deutsche so denkt'. Hierüber später einmal. —


Nach engl. Darstellung.

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Gotha Großflugzeug.

Das "Wort „Gotha" dürfte in letzter Zeit in Paris und London mit unangenehmen Empfindungen gesprochen und gehört worden sein. Die deutschen Leistungen im Großflugzeugbau sind allerorts, nicht zum letzten von den feindlichen Konstrukteuren, viel beachtet worden. In den Fachzeitschriften unserer Gegner finden sich mehr oder weniger gute Eeschreibungen, die auch uns manches Interessante bieten.

Eereits im Jahre 1917 haben wir in Nr. 20 des „Flugsport" auf Seite 633 u. f. das Gotha-Großflugzeug beschrieben. In Nachstehendem geben wir eine Eeschreibung aus „Flight" wieder, in der auch verschiedene konstruktive Einzelheiten beschrieben werden.

Nach diesen Angaben soll der „Gotha" eine Spannweite der oberen Fläche von 23,71 m besitzen. Der Tragflächen-Anstellwinkel soll 5 Grad betragen. Ferner wird gesagt, daß die Rippen der Tragflächen mit den Querholmen im rechten Winkel stehen und daß deshalb die Flächenstiele, von vorn gesehen, sich nicht decken, wie es gewöhnlich der Fall sei. Der einzige Vorteil, der daraus hervorzugehen scheine, sei der der Billigkeit und der Konstruktion. Es entstehe jedoch dadurch ein erheblich größerer Luftwiderstand, der noch durch die Rippen, die- sehräg zur Flugriehtung laufen, vergrößert werde.

Die obere Fläche wird über den Rumpf durch einen Spannturm in der Form eines umgekehrten V abgestützt.

Die Hauptholme aus Esche der oberen Fläche haben I förmigen Querschnitt, sind zu beiden Seiten mit Furnier bedeckt und mit Leinewand umwickelt. Für die Holme der unteren Fläche ist Fichte verwendet. Die Flächenrippen sind aus Furnier hergestellt und aus Gründen der Leichtigkeit ausgespart. Innerhalb der Fläche befinden sich Distanzstreben aus rundem Stahlrohr, die in Strebenschuhen gehalten werden und durch Kabel miteinander verspannt sind.

Einige Modelle des „Gotha" besitzen außer an der oberen auch an der unteren Fläche Verwindungs-klappen. Diese beiden Klappen sind durch Distanzstahlrohre miteinander verbunden. Die Verwindungs-klappe der oberen Fläche ist durch ein kleines Stück, das über dem Flügel übersteht, ausbalanziert. Die aus Stahlrohr hergestellten am hinteren Holm angelenkten Verwindungsk läppen werden durch einen über dem hinteren Holm gekröpften Hebel durch Heil- Fahrgestell des Gotha (Irolllhigzeugs.

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Stielbefestigung am Gotha Großflugzeug

zug betätigt, eine Ausführungsform, die bei fast allen deutschen Maschinen üblich ist.

Die untere und obere Fläche werden durch je drei Paar Zellenstiele verbunden. Die Zellenstiele aus Stahlrohr besitzen Stromlinienform. Der Anschluß des Zellenstieles an den Flächenholm besteht aus einem neuartig durchgebildeten halbkugel-i'örmigen Stück. (Siehe die nebenstehende Abbildung.) Die Kabel sind durch ein zigarrenförmiges mit einer Höhlung versehenes Stahlstück geführt. An dem einen Ende befindet sich ein Muttergewinde mit in der Halbkugel befestigten Schraubenbolzen. Das Aufdrehen dieser Gewindeverbindung wird durch einen Draht gesichert.

Alle Schwanzteile, Dämpfungsfläche, Kielfläche, Höhen- und Seitenruder sind aus Stahlrohr geschweißt. ■ Das Seiten- und Höhenruder ist wie .die yerwindungsklappen mit starken Scharnieren angelenkt. Die beiden Höhenruder sind miteinander gekuppelt.

Der Rumpf hat viereckigen Querschnitt, ist vorn abgerundet und verjüngt sich nach hinten. Er hat eine größte Höhe und Breite von ungefähr 1,06'm und eine Gesamtlänge von 11,8 m. Er besteht aus vier Längsholmen, die gitterträgerartig miteinander verspannt sind. Der Rumpf ist mit Furnier bekleidet und unterhalb hinter dem hinteren Sitz tunnelartig ausgebaut, damit der Schütze rückwärts abwärts schießen kann. In der beistehenden Zusammenstellungsskizze ist diese Aussparung durch eine punktierte Linie dargestellt.

Im vorderen Teil des Eumpfes befindet sich ein kreisförmiger Sitz für den vorderen Schützen. Das Maschinengewehr ist auf einer halbkreisförmigen Schiene beweglich befestigt. Hinter dem vorderen Sitz, gerade vor den Hauptflächen, befindet sich der Führerraum. Der Sitz des \ /' Führers ist wenig nach der linken

/' Seite verschoben, damit ein Verbin-

^''o-». dungsgang zwischen vorderem und

~ ' . „ , hinterem Schützen frei bleibt. Der Abfederung der Fahrgestellachsc . ■».- ,. , , ... • , •_

am Gotha Großflugzeug. hintere Maschinengewehrschutze ist in

Fahrgestellstreben- Verbindung am Gotha Großflugzeug.

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Fokker-Dreidecker, das neueste deutsche Kampfflugzeug, werden startfertig gemacht.

der Lage, mit seinem Maschinengewehr ebensogut vorwärts wie rückwärts schießen zu können.

Zum Betriebe dienen zwei 260 PS Sechs-Zylinder Mercedes Motore, deren Achsen 4660 mm voneinander entfernt sind. Sie sind eingeschlossen von einem Gehäuse von Furnier und Aluminium. Unter den Motoren befinden sich die Betriebsstoffbehälter. Die Motoren ruhen auf starken Spruceträgern, die durch Stahlrohre mit einander und mit der Fläche verbunden sind.

Unter jedem Motor befindet sich ein zweirädriges Fahrgestell, bestehend aus zwei Vförmigen Strebenpaaren, an deren unterem Winkel die Radachse federnd aufgehängt ist. Besonderes Interesse beansprucht das Stoßabfangssystem, welches durch nebenstehende Abbildung dargestellt und erläutert ist.



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Flugzeugbau bei unsern Gegnern.

Die New Aircraft Manufactory Co., eines der größten

englischen Flugzeugunternehmungen,

ursprünglich, die Vertretung von Farman, baut zur Zeit in der Hauptsache die de H.-Maschinen, genannt nach ihrem Konstrukteur „de

Bristol Bullet-Kampfrhigzeug.

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FLUGSPORT".

No. 7

Flugzeugbau bei unsern Gegnern.

Die New Aircraft Manufactory Co., eines der grüßten englischen Flugzeugunternehmungen,

ursprünglich die Vertretung von Farman. baut zur Zeit in der Hauptsache die de H.-Maschinen, genannt nach ihrem Konstrukteur „de

Bristol-Zweisitzer (üurrlioll;).

1

Iki-t'il ] >: 111 c t - Ku u i >f flnjrzeujr.

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Havilland". Dieser war früher Angestellter in der staatlichen Fabrik Rval Aircraft Factory), die bekanntlich die ß. E. Konstruktion herausbrachte. Die New Airc.aft Manufactory baut folgende Flug-jKogtypen:

Maurice und Henry Farnian für Schulzwecke,

De-H,, zweisitzig mit hinten liegendem Motor,

De-H .„ Jagdflugzeug mit hinten liegendem Motor,

De-H., dreisitzig mit zwei Motoren,

De-H,, schnelles zweisitziges Rumpf-Kampfflugzeug,

De-H-, Rumpf-Jagdflugzeug,

De-Hi;, Schulmaschine,

De-H3, schnelles zweisitziges Rumpf-Bombenflugzeug, De-H]n, zwei Motorenmaschine. Von Wasserflugzeugen werden gebaut:

Großtlugboote des Kommandeurs Porte mit drei Motoren, Maurice ■ond Henry Farman Wasserflugzeuge sowie F 2 a und F 3 Flugboote.

Die englischen Erzeugnisse sind uns durch Beutefingzeuge bekannt. Das sogenannte „Bristol Bullet' Eiositzer Kampfflugzeug sei in nebenstehender Abbildung zur Unterscheidung nochmals erwähnt.

Englisches Fairey Zwcimutoren-Großniigzeng mit ziuiickklapphnren TrafpSäChen.

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Eine zeitweilige Ausführungsform eines Bristol Zweisitzers ist gleichfalls in umstehender Abbildung wiedergegeben.

Die Erfolge der deutschen Großflugzeuge insbesondere deren. "Wirkung über England haben die englischen Konstrukteure zur eifrigsten Arbeit angespornt. In der Abbildung auf Seite 159 sehen-wr,. ein Zweimotoren-Landflugzeug des englischen Marinefliegerkorps. Für die Ausführungsform hat man sich ziemlich genau an deutsche Vorbilder gehalten. Die Fairey Aviation-Co. hat ein Zweimotoren-Flugzeug gebaut, bei dem die Tragflächen zurückgeklappt werden können,, damit das Flugzeug in Hallen von kleiner Spannweite untergestellt werden kann. Im Rumpf ist vor und hinter dem Führer ein Sitzraum für je einen Maschinengewehrschützen vorgesehen.

Die amerikanischen Flugzeugfabriken

haben bemerkenswerte Neuheiten noch nicht herausgebracht. Die amerikanischen Flugzeugkonstrukteure sind, wenn man die angebotenen Typen auf dem amerikanischen Markte sieht, in ihren Ansichten noch sehr rückständig. Sie haben keine Ahnung und nicht das geringste Gefühl dafür, was bei einem neuzeitlichen Luftkampf erforderlich ist. Das Beste, was noch auf dem amerikanischen Markt geboten wird, sind Kopien von Handley Page und Caproni Großflugzeugen, sowie kleine Sopwith Jagd-Doppeldecker. Einen amerikanischen Sopwith zeigt die untenstehende Abbildung, gebaut von der Thomas Morse Aircraft Corporation in Ithaka (New-York). Von neuen

italienischen Flugzeugfabriken

ist die bedeutendste das von Gebr. Pio und Mario Perrone, Besitzer der Schiffswerft Gio Ansaldo in Genua, betriebene Werk, für dessen Bedarf sie noch die Fiat-St Georges-"Werke für den Bau von Flugmotoren, die S. F. T. Comp, von Turin (Societa Italiana Transaera, Turin), italienische Lizenzinhaberin von Bleriot und Voisin, einen

.TajjclIliig/.iMij; der Thomas-Morae-Airrraft Curuoration. (U. S. A.)

R-ilimM^-lim- F->nniilin.nnnnfiiíWl:iM- mir Will P>1 Fï:t h-Mntor.

Itrilirmsc-Iii- S.V. \ \\"n«itr ami Landflaffzeugt-

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eigenen Flugplatz bei der Genuaer Fabrik, sowio zwei Stahl- und Rohrwalzwerke und eine Seidenspinnerei für Flugzougbespannung übernommen haben. Ein Erzeugnis von diesem Unternehmen ist das S. V. A. Flugzeug (Sit-Verduzio-Ansaldo), ein Einsitzer-Flugzeug, welches sowohl als Land- sowio als Wassermasohino gebaut wird. Es soll ein Kampfdoppeldeckor für üauerfliige sein und soll Betriebsstoff für acht Stunden tragen können. In dieser Zeit soll es 10 — 1700 km zurücklegen. Die Schwimmer bei dem Wasserflugzeug sind nach deutschem Muster außerordentlich lang. Ein Stiitzschwiminer ist nicht vorhanden. Die beiden Tragflächen besitzen, wie von Albatros zuerst ausgeführt, in V-Form angeordneto Zug- und Druckspannung aufnehmende Streben.

Eine andere italienische Flugzeugi'abrik ist die Sia (Societa Italiana Aviazione) eine Schwestergesellschaft der Fiat-Motor Co. in Turin, mit deren 250—300 PS „A 12" Motor das Sia F. B. Flugzeug ausgerüstet ist. Dieses Flugzeug ist von zwei Technikern der Fiat Firma und zwar von Forretta und Carlo Maurilio Lerici konstruiert und wird sowohl als Jagd- wie auch als Bomben-Flugzeug gebaut.

Hauptmann Laureati benutzte für seinen Flug Turin-London ein Sia F. B. Flugzeug, auf dem er am t>. August 1917 bereits ohne Zwischenlandung von Turin nach Neapel und zurück (1400 km) in zehn Stunden flog. Der Chefpilot der Sia-Gesellschaft hat folgende Höhenflüge mit dem Flugzeug ausgeführt: Am 2<i. August mit einem Gewicht von 320 kg (Führer und Passagier) stieg er auf liltJö m in 34- Minuten, und am 28. Juni erreichte er im Alleinflug die Höhe von 7310 m mit einem Gewicht von 300 kg.

Der Poroilio-Rumpfdoppeldecker ist in obenstehender Abbildung wiedergegeben. Zum Betriebe dient ein 200 PS Sechs-Zylinder Fiat Motcr. Er hat eine Spannweite von 11,6 m, eine Gesamtlänge von 9,4 m und ein Leergewicht von 1040 kg.

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Konstruktive Ausblicke.

Nachstehend geben wir die Ausführungen eines englischen Flugzeugkonstrukteurs, R. F. Mann, wieder, die dieser, wie er sagt, in der unfreiwilligen Muße seiner Genesung nach Verwundung über die künftige Entwicklung des Flugzeugbaues angestellt und im Flight veröffentlicht hat. Sie erscheinen u. a. deswegen bemerkenswert, weil auch sie den Beweis liefern, daß die deutsche Flugtechnik unsern Gegnern als Vorbild und Maßstab dient.

1. Tragflächen, Verstrebung, Verspannung und F1 ii ge I p r o f i I.

Das System der Verstrebung und Verspannung der Doppeldecker-Zellen ist weit weniger Aenderungen unterworfen gewesen als irgend ein anderer Tei| des Flugzeuges, indessen fehlt es nicht an Anzeichen, die darauf deuten, daß wahrscheinlich erhebliche Verbesserungen bezüglich weiterer Herabminderung des Stirnwiderstandes in naher Zukunft eintreten werden. An Stromlinien-Querschnitten lassen sich wesentliche Fortschritte kaum noch erzielen, daher kann die Widerstandsminderung nur durch Verringerung der Zahl der bisher üblichen Stiele erzielt werden. Zwei Maschinen von Bedeutung, an denen dahingehende Versuche gemacht worden sind, waren der S. E 4 und der Sopwith-Dreidecker. Bei dem erstgenannten Doppeldecker hat man von dem I-Quersclinitt Gebrauch gemacht, wobei sich die Arme von der Stirnkante bis zum Hinterholm erstreckten. Die Flügeltiefe war hierbei groß, und infolge dessen waren die vom Wandern des Druckmittelpunktes hervorgerufenen Beanspruchungen in der Strebe auch hoch. Beim Sopwith dagegen hat man diese Beanspruchungen dadurch in maßvollen Grenzen halten könne.i, daß man eine nur geringe Flügeltiefe vorsah und die erforderliche Tragflächengröße durch Hinzufügung eines dritten Decks schaffte. Leider ist dieses Verfahren nur bei kleinen Maschinen anwendbar und kann daher als eine vollkommene Lösung des Problems nicht angesprochen werden. Es sind noch zwei andere Strebenarten vorgeschlagen worden, die X- und die K-Form; die letztgenannte ist auf einigen Maschinen von Curtiss zur Anwendung gelangt. Beide haben jedoch Nachteile, die sich beim I-Typ nicht finden: 1. ist infolge der großen Seitenfläche der Sehbereich der Flugzeuginsassen stark geschmälert, und 2. ist diese seitliche Fläche für Stabilisierungszwecke unnötig und nur geeignet, der Maschine unerfreuliche Flugeigenschaften bei böigen Winden zu verleihen. Auch ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, daß Widerstand und Flächenreibung einer solchen Strebe nicht kleiner sind als bei zwei glatten Stielen mit zugehörigen Anstelldrähten. Zieht man alle diese Umstände in Erwägung, so scheint die 1-Form die beste Lösung zu bieten, nur muß man sich klar werden, wie man am besten der hohen Beanspruchungen, die infolge des Wanderns des Druckmittelpunktes auftreten, Herr wird. Man kann natürlich konstruktiv der Strebe hinreichende Festigkeit geben, doch wird dann ein großer Teil des Gewinns an Stirnwiderstand durch das Mehrgewicht wieder aufgehoben. Mangels Vorhandenseins eines äußerst leichten und doch festen Konstruktionsmatcrials besteht der einzig gangbare Weg darin, daß man ein Flügelprofil schafft, das ohne zu starke Sdimülcrung des Auftrjebskneffizienten und des Verhältnisses Auftrieb : Widerstand mit einer beträchtlich geringeren Wanderung des Druckmittelpunktes behaftet ist. Ein Profil mit unverrückbar feststehendem Driirkmittelpunkt würde natürlich für diesen Zweck das ideale <rin. doch ist hierbei zu befürchten, dal! die Abnahme des I'°lüclienwirkunu>>gr;nlt's jeden andern Vorteil aulhelit. Ein befriedigendes Kompromiß ist dasjenige, was man zu suchen hat, und dies dürlte mit nicht mehr Miihe gefunden werden kneneii. als mau für die l'.i langling iler gt geiiw.ir 1 igen hucliwirksamcn Profile aufzuwenden gehabt hat

Zwei »l.ilnriMi l.:iiiilllii|tzeii|! uYg engl, UnriiicllieKirkorim.

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Aehnliche umfassende Aenderungen sind hinsichtlich der Zellenverspannung in Sicht; tatsachlich gibt es bereits seit Kurzem eine Maschine — das Erzeugnis eines alliierten Landes —, bei der die üblichen Kabel oder Stromlinien-Drähte in Fortfall gekommen und durch ein System drahtlosen Gitterwerks ersetzt sind.') Der Vorteil dieser Bauart besteht darin, daß infolge des Fehlens biegsamer Zugglieder die Schwingungen, die gleichbedeutend mit Widerstands-Zunahme sind, vermieden werden. Kommen auch die Schwingungen bei kleinen Maschinen, wo die Zellenlängen gering sind, nicht so sehr in Betracht, so nehmen sie bei großen Zellenlängen, etwa denen der Bombenwurf-Maschinen, sehr unangenehme Dimensionen an.

Zwar erweist sich die I-Bauart als etwas schwerer; da aber die Ersparnis an Widerstand eine beträchtliche ist, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß letzten Endes ein bestimmter Gewinn herausspringt; und in der Tat haben die Leistungen

Bei einem deutschen Jagdgeschwader an der Westfront. Blick auf den Flughafen mit den Zelten und den startbereiten Flugzeugen, von einem anderen Flugzeug aus geringer Höhe aufgenommen.

l) Diese Ausführungen decken sich zum Teil mit andern englischen Vorschlügen, die wir in No. 1 und 2 dieses .lahrganges unter der (Jeberschrift ..Flächenverspannung und Stirnwiderstand" wiedergaben. Zu vergleichen ist die Bildtafel II in No. 2, insbesondere die Abb. 8, 10 nnd 12.

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der erwähnten Maschine gezeigt, daß dies wirklich der Fall ist. Mit einer befriedigenden I-Strebe einerseits und einer genügend erprobten „Drahtlosen Gitter"-Bauart andererseits besteht der nächste Schritt in einer Vereinigung dieser beiden Elemente, also aus einem drahtlosen, aus 1-Streben konstruierten Gitterwerk.

Wahrscheinlich wird man hiergegen einwenden, daß dies zu weit vorausgeblickt sei, und daß es nicht nötig sei, nach irgendwelchen anderen Bauarten Ausschau zu halten, da wirklich große Maschinen vorhanden sind, die das sozusagen altbewährte Verstrebungs- und Verspannungssystem mit hinreichendem Erfolge benutzen Dem kann man nur entgegnen, daß wir heute den bequemen und schnellen Kraftwagen nicht hätten, wenn sich unsere Vorfahren mit dem Pony-Wägelchen und der Postkutsche begnügt hätten.

2. Der Flugzeugrumpf.

Form und Anordnung des Rumpfes sind bis zu einem gewissen Grade von dem eingebauten Motorentyp beherrscht; daher seien zunächst einige wenige Zeilen den Motoren gewidmet. Blickt man auf die letztvergangenen drei Jahre zurück, so ist man durch drei Tatsachen geradezu betroffen; diese sind: 1. die starke und fortgesetzte Zunahme an Pferdestärken, 2. die zunehmende Vorliebe für Wasserkühlung, und 3 der Umstand, daß die deutschen Konstrukteure im Gegensatz zu denen der Alliierten, die sich aller Motoren-Typen-Vertikal,, V, Rotation usw,. —; bedienen,' fortfahren,'-lediglich ■ den vertikalen Sechszylinder-Motor mit fast gänzlichem Ausschluß aller übrigen Arten zu' verwenden. Zwar ist kürzlich ein stehender Achtzylinder-Motor in Gebrauch gewesen, aber dieser Typ ist zu Gunsten der Sechszylinder-Ausführung von annähernd derselben Leistung wieder aufgegeben worden; auch wenn sie Zylinderzahlen anwenden, die bei V-Motoren allgemein üblich ?ind, so halten die deutschen Konstrukteure doch immer an der vertikalen'AusfUhrungsform fest.:

Was ist der Grund für diese fast ausschließliche Anwendung den vertikalen Bauart? Wiegen hierbei motor- oder flugtechnische Ueberlegungen vor? Wahrscheinlich die letzteren. Ein Rumpf, in dem ein Vertikalmotor eingebaut ist, kann die Luft besser durchdringen, als wem seine Formgebung durch einen andern Typ veranlaßt ist, und die fast durchgängige Anwendung von Propeller, hauben seitens der deutschen Konstrukteure scheint erkennen zu lassen, daß sie diesen Vorteil erfaßt haben und weitgehendsten Gebrauch davon machen. Ist nicht die Form des Rumpfkopfes von ebensogroßer Bedeutung für den Widerstand, als die Giöße des Rumpfquerschnitts? Können derartige günstige Widerstandsverhältnisse auch bei Anwendung der V-Motoren erreicht werden ? Ferner: Wenn Propellerhauben ein Charakteristikum des Rumpfentwurfs bilden, so kann die Entfernung zwischen Luftschrauben-Hinterkante und Vorderseite des ersten Zylinders verringert werden; eine Erleichterung der Kurbelwelle und des Kurbelgehäuses ist die Folge. Bildet dagegen ein flacher Kühler den vorderen Abschluß des Rumpfgestells, so ist es im Interesse eines günstigeren Schraubenwirkungsgrades erforderlich, die genannte Entfernung so groß als praktisch möglich zu halten, was natürlich ein erhöhtes Gewicht nach sich zieht.

Nun könnte die Frage aufgeworfen werden, warum, wenn die erwähnte Bauart so allgemein bei den deutschen einmotorigen Maschinen gebräuchlich ist, sie nicht so allgemein bei den Motoren-Gondeln ihrer doppelmotorigen Bombenwurf-Maschinen angewendet wird. Bezüglich dieses Punktes hat die Erklärung die Wahrscheinlichkeit für sich, daß einige ihrer großen Bombenwurfflugzeuge die beiden Luftschrauben hinten angeordnet aufweisen; in diesem Fall tut die Anordnung eines flachen Kühlers vor der Motorgondel dem Schraubenwirkungsgrad keinen Abbruch. Auch sind die Bedingungen, die den Entwurf des Rumpf-gestells und der Motorgondel dem Schraubenwirkungsgrad keinen Abbruch.

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Auch sind die Bedingungen, die den Entwurf des Rumpfgestells und der Motorgondel beeinflussen, nicht dieselben. Ein Rumpfgestell nimmt Besatzung, Benzin, Oel, Steuereinrichtung usw. auf und hat infolgedessen an seinem breitesten Punkt von ziemlich großen Abmessungen zu sein; da jedoch der Maximalquerschnitt ohne Mühe etwas hinter den Motor verlegt werden kann, so genügt eine schlanke Linienführung, um alles aufzunekmen, im Verein mit einer maßvollen Haubengröße an der Rumpfspitze. Die Motorgondeln der mehrmotorigen Bombenwurfmaschinen dagegen haben im allgemeinen nur den Motor zu umschließen, daher sind Querschnitt und Länge aufs äußerste verringert, und die Aussicht auf irgend eine Wigerstandsersparnis durch runde oder ovale Querschnittgestaltung mit Propellerhaube vorn ist eine äußerst geringe.

Der Erfolg, den die deutschen Konstrukteure mit „Halb-monocoque" Rümpfen erzielt haben, ist von ebensogroßem Interesse und erfordert eben soviel Aufmerksamkeit, wie der eben besprochene Zusammenhang zwischen Rumfspitze und Motortyp. Der eigentliche Monocoque*) - Rumpf wurde vor etwa 5 Jahren mit Erfolg bei Spezial-Rennmaschinen benutzt, doch hinderten damals die hohen Herstellungskosten seine allgemeine Einführung, trotzdem seine aerodynamischen Vorzüge voll anerkannt wurden. Ein andrer Vorteil, den die genannte Rumpfbauart gegenüber der gewöhnlichen drahtverspannten Ausführungsform hat, besteht darin, daß infolge des Nichtvorhandensein so lebenswichtiger und leicht zerstörbarer Teile, wie es Drähte und Streben sind, die Empfindlichkeit gegen Geschoßtreff er eine geringere ist. Auch ist dfer Gefahr nicht vorhanden, das sich die Stoffbespannung des Rumpfes, wenn sie infolge Schußeinwirkung aufgeschlitzt wird, sich abstreift und um die Steuerkabel wickelt.

Einige der letztgenannten Nachteile wurden dadurch vermieden, daß man die Drahtverspannung der früheren Rumpfgestell-Ausführung durch Furnierholzschichten, die mit Schrauben auf den Spanten und Längsstreben befestigt waren, ersetzte; hierbei vereinigte man den Vorteil einer festen Verspannung mit dem einer unschlitzbaren Außenhaut. Diese Bauart erfreutn sich bei deutschen Konstrukteuren vor einigen Jahren großer Beliebtheit, und man ging hiervon ab, als es sich um höhere Geschwindigkeiten handelte und infolgedessen ein Rumpfkörper von noch geringerem Widerstande benötigt wurde, als er bei rechteckigem Querschnitt erzielbar war; indem man so die aite Bauart beibehielt und nur die flachen Seitenwände durch solche ovalen Querschnitte ersetzte, deren Krümmung durch die Bedingung geringsten Widerstandes gegeben war, gelangte man zur Halb-Monocoque-Form, wie sie auf Albatros-Ein- und Zweisitzern im letzten Jahr zur Anwendung gelangte.

Bezüglich dieser Rümpfe dürfte es angebracht sein, die Bedürfnisse in dieser Hinsicht an einem neuen Maschinentyp Betrachtungen zu unterziehen* der letzthin zur Bedeutung gelangt ist, d. i. der „fliegende Tank". Die Aufgaben dieser Maschine bestehen in dem Zusammenarbeiten mit der angreifenden Infanterie, indem man mit Maschinengewehrfeuer alle feindlichen Truppen in der Nachbarschaft unablässig beunruhigt. Da dies das Fliegen in niedriger Höhe voraussetzt, so ist eine Bewehrung der Maschine zum Schutze ihrer wichtigsten Teile, wie Benzinbehälter, Besatzung u. s. w. gegen das heftige und konzentrierte Feuer des Gegners aus Gewehren und Maschinengewehren von wesentlicher Bedeutung. Im Jahre 1914 brachte eine französische Firma einen recht bemerkenswerten armierten Monocoque-Rumpf heraus, dessen Vorderteil bis zum hinteren Teil des Raumes für den Schützen mit Stahlblech armiert war; von hier ab bis

2) Erinnert sei daran, daß die zuerst von Deperdussin vorgeschlagene Monocoque-Bauart darin besteht, daß Furnierholzstreifen in schraubenartigen Windungen und mehreren rechts- und linksverlaufenden Schichten um Gerippe gewickelt werden.

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zum Steuerschwanz war reine Monocoque-Bauart angewendet. Trotzdem dieser Rumpf allen Anforderungen an Festigkeit, geringem Widerstande und Schutz der wichtigsten Teile genügte, wurde er doch wegen der infolge des Mehrgewicht» verringerten Steigfähigkeit nicht abgenommen. Dieser Grund scheidet jedocl» bei den fliegenden Tanks aus, da von ihnen eine besondere Steigfähigkeit nicht verlangt wird. Die Anwendung eines runden Querschnitts erscheint zwar für diese Maschinengattung, bei der geringer Widerstand nicht von so schwer wiegender Bedeutung ist, nicht erforderlich zu sein; da jedoch wahrscheinlich ein runder Körper einen Teil der Geschosse, die eine flache Wandung durchdringen würden, abzulenken imstande ist, so leuchtet ein, daß die runde Ausführungsform-, des Rumpfkörpers für diesen Flugzeug-Typ nicht ohne Wert ist.

3. Steuerflächen und -kabel.

Bemerkenswert ist die rasch zunehmende Praxis der Ausbalancierung oder richtiger gesagt, der teilweisen Ausbalanzierung nicht allein der Seitensteuer sondern auch der Höhensteuerflächen und Klappen an kleinen wie großen Maschinen. Es ist zu verwundern, daß die allgemeinere Anwendung dieser Einrichtung so lange hat auf sich warten lassen, denn durch sie sind, die Beanspruchungen des Führers wie der Bedienungsorgane erheblich vermindert.3)

Nicht ohne Bedeutung ist auch die Anordnung • der-Stauerkabel innerhalb-des Rumpfes, wodurch die Gefahr der Beschädigung durch Schußeinwirkung und der Zerstörung durch Rosten infolge der Witterungseinflüsse erheblich verringert

Fokkei-Dreidecker im Fluge.

3) Der Grunil hierfür beruhte auf dem Widerstände vieler Führer, die lieber die größere Steuerarbeit leisteten, als daß sie einen Steuerdruck vermißten, der proportional der Leistung der Steuerflächen bei den verschiedenen Stellungen ist und ihnen das Steuern nach dem Gefühl gestattete. Erst als die zunehmende Große und Schwere der Flugzeuge zur wenigstens teilweise!! Aushalauzierung zwang, fanden sich die Führer hiermit ab.

Kokker-DrciUeeker im Klug»*.

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'■ist. Auch wenn diese Kabel gut eingefettet gehalten werden, so reibt sich die Schmiere ab, und mitunter wird lange im Regen geflogen, ohne daß man sie erneuern kann. Hat aber die Feuchtigkeit erst einmal die Kabelseele erreicht, ■so ist es schwer, sie wieder herauszubringen. Außerdem ist die allerdings kleine Ersparnis an Luftwiderstand nicht außer Acht zu lassen.

4. Das Fahrgesteil. Die Fahrgestelle ; ind manchen weitgehenden Aenderungen in der Vergangenheit unterworfen gewesen und die Anzahl der Bauarten, die in den 'letzten 10 Jahren ansgeführt worden sind, müssen Legion sein. So kunstvoll auch manche von ihnen erdacht waren, so haben sich doch nur die Typen, die -geringen Widerstand mit Einfachheit und Leichtigkeit verbanden dauernder Beliebtheit erfreuen können. Die Ausführungsform, die diesen Forderungen am besten genügt, ist die seit einem oder zwei Jahren bei fast allen Maschinen mit -Ausnahme der Großflugzeuge benutzte, die sich aus zwei Vs aus Holz oder Stahlrohr mit der Achse zusammensetzt, um welche letztere die Gummiabfederung geschlungen ist. Da man nicht gut annehmen kann, daß sich bei diesem Typ Luftwiderstand, Einfachheit und Leichtigkeit noch weiter verbessern lassen, so dürfte ein etwa zu erwartender Fortschritt sich nur in Richtung der Einziehbar-4ceit des Fahrgestells" im Fluge in den Rumpf hinein erstrecken. Allerdings ist zweifelhaft, ob den leichten Maschinen hierdurch gedient ist, denn das Gewicht der Einzieh-Einrichtung würde wahrscheinlich deren sonstige Vorteile aufheben.

Verehr.) LeBer, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die .Redaktion). (Der Nachdruck aller Artikel unier dieser Rubrik ist verboten).

Vermeidung von Blasenbildung beim Hartlöten. Für die Blasenbildung gibt es mehrere Ursachen, entweder wurde das Arbeitsstück zu stark erhitzt, nämlich auf eine Temperatur, bei der Messing siedet, oder während des Lötens ist irgendwie Wasser hinzugekommen.

Im ersten Falle hat man eben nur darauf zu achten, daß der Siedepunkt des Messings nicht erreicht wird. Im zweiten Falle wird Wasser meist mit dem Borax, das als Flußmittel verwendet wird, zugeführt. Borax nimmt in erheblichem Maße Feuchtigkeit aus der Luft auf, und muß stets, falls er nicht benötigt wird, in verschlossenen Glasflaschen aufbewahrt werden. Um nun die Feuchtigkeit zu absorbieren, die sich während der Verwendung des Borax einstellt, bringt man 'in die Flasche ein kleines Säckchen mit ungelöschtem Kalk. Ungelöschter Kalk absorbiert die Feuchtigkeit in noch höherem Grade als Borax, und absorbiert das in der Luft vorhandene Wasser noch ehe es mit dem Borax in Berührung kommt.

Zur Erzielung guter Lötungen darf man unter keinen Umständen Messing-Spähne verwenden. Als Ersatz geben Messingstangen von 1,2 mm Durchmesser und 60 cm Länge weit bessere Ergebnisse. Beim Löten mit Messingstangen muß man das Arbeitsstück zunächst langsam auf helle Rothitze bringen, ehe man irgend ein Flußmittel verwendet. Hierdurch wir dalle Oberflächenfeuchtigkeit und Fett fortgenommen. In der Hauptsache muß das Flußmittel während des Auf-bringes ständig mit Hilfe der Messingstange umgerührt werden.

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9lugte0)nifcbe (Rundfifiau.

Inland.

Unsere Luftstreitkräfte haben an dem gewaltigen Sieg einen nicht geringen Anteil. Unsere Flieger haben die Flugzeuge, die wir hinter der Front geschaffen haben, meisterhaft gehandhabt. Deutsche Jagdstaffeln begleiteten den Rückzug. Ihre Bomben und Maschinengewehre säten Tod und Verwirrung. Die englischen Flieger nahmen keinen Kampf an und bogen ab, sobald sie die deutschen Jagdflieger sichteten. In Paris flüchtete die Bevölkerung. Ueberau fühlt man unseren kraftvollen Druck, unseren Sieg. Und wir, hinter der Front, wollen nicht nachstehen, sondern weiter Mittel schaffen, durch Zeichnen der Kriegsanleihe

Das Eiserne Kreuz 1. Kl. wurde verliehen: Ltn. d. R. Fritz Sarnighauseu bei einer Jagdstaffel, Ltn. Rüge, Flgzf. Richard Grüter, Flgzf. Paul Pieper.

Den Heldentod fanden-. Ltn. Georg Heinrich Kämmerer, Ltn. d. R. u. Kampfflieger Joachim Nissen, Ltn. Walter Bertling, Ltn. d. R. Heinrich Klatte, Flgzf. Wilhelm Bode.

Ritter v. Tutschek f. Der in den Heeresberichten mehrfach genannte Fliegerhauptmann Ritter v. Tutschek ist, nachdem er 27 Luftsiege errungen hatte, im Luftkampf diesseits unserer Linie gefallen. — Tutschek wurde 1891 in Ingolstadt als Sohn eines bayerischen Oberstabsarztes geboren. Er besuchte das Gymnasium St. Anna in Augsburg, wo er die Reifeprüfung ablegte. 1910 trat er als Fahnenjunker in das 3 bayerische Infanterieregiment ein und rückte mit diesem am zweiten Mobilmachungstag ins Feld. Als Kompagnieführer nahm er an den Kämpfen in Frankreich, Belgien, Qalizien, Rußland und Serbien teil. Im Mal 1915 wurde er bei Gorlice durch einen Granatsplitter verwundet. Im März 1916 war er bei Verdun durch eine Gasgranate vergiftet worden. Nach der Heilung seiner Gasvergiftung meldete er sich zur Ausbildung als Flugzeugführer und ging als solcher im Oktober 1916 wieder an die Westfront Im Januar des nächsten Jahres kam er zur Jagdstaffel Bölcke, wo er seine ersten Gegner abschoß. Bis Anfang August errang er 23 Luftsiege. Am Tage des 23. Sieges wurde er bei einem Luftkampf in 2603 Meter Höhe durch einen Schulterschuß von einem Explosivgeschoß schwer verwundet. Nachdem seine Verwundung kaum geheilt war, drängte es ihn, wieder als Jagdflieger kämpfen zu dürfen. Er erhielt die Führung eines Jagdgeschwaders an der Westfront und konnte hier durch sein vorbildlich schneidiges- und tapferes Draufgehen noch drei Luftsiege erringen, bis er auf dem Flugfeld der Ehre fiel. An Auszeichnungen war ihm am 9. August 1917 der Orden Pour le Mérite zu teil geworden, nachdem er schon als Infanterist die beiden Eisernen Kreuze und den bayerischen Mililär-Max-Josef-Orden errungen hatte. Die Leistungen dieses Helden, dessen Name zu den ersten in der Fliegerwaffe zählt, machen ihn in der Geschichte dieses Krieges im Verein mit seinem bescheidenen ritterlichen Wesen in den Herzen aller Kameraden unvergeßlich.

Oberleutnant Buddecke f. Der Fliegeroberleutnant Buddecke ist im Luftkampf gefallen. Buddecke gehörte zu den älteren erfolgreichen Fliegern. Er betätigte sich bei den englisch-französischen Angriffen auf Gallipoli mit besonderem Erfolg über Land und über den Meerengen und erhielt damals schon den Orden Pour le Mérite. Der „Weiße FaUe", wie ihn der Orient mit großer Verehrung nannte, ist nicht mehr. Eine weither kommende, tückische Kugel hat ihn getroffen.

Fliegeroberleutnant Franz Bethge f, Führer einer Jagdstaffel, ist am 17. März im Verlauf eines Luftkampfes, nachdem er zwanzigmal siegreich aus zahlreichen Luftkämpfen hervorgegangen war, gefallen.

Die Kaiser-Wilhelm-Stiftung für kriegswichtig technische Wissenschaft soll den Zweck haben, durch das Zusammenarbeiten der wissenschaftlichen

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Kräfte des Landes mit den militärischen Kräften, die Entwicklung der naturwissenschaftlichen und technischen Hilfsmiltet der Kriegsführung zu fördern. Hoffentlich sind die Lestungen gewisser Personen, die sich bei solchen Fragen immer vordrängen, von den Stellen, die es angeht, jetzt während des Krieges erkannt worden. Mit Statisten dieser Art ist der Sache nicht gedient. In dem Ausschuß müssen vor allen Dingen diejenigen Ingenieure und Kräfte vertreten sein, die bisher und während des Krieges etwas geleistet haben.

Hptm. lütter v. Tutsehek t besichtigt ein von ihm im Luftkampf zur Landung gezwungenes engl. Spad-Flugzeng.

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Die wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt hält nach vierjähriger durch die Verhältnisse des Krieges bedingt gewesener Pause vom 16.—18. April ihre IV. ordentliche Mi tgl i e d er - Ve r sa m ml u n g in Hamburg ab. Der 16. April ist den Sitzungen der Unterausschüsse und des Vorstandes gewidmet, der 17. und 18. April bringen fachwissenschaftliche Vorträge vor der Hauptversammlung. Dank der Unterstützung, die seitens der Heeres- und Marineverwaltung der Gesellschaft zuteil geworden ist, steht eine ganze Reihe hochinteressanter Themen aus dem überreichen Stoff des Weltkrieges auf der Tagesordnung. So wird Oberstleutnant Siegert, der verdienstvolle Inspekteur der Fliegertruppen, über „Flieger an der Front und in der Heimat", Prof. Dr. Bendemann, der Leiter der Adlershofer Versuchsanstalt über „Die feindlichen Flugwissenschaften im Kriege" sprechen und Dr. Ing. Hoff „Die Entwicklung des Flugwesens im Kriege" behandeln. ,,Ueber die Neuordnung des Wetterdienstes nach dem Kriege im Heere bezw. in der Marine sprechen die Herren Cloessner und Dr. Steifens, letzterer zugleich über „Fortschritte an meteorologischen Beobachtungs-Instrumenten". Der verdiente Hamburger Vorkämpfer der Flugtechnik Prof. Dr. Ahlborn gibt seine Beobachtungen über den Segelf lug zum besten, der Leiter der Göttinger Versuchsanstalt für Luftfahrt Prof. Dr. Prandtl bespricht „Tragflächenauftrieb und — Widerstand in der Theorie", Dipl. Ing Schwager „Neuere Bestrebungen und Erfahrungen im Flugmotorenbau". Schließlich ist eine Vorführung unveröffentlichter Filme seitens des Inspekteurs des Lichtbildwesens, Hauptmann D rech sei zu erwarten.

Das reichhaltige Programm läßt erwarten, daß die Zahl der teilnehmenden Mitglieder, soweit sie nicht vom Heeresdienst in Anspruch genommen werden, eine recht beträchtliche sein wird.

Die Erfolge unserer Flieger im Monat Februar 1918. Im Februar verloren unsere Gegner durch unsere Kampfmittel auf allen Fronten im ganzen 138 Flugzeuge und 18 Fesselballone. Wir büßten durch feindliche Einwirkung 61 Flugzeuge und drei Fesselballone ein. Davon sind 26 jenseits unserer Linien geblieben, die übrigen über unserem Gebiet zerstört worden. Auf die Westfront allein entfallen von den 138 Flugzeugen 132, von den Deutschen 58. 10h der feindlichen Flugzeuge wurden im Luftkampf, 25 durch Abwehrgeschütze abgeschossen, 5 landeten unfreiwillig hinter unseren Linien. 59 sind in unserem Besitz, die übrigen sind jenseits unserer Linie erkennbar abgestürzt.

Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt. Am 16. 3. fand im Reichsamt des Innern unter Vorsitz des Unterstaatssekretärs Lewald eine Hauptversammlung des Vereins Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt statt. Für den verstorbenen Generalleutnant z. D. Rieß von Scheurnschloß wurde Vizeadmiral z. D Mauve zum Präsidenten des Vereins gewählt. Auf Grund des Berichtes des Professors Bendemann fand eine Aussprache über die Tätigkeit der Anstalt während des Krieges und ürer die ihr in Zukunft erwachsenden Aufgaben statt.

Luftverbindung Wien-Kiew. In den nächsten Tagen wird die Luft-verbindüng zwischen Wien und Kiew mit Etappenstationen in Krakau und Lemberg, ferner der Luftverkehr von Budapest über Bukarest nach Odessa und vielleicht nach Konstantinopel eingerichtet werden. Vorerst soll die neue Luftverbindung zur dienstlichen Vermittlung der Post zwischen den Zentralstellen und auf Erfassung und Ueberweisung der für Oesterreich-Ungarn in Betracht kommenden Getreidevorräte in der Ukraine gerichteten Mission des Grafen Forbach dienen. Nach kurzer Erprobung soll die Luftpost für den öffentlichen Postverkehr freigegeben werden.

Von der Front.

10. März. Deutscher Tagesbericht. Wir schössen gestern im Luft-kainpf und von der Erde aus 23 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone ab.

11. März. Deutscher Tagesbericht Hauptmann Ritter v. Tutschek und Leuinant Wüsthof errangen ihren 27 , Oberleutnant Bethge seinen 20. Luftsieg.

Berlin. Unbelehrt durch unseren Strafangriff gegen die Stadt Paris in der Nacht zum 30. Januar und durch unsere erneuten Warnungen haben die Gegner während der vergangenen Woche wiederum friedliche deutsche Städte weit hinter der Kampfzone mit Bomben heimgesucht. Die anged.-ohte Strafe ist vorgestern Nacht abermals vollstreckt worden. Die Stadt Paris war wiederum das Ziel unserer Vergeltungsangriffe. Dem verbrecherischen und verblendeten Verhalten unserer Gegner entsprechend wurde der Angriff mit noch größerer

Ilpiiii. Kltlvr if. l'iilM'lii-k v berichtigt vin ron ihm im l.nftkämpf zur í.:ni'luiu

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Stärke und Wucht geführt als der erste. Die Stadt Paris wurde mit insgesamt 23700 Kilo Bomben belegt.

Vriva11e 1 egramm von der Schweizer Grenze. Die genaue Zahl der Opfer des deutschen Fliegerangriffs auf Paris und Umgebung beläuft sich, wie eine Havasdepesche meldet, in Paris selbst auf 7 Tote, darunter 3 Männer und 4 Fraueri, sowie auf 26 Verletzte, wovon 17 Männer, 7 Frauen und 2 Kinder. In der Umgebung von Paris gab es 4 Tote, hiervon 3 Männer und I Kind, sowie 15 Verletzte, und zwar 7 Männer, 7 Frauen und 1 Kind. Einige Bomben wurden im Departement Seine et Oise abgeworfen, wo es 2 Tote und 9 Verletzte gab,

12. März. Deutscher Tagesbericht. Zur Vergeltung für feindliche Fliegerangriffe am 9. und 10. März auf Stuttgart, Eßlingen, Untertürkheim und Mainz haben unsere Flieger in letzter Nacht Paris ausgiebig und erfolgreich mit Bomben belegt.

Bericht des deutschen Admiralstabes. Marineluftstreitkräfte haben in der Nacht vom 10. zum 11 März Hafenanlagen und militärische Einrichtungen von Neapel, sowie die Eisenwerke Bagnoli ausgiebig und wirkungsvoll mit Bomben belegt.

Rom. In der letzten Nacht haben feindliche Flugzeuge gegen 1 Uhr die Stadt Neapel angegiiffen und haben etwa 20 Bomben abgeworfen, die fast alle das Innere der Stadt trafen, ohne daß militärischer Schaden angerichtet worden wäre. Unter der Zivilbevölkerung sind einige Opfer zu beklagen, darunter sieben Insassen des Schwestern-Hospizes Arco Mirelli. Die Bevölkerung verhielt sich überall ruhig. Der Hilfsdienst bewährt sich.

Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani" schlugen die Bomben in Neapel in die Via Roma, die Piazza Munizipio, die Via Sperazella, die Via Conte Mola und die Piazza Concordia. Auch die beiden Kirchen Santa Brigida und San Nicola Talentino sind getroffen. Die genannten Straßen und Kirchen befinden sich in der nächsten Umgebung der militärischen Hafenanlagen.

Die Agentur Havas meldet aus Paris: Feindliche Flieger haben neuerlich die Stadt Paris angegriffen. Der Alarm wurde um 9.10 Uhr abends gegeben. Sieben Geschwader waren gemeldet, die sich auf Paris bewegten. Um l0.15Uhr wurden an mehreren Punkten Bombenabwürfe festgestellt. Es wurden Verluste an Menschenleben und Sachschaden verursacht. Weitere Mitteilungen werden gemacht, sobald genauere Berichte eingehen. Der Alarm endete um 12 Uhr 15 nachts. Nach den ersten Berichten gelang es sechzig feindlichen Fliegern, die Linien zu überfliegen. Dank dem Sperrfeuer der Artillerie, das während der ganzen Angriffsdauer mit großer Heftigkeit unterhalten wurde, konnte eine gewisse Anzahl sFlugzeuge die Ziele nicht erreichen. Immerhin wurden zahlreiche Bomben sowohl auf Paris wie auf die Bannmeile abgeworfen. Mehrere Gebäude wurden zerstört oder fingen Feuer. Die Zahl der Opfer ist hoch unbekannt. Sie wird bekannt gegeben, sobald die Berichte eingegangen sein werden. Ein Gotha wurde fünf km von Chateau Thiery brennend abgeschossen. Die Besatzung wurde gefangen. Der Hauptmann, der das Flugzeug führt, gehört dem dritten Geschwader der siebenten Armee an.

13. März. Deutscher Tagesbericht. Starke Erkundungstätigkeit in der Luft führte zu heftigen Kämpfen. Wir schössen gestern 19 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone ab.

Rittmeister Freiherr v. Richthofen errang seinen 64., Leutnant Freiherr v. Richthofen seinen 28. und 29. Luftsieg.

Wien. In Venetien griffen zwei österreichisch-ungarische Kampfstaffeln zur Vergeltung feindlicher Luftangriffe den italienischen Flugplatz nordöstlich von Mestre an. Vier feindliche starkbereite Jagdstaffeln wurden überfallen, auf 300 bis 50 Meter Höhe mit Bomben beworfen und unter heftiges Maschinengewehrfeuer genommen. Eine italienische Flugzeughalle stürzte ein. Unsere Flieger kehrten vollzählig zurück und bombardierten auf der Heimfahrt noch Treviso und feindliche Gräben an der Piave. — An der Tiroler front besiegte Oberleutnant Linke den 20. Gegner im Luitkampf.

London. Am 12. März wurde eine Tagesstreife durch unsere Flugzeuge nach Deutschland hinein unternommen, ts war die dritte in den letzten vier Tagen. Bei dieser Gelegenheit wurden Fabrikanlagen, der Bahnhof und Schuppen von Koblenz an der Mündung der Mosel in den Rhein angegriffen. Es wurde über eine Tonne Bomben abgeworfen. Bei allen Zielen wurden Explosionen beobachtet, wobe1 zwei Brände hervorgerufen wurden. Ein Treffer aur ein Ge-

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die Die

bäude südwestlich der Stadt bewirkte eine sehr starke Explosion. Hier wurden einige feindliche Flugzeuge angetroffen; aber alle unsere Maschinen kehrten unbeschädigt zurück

Am Mittag des 13 März griffen unsere Geschwader die Eisenbahnanlagen und Kasernen von Freiburg i. Br. an. Alle unsere Apparate erreichten ihr Ziel und warfen mehr als eine Tonne Explosivstoff ab. Einzelheiten über diesen Angriff sind noch nicht eingetroffen.

Bericht der englischen Admiralität. In der Nacht vom 11. Milrz bombardierten unsere Marineflugzeuge jie Docks von Brügge. Am 12. März wurde ein Angriff auf die Kantonnements und Eisenbahnlinien von St. Pierre-Capelle ausgeführt. Viele Bomben wurden abgegeben Explosionen wurden beobachtet. Eine große Feueisbrunst brach aus.

„Havas* berichtet über den letzten deutschen Luftangriff auf Paris: Der deutsche Fliegerangriff auf Paris hat in der Hauplstadt selbst an Opfern 29 Tote und 50 Verletzte und in der Umgebung der Stadl 5 Tote und 29 Verletzte gefordert. 66 Personen wurden infolge einer Panik erdrückt entstand, als sich die Leute nach der Untergrundbahn flüchten wollten Mehrzahl der Opfer sind Frauen und Kinder. Es wurde besonders auch ein Spital getroffen, wo 6 Personen gel ötet un d 7 verletzt wurden. Infolge unseres Sperrfeuers kerrten zahlreiche feindliche Flugzeuge um und warfen Gesci osse in einem großen Umkreis von Paris.

Das Blatt „La Suisse" meldet aus Paris: Der deutsche Luftangrilf hat großen Materialschaden in Vincennes, den nördlichen Pariser Vororten, dem 18. Arrondissement und im Opernviertel angerichtet. Die Rue Drouot wurde besonders heimgesucht, Straßengänger wurden dort in einen Bombentrichter geschleudert.

Auffallend ist, wie die französische Zensur diesmal mehr denn je alle Einzelheiten über den wirkungsvollen letzten Luftangriff auf Paris zu unterdrücken oder zu verbergen weiß. Die „Liberte" befürwortet erneut die Einstellung aller Luftangriffe von beiden Seiten. In ähnlichem Sinn äußern sich auch die „Basler Nachrichten" und stellen dabei dem Schweizerischen Bundesrat oder der Bundesversammlung ani'eim, zwischen den Kriegführenden zu vermitteln.

14 März. Deutscher Tagesbericht. Gestern wurden im Luftkampf und von der Erde aus 17;feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone abgeschossen. Von einem nach Freiburg fliegenden feindlichen Geschwader wurden an der Front _, , „ , ,

drei feindliche Flugzeuge herun- £",e'• Fl»g™ig. welches gegen einen Mast für drahtlose terpeholt Telegrane verrannt und an diesem hangen geblieben ist.

D.i •' * c -i. n- 1.1 Der Insasse wurde rtweh den Stoß bewußtlos und auf

Kittmeister rreiberr v. Kicht- ,\\e ivagnüche geschieudeit, wo er liegen blieb und hofen errang seinen 65 Luftsieg. spiiter gerettet wurde.

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Berlin. Günstige Witterung ließ unsere Luftstreitkräfte am 12. an der Westfront wiederum besondere Erfolge erzielen. Kräftiger feindlicher Gegenwehr zum lrotz wurde die Erkundung an allen Teilen der Front erfolgreich durchgeführt. Die Bahnhöfe von Soissons und die des fast 100 km. hinter der Front gelegenen von Boulogne wurden wiederum mit zusammen 4500 kg. Bomben angegriffen, 18 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballons fielen unseren Luftkämpfern zum Opfer, während wir nur drei Flugzeuge im Luftkampf verloren und drei weitere vermissen. Mit drei Abschlissen sind nn diesen Erfolgen die beiden Brüder Richthofen beteiligt.

15. März. Berlin. Unsere Gegner unternahmen im Februar 23 Luftangriffe auf das deutsche Gebiet. Davon richteten sich 13 gegen das lothringischluxemburgische und das Saar-Mosel-Industriegebiet. Sie riefen in keinem Fall Betriebsstörungen hervor; zumeist kamen die feindlichen Flugzeuge, dank den Abwehrmitteln, nicht an die Werke heran. Von den übrigen zehn Angriffen galten drei Trier und je einer Saarbrücken, Offenburg in Baden, Wehle an der Mosel, Ludwigshafen, Zweibrücken, Mannheim und Pirmasens. Während militärischer Schaden hier nicht verursacht werden konnte, war der Schaden an Häusern und Privateigentum mehrfach nicht unbeträchtlich. Im ganzen fielen den Angriffen 12 Menschenleben zum Opfer; 15 Personen wurden schwer, 21 leicht verletzt. Ein feindlicher Doppeldecker fiel in unsere Hand.

Aus Karlsruhe wird amtlich gemeldet: Mittwoch Nachmittag gegen vier Uhr griffen acht feindliche Flieger abermals die offene Stadt Freiburg an. Es wurden mthrere Bomben abgeworfen. Keinerlei militärischer Schaden. Einiger Sachschaden an Häusern. Verletzt wurden fünf Personen, darunter eine Krankenschwester und zwei Lazarettinsassen. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen.

Rom. Gestern 10 Uhr abends wurden vom Vesuv herankommend, zwei feindliche Flugzeuge gemeldet, die sich gegen Neapel wandten. Alle Abwehrmittel traten in Tätigkeit und verhinderten die feindlichen Flieger, einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen.

17. März. Deutscher Tagesbericht. Im Luftkampf und von der Erde aus wurden gestern 17 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone abgeschossen.

Paris. Im Laufe des 15. März wurde ein deutsches Flugzeug abgeschossen und vier andere durch französische Flieger beschädigt. Französische Bombenwerfer warfen 7000 Kilogramm Geschosse auf feindliche militärische Anlagen hinter der Front ab.

Italienischer Bericht. Wir führten heute einen neuen Raid nach Deutschland aus. Die'Kasernen und der Bahnhof von Kaiserslautern wurden mehrmals mit guten Ergebnissen bombardiert. Treffer wurden auf dem Bahnhof beobachtet, wo sie einen großen Brand hervorriefen. Unsere Formatio i wurde von zahlreichen feindlichen Apparaten angegriffen, schlug si: jedoch in die Flucht und kehrte ohne Verluste zurück.

18. März. D eut s c h e r Tages b er i c ht. An der ganzen Front sehr rege Tätigkeit. Französische Flieger warfen Bomben auf die als solche deutlich erkennbaren Lazareltanlagen von Le Theur.

Wir schössen gestern 22 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone ab. Leutnant Kröll errang seinen 21. Luftsieg.

Im Februar betrug, der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen, Fronten 18 Fesselballone und 138 Flugzeuge, von denen 59 hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind. Wir haben im Kampf 61 Flugzeuge und drei Fesselballone verloren;

F.rankfurt a. M. In den letzten Tagen war die feindliche Fliegertätigkeit in Süddeutschland äußerst rege und leider erforderten die Bombenabwürfe auf offene, weit hinter den Fronten liegende Städte Menschenleben. Am 18. war der Fliegeralarm in Frankfurt zurückzuführen auf Angriffe auf Ludwigshafen und Mannheim. Dabei wurden vier Personen, zwei Männer, eine Frau und ein Kind Opfer des Angriffes, mehrere Personen wurden verletzt, der Sachschaden ist unbedeutend. Am 17. wurde Kaiserslautern heimgesucht. Es wurden sechs Personen, drei Frauen und drei Männer getötet und ziemlicher Sachschaden an Gebäuden angerichtet. Am 16. erfolgte ein Angriff auf Zweibrücken. Dabei wurde ein Mädchen durch Bombensplitter getötet, aber kein nennenswerter Schaden angerichtet

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Ausland.

Louis Seguin, der bekannte Gnotne-Konstrukteur, ist am 7. Januar 1918 gestorben. Seguin, geboren am 7. Februar 1869, stammt aus einer bekannten Ingenieurfamilie. Er studierte in der Ecole Centrale bis 1892 und gründete im Jahre 1895 die Société Gnome. Die Arbeiten Seguins waren für das französische Militärflugwesen von großer Bedeutung.

Seguin war sowohl als Konstrukteur wie auch als Organisator eine in Frankreich geschätzte Kraft, wo er Leiter mehrerer anderer französischer industrieller Werke war.

Wie Paris fühlt! Trotz unserer eindringlichen Warnung sind wiederholt deutsche Städte Mainz, Trier usw. hinter der Front von feindlichen Fliegern heimgesucht worden. Paris muß es jetzt fühlen. Unsere Flieger haben gute Arbeit vollbracht.

Nach einer Zusammenstellung in schweizerischen Blättern vom 14. März haben die zwei letzten großen deutschen Luftangriffe auf Paris mehr als 300 Opfer gefordert. Die wiederholten Luftangriffe auf Paris haben eine große Anzahl von Bewohnern veranlaßt, nach anderen Städten überzusiedeln. Nach amtlichen Berichten besuchen jetzt 11(00 Schüler weniger die Schulen als vorher.

Wie weiter gemeldet wird, werden um ganz Paris sowie auf den großen Plätzen der Stadt tiefe Gräben mit betonierten Unterständen gebaut, in die sich die Bevölkerung bei Luftangriffen flüchten kann ? — — —

2C00 spanische Arbeiter haben bei der diesmaligen Oeffnung der Grenze Frankreich verlassen. Sie kommen meist aus Paris, da bei der Panik infolge der Luftangriffe der Aufenthalt dort an sich schon unleidlich wäre. Die Bevölkerung schläft meist angekleidet, weil dem Alarmzeichen der Luftangriff unmittelbar folge. In den amtlichen Mitteilungen würden die umgekommenen Soldaten und militarisierten Arbeiter nicht mitgeteilt, jedoch sei bekannt, daß die Gesamtzahl der Opfer vom 30. Januar 587 Personen gewesen sei. Am selben Tage sei der Bahnhof von Aubervillers ganz zerstört worden. Der Angriff galt also den jüngst in die Luft geflogenen Geschoßfabriken.

Laut Madrider Meldung des „Az Est" ist in Paris beim letzten deutschen Angriff auch die Große Oper getroffen worden. Vom Crédit Lyonnais ist der Hauptbau eingestürzt. Die Schäden auf dem Flugplatz Issy-les-Moulineaux sind ebenfalls groß. Die Zahl der Opfer ist höher, wie amtlich eingestanden wird

„Seccolo" meldet unterm 23. März aus Paris: Die Bevölkerung wurde gestern gegen 7'/2 Uhr plötzlich durch eine schwere Explosion geweckt und beunruhigt. Da kein Fliegeralarm erfolgte, glaubte man, daß weitere große Granatenlager aufgeflogen seien. Die Explosionen folgten einander in ungefähr '/4 oder '/i Stunden und zwar bis 4'/« Uhr nachmittags. Eine amtliche Erklärung besagt, daß sie von einem deutschen 240 mm-Geschütz von großer Tragweite herrührten. Bis zur nächsten deutschen Stellung nördlich von Compiègne ist es aber Uber 100 Kilometer. „Progres" meldet: Leere Straßen . und geschlossene Läden bezeichneten heute das Pariser Straßenbild. Die Beschießung der Stadt begann 820 früh. Die Panik wurde noch durch einen Fliegerangriff erhöht. Es waren Gothas, welche in 8000 Meter Höhe flogen und unsichtbar blieben. Erst um 6 Uhr abends verkündeten Glocken und Sirenen das Ende des Angriffs.

Firmennachrichten.

Rumpier Werke Aktiengesellschaft, Berlin-Johannisthal. Dem Otto Matthaey zu Berlin-Tempelhof, dem Albert Albeck zu Berlin-Johannisthal unddrm Karl Scrapian daselbst ist Prokura erteilt mit der Ermächtigung, daß jeder von ihnen die Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem Vorstandsmitglied oder einem anderen Prokuristen zu vertreten berechtigt ist.

Bayerische Motoren-Werke. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz München. Prokura des Otto Dümler gelöscht.

Berichtigung. In dem Artikel No. 6 des „Flugsport" „Bearbeitung von Stirnflächen geschweißter Distanzrohre" ist in Zeile 10 statt „Katzenkopf" richtig zu lesen „Bolzenkopl".

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10. April 1918. Jahrg. X.

Jllustrirte technische Zeitschrift und Anzeiger

für das gesamte

„Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben VOD

Telet. Hansa 4557 Oskar UrsintlS, Civiling-enieur. Tel.-ftdr.: Urslnua. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz b.

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — = Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. ^=

Bezugspreis pro Jahr W, 1B.8G

Ausland per Krsuzbanr M.21.20 Elnzelpr. M 0 80

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 24. April.

England.

Im englischen Parlament ist am 21. Februar dekorativ über den Stand des englischen Militärflugwesens viel geredet worden. Man entschuldigt sich damit, daß das neue Luftgesetz größere Schwierigkeiten zu überwinden mit sich bringen mußte und sagt dem Publikum, die Beschwerden seien nur gegen die politischen Leute gerichtet. Die Klagen und Beschwerden über das Flugwesen bezeichnet man als politische Intrigen. Das englische Volk soll dadurch von dem, was im Parlament gesprochen wurde, abgelenkt werden. Dem aufmerksamen Beobachter haben die Debatten im House of Commons doch mehr erkennen lassen — —, trotz des Kulissenspieles.

Eines Tages wird die Wahrheit fürchterlich durchsickern. Daß von Amerika nichts mehr zu erwarten ist, weiß man ganz genau.

Diese Verhandlungen werden sicher noch einmal später, wenn die englische Kriegsgeschichte geschrieben werden sollte, nicht unberücksichtigt bleiben. Die Wirkung dieser Schönfärberei wird nicht lange anhalten. Im Westen wird es sich ja bald zeigen. Taten beweisen! —

*

In der Nummer vom 7. März befürwortet „Flight" in gewundenen Ausführungen die Vergeltungsflüge gegen Deutschland nicht aufzugeben. Man solle doch jetzt die während des Krieges materiell so gewaltig unterstützte Luftwaffe nicht aus der Hand legen. Die englische Luftwaffe sei der deutschen, die amerikanische gar nicht mit

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eingerechnet, überlegen. Man sei jetzt so weit oder fast so weit, man müsse jetzt alle Gefühlsduselei beiseite lassen und die Hunnen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln schlagen. Wenn wir leiden, — — —?), sollen die Deutschen auch leiden.

Der Spad-Zweisitzer mit 200PS Hispano-Suiza-Motor.

(Hierzu Tafel IV.)

In No. 5 auf Seite 109 veröffentlichten wir bereits zwei Abbildungen des Spad-Zweisitzer». Dieser Zweisitzer ist in nebenstehenden Abb. dargestellt. Er ist mit der Bezeichnung ß. 6006 als Lizenzbau im Juli 1917 von den Flugzeugwerken Ad. Bernard in La Courneuve (Seine) hergestellt.

Im allgemeinen Aufbau und in Ausführung der Einzelteile gleicht er den Einsitzern, er hat jedoch nicht die bei diesen übliohe Vorspannung mit geteiltem Innenstiel, sondern ist als normaler Zweistieier ausgebildet. Die Holme der Unterflügel sind von den Fußpunkten der Innenstiele noch zum Fahrgestell verspannt. Der durchlaufende Oberflügel hat 11,22 m Spannweite und 1,53 m Tiefe, während der Unterflügel 10,90 m spannt und 1,43 m tief ist. Der Deckenabstand beträgt 1,336 m, die Staffelung 0,4 m. V-Form ist nicht vorhanden. Beide Flügel haben eine Pfeilform von 174°. Die Unterflügel sind in der Nähe des Rumpfes zur Verbesserung der Sicht ausgeschnitten, ebenso der Oberflügel in der Mitte. Die beiden Holme rücken daher näher zusammen als die des Unterflügels, und die Zellenstiele nähern sich nach oben. Der EinstellwinkeT des Oberflügels ist am Rumpf 2,8°, außen 2,5°, der des Unterflügels gleichmäßig 1,5°. Die Tragdrähte sind doppelt angeordnet. Ihr Zwischenraum ist zur Verringerung des Luftwiderstandes mit Holzleistchen ausgefüllt. Die Tragkabel sind einfach. Ein Stirnkabel läuft vom Anschluß des Innenstieles am oberen Vorderholm zur Befestigung der vorderen Fahrgestellstrebe. Die Zellenstiele von tropfenförmigem Querschnitt sind aus Holz gefertigt. Ihre Beschläge sind an einem in ihrem Innern gelagerten Stahlrohr befestigt.

Der Rippenabstand beträgt im Oberflügel 190 mm. im Unterflügel 175 mm. Zwischen ihnen ist auf den Saugseiten jedesmal noch eine von Nasenleiste bis Vorderholm reichende Hilfsrippe angeordnet. Der Stoff ist auf einigen kräftigeren Rippen aufgenagelt, außerdem mit den Rippen und der aus Draht bestehenden Flügelhinterkante vernäht. An der Unterseite des Stoffes in der Nähe der Hinterkante eingesetzte Schuhösen sollen einen Druckausgleich und Abfließen von Feuchtigkeit gestatten. Flügel und Rumpfbespannung sind gelblichweiß lackiert.

Im Oberflügel sind an einem Hilfsholm nicht ausgeglichene Querruder angelenkt. Sie werden durch Stoßstangen betätigt, die im Unterflügel hinter den Hinterholmen gelagert sind und deren Bewegung durch Winkelhebel am Fußpunkt der Außenstiele auf Streben übertragen wird, die auf der Unterseite der Klappen angreifen.

Der Rumpf, in üblicher Ausführung mit vier Längsholmen wird oben und unten durch aufgesetzte Spanten abgerundet. Die Längsholme haben vollen rechteckigen Querschnitt, während die senkrechten und wagerechten Stiele I-förmig ausgefräst und durch auf-

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gesetzte Fournierbeplankung verstärkt sind. Eine Klappe am Boden hinter dem Beobachtersitz gestattet eine Kontrolle des Rumpfinnern.

Flossen und Ruder zeigen die bei den Spad-Flugzeugen übliche Form. Die durchlaufende nach beiden Seiten gewölbte Höhenflosse ist mit 0° Einstellwinkel auf den oberen Rumpfholmen verschraubt. An ihr ist mit seiner Stahlrohraehse das geteilte Höhenruder angelenkt. Die Ruderhebel sitzen zur Vermeidung von Luftwiderstand in der Mitte innerhalb des Rumpfes und der oberen Kielflosse.

Das Flugzeug ist mit Doppelsteuerung ausgerüstet. Zur Betätigung der Quersteuerung wird die Bewegung der Steuerwelle durch einen Hebel auf ein an einer Rumpfwand zwischen Führer und Beobachtersitz gelagertes Herzstück übertragen, an dessen unterer Verlängerung die im Unterflügel liegenden Stoßstangen angreifen. Der Steuerknüppel des Beobachters ist als Teleskoprohr ausgebildet, dessen

.Spad-Zwcisitzci' mit 200 PS HNpano-Siiizn-Motor.

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oberer Teil durch eine Spiralfeder nach oben gedrückt oder bei Nichtbenutzung durch Bajonettverschluß unten gehalten wird. Ausgezogen ist seine Länge vom Drehpunkt aus gemessen 53 cm, zusammengeschoben 36 cm. Das Fußsteuer ist durch umklappbare Sperrholzklappen gegen unbeabsichtigte Betätigung geschützt.

Die V-förmigen Fahrgestellstreben sind aus mehreren Lagen Holz zusammengeleimt und mit Leinen umklebt. Diagonalverspannung ist in der Ebene der vorderen und hinteren Streben angeordnet. Außerdem sind die Angriffspunkte der Flügelverspannung noch durch Kabel verspannt

Zwischen zwei mit Leinen verkleideten Hilfsachsen sind die beiden kurzen Achsstummel gelagert, die sich in Schlitzen der Streben bewegen. Der Federungsweg beträgt 126 mm.

Der V-förmige Hispano-Suiza-Motor, der bei 2000 Umdrehungen ca. 20U PS leistet, ist auf Motorholmen gelagert, die durch Sperrholzbeplankung und gepreßte Aluminiumwinkel fest mit den Rumpflängsholmen verbunden sind. Durch ein fest eingebautes Getriebe wird die Drehzahl der zweiflügeligen Holzschraube im Verhältnis 4:3 untersetzt Die Verbrennungsgase werden durch Auspuffsammler zu beiden Seiten des Rumpfes bis hinter den Führersitz abgeführt.

Ein 140 1 fassender Druckbenzintank ist als Sitz des Führers ausgebildet, während im Oberflügel zwischen den beiden Holmen ein Falltank für 10 1 untergebracht ist. Der Oeltank mit 15 1 Fassungsvermögen liegt an der Rumpfunterseite hinter dem Motor. Sein Boden ist mit eingepreßten Kühlrippen versehen. Die Betriebsstoffe reichen aus für einen Flug von ungefähr zwei Stunden.

Der Kühler mit Abdeckvorrichtung bildet die Stirnseite des Rumpfes. Ein mit ihm verbundener Ausgleichsbehälter liegt im Oberflügel vor dem Vorderholm. Der Abdampf wird durch einen Ueber-strömstutzen und angeschlossenes Rohr unter den Rumpf geführt.

Der Führersitz, der wie bei allen Spad-Flugzeugen sehr eng gehalten ist, wird durch eine Leinenwand gegen den Motor abgeschlossen. An seiner Vorderseite ist eine dreiteilige Windschutzscheibe mit Aluminiumfassung angeordnet.

In ihm sind an Instrumenten usw. untergebracht: Rechts:

Der Anlasser und die Handluftpumpe. In der Mitte: 2 Kurzschließer,

1 Dreiweghahn zur Entlüftung des Drucktanks bezw. zur Verbindung mit Hand- oder Motorluftpumpe, 1 Dreiweghahngriff zum Abschluß und Verbindung des Tanks

mit dem Vergaser, 1 Hahn zum Abschluß des Drucktanks von der Motorluftpumpe, 1 Kühlwasserfernthermometor, 1 Manometer, der Drehzahlmesser. Links:

der Gashebel,

1 Hebel zur Gemischregulierung in der Luft,

1 Hebel zur Bodienung der Kühlerabdeckvorrichtung.

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Eine Vorrichtung zur Verstellung der Zündung ist nicht vorhanden. Die Instrumente sind teilweise sehr unübersichtlich angeordnet. Der Drehzahlmesser liegt mit wagerechter Skala so, daß die Zahlen für den Führer verkehrt stehen.

Im Beobachtersitz sind außer der Doppelsteuerung noch angebracht: 2 Kurzschließer, 1 Gashebel und Hebel zur Gemischregulierung in der Luft, sodaß der Beobachter, abgesehen von der ßenzin-schaltung, den Motor bedienen kann.

F. T.-Anlage ist nicht angebracht, doch sind im Rumpf Antennendrähte angeordnet.

Die Bewaffnung besteht aus einem über der Rumpf Verkleidung starr eingebauten Vikkers M.-G. für den Führer. Die Steuerung erfolgt durch Stoßstange von der rechten Nockenwelle aus. Der Abzugbebel ist am Steuerknüppel.

Der Beobachter ist mit zwei gekuppelten Lewis M.-G. ausgerüstet. Auf hierfür vorgesehene Zapfen können im Sitz sechs Patronentrommeln mitgeführt werden.

Das Leergewicht des Flugzeuges mit Kühlwasser wurde zu 765 kg festgestellt. Eine Aufschrift auf dem Seitenruder gibt das Gewicht der „Nutzlast" (Poidsutile) zu 255 kg, das der Betriebsstoife (Poids combustible) zu 120 kg an. Es ergibt sich somit ein Gesamtgewicht von 1140 kg, d. h. bei 29,8 m2 Tragfläche eine Flächenbelastung von

lifo - 38,5 kg/m3. Die Leistungsbelastung beträgt: = 5,7 kg/PS. ¿9,8 ¿00

Gewichte:

Einzelgewichte Belastung:

Motor...... 225,0 kg Führer u. Beobachter . 170,0 kg

Kühlwasser .... 33,0 „ Bewaffnung .... 81,5 „

Flügel .....167,9 „ Instrumente usw. . . 3,5 „

Höhen- u. Seitensteuer 19,9 „ Betriebsstoffe . . . 120,0 „

Rumpf usw. . . ■ 319,2 „ 375

765 kg

167 9

Einheitsgewicht der Flügel: ' - 5,64.

¿9,0

Verzeichnis der 59 im Monat Februar 1918 in unserem Besitz gebliebenen feindlichen Flugzeuge.

Englische. 10 Sopwith: Einsitzer Nr. 6430, Lt. Winter tot.; Nr. 533, Lt. Ball gefangen; Motor Clerget B. R. 375, Lt. Price tot; Motor Clerget, Name des Insassen nicht feststellbar, tot; Motor W. H. Allen Sons & Co. Nr. 35770, Name des Insassen nicht feststellbar, tot; Nr. 5329, Lt. Davis; Motor Clerget Nr. 20561, Untlt. Caar gefangen; Nr. 8231, Hauptmann Ross tot Bei zwei Sopwith-Einsitzern war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

9 Sopwith Camel. Einsitzer Nr. 6706, Lt. Alderson verwundet; Nr. 5417, Lt. Gerald gefangen; Nr. 2499, Lt. Keown gefangen; Nr. 9171, Name des Insassen nicht feststellbar, verwundet;

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Englisches Großflugzeug (Typ Handley-Page), das unversehrt in unsere Hände fiel. Das Flugzeug hat 30 in Spannweite, ist 20 m lang und 6'fv in hoch, hat 2 Motore zu je 260 PS, die zwei vierflügelige Propf-nVr treiben. Bewaffnung: 3 Maschinengewehre.

Besatzung: 5 Mann.

(Die Flächen werden nach Lösen von mehreren Verbindungen seitlich nach hinten gedreht.)

Motorenanlage des engl. Handley-Page Großflugzeuges.

Kiitfl i s r Ik1 s (¡ r o li fi li gzv il y (T>p I l:i nillry-!*:iyt* lias imviTM-lirl in un*rrc lliiiiilt- tiri. Dfla FlogXÇQg bât ffl SpÄOnWCtte, i-t 20 m hing und li1'* m linch, hut lj Mnture zu je TS. «tir znri \ Ícrtll)¡;rlijfr i'l-npt-llt-r hiiben. lirwarfiuiiiK : !ï ManWiim-iiffewehre. [Er.-tatzung: 0 Mann.

i Dil- l'läclu'ii wiTiirii nach Lösen vmi iiirlirrrrn \ 'tTliintltiiiKcn srillich nacli liiutrti tfrtlrrhr. '

\tiilnrrii.ini Ji-- i il1 ' I'.".- i . !■. 11 'i 11 • r 11 -#........

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Nr. 5552, Lt. Couston gefangen; Nr. 5336, Lt. Wade tot; Nr. 7317, Lt. Bandeil gefangen ; Motor W. H. Allen Nr. 35954, Lt. Kent tot; Nummer des Flugzeuges unbekannt, Lt. Day tot.

6 S. E. 5. Einsitzer Nr. 8273, Major Powell verwundet; Nr. 8231, Lt. Ross tot; Nr. 5325, Lt. Craicq tot; Nr. 4860, Lt. Kent tot; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Lt. Martin tot. Bei einem S. E. 5 war die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

5 D. H. 4. Einsitzer: Motor Rolls Royce Nr. 685, Lt. Pohlmann tot.

Zweisitzer Nr. 7873, Lt. Green, Lt. Martin gefangen; Nr. 768, Lt. Cudmore, Sergt. Bain gefangen; Nr. 7697, Lt. Shaw, Lt. Ackers gefangen. Bei einem D. H 4 waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der beiden Insassen nicht feststellbar; Insassen tot.

4 R E. 8. Einsitzer Nr. 4423, Lt. Gilbert verwundet; Nummer nicht feststellbar, Lt. Money tot.

Zweisitzer Nr. 4455, Lt. Macdonald verwundet, Name des anderen Insassen unbekannt; Nr. 2293, Lt. March verwundet, Lt. Denipster tot.

2 F, E. Zweisitzer Nr. 439, Lt. Swart, Lt. Clark unverwundet Nummer nicht feststellbar, Lt. Jakson, Lt. Cuyat unverwundet.

2 B. F. Zweisitzer Nr. 7468, Namen der beiden Insassen unbekannt, gefangen ; Motor Rolls Royce Nr. 337, Hptm. Sibley, Oblt. Crawford gefangen.

1 A. W. Zweisitzer: Nummer des Flugzeuges und Namen der beiden Insassen nicht feststellbar; tot.

1 Spad. Einsitzer Nr. 6732, Lt. Doyle verwundet.

Französische. 4 Breguet. Zweisitzer Nr. 1328, Namen der beiden Insassen nicht feststellbar, tot; Nr. 1354, Adj. Levy, Corp.

Das „Ausschlachten'' ilcr erbeuteten Flugzeuge, von denen das Material gesammelt wird.

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Albrecht tot; Nr 1346, (Jorp Rouanet, ßeob. Arnault tot; Motor S. C. X. Nr. 56022, Offz. St. Ragaz, Dufrene tot,

3 Spad. Einsitzer Nr. 16241, Hptm. Pouillard tot; Nr. 1268, Lt. Schwander verwundet.

Zweisitzer Nr. 6249, Name der Insassen unbekannt, gef.

2 Nieuport, Einsitzer Nr. 5340, Lt. Moke unverwundet; Umlaufmotor Nr. 3972, Sergt. Marin, tot.

2 Sopwith. Zweisitzer Motor Le Rhone Nr. 10076, Lt. Destelan tot, Corp. Mettivier verwundet; Nr. 3504 Adj. Desbans, Lt. Turinaz verwundet.

Ben t e fl u gze u ge. Im Vordergrund erbeuteter französischer NieuportKampt'einsitzer, zu Versuc hsflügen mit dem deutschen Hoheitsabzeichen versehen), dahinter erbeutetes englisches Großrlugzeug. Siehe die Beschreibung Flugsport 1!)17 No. 24, S. 768.

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No. 8

2 A. R. Zweisitzer Nr. 1614, Namen der Insassen unbekannt, gefangen; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Lt. Francois, Lt. Dorlencourt tot.

2 S. E. 6. Einsitzer: Lt. Lopau gefangen. Nummer nicht feststellbar, Lt. Crosbee verwundet.

Zündladuncj

Einsarzhülse

Hülse für Spreng Sprengkapsel

<apsel

5arzröbirchen mir Verzögerungssarz Verbindungisrück ■Mundloch buihse I

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Spiralfeder Nadelbolzen Zünderkörper

zur

Flügels«

heibe

Sicherüngsshif h Flügelscheibe

Abb. 2. Zünder der franz. 20 kg Fliegerbombe.

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Belgische. 1 Einsitzer unbekannten Typs, Lt. Tieffry gefangen.

Italienische Front. 3 Sopwith. Einsitzer Nr. 13062, Lt. Gore tot; Nr. 5193, Lt. Wright tot. — Zweisitzer: Umlaufmotor Nr.2650, Namen der Insassen unbekannt, Oblt., Sergt. tot.

Die französische 20 Kg.-Fliegerbombe.

Die Bombe besteht, Abb. 1, aus einem starkwan-digen, aus gepreßtem Stahl gefertigten Kopf und dem aus dünnem Stahlblech bestehenden hinteren Teil. Beide Teile sind miteinander verschraubt. Zur Führung dienen vier über den hintern Teil gestülpte Aluminiumstreifen, die am Verbindungsstück eingepreßt sind. Am Schwanzende ist der Zünder eingeschraubt, dessen nähere Einrichtung aus Abb. 2 ersichtlich ist.

Ein Flugzeug führt gewöhnlich acht Bomben, die in einer Abwurfvorrichtung liegen. Ein vorzeitiges Entsichern der Bombe (Herausschrauben der Flügelscheibe und dadurch Freiwerden des Nadelbolzens) verhindert einen Ansatz an der Schraubenspindel zur Flügelscheibe, der sich zwischen zwei Lappen am Zünderkörper legt. Beim Abwurf wird die Flügelscheibe mit Nadelbolzen zurückgezogen (der Nadelbolzen gestattet diese Bewegung infolge der Länge seiner Abflachung), wodurch der erwähnte Ansatz aus den Lappen heraustritt und die Flügelschraube freigegeben wird.

Tritt die Bombe ihren Weg an, so schraubt sich unter dem Druck der gegen die Flügelscheibe wirkenden Luft die Flügelscheibe mit der Spindel aus dem Nadelbolzen heraus und gibt diese frei. Die Bombe wird dadurch scharf. Ein Mitdrehen des Nadelbolzens verhindert ein sich gegen dessen Abflachung legender Sicherungsstift. Beim Aufschlag sticht der Nadelbolzen unter Zusammendrücken der Spiralfeder das Zündhütchen an. Dessen Feuerstrahl überträgt sich auf den Verzögerungssatz und von diesem auf die Sprengkapsel, deren Detonation die ZUndladung und die Sprengladung v des Geschosses zum Detonieren bringt.

Abb. l.

Franz. 20 kg Fliegerbombe. -

Wie die Gegner unseren Flugzeugbau beobachten.

Die englische Zeitschrift „The Aeroplane" berichtet folgendes:

Nachstehende Bemerkungen aus „Aerophile" werden Fliegeroffiziere und Konstrukteure interessieren. Es wäre interessant zu beobachten, ob unsere Leute an der Front dieselben Beobachtungen machen.

Ein Doppeldecker neuerer Form, welcher ein Hannover zu sein scheint, wurde kürzlich heruntergebracht. Er wurde von der Hannoverschen Waggonfabrik gebaut. Ein Zweisitzer.

Der obere Flügel ist leicht gestaffelt und erinnert an den D.F.W.

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Die Zelle ist zweistielig. Der Rumpf besteht aus Furnier und ist sehr kurz. Die Einzelheiten des Schwanzes erinnern ah den Dorand vor dem Krieg mit geringen Aenderungen. Er hat doppelte Höhensteuer.

Der Motor ist ein 180 PS Opel. Er besitzt eine Kamera und einen Bombenwurf-Apparat.

Ist es ein Hannover? — — (Folgendes wörtlich aus Aerophile,)

Unsern Dank allen Korrespondenten, die sich für das feindliche Flugwesen interessieren, und uns Skizzen von deutschen Flugzeugen zukommen ließen, die kürzlich über unsere Front geflogen sind.

Wir machen uns eine Pflicht daraus, dieselben zu veröffentlichen, da für jedermann ein Interesse daran besteht, über Einzelheiten neuer feindlicher Flugzeuge orientiert zu sein.

Erste Serie. Abb. 1—6. Die erste Serie verdanken wir Capitaine Pujo, Kommandant der X. Sektion Auto-Kanonen.

Ahl,. ¥. Die oberen Flügel sind großer als die unteren. Banunenform an den Enden. Die

unteren Flügel sind abgerundet, etwas weniger Spannweite. Kokarde: ein weißer

Bing, der ein ziemlich kleines Kreuz einschließt. Abb. 2. Flügel sehr leicht in V-Fonn. Zwei sehr sichtbare Höhenstcuer. Viernugclige

Schraube. An jetler Seite des Rumpfes ein Paar schräge Masten. Abb. 3. Doppeldecker. Ein Maschinen-Gewehr. Die Form den Seitensteuers hat nicht ganz

genau bestimmt werden können. Die Flügel sind leicht geschränkt, die unteren

leicht nach hinten.

Das Auspuffrohr hat nicht beobachtet werden können. Der Motor läuft ziemlich geräuschlos. Der Apparat ist sehr schmiegsam und ziemlich schnell. Schnelligkeitsmessungen ergaben: bei 4100 m Höhe 39 m in der Sekunde (140 km in der Stunde).

Auf dem Rumpf Malteserkreuz (Eisernes Krcuzi. Abb. 1. Flugzeug niit4ö Grad Neigung als es beobachtet wurde (gezeichnet am ¿7. Jau. IS). Abb. 5. Flugzeug mit 1)0 Grad Neigung als es gesehen wurde (gezeichnet ain 27. Jan. 18). Abb. 0. Flugzeug von hinten gesehen.

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Die zweite Serie

X. Sektion Auto-Kanonen.

IXT

Zweite Serie. Abb. 1 u. 2.

verdanken wir Leutnant Blanche, Kommandant der

Abb. 1. Zweisitziger Doppeldecker mit Zellensehwanz, scheint ein Hannover zn sein.

Abb. 2. Man beobachtete, daß die oberen Höhensteuer-flachen weniger tief sind, als die unteren. Malteserkreuz von einem weißen Kranz umgeben. Unser Korrespondent teilt uns mit, daß der Kumpf ovalen Querschnitt hat. Zwei Paar geneigte Masten wie bei den anderen Skizzen.

Die dritte Serie wurde gesandt von H. C.

Abb. 1. Vorderansicht: Leichtes V der zwei Flächen, noch empfindlicher an der unteren Fläche. Zwei geneigte Streben wie bei dem Caudron. Zwei Kader. Spannweite etwas grüßer als bei dem ü. F. W. Untere Fläche ein klein wenig kleiner. Vielleicht mit zwei Motoren. Abb. 2. Der Kumpf ist vorn sehr zugespitzt. Die Hälfte der ganzen Länge des Rumpfes wird eingenommen von dem hinteren Maschinengewehr au dem hinteren Itand der oberen Fläche. Die nntere Fläche ist etwas schmäler als die obere (ungefähr '/s). Das Seitensteuer ist viereckig.

Abb. 3 zeigt die äußeren Enden der Flügel von unten gesehen.

Abb.4A. Hüoen-steuer von unten, herzförmig u. etwas größer als das Höhensteuer der

Abb. 4B, dieses kann man leichtmit dem von Rumpier CIV verwechseln.

Abb. 4C. Oberes Höhensteuer ist kleiner und hat zugespitzte Herzform.

Abb. 5 u. 6. Seitensteuer 2 Fälle. Abb. 5 ein einfaches Viereck. Abb. 6. Dem Viereck geht eine feste Fläche von Drei-ecksform voran.

Wir finden Aehnlichkeiten zwischen den Abbildungen 1 der erstenSerie,lder zweiten und 3 der dritten Serie, wobei wirdieFlügel-karakteristiken des deutschen

VA.

V'B

u c:

Dritte Serie. Abb. 1—Ii.

Hannover Dop-® peldeckers zu er-

kennen glauben

Ebenso zwischen den Abbildungen 2 (erste Serie) und 1 (dritte Serie). Dieses Flugzeug erinnert durch seine Flügelform und Anordnungen an den Albatros Jagd Doppeldecker D-III.

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Ueber die Flügelform haben unsere Berichterstatter gleiche Ansichten. Die Anschauungen Uber das Seitensteuer sind jedoch verschieden.

Wir halten es für interessant, neue Erkundungen über den Hannover-Doppeldecker zu veröffentlichen. Jene stimmen mit diesen Skizzen in bestimmten Punkten überein und ergänzen dieselben.

Das deutsche Hannover-Flugzeug ist ein zweisitziger Doppeldecker, versehen mit einem 180 PS Opel-Motor. Alles deutet darauf hin zu glauben, daß die Flügel gestaffelt sind. Die Spannweite der oberen Fläche ist größer als die der unteren. Ihre Form ist trapezartig und jede derselben hat zusammengesetzte Verwlndungsklappen, die an den Enden in Lappen ausgehen.

Die unteren Flügel haben geringere Spannweite und geringere Tiefe und abgerundete Ecken.

Ein einziges Paar Streben an jeder Seite des Rumpfes. Der Schwanz ist Doppeldecker. Ein Höhensteuer über und eines unter dem Rumpf. Beide bestehen aus zwei festen Teilen mit einem beweglichen Ende. Die Hälfte dieser Apparate besitzt ein festes Maschinengewehr, das durch den Propeller schießt und ein zweites, das hinten beweglich befestigt ist.

Indem wir die Aufmerksamkeit auf neuere Typen deutscher Flugzeuge lenken, die seit kurzem an unserer Front gemeldet wurden, sind wir unseren Lesern dankbar, wenn sie uns einige Beobachtungen von feindlichen Flugzeugen, besonders von dem berühmten Hannover Doppeldecker, zukommen lassen könnten.

FürWerksrartu.Flugplate

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Nachdruck aller Artikel unter dieser Rubrik ist verboten).

Die Benutzung verstellbarer Unterlagen bei der Herstellung von Steuerflächen. Zur Herstellung von Steuerflächen werden bekanntlich große hölzerne abgerichtete Platten benutzt, auf die man eiserne Blechwinkel aufschraubt. Letztere haben in dem vertikal auf der Platte stehenden Schenkel eine der Flächenkonstruktion entsprechende Aussparung, in welche das Stahlrohr zwecks genauer Zusammenpassung und hernach stattfindenden Verschweißung bei der-Montage hineingelegt wird. Die ebengenannte Aussparung ist nicht nur in Bezug auf Stahlfflhr-Stärke oder richtiger -Durchmesser der Flächenkonstruktion angepaßt, sondern auch in Bezug auf vertikalen Abstand derselben von der Flächen-Modellplatte. Allgemein bekannt dürfte wohl sein, daß man Steuerflächen, speziell Verwindungsklappen oder nach neuerlicher Bezeichnung auch Querruder „verwunden" baut; d. h. die Steuerfläche ist keine ebene fläche, sondern sie ist verdreht, derart, daß die Mittelachse der Hinterkante mit der der Vorderkante in der Horizontalen nicht parallel läuft, sondern beide in bestimmtem Winkel zu einander stehen. Die für diese beiden Rohre bestimmten Unterlagen gleichen einander nur in Bezug auf Größe der Aussparung im vertikalen Schenkel, der Abstand von dem horizontalen Schenkel wird bei jeder ein anderer sein.

Kommen also in einer Steuerfläche 6 verschiedene Stahlrohr-Dimensionen vor, so hat man auf der Modellplatte Eisenwinkel, die je nach Erfordernis eine dieser 6 Größen zur Aussparung haben, mit anderen Worten also, in Bezug auf Größe der Aussparung 6 Klassen. Jede dieser 6 Klassen ist nun Wieden unter-

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einander ungleichartig in Bezug auf Größe des vertikalen Abstandes der Aussparung von dem horizontalen Schenkel des Eisenwinkels. Das hat, wie wir gleich sehen werden, zwei große Nachteile.

Um etwaigen sich beim Einfliegen, speziell neuer Versuchsmaschinen, herausstellenden Mängeln, z. B. zu geringe Tragfähigkeit, Steuerwirkung oder Haltbarkeit einer stark beanspruchten Strebe oder dgl. abzuhelfen, werden häufig Aenderungen an den Steuerflächen vorgenommen, die wiederum auf jeden Fall eine Aenderung der auf der Modellplatte befindlichen Unterlagen bedingen.

Abb. 1

Abb. 2

Einen gewissen Vorteil bietet die Verwendung verstellbarer Unterlagen an Stellen, die sehr leicht von Konstruktionsänderungen betroffen werden können. In der nebenstehenden Abbildung 1 u. 2 ist eine derartige verstellbare Unterlage dargestellt.

Die Unterlage besteht aus dem Blechwinkel a, der durch zwei schwächere seitlich aufgeschweißte Bleche b versteift ist. Der untere kürzere Schenkel, der mittels der Holzschrauben f auf der Platte P befestigt ist, hat eine kurze Aussparung, welche sich vom Scheitelpunkte bis zum Anfang der großen Aussparung des vertikalen Schenkel hinzieht. In dieser Aussparung sitzt ein kürzeres Stahlrohr St, das mit Innengewinde versehen ist und in welchem die Schraube Sch sauber schraubt. In der großen Aussparung des vertikalen Schenkels bewegt sich ein schlittenartiges Metallstück d, durch welches zwei Stifte e getrieben sind; mittels der Schraube Sch kann dasselbe auf und nieder gestellt werden. Das Metallstück d dient aber nicht zur Aufnahme des Stahlrohres, sondern ein auswechselbares, einfach aufgestecktes und durch die Stifte e besonders geführtes Metallstück c.

Gesetzt den Fall, es wird eine Verstärkung eines Stahlrohres vorgesehen, so braucht nur das Metallstück c abgenommen und gegen ein anderes vorrätiges mit entsprechender Aussparung ersetzt zu werden. Im anderen Falle, daß also eine Veränderung der Steuerflächenebene vorgenommen wird, läßt sich auch die Höhe leicht nachstellen.

Es wird zugegeben, daß diese Unterlagen verhältnismäßig teuer sind, dadurch aber ist noch lange nicht gesagt, daß sich Ersparnisse erzielen lassen. Vor allen Dingen müssen die Unterlagen auch wirklich nur dahin gesetzt werden wo tatsächlich Konstruktionsänderungen eintreten können. So wäre es z. B. verfehlt, das Achsrohr einer Steuerfläche auf der Modellplatte mit verstellbaren Unterlagen zu versehen; denn wenn an dieser eine Verstärkung vorgenommen wird, so geschieht es meistens durch Benutzung eines Rohres mit größerer Wandstärke und das hat naturgemäß eine Aenderung des Außendurchmessers nicht zur

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Folge. Außerdem wird man das Achsrohr einer Steuerliche stets horizontal auf der Platte anordnen; denn die Zeichnung wird den Grad der Verwindung stets so angeben, daß sie in Form der Höhendifferenz zwischen dem betreffenden Punkte und einer gedachten Mittellinie durch die Steuerfiächenachse, die als Ebene gilt, ausged'ückt ist.

Es wären also nur das Randrohr und die Rippenrohre mit verstellbaren Unterlagen zu versehen, Ueberdenkt man die Vorteile, daß

1. in doppelter Beziehung Zeit gespart wird, da die Oberteile auswechselbar und die ganze Unterlage verstellbar ist,

2. dieselben Unterlagen infolge ihrer Verstellbarkeit immer wieder verwendet werden können,

3. Veränderungen an den Steuerflächen ohne große Zeitverluste möglich sind und

4. auch Material gespart wird und hält dem den einen Nachteil gegenüber, daß die einmalige Anschaffung etwas größere Kosten erfordert, so leuchtet die Rentabilität schon leichter ein.

Es ist überhaupt gut, derartigen Neuerungen nicht mit gewissem Vorurteil zu begegnen, denn einem Kaufmann wird meistens die größere Anschaffungssumme mehr ins Auge fallen als alles andere, während doch nur der Techniker am besten den wunden Punkt erkennen kann, da er doch mit den Elementen der Fabrikation ständig zu tun hat. Gerade bei derartigen Vorrichtungen, die sehr häufig nicht aui den ersten Blick ihre Rentabilität verkünden, ist es sehr von Vorteil, wenn der Kaufmann den Erfahrungen des Technikers weitgehende Beachtung schenkt.

ftugtecbnifcbe (Rundfitjau.

Inland.

Das Eiserne Kreuz I. Kl. wurde verliehen: Vzfw. u. Kampfflieger Herbert Lunow, sowie Flieger Karl Hinselmann.

Auszeichnung Richthofens. Seine Majestät der König hat dem Rittmeister Frhrn. v. Richthofen in Anerkennung seiner besonderen Leistungen den Roten Adlerorden dritter Klasse mit Krone und Schwertern verliehen.

Ein flugtechnischer Wettbewerb. Der „Reichsanzeiger" schreibt in seinem amtlichen Teil einen Wettbewerb aus, der den Zweck verfolgt, Unterlagen für die Vereinheitlichung der Rohrschalter (Hähne, Ventile; Schieber u. dgl.) in Flugzeugen zu erlangen, und seine Entstehung einer Anregung des „Normenausschusses des Kriegsverbandes der Flugzeugindustrie i. V." verdankt. Verlangt -werden Zeichnungen und Probeausführungen verschiedener Schalter, welche letztere in der Deutschen Versuchsanstalt für Luttfahrt einer praktischen Prüfung unterzogen werden sollen. Das Preisgericht setzt sich aus je drei Vertretern der beteiligten Behörden und der Fachindustrie sowie einen Vertreter der vorgenannten Versuchsanstalt zusammen. An Preisen, die den Mitteln der National-flugspende entnommen sind, werden ausgesetzt:

ein 1. Preis im Betrage von 5000 M. » 2. „ „ „ „ 3 003 „

„ 3. „ „ „ „ 2000 „

Anmeldungen sind unter Benutzung von Formularen, die ebenso wie die näheren Bedingungen der Ausschreibung in der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Berlin SW.. Belle-Alliance-Platz 2, erhältlich sind, bis zum 1. V. 1918 an den Vorsitzenden des Preisgerichts, Herrn Marinebaurat Laudahn, Berlin W. 10, Reichsmarineamt zu richten, der auch über etwa noch vorliegende, den Wettbewerb betreffende Fragen Auskunft erteilt. Die Probeausführungen müssen bereits bis zum 1. Juli 1918 an die Prüfstelle, d. i. die Instrumentenabteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Adlershof bei Berlin, eingesandt sein.

Es ist zu hoffen, daß der Wettbewerb unter den einschlägigen Firmen rege Beteiligung finden und daß das Ergebnis dem angestrebten Zwecke, eine für Flugzeuge in jeder Beziehung gut geeignete Schalterkonstruktion ausfindig zu machen, voll entsprechen wird.

„nugspui

lotor.

Akt.-Ges./Leipzig-H eiterblick.

:lugsporl:", Organ d.Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. d. Modellflugvereine. 1918. Tafel ,v-

Spad S. Xl.-Zweisitzer mit 200 PS Hispano-Suiza-Motor.

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Die Luftpost- und Lufrverkehrsprojekte schießen wie Pilse aus der Erde. Beschäftigungslosen Persönlichkeiten erscheint das Gebiet des Flugwesens als ein aussichtsreiches Gebiet der Betätigung. Es ist bedauerlich, daß die Tageszeitungen ohne Prüfung der Verhältnisse derartige Projekte unterstützen. Daß wir unsere, großen Flugzeuge, die jetzt für den Kriegsbetrieb zugeschnitten sind, für den Post- und Passagierverkehr verwenden können, ist selbstverständlich, dafür brauchen wir keine in den Tropen vorgebildete Afrikareisende. An dieser Stelle ist es schon oft ausgesprochen worden, was unsere Flugzeugkonstrukteure in der Entwicklung des Kriegsflugwesens geleistet haben, sie werden auch spielend die Aufgaben der Frieüensfliegerei lösen. Luft- und Postverkehr gehören dem Staate. Es sind Fragen des allgemeinen Wohls, und wenn eine Privatperson glaubt, sich hier ein Monopol schaffen zu können, so ist dies nicht anderes als eine unrechtmäßige Bereicherung; man kann es auch noch anders bezeichnen!

Die Delag hat den Flugzeugbau aufgenommen. In der Hauptversammlung der deutschen Luftschiffahrts-A.-fj. (Delag) gab Generaldirektor Kommerzienrat Alfred Colsman (Friedrichshafen) über die Zukunftsabsichten der Gesellschaft eine Erklärung ab: Die im Anschluß an die Ha gegründete Gesellschaft hat den Versuch gemacht, den Verkehr mit lenkbaren Fahrzeugen gewinnbringend zu gestalten Dieser Versuch ist nicht gelungen. Die weitere Absicht aber, das vom Grafen Zeppelin geschaffene Luftschiff weiter zu entwickeln, ist vollkommen gelungen. Die ganzen Erfahrungen der Marineluftschiffe bauen auf der Delag auf. Erst nach dem Krieg wird das deutsche Volk erfahren, wie diese Schiffe gewirkt haben. Die Delag hatte aber ausdrücklich den Verkehr mit Luftfahrzeugen auf ihr Programm geschrieben, also auch mit Flugzeugen. Nachdem die Delag nun vor einem gewissen Abschluß steht und ihr Vermögen zurückgewonnen hat, liegt die Frage offen, ob sie damit ihre Aufgabe als erfüllt ansehen will. Demgegenüber ist sie der Meinung, daß die Entwicklung von Flugzeugen und Luftschiffen immer noch stärkere rfilfe benötigt. Man hat eingesehen, daß das Luftschitf für den Verkehr Uber kurze Entfernungen nicht gewinnoringend sein kann, daß es aber zur Verbindung ganzer Kontinente, für Fahrten auf viele tausende Kilometer aul absehbare Zeit das allein brauchbare Verkehrsmittel darstellt. Die Delag will aber außerdem sich auch dem Verkehr mit Flugzeugen widmen, und zwar auch auf kürzeren Strecken. Auch für kürzere Meeresstrecken wird das Flugzeug in Frage kommen. Es haben sich schon in mehreren Ländern Europas und auch in Deutschland Gesellschaften gebildet, die solchen Verkehrszwecken im Frieden dienen müssen. Die Delag will auch auf diesem Gebiet ihre führende Stellung sich erhalten, wenn sie auch keineswegs eine Monopolstellung beabsichtigt.

Die Verluste im Luftkampf. Der englische Funkspruch vom 27. März enthielt einen Nachtrag zum britischen Heeresbericht vom 26. März mit folgenden Angaben : „Die FliegertBtigkeit war gestern sehr groß, 45 deutsche Flugzeuge wurden abgeschossen, 22 mußten in beschädigtem Zustande landen, zwei weitere wurden durch Abwehrfeuer heruntergeholt. 10 unserer Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt.

Diese Angaben sind falsch. Das System, die Heimat mit erdichteten deutschen Riesenverlusten über die eigene Niederlage zu trösten, ist durchsichtig genug. Demnach folgt hier eine Gegenüberstellung der deutschen und feindlichen Verluste im Luttkampf vom 24. bis 27. März 1918.

Am 24. März eigene Verluste 10 Flugzeuge, feindliche Verluste 22; am 25. März eigene Verluste 5, feindliche 9; am 26. März eigene Verluste 9, feindliche 12; am 27. März eigene Verluste 2 feindliche 27.

Von der Front.

19. März. Bulgarischer Bericht. Feindliche Flieger warfen Bomben auf unsere Lazarette östlich des Wardar, welche gut als solche zu erkennen waren.

20. März. Berlin. Im Februar 1918 verloren unsere Gegner durch unsere Kampfmittel auf allen Fronten 138 Flugzeuge und 18 Fesselballone. Wir büßten durch feindliche Einwirkung 61 Flugzeuge und 3 Fesselballone ein. Davon sind 36 jenseits unserer Linie geblieben, die übrigen sind über unserem Gebiet zerstört worden. Auf die Westfront allein entfallen von den 138 feindlichen Flugzeugen 132, von den deutschen 58. 108 der fe ndlichen Flugzeuge wurden im Luftkampf, 25 durch Abwehrgeschütze abgeschossen, 5 landeten unfreiwillig hinter

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unseren Linien, 59 sind in unserem Besitz. Die übrigen sind jenseits unserer Linien erkennbar abgestürzt.

Ital ieni sch er Bericht. Zwei feindliche Fesselballons wurden durch unsere Flieger bei Connegliano und Colmirano (Allanobecken) in Brand geschossen. Zwei feindliche Flieger wurden bei Santa Como de Reglia und auf der Asiagohochebene abgeschossen, der eine durch britische, der andere durch französische Flieger.

21. März. Französi scher;Beri cht. Ltn. Ponck schoß am 17. März sein 30. feindliches Flugzeug ab.

Englischer Bericht aus Palästina. Am 19. März wurde ein erfolgreicher Bombenflug von den vereinigten königlichen und australischen Fliegerkorps gegen feindliche Einrichtungen in der Nähe des Bahnhofes von Elkutrani an der Hedschasbahn, 35 Meilen südöstlich von dem Südende des Toten Meeres, ausgeführt. 470 Bomben wurden auf das Bahnhofsgebäude und Bahnzüge geworfen, unmittelbare Treffwirkungen an den Zielen wurden wahrgenommen, ein feindliches Flugzeug wurde im Luftkampf vernichtet, zwei unserer Flugzeuge kamen nicht zurück.

22. März. Bericht der englischen Admiralität. Englische Monitore beschossen mit guter Wirkung Ostende. Vor dem Bombardement wurden vier feindliche Flugzeuge von unserem Seegeschwader zerstört. Feindliche Apparate griffen die unsrigen an, als diese Regulierungsoperationen für die Artillerie ausführten. Es entwickelte sich ein Gefecht, in dessen Verlaufe ein weiterer feindlicher Apparat zu Fall gebracht wurde. Englische Wasserflugzeuge, die eine Erkundung in der Bucht von Helgoland durchführten, griffen einen feindlichen Minensucher mit Maschinengewehren an. Sie erlitten keine Verluste. Unsere Apparate sind alle heil zurückgekehrt.

Französischer Bericht. Um 9 Uhr abends überflog eine Gruppe feindlicher Apparate unsere Linie. Auf Compiegne und auf verschiedene Orischaften in der Umgebung wurde eine Anzahl Bomben abgeworfen. Einige Flugzeuge stießen weiter nach Süden vor, mußten aber vor unserem Artilleriefeuer wieder Kehrt machen. In Paris wurde alsbald Alarm gegeben. Er war nach einer halben Stunde beendet.

23. März. Berlin. In den Tagen vom 8. bis 18. März wurden an der Westfront 142 feindliche Flugzeuge und 14 Ballone abgeschossen, während unsere Verluste nur 43 Flugzeuge und 2 Ballone betrugen.

Amtliche französische Mitteilung: Um 8.20 Uhr haben einige feindliche Flieger, denen es in sehr großer Höhe gelang, die französischen Linien zu überfliegen, Paris angegriffen. Es wurde sofort die Jagd auf sie eröffnet sowohl durch die Flugzeuge der Festung Paris wie durch diejenigen der Front. Man meldet von verschiedenen Punkten Bombeneinschläge. Es gab auch einige Opfer. Ein späterer Bericht wird die Umstände und die Folgen dieses Angriffs angeben. Das Ende des Fliegeralarms wurde nachm.. um 4.20 Uhr gemeldet.

Feindliche Flieger haben um 8.40 Uhr abends unsere Linien überflogen. Sie haben mehrere Ortschaften hinter der Front beschossen, ohne bedeutenden Schaden anzurichten. Sie sind nicht bis zur Gegend der Stadt Paris gekommen.

24. März. Deutscher Tagesbericht. Flieger und Ballone brachten der Führung wertvolle Meldungen. Unsere sieggewohnten Jagd- und Schlacht-staffeln- behaupteten in harten Kämpfen die Herrschaft in der Luft und griffen zurückflutende feindliche Kolonnen an. Die Verkehrspunkte im Rücken des Gegners waren das Ziel unserer Nacht für Nacht tätigen Bombengeschwader.

Saarbrücken. Am 24. März gelang es Kampfeinsitzern des Heimatgebiets, ein von einem Bombenflug von Mannheim zurückkommendes englisches Geschwader in der Gegend von Bitsch zum Kampf zu stellen, Zwei englische Flugzeuge wurden durch Luftkampf zur Landung gezwungen. Ein drittes Flugzeug wurde kurz vor der Front ebenfalls von deutschen Fliegern zur Landung gezwungen.

26. März. D eu tscher Tag es b ericht. Seit Beginn der Schlacht wurden 93 feindliche Flugzeuge und 6 Fesselballone abgeschossen. Rittm. Freiherr von Richthofen errang seinen 67. und 68., Ltn. Bongartz seinen 32., Obltn. Lörzer seinen 24., Vzfw. Bäumer seinen 23., Ltn. Kroll seinen 22. und Ltn. Thuy seinen 20. Luttsieg.

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Englischer Bericht.' Am 25. März war die Lufttätigkeit sehr groß. Unsere Aeroplane brachten zahlreiche wertvolle Auskünfte über den Gang der Schlacht und bezeichneten unserer Artillerie die passenden Zielpunkte. Feindliche Truppenmassen, die in der Schlachtzone konzentriert waren, wurden durch unsere in niedriger Höhe fahrenden Luftfahrzeuge mit Maschinengewehren beschossen. Die Luftkämpfe hatten ernsteren Charakter als bisher. Unsere Luftfahrzeuge schössen 45 (??) feindliche Apparate ab und zwangen 22 andere in beschädigtem Zustande zu landen. Zwei feindliche Apparate wurden durch unsere Luftkanonen abgeschossen. Während der Nacht landete ein großer feindlicher Bombardierungsapparat hinter unseren Linien.

27. März.

errang seinen 6£

Deutscher Tagesbericht, und 70 Luftsieg.

Rittm. (Freiherr v. Richthofen

SV*° y fyod)tiev)iti9iid) an.

Berlin. An den siegreichen Großkampftagen der Schlacht zwischen Arras und La Fere haben unsere gesamten Luftstreitkräfte hervorragenden Anteil. Während der Vorbereitungen für die Durchbruchsschlacht trugen unsere Flugzeugbeobachter, aller feindlichen Gegenwehr die Stirn bietend, ihre Aufklärung lückenlos bis weit ins Hinterland des Feindes. Das Netz seiner rückwärtigen Stellungen war im Lichtbild festgelegt, der Verkehr auf Bahnen und Straßen peinlichst überwacht, und so der deutschen Führung die Gewißheit verschafft, daß der Gegner von dem unmittelbar bevorstehenden Stoß keine Kenntnis hatte. Eigene Jagdstreitkräfte hatten diese gefahrvolle Tätigkeit der Beobachter geschützt und den feindlichen Luftstreitkräften den Einblick in unsere Vorbereitungen durch rücksichtslosen Angriif erfolgreich verwehrt. Als am 21. März der Nebel, der in den Morgenstunden jede Flugtätigkeit ausschloß, sich verzog, zeigten die gesamten Luftstreitkräfte den gleichen unüberwindlichen Angriffsgeist wie die auf dem Schlachtfeld vorstürmende Truppe. Die Jagdstreit-krälte behaupteten ihre unbedingte Ueberlegenheit in der Luft. Sie schössen am ersten Angrilfstag allein sechs Fesselballone ab und brachten im Verlauf der weiteren Kampftage bisher 93 Flugzeuge zum Absturz. Der 67". und 63. Luftsieg des Rittm. Frhr. v. Richthofen beweist die oft bewährte Ueberlegenheit unserer alten Meister des Luftkampfes. Drei Abschüsse des Ltn. Windisch an einem Tage zeigen, daß auch der Nachwuchs an Leistungen n cht nachsteht. Starke Schlachtgeschwader begleiten, das erbitterte Feuer der feindlichen Maschinengewehre nicht achtend, in ganz geringer Höhe die stürmende Infanterie. Sie brachten feuernde feindliche Batterien durch Wurfminen, Bomben und Maschinengewehrfeuer zum Schweigen und rissen an den Hauptbrennpunkten des Kampfes die stürmende Truppe über die letzte feindliche Gegenwirkung nach, griffen die heraneilenden Kolonnen des Gegners aus 80 m Höhe an, zersprengten sie vor ihrem Eingreifen und brachten Verwirrung und Schrecken in den Rückzug des Gegners.

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Auch die Flugabwehrkanonen beteiligten sich vom ersten Angriffstage an am Marsen. Kraftwagengeschütze folgten unmittelbar der stürmenden Truppe und sicherten im eroberten Gelände Flugzeug- und Ballonbeobachter. Unsere Bomben-Geschwader griffen in den Nächten vor und zwischen den Schlachttagen Bahnknotenpunkte hinter der feindlichen Front trotz des teilweise ungünstigen Wetters in großem Maßstabe mit Bomben an.

Auch die englischen Hafenorte Calais und Dünkirchen wurden mit 10650 Kilogramm Bomben belegt. Von besonderer Bedeutung ist ein Angriff auf eine Haupteisenbahnlinie hinter der Schlachtfront, der, aus ganz geringer Höhe 36 Kilometer hinter der Front ausgeführt, besonders gute Erfolge zeigte. Im ganzen wurden, von den Bombengeschwadern in den vier Nächten 132666 Kilogramm Bomben geworfen.

28. März. Deutscher Tagesbericht. Frhr. v. Richthofen errang seinen 71., 72. und 73. Luftsieg.

Berlin. Die Verluste unserer Gegner an Flugzeugen seit dem Beginn der großen Schlacht übersteigen schon jetzt hundert bei weitem. Unsere kampferprobten Flieger Ltn. Bongartz, Obltn. Lörzer, Vzfw. Bäumer, Ltn. Kroll und Ltn. Thuy sind an diesen Erfolgen hervorragend beteiligt. Rittm. Frhr. v. Richthofen, aller Jagdflieger Meister, bezwang am 27. März seinen 73. Gegner.

Französischer Bericht. Während der Zeit vom 22. bis zum 26. März hat unser Flugdienst an der Schlacht teilgenommen unter Bedingungen, die für den Feind besonders mörderisch gewesen sind. Die Flugzeuge unserer Offiziere, unsere Bombardierungsllieger, unsere Jagdflieger ebenso wie unsere Telegraphen und Beobachter haben an Kampf und Ansdauer gewetteifert und Tag und Nacht sehr harte Arbeit geleistet. An einem einzigen Tage, am 23. März, hat eines unserer Fluggeschwader 125 Patrouillen- und 120 Erkundungsfluge ausgeführt. Viele Berichte dieser Geschwader sind übrigens noch nicht eingetroffen. In der Gegend von St. Quentin Hum-La Fere-Royon wurde vom 22. bis zum 26. März mehr als 50000 Kilo Geschosse auf Truppenzüge im Marsch und auf Ansammlungen feindlicher Truppen geworfen, die infolge dieser mit bewundernswerter Kühnheit durchgeführten Luftangriffe hohe Verluste erlitten. Unsere Flieger sind bisweilen bis auf 20 Meter auf die Erde heruntergeflogen und haben mit Maschinengewehren die feindlichen Abteilungen angegriffen und Tausende von Geschossen abgegeben. Außer anderen Operationen verdiente besonders diejenige Erwähnung, die am Nachmittag des 27. März von 60 Kampffliegern und 20 Bombardierungsfliegern ausgeführt wurden, die sich auf Massen deutscher Infanterie stützten, sie in die Flucht schlugen und ihnen grausame Verluste beibrachten. Außerdem sind mehrere Munitionsdepots explodiert. Es wurden starke Brände im Laufe dieser Beschießungen beobachtet.

Unser Bombardierungsflugdienst in der Gegend des Ostens hat an der gesamten Aktion teilgenommen, indem er die großen strategischen Bahnhöfe von Metz-Sablon und Diedenhofen angriff. Mehrere von heftigen Explosionen begleitete Brände entstanden im Bahnhof von Metz-Sablons. In der Nacht vom 23. auf den 24. hat eines unserer Geschwader 3% Tonnen Explosivstoffe auf die Badische Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen geworfen, die bedeutendste deutsche Fabrik für Giftproduktion. — Schließlich wurden 37 deutsche Flieger und sechs Fesselballons heruntergeholt und von unsern Fliegern zerstört. Fünf andere leindliche Apparate wurden durch unsere Abwehrvorrichtungen zerstört.

Italienischer Bercht. Zwei feindliche Flugzeuge, die von unseren Flugzeugen heruntergeholt wurden, sind im Osten von San Dona di Piave niedergegangen.

Englischer Bericht aus Palästina. Unsere Flugzeuge brachten vier feindliche Maschinen herunter und belegten feindliche Truppen, Transporte und Trains heftig mit Bomben. Auf der Hedschas-Bahn wurden viele direkte Treffer beobachtet.

Berlin. Um Uhr nachm. griffen feindliche Flieger die Stadt

Luxemburg an. Außer einem starken Häuserschaden wurden bisher zehn Tote gemeldet, darunter ein deutscher Soldat.

29. März. Deutscher Tagesbericht. Frhr. v. Richthofen errang seinen 74. Luftsieg.

Berlin. Am 27. und 28. März ist es unseren Luftstreitkräften gelungen, dem Gegner ihren frischen Angriffsgeist und ihre Ueberlegenheit zu beweisen ufid ihm wiederum ganz besonders großen Schaden zuzufügen. 49 feindliche

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Flugzeuge wurden an den beiden Tagen von uns abgeschossen. Ritttn. Frhr. v. Richthofen hat seinen 74. Gegner besiegt und so in drei Tagen sechs feindliche Flugzeuge erledigt. Unsere Flugabwehrkanonen hatten acht Abschüsse aufzuweisen. Sie haben sich auch in anderer Beziehung besonders ausgezeichnet und das Vertrauen, das unsere Infanterie in sie zu setzen gepflegt, erneut bestätigt. So nahm eine Flak an der Eroberung von Albert hervorragenden Anteil. Alle unsere Flakgeschütze eilten unserer Infanterie, die während dieser Schlachttage von den feindlichen Fliegern besonders heftig angegriffen wurde, in starkem feindlichen Maschinengewehrfeuer bis in die vorderen Stellungen zu Hilfe. Dabei wurde ein Flakzug von 14 feindlichen Fliegern gleichzeitig angegriffen. Diese wurden dadurch erfolgreich abgewehrt, daß ein weiteres Geschütz mit großer Geschwindigkeit sein wirkungsvolles Feuer auf sie eröffnet. Unsere eigenen geringen Verluste, die während der beiden Tage nur drei Flugzeuge und zwei Ballone betragen, sind zum Teil auf diese erfolgreiche Tätigkeit unserer Flak zurückzuführen. Dabei behaupteten die Engländer noch kurz vor unserem Angriff, sie hätten unsere Luftstreitkräfte „zu Krüppeln" geschlagen.

30. Marz. Deutscher Tagesbericht. Ltn Bongartz schoß seinen 32. und 33., Ltn. Udet seinen 22. Gegner ab.

Wien. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Am 26. März war die Fliegertätigkeit gering. Am 28. März wurde eine Reihe erfolgreicher Aufklärungsflüge durchgeführt. Seit dem 27. März sind an der Südwestfront Apparate mit amerikanischen Hoheitsabzeichen festgestellt. Gleich am ersten Tage ihres Auftretens gelang es Ltn. Moerat, einen amerikanischen Flieger abzuschießen. Am selben Tage wurde ein feindliches Flugzeug durch eine Abwehrkanone heruntergeholt. Am 28. März brachten Zugführer Balzareno und Feldwebel Fojes zwei amerikanische Apparate zum Absturz.

2. April. Deutscher Tagesbericht. Gestern wurden 22 feindliche Flugzeuge und fünf Fesselballone abgeschossen. Ltn. Kroll errang seinen 23. Luftsieg. Bei tatkräftiger Durchführung der Fernaufklärung von der Küste südlich von der Somme hat, die Fliegerabteilung 3 unter Führung des Obltn. Fricke Außergewöhnliches geleistet.

7SVtA

Erbeutete feindliche Flugzeuge (die zu Versuchszwecken mit deutschen Hoheitszeichen versehen sind). Im Vordergrund ein englisches Handley-Page-Großflugzeug.

K'Htfti» feindliche Flugzeuge fdio su Venitehusurevken mil deutschen Ilolieittizeicheii vergehen -imi. [m Vnnk'ryrinnl i.'in . n-li-i-hi- II¡i-i|i'. PagC-GrOÜHllgZeug,

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Berlin. Englische Fliegerbomben auf Douai töteten in der Nacht vom 31. März zum 1. April fünf französische Einwohner und verwundeten mehrere. Militärischer Schaden ist nicht entstanden.

Pariser Blättern zufolge ist Chalons sur Marne im Laufe der letzten Woche verschiedentlich von deutschen Flugzeugen angegriffen worden, die bedeutenden Sachschaden anrichteten. Unter anderem wurde das Gebäude der Union Républicaine de la Marne schwer beschädigt. Der Leiter des „Journal de la Marne" wurde mit seiner Fpmilie getötet. Ueber Dünkirchen sind in den letzten Tagen wiederholt deutsche Flugzeuge erschienen.

3. April. Berlin. Während der letzten Tage des vorigen Monats beschränkten tielhängende Wolken, Regen und Sturm die Tätigkeit der deutschen Luftstreitkräfte im wesentlichen auf Naherkundung über dem Schlachtfelde und Bekämpfung von Erdzielen in und hinter der Kampflinie. Beide Aufgaben wurden erfolgreich gelöst. Unsere Ballone waren an einzelnen Tagen bei Windstärken von über 20 Sekundenmetern in der Luft, um den Verlauf der Kampfhandlungen zu überwachen und das Feuer der eigenen Artillerie zu leiten. Wichtige Bahnhöfe, besonders Compiègne und Lonfucan bei Amiens und Verkehrsmiitelpunkte und Truppenansammlungen hinter der feindlichen Front wurden in den Stunden günstiger Witterung wirksam mit Bomben angegriffen. Der Hafenplatz und Etappenhauptort Boulogne erhielt in der Nacht vom 1. zum 2. April Bomben schwersten Kalibers. Günstigeres Wetter gestattete am 1. April eine planmäßige Fernerkundung. Sie hatte eine sehr rege Luftkampftätigkeit zur Folge. 22 Flugzeuge und fünf Ballone des Feindes wurden abgeschossen. Die Gesamtverluste unserer Feinde seit Beginn der Durchbruchsschlacht betragen nunmehr 192 Flugzeuge und 11 Ballone. Unsere Flugabwehrgeschütze sind daran mit der außerordentlichen Zahl von 46 Flugzeugen beteiligt. Ltn. B'ngartz besiegte 33, Ltn. Kroll 23 Gegner. Wir büßten 32 Flugzeuge, davon 10 diesseits unserer Linien, und 4 Ballone ein.

Berlin. Am Abend des 1. April schaukelten dicht vor Arras fünf englische Fesselballons in der Luft. Nachdem die englischen Flieger durch den Angriff einer deutschen Jagdstaffel hinter ihre Front zurückgeschlagen worden waren, ging Ltn. Roth mit seiner Jagdmaschine blitzschnell zum Angriff gegen die Fesselballons vor. Schnell hatte er die beiden ersten erledigt, brennend kamen sie herunter. Trotz wütendem F'ackfeuer stürzte er sich nun auf den dritten und setzte auch diesen durch Nahangriff mit dem Maschinengewehr in Brand. Von den deutschen Beobachtungsstellen wurde der Hergang gesehen und frisch zurückgedrahtet. Während nun alles die Rückkehr des erfolgreichen Fliegers mit höchster Spannung erwartete, schraubte sich dieser unerwartet mitten in den englischen Sprengwolken nochmals ein Stück in die Höhe, bog seitlich ab und neigte sich erneut zum Sturzflug gegen den vierten Ballon. Auch dieser ging in Flammen auf. Gleichzeitig griff Feldwebel Wagner den fünften Ballon überraschend von oben her an und brachte ihn brennend Herunter. Beide Flieger erreichten, vom englischen Geschoßhagel vergeblich verfolgt, den Flugplatz, wo sie von den Kameraden und den höheren Kommandostellen herzlich beglückwünscht wurden. Die ganze englische Ballonaufstellung in dieser Gegend war damit binnen zehn Minuten erledipt.

Beim letzten Nachtangriff englischer Flieger auf Douai gab es wieder schwere Opfer unter der französischen Bevölkerung. Neben einem in Brand geratenen Hause wurden von sechs Frauen drei getötet und drei schwer verwundet. Eine vierköpfige Familie verlor durch Bombenvolltreffer das Leben. Militärischer Schaden entstand nicht, so daß lediglich die Zivilbevölkerung betroffen wurde.

Nach* einer amtlichen Havasmeldung aus Paris Uberflogen in der Nacht zum Dienstag Gruppen deutscher Flugzeuge die französischen Linien in der Richtung auf Paris. Sie wurden von den französischen Posten gesichtet. Um 3.3 Uhr wurde Alarm gegeben. Die Abwehrbatterien eröffneten ein heftiges Feuer gegen die feindlichen Flugzeuge, die kehrt machen mußten. In der Umgegend der Stadt wurden einige Bomben abgeworfen. Opfer sind nicht zu beklagen. Der Schiden ist unbeträchtlich. Um 4.20 Uhr war der Alarm zu Ende.

Nach einer weiteren amtlichen Havasmeldung erschien außer den Flugzeugen, die in der Umgegend von Paris gemeldet waren, ein deutsches Flugzeug in der Nacht auch Uber der Stadt Paris selbst und warf Bomben ab, ohne aber Opfer zu verursachen

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Ausland.

Englische Schwierigkeiten in der Flugzeug-Beschaffung. Im englischen Munitionsministerium, welches auch die Flugzeug^Beschaffung mit zu erledigen hat, ist nun ein Revisions-Bericht erstattet worden. Dieser dringt auf stärkere

Ueberwachung der Finanzen dieses Ministeriums und belegt diese Notwendigkeit mit Tatsachen. Zu Anfang teilt der Bericht mit, daß 66 Millionen Pfund Sterling für nationale Werkstätten ausgegeben worden sind. 16 Millionen Pfund Sterling wu den Privatfirmen bewilligt. Der Wert des Besitzes des Ministeriums an Gebäulichkeiten, Rohstoffen und Werkzeugen in P.ivatfirmen beträgt noch einmal 17 Millionen Pfund Sterling. Viele dieser Ausgaben waren wertlos, so für eine Flugzeugmotorenfabrik, welche 35000 Pfund Sterling kostete und im Bau aufgegeben wurde. Infolge des Mangels an Arbeitskräften und Rohstoffen ist eine Menge anderer derartiger Unternehmungen gleichfalls untätig. Dem Ministerium wird vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber den Kosten der Hilfslieferungen für die Fertigfabrikation vorgeworfen, und zwar, weil die mit der Behandlung dieser Fragen betrauten Beamten häufig selbst Interessenten seien.

Unsere Gegner sehen ein, , „ a .. , , _ . daß es so nicht weiter gehen

Engl. Seeflugzeug mit geladenem Bombemnagazm. kann. Nach einer Reutermeldung empfiehlt die in London tagende Konferenz der Alliierten zur Aufstellung gemeinsamer Grundsätze für das Flugwesen die Einsetzung ständiger Ausschüsse in Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten, welche den Zusammenhang und die Zusammenarbeit in der Konstruktion von Luftfahrzeugen wahren sollen. Ein Standard-Ausschuß der Londoner Vereinigung von Zivilingenieuren soll als Mittelpunkt für die internationale Organisation dienen. Munitionsminister Winston Churchill sprach vor der Konferenz und erklärte, die Alliierten könnten durch die rücksichtslose Ausnützung ihrer Hilfsmittel in aller Welt die Entscheidung des Krieges zu ihren Gunsten erzwingen.

Firmennachrichten.

Hanseatische Flugzeugwerke Karl Caspar, A.-G. Nach dem Geschäftsbericht für das erste Betriebsjahr 1917 betrug der Betriebsüberschuß 2042339 M; dagegen erforderten sämtliche Geschäftsunkosten einschließlich Zinsen, Steuern, Versicherungsprämien usw. 6S7 356 Mk. Die Abschreibungen werden auf 735879 M. bemessen. Der Reingewinn beträgt 699163 M., dessen Verteilung wie folgt, vorgeschlagen werden soll: 15 Prozent Dividende gleich 225 000 M., Kriegssteuerrücklage 347400 M., Reservefonds 33458 M., Tantieme an den Aufsichtsrat 56070 M., Vortrag auf neue Rechnung 7234 M. In der Bilanz werden unter anderem ausgewiesen; Vorräte mit 2480071 M, Effekten mit 343000 M., Debitoren in laufender Rechnung mit 1 506843 M„ Bankguthaben mit 293244 M., andererseits Kreditoren in laufender Rechnung mit 2401 512 M.

Junkers Fokker Werke A.-G., Dessau. Dipl.-Ing. Karl Bauer ist ab 1. Februar zum Direktor bestellt.

Seife 196

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Lufttorpedo Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. Nach dem Gesellschafterbeschluß vom 14. Dezember 1917 befindet sich der Sitz der Gesellschaft in Berlin. Nach dem Gesellschafterbeschluß vom 14. Dezember 1917 bildet den Gegenstand des Unternehmens Bau von Flugzeugen und Flugzeugersatzteilen. Ferner die in derselben Versammlung noch weiter beschlossene Abänderung der Fassung der Satzung. Prokurist: 1. Siegbert Saherski in Neu Tempelhof, 2. Robert Henning in Berlin. Ein jeder ist ermächtigt, in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer die Gesellschaft zu vertreten. Die Prokura des Siegbert Saberski in Neu Tempelhof ist erloschen. Kaufmann Siegbert Saberski in Neu Tempelhof, früher Prokurist der Gesellschaft, ist zum Geschäftsführer ernannt.

National-Flugzeug-Werke G. m. b. 14, in Großzschocher, vorher in Johannisthal, eingetragen. Der Gesellschaftsvertrag ist am 29. November 1912 abgeschlossen und am 2. Dezember 1912, 7. Mai 1915 und 24. Oktober 1917 abgeändert. Gegenstand des Unternehmens ist der Bau und Vertrieb von Flugzeugen, insbesondere von Stahltauben, sowie der Abschluß aller Hilfsgeschäfte, welche zur Erreichung des Zwecks der Gesellschaft erforderlich sind. Das Stammkapital beträgt 125 000 Mk. Sind mehrere Geschäftsführer für die Gesellschaft bestellt, so sind immer nur zwei gemeinschaftlich zur Vertretung der Gesellschaft berechtigt. Zum Geschäftsführer ist der Fabrikdirektor Hans Heinrich in Großzschocher bestellt.

Bei der Firma: „Brandenburgische Plugzeugwerke, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Liquidation", Briest bei Brandenburg (Havel) ist im Handelsregister vermerkt: Die Vertretungsbefugnis des Liquidators ist beendet. Die Firma ist erloschen.

Neue Industrie-Gesellschaft Rieck & Hawerländer in Berlin. Die

Gesellschaft ist aufgelöst. Der bisherige Gesellschafter Adolf Hawerländer ist alleiniger Inhaber der Firma.

Härder R. Plugzeugbau Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. Durch den Beschluß vom 12. Februar 1918 ist die Firma der Gesellschaft abgeändert worden in: Mederer Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Maximal-Apparate-Fabrik Paul Willmann in Berlin. Gesamtprokuristen: Robert Koch zu Berlin-NiederschönhaUsen und Siegfried Weiermiller zu Berlin-Schöneberg.

Literatur.

„Einführung in die Mechanik mit einfachen Beispielen aus der Plugtechnik" von Dr. Theodor Pöschl mit 102 Textabbildungen, Verlag Julius Springer, Berlin. Preis geb. Mk. 5.60. Dieses Buch sollte ursprünglich als Hilfsleitfaden für die im Kommando des k u. k Fliegerarsenals in Wien, Unterricht nehmenden Offiziere bestimmt sein. Es enthält das Wichtigste über Festigkeitslehre und Flugtechnik. Dadurch, daß nur ganz elementare Hilfsmittel verwendet wurden, dürfte es auch breiteren Kreisen empfohlen werden können.

„Die Treibmittel der Kraftfahrzeuge" von Ed. Donath und A. Gröger, Prof. an der k. u. k. Deutschen Franz Joseph-Technischen Hochschule in Brünn. Pr. Mk. 6 80. Verl. Julius Springer, Berlin. Bei der allgemeinen Kenntnis über die Wirkungsweise des Kraftfahrzeuges , in kraftfahrenden Kreisen ist eine besonders genaue Kenntnis der Mittel zum Betriebe der Kraftfahrzeuge von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

„Störungen bei Flugmotoren ihre Ursache und Abhilfe" von K. Koch Pr. Mk. 2.70. Verl. C. J. E. Volckmann Nachf. G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg. Durch die gute Aufnahme, welche die erste Auflage fand, war die Herausgabe der jetzigen zweiten Auflage notwendig. Für denjenigen, welcher sich schnell mit dem Wissenswertesten und dem Betriebe der Flugmotoren bekannt machen will, bietet das Büchlein sehr nützliche praktische Hinweise.

„Motorenkunde für Plugzeugführer Beobachter und Werkmeister" von Dipl. Ing. O. Schwager. (Zwei Teile) Erster Teil Preis Mk. 2.70. Verl. C. J. E. Volckmann Nachf. G. m. b. H, Berlin-Charlottenburg. Der Verfasser als Lehrer für Motorenkunde in einer Militärfliegerschule hat in dem vorliegenden Büchlein alles das zusammengetragen, was der Monteur und Werkmeister bei der Ueber-wachung von Flugzeugmotoren wissen muß.

Jllustrirte

No. 9

technische Zeitschrift und Anzeiger or0|,hrp._1M,

24. April für c'as gesamte Ausland

Jl8-m 1 „Flugwesen" Eln,^\w

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Talef. Hansa 4557 Oskar Ursin US, Civilingenieur. Tai.-fldr.: Urslnus. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8.

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — = Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. = Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 8. Mai.

Hyänen.*)

Unsere Tüchtigsten betrachten es als ihre vornehmsto Aufgabe zur Zeit für die Front ihre Bestes zu geben. Alle anderen Aufgaben wurden als weniger wichtig zurückgestellt.

Diese Situation des Unbeobachtetseins erschien gewissen Elementen günstig, auf Raub auszugehen Wir haben oft genug darauf aufmerksam gemacht; und rufen es heute nochmals den Stellen zu, die es angeht. — Luftverkehr und Luftpost sind Allgemeingut. Wacht darüber, damit nicht später einmal Ihr wegen schwerzulösender Verträge usw. zur Rechenschaft gezogen werdet.

Die Luftverkehrsfrage zu behandeln wäre wichtiger wie die von Daimler, der ja billiger liefert wie alle anderen.

Es ist entschuldbar, nachdem im Ausland fortgesetzt über die .Luftverkehrsfrage gesprochen wird, wenn unsere Gemeinden dieser Frage Interesse entgegenbringen. Wenn die Frage aus anderen Gründen vorläufig zurückgestellt wurde, so haben jedenfalls diejenigen, die die Zurückstellung veranlassten die Pflicht zu sorgen, daß uns koine Nachteile entstehen.

Es muß sofort entweder mit der Luftverkehrsfrage sich zu beschäftigen überhaupt verboten oder ein Organ geschaffen werden, das unter Berücksichtigung des Allgemeininteresses, ausgestattet mit technischen Fähigkeiten, die Behandlung der Luftverkehrsfrage in die richtigen Wege leitet.

Es ist höchste Zeit! ! — —. Warum Uebel erst aufkommen, lassen, die später mit Mühe beseitigt werden müssen!

*) Vergi, tien Abschnitt Luftverkehr.

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Doppeldecker Rumpler C IV.

(Nach franz. Darstellung.) (Hierzu Tafel V.)

Dieser Doppeldecker, so berichtet l'Aerophile, zählt zur C-Klasse Armee-Flugzeuge zum mannigfaltigen Gebrauch, ein Vorzug dieser Klasse.

Auf j den Fall ist es sehr interessant, ihn kennen zu lernen, schon wegen seiner großen Schnelligkeit, die der eines Jagdflugzeuges gleichkommt. Die Flugtätigkeit in großer Höhe hat die Deutschen veranlaßt, einen besonderen Atmungsapparat zu benutzen. Die Aufstieg-gesohwindigkeit des Rumpler 0 IV ist ebenfalls sehr groß (5000 m in 35 Minuten).

Trotz der vielen Aehnlichkeiten mit dem Rumpler C III, 160 PS Mercedes, ist der Rumpler 0 IV durch seine großen Abmessungen doch von ihm verschieden.

Die Gesamtlänge mißt 0,50 m und die Gesamt-Spannweite 0,35 m mehr.

Vergleichsabmessungen.

Rumpler C III Rumpler C IV Obere Spannweite 12,25 m 12,60 m

Untere Spannweite 11,05 m 12,10 m

Gesamtlänge 7,90 m 8,40 m

Höhe 3,20 m 3,25 m

Leergewicht 828 kg 1010 kg

Flächen.

Die oberen und unteren Flächen haben Pfeilform: 3°. Das V wird gebildet durch ein Aufbiegen der beiden Flächen um 2", bei einem anderen Typ um 23/4°. Die Flächen sind um 0,60 m nach vorn gestaffelt. Die äußeren Ränder sind starr. Die Rippen sind verleimt, durchlocht und 0,30 m von einander entfernt. Der Einfallswinkel ist gleichförmig und beträgt 5°.

Bei einem anderen Flugzeug bemerkt man folgende Anordnung: Erste Rippe 3°; fünfte Rippe 5°; elfte Rippe 43/4°; vierzehnte Rippe 4V4*-Die oberen Flügel stehen an den äußeren Enden über die unteren um 0,25 m vor.

Die oberen Tragdächen

haben von oben gesehen Trapezform mit abgerundeten Ecken. Ueber dem Führersitz ist die obere Tragfläche halbkreisförmig ausgespart. Ihre Maximaltiefe beträgt 1,07 m. Jede obere Fläche hat 19 große Rippen mit 5 Zwischenteilen aus Stahlrohr. An den Enden befindet sich je eine leicht aufgebogene Verwindungsklappe, deren Tiefe (innerer Rand) 0,50 m und (äußerer Rand) 0,65 m beträgt. Die Breite der Verwindungsklappe beträgt 2,65 m am Scharnier und 2,70 m an der Hinterkante.

Die unteren Tragflächen

sind auch wie bei anderen deutschen Flugzeugen, so z. B. bei dem D. F. "W. an den Ecken abgerundet. Der Bogen, der den hinteren Rand bildet, ist größer als der, der den vorderen Rand bildet, dadurch erhalten die unteren Flächen die Form eines Propellerblattes.

Jede untere Fläche besitzt 17 große Rippen und 4 Zwischenrippen aus Stahlrohr.

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Ein Stück Furnier mit Metall bedeckt dient dem Flugzeugführer als Trittbrett.

Die Spannturmstreben (zwei Paar an jeder Seite des Rumpfes) stehen sehräg. Ihre Abmessungen sind: Das Profil der vorderen inneren Strebe mißt 0,105 m und das der hinteren inneren 0,23 m, während die äußere vordere 0,09 m und die hintere äußere 0,085 mißt.

Der Flächenabstand beträgt 1,85 m Staffelung inbegriffen. DieTotal-Tragfläche hat 33,5 qm und setzt sich zusammen aus: Obere Fläche 20 qm, untere Fläche 13,5 qm.

Die Vorspannung bat dieselbe geblieben, wie bei dem vorhergehenden Rumpler.

Die nichtsteuerbare Stabilisierungsfläche ist viel weniger tief als bei den vorhergehenden Modellen. Die Formen des vorderen Randes nähern sich dem Halbkreis.

Die Stabilisierungsfläche ist nach unten durch Streben mit der Unterkantö des Rumpfes und nach oben mit der Kielflosse verbunden.

Die Streben, die die Stabilisierungsfläehe am Rumpfe befestigen, bestehen aus ovalen Rohren, die auf der hinteren Kante mit Spitze bewahrt sind. Diese Anordnung, die man bereits an dem Rumpler C III beobachten konnte, scheint bestimmt zu sein, das Personal daran zu hindern, das Flugzeug an diesem Streben anzugreifen.

Das Höhensteuer besteht aus zwei Klappen mit nach vorn gerichteten dreiecksförmigen Ansätzen. Außer dieser Anordnung kann man im Vergleich mit anderen deutschen Apparaten keinen Unterschied bemerken. Die größte Breite beträgt 3,70 m und die Tiefe 0,61 m. In der Ausparung zwischen den beiden Klappen schwingt das Seitensteuer.

Das Seitensteuer hat dieselbe Form wie bei dem C III. Die Tiefe beträgt 0,61 m und seine größte Höhe von der Rumpfbasis ausgehend erreicht 1,20 m.

Doimeluecker Kimmler 0 IV.

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"Wie früher besteht das innere Gerippe aus Stahlrohr. Die Steuerseile gehen durch das Rumpfinnere, um Störungen zu vermeiden sind sie durch kleine HoUrohre geführt.

Der Rumpf

hat rechteckige Form mit abgerundetem Rücken, die größte Weite bei dem Führersitz beträgt 0,95 m. Nach hinten wird er schmäler und geht in eine Vertikalflosse aus.

Sein Bau ist wie gewöhnlich, vier Holme mit Streben und gekreuzten Verspannungen Vorn und hinten ist er mit Furnier bedeckt. Die Mitte ist mit Stoff umkleidet. Die Rumpfform ähnelt der des Rumpier C III, jedoch erscheint er durch seine etwas größere Länge schlanker. Der Rumpier CIV besitzt eine Heine-Schraube, deren Durchmesser 3,17 m beträgt. Wie bei allen deutschen Flugzeugen ist auch hier vor der Schraube eine Haube angebracht. Bei verschiedenen neuerdings eingebrachten neueren deutschen Flugzeugen ist die Haube durch einen kleinen Konus ersetzt, der vor der Schraube aufgeschraubt wird. Als

Motor

wird teils ein Mercedes 260 PS oder ein Maybach 250 PS, beide mit sechs Zylindern verwendet. Im ersten Fall ist der Motor leicht nach rechts geneigt, nur um das Saugrohr an dem Spannturm vorbei führen zu können. Beim Maybach-Motor, der etwas mehr Raum frei läßt, ist diese Maßnahme nicht nötig.

Der Motor wird durch zwei Benzinbehälter gespeist; der Haupt-benzinbshälter, der 220 Liter faßt, befindet sich unter dem Führersitz, der zweite Hilfsbehälter, der 70 Liter faßt, befindet sich zwischen dem Rücken des Führers und der Trommel des Maschinengewehrs. Diese Benzinmenge sichert einen Flug von ungefähr vier Stunden.

Wohnbaracken lind Unterstände einer engl. Flieger-Abteilung auf einem engl. Flugplatz.

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Seile 201

Bei dem Rumpier mit Maybach-Motor sind die Benzinbehälter seitlich des Rumpfes angeordnet.

Die Haube läßt die Zylinderköpfe frei. Sie gibt rechts einem Maschinengewehr „Spandau" Raum, das durch den Motor gesteuert, durch den Propeller schießt.

Der Auspuff erfolgt nach oben mittels eines Hauptauspuffrohrs, in das die sechs Zylinder münden. Dieses Rohr ist nach hinten gekrümmt und ist von der Mitte ab in drei Arme geteilt. Dadurch soll wahrscheinlich g räuschloses Laufen verursacht werden.

Der bienenborbartige Kühler ist wie früher auf den beiden \orderen Masten der Verspannung vor den oberen Tragflächen angebracht. An der Basis ist er beinahe halbkreisförmig.

Man muß noch eine Reihe kleiner Flächen beachten, die gegenüber dem Fußpedal des Führers angebracht sind, und durch denselben gesteuert werden können. Diese Anordnung, die wir schon besitzen, dient dazu, die Kühlfläche zu decken und so die Wasserkühlung zu regulieren.

Der Beobachtersitz liegt in einem drehban n Kreuz von 0,9 m Durchmesser, auf dem ein Maschinengewehr Parabellum befestigt ist. Führerund Beobachter sind sehr nahe bei einander. In dem Beobachter -raum ist Platz für Bomben in verschiedenen Größen. Iii dem Boden ist eine Oeffnung für das Fotografieren. Ein Holzrobr, das von innen sichtbar ist, dient als Visierkorn für das Bombenwerfen. Drahtlose Telegrafie ist angebracht.

Das Fahrgestell

hat eine Spurweite von 1,88 m (7 cm weniger als beim Rumpier C III). Es besteht aus einem Paar Räder von 810X110 mm.

Ein Bremssporn ist nicht vorhanden. Ein Hauptkabel führt vom vorderen Rumpfteil nach der unteren Befestigung der inneren vorderen Strebe. Diese Kabel waren bei verschiedenen Modellen des CHI verschwunden. Bei dem oben beschriebenen Typ waren die unteren Seiten der Flächen und des Rumpfes hellblau bemalt. Die Seiten sowie die Oberseite des Rumpfes und der Flächen waren grün und braun gefleckt.

Verwundet gefangen genommene]' Führer eines ahgesrhossojien englischen Flugzeuges.

Wolinnaraeken iiik! liiiterstüiitle einer engl. Flieger-Abteilung auf einem engl. Flugplatz.

Verwundet grf:iiiíítin ¡ícu ominen er Fülirer eines aüíjesehossoiiL'ii (inaliseliPu 1-*1uí;íccu<íl*s.

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Verzeichnis der 160 im Monat März 1918 in unserem Besitz gebliebenen feindlichen Flugzeuge.

Englische. 21 Sopwith. Einsitzer: Cterget Nr. 8477, Lt Niel tot; Nr. 9147 Lt. Edmonds verwundet; Nr. 4889, Name des Insassen nicht feststellbar, tot; Nr. 9229, Lt. Holt, Schicksal unbekannt: Nr. 6720, Hpt. Luxmoore gefangen; Nr. 1666, Oblt. Rüssel tot; Nr. 3781, Lt. Steevas gefangen; Nr. 7217, Lt. Allison tot; Nr. 9193, Lt. H. J. Dougoll gefangen; Nr. 9317, Lt. Schleyk gen. Falkenberg gefangen; Nr. 5249, Oblt. J. Law gefangen; Bei 10 Sopwith-Einsitzern waren die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

20 S. E. 5. Einsitzer: Nr. 8264, Name des Insassen nicht feststellbar, gefangen; Nr. 9538, Major L. A. Tilney tot; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Lt. T. Forster gefangen ; Motor Hispano Suiza Nr 2233, Lt. W. F. Poulter gefangen; Nr. 9157, Name des Insassen nicht feststellbar, tot; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Insasse verwundet,

Zweisitzer: Motor Wolsely SuizaNr.2139,2328,Lt.J.A. Kudden tot, Name des anderen Insassen nicht feststellbar, beide Insassen tot; Bei 12 S. E. 5 waren die Nummern des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

15 Sopwith Camel. Einsitzer: Nr. 3905, Sub. Lt. R.H. Cas-grain gefangen; Nr. 4719, Lt. J. H. Flerd gefangen; Nr. 7230, Sub.

Itesiegt! In Brau 1 gcsclnrwncs feindliches Flugzeug, das in Flammen gehüllt niederstürzt, von dem deutschen .siegreichenFlugzeug aus fotografiert.

Mo. 9

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Lt. K. D. Champbell gefangen; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Lt. E. E. HeatÜ verwandet; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Lt. Ivany gefangen; Motor Nr. 15633, Lt. A. Clark tot; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Insasse Kanadier gefangen; Nr. 6420, Hptm. Rieh. Minifie gefangen.

Zweisitzer: Clerget Nr. 21060, Lt. I. N. L. Millett tot, Name des anderen Insassen nicht feststellbar; Nr. 5208, Lt. W. H. Nicholls gefangen, Name des anderen Insassen nicht feststellbar; Nummer nicht fesstellbar, Alfr. Leonhard, Jurgis Jaylor; Bei 4 Sopwith Ca,mel waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

1 Sopwith Dolphin. Einsitzer: Nr. 3905, Name des Insassen nicht feststellbar.

15 Bristol. Zweisitzer: Motor Siddeley Deasy Nr. 22825, Namen der Insassen nicht feststellbar, tot; Rolls Royce Nr. 399, Hptm. Kennedy, Lt. G. Grill tot; Nr.4824, Lt. J. A.A. Ferguson, Lt.L. Long gefangen; Nr. 1251, Lt. Cyrill Clutterbock, Henri Sparks gefangen; Nr. 1250, Lt. A. P. B. Boyoe, Lt. Cyrill B. Freton, gefangen; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, G. R. Cramtnond, Lt N. B. Wells gefangen; Nummer des Flugzeuges nicht fesstellbar, Lt. N. Watson, Lt. Allan; Nr. 4844, Name der Insassen nicht feststellbar; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Lt. Lee tot, Name des anderen Insassen nicht feststellbar; Nr. 117.1, Name der Insassen nicht feststellbar, Beobachter tot, Führer gefangen; Bei 5 Bristol Zweisitzern waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

Erbeutete engl. Flugabwehrkanone auf der Straße nach Bapaume.

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10 D. H. 4. Zweisitzer; Motor Rolls Royce Nr. 7235, Lt. Mc. Kim, Lt. C. ß. H. Pfolliot tot; Nr. 8)43, Lt. R. A. Mayne verwundet, Lt. F. V. Scott tot; Motor Nr. 7255, Lt. J. Attwood tot, Name des anderen Insassen nicht feststellbar; Motor Rolls Royce, Unt. Lt. R. Culdercott, F. Tomas gefangen; Nr. 7976, Lt. Colograve tot, Beobachter verwundet; Motor Nr. 12153, Lt. Allen, Schütze Sutclifft gefangen; Bei 4 D. H. 4 Zweisitzern waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

10 R. E. 8. Einsitzor: Motor Wolsely Hispano Nr 793, Oblt. "Whitehead tot; Nr. 6025, Name des Insassen nicht feststellbar; Nr. 6564, Name des Insassen nicht feststellbar; Nr. 220118, Insasse tot; Nr. 8884, Lt. E. Pickford gefangen; Bei 5 R. E. 8 Einsitzern waren die Nummern des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

9 Spad. Einsitzer: Nr. 1945, Name de< Insassen nicht feststellbar tot: Nr. 1019, Mechaniker Gay; Nr. 13, Name des Insassen nicht feststellbar; Bei 6 Spad Einsitzern waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

2 Nieuport. Einsitzer: Nr. 5624, Lt. L. A. Edens tot; Nr.6823, Lt. R. E. Neale tot.

3 Martinsyde. Nr. 7767, Name des Insassen nicht fesstellbar tot; Nr. B. 102, Name des Insassen nicht feststellbar; Bei einem Martinsyde Einsitzer waren die Nummer der Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

2 B. F. Nummern der Flugzeuge und Namen der Insassen nicht feststellbar, einer tot.

1 F. E. Zweisitzer: Nr 5703, Lt. Taylor, Lt. Shakesby gefangen.

Außerdem blieben noch 10 Flugzeuge in unserem Besitz, deren Typ nicht feststellbar war.

Französische. 11 Breguot. Zweisitzer: Nr. 1278, Corp. Michel, M. H.Schütze Louis Herzog; Nr. 1272, Führer A. Larroneau, Beobachter unbekannt, beide tot; Nr. 1206, R.Glenisson,Taulera, gefangen; Nr.1479, Hptm. Lavidalie, Untlt. LeBontir gefangen; Motor Renault, Führer tot; Nr. 1524, Haupt. Paul Moulines tot, Lt. Lecreux gefangen; Nummer nicht feststellbar, Beobachter verwundet, Führer tot; Nr. 1206, 2 Unteroffiziere, beide gefangen; Nr. 1277, Besatzung gefangen; Bei 2 ßreguet Zweisitzer waren die Nummern des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

12, Spad. Einsitzer: Nr. 3144, Hptm. Müller tot; Nr. 1765, Sergt. Tb.Hitschock verwundet; Nr. 2167, Untlt. Francois de Mortemart tot; Nr. 1437, Name des Insassen nicht feststellbar, gefangen; Nr. 5309, Pierre Bruley tot: Nr. 1195, Name des Insassen nicht feststellbar, tot; Nr. 3072, Lt. Pozzo g fangen; Nr. 3216, Untlt. Guillard gefangen.

Zweisitzer. Nummer des Flugzeugen nicht feststellbar, Amerikaner Posse to , Name des anderen Insassen unbekannt, tot; Nr. 1986, Jean ßaptiste, La ey, beide tot; Nr. 60S4, D. Argence, Jul. Ledig gefangen; Bei oinem Spad waren die Nummer des Flugzeuges und der Name des Insassen nicht feststellbar.

4 Sopwith. Zweisitzer: Nr. 3476, Lt. Mallot, Sergt Gacor tot; Nr. 4130, Hptm. G. Bloch, Mechaniker B. Breur gefangen;

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Nr. 2629, Sergt. F. R. Debrais, Corp. J. Hommin gefangen; Nr. 438r Nammen der beiden Insassen nicht feststellbar, tot.

1 Nieuport. Einsitzer: Nr\4713,Corp.MarcelJametverwundet.

1 Morane-Saul n ier. Einsitzer. Nr. 1512, Corp. Daniel "Winter tot

1 S. E. 5. Einsitzer: Nr. 1057, Lt. Wigan gefangen.

1 D. H. 4. Zweisitzer: Motor Rolls Royce Nr. 3275, Lt. Wilson verwundet, Lt. Claus tot.

1 Voisin. Einsitzer: Nummer des Flugzeuges und Name de» Insassen waren nicht feststellbar.

Außerdem fielen noch 8 Flugzeuge in unseren Besitz, deren Nationalität und Typ nicht feststellbar waren.

SUdostfront. 1 R. E. Einsitzer: Nummer des Flugzeuges nicht-feststellbar, Lt. Gaynor gefangen.

Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt.

Nach vierjähriger, durch den Krieg erzwungenen Pause, hat die Vereinigung unserer deutschen Flugtheoretiker ihre Tätigkeit wieder aufgenommen und ihre-Mitglieder auf die Tage des 16.—18. April nach Hamburg berufen gehabt. Die Beteiligung war, unter den derzeitigen Verhältnissen eine recht stattliche, über 200 Personen; immerhin hätte man wünschen können, daß mehr von den technischen Pionieren teilgenommen hätten, deren Wagemut und vorausschauender, praktischer Blick die Grundlagen der heutigen Flugindustrie bereits zu einer Zeit legten, als die Wissenschaft noch mehr oder weniger unfruchtbar war, ja sein mußte, weil ihr noch nicht die reichen praktischen Erfahrungen der Flue-techniker oder Flieger zur Verfügung standen, wie heute. Der Geist der Gesellschaft — Pflege der Wissenschaft um ihrer selbst willen — gab der Veranstaltung ihr Gepräge. Das Kriegsministerium, als dessen Vertreter Generalmajor Oschmann den Verhandlungen mit großem Interesse folgte, das Kultusministerium, Reichsamt des Innern und andere Behörden hatten ihre Fachdezernenten nach Hamburg gesandt, die gastfreie Stadt selbst war durch den regierenden Bürgermeister, Magnifizenz Dr. von Melle und den Handelskammer-Vorsitzenden Heye vertreten. Exzellenz von Falk, der stellvertr. Kommandeur des IX. Korps repräsentierte die örtliche Militärbehörde. Prinz Heinrich, der Ehrenvorsitzende der Gesellschaft, war am Erscheinen verhindert.

Geh. Reg.-Rat von Böttinger eröffnete die Tagung der Hauptversammlung am Morgen des 17. April im Curio-Haus; er weihte den Toten die die Vereinigung zu beklagen hat, Worte der Erinnerung, wobei er mit besonderer Wärme an den Grafen Zeppelin und den verdienstvollen früheren Geschäftsführer und Mitbegründer der Gesellschaft, Ing. Bejeuhr, erinnerte und er gedachte auch der Kameraden im engeren Sinne draußen an der Front, die hoch in der Luft für uns gekämpft haben und weiter kämpfen, und ohne die der Krieg und das Geschick des Vaterlandes wohl einen andern Verlauf genommen hätte.

Das Fortbestehen der Gesellschaft schien in der ersten Kriegszeit sehr in Frage gestellt, da ihre Haupttätigkeit des Auslands und der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntn s so gut wie lahmgelegt war. Doch ist die Mitgliederzahl nach unbedeutendem Ausfall wieder auf 400 gest egen, sodaß die Gesellschaft ihre Feuerprobe überstanden zu naben scheint.

Inzwischen ist das Kaiser Wilhelm-Institut für Aerodynamik in Göttingen, das Prof Prandtl angelegt hat und leitet, fertig gestellt und hat bereits im Anfang vorigen Jahres seine Arbeiten aufgenommen. Daß es nach Maßgabe der vorhandenen Mittel dem zur Zeit seines Entstehens vorhanden gewesenen Stande der Prüftechnik entspricht, versteht sich von selbst. Die Prüf-kanalgeschwindigkeit von 60 m/sek ist allem Anschein nach bisher noch in keiner derartigen Prüfstätte größeren Um'anges — auch nicht im Auslande — verwirklicht worden. Hier hat der Krieg schaffend und nicht zerstörend gewirkt. Die Einzelheiten müssen späteren Veröffentlichungen vorbehalten bleiben.

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Dem Andenken Otto Lilienthals ist zusammen mit anderen Luftfahrt-Verbänden eine Ehrenplakette für das deutsche Museum in München gewidmet worden.

Dem Zusammenschluß der Luftfahrt-Organisationen, der von maßgebender Stelle angeregt war, hat die Gesellschaft dadurch gedient, daß sie mit dem Arbeitsausschuß für die deutsche Luftfahrt (A. D. L.) ein Abkommen der Interessengemeinschaft getroffen hat, das eine gewisse Selbständigkeit wahrt.

Aus dem Wissenschaflich-Technischen Ausschuß berichtete Major Prof. von Parseval nur, daß d.r vor dem Kriege ausgeschriebene Wettbewerb für einen Beschleunigungsmesser, zu dem auch eine Reihe von Modellen und .Zeichnungen geliefert worden ist, des Krieges wegen nicht hat zur Entscheidung gebracht werden können, weil die Gelegenheit zu Vergleichsflügcn zu sehr beschränkt ist.

Der Ausschuß für Navigierung, der nach dem Hinscheiden des Korv.-Kapitäns Friedländer vom Geh. Adm. Rat Capelle geleitet wird, hat ein reiches Material auf terrestrischem und astronomischem Gebiet für Höhen- Neigungs- und Geschwindigkeitsmessung und für Richtungsweisung bearbeitet, zu dessen Sichtung und weiterer Bearbeitung ein Betrag von 6000 Mk. bewilligt wurde.

Auch der Ausschuss für konstruktive Fragen, der unter Prof. Re issners Vorsitz erst kurz vor dem Kriege wichtige Ergebnisse abgeschlossen hatte, ist auf Grund der Mitarbeit von Geheimrat MUller-BresIau zur weiteren Verfeinerung der Methoden statischer Berechnung der Flugzeug-Bauglieder gelangt und hat sich den Anregungen von Prof. Junkers über den Aulbau verspannungs-loser Flugzeuge angeschlossen. Weitere Lücken auf dem Gebiete der Verspannung und der Luftschrauben harren der Schliessung.

Nach dem Kassenbericht, den üblichen Entlastungs- und Wahlformalitälen nahm nunmehr die Versammlung die angesetzten fachwissenschaftlichen Vorträge «ntgegen. Leider war Oberstleutnant Siegert, der Uber die Flieger an der Front und in der Heimat zu sprechen gedachte, dienstlich verhindert, sodass sich <lie Versammlung zu ihrem Bedauern der erwarteten Anregungen des Inspekteurs <ler Fliegertruppen beraubt sah.

Den Reigen der Vorträge eröffnete Prof. Bendemann, er sprach über die feindlichen Flugwissenschaften im Kriege Sind einerseits die Veröffentlichungen der Fachzeitschriften auch nicht immer einwandfrei und wahrscheinlich mitunter mit Aufsätzen versehen, die einem bestimmten Zwecke der Fernwirkung auf uns dienen sollen, so ist der unfreiwillige „Oeffentlichkeits-Ersatz", den sie uns in erbeuteten, zuweilen nagelneuen Maschinen z B. (Handley Page) in die Beutehalle liefern, ein äusserst dienliches Mittel, die Fortschritte beim Feinde festzustellen. Man muss nur bedauern meint der Vortragende, dass dies nicht auch im Frieden so bleibt.

An der Spitze des englischen Flugwesens steht das Luftamt (Air board); ihm gelang es schliesslich Ende 1917 die bis dahin zwischen den Heeres- und Marinefliegern bestehenden starken Differenzen durch die Air force bill zu beseitigen. Einen Begriff von der Grösse dieses Amtes erhält man, wenn man erfährt, dass das Hotel Cecil zu klein geworden und beabsichtigt war, das Luftamt im Britisch und Kensington Museum unterzubringen, allerdings ein Plan der nicht ausgeführt wurde.

Die oberste flugwissenschaftliche Centralstelle ist das A d v i s o r y Committee for Aeronautics, an dessen Spitze Lanchester und Lord Rayleigh stehen. Die Berichte, die diese Behörde von Zeit zu Zeit heraus gibt, scheinen nach Ansicht des Vortragenden weniger einem rein wissenschaftlichen Zweck zu dienen, als für das Parlament bestimmt zu sein.

Dem Committee unterstellt ist die staatliche Flugzeugwerk die Royal Aircraft Factory in Farnborough und das National Physical Laboratory in Teddington bei London. Beide Institute nutzen in guter Weise die technischen Geisteskräfte des Landes aus. In Teddington sind neuerdings 3 weitere Prüfkanäle mit geschlossener LuftrUckführung und Geschwindigkeiten bis zu 25m in der Sek. aufgestellt worden. Eine besondere Metallurgische Abteilung dieser Anstalt, die sich an das englische Materialprüfamt anlehnt und sogar Giesserei und Walzwerk besitzt, ferner leichte Legierungen, Stahlsorten, schweissverfahren, Lötungen usw. untersucht, scheint guten Einfluss auf die englische Flugzeugherstellung gehabt zu haben. Schliesslich ist noch die Aeronautical Society zu erwähnen.

Amerika hat Parallel-Einrichtungen im National Advisory Committee> im Massachusetts-Institute of Technology und bezüglich der Luft-

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Interessen-Vereinigung in der Institution of Automobile Engineers, die sich Verdienste auf dem Gebiet der Normalisierung erworben hat. fn Washington ist ein Prüfkanal von 2,5X2,5 m Querschnitt vorhanden, der mit einer Leitung von 500 PS eine Luftgescnwindigkeit von 18 m/Sek. dauernd und 33,5 m/Sek. vorübergehend liefert. Neue Sirömungsbeobachtungen haben hier wieder die völlige Gültigkeit der Reynoldsschen Aehnlichkeitsregel ergeben. Ueber die Fortschritte im einzelnen berichtete der Vortragende, daß die Feinde sie nach ihren eigenen Angaben auf zwei Wegen zu erreichen suchen: 1. durch Verfeinerung der Konstruktion (Widerstandsminderung), 2. durch Verstärkung der Motoren (bis zu 350 PS). Ueberau hat man jenseits der Front jetzt die Rotationsmotoren durch Standmotoren ersetzt, zweimotorige Flugzeuge gepflegt und Flugboote gebaut. Die erzielten Geschwindigkeiten betragen bei Jagdflugzeugen 170 —200, bei Kampfflugzeugen 150 km/Stunde. Die Nutzlast geht bis auf 2500 km, der Aktionsradius bis 400 km (Jagdfl.), 1000 (Kampffl.) und 1800 (Großfl.). Die Stellung Englands zur Frage der Großflugzeuge Ut eine geteilte. Handley Page ist ihr entschiedener Anhänger im Gegensatz zu Lanchester. Italien hat einen Dreidecker mit drei Rümpfen herausgebracht.

Die Prüfung der Flugzeug-Leistung ist Uberall Aufgabe der wissenschaftlichen Stellen geworden, da die genaue Feststellung der Geschwindigkeit schwierig und das Steigvermögen von der meteorologischen Lage abhängig ist. In England führt man neuerdings auch Bruchversuche an Modellen durch, deren Werte man

Deutsche Infanterie im Walde bei Liez, von einem Infanterieflieger aufgenommen. Da die Truppen beim Stürmen keine Siehtzeichen für den Flieger auslegen konnten, stieß er so tief auf die Erde herunter, daß er an der Uniform Feind und eigene Truppe unterscheiden konnte. Man sieht auf dem Bilde deutlich, wie die Infanteristen dem Flugzeug zuwinken. Der Wald ist durch schweres Artilleriefeuer vollkommen verwüstet.

Seile yis „KL [JOS ['ORT'

mit Hilfe verfeinerter Eulerschcr Knickfonneln umrechnet, was außer Kosten-Ersparnis auch noch gewisse Berechnungs-Vorteile zur Folge hat.

England bevorzugt bei Motoren cie V-Form, mit der sich I is zu 350 PS. gute Leistungen erzielen lassen; unsere stehenden Zylinder glaubt man drüben uls lückständig ansehen zu müssen Trotzdem hat das Technical-Departement überallhin sehr gute Zeichnungen unserer Motore versandt, ebenso wie in Frankreich L'Acrophile für rasche Verbreitung guter Wiedergaben unserer Flugzeuge Sorge tragt,

Der amerikanische Liberty-Motor, der bekanntlich*) eine bittere Enttäuschung gebracht hat, ist in einem Unterdruck-Prüfstand auf seine Geeignetheit für große Höhen untersucht worden. In seinem Betongewölbe kann die Luft auf eine deru/tige Luftdichte verdUnnt und aiuh roch gekühlt werden, daß Verhältnisse wie in ötoo m Höhe geschaffen werden.

In Frankreich wendet man in neuerer Zeit zur Bearbeitung von Luftschrauben automatische Fräsmaschinen an, die die Schraube durch Abtasten eines Modells aus dem vollen Schichtenblock herausarbeiten.

Zum Schlüsse seiner Ausführungen betonte Prof. Bendemann. daß wir wohl noch lange nach dem Kriege auf uns selbst gestellt sein werden, da die Flrrgtech-nik ihrer miliiärischeu Bedeutung wegen eine Geheimniswissenschaft bleiben wird.

Hierauf sprach Prof. Ahlborn über den Segelflug der Vögel. Wie bekannt, hat dieser Hamburger Physiker bereits einmal in der Anfangszeit menschlicher Flugkunst auf die Nutzanwendung eines Naturer Zeugnisses, des Zanonia-Saniens, hingewiesen und dadurch Veranlassung zum Bau der flugstabilen doppelt geschwungenen Tragllachen der Tauben-F.indecker gegeben. Man sah daher seinem Vortrage mit Interesse entgegen Prof. Ahlborn stützte seine durch Lichtbilder veranschaulichten Ausführungen auf Beobachtungen, die er an der mazedonischen Front, in zerklüftetem Bergland, hauptsächlich an Geiern mit über 2 m Flügelspunnweite zu machen Gelegenheit hatte.

Die geheimnisvolle Kunst der Vögel, so etwa führte er aus, ohne erkennbar*1 n eignen Arbeitsaufwand (Flügelschlag) schweben und sich in größere Höhen hinaufschrauben zu können hat der Mensch seit Jahrhunderten zu erforschen versucht, doch immer verg blich. Schon die Bezeichnung „Segelflrig' drückt einen der hierbei gemachten Irrtümer aus, denn es fehlt zum Segeln an der Gegenwirkung eines Kieles. Auch die hereits im Iii. Jahrhundert von Aldrovatidi aufgestellte Hypothese nicht wahrnehmbarer Schwingungen der Flügelenden trifft für derartige Flüge nach Ansicht der Vortragenden nicht zu Die Erklärung Otto Lilicnihals, der eine nach vorn gerichtete Komponente herausgerechnet hat, hält Ahlhorn für ebenso hinlüllig, wie in neuererZe.it die seines Bruders Gustav, der Wvibelbildungen> <n hohlen Flüchen als Ursache nachgewiesen haben will. Die Ursache muß außerhalb des Vogels vorhanden sein und kann — abgesehen vorn G!eitllug nur auf der Ausrritzting von Eigenschaften des Windes beruhen. Dieser Ansicht ist u. a. auch Lord Rayleiglr. Entweder nutzt der Vogel aufsteigende Luftströmungen in einer Art Gleilflug oder die bewegter Lutt stets innewohnenden Wirbel aus; auf letztere als Tiirbulenzenergie bezeichnete Arbeits-F.igcnschaft des Windes als Ursache des Segelfluges hat hereits VWinillard ISS1 hingewiesen und Langley, Marey und I.aiicln-ster 11 a. haben sich dieser Ansicht angeschlossen und sie durch Versuche zu erweitern versucht, die /um Teil \ou irrtümlich!n Voraussetzungen ausgingen, je..'enla!|s nicht zu einer restlosen Aufklärung führten. Zwei Tatsache Ii üheriiiuiuil Ahlhorn von den früheren Forschern als richtige, i<ä nilicli 1) daß zum Segelflug Wind nötig ist. und '>) etuLi der Vogt I die- Unsjleichförn.igke it des Windes benni/.t. wobei diese Tiithiiletiz-ericrgiccii Kräfte \ ein derselben (itöti«! wachrufen, wie die Flügelschlage. Diesen beiden Tatsache 1 fügt er als dritte die hinzu, daß der eigentliche Segel fing nur auf irgendwie gekrümmten ('■ahnen erfolgen kann. Die t'ir-gleichlürmigkeit des Windes äali-rt sich i äni'ich niclil allein in flngpiirallcli in Sinne sondern auch - ei t ich, und während im ersteren Falle die Schwerkraft dem eTlnrderlieheii Widerstund zur Bildung von Auf I riebsl; i allen dar-lelll im Ii air Aa-iial/iing der -.eillicheri I'ng!e icl)fi>riiiigla-i!eii, die .. ige■ 111iie 11 eine '-eiikree hie dann abe-r lliiguii^tahile, /weekiDiiliiger daht i i ^utlah -.cliaei l'liigid-t.'lhitür erfordern.' auch - ..;tl , he ' (ie ;ir',: zar W iter-dumt ■-

!■ ! ant; \ ■ a haia'i il -.ein. mal aa > a ;(1 n / n t i i t i;^ i I - i , i t e i; hei g e Iii ii in in irr Hiigbnhti ijpjcIm r Ui-U in der Vom | ka - i.ut/l er .i|sn laehi ■ »Ii r ai ini. r -ei:k:eclil gegi ii ,1. Fl'!^. :unl> rlKUlu! g.-ru'ht.-t.' W:iid»t.".r.r au«,

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wobei ihn] die durch das Kreisen entstehenden Zentrifugalk äfte als Reaktionen dienten. Diese Ahlhornsche Erklärung löst einen großen Teil der Schwierigkeiten, die bei den bisherigen Betrachtungen des Problems in nur zweidimensionalem Sinne auftraten. Beigetragen zu dieser unvollkommenen Auffassung hat Jer Umstand, daß die übliche Windbeoh chtung mittels Windfahnen und Anemometer nicht die drehenden Eigenschaften der räumlichen Luftwirbel zu erfassen vermag, sondern nur sich auf Abweichungen der Richtung und Geschwindigkeit der Luftströmung von bezw. in der mittleren Windrichtung erstreckt. Immerhin weist sie nach, daß die Stärke der Abweichungen poporlional der minieren Windstärke ist, und hieraus läßt sich im Verein mit dem dritten Ahlbornschen Grundsatz erkennen, warum der Segelflug der Vögel um so wirksamer ist, und warum die Kreise, die der Vogel beim Segelflug zieht, um so enger werden, je stärker der Wind weht, und daß es nicht nötig ist, für den Segelflug das Vorhandensein aufsteigender Luftströmungen annehmen zu müssen. Auch eine Reihe anderer beobachteter F.rschciniingen finden in der Ahlbornschen Auffassung nunmehr ihre Erklärung.

Die Frage nach der ¡\utzariwendung der meisterlichen Kunst der Natur beiaht Prof. Ahlhorn: Auch menschliche Flugeinrichtungen wird man für den Segelflug ausbauen können; man muß nur erst gelernt haben, den Tragflächen dieselben aerodynamischen Fähigkeiten zu verleihen, wie Me der Vogelflügel hat. Die heutigen Drachenflugzeuge mit starren Flächen, denen nach Ahlborn keine Un-gleichförmigkeit des Windes eine Beschleunigung zu erteilen vermag, müßten zusätzliche Triebflügel oder Segel nach Art des Handflügels des Vogels (im Gegensatz zum A'mllügel) erhalten, damit im kreisenden Fluge eine Auftriebs Wirkung erzielt werden kann. Motor und Propeller braucht ein derartiges Segelflugzeug allerdings immer noch, nämlich zum Abflug von beliebigfr Stelle, wie ia auch der „segelnde'' Vogel seine Flügel noch zum Schlagen besitzt. Da zum Segelflug Wind erforderlich ist, fragt es sich, wie stark dieser sein müsste, um ein mechanisches Segelflugzeug ohne motorische Unterstützung zu tragen; Ahlboru hält auf Grund von Berechnungen eine Windstärke von 10 — 20 in Sek für ausreichend.

Die sich an den anregenden Vortrag anschließende Diskussion förderte nichts Erhebliches zu Tage, was gegen die Ausführungen hätte sprechen können.

Nunmehr ergriff Prof. Prandtl, Göltingen, das Wort zu einem Vortrag über T r aglläc hena itf tri eh und Widerstand in der Theorie. Er ging von den Siromungsverhültnissen in der G :gend vorwärts bewegter Flächen aus und erläuterte kurz die Kegriffe Zirkulation, ehene Strömung usw. auf Grund der von Kutta und Joukowski zuerst angegebenen Berechnungsniethoden. Diagramme zeigten die gute Übereinstimmung dieser Tneorien mir den jüngsten Untersuchungen des Göttinger Kaiser Wilhelm Instituts. Um die Grundsätze der ebenen Strömung auch tiei freien Tragflächen anwenden zu können, bedient man sich der hypothetischen Annahme eines Bodens und eines darunter befindlichen Spiegelabbildes der Fläche. Auf diese Weise gelangt msii auch zur Bestimmung des Druckes, den ein vorüberfliegendes Flugzeug auf den Erdboden ausübt. Ein Großflugzeug beispielsweise von inotJO kg Gewicht in 100 m Höhe ergibt den kaum noch meßbaren .Via.x'iiKildruck von o,|l! mm Wassersäule senkrecht unter dem Flugzeug. Die schaubildlielie Darstellung dieser Drucke zeigt ihren Verlauf in einer gluckenähnlichen Kurve. Uebe-gehend zur Theorie des Eindeckers wieß Prof. Pramlil darauf hin, daß die Tragfläche einen seitlich von zwei graden Wirbelzöpfen begrenzten streifen hinterläßt, in dem die Luit sich in absteigender Bewegung befindet. Auch die Zirkulationsströmung um den Flügel läßt sich durch einen in der Längsrichtung des Flügels liegenden Wirbt-Iladen darstellen. Die Bereclinungsweise hat Acbiilichkeil mit der Je* Al.igiielk-Ide* e,m.s vom elektrischen Strom durch! In^scncn Leiters. Die Anitrii-h,dichte ist nicht über die Flügelbreite konstant, Mindern nimmt nach den Seiten hin a*>; die Folge ist, daß die Strömung oben nach der Mitte angesaugt, unten nach anlicn gedrückt wird und ein fläeheiihafies Wirbelband von der Hinterkante abströmt.

Da diese Luftströmung absteigende Wirkung hat, erklärt -ich hieraus außer einer Verkleinerung des Anstellwinkels das Vorhar.dei sein des Widerstandes, der einen Gegenwert in der ;m Wirhelsv-lein stecken gebliebenen 1 '• -w -.gnngs-energie hat. Zweckiualkg far die Bjrechiaing i-t die Annahme e.iie- ^eirlichei! Ault riehsdiclilcahfalU i;a, u .Maßgabe iiuer halben l-'.!l;;e.e . dann nunibcu wird die Ab-tieggcsclnviudigkeit kou-lant und d-r Wi h-r-tan I ein Mlii'ui na letzteren vom gemessenen Waler-taitd abgezogen, gi'ur den ..R n.l" nbr udezu-rten

Widerstand". Die Sin"......tig einer liaüiel!vn~, h belastet, n I ragti.islie i.'.l-t sich

nach einer von Dr. M n n k angegebenen l'.etr uhtiti'gsw eis,- hehaiid.-ei d e rech-

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nerische Ermittlung, von. Auftriebsverteilung und Widerstand für eine Tragfläche bestimmter Form ist in vollkommener Weise noch nicht möglich.

Die Annahme halbeliptischer Auftriebsverteilung ermöglicht auch die zur Zeit einfachste Ermittelung der gegenseitigen Beeinflussung benachbarter Flächen, für die Näherungsformeln in Göttingen bearbeitet werden. Dies führt zur Th e o r i e des Mehrdeckers. Für die Lösung der Frage, welches der Uberhaupt kleinste Widerstand bei gegebenen Außenmaßen des Tragwerks ist, hat Dr. Münk wichtige Leitsätze aufgestellt. Er findet sich bemerkenswerter Weise bei ringförmigen Tragwerken, z. B. bei rechteckigen Rahmen, wie ihn ein Doppeldecker mit Seitenwänden darstellt. Diese Entdeckung gestattet die Aufstell ung eines Wirkungsgrades = günstigster: gemessener Widerstand.

Ueber die übrigen in Hamburg gehaltenen Vorträge eingehender zu berichten, verbietet ein Mangel an Zeit. Wir behalten uns vor, auf sie in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift zurückzukommen.

FürWerksrariu.flugplate

(Verehr. Leser, Welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Kachdruck aller Artikel unier dieser Rubrik ist verboten).

Benutzung auswechselbarer Schnitte und Stanien bei Herstellung von Beschlägen. Die Maschinenerzeugung im Flugzeugbau macht immer mehr das Bestreben nach Vermeidung aller in Frage kommenden Handarbeit bemerkbar. Am teuersten in der Fabrikation sind immer die Beschläge aus Stahlblech, dies liegt daran, daß man sie mühsam aus dem vollen Blech herausdecopiert und

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Abb. 1

Abb. 2

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hernach befeilt. Viel billiger läßt sich die Herstellung auf einfache Art und* Weise gestalten, bei der vor allen Dingen jegliche Feilarbeit nach Möglichkeit vermieden wird. Das Ideal wäre ja, für jeden Beschlag einen gesonderten Schnitt zu haben, aber das wäre selbstverständlich bei der Kompliziertheit der Beschläge viel zu kostspielig, viel einfacher und billiger kann man sich in der nachstehenden Weise behelfen.

Angenommen, es 1000 Stück anzufertigen.

Stift >

Abb. 3

ist z. B. der in Abb. 1 dargestellte Holmbeschlag in Die Zahl erscheint etwas hoch, aber wenn man bedenkt, daß von derartigen Beschlägen meist 32 Stück pro Maschine gebraucht werden, bekommt die Sache schon ein anderes Bild. Für diesen Beschlag einen Schnitt anzufertigen, wäre natürlich viel zu kostspielig. Man kann nur zwei Wege beschreiten. Einmal kann man die Beschläge von Hand arbeiten lassen, dafür das Material zwecks Ersparnis und Vermeidung größerer Abfälle vorteilhaft einteilen, ob es nicht vorteilhafter wäre, auf die Material-

Es wäre aber zu erwägen, ersparnis zu verzichten, dafür aber die Beschläge

1. zu bedeutend billigerem Preise herzustellen,

2. einen großen Teil der Arbeit von Frauen und ungelernten Kräften ausführen zu lassen,

3. die Beschläge in bedeutend kürzerer Zeit fertigzustellen, und

4. möglichst Handarbeit zu vermeiden.

Ohne weiteres sieht man wohl die Vorteile des letzteren ein, zudem ist es bei der noch zu beschreibenden Methode ebenfalls möglich, in gewissem Grade

Stempel

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Abb. 5

Material zu sparen. Bei den erforderlichen 1003 Beschlägen lohnt sich aber auf jeden Fall die Herstellung zweier Modelle zum Anreißen, die aus einfachem Stahlblech von I -1,5 mm Stärke hergestellt werden können. In Abb. 2 und 3 sind die beiden erforderlichen Modelle dargestellt. Mit Hilfe des Modells 1 werden die die Umrisse und die Mittelpunkte der innerhalb des Beschlages befindlichen Löcher angerissen, dann bleibt Modell 1 in derselben Lage auf dem Blech liegen und man setzt Modell 2 auf Modell 1 auf. Die Stifte des Modelles 2 passen in die Löcher a und al; man zeichnet damit die Mitten der Kreisbogen A B C D> ein, deren Teilprripherien Umrisse des Beschlages Abb. 1 bilden. Nun wird die

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Abb. 6

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■große Blechtafel, auf der eine ganze Anzahl dieser Beschläge vorgezeichnet sind, in kleinere geteilt, r.o daß auf jeder 1 Beschlag vorgezeichnet ist und körnt die Mittelpunkte sämtlicher Kreise bezw. Kreisbogen an. Von einer Frau oder einem ungelernten Arbeiter werden die Löcher eingestanzt, das Blech in diesem Bearbeitungsstadium ist in Abb 4 dargestellt. Es ist ein Leichtes, mittels Blechschere die Schnitte a—al, b—bl, c-cl und d—d 1 zu errichten, es bleiben nur noch die Kreisbögen e, f, g und h zu beschneiden, was auch mittels Blechschere, den sogenannten BankhebeVscheren erfolgen kann, nach ein paar Versuchen ist jeder Arbeiter imstande, diese Arbeit auszuführen. Verfasser hat in seinem Betriebe Leute gehabt, die sich eine derartige Gewandheit darin angeeignet hatten, daß nur noch der vom Schneiden übriggebliebene Grat weg-

tenommen zu werden brauchte, die Ueoergänge waren so sauber geschnitten, aß ein Bestoßen überhaupt nicht mehr erforderlich war.

Manchmal kann man noch weltergehen, indem man einen Teilschnitt anfertigt, man kann Cann unter Umständen von der Benutzung einer Blechschere absehen. In Abb 5 ist ein derartiger Beschlag dargestellt, derselbe wird genau auf Breite und Länge C und D mittels Schlagschere geschnitten, die Löcher A und die Kreisbogen B können mittels Stempel in der obenbeschriebenen Weise ausgestanzt werden; der durch Strich-Linie gekennzeichnete Teil könnte von Hand gearbeitet werden, wenn aber von derartigen Beschlägen eine größere Anzahl in Frage kommt, lohnt sich die Anfertigung eines Schnittes. Dieser ist äußerst einfach, der Beschlag wird mit den gebohrten Löchern C in entsprechend in eine Matrize eingesetzte stifte gelegt. Die Matritze und der Stempel sind in Abb. 6 dargestellt. Die Matrize besteht aus einer 10—15 mm starken Stahlplatte, welche auf die immer wieder verwendbare Spannplatte G mittels versenkten Schrauben aufgeschraubt ist, die Platte P ist mit Stiften S versehen, auf diese w:rd der Beschlag mit den Löchern E gelegt. Die punktierte Linie zeigt die Form des Stempels, er muß einen genügend langen Schaft haben und unterhalb des Spannkopfes möglichst kurz sein, damit er den einseitigen Druck aushält.

Man sieht, daß es möglich ist, auf ganz einfache Weise bei der Herstellung von Beschlägen Hand- und Teilarbeit weitgehendst auszuschließen.

fFlügteßnifibe (Rundfibau.

Inland.

Den Heldentod fanden: Ltn. Rudolf Ludwig Jesumann, Ltn. Brecht, Flgzf. und Vzfw. Walter Schäfer, Ltn. d. Res. Joh. Hemprich u.id Vzfw. Philipp Rück er.

Richthofens Buch „Der rote Kampfflieger", wird jetzt von zwei Londoner Verlegern Mrs. Cassel and Co. und the Aeroplane and General Publisching ■Co. Ltd. in englischer Sprache erscheinen. Das Air Board hat die Verbreitung in England freigegeben mit der Bemerkung, daß es für den englischen Flugdienst von großem Interesse sei.

Von der Front.

■ 3. April. Französischer Bericht. Am 31. März und am 1. April warfen französische Geschwader 12000 Kilogramm Bomben auf Eisenbahnanlagen und Lager von Harn, Chaumy, Noyon usw. Ein großer Brand brach aus. Der Bahnhof von Chaulnes und deutsche Lager in der Gegend von Roye wurden ausgiebig mit Bomben beworfen und aus geringer Höhe mit Maschinengewehren beschossen. Französische Jagdflugzeuge lieferten zahlreiche Kämpfe, bei denen acht deutsche Flugzeuge abgeschossen wurden, zwei weitere wurden durch unsere Abwehrmittel vernichtet.

Der „Matin" meldet aus Calais: Seit Mitte letzter Woche wird Calais täglich von deutschen Fliegern überflogen Auf die Stadt und das Weichbild wurden sehr viele Bomben abgeworfen. Dank den in den letzten Tagen zahlreich errichteten Unterständen, sind Verluste an Menschenleben nicht zu beklagen. Die deutschen Flugzeuge haben trotz schärfster Abwehr die Stadt in den meisten Fällen erreicht.

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4. April. Bern. Pariser Blätter zufolge ist Chalons sur Marne im Laufe der letzten Woche verschiedentlich von deutschen Flugzeugen angegriffen worden, die bedeutenden Sachschaden anrichteten. Unter anderem wurde das Gebäude der Union Républicaine de la Marne schwer beschädigt. Der Direktor des Journal de la Marne wurde mit seiner Familie getötet. Ueber DUnkirchen sind in den letzten Tagen wiederholt deutsche Flugzeuge erschienen. Die am 29. März in Paris eingetroffenen Flüchtlingszüge brachten hauptsächlich Einwohner von Amiens, die vor der Bombardierung durch die deutschen Flugzeuge flüchteten. Die Präfektur in Amiens wurde durch Fliegerbomben zerstört.

Französischer Orientbericht. Die verbündeten Flieger warfen 1500 Kilogramm Bomben auf die Eisenbahnen. Am Wardar und Seres wurde ein feindliches Flugzeug abgeschossen.

5. April. Aus London wird amtlich gemeldet: Unsere Flugzeuge warfen 22 schwere Bomben auf den Bahnhof von Luxemburg. Nach den gemachten Beobachtungen platzten zahlreiche Bomben auf dem; Bahnkörper und verursachten einen größeren Brand. Das Abwehrfeuer war sehr heftig. Indes sind unsere sämtlichen Apparate heil zurückgekehrt.

Neuerdings wird Luxemburg, wo vor zehn Tagen zahlreiche Einheimische getötet und verwundet wurden, zum Ziel von Fliegerangriffen gemacht. Schon am 24. August 1914 hatten die Franzosen ihre völkische Werbung in Luxemburg mit blutigen Fliegerangriffen betrieben. Jetzt schicken sie die Engländer vor.

Französischer Bericht. Im Laufe des 3. April wurden fünf feindliche Flugzeuge abgeschossen, eins davon durch unsere Maschinengewehre, außerdem wurde ein deutscher Fesselballon von unseren Abwehrgeschützen in Brand geschossen In der Nacht vom 2 und im Laufe des 3. April machten unsere Bombengeschwader zahlreiche Streifzüge, es wurden 23000 Kilogramm Bomben auf Lagerplätze, Bahnhöfe und feindliche Einrichtungen abgeworfen. Brände,

Vom Vormarsch im Westen: Der von den Franzosen gesprengte Oise-Aisne-Kanäl,, der über den Oise-Fluß führt. Rechts und links des Kanals Sumpfgebiet.

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besonders auf den Bahnhöfen von Laon und St. Quentin, wurden festgestellt. Es bestätigt sich, daß von unseren Fliegern fünf neue feindliche Flugzeuge vernichtet wurden am 27. und 28. März und am 1. und 2. April.

6. April. Bulgarischer Bericht. Im Strumatal schoß unser Flieger Major Max Popkristeif im Luftkampf ein englisches Flugzeug ab, das hinter den feindlichen Linien abstürzte.

7. April. Deutscher Tagesbericht. Im Luftkampf wurden gestern lb feindliche Flugzeuge abgeschossen. Rittm. Frhr. v. Richthofen errang seinen 76., Ltn. Udelt seinen 24. Luftsieg.

Paris. Am 6. April wurden sieben deutsche Flugzeuge und zwei deutsche Fesselballone von unseren Fliegern abgeschossen. Unsere Bombenflieger warfen 5000 Kilogramm Geschosse auf Bahnhöfe und Einrichtungen in der Gegend von La Fere.

8. April. Deutscher Tagesbericht. Rittm. Frhr. v. Richthofen errang seinen 77. und 78., Ltn. Wenkholf seinen 23. Luftsieg.

Berlin. Im Monat März büßten unsere Gegner nach den bisherigen Feststellungen durch unsere Waifenwirkung auf der Westfront 241 Flugzeuge und 24 Fesselballone ein. Unsere Verluste betragen 137 Flugzeuge und zwölf Fesselballone. Da sich für eine Anzahl abgeschossener feindlicher Flugzeuge im Verlauf der großen Schlacht in Frankreich noch nicht alle Unterlagen beibringen ließen, wird sich das endgültige Ergebnis der abgeschossenen feindlichen Flugzeuge noch höher stellen. (Vergl. Bericht vom 9. April.)

Amtlich aus Berlin. Die Kämpfe der ersten Tage dieses Monats boten unseren Truppenfliegern reiche Betätigungsmöglichkeiten, obwohl die meist ungünstige Witterung an ihre Leistungsfähigkeit die höchsten Anforderungen stellte. Um bei unseren erfolgreichen Angriffen zwischen Somme und Luze-Bach sowie auf dem Westufer der Avre am 4. April die Verbindung zwischen Führung und Truppe zu gewährleisten, flogen unsere Infanterie- und Ueberwachungs-flieger bei fast ununterbrochenem starkem Regen teilweise in nur 10 Meter Höhe. Die Abwehr der französischen Angriffe zwischen Moreuil und Montdidier am 5/ April wurde von unseren Flachfliegern durch kräftige Waffenwirkung gegen die feindlichen Sturmtruppen und Reserven wirkungsvoll unterstützt. Am 6. April begleiteten unsere Flieger den Angriff südlich der Oise unter heftiger Beschießung des Feindes durch Abwerfen von Granaten und Bomben. Die Ballons folgten der vorangehenden Infanterie im Hochtransport. Ein feindliches Geschwader von acht Fliegern wurde zwischen Nation und Roye nach Abschuß von vier Flugzeugen zersprengt. Die Beute des gestrigen Tages beträgt 22 feindliche Flugzeuge gegen neun, die wir verloren haben. Rittm. Frhr. v. Richthofen ist am Erfolg des Tages mit seinem 76. Siege, seine alte Jagdstaffel mit acht Flugzeugen beteiligt. Sie ruft damit die Erinnerung an die ruhmvollen Leistungen im April vorigen Jahres zurück. Im ganzen hat der Feind damit seit Beginn der Durchbruchsschlacht 251 Flugzeuge und 12 Ballons verloren.

9. April. Deutscher Tagesbericht. Im März beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte auf dem westlichen Kriegsschauplatzes Fesselballone und 340 Flugzeuge, von denen 158 hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind. Wir haben im Kampf 81 Flugzeuge und 11 Fesselballone verloren.

12. April. Amsterdam. Bei Rithen landete letzte Nacht ein franzözisches Flugzeug mit zwei Offizieren und einem Mann, das Zeebrügge mit Bomben beworfen hatte. Die Insassen wurden interniert.

.13. April. Lille. Die Luftkämpfe spielen sich in ganz erstaunlich tiefen Regionen ab. Gestern wurde ein Engländer, der unsere Kolonnen mit Maschinengewehrfeuer angriff, im Luftkampf aus nur 50 Meter Höhe abgeschossen. Auch die Abschüsse von der Erde aus durch die angegriffene Truppe selber häufen sich. Gestern zählte man sieben derart erledigte feindliche Flugzeuge. Die englischen Bombengeschwader bewerfen ziemlich planlos Ortschaften und Städte, mit Vorliebe neuerdings auch Lille. In der Vorstadt Hellemmes wurden dabei in einer Schule zehn Kinder getötet und 40 verwundet. Jeder Tag bringt neue Tolenlisten der Einwohner, die bei der dichten Besiedelung dieser Industriegegend den Luftangriffen zahlreich zum Opfer fallen.

„Havas" meldet amtlich aus Paris: Deutsche Flieger überflogen unsere Linien und richteten sich nach Süden. Nur zwei von ihnen gelang es,

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die Umgebung von Paris zu überfliegen und einige Bomben abzuwerfen. Der zweite Alarm wurde um 10 Uhr 10 gegeben und hörte um 10 Uhr 40 auf. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt, sie wird veröffentlicht, sobald die Berichte bekannt gegeben sind.

Paris. „Havas" teilt amtlich mit: Die Zahl der Opfer der Luftangriffe in der letzten Nacht erhöhte sich auf 26 Tote und 72 Verwundete.

Französischer Frontbericht. Im Verlaufe des 12. April nutzten unsere Flieger das schöne Wetter aus und entwickelten an der ganzen Front, besonders in der Gegend der Somme und Oise eine rege Tätigkeit. Unsere Jagdflieger machten mehr als 350 Streifen und lieferten 120 Kämpfe. Acht feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen, 23 andere fielen schwer beschädigt in ihre Linien nieder, außerdem wurden fünf feindliche Fesselballone in Brand gesetzt, fünf andere mußten, von Kugeln durchbohrt, eiligst herabgeholt werden Unsere Bombenflieger legten ebenfalls am 12. April und in der Nacht zum 13. April Proben ihrer Tätigkeit ab. Im ganzen wurden 48000 Kilogramm Geschosse im Laufe dieser Unternehmungen, woran italienische Flieger teil nahmen, abgeworfen. Die Bahnhöfe von Jussay, Roye, St. Quentin, Nesles, Harn, Guiscard und Noyon und die Eisenbahnen und Lager sowie zahlreiche Transporte in diesen Gegenden, ferner die Bahnhöfe von Hirson, Laon und Montcornet wurden reichlich mit Bomben beworfen. Mehrere Brände und Explosionen wurden festgestellt.

14. April. Deutscher Tagesbericht. Im Luftkampfe wurden in den letzten Tagen 37 feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone abgeschossen. Ltn. Menckhoff errang seinen 24. Luftsieg.

Deutsche Flieger-Aufnahme von Ainieus aus 4090 m Höhe, links der Somme-Kanal, rechts quer durch die Stadt die Hauptstraße, an der (am oberen Bildrand) der Musikpavillon mit Teich liegt.

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15 April. Berlin. Die günstige Witterung bot am 12. April unseren Luftstreitkräften reiche Gelegenheit zur Betätigung. Unsere Bombengeschwader richteten fortgesetzt heftige Angriffe gegen die drei großen feindlichen Eisenbahnknotenpunkte hinter der Schlachtftont: St. Omer, St. Pol und Amiens. Besonders auf dem Ostbahnhof Amiens entstanden starke Brände und Explosionen. Erkundungs-, Infanterie-, Artillerie und Schlachtflieger unterstützten das siegreiche Vordringen unserer Truppen durch Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen Truppe und Führung und kühnen Angriff gegen den Feind auf der Erde. Die Ballone folgten der Infanterie dicht auf. Unsere Jagdflieger hatten wieder einen besonders erfolgreichen Tag: 24 Flugzeuge und zwei Fesselballone fielen ihnen zum Opfer. Ltn. Menckhoff errang seinen 24. Luftsieg. Wir verloren drei Flugzeuge durch Abschuß, fünf Flugzeuge werden vermißt. An der neuen Kampffront bei Armentieres war die feindliche Fliegertätigkeit zeitweise auffallend schwach. Unter den feindlichen Flugzeugen wurden ältere Typen gesichtet, die schon seit längerer Zeit aus der Front herausgezogen waren. Oies ist offenbar ein Zeugnis für die schwierige Lage des feindlichen Flugwesens, das allen Teilen der Front starke Luftstreitkräfte entnommen hatte, um sie bei Amiens einzusetzen.

Französischer Bericht. Am 13. April und 14. April wurden vier deutsche Flugzeuge abgeschossen; zwei davon durch unser Maschinengewehrfeuer. Unsere Bombenflieger warfen 3000 Kg. Bomben auf feindliche Anlagen und Kolonnen in Gegend Montdidier.

16. April. Berlin. Der Gegner benutzte im März die besonders günstige Wetterlage zu zwölf größeren Angriffen auf das lothringisch-luxemburgische Industriegebiet und elf Angriffen gegen die Städte Mainz, Untertürkheim, Cannstatt, Koblenz, Freiburg a. B., Zweibrücken, Kaiserslautern, Mannheim, Ludwigshafen, Köln, sowie einige Städtchen in der Pfalz und im Rheinland. Trotz des Einsatzes stärkerer Geschwader erzielten die Angriffe keinerlei militärischen Erfolg. Bei den Angriffen auf das Industriegebiet an der Saar und Mosel fanden Betriebsstörungen von irgendwelchem Belang nicht statt. Auch der in der Nacht vom 24. zum 25. März mit dem Aufgebot von 50 bis 60 Flugzeugen unternommene Angriff blieb völlig wirkungslos. Ebenso ergebnislos war der Angriff auf die Badische Anilin- und Sodafabrik bei Mannheim-Ludwigshafen am 18. März. Der einzige militärische Schaden, den die Angriffe anrichteten, war das Inbrandsetzen einiger Wagen mit Benzol. An nichtmilitärischen Gebäuden wurde überall einiger Sachschaden angerichtet. Bei dem Angriff auf Freiburg am 13. März wurde, außer mehreren Privathäusern die Martinskirche und ein Krankenhaus erheblich beschädigt. Den Angriffen auf das Saargebiet fielen fünf Tote, vier Schwer-und elf Leichtverletzte zum Opfer. Die Verluste bei den Angriffen auf die oben genannten offenen Städte warer. hauptsächlich infolge des unvorsichtigen Verhaltens eines Teiles der Bevölkerung höher als in den Vormonaten. Sie betrugen insgesamt 22 Tote, 22 Schwer- und 86 Leichtverwundete. Der Feind büßte diese Angriffe mit dem Verlust von acht Flugzeugen.

17. April. Französischer Bericht. Am 15. und 16. April wurden vier deutsche Flugzeuge von unseren Fliegern abgeschossen. Es bestätigt sich, daß zwei weitere feindliche Flugzeuge am 12. April im Luftkampf vernichtet wurden.

18. April. Bern. Der letzte deutsche Fliegerangriff auf Paris in der Nacht zum 13. April hat, wie die Pariser Blätter melden, bedeutenden Sachschaden angerichtet. Die Blätter berichten, daß in einer sehr belebten Straße, in der Mitte der Stadt gegenüber der Untergrundbahnhaltestelle eine Bombe einen ungeheuren Trichter aufwarf und die Gasleitung durchschlug. Eine Explosion und der darauffolgende Brand verursachten einen außerordentlich großen Sachschaden. In einem Umkreise von 20'J Metern wurden alle Häuser beschädigt, alle Fenster und Türen herausgerissen. Eine Haltestelle der Untergrundbahn wurde schwer beschädigt. Hier wurden mehrere Personen getötet und zahlreiche verschüttet. Die abgeworfenen Geschosse waren Torpedos. Den Blättern zufolge verfolgten die deutschen Flieger eine neue Taktik. Man vermutet, daß sie die französischen Linien im Gleitflug überflogen, um nicht durch den Lärm der Motoren Aufmerksamkeit zu erregen. Sofort nach dem ersten Alarmzeichen, nachts um zehn Uhr zehn Minuten, waren auch schon die ersten Explosionen vernehmlich. Wegen der darauf folgenden Panik konnten die Unterstandslaternen nicht angebracht werden, was die Mehrzahl der Opfer verursachte

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mm

Ausland.

Verschärfte Luftabwehr in Paris. Wie die Pariser Zeitungen mitteilen dürfen, ist die Luftabwehr in Paris nunmehr bedeutend verstärkt und die Zahl der Verteidigungsflugzeuge erhöht worden. Außerdem werden allnächtlich Drachenballons aufgelassen, die durch Stahldrähte miteinander verbunden sind und die Annäherung deutscher Flugzeuge unmöglich machen sollen. Dieses Abwehrmittel ist so alt wie der Krieg, leider bat es sich nicht bewährt. Weiß man nichts besseres, um die Pariser zu beruhigen ?

Amerikanische Angst vor Luftangriffen. Oberst Hävers erklärte in einem öffentlichen Vortrag: Ein Luftangriff auf New York könne nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich sein. Auf den deutschen Werften seien zu diesem Zwecke besondere U-Boot-Typen im ^au> die über den Atlanti-..JBB^tttfUk •^^D!b*f!/sSr/^£SBi^^^ä sehen Ocean demontierbare i^wm^mf^Mü..-I Flugzeuge bringen könnten,

von denen jedes 100 Kilogramm Explosivstoffe über den Dächern Neuyorks abzuwerfen in der Lage sein würde, Die deutschen Flieger können sogar noch 450 Kilometer weit ins Land eindringen.

Vorgänge im englischen Fliegerkorps. Reuter meldet aus London amtlich : Der König ernannte den Generalmajor Sykes zum Chef des Stabs des königlichen Fliegerkorps. Der bisherige Chef Generalmajor Sir Hughes Trenchard ist zurückgetreten.

Der Rücktritt wird in der englischen Presse lebhaft besprochen. Repington sagt, daß der Rücktritt Trenchards als großes Unglück betrachtet Ein Neujahrsgruß des Aeroklub von Amerika, wird, das nur mit dem Rück-Manchmal kommt es anders--- Robertsons zu ver-

gleichen sei. Trenchard war der Mann der Luftoffensive in der Schlacht an der Somme.

Aenderungen im R. F. C. Nach der London Gazette vom 20. Febr. ist im Kriegsamt folgendes zeitweise verfügt worden: General-Direktor der Mililär-Aeronautik Brigade General Ellington, seitheriger deputierter General-Dirktor. General Major Salmond wurde im letzten Oktober zum General-Direktor der Militär-Aeronaulik ernannt und Brigade-General Ellington wurde im November zum Deputierten Militär-Direktor ernannt, Mr. A. Robinson wurde zum permanenten Sekretär des Air Council im Luft-Ministerium ernannt

Kapital für engl. Flugunternehmungen. Sir Watson Rutherford fragte den ersten Minister im House of Commons, ob er dem Air Board und dem Reichsschatzamt Instruktionen gegeben habe, die Flugzeugfabriken mit Kapital zu unterstützen, damit sie ihre Produktion vermehren könnten? Mr. Bonar Law erwiderte hierauf: Ich glaube nicht, daß es nötig ist, besondere Anweisungen in dieser Angelegenheit zu geben, da alle Kreise von der Wichtigkeit der Vermehrung der Flugzeugproduktion unterrichtet sind.

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Luftverkehr.

Der Luitverkehr in der bayrischen Abgeordnetenkammer. Im Finanzausschuß der bayrischen Abgeordnetenkammer sprach sich der Verkehrsminister über den Luftverkehr der Zukunft aus und teilte dabei mit, daß die bayerische Postverwaltung mit der bayerischen Heeresverwaltung in der Untersuchung der technischen und wirtschaftlichen Fragen des Luftpostverkehrswesens begriffen sei. Zur Berechnung der Kosten werde eine Geschwindigkeit von 200 km (hier sieht man den Mangel an fachtechnischer Beratung. D. Red.) in der Stunde zugrunde gelegt. Er habe den anderen deutschen Postverwaltungen vorgeschlagen, in Besprechungen über eine möglichst einheitliche Gestaltung des Luftpostverkehrs im Deutschen Reiche einzutreten. In Oesterreich-Ungarn seien die Verhandlungen bereits zur endgültigen Entscheidung gediehen (das sind die Unternehmungen des Afrikareisenden Grätz. D. Red.), so daß wohl mit einem für das Deutsche Reich und Oesterreich-Ungarn gemeinsamen Luftpostverkehr gerechnet werden könne. Bezüglich des Personenverkehrs durch Luftfahrzeuge stehe die Reichspostverwaltung auf dem Standpunkte, daß sie die Beförderung Unternehmungen übertragen werde. Für die bayrische Verkehrsverwaltung liege die Frage anders. Schon jetzt sei es möglich, an die Beförderung von Personen durch Flugzeuge heranzutreten. Er, der Minister, würde es lebhaft begrüßen, wenn sich in Bayern eine Industrie auftäte, die den Bau von Großflugzeugen zur Beförderungen von je etwa 30 bis 40 Personen in die Hand nähme. (Bayern hat ja eine Flugzeugindustrie, welche im Frieden keine Kriegsflugzeuge mehr zu bauen hat. Das Gute liegt doch so nah — oder versteht es ein Afrikareisender besser?--D. Red.)

Luftpostverkehr. Linie Kiew—Wien —München-Frankfurt des Afrikareisenden Grätz? Der „Frankf. Ztg." wird unterm 11. April aus Augsburg geschrieben. Bekanntlich wurde in München die Alag gegründet, durch die München zum späteren Knotenpunkt des deutschen Luftverkehrs geschaffen werden seil. Auch sollte München einen großen Flughafen erhalten. Nunmehr ist, wie die „Augsburger Abendzeitung" meldet, der Gründer der Alag, Oberleutnant Grätz, nach Wien gereist, um mit der österreichischen Regierung Verhandlungen wegen der Fortführung der Luftpostlinie Kiew—Wien über Salzburg nach München und weiter nach Frankfurt a. M. anzuknüpfen. (Herr Grätz knüpft vorläufig feste weiter. D. R.) Der Luftverkehr Wien—Kiew und weiterhin auch für die Linie nach München und Frankfurt a. M. wird zuerst nur als militärische Organisation in Frage kommen können. (Mit dieser letzten Andeutung sollen die Projekte wohl einen offiziellen Anstrich erhalten! — D. R.)

Die Luftschiffahrtspost New York—Washington. Reuter meldet aus New York: Es besteht die Absicht, am 15. Mai die erste Luftschiffahrtspost in Betrieb zu setzen." Der Flugdienst soll zwischen New York und Washington mit kurzem Aufenthalt in Philadelphia eingerichtet werden. Der Weg beträgt 238 Meilen, und die Flugdauer ist auf 4 Stunden angesetzt. Eine Stunde nach Ankunft der Flugzeuge soll die Post abgeliefert werden. Das Postamt wird Flugzeuge von einer Schnelligkeit von 90 Meilen in der Stunde in Betrieb setzen und Postsäcke'von 300 Pfund Gewicht befördern lassen.

Gleit- und Modellflugwesen.

Ab der Flngzeugansstellung In Köln vom 6. bis 30. Juni 1918 beabsichtigt der Verein, teilzunehmen. Mitglieder und Interessenten werden gebeten, etwaige Stücke hierfür der Geschäfsstellu rechtzeitig einsenden.

Kölner Club für Flugzeug Köln, Jttlicherstraße 30. Anfragen.

nonellfcespanntuig nnd Lacke. Ich habe bisher die Bespannung teils Pergamentpapier, teils Seide bei eiuigen Apparaten mehrfach mit Schellack überzogen, bei andern mit Spirituslack oder dünnem Emafllelack behandelt: trotzdem wird die Bespannung, abgesehen von ganz trockenen Sommertagen, schon nach kurzem Aufenthalt im Freien unter dem Einfluß der Feuchtigkeit schlaff, Spiritus- uhd Emaillelack zeigen außerdem nach wenigen Flügen unzählige feine Haarrisse. Wo und unter welchen Namen gibt es derartige Lacke und was für eine Bespannungaatoff ist dafür am geeignetsten ? Für eine baldige Beantwortung, unter „Modellbespanmmg : an die Eedaktion des Flugsport wäre ich recht dankbar.

Letzte Nachrichten.

Rlttm. Frhr. v. Richthofen ist am 21. April nach seinem 80. Luftsieg im Luftkampf gefallen.

Jllustrirte

Ho in technische Zeitschrift und Anzeiger ««■••■"""

"u* pro Jahr I». 1Ut

8. Mai für das gesamte Ausland

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unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telet.Hansa 4557 Oskar UrslnUS, Civiling-enleur. Tol.-ftdr.: Urslnus. Brlef-Adr.: Redaktion und Verlag .Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — == Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. ==

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer-Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 22, Mai.

Zukunft.

Der Krieg hat vieles bei uns zur Gewohnheit werden lassen, was wir uns im späteren internationalen Wettbewerb, wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollen, wieder abgewöhnen müssen. Es ist nicht allen Menschen gegeben, durch den Nebeldunst des Gewohnheitsmäßigen sich ein Bild von den Zukunftsmöglichk-jiten unserer Industrie zu machen. Merkwürdigerweise sind es immer die Artikelschreiber in ■den Zeitungen, die sich als weitblickende Männer aufspielen. Die wirklich "Weitblickenden halten gewöhnlich ihre Erkenntnis zurück. Die Vorsichtigen sagen, nach dem Krieg müssen alle Kräfte zusammengehalten werden. Wie das geschehen soll, davon hat man jetzt, wo alles eingezäunt und gefesselt ist, sich noch keine Vorstellung machen können.

Und doch ist das Ziel, was wir mindestens erreichen müssen, vorgeschrieben. Wie auf allen Gebieten der Industrie, müssen wir auch auf dem Gebiete der Flugzeugindustrie eine Machtstellung auf dem Weltmarkte erlangen. Das Zeug dazu haben wir! Oder sollen wir mit unserer Flugzeugindustrie weniger leisten — — dürfen? Werden wir wieder in den alten Fehler verfallen, wenn wir grimmigen Gesichtern aut dem internationalen Weltmarkt begegnen, uns schüchtern verängstigt zurückziehen? — — Durch das fortgesetzte Schweigen im Kriege, und das mußte ja sein, ist es nur Wenigen zum Bewußtsein gekommen, welches ungeheure Werkzeug wir in unserer Flugzeugindustrie, wenn es richtig angewendet wird, besitzen. Selbstverständlich müssen so schnell wie möglich die einengenden Schranken fallen. Die Industrie muß über Arbeitskräfte, Rohstoffe verfügen können und durch Organisationen zum weiteren Ausbau des Flugwesens aufs weitgehendste unterstützt werden.

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Der Nieuport Kampfeinsitzer Type XXVII. mit 110 PS Le Rhone Motor*).

(Hierzu Tafel VI)

Das Flugzeug mit der Bezeichnung B. 5618 ist im allgemeinen Aufbau sowie in den Hauptabmessungen den älteren Ausführungen gleich.

Das Profil der Flügel ist bei dieser Type auf den Unterseiten sehr schwach gewölbt. Neu ist auch die Anordnung eines Stirnkabels am unteren Stielfußpunkt. Der Rumpf ist an beiden Seiten bis zum Beginn der Flossen durch aufgesetzte Spanten abgerundet. Die Höhenflosse ist nicht mehr eben und trapezförmig, sondern nach beiden Seiten gewölbt und zeigt eine gebogene Eintrittkante. Die Ruderhebel des geteilten Höhenruders liegen innerhalb des Rumpfes und der Kielflosse. Das Seitenruder trägt einen Ausgleichslappen ähnlich deutschen Ausführungen.

Das Fahrgestell ist in Anlehnung an die bei Sopwith übliche Form umgebaut. Eine geteilte Stahlrohrachse ist zwischen 2 Hülfsachsen gelagert. Der Schwanzsporn ist nicht mehr an einem unter dem Rumpf angebrachten Sperrholzboot befestigt, sondern in üblicher Art im Rumpf federnd aufgehangen.

Die Bewaffnung besteht aus einem starren Vickers M. G. auf dem Rumpf.

Franz. Nieuport Typ 27 mit 110 PS Le Rhone-Motor. *) Vergl. auch die früheren Veröffentlichungen. Flugsport 1017. S. 4(j4.

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Einzelgewichte: - Belastung:

Motor......143 kg Führer ...... 80 kg

Luftschraube . . . 14,5 „ Bewaffnung .... 30 „

Tanks...... 15,0 „ Betriebsstoffe .... 64 „

Motorzubehör, Instrumente .... 6 „

Leitungen usw. . 12,5 „ 180 kg

Rumpf mit Fahrgestell

und Flossen . . 135,0 „

Flügel..... 96,0 „

416,0 kg

Flächenbelastung: . . . 39,05 kg/uoA Lei stun gsbelas tung : . . . 4,59 „ Einheitsgewicht der Flügel: 6,3 .,

Sopwith Kampf ei nsitzer mit 180 PS Cleiget-Motor.

Sopwith Kiimp'ciiisitzer mit 180 PS Clerget-Motor.

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Der Sopwith Kampfeinsitzer mit 130 PS Clerget Motor*).

Sopwith camol.

(Hierzu Tafel VII.)

Das von der Sopwith aviation Comp. Ltd. in Kingston on Thames hergestellte Flugzeug trägt die Bezeichnung F. 1 B. 6290.

Der einstielige Doppeldecker ist eine Weiterentwicklung des Sopwith pup, zeigt jedoch, abgesehen von der größeren Motorstärke, manche Abweichungen.

Flügel und Höhenflosse mit Höhenruder haben wie bei den älteren Flugzeugen Trapezform, doch liegt jetzt die größte Spannweite an der Flügelhinterkante. Der Baldachin hat eine Breite von 2,17 m, während die Stielbefestigungspunkte nur 1,48 m auseinanderliegen. Da Druck und Fallbenzintank nach hinten verlegt sind, liegt der Führersitz unmittelbar hinter dem Motor, unter dem Baldachin. Zur Verbesserung der Sicht ist daher im Baldachin eine rechteckige Oeff-nung vorgesehen, dessen in Flugrichtung liegende Kanten mit über das Rippenprofil vortretenden Sperrholz beschlagen sind, damit ein seitliches Abfließen der Luft vermieden wird. Um ein bequemeres Besteigen des Sitzes zu ermöglichen, ist der Baldachin an der Hinterkante "ausgeschnitten. Ober- und Unterflügel haben gleiche Spannweite von 8,57 und gleiche Rippentiefe von 1,37 m. Die Spannweite verhält sich demnach zur Rippentiefe wie 1:6,25 gegenüber 1:5,15 der alten Ausführung.

Die Flügelholme aus Spruceholz haben I-förmigen Querschnitt mit Ausnahme des unteren Hinterholmes, der voll gehalten ist. Der Flügelabstand beträgt 1,31:1,52 m im Mittel gleich der Flächentiefe. (Beim alten Einsitzer 1:0,86). Der Oberflügel ist 0,45 m vorgestaffelt. Pfeilform ist nicht vorhanden. Die V Form beträgt oben 178°. unten 170°. Der Einstellwinkel ist im Oberflügel am Baldachin 2°, außen 3°, unten über den ganzen Flügel 3°. Die Stiele aus Spruceholz mit vollen tropfenförmigem Querschnitt sind wie bei allen Sopwith Flugzeugen ohne weitere Befestigung in kurze, auf den Holmbeschlägen aufgeschweißte Stielschuhe gesteckt. Trag- und Gegendrähte, von welchen erstere doppelt angeordnet sind, bestehen aus Profildrähten.

Nicht ausgeglichene Querruder sind in allen Flügeln an den Hinterholmen angelenkt.

Die mit den Rippen vernähte Flügelbespannung ist unten gelblichweiß, oben ebenso wie Rumpfbespannung braunrot gestrichen.

Der normale 4holmige Gitterrumpf ist oben abgerundet. Das Fahrgestell zeigt die bei Sopwith übliche Form. Eine geteilte Aluminiumachse ist in einer tropfenförmigen Holzverkleidung gelagert, hr Gelenkpunkt ist zum Rumpf abgefangen.

Die nach beiden Seiten stark gewölbte Höhenflosse ist mit einem Einstellwinkel von 1,5 0 fest auf dem oberen Rumpfholmen verschraubt. Die bisher bei allen Sopwith Flugzeugen eingebaute Einstellwinkel-verstellvorrichtung ist also trotz der Lagerung der Benzintanke hinter

*;> Vergi, die früheren Typen Flugsport 1017, S. 13'2 ; 36ö.

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größeren ovalen Aluminiumdeckel zugedeckt. Auf der Innenseite des Deckels liegen zwei Riegel, die durch eine Feder aufeinandergedrückt werden. Die inneren Enden der Riegel sind nach außen durch einen Schlitz umgebogen, sodaß man vor dem Befestigen des Deckels die Riegel zurückziehen kann.

Ein Rumpfverkleidungsverschluß von Ago

ist weiterhin in nebenstehender Abbildung nach englischer Darstellung wiedergegeben. Der Verschluß besteht aus einem sicherheitsnadelartig gebogenen Stahldraht, der an dem Verkleidungsblech scharnierartig befestigt ist und mit dem zu einer Oese gebogenen Ende über einen am ftumpfteil befestigten seitlich geschlitzten Kopf gedrückt wird. Das beim Befestigen des Verschlusses zurückgedruckte Uraht-

, ,, .. ende federt dann in dem Schlitz des Kopfes und RumpfYerkleidiings- . , .. ,. T7 , . , r

verschlnß von Ago sichert somit die Verbindung.

Rittm* v. Richthofen f.

Wie "bereits in der letzten Nr. des „Flugsport" gemeldet, ist Rittm. v. Richthofen am 21. April gefallen. Seine Heldentaten werden fortleben und von späteren Geschlechtern besungen werden.

Ueber Richthofens Tod erfährt der Kriegsberichterstatter des „Daily Chronicle" Folgendes: Richthofen erschien mit seinem Jagdgeschwader von ungefähr 30 Flugzeugen am Sonntag über den englischen Linien im Sommetal. Nachdem er dort ein paar von unseren Fliegern vertrieben halte, schwenkte er mit seiner Jagdstaffel nach Norden. Bald waren dort rund 50 Maschinen mit einander im Gefecht; aus vielen Meilen Entfernung kamen noch viele Flieger herbei, um daran teilzunehmen. Es war ein erbitterter Lufikampf, in dem man Freund oder Feind unmöglich unterscheiden konnte. Plötzlich wurde Richthofens Flugzeug in einer Höhe von 50 Metern wahrgenommen; er stürzte vor den Augen des Feindes nieder. Als man seine Leiche fand, zeigte sich, daß er einen Schuß in. der Brust dicht neben dem Herzen erhalten hatte. — Der Kriegsberichterstatter der .Times" fügt seiner Meldung hinzu: Alle britischen Flieger geben zu, daß Richthofen ein großer Flieger und ein ehrlicher Gegner war.

Seheuermann berichtet über Richthofens letzten Flug Folgendes: Richthofen war am Sonntag Vormittag mit vier Flugzeugen seiner Staffel zu einem Feindflug gestartet. Von diesen waren zwei mit bewährten Kampffliegern besetzt, dem Leutnant Wolff und dem Vizefeldwebel Schulz. In den beiden anderen flogen Überleutnant Karjus, der begonnen hat, nachdem er trotz der schweren Verwundung, die ihm 1914 die rechte Hand weggerissen hat, sich jahrelang als hervorragender Beobachter ausgezeichnet hat, zur Kampffliegerei überzugehen, und Leutnant v. Richlhofen, ein junger Vetter des Rittmeisters. In der Gegend von'Hamel wurden Leutnant Wolff und Oberleutnant Karjus in einen Kampf gegen sieben englische Sopwith-Camels verwickelt. Diesen edten sieben weitere Sopwith-Camels zu Hilfe, während gleichzeitig eine deutsche Albatroßstaffel aus der Höhe von Saillyle See herbeistieß. Ein Teil der Engländer wich den Albatrossen aus, von diesen verfolgt. Wolff und Karjus blieben in ein Nahgefecht mit drei bis vier Sopwith-Camels verwickelt, als ganz plötzlich Richthofens rote Maschine vorbeistrich und einen der Feinde in steilem S urzflug zur Erde drückte. Inzwischen schoß Ltn. Wolff einen der übrigen Gegner, seinen neunten, brennend ab. Als er ihm nachschaute, beobachtete er noch, wie Richthofen seinen Gegner ganz tieffliegend nach Westen, der Somme zu, verfolgte. Im nächsten Augenblick war Ltn. Wlff in einen Zweikampf mit einem sehr gewandten Gegner verwickelt. Nach mehrfachem Kugelwechsel hatte dieser wohl eine Ladehemmung, auch eine Anzahl Treffer im Apparat, sodaß er sich

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zurückzog. Dann stellte er mit Beunruhigung fest, daß Richthofens Apparat in der Gegend von Hamelet verschwunden war.

Auf dem Heimweg war er nebst den anderen deutschen Fliegern genötigt, ein ihnen begegnendes englisches Geschwader zu verfolgen. Als sie dann im Heimathafen eintrafen, waren schon eine Anzahl von übereinstimmenden Beobachtungen aus Flugzeugen und von Artilleriebeobachtern gemeldet, welche ergaben, daß Richthofen seinen Gegner, den er bei scharfem Ostwind gegen seine sonstige Gewohnheit etwa acht Kilometer weiter hinter die feindliche Linie verfolgt hatte, zur Strecke gebracht und dann versucht hatte, seinen Apparat wieder in die Höhe zu bringen. Doch hatte dieser sich alsbald wieder geneigt, infolge einer Verletzung des Steuers oder eines Motordefekts, und Richthofen hatte den Apparat auf feindlichem Boden im glatten, wenn auch steilen Gleitflug unversehrt aufgesetzt. Man nahm allgemein an, daß der Siegfried der Luft unverwundet in engtische Gefangenschaft, gefallen sei, denn ein Verwundeter hätte den schweren Dreldecker nicht so sicher landen können. Erst der feindliche Funkspruch brachte die allenthalben an der Frönt mit großer Erregung aufgenommene und nicht geglaubte Mitteilung vom Tode des Helden. Inzwischen hat sich das Gerücht verbreitet, welches hier allenthalben umläuft, ohne daß ich die Quelle kenne, daß die Australier, in deren Divisionsabschnitt das Flugzeug niedergegangen ist, Richthofen nach Verlassen seines Apparats erschlagen hätten.

lieber die Beisetzung wird aus Paris gemeldet: Nach dem Absturz wurde die Leiche des deutschen Fliegers, Freiherrn von Richthofen, nach einem Flugplatz überführt und auf ein Paradebett gelegt. Freiherrn von Richthofens Körper weist zwei Verletzungen auf, die eine auf der rechten Seite und die andere dicht unter dem Herzen. Das Gesicht war durch den Todeskampf sehr entstellt, jedoch unverletzt. Das Flugzeug des Toten liegt auf einer Rasenböschung. Es war mit 6 Maschinengewehren, das heißt mit doppelt so viel Maschinengewehren, als die gewöhnlichen Flugzeuge führen, versehen. Nach dem Berichte der sechs Flieger, die sich in die Ehre teilen, den deutschen Flieger abgeschossen zu haben, unternahm Richthofen, von sechs deutschen Flugzeugen begleitet, uegen drei französische den Kampf, und zwar am Sonntag gegen Mittag beim Dorfe Sailly-le-Sec. Richthofen griff zuerst an, wurde aber bald von seinem Geschwader abgeschnitten.

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Eine erste Kugel traf ihn, worauf er sich verwundet, aber nicht besiegt wie ein totes Blatt zur Erde fallen ließ, um sich 20 Meter über den Boden wieder aufzurichten und auszuweichen. Er wurde jedoch das Ziel eines Maschinengewehres, das sofot das Feuer auf ihn eröffnete und ihn niederstreckte. Die Beisetzung war auf 5 Uhr angesetzt. An dem schwarzen Holzsarge war eine Aluminiumtafel angebracht, die in zwei Sprachen folgende Inschrift trug : „Kavalleriehauptmann Freiherr Manfred v. Richthofen, 25 Jahre alt, in einem Luftkampf am 21. April 1918 gefallen". Sechs Offiziere. Abgeordnete der Behörden, trugen den Sarg auf ihren Schultern bis zum Totengespann. 12 Soldaten, in doppelter Reihe aufgestellt, bildeten das Ehrengeleit. Flieger schritten dem Leichenzuge voran. Vier französische Flieger, die auf dem Luftwege herbeigeeilt waren, und 50 Soldaten, die in Kolonnen zu vier Mann marschierten, folgten ihm. Der Sarg wurde in einer Ecke des Friedhofes mit einigen Worten des Beileids beigesetzt. Drei Salven wurden zu Ehren des Gefallenen abgefeuert. Den Sarg bedeckten Blumen und Kränze, mit deutschen Farben geschmückt. Einer der Kränze trug die Inschrift: „Einem tapferen und würdigen Feinde".

Manfred Albrecht Frhr. v. Richthofen war 1892 als zweites Kind des. Rittmeisters z. D. v. Richthofen in Breslau geboren. Zum Offizier bestimmt, kam er auf die Kadettenanstalt und wurde am 19. November 1912Leutnant. 19i7 stand er als solcher bei der in Ostrowo (Reg.-Bez. Posen) liegenJen 3. Eskadron des Ulanenregiments Kaiser Alexander III. von Rußland Westpreuß. Nr. 1, dessen Stab in Militsch liegt. Im Krieg ist er zur Fliegerwaffe übergegangen ; sein Hervoi treten in ihr haben wir vielfach erwähnt. Am 17. November 1916 erfocht er seinen ersten Luftsieg. Für den 16., das Doppelte des früher üblichen, erhielt er Ende 1916 den Orden Pour le Mérite, wurde am 22. März 1917 außer der Reihe zum Oberltn. beiördert, aus Anlaß seines 38. und 39. Luftsiegs am 8. April (mit Patent vom 28. November) zum Rittmeister. Immer höher stieg die Kurve seiner Erfolge, und am 30. Juni wurde bekannt, daß ein englischer Armeebefehl 1000 Pfund als Preis für die Fliegerabteilung bestimmt, die Richthofens, tot .oder lebendig, habhaft wird, außerdem 500 Pfund für den Führer des Geschwaders. Man sieht daraus, wie hoch die Engländer den Gegner einschätzen, den sie selbst auch als gefährlichsten aber stets ehrlichen Gegner bezeichneten, und wie tief ihre Volkskultur steht. Daß sie es für nötig finden, ihre Ritterlichkeit hesonders zu betonen, die von uns stets selbstverständlich geübt worden ist, dürfte ein weiterer Beweis dafür sein. Sie haben ja auch bekanntlich die Ritterlichkeit sonst sehr oft vermissen lassen.

Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt.*)

ii.

War der erste Tag der Hamburger Tagung aerodynamischen Fragen im engeren und weiteren Sinne gewidmet, so wurden am 18. April hilfsgebiete des Flugwesens behandelt: Meteorologie und Motorenbau, beides Zweige der Wissenschaft, die auf deutscher Seite mit besonders gutem Erfolge gepflegt worden sind und vor d m Kriege bereits unbestritten Weltruf besaßen. Vergleicht man die Fortschritte, die der Krieg auf diesen beiden Gebieten gebracht hat, miteinander, so dürfte man die Meteorologie an erster Stelle zu nennen haben, denn dieses jüngste Kind der Heerestechnik ist in einer vorher wohl kaum geahnten Welse für die Zwecke der Praxis ausgebaut worden; nach der fast sprunghaften Wetterdiensterweiterung des Jahres 1917 und Anfang 1918 haben, wie Dr. Cloessner in einem äußerst klaren und gut gegliederten Vortrage über.den Wetterdienst im Heere ausführte, die läßlichen Feststellungen mittels Pilotballonen, Drachen und auch Flugzeugen einen sich der Zahl tausend nähernden Umfang angenommen. Diese enorme Erweiterung ist nicht allein auf die Bedürfnisse des Flugwesens und der Luftschiffahrt zurückzuführen, wenn auch gewisse Leistungen dieser Waffen erheblich durch den Wetterdienst beeinflußt werden und es kein Zufall war, daß es bei einem Angriff auf London im vorigen Jahr gelang, diesen so sorglältig vorzubereiten, daß unsere Großflugzeuge hin und her mit Rückenwind flogen und kurz vor Gewitterausbruch landen konnten. Ebenso wichtig ist die Vorbestimmung von „Gaswetter", die Feststellung der Struktur der oberen Luftschichten für die weittragende Artillerie, ferner Sichtfeststellungen für Drachenballone und Licht- und Schallmeßtrupps, Wetterprognosen für landwirtschaftliche und Sanitätszwecke. Und für diese vielen

") Vgl. Flugsport tili«, Nr. 9, Seite 205.

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Aufgaben war bei Kriegsausbruch ein kaum nennbares Personal vorhanden; hunderte von Beobachtungsstellen sind heute mit Nichtfachleuten besetzt; unter ihnen nimmt die Lehrerschaft eine Vorrangstellung ein. Die Aufgabe dieser Stellen ist eine diagnostische, und es liegt ein tieferer Sinn in dem Soldatenwitz, der ihr Personal als .Laubfrosch" bezeichnet. Zwar ist eine Feststellung der gerade herrschenden Wetterlage nicht so einfach, wie sich der Laie es vorstellt, die Hauptaufgabe der Heeresmeteorologie ist aber die Prognose; sie kann nur auf einwandfreier diagnostischer Grundlage gelöst werden und erfordert bei der Beratung der Fliegerverbände mitunter ein recht großes Maß an Verantwortungsfreudigkeit der mit der Wettervoraussage betrauten Stellen. Zuweilen wird von diesen zu viel verlangt; Wettervoraussage auf längere Zeit — über 2—3 Tage hinaus — ist in den meisten Fällen ein Ding der Unmöglichkeit. Auf die Ausführungen Dr. Cloessners über die Frage einzugehen, ob und wie eine Neuorganisation des Heereswetterdienstes nach dem Kriege durchzuführen sein wird, verbietet sich unter den obwaltenden Umständen; hervorgehoben zu werden verdient der Hinweis des Vortragenden, daß, wenn auch der Flieger im Laufe der Zeit immer unabhängiger vom Wetter werden wird, dasselbe nicht bezüglich des Wetterdienstes gilt, denn die Aufgaben, die der Flieger in der Zukunft gestellt bekommt, werden wesentlich höhere, als es die heutigen schon sind, sein.

Vorstehenden Bericht ergänzte Dr. Steffens vom marinemeteorologischen Standpunkt aus in fesselnder Weise; er wies nach, daß etwaige künftige Ersparnisse an Ausgaben für die praktisch organisierte Meteorologie in Wirklichkeit Millionen-Verluste zulr Folge haben würden, sei es im Seeverkehr an Fischerei-und Handelsschiffen, oder sei es im Luftverkehr an Flugzeugen und Luftschiffen; und nicht zuletzt in der Landwirtschaft. Erreicht doch der Verlust, der in einem einzigen Winter in Deutschland durch das Auswintern des Getreides entstehen kann, .-ummen von einer Höhe, wie man sie vor dem Kriege zu veranschlagen selten Gelegenheit gehabt hat. Der Marinewetterdienst ist nach der Natur der Sache längs unseren Küsten organisiert und findet seine oberste Leitung im Stabe des Reichsmarineamts. Eine Reihe von Zweigstellen in Hafenstädten, von Drachenwarten und ein Heer von Gewitterstationen versieht den diagnostischen Dienst, der dreimal am Tage die Wetterkarte bestimmt. Diese, natürlich auch

Vom ersten deutschen Fhignostdienst in der Ukraine. Das Postflugzeug übernimmt die. Post.

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Vom ersten deutschen Flugpostdienst in der Ukraine. Das Postniigzcug Ubernimmt die Post.

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in letzter Zeit erheblich erweiterte Organisation ist älter als die des Heeres und gründete sich ursprünglich auf der Hamburger Seewarte, die durch ein Reichsgesetz von 1675 ins Leben gerufen wurde. Deren Monopolstellung wurde, als der Wetterdienst ein öffentlicher wurde, aufgehoben; die Dezentralisation schuf Bezirkszentralstellen. Die Luftschiffahrt und später das Flugwesen brachten weitere Umwandlungen, aus dem Marineluftfahr-Wetterdienst wurde ein allge meiner Mannewetterdienst. An eine Rückkehr zu den Verhältnissen vor dem-Kriege ist nicht zu denken; gewisse Aufgaben, wie z B. die noch immer wenig aufgeklärten Gesetze der Hoch- und Tiefdruckgebiete, erfordern das Weiterbestehen organisierten Wetterdienstes räch dem Kriege; ob die zukünftige Organisation eine militärische oder eine zivile ist, ist belanglos.

In pjeistvollerWeise behandelte Geheimrat Dr Süh r i n g vom Meteorologischen Institut in Potsdam die wissenschaftlichen Aufgaben der Meteorologie nach dem Kriege und deutete die weitausgreifenden Pläne an. deren Erledigung sich unsere führenden Wetterkundler vorgenommen haben. Ausgehend von der durch die Erfahrung erhärteten Tatsache, daä die bisher hauptsächlich getriebene Erforschung der mittleren Luftschichten allein nicht genügt, sondern daß in erhöhtem Maße die Ausdehnung der Beobachtung von der untersten bis in die höchst erreichbaren Schichten zu betreiben ist, zeigte der Vortragende einesteils, welches hohe Interesse seitens der meteorologischen Wissenschaft — durch die besonderen Aufgaben der Aerodynamik veranlaßt — den untersten Schichten und ihrem laminaren und turbulenten Charakter entgegen gebracht sind; die Forschungen von Hellmann, Kfppen, Schmidt-Wien u. a. sind letzten Endes Beiträge zu der in aerodynamischer Hinsicht von Prandrl und Ahlborn — berührten Turbulenzfrage Andrerseits hat die Erforschung der Beziehungen zwischen Temperatur und Druck in größeren Höhen — zwischen 8 und 10 km — zu, den "meteorologischen Verhältnissen des Bodens wichtige Ergebnisse bereits gezeitigt, die sich um den Begriff der S u bs tratos p h äre gruppieren. Die empfindlichen Kälteeinbrüche Ende Januar 1917 sind als aus dieser Schicht stammend festgestellt worden. Ein wichtiges Hilfsmittel für die diesbezüglichen Erfahrungen stellen Wolkenstudien dar; sie ließen u. a. erkennen, daß die genannte Schicht gewöhnlfch nicht parallel zur Erdoberfläche, sondern unter Winkeln von 4° bis 20° verläuft. Ein weiteres Ziel gegenwärtiger Forschung ist der genauen Feststellung der Luftreibung gewidmet; man ist nämlich in der freien Atmosphäre zu erheblich anderen Werten gelangt, als sie bisher im Laboratorium festgestellt worden sind.

Indem auch Sühring betont, daß künftig mehr für die Theorie und Praxis getan werden, müsse, stellt, er als die wichtigsten Aufgaben der meteorologischen Wissenschaft nach dem Kriege folgende vier Hauptpunkte auft

1. Erforschung des Verlaufs und des Entstehens der allgemeinen Zirkulation der Atmospäre auf breiter Grundlage durch internationale Zusammenarbeit.

2. Erforschung gewisser Aktionszentren, wie z B. auf den Azoren, und im Zusammenhang mit den beiden vorgenannten Arbeiten, die nur dann Erfolge versprechen, wenn sie auf gelehrten Grundlagen vor steh gehen, die Aufstellung von Weitweiterkarten.

3. Weiterer Ausbau der Klimatologie,

4. Vervollkommnung des meteorologischen Unterrichts.

Unter Hinweis darauf, daß es nach dem Kriege eine Menge meteorologischer Aufgaben gibt, die nur durch exakte wissenschaftliche Forschung zu lösen sind, schloß der Vortragende seine beifällig aufgenommenen Ausführungen.

Am Schluß der meteorologischen Vorträge besprach Dr. Georgi die Fortschritte, die" die Apparatur während des Krieges erfahren hat, und zeigt an einer überreichen Zahl von Lichtbildern und Modellen den großen Aufschwung den der nicht nur zerstörende, sondern auch aufbauende Krieg auf dem besprochenem Gebiet herbeigeführt hat.

[Nunmehr nahm de Versammlung den mit Spannung erwarteten Vortrag des Dipl. Ing. Schwager von der Inspektion der Fliegertruppen über unsere Bestrebungen und Erfahrungen im Flugmotorenbau entgegen. Wie aus seinen Ausführungen hervor ging, sind Ansätze genug vorhanden, die eine Leistungssteigerung und Anpassung des Flugmotors an die fortschreitenden Aufgaben des Flugwesens zum Ziele haben. Wie weit allerdings schon für die nächste Zeit sich diese Ansätze in die Praxis umsetzen lassen können, bleibt abzuwarten.

Bei Ausbruch des Krieges bestanden die größten Einheiten aus Flugmotoren von HOPS mit einem Einheitsgewicht von 1,8—2 kg/PS. Diese Zahlen konnten erheblich verbessert werden, was erforderlich war, da die Anforderungen mit

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einsetzender Organisation der Abwehr hinsichtlich Steighöhe und -Geschwindigkeit, Fluggeschwindigkeit und Nutzlast -(Waffen, Lichtbild- und F.T.- Einrichtungen) höhere werden. Und so entstanden üOO, 220 und 260pferdige Motoren mit 1,5-2kg/PS Einheitsgewicht. Gewiße Spezialflugzeuge brachten andere Entwicklungslinien hinzu, zumal die großen Motoren unangenehme Eigenschaften aufwiesen. Man ging zur Ausnutzung hoher Kolbengeschwindigkeiten über, als deren Beispiel der Vortragende den Hispano-Suiza-Motor, der im Winter 1916/17 auftauchte, besprach.*) Dieser Motor, ein ausgesprochener Schnellläufer, der eine Gasgeschwindigkeit von 50-60m/Sek und einen mittleren Kotbendruck von ö-9,5kg/qcm besaß, wies große Mängel besondere hinsichtlich der Kühlung der Auslaß-Ventile auf, sodaß er es auf keine längere Betriebszeit als 6—8 Stunden bringen konnte, wie überhaupt keins der ausländischen Fabrikate die bei deutschen Motoren erprobte 60stündige Dauerprüfung bisher durchhalten konnte. Auch das Unter-setzunge-Getriebe das später in die Hispano-Suiza-iV\otoren eingebaut wurde, machte Schwierigkeiten, was schon daraus hervorgeht, das fast jeder der feindlichen Lizenznehmer genannter Motorenart diese Aufgabe von sich aus zu lösen suchte. Auch in Deutschland betrieb man den Schnellläufer-Bau. Ein derartiger Typ weist z. B. in neuester Ausführung eine Leistung von mat. 260PS bei 325kg Gewicht auf. Wenn auch das Einheitsgewicht gegenüber früheren Erzeugnissen derselben Firma scheinbar keinen Fortschritt aufweist, so liegen doch beträchtliche Vorteile in der geringeren Drenzahl der Schrauben welle und in verringertem Betriebsstoff-Verbrauch. Neben dieser Firma befaßten sien noch andere Motorenfabriken mit der Herstellung von Schnelläufern. Erwähnenswert unter diesen ist die abweichende Bauart eines 8 Cylinder-Doppelreihen-Motors, bei dem 2 Kurbelwellen in einem Gehäuse laufen und die trotzdem kein'höheres Einheitsgewicht ergibt. Mehrfach ist hierbei die Bevorzugung der V-Stellung der Cylinder gewählt worden, die in weiterer Konsequenz zum Fächer-Motor führt, auf dessen Vorzüge bereits von englischer Seite hingewiesen wurde. So wurde ein Motor herausgebracht, bei dem 9 Cylinder in drei Reihen hintereinander zu je dreien angeordnet sind, eine Bauart, die bei größerer Ausführung Vorteile hinsichtlich der Panzerung verspricht.

Das Schnellläufer-Prinzip ist auch bei Umlaufmotoren angewandt worden, indem man Stern nnd Welle sich gegensei ig umlaufen läßt, was außerdem den Vorteil des Wegfalls des Kreisetmoment mit sich bringt. Bei einem derartigen Probemotor war die Steigleistung im Flugzeug eins äußerst hohe.

Neben der Schnellläufer-Frage wurde der Entwicklung des Zweitakt-Motors mehr Beachtung geschenkt. Hier ist es die lieherrschung der Wärmebeanspruchung, die Schwierigkeiten macht, und die vergleichsweise zehnmal erößer ist als die in der Feuerbüchse einer Lokomotive. Auf diesem Gebiet sind durch die Erfindungen eines durch seine systematischen Forschungen bekannten Industriellen, die hauptsächlich in einer bemerkenswerten Kolbenkühlung bestehen, gute Fortschritte erzielt worden. Mit einer eigenartigen Kolbenanordnung hat derselbe zugleich guten Massenausgleich mit geringer Drehzahi zu vereinen verstanden.

Eine Reihe andrer Arbeiten, die sich an den Namen eines früher sehr bekannten deutschen Fliegers knüpfen, hat sich mit dem auch im Auslande behandelten Problem befaßt, die Entfernung der Verbrennungsgase und die Ladung der Cylinder mittels der Saugwirkung eines hohl ausgebildeten Stahl-Propellers vorzunehmen. Dieses , auch bei Viertaktmotoren anwendbaren Systems hat zwar sehr geringe Ein)ieit$gewichte,. ergeben, jedoch sind noch Schwierigkeiten zu beseitigen, die dadurch entstehen, daß die heißen Gase aus dem festen in den rotierenden Teil übergeleitet werden müssen.

Die Schaffung eines Le chtgewichts-Motors beendet noch nicht die am Ausbau des Flugmotors zu leistenden Arbeiten.da infolge der abnehmenden Luftdichte in größeren Höhen auch die Leistung des Motors abnimmt Die Verringerung der Luftdichte ist hierfür nicht der alleinige Grund, es kommt noch die Abnahme des Wirkungsgrades bei der Umwandlung der Brennstoff- in die Motorenenergie hinzu, die den Brennstoffverbrauch erhöht. Man ist auf dem Wege, Einrichtungen zu finden, die bezwecken, das Mischungs-Verhältnis im Vergaser und damit die Drehzahl konstant zu halten; außerdem muß auch noch der erwähnte Wirkungsgrad verbessert werden, um einen vollkommenen Höhenmotor zu erhalten. Die Aufgabe der Zuführung der Verbrennungsluft unter konstantem Druck ist auf zwei Arten zu lösen: Entweder mit Vorverdichter (Turbokompressor, wie es von einer schweizerischen Firma geliefert, gute Erfolge

*) Vergl. Flugsport IUI«, Nr. 7 Weite 329.

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erzielt hat — bis 4 000 m konstante Leistung; -) oder in dem sogenannten höhendimensionierten Motor, d. h. in einem Motor, der für die Höhe, in der seine Leistung konstant sein soll, gebaut ist. U. a hat eine bayrische Firma einen Motor herausgebracht, der in denselben Abmessungen wie ein bestimmter 260pferdiger Motor 180PS bis 3503m konstant leistet.

Am Schlüsse seiner Ausführungen gedachte Diol. Ing. Schwager auch neuerer Arbeiten, die sich — als Folge der Höhenmotoren — mit der Verstellbarkeit, z.T. automatisch, der Luftschraubenflügel befassen. Die anregenden Ausführungen des Vortragenden wurden mit starken Beifall aufgenommen.

Die Vorführung bisher nicht gezeigter Filmaufnahmen aus dem Heeresflugwesen und die üblichen Dankformalitäten schloßen die arbeitsreiche Hamburger Tagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt ab.

FürWerksrarru.flugplarz

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Nachdruck aller Artikel unter dieser Rubrik ist verboten). , Luftpinsel oder Anstrichmaschinen sind in der deutschen Industrie seit vielen Jahren in Verwendung. Diese Luftpinsel, Farbenzerstäuber, bestehen in der Hauptsache aus zwei ineinandergesteckten Düsen, wovon die innere Düse die Anstrichfarbe und die äußere die Preßluft nach der Mündung, wo die Zerstäubung erfolgt, führt. In der englischen Flugzeugindustrie werden z. Zt. diese Apparate stark angeboten. Abb. 1 zeigt einen Luftpinsel in Form einer Pistole, bei der denBehälter für die Anstrichfarbe auf die Pistole aufgeschraubt ist.

'. Abb. 1 Engl. Anstiieh-Luftpistole.

"'imiiiiniiniiiin Abb. 2. Engl. Anstrich Vorrichtung „ Aerograph"

Abb. 2 zeigt einen größeren engl. Anstrichapparate mit Luftpistole. Durch den Schlauch F wird durch komprimierte Luft, die Farbe aus dem Hauptgefäß nach der Düse gedrückt. Durch einen zweiten Schlauch E., der gleichfalls an der Düse mündet, wird komprimierte Luft nach der Düse geführt, welche die aus Farbdüsen austretenden Farben in Form eines dichten Hebels zerstäubt. Bei richtiger Handhabung arbeiten die Luftpinsel und Anstreichapparate äußerst sparsam und gestatten das Auftragen von dünnen Farbschichten. Sie gestatten auch die Ausführung von ineinandergehenden Schattierungen, wie es beim Auftragen der Farbe durch Handpinsel unmöglich ist.

„Flugsport", Organ d. Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. Modellflugv. 1918. Tafel VII.

Sopwith Kampf-Einsitzer. Motor 130 PS Clerget.

Nachbildung verboten.

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flugtefynifibe ttundfcljau.

Inland.

Das Eiserne Kreuz I. Klasse erhielt: Flugobermaat Hess und Flugmaat Neubert.

Den Heldentod fanden: Ltn. d. R. und Flgf. Walter-Henning, Ltn. Paul Helbig, Fliegerltn. Geygel, Einj.FIgzf. und Fw. Kurt Holzhausen.

Die Entschädigung vonPliegerschäden. Bei Besprechung der Regierungsdenkschrift über die Kriegsmaßnahmen im Ernährungsausschuß der württembergischen Zweiten Kammer hat der Regierungsvertreter mitgeteilt, daß für Fliegerschäden eine Vorentschädigung in voller Höhe erfolgt, nachdem dieReichsleitüng den Ersatz aus der Reichskasse zugesagt hat. Eine etwaige Verzögerung in der Auszahlung ist lediglich auf eine verspätete Feststellung des Schadens zurückzuführen. Dagegen werden indirekte Schädigungen, sei es nun, daß durch Bombenwurf ein Elektrizitäts- oder Gaswerk getroffen und dadurch die Zuführung von Strom oder Gas unterbrochen wird, wodurch sich ein Gewerbetreibender geschädigt fühlen könnte, in keiner Form vergütet. Die Bedürftigkeitsklausel ist neuerdings fallen gelassen worden, somit erhalten auch Gemeinden und dergleichen künftig die volle Entschädigung. Ein Rechtsanspruch auf die Entschädigung wird aber auch künftig nicht anerkannt, damit bei übertriebenen Schadenersatzforderungen gegen die Staatsverwaltung nicht geklagt werden kann, wenn eine Einigung nicht zustande kommen sollte. Bei Personenschäden ist eine Vergütung ausgeschlossen, wenn die Person auf der Straße, trotz vorausgegangenen Warnungszeichens, beschädigt wird. Dagegen soll eine Entschädigung eintreten, wenn die Person im Hause verletzt wurde, bevor sie den Keller aufsuchen konnte. Ein Bedürfnis für Privatversicherung gegen Fliegerschäden besteht nicht, sie könnte nur in Frage kommen, wenn sich jemand gegen etwa entgehende Zinsen stützen will; denn bei Gebäudeschäden kann der Ersatz nach dem in Betracht kommenden Gebäudeversicherungsgesetz erst ausbezahlt werden, wenn das Gebäude wieder errichtet oder ausgebessert wird.

Von der Front.

17. April. Bulgarischer Bericht. Auf beiden Seiten des Wardar lebhafte Lufttätigkeit beim Feinde.

18. April. Wien. Zwischen dem Garda-See und der Piave rege Fliegertätigkeit. In Albanien errang der Offizierstellvertreter Arrighi seinen 24. Luftsieg.

Besiegt! Im Luftkampf an der Westfront abgeschossener SopwitliKanipfdiisitzer..

Besiegt! Im Luftkamjil un der Westfront angeschossener Sopwitli-Kaiiipfeiiisitzer.

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Französischer Orientbericht. Bombenabwürfe durch Flieger auf Feldlager des Feindes nordwestlich von Seres und nördlich des Prespa-Sees.

Englischer Bericht aus Italien. Gestern war der erste schöne Tag seit zehn Tagen und es herrschte eine starke Fliegertätigkeit. Es wurden verschiedene erfolgreiche Erkundungsllüge auf weite Entfernungen ausgeführt. Auch fanden schwere Luftkämpfe statt. 11 feindliche Flugzeuge wurden zerstört und eines steuerlos zum Landen gezwungen Von unseren Flugzeugen wird keines vermißt. Außerdem wurde ein feindliches Flugzeug heute durch die Abwehrgeschütze abgeschossen.

20. April. Französischer Bericht. In der Nacht vom 18. auf den 19. April warfen 15 unserer Flieger nahezu vier Tonnen Geschosse auf den Landungsplatz Chaspien und auf Truppenlager in der Gegend von Harn, Guiscard und Noyon ab. Im Laufe des 19. April warfen 13 unserer Flugapparate in zwei Expeditionen 1860 Kilogramm Sprengstoffe auf die feindlichen Einrichtungen in der Gegend von Roye und Moreuil ab. In der Nacht vom 19. auf den 20. April beschossen 70 unserer Apparate in wirksamer Weise den Bahnhof von St. Quentin, ebenso zahlreiche Eisenbahnanlagen bei Jussy und Flugplätze. Mehr als 15 Tonnen Sprengstoffe wurden abgeworfen. Eine andere Gruppe von sieben Apparaten bewarf die Bahnhöfe von Montcornet. Asfeld, Hirson und den Flugplatz von Clermont-Ies-Fermes Unsere Erkundungsflieger beschossen aus geringer Höhe feindliche Ttuppen, die in Ruhelager waren. Es bestätigt sich, daß ein Drachen und drei neue deutsche Flugapparate heruntergeholt wurden.

21. April. Deutscher Tagesbericht. Rittm. Frhr. v. Richthofen errang an der Spitze der bewährten Jagdstaffel 11 seinen 79. und 80., Ltn. Buckler seinen 31. Luftsieg.

" Amsterdam. Wie das „Allgemeen Handelsblad" erfährt, fand am 20. April über Carzand ein Luftgefecht zwischen vier Flugzeugen unbekannter Nationalität statt. Nachdem von niederländischer Seite das Feuer auf sie eröffnet worden war, verschwanden sie in westlicher Richtung. Vermutlich ist eine der Flugmaschinen ins Meer abgestürzt.

22. April. Englischer Bericht. Das Wetter besserte sich am 6. April. Dichte Wolken verhinderten jedoch, in größerer Höhe zu fliegen. Eine Anzahl Erkundungen wurden von unseren Flugzeugen ausgeführt. Während des Tages wurden 12 Tonnen Bomben von unseren Fliegern auf verschiedene Punkte, u. a. auf Menin, auf Armentieres und auf den Eisenbahnknotenpunkt Thourout abgeworfen. Infolge des Eintritts besseren Wetters fanden auch zahlreichere Luftkämpfe statt als an. den vorhergehenden Tagen. Sechs feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen und drei in beschädigtem Zustande zur Landung gezwungen. Drei unserer Flieger kehrten nicht zurück. Während der Nacht beschossen unsere Geschwader Bapaume, sowie feindliche Kantonnements. und nach der Front führende Straßen. Die Eisenbahnknotenpunkte, die vom Feinde verwendet werden, zum Beispiel Chaulnes, wo ein großer Brand entstand, und Juniville (20 Meilen südöstlich von Reims) und Becheniville wurden angegriffen. Wir warfen im Ganzen 11 Tonnen Bomben ab. Alle unsere Apparate kehrten zurück.

23. April. Deutscher Bericht. In den beiden letzten Tagen wurden 30 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Leutnant Buckler errang seinen 32., Leutnant Menkhoff seinen 25. Luftsieg.

Englischer Bericht. Durch schlechtes Wetter wurden die Luftoperationen lange unmöglich gemacht. Am 21. April erlaubte ein Witterungsumschlag unseren Fliegern, während des ganzen Tages Erkundungsflüge vorzunehmen. Durch das klare Wetter waren sie dabei sehr begünstigt. Auf der ganzen Front beschoß die Artillerie unaufhörlich die feindlichen Stellungen. Mehr als 25 Tonnen Geschosse wurden auf den Bahnhof Thourout, auf Menin und Armentieres sowie Chaulnes und verschiedene militärische Objekte geworfen. Unsere Flieger schössen, in geringer Höhe fliegend, Tausende von Patronen ab. Eine große Anzahl feindlicher Apparate stieg auf, ohne jedoch die unsrigen anzugreifen. Zwei feindliche Apparate wurden abgeschossen. Sechs andere landeten in zerstörtem Zustand. Auch ein feindlicher Ballon wurde abgeschossen. Unsere Abwehrkanonen schössen zwei andere Apparate herab. Fünf der unsrigen fehlen. Einer der feindlichen Piloten war v. Richthofen, der mehr als 80 Apparate abgeschossen haben soll. Er wurde heute mit militärischen Ehren bestattet. Unsere Nachtgeschwader beschossen während der Nacht des 21. April von neuem die Bahnhöfe von Armentieres, Bapaume, Chaulnes und Peronne und warfen 9'/i Tonnen Geschosse ab. Alle unsere Apparate sind heimgekehrt.

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24. April. Deutscher Bericht. Rittm. Frhr. v. Richthofen ist von der Verfolgung eines Gegners über dem Schlachtfelde an der Somme nicht zurückgekehrt. Nach englischen Berichten ist er gefallen.

Paris. Amtlich teilt die „Agentur Havas" mit: Nachdem durch Wachtposten in der Richtung auf Paris Motorgeräusch gemeldet worden war, wurde gestern Abend 11 Uhr 30 alarmiert. Kein Flugzeug gelangte über das Artilleriesperrfeuer hinaus oder Uberflog die Umgegend von Paris. Der Alarm endete um l1/» Uhr.

26. April. Die schlechte Witterung hat die Tätigkeit unserer Luftwaffe während der letzten Tage zwar sehr erschwert, aber nicht lahmgelegt. Artillerie-und Infanterieflieger überwachten bei sturmähnlichem Winde und nicht selten bei strömendem Regen die Schlachtfelder in Flandern und östlich von Amiens. Sie verfolgten und störten den Rückzug der Engländer aus dem Ypernbogen und meldeten die jeweils erreichte Linie Sie unterstützten im Verein mit den Schlachtfliegern unsere Vorstöße an der flandrischen Front durch Gewehrfeuer und Bombenwurf in die feindlichen Gräben und Trichterstellungen. Bei der Abwehr der französischen Angriffe in der Gegend von Montdidier beteiligten sie sich durch Granaten- und Maschinengewehrangriffe gegen lagernde und marschierende Truppen bis weit ins feindliche Hintergelände. Am 16 April beschoß ein deutsches Flugzeug starke feindliche Truppenansammlungen auf dem Marktplatz eines Ortes südwestlich Montdidier aus einer Höhe von nur 30 Metern. Unsere Bombengeschwader nutzten die bessere Witterung der letzten Nächte aus, um ihren Kampf gegen die Flughäfen, Truppenunterkünfte und Verkehrsmittelpunkte hinter der feindlichen Front fortzusetzen. Die Bahnhöfe und militärischen Anlagen von Amiens wurden während der letzten drei Nächte mit fast 25000 Kilogramm Sprengstoff beworfen. In der Nacht zum 20. April bezeugte ein großer Brand die besonders gute Wirkung

Englischer Bericht Am 23. April war das Wetter bis 5 Uhr abends nicht sehr günstig für den Flugdienst. Hierauf fanden lebhafte Luftkämpfe statt; außerdem wurden Erkundungen in geringer Höhe ausgeführt und Artilleriekämpfe geliefert. Während des ganzen Tages wurden Neuville, Estaire, Steurmuck, Lagorgen, der Bahnhof von Chaulnes und die Docks von Ostende stark bombardiert. Vierzehn feindliche Apparate wurden abgeschossen, zwei andere wurden zur Landung gezwungen. Ferner wurde ein weiterer deutscher Apparat von den

Spad-Doppeldecker, Ukrainisches (früher russisches) Flugzeug, mit Propeller mitten im Rumpfe und vorn liegendem Beobachtersitz, an dorn ein nach o\>a\ und seitlich bewegliches Maschinengewehr sichtbar ist. Kür Start und Landungen im Schnee ist das Flugzeug statt des Fahrgestells mit schneeschuhartigen Schlittenkufen versehen. (Vergl. die Beschreibung des alten „Spad", Flugsport 1917 Nr. 18, S. 568.

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Fliegerabwehrgeschützen zum Absturz gebracht. Während der Nacht warfen unsere Geschwader mehr als 20 Tonnen Bomben auf verschiedene Punkte ab, so auf Roulers, Neuville, Armentieres, Bapaume, den Bahnhof von Chaulnes, Thourout. Tournay, Courtrai und die Docks von Zeebrügge. An vielen Objekten wurden Treffer beobachtet. An mehreren Punkten brachen Brände aus Alle unsere Apparate sind zurückgekehrt.

Italienischer Bericht. Am 24. April waren unsere Marineflugzeuge trotz der schlechten Witterungsverhältnisse in der oberen Adria tätig. Da unsere Erkundungsapparate in der Umgebung von Pola und Rovigno Bewegungen feindlicher Torpedoboote und kleinerer Kreuzer gemeldet hatten, griff eines unserer Bombardierungsgeschwader die erwähnten Fahrzeuge arn Vormittag an, wobei es ihm gelang, ein Torpedoboot mit zwei Bomben zu treffen. Gegen Mittag wurde im Kanal von Bassano ein Kriegsschiff, das von Torpedobooten und Seeflugzeugen geschützt war, überrumpelt. Ein Seeflugzeug wurde von unseren Apparaten abgeschossen und ging in Trümmern auf das Meer nieder. Das Kriegsschiff und die Torpedoboote wurden heftig mit Bomben beworfen. Einer unserer Apparate wurde infolge von Havarien gezwungen, ganz nahe der feindlichen Küste aufs Meer niederzugehen. Einige unserer Apparate konnten jedoch trotz der schlechten Meerverhältnisse den Flieger retten und ihn nach dem Flughafen zurückbringen. Unsere Seeflugzeuge wurden heftig vom Abwehrfeuer beschossen und von zahlreichen Apparaten angegriffen.

26. April. Bulgarischer Bericht. Oestlich der Tscherna wurde ein französisches Flugzeug von unserer Artillerie getroffen und gezwungen, jenseits der feindlichen Linien niederzugehen.

27. April. Berlin. Bei dem Angriff der Armee des Generals Sixt von Armin gegen den Kemmelberg am 25. April zeigte es sich mit besonderer Klarheit, wie es Uber diesem Kampffeld mit der Luftherrschaft steht, die die englischen Fliegertruppen in ihren Heeresberichten stets zu besitzen behaupten. An diesem Tage ermöglichte die geringe Besserung des Wetters den planmäßig zusammengefaßten Einsatz unserer dort kämpfenden Fliegerverbände, die alle ihre Aufgaben erfolgreich durchführen konnten, ohne daß der mindestens gleich starke Gegner auch nur die geringste Gegenwirkung erzielte. Unsere Infanterieflugzeuge konnten den Verlauf des Angriffs dauernd überwachen, ohne daß auch nur ein einziges deutsches Flugzeug durch feindliche Einwirkung verloren ging. Unsere Jagdstreitkräfte schützten die Infanterie- und Schlachtfliegerverbände über dem gesamten Schlachtfeld, ohne daß der Gegner bereit gewesen wäre, ihnen mit starken Verbänden entgegenzutreten. Von den feindlichen Flugzeugen, die sich zeigten, wurden vier im Luftkampf abgeschossen. So wurde die eigene Artillerie und Infanterie in vollkommenster Weise von den Luftstreitkräften unterstützt, die bis in eine Tiefe von zehn Kilometern die Herrschaft über das Schlachtfeld behaupteten.

28. April. Deutscher Admiralstabsbericht. Das Führerflugzeug einer unserer Jagdstaffeln in Flandern unter der bewährten Führung des Oberleutnants z S. Christiansen hat gelegentlich eines Aufklärungsfluges in den Hoofden ein feindliches Curtiss-Boot abgeschossen.

Meldung aus Bern. Wie „Petit Parisien" meldet, hat ein deutsches Flugzeug-Geschwader in der Nacht vom 20. zum 21. d. Mts. trotz heftigster Luftabwehr Calais überilogen und eine Anzahl Bomben auf bestimmte Viertel abgeworfen. Es soll nur sehr beträchtlicher Schaden angerichtet worden sein. Der Angriff dauerte drei Viertelstunden.

29. April. Französischer Bericht. Im Flugkampf sind zwei deutsche Apparate von unseren Fliegern im Laufe des 27. April abgeschossen worden. An demselben Tage warfen Bombenflieger 6000 Kilogramm Bomben auf Anlagen und feindliche Zonen.

Ausland.

Vorgänge im englischen Luftschiffahrtsministerium. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet unterm 30. April aus London, daß wieder eine erregte, gegen die Regierung gerichtete Debatte im Unterhause stattfand, daß jedoch bei der Abstimmung sich wiederum nur 37 Mitglieder fanden, die gegen die Regierung stimmten. Der Aerger war hervorgerufen worden durch den Rücktritt Trenchards aus seinem Amte im Luftschiffahrtsministerium. Sein Nach-

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folger wurde Weirl, der noch nicht Mitglied des Parlaments ist. Lloyd George verteidigte die Regierung. Er erkannte Trenchards außerordentliche Eigenschaften an, doch Generals Smuts habe im Auftrage des Kriegsministeriums die Konfliktsfrage zwischen Lord Rothermere (der inzwischen gleichfalls zurückgetreten ist) und Trenchard untersucht mit dem Ergebnis, daß Sykes der geeignetere Mann für den Posten eines Stabschefs im Luftschiffahrtsministeriums sei. Weitere Mitteilungen wurden dem Hause nicht gemacht. Die Einwände, die gegen das Vorgehen der Regierung erhoben wurden, kamen von einflußreichen Mitgliedern und waren sehr 7ahlreich. Auch verschiedene Männer, die früher dem Luftschiffahrtsministerium angehörten, so Lord Hughes Cecil und Sir John Simon, beteiligten sich lebhaft an der Kritik, Lloyd George widersprach dabei, daß Abgeordnete ihre Fachkenntnisse dazu benützten, politische Propaganda zu machen. Auch Asquith und Carson bedauerten den Rücktritt Trenchards.

Die „Daily News" zieht trotz der für die Regierung günstigen Abstimmung den Schluß, daß die Regierung wiederum geschwächt aus der Debatte hervorgegangen sei. — Ein früherer Reuterbericht vom 26. April teilte mit, daß Sir Weirl, der Kontrolleur des Luftschiffersatzes, zum Minister der Luftstreitkräfte als Nachfolger des Lord Rothermere ernannt worden ist.

Von der amerikanischen Flugzeug-Industrie. Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Präsident der Anaconder-Kuplerbergwerksgesellschaft, John D. Ryan, ist an die Spitze der vom Kriegssekretär Baker aufgekauften Flugzeugwerften gestellt worden.

Bewaffnung der Eisenbahnzüge in Frankreich? „Humanite" meldet, daß die Eisenbahner, namentlich die Lokomotivführer, die Aufstellung eines Maschinengewehrs auf der Lokomotive und auf dem letzten Wagen der Züge fordern, um die immer häufiger werdenden Angriffe der deutschen Flieger auf die Züge abzuwehren. Renaudel hat am 29. März im Kriegsministerium einen Bericht darüber eingereicht, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten.

Luftverkehr.

Ueber die Eröffnung der ersten dänischen Luftroute werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Die Route soll Mitte Mai eröffnet werden und von Kopenhagen aus über Odensee, Kolding und Aarhus nach Skagen führen. Die Flugmaschine wird zur Mitnahme von drei bis vier Personen und 1500 Briefen eingerichtet sein. Für die erste Fahrt, die von Kopenhagen nach Skagen und zurück pro Person 500 Kronen kostet, haben sich bereits vier Passagiere eingezeichnet. Das Briefporto beträgt eine Krone, die Briefe werden in Säcken mit Fallschirmen über den betreffenden Orten abgeworfen. Der Probeflug, bei dem ein Militärflieger führen soll, wird Ende April vor sich gehen.

Nordischer Luftverkehr. Aus Kristiania wird gemeldet: Die Vertreter des skandinavischen Luftverkehrs hielten am 4. Mai eine Konferenz ab und verständigten sich über die Grundlagen des zukünftigen Uebereinkommens. Damit scheint der Luftverkehr zwischen den drei skandinavischen Ländern gesischert.

Patentwesen.

Gebrauchsmuster.

77h. 62J395. Oscar Ursinus, Frankfurt a. M., Bahnhofspl. 8. Streben anordnung für Doppeldecker usw. 1. 3. J5. U. 5079. 27. 2. 18.

77h. 6.7455. Adolf Bleichert & Go, Leipzig-Gohlis, öeilanschluß usw. 18. 3. 15 B. 72320. 21 2. 18.

77h- G2855S. Schweinfurter Präzisions-Kugel-Lager-Werke Fichtel & Sachs, Schweinfurt. Antriebskupp^ing für Lichtmaschinen 4. 1. 15. Sch 5.033. 7. 3. 18.

77h. 628762. Gothaer Waggonfabrik Akt.-Ges., Gotha. Maschinengewehr-anordnung usw. 3. 4. 15. G. 37991. 25. 2. 13.

77h. 634283. Hartmann & Braun Akt.-Ges, Frankfurt a. M. Tülle zum Füllen von Pilotballons usw. 27. 3. 15. H. 69231. 4. 3. 18.

77h. 676 773. Walter Riedel, Leipzig-Gohlis, Eisenacherstr. 67. Seilrollenkapsel für Flugzeuge. 13. 11. 17. R. 44486.

77h. 676775. Ernst Weiler, Berlin, Schönebergerstr. 24. Reibschutzbelag für Führungskörper aus Holz. 12. 12. 17. W. 49515.

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Patent-Anmeldungen.

77h. 5. P. 31631. Dr. Carl Hertel, Osterdeich 84, u. Carl W. Paal, Schubertstraße 36, Bremen. Höhensteuerung für Flugzeuge mit verstellbaren Tragflächen. 5. 4. 13.

46c 5. D. 34035. Deutsche Flugzeug-Werke Q. m. b. H, Leipzig-Lindenthal. Antrieb für die Betriebsstoftpumpe von Flugzeugmotoren. 21. 12. 17.

46c. 14. B. 82888. Bosch Magneto Company, New York; Vertr.: A du Bois-Reymond, M. Wagner u. Q. Lemle, Pat.-Anwälte, Berlin SW. 11. Magnetelektrische Zündmäschine. 28. 11. 16. V. St. Amerika 1. 3. 16. bezw. 27. 12. 15.

43a. 36. 305 314. Andreas Veigel, Cannstatt. Flugzeitzähler für Luftfahrzeuge. 1. 8. 17. V. 13896.

Patent-Erteilungen. Julius Wiese, Neuersteinweg 60, u. Henry Lachmann, Vorrichtung zum Festhalten eines Pendels. 5. 11. 13.

77h. 5. 305383 Hochallee 21, Hamburg. W. 44366.

77h. 9. 305836.

Ernst Paul Keller, Stollberg i. Erzgeb. Kufenförmiges,

federndes Traggestell für Flugapparate. 1. 8. 16. K. 62761.

Flugzeug, dessen Tragflächen im Querschnitt flügelprofilartige Ausbeuten besitzen.*)

Bekanntlich geht im Flugzeugbau das Bestreben dahin, den einzelnen Teilen des Flugzeuges möglichst viel verschiedene Funktionen zu verleihen, nicht allein um Sonderbestandteile nach Möglichkeit auszuschalten, sondern ganz besonders auch deswegen, um an Raum zu sparen oder möglichst viel Nutzraum zu schaffen. Aus diesem ürunde hat man bereits vorgeschlagen, den Tragflächen flügelprofil-artfge Ausbauten zur Aufnahme von Konstruktionsteilen und Nutzlasten zu geben, die den Forderungen des kleinsten Widerstandes genUgen.

Die Erfindung besteht nun darin, derartige Hohlräume so auszubilden, daß sie zur Aufnahme von Bomben dienen können. Zu diesem Zweck sind in ihnen Behälter angebracht, die durch Klappen oder dergl. verschließbar sind.

Auf.der Zeichnung ist Abb. 1 die Seitenansicht eines Flugzeuges mit einer gemäß der Erfindung ausgebildeten Tragiläche, u. Abb. 2 eine Vorderansicht der. Tragfläche, wobei die Behälter gestrichelt' dargestellt sind.

Die Tragfläche a ist an dem dem Rumpf zugekehrten Teil mit einer allmählich sich erhebenden Ausbuchtung c ausgestattet, in welcher eine Anzahl Behälter oder Taschen untergebracht sind, die zur Aufnahme von Bomben u. dergl. dienen sollen. Diese Behälter können durch Klappen oder ähnliche Mittel abgeschlos en werden, um zu verhindern, daß sich Wind in ihnen fängt.

Abb. l

Abb. 2

*) D. R. P. 303772, Luit-Verkehrs-Gesellschaft m. b. H., Berlin-Johannisthal.

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Die Behälter können durch besondere Kästen aus einem geeigneten Material oder durch Stoffzwischenwände gebildet werden, welche die Ausbuchtung in verschiedene Abteile unterscheiden.

Die Ausbuchtung kann einseitig an der Ober- oder Unterseite der Tragfläche auftreten, sie kann über auch auf die Ober- und Unterseite verteilt sein. Pat ent-Ans prUch e :

Plugzeug, dessen Tragflächen im Querschnitt flilgelprofilartige Ausbauten besitzt, dadurch gekennzeichnet, daß in diesen Ausbauten (c) durch Klappen oder dergl. verschließbare Behälter (d) ftir die Bomben angebracht sind.

Finnennachrichten.

Bei der mtteldentsehen Automobil nnd Flngieng-Indnstrle Besellschalt mit beschränkter Haltung, Halberstadt, ist eingetragen: Durch Beschluß . der Gesellschafter-Versammlung vom 19. März 1918 ist an Stelle des abberufenen Geschäftsführers Thiele der Fabrikant Heinrich Ackert in Wernigerode als Geschäftsführer bestellt.

Horddontscho Flngiengwerke, 0. m. b. H„ Berlin. Kaufmann Leon Gusyk in Grafrath (Kreis Solingen) ist zum Geschäftsf. bestellt. Durch den Gesellschafterbeschluß vom 7. März 1918 in Ergänzung des Gesellschaftsvertrages bestimmt, daß jeder der beiden Geschäftsf. Niermann und Gusyk berechtigt ist, die Gesellschaft allein zu vertreten.

Lnltvorkehrg Besollsehalt mit beschrankter Harting, Berlln-Johannlitbal. Die Prokura des Wilhelm Sabersky-Mußigbrodt ist erloschen.

Zwlckaner Flngienglabrlk vormals Schahmann A. 0., Zwlekan. Der Betriebsgewinn im ersten Geschäftsjahre, das nur einen Zeitraum von acht Monaten umfaßt, stellt sich auf 753 082 Mk. Nach Deckung der Unkosten und Vornahme der Abschreibungen von

Abb.1 im

l Furnierringe a 2">/in

Räder für FhigzeugmudeU«.

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125 283 Mk. ergibt sich ein Gesamtüberschuß von 207 291 Mk. Hievaua sollen der gesetzlichen Rücklage 50 000 Mark zugeführt und eine Dividende vou 10 v. H. ausgeschüttet werden. Auf neue Rechnung kommen 47 291 Mk.

Bei Finna „Bayerisch! Rnmpler-Werke Aktiengesellschaft" in Angsbnrg wurde eingetragen. Durch Beschluß der Generalversammlung vom 16. März 1918 wurde u. a. der Gegenstand des Unternehmens dahin erweitert, daß die Gesellschaft nun im Kähmen des bisherigen Gesellschaftszweckes auch befugt ist, andere Unternehmungen in jeder rechtlich zulässigen Form zu errichten, sich daran zubeteiligen oder Geschäfte jeder Art zu betreiben.

Unter Nr. 48C7 ist die Firma Wilhelm DIorell, Lalpilg. Verkaufsstelle Hannover mit Niederlassung Hannover eingetragen. Inhaber ist Fabrikbesitzer Wilhelm Morell in Leipzig-Mokau. Dem Fritz von Keller in Hannover ist Prokura erteilt.

Gleit- und Modellflugwesen.

Abb.5

Räder lar Flngiengmodelle. Um vorliegende Anlanfräder anzufertigen, benötigt man zunächst eine Vorrichtung, wie sie im Fingsport Nr. 4 vom Jahre ül!)13 bereits abgebildet und beschrieben wurde. Der weit zurückliegenden Jahre wegen werde ich nochmals Vorrichtung und Gebrauch derselben zur vorliegenden neuen Bauart beschreiben. Uin den Kadern ein möglichst naturgetreues .Aussehen unter Berücksichtigung der Leichtigkeit

zu geben, baut man dieselben wie Abb. 7. zeigt. Mit dieser Konstruktion ist es mir gelungen, das Gewicht meines im Flugsport Nr. 25 vom Jahre 1915 beschriebenen Rades auf die Hälfte herabzumindern. Man sägt sich zuerst die beiden Bügel c—c aus und achte darauf, daß der Durchmesser a genau so groß ist, wie die Felge, im vorliegendem Falle 100 inm, da dieselbe in die Bügel eingespannt werden muß. In die Flanschen e bohre man ein Loch, durch welches man eine Mutter-scliraube steckt, in Abb. G ersichtlich.

Nun sägt man sich die 2 Radfelgen aus, und leimt dieselben zusammen. Abb. 2. Dieselbe feilt man innen schön rund und bohrt in gleichmäßigen Abständen in zwei Reihen je IG Locher, durch welche später die Schnur durchgezogen wird, dann spannt man die Felge in den Rahmen c-c gut ein. In der Mitte der Bügel befestigt man einen runden Stab i.

die zweite Reihe locher kommen in

diesen ZwiMhewäumen allf weic]ien die" Nabe gesteckt wird. Als

Nabe nehme man die Euden einer leeren Filmrolle, bohre je IG Löcher und stecke dieselben hl ein Stück Rohr, in diesem Falle von 23 inm und i/2 inm Wandstärke. Abb. 1.

Damit die Nabe beim Verspannen nicht hin und her rutscht, schraubt man 2 Muttern h -Ii dagegen, welche auch aus Holz sein können.

Nun kann man mit dem Verspannen be-ginneu, hierzu verwende man dünne Heftsclinur, welche sicli zu diesem Zwecke, später mit Firnis getränkt, besser als Draht eignet.

Die Verspaiimnig erfolgt wie in Abb. 5 deutlich ersiehtlir.li.

Beim Abziehen dos fertigen Hades von dem runden Stab schiebe man dasselbe vorsichtig herunter, indem man nicht die Felge aufaßt, sondern die Nabe.

Ist dieses geschehen, so säge man sich zwei Furnierrhige Abb. 3 und zweiFurnierringe Abb. 4. In diesen hinein leimt man dann diese Felge mit Nahe Abb. 2. Jetzt nimmt man den letzten Ring Abb. 4 und leimt denselben oben herauf. Damit wäre das fertige getrocknete Kad nur noch außen abzurunden. Die zwei Ringe Abb. 4 müssen von einer Seite innen vorher schon gut abgerundet werden. Nach Fertigstellung des Rades ist der Teil, welcher die Bereifung darstellt, grau anzustreichen.

Jllustrirte

No. technische Zeitschrift und Anzeiger Qr'Y2'n.nM

22. Mai für das gesamte Ausland

mim.i. „Flugwesen"

per Kreuzband M.EI .20 Elnzslpr. M. 0.80

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Tele». Hansa 4557 Oskar Urslnus, Civilingenieur. Tel.-ftdr.: Urslnus. Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — == Zu beziehen durch alle Buchhandluneen. die Post und den Verlag. == Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 5. Juni.

Dicke Luft im Cecil House.

Am 7. März wurde das Air Force-Gesetz durch Erlaß rechtskräftig. Man hedauert, daß die neue Institution noch ohne Tradition sei. — Die Tradition ist bereits da. — Nur anders, als man dachte. —

Im Luftschiffahrtsministerium hat sich in der letzten Zeit viel geändert. Trenchard und Lord Rothermere sind scharf aneinander geraten. Die Vorgänge waren so schwerwiegender Natur, daß Lloyd Georges Stuhl bedenklich ins Wanken geriet. Ein Zeichen für die Bedeutung des Flugwesens in der jetzigen Zeit. General Trenchard soll zur Zeit bereits ein wichtiges Kommando über einen Teil der britischen Luftflotte in Frankreich angenommen haben

Im Cecil House sind nun neue Männer eingezogen, die es besser machen sollen. Nicht Leute mit Namen, sondern wie verlangt wird, junge Männer mit Befähigung.

Die Rangbezeichnung macht viel Kopfzerbrechen. Im Air Force heißen die Admiräle jetzt „Airmiräle". Der fortschrittliche Geist zeigt sich, wie man sieht, überall. „Aeroplane" ruft zuversichtlich aus: „Die Ausblicke in die Zukunft des Flugdienstes sind glänzender als je."

Ein Air Force Leutnant gilt bedeutend mehr als ein Leutnant der Infanterie usw. — — Nervosität! —

Die Ursachen der Vorgänge wirken mit den stetig wachsenden Anforderungen der Luftstreitkräfte. Die Schwierigkeiten in der Erzeugung von Flugzeugen und Motoren, der Materialbeschaffung und wie es auch scheint die Gegensätzlichkeiten in den Ressorts steigern sich fortgesetzt. Ueber das Ausbleiben der amerikanischen Lufthilfe hüllt man sich in Schweigen. Die Schwüle wird noch zunehmen. Im Air Force wird sich demnächst allerhand ereignen. — Air Force Traditionen? —

Altb. fvtigl. De RavUland IV Rumpfdoppclddckar«

■Seile 244

.FLUGS PORT"

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Der englische De Havilland IV Doppeldecker mit 300 PS Royce Motor.

(Hierzu Tafel VIII und IX.)

Das große für Fernaufklärung und Bombenabwurf benutzte Flugzeug wird hauptsächlich von der aircraft manufacturing Co, Ltd: hergestellt. Die verschiedenen Flugzeuge weisen jedenfalls einsprechend der Herstellungszeit kleine Verschiedenheiten in Bau und Ausrüstung auf.

Beide an den äußeren Enden stark abgerundeten Flügel des zweistieligen Doppeldeckers haben 12,93 m Spannweite und 1,6T m Tiefe. Die Staffelung beträgt 0,32m. Pfeilform ist nicht vorhanden. Die Flügel sind mit 174° V-Form

an dem 0,7 m breiten ßal- Ab&i/uie/ ff-7%,

dachin bezw. unmittelbar am Rumpf angesetzt. Der Führer, dessen Sitz mitten unter dem Baldachin angeordnet ist, hat nach vorne eine gute Aussicht. Baldachin und Flügel sind zur Verbesserung der Sicht nach rückwärts in der Mitte ausgeschnitten.

Der Einstellwinkel der Flügel beträgt am Rumpf bezw. Baldachin 3°. Die beiden Flügelbolme aus Spruceholz haben I-förmigen Querschnitt, der an den Befestigungsstellen der Beschläge, sowie der stärkeren, die Stelle von Abstandsstützen vertretenden Rippen voll gelassen und noch durch aufgeleimte und verschraubte Stücke Mahagoniholz verstärkt ist. Die Holme sind zwischen Innen und Außenstiel vor Beginn der Querruder geschaltet (Abb. 1) und mit Leinen umwickelt.

Die Rippen zeigen auf der Unterseite sehr schwache Wölbung. Eintritts-und Austritt>kanten sind leicht hochgezogen. In die beiden 13 mm breiten und 4,6 mm dicken Gurte ist ein mit großen Erleich-teiungslöchern versehener 5 mm starker Steg aus 3fächern Sperrholz eingeleimt und noch mit Messingstiften vernagelt. Die an dem Stielen sowie in der Mitte eines jeden Feldes liegenden starken Rippen haben bis zu 37 mm breite Gurte und zwischen den Holmen vollen Spruce-holzsteg. Zwischen je 2 Rippen, deren Abstand 310—400 mm beträgt, sind auf den Flügeloberseiteii noch je 2 von Nasenleiste bis Vorderholm reichende Führungsgurte angeordnet. Die Innenverspannung aus Dickenddraht liegt bis zur Mitte des Außenfeldes doppelt. Die Flügelbespannung von gelblich-weißer Farbe ist mit den Rippen so vernäht, daß die Stiche die ganzeRippe umfassen. Vor der aus einer Holzleiste gebildeten starren Hinterkante sind auf den Unterseiten Schuhösen eingesetzt, die einen Druckausgleich und Abfließen von Feuchtigkeit ermöglichen sollen.

Die Hebel der in allen Flügeln unmittelbar an den Hinterholmen angelenkten Querruder sind ebenso wie diejenigen der Höhen- und Seitenruder ans 1,5mm dickem Aluminiumblech gefertigt, das durch beiderseits aufgenieteten Holzbelag versteift ist. Außen am Angriff d. r Ruderseile ist das Blech doppelt gelegt.

No. II

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Abb. 2. Engl. De Havilland IV Rumpfdoppeldecker.

Die einfach angeordnete Zellenverspannung besteht aus Profildrähten, während für die zum Rumpfvorderteil laufende Sicherheitsvorspannung Seile benutzt sind.

Die Flügelbeschläge sind in der bei vielen englischen Flugzeugen üblichen Art sehr einfach ausgeführt. 3 mm [starkes Eisenblech an den äußeren Stielpunkten bezw. an den inneren Stielpunkten eine Lage von 3 und 2 mm starkem ßlech/ deren Lappen in Richtung der angreifenden Vorspannung abgebogen sind, wird durch 2 Schrauben auf den Flügelholmen befestigt. Eine kräftige Schraube mit gabel-

Abb. 3. De Havilland IV Kmnpfdoppeldecker. Motor 300 I'S Holls .Royce.

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Eisenblech 0.8'm Atuminium

Verstärkung Mahagoniholz

Abb. 4

lörinigen Kopf durchdringt den Holm in der Mitte, während eine zweite schwächere Eisen 8^mf an seiner Außenfaser vorbei geführt ist.

Die Zellenstiele ans Spruceholz, von denen die inneren am kräftigsten gehalten sind, haben vollen tropfenförmigen Querschnitt.

Sie tragen kurze Schuhe aus Eisenblech mit eingenieteten in der Mitte ausgehöhlten

Aluminiumstücken, in welche 8 mm starke Eisenbolzen eingesetzt sind (Abb. 4), Die Stiele stützen sich mit diesen Bolzen in die Gabel der Beschlagschrauben und werden lediglich durch Anziehen der Ver-spannung in ihrer Lage gehalten. In gleicher Weise ist die Befestigung der Baldachinstiele durchgebildet.

Der Rumpf ist bis hinter den Beobachtersitz Sperrholz ohne Drahtverspannung bekleidet. Längsholme bestehen aus Spruce, Motorholme aus Esche. Die Quer- und Längsspanten sowie Stützen für Steuer und M.-G. sind aus Sperrholz gefertigt, das teilweise 13-teilig und bis 26 mm stark ist. Die Beschläge für den Angriff der Tragkabel sind mit je zwei 8 mm starken, durchlaufenden Bolzen verbunden. Der hintere Teil des Rumpfes, dessen Holme ange chäftet sind, ist in üblicher Art als Gitterrumpf ausgebildet, bis auf das unter der Höhenflosse liegende Stück, welches wieder mit 3 mm starken Sperrholz gedeckt ist.

Vorne ist der Rumpf oben abgerundet. Vom Beobachtersitz ab führen aufgesetzte Spanten allmählig bis zur Höhenflosse in den viereckigen Querschnitt über.

Das Fahrgestell (Abb. 5-7) ist mit 54 kg Gewicht im Verhältnis zu dem schweren Flugzeug leicht. Jedes Strebenpaar ist massiv aus Holz

Abb. 5. Fahrgestell.

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ohne Stoffnmwicklung hergestellt. Mit ihnen verschraubte, senkrecht stellende hölzerne Strebenschuhe tragen ebenso wie die Laufachse wagerechte Rohrstücke zur Befestigung des Federungsgummis. Die Achse liegt zwischen 2 Holzhilfsachsen, die als Stromlinienkörper ausgebildet und auf der Unterseite mit 3 mm starkem Sperrholz verbunden sind (Abb. 6 links oben). Damit die Achse sich im Flug ohne Wirbelbildung in diesen Hilfsachsenkörper einfügt, ist sie oben mit einem

Abb. 7. Fahrgestell des De Flavilhind IV Doppeldeckers.

Ahn. 7. Kalirifi-stcll îles Du Havillaml IV Diiiipcldeckers.

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entsprechend ausgehöhlten und durch Leinenumwickelung befestigten flachen Holzbelag versehen, der sie zur besseren Führung innerhalb der Strebenschlitze viereckig ganz umfaßt und mit Blech bekleidet ist. Eine aus Profildraht bestehende Diagonalverspannung ist nur in der Ebene der vorderen Streben angebracht, außerdem liegt wagerecht vor dem Hilfsachsenkörper ein Zugseil.

Die Höhenflosse von rechteckiger Form mit s ark abgerundeten Ecken ist auf dem Rumpf so befestigt, daß ihr Einstell winkel während des Fluges vom Führersitz aus von -f 2° bis + 5° ähnlich wie beim Sopwith verstellt werden kann. Zu dem Zweck ist ihr Verderholm drehbar gelagert, während der Hinderholm mitsamt seiner Verspannung an einem senkrechten vor dem Hintersteven angebrachtpn Rohr befestigt ist (siehe die Abb. 8). Dieses Rohr trägt ein Gewindestück, das durch eine am Hintersteven fest aber drehbar gelagerte Mutter mittelst Seilzug und Handrad hoch oder heruntergeschraubt werden kann.

Die beiden an der Flosse angelenkten Höhenruderlappen haben untereinander keine Verbindung.

Das Seitenruder trägt ähnlich wie bei deutschen Flugzeugen einen über die Kielflosse vorgreifenden Ausgleichslappen (Abb. 9).

Der in das Flugzeug eingebaute 12 Cylinder Rolls-Royce Motor leistet laut Aufschlag auf dem Firmenschild bei 1650 Umdrehungen 300 PS, wobei er stündlich 1051 Benzin und 4,51 Oel verbraucht. Die Drehzahl soll 1800 nicht überschreiten. In der allgemeinen Anordnung ist er den älteren Motoren derselben Herkunft gleich, hat jedoch 4 Vergaser. Die Auspuffgase werden entweder über den Baldachin oder durch kurze Sammler direkt vom Motor nach schräg außen geleitet.

Die Stirnseite des Rumpfes bildet der im oberen Teile mit einer Abdeckvorrichtung versehene Kühler. Durch eineOeffnung in seiner Mitte ragt das Getriebe des Motors heraus, welches die Drehzahl der vierflüge-ligen Luftschraube auf 900 Umdrehungen in der Minute heruntergesetzt.

Unter dem Vorderteil des Motors quer im Rumpf ist der 21 1 fassende. Oeltank untergebracht. (S. Taf. IX.) Der unter Luftdruck stehende Hanpt-benzintank mit 256 1 Inhalt liegt hinter dem Führersitz, während ein Falltank mit 28 1 unter dem linken Oberflügel angeordnet ist. Die Betriebsstoffe reichen aus für einen Flug von ca. 2"U Stunden. Bei einem Flugzeug ist noch nachträglich ein 76 1 fassender Zusatztank unter dem Führersitz eingebaut, sodaß die Betriebsstoffe für ca. 3'U Stunden genügen.

neuere Flugzeuge haben an Stelle Abb. s. Ilüheuflo aenverstellvoi-ndit.il.!?. des einen Prucktftnks an gleicher

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Stolle zwei nebeneinander liegende Tanks, von denen jeder mit einer durch eine kleine Luftschraube angetriebene Benzinförderpumpe ausgerüstet ist. In die Benzinleitung ist hierbei innerhalb der Tanks ein di-jch Feder einzustellendes Ventil eingebaut, das zuviel gefördertes Benzin sofort in den Tank zurückströmen läßt. Die beiden Leitungen der Haupttanks und die des Falltanks vereinigen sich am Motor zu einem gemeinsamen Sammelstück, an das ein Manometer zur Kontrolle des Benzintanks angeschloßen ist.

Das Flugzeug ist mit vollständiger Doppslsteuerung ausgerüstet. Der Steuerknüppel des Beobachters ist herausnehmbar (Abb. 10). Die Quersteuerung ist zwangsläufig. Ihre Züge laufen außerhalb der Flügel vor der Eintrittskante. Jedes Querruder hat zwei Ruderhebel. Die beiden Querruder einer Seite sind untereinander durch je zwei Profildrähte miteinander verbunden. Seiten- und Höhenruderzüge liegen ebenfalls außerhalb des Rumpfes. Seitenruderzüge sind doppelt, Höhenruderzüge für jede Seite einfach angeordnet.

Die Ausrüstung des Führer- und Beobachtersitzes ist bei den einzelnen Flugzeugen verschieden Geschwindigkeits-, Drehzahl- und Höhenmesser, Fernthermometer, Borduhr teilweise auch Handluftpumpe, Neigungsmesser, Kartenbrett und Kompaß sind im Führersitz auf einem mit Nachtbeleuchtung versehenen Instrumenteobrett vereinigt. ZurLinken des Führers sind sämtliche Benzinleitungen so vorbeigeführt, daß die einzelnen Absperrhähne bequem zu erreichen sind. Auf dergleichen Seite sind angeordnet Oel und Benzin Druckmesser, eine vom Falltank gespeiste Benzineinspritzpumpe sowie auf einer gemeinsamen Achse Gasdrossel, Hebel zur ZündVerstellung und Gemischregulierung in der Höhe.

Abb. 0. lOii^l. Du llavillund IV Hiimpfdoppeldei'kei-.

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Am Gestänge der Gasdrossel ist ein Mitnehmer-hebel so angeordnet, daß beim Schließen der Gasdrossel der Hebel zur Gemischregulierung in der Höhe ebenfalls wieder mit zurückgenommen wird. Zur Rechten des Führers sind angebracht, der Zug zum Verstellen der Kühlerab-deckvoirichtung, Schalter für Nachtbelenchtung und Regal für Leuchtpatronen.

Benzinstandmesser sind nicht vorhanden.

Im ßeobachtersitz ist eingebaut: Geschwindig-keits- und Höhenmesser sowie eine Gasdrossel, teilweise auch Schalter für Nachtbeleuchtung.

Beobachter- und Führersitz liegen wegen der zwischen ihnen untergebrachten Hauptbenzintanks weit auseinander (Vergl. Tafel IX Zur Verständigung derBesatzung dient

rechts angebrachtes Sprachrohr, sowie an der linken Seite ein Seil ohne Ende, das über Rollen in beiden Sitzen geführt ist.

Hinter dem Beobachtersitz befindet sich der Einbau für eine Camera mit daneben angeordneten R.e-galen für Kassetten.

FT.Einrichtung konnte bei keinem Flugzeug festgestellt werden.

Die Bewaffnung besteht aus zwei gekuppelten, beweglichen M.G.'s für den Beobachter auf einem Hochschiebedrehkranz, sowie einem starren M.G. für den Föhrer links auf der Rumpfverkleidung.

Steuerknüppel im Beobachtersitz des De Havilland IV Doppeldecker.

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Die Steuerung der starren M.G.'s erfolgt hydraulisch durch eine unmittelbar hinter der Luftschraube angebrachte Steuereinrichtung, die durch das auf der Luftschraubennabe sitzende Zahnrad angetrieben wird und bei jeder Schraubenumdrehung zwei Schuß freigibt. Der Abzug erfolgt vom Steuerknüppel aus. Eine unter Federdruck stehende Handpumpe zur Auffüllung der Leitung ist auf dem Boden des Führersitzes angeordnet. Zum Durchladen ist am M.G. entweder ein kurzer Hebel oder ein über eine Rolle geführter Seilzug mit Handgriff vorgesehen. Ein Zielfernrohr liegt rechts neben dem M.G. vor der rechteckigen Windschutzscheibe. Da der Beobachtersitz ziemlich weit hinter den Tragflächen liegt, ergibt sich von hier auch ein gutes Schußfeld nach vorn schräg aufwärts.

Die Bombenabwurf Vorrichtungen scheinen, aus dem behelfsmäßigen Einbau der Abzüge zu schließen, erst nachträglich eingebaut zu sein Aufhängevorrichtungen, entweder für vier kleinere oder eine große Bombe eingerichtet, sind unter den beiden Flügeln und unter dem Rumpfe angebracht. Der Abzug erfolgt durch Bowdenzug vom Führersitz aus. Die Züge sind rechts neben dem Sitz vereinigt oder auch teilweise außerhalb zu beiden Seiten des Rumpfes angebracht. Eine Zielvorrichtung ist unmittelbar hinter dem Seitensteuer eingebaut. Sie besteht aus einer quadratischen, plankonkav geschliffenen Glasplatte von 15 mm Dicke am Rande, und 5 mm Dicke in der Mitte. Unter dieser sind quer auf einem in Längsrichtung des Flugzeuges liegenden Drahtstab drei Drahtstäbe aufgelötet (siehe Abb. 11), 17 cm tiefer liegt in der Ebene des oberen Längsstabes wieder ein Längsstab sowie ein Querstab, der in einem Schlitz vor und rückwärts verschiebbar ist und durch Schrauben festgeklemmt werden kann.

Das Leergewicht des Flugzeuges wurde einschließlich Kühlwasser zu 1110 kg festgestellt. Wird die Höchstlast auf 590 kg geschätzt, so ergibt sich das Gewicht des vollbeladenen Flugzeuges zu 1700 kg

Bei 40,3 m2 Tragfläche ist die Flächenbelastung-jQ-g-=42 kg.

Bei 300 PS Bremsleistung des Motors beträgt die Leistungsbelastung

Abb

Motor . . . . Auspufftöpfe . . Kühler u. Wasser Luftschraube . .

Einzelgewichte:

390,0 kg Bezintanks .... 28,0 kg 15.0 „ Oelbehälter .... 4,5 „ 76,9 „ Motorzubehör,

42,0 „ Leitungen usw. . 19,6 „

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Rumpf mit

Verkleidungsblechen . 175,0 kg

Flossenverstellvor. . 2,5 „ Rumpf zubehör,

Sitze usw..... 8,0 „

Fahrgestell .... 54,0 „

Schwanzsporn . . . 5,0 „

Steuereinrichtung . . 9,5 „

Flügel...... 209,0 „

Höhen

u. Seitenleitwerk . 31,0 „ Einbauten für Bewaffnung Bomben usw. 40,0 „ 1110,0 kg

Belastung: Besatzung .... 150,0 kg Bewaffnung ... 73,6 „ 12 Bomben ca. . . . 144,0 „ Lichtbildeinr. . . . 10,0 „

F. T Einr.....5,0 „

Betriebsstoffe . . . 205.0 „ Höchstlast auf 590 kg geschätzt.

Einheitsgewicht der Flügel: 5,2 kg/m».

Etwas von der Seemannschaft des Fliegers.

Wird schon von der Arbeit der Seeflieger als solcher nur wenig bekannt, weil noch der Schleier des militärischen Geheimnisses über allem liegt, was mit Organisation und Leistung zusammenhängt, so kann doch von der und jener Erfahrung gesprochen werden, die sich ergeben hat.

Es soll hier kurz von einigen Punkten die Rede sein, die in Friedenszeiten für die Berufsflieger und die Sportsleute von Wert sein werden. Sie beziehen sich auf die Rolle, die im Luftsport des Friedens das Wasserflugzeug zu spielen berufen ist. Und von den Dingen, die bei seiner Verwendung zu beachten sein werden.

Daß das Seeflugzeug, wenn Uberhaupt ein Flugzeug, das Sportflugzeug der Zukunft sein wird, ist wohl heute noch den wenigsten von denen klar, die nach dem Kriege auf ihrer ersten Ueberseefahrt erkennen werden, daß die Genüsse eines Nordseesommermorgens weit über alle Freuden einer Automobilfahrt durch die lieblichsten Gegenden der Welt erhaben sind. Diese ruhigen, leicht zu steuernden, durch die tiefliegenden Schwimmkörper ungemein stabilen Maschinen, deren Seefähigkeit in den verschiedenen Wetterlagen, die auf der Nordsee vorkommen, erprobt und glänzend bewiesen ist, werden sehr bald von den alten Freunden der Seefahrt auf eigene Faust als ein neuer und unendlich reizvoller Sport erkannt und gewürdigt werden. Wo wir heute auf der Suche nach dem Feinde kaum die Schönheiten des Heeres zu würdigen wissen, werden die hellen Vögel der Sportsleute, von dem nur dem Genuß des Schauens hingegebenen Lenker sich selbst überlassen, die erwachende Sonne grüßen. Und selbst, wenn ein allzu Kühner seiner Maschine zu viel zumuten sollte, so ist der Sturz ins Wasser, wie; die Erfahrung lehrt, selbst aus größerer Höhe noch durchaus nicht notwendigerweise tödlich. Der wieder erwachte Dampferverkehr wird das gefürchtete Schwabbern bei Motorstörungen zu einem lustigen erregenden Abenteuer machen, mit dem die Freuden eines Fliegersommers an der Nordsee angenehm gewürzt erscheinen. Einen Flug nach den Inseln von den Küstenstädten aus werden sich die wenigsten vertagen, die die Seekrankheit auf dem unter ihnen schaukelnden Dampfer mit heimlicher Freude zu sehen glauben, von der verschont sie ihren nur zu kurzen Weg nach Norderney oder Borkum zurücklegen.

Genug von diesen herzerfreuenden Ausblicken für unsere Flugzeugfabriken — fragen wir uns, was wir von den Seefliegern des Friedens werden verlangen müssen, wenn wir ihnen ohne weiteres den ersten besten Badegast zu einem

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Flug über See sollen anvertrauen dürfen. Die rein flugtechnische Aufgabe ist wie gesagt, eher leichter als die dem Führer eines Landflugzeuges gestellte. Die für diesen so schwierige Wahl des Landungsplatzes fällt so gut wie ganz fort, wenn der Weg nicht gar zu leichtsinnig Uber Land genommen wird. Matte und flache Stellen lassen sich von oben deutlich erkennen und bei der Landung vermeiden. Und sehr bald wird die Erfahrung des täglichen Sehens diese untiefen Stellen so bekannt machen, wie sie dem alten Frontflieger von Kriegszeiten her schon heute sind. Und doch wird selbst der nur in Küstenflugdienst im Auftrage einer Verkehrsgesellschaft verwandte Führer einer Bedingung entsprechen müssen : er muß Seemann sein, Der erfahrene Ypchtsegler wird von vornherein, ganz abgesehen davon, daß ihm seine Erfahrung im Behandeln eines den Bewegungen der Luft unterworfenen Fahrzeuges schon beim Erlernen des Fliegens zu statten kommt, jedem andern gegenüber den Vorzug seiner seemännischen Kenntnisse in die Wagschale werfen können. Eine Notlandung in der häßlichen Kabelsee auf der Jade oder vor dem Helgoländer Hafen wird ihn nicht aus seiner Ruhe bringen, gerade weil er die sich bietenden Gefahren richtig erkennen und dadurch überwinden wird. Er kennt die Windstrelfen auf dem Wasser, aus denen man dessen Richtung und Stärke ohne andere Hilfsmittel erkennt; das Tauwerk auf seiner Maschine wird von der gleichen mustergültigen Ordnung sein, wie das auf seinem Boot. Die hinter der Hafenecke lauernde Bö vermag ihm nichts an-zuhiben, denn er rechnet mit der Selbstverständlichkeit, mit der der Stadtbewohner sich am Straßenübergang nach den Wagen umsieht. Er kennt Anker und Treibanker, hat mit ihnen gearbeitet und wird sie am Flugzeug anstecken mit den gleichen uralten, so unendlichen zweckmäßigen Knoten, mit denen er sein laufendes und stehendes Gut an Bord versorgt hat. Und diese Knoten sind ein ganz schwieriges Volk, manche lernen sie nie machen. Wie wenige wissen, daß man mit der rechten Hand arbeiten muß! Und wie schwer es ist, wenn man das nicht gelernt hat, sich diese Kunst anzueignen. Uor allem kennt der Seemann Wind und Wolken über See, und er hat gelernt, sie zu beachten als Hilfe und als

r. i

lt;il. Bombütitliigbuot „Sjivnii'' mit ?>00 PS wassergekühltem ybvrulinotor.

Irai. liiMi'iliL'iilhiyljuüt „SiLvcilr"1 mit HOO 1J>S vvassergekülilteni Stanriinotor-

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Warnung. Und das Wetter über See ist selbst für ihn schwer zu übersehen, eine feste Prognose auch nur für länger als die nächsten paar Stunden zu stellen, wird gerade er am wenigsten bereit sein.

Und dies als letztes, aber wichtigstes: der Seemann ist vorsichtig. Das naßforsche Manöver eines Sonntagsseglers wird bei ihm statt Bewunderung oder Anerkennung nur ein verächtliches Lächeln finden; der, der unvorsichtig mit unbegrenzter Haltbarkeit seines Materials rechnet, steht in seiner ganzen Laien-haftigkeit da vor ihm. Nicht nur ein ungeschicktes, auch ein unvorsichtiges Manöver ist unseemännisch. Er ist nicht laurig, wie das berühmte Laienurteil schnell fertig zu sagen pflegt; in gefährlichen Lagen versagt er nie; aber er setzt nur dann seine letzten Reserven ein, wenn es unbedingt nötig ist. Er fliegt nicht mit einer Maschine, deren Probelauf nicht das einwandfreie Arbeiten des Motors erwiesen hat; er läßt einen Flugtag ohne Kummer über den etwaigen Verlust aus, um seinem Vogel die regelmäßige Grundreparatur zukommen zu lassen; er nimmt den Start zurück, weil er hört, daß seine Zündkerzen nicht die befohlene Reinigung erfahren haben. Aber die anderen, die Sturz- und Spiralflieger, werden stets über seinen beispiellosen Dusel staunen, daß ihm nie was passiert. Ihm brechen keine Drähte in der Luft, sein Fahrgestell hält ein ganz anderes Maß von Seegang aus als das anderer Maschinen von der gleichen Type, seine Ankerleinen brechen nie.

' Solche Leute sind die Seeflieger der Zukunft, die Sportsleute und Berufsflieger, die das deutsche Seeflugzeug über alle Meere führen werden. Noch ist der Frieden nicht In Sicht; aber die Rüstungen für den friedlichen Wettkampf nach dem Krieg lassen sich schon in allen Zweigen modernen Verkehrswesens verspüren. Der gefürchtete Ansturm auf die Fliegerlaufbahn wird, soweit man die Sachlage jetzt schon überblicken kann, lange nicht so eroß sein, wie ursprünglich zu erwarten stand; eher werden sich die Firmen der Privatindustrie rechtzeitig nach ihrem Bedarf an Führern für die erste Zeit für Konkurrenzen und Wettfliegen umsehen müssen, um ein Personal herausstellen zu können, das den Kampf gegen die Auslandindustrie aufnehmen kann. Die deutsche Maschine

Engl. Wiisscrlhig/.einr in Seenot, durch Brieftauben Hilfe herbeirufend.

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hat ihre Ueberlegenheit, was Seeflugzeuge angeht, jedem anderen Lande gegenüber bewiesen"; es gilt, nach dem Kriege die dadurch sich bietenden Absatz-mögl chkeiten auszunützen,-Kunden zu finden, die dafür sorgen, daß die Kapitalien der großen Fabriken nicht lahm liegen Aber das Material für unser Seeflugzeugwesen soll und muß aus unserer seefahrenden Bevölkerung hervorgehen, wenn wir die Leistungen erzielen wollen, die nötig sind, um die feindliche Konkurrenz jn Atem zu halten. Und in England wird uns grade durch die große Zahl seemännisch vorgebildeter junger Leute eine nicht unerhebliche Konkurrenz entstehen, das französische Wasserflugzeug hat vorzügliche Eigenschaften gezeigt — bereit sein ist auch hier alles.

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Kiibrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Nachdruck aller Artikel unier dieser Rubrik ist verboten).

Die Luftschraube am Plugzeug. Im Allgemeinen finden die Luftschrauben am Flugzeug selten die Beachtung und Behandlung, welche nötig ist, die Sicherheit des Fluges zu erhöhen. Durch unsachgemäße Behandlung wird mitunter der Wirkungsgrad der Schraube selbst, unter Umständen auch die Lebensdauer des Motors stark beeinflußt. Gleich bei dem Aufsetzen eines Propellers auf die Stahlnabe können Montagefehicr gemacht werden, welche für die Zugwirkung der Schraube ungünstig sind und somit den Flug der Maschine verschlechtern. Bekanntlich muß je Je neue aufgesetzte Schraube nachgespurt werden. Dies geschieht, indem der Propeller mit seiner Arbeitsseite an einem feststehenden Gegenstand (Trittleiter oder Bock) vorbei gedreht wird, hierbei müssen beide Blätter der t-Yopellerflügel gleichen Abstand von diesem Gegenstand aufweisen. Diese Kontrolle darf jedoch nur bei aufgebocktem (vorn und hinten) Flugzeug und geöffneten Kompressionshähnen vorgenommen werden, andernfalls sind Differenzen unvermeidlich und geben zu Täuschungen Anlaß. Durch Beilegen von Papier oder Blech (je nach Größe der Differenzen im Abstand vom Propellerblatt zu dem feststehenden Gegenstand) zwischen der Nabe und dem Flansch der Stahlnabe, welcher dem Motor zuliegt, wird dann ein Ausgleich geschaffen. Von Vorteil ist es, diese Beilagen zu lochen derart, daß durch das Durchführen der Propellerschrauben ein Herausschleudern der Beilagen verhindert wird.

Trotz gewissenhafter Ausführung dieser Arbeiten kommt es oft vor, daß der Propeller ungünstige Zugresultate aufweist. Die Ursache liegt dann meist an dem ungleichen Durchziehen der Propellerblätter: hervorgerufen durch verschiedene Dichtigkeit des Holzes der einzelnen Flügel Kontrollieren kann man diesen Vorgang, indem man bei mit Vollgas laufendem rc„si. iVopeller-Uolu-- u. Fräsmaschine.

Eligí. Wasseillugzeiig in Kuwiut, dardi Hricftaubeii Milli: herbeirufend.

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Motor sich in die Richtung der Propellerbahn stellt und rnit dem Auge die rotierenden Blätter miteinander visiert. Erscheint diese Bahn nicht scharf abgegrenzt, sondern nach vorn und hinten zu verschwommen, so ist dies ein Beweis des ungleichen Durchziehens. Nach einiger Uebung wird man das Auge für diese Kontrolle eingerichtet und geschärft haben Abhilfe schafft man wie oben duxh Beilegen, nachdem man durch wiederholte Versuche festgestellt hat, welcher Flügel für diese Arbeit in Frage kommt. Je nach der Differenz des Durchziehens beträgt die Verminderung der Zugleistung bis 30 kg. Auch kommen durch ungleiches Anziehen der Propellerschrauben leicht Differenzen vor, welche nur durch Lösen sämtlicher Schrauben und sachgemäßes Wiederanziehen (über Kreuz) beseitigt werden. Ueberhaupt muß man bei dem Anziehen dieser Schrauben das Gefühl walten lassen und kommt dabei auch die augenblickliche Luftfeuchtigkeit in Frage. Durch längere Einwirkung von feuchter Luft quillt bekanntlich das Holz auf, bei trockener Luft zieht es sich zusammen Zieht man z. B. bei trockener Witterung die Propellerschrauben vielleicht schon verhältnismäßig straff an, so wird sich nach Eintritt von feuchtem Wetter der Druck durch das Quellen noch mehr erhöhen und kann es leicht vorkommen, daß die Schraubenbolzen reißen oder der Propeller an der Nabe platzt, was für beides, da es meist während des Fluges vorkommt, üble Folgen haben kann. Im umgekehrten Falle wird ein bei feuchter Witterung aufgesetzter Propeller nach Eintritt von trockenem Wetter leicht zu lose sitzen, was sich bei plötzlichem Gasgeben und Drosseln durch einen Knall bemerkbar macht. Es ist also besonders darauf zu achten, daß möglichst der Eintritt von Feuchtigkeit in das Holz verhindert wird, und ist es daher gut, den Propeller nach jedem Fluge einzufetten.

Aufrauhen der Eintrittskante durch Sandschlag, Hagel oder Regen schaden der Luftschraube wenig, wenn durch Abschleifen und Lackieren resp. Polieren das Uebel beseitigt wird, was am Flugzeug ohne Demontage der Schraube geschehen kann, wie überhaupt man jedes nicht unbedingt nötige Abziehen vermeiden sollte.

Sehr oft kommt es vor, daß sich die Mahlnabe auf dem Konus der Kurbelwelle festfrißt. Anlaß dazu gibt meist unsauberer Konus oder Bohrung der Nabe, Sandkörnchen in derselben, oder nicht genügend eingefettet vor dem Aufziehen. Gefressene Naben lassen sich schwer abziehen; man geht am besten dabei schrittweise vor Man zieht den Propellerabzieher gehörig fest an und gibt evtl. mit dem Hammer einen kräftigen Schlag (Federschlag) auf die Stirnseite des Abziehers, an dem leichteren Nachziehen desselben kann man sofort feststellen, ob der Schlag gezogen hat Nach einigen Wiederholungen wird die Nabe meist sich lösen. Im anderen Falle wird ein Zwischenbringen von Petroleum gute Dienste leisten. Zu diesem Zweck schraubt man den Abzieher wieder heraus und klebt die Oeffnung mit Kitt de art zu, sodaß nur oberhalb noch ein Loch frei bleibt, in welches man das Petroleum eingießt, welches dann an der Welle entlang dringt zu den gefressenen Stellen gelangt und diese löst. Nach einiger Zeit versucht man wieder mit dem Abzieher wie vorher. Ist dies erfolglos, so kann man schon annehmen, daß die Nabe stark gefressen hat, es sind dann weitere Versuche auf diese Weise meist zwecklos, unter Umständen sogar schädlich, da leicht das Gewinde des Abziehers und der Nabe überrissen wird. Man nimmt dann den Propeller von der Nabe und streckt dieselbe, indem man auf der Stelle, wo sich die Feder und Nut befindet, mehrere Schläge mit einem mittleren Handhammer gibt Das Material wird dadurch etwas gestreckt, verliert die Spannung, gleichzeitig wird durch die Erschütterung die gefressene Stelle sich lösen. Der Abzieher bleibt während dieser Arbeit angezogen. Auch Anwärmen der Nabe kann evtl. helfen, jedoch ist dabei zu beachten, daß im Falle des Nichtlösens die Nabe sich noch fester aufziehen kann, da dieselbe durch das Erwärmen größer wird, durch die Eigenspanrrung dann beim Erkalten gewissermaßen warm aufgezogen wird. Als letztes Mittel käme noch das Aufkreuzen der Nabe in Betracht, wobei man ebenfalls die Stelle der Nute verwendet, da dort die Wandstärke am geringsten ist und schließlich nur der Federkeil, nicht aber der Konus der Kurbelwelle verletzt werden kann. Die gefressenen Stellen auf der Welle müssen tadellos egalisiert und die neue Nabe auftuschiert und etwas aufgeschliffen werden. Diese Arbeit muß sehr gewissenhaft ausgeführt werden, andernfalls tritt sofort auch ein Fressen der neuen Nabe ein. Schutz gegen Fressen und leichtes Abziehen erreicht man, wenn man vorher etwas geöltes Papier um den Konus herum legt; die Feder muß natürlich dabei frei bleiben.

Die Lagerung von Luftschrauben geschieht am besten in trockenem luftigem Raum Ireischwebend auf einen Holzpflock gesteckt; niemals dürfen dieselben auf dem Erdboden gelagert oder einige Zeit in nasses Gras gelegt werden.

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PlStzlich.es Ein- und Ausschalten der Zündung schaden dem Propeller sehr, derselbe kann dadurch leicht Zubruch gehen. Aufgequollene Leimfugen erkennt man daran, daß die einzelnen Dickten sichtbar werden; der Propeller ist dann gleichfalls der Gefahr des Zerfliegens ausgesetzt. Ist ein neuer Propeller auf-

fesetzt, so wird er auf Touren evtl. auch auf Zueleistung geprüft. Je nach teigung und Form des Propellerblattes wird dieser dann eine bestimmte Drehzahl im Stand aufweisen, welche sich im Fluge je nach Form des Blattes und Geschwindigkeit des Flugzeuges erhöht. (Aufholen.) Propeller mit breitem Blatt holen mehr auf als solche mit schmalem Blatt, also müssen Schmalblatt-Konstruktionen höhere Standdrehzahl aufwei en. In Flugzeugführerkreisen herrscht vielfach noch ein völlig unbegründetes Mißtrauen gegen Schmalblatt-Propeller; die Praxis hat gezeigt, daß d ese Schrauben bessere Flugleistungen und kürzeren Start haben und der Motor den Flugzeugführer in kritischen Situationen nie verläßt, da er leicht auf volle Touren springt und somit seine Höchstleistung hergibt. Auch bei starkem „Ziehen" des Flugzeuges bietet diese Konstruktion gewisse Sicherheit, da der Propeller in seinen Touren weit unter die Standdrehzahl heruntergehen kann und trotzdem noch gute Leistungen hergibt. Für Flugzeugführer, welche gewöhnt sind, nur nach dem Tourenzähler zu fliegen, versagt dieser Anhalt und muß nur nach dem Geschwindigkeitsmesser geurteilt werden. Manche Motoren haben eine sog. kritische Tourenzahl, bei denen der Motor mit starken Erschütterungen läuft; man kann dann unbedenklich die Steigung des Propellers de'art wählen, daß die Tourenzahl im Fluge (wagerecht) etwas über 1400 hinausgeht (1420—1440) Für die Prüfung der Zugleistung verwendet man Zugwagen, welche in dem Seil, welches um das Fahrgestell geschlungen und am anderen Ende an einem Pflock befestigt ist, zwischengeschaltet ist. Den Zugprüfungen wird meist viel zu viel Wert beigelegt, doch gelten sie nur zum Vergleich verschiedener Schraubentypen und müssen dann hintereinander bei denselben Verhältnissen vorgenommen werden. Es würde zu weit führen, alle Umstände hier anzuführen, welche die Zugleistung des Propellers bei Zugprüfungen beeinflussen. Jedenfalls ist diese Prüfung der Schraube am Flugzeug noch ein sehr unvollkommenes Mittel und trägt nur zu Täuschungen bei. J.

Deutsches Flugzeug mit .srlmcesHiuhartigen Kufen ;*t:itt Rüder für Start und Landung

iin »Schnee.

Deutsches KluyrziMi» mit srliueesi-luiluirtigen Kuren stritt Kaller für .Start uml Landung

i in iSeluiee.

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Inland.

Den Heldentod fanden: Obltn. Hans Leistner, Ltn. Adoll Seifert, Flgltn. Kurt Reinhardt, Flgzf. u. Vzfw. Neubauer.

Von der Front.

2. Mai. Palästinafront. Konstantinopel. Bei Amman brachte eines unserer Flugzeuge zwei feindliche Flugzeuge zum Absturz. Die Insassen, vier englische Offiziere, wurden gefangen- Sonst nichts von Bedeutung.

3. Mai. Paris Am 2. Mai sind acht deutsche Flugzeuge abgeschossen worden, davon drei durch unsere Abwehrgeschütze. Außerdem wurden 12 feindliche Flugzeuge schwer beschädigt und stürzten im Laufe der Kämpfe mit unseren Flugzeugen über ihren Linien ab. Unsere Bombenflugzeuge unternahmen am 2. und in der Nacht zum 3. Mai eine Reihe von Flügen und warfen 27000 kg Geschosse auf die Bahnhöfe Harn, Nesle, Roye, Chaulnes, St. Quentin und Jussy ab, sowie auf die Biwaks und Lagerplätze in dieser Gegend, ferner 800 Kilogramm Geschosse auf feindliche Einrichtungen in der Richtung von Rethel, sowie auf Bahnhof und Stadt Asfeld.

Italienischer Bericht. Auf der gesamten Front lebhalte Erkundungstätigkeit und Luftkämpfe. Acht feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen.

, 4. Mai. Deutscher Tagesbericht. Wir schössen gestern 25 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballone"ab. Leutnant" Buckler errang seinen 33., Leutnant Pütter seinen 22. Luftsieg.

Englischer Bericht aus Italien. Nach einer lang andauernden Regen-und Nebelzeit ist schönes Wetter eingetreten. Die Patrouillentätigkeit beiderseits war beträchtlich. Wir machten mehrere Gefangene. Starkes gegenseitiges Artilleriefeuer, das eine Anzahl von Explosionen in feindlichen Batteriestellungen zur Folge hatte. Seit dem letzten Bericht vernichteten die königlichen Luftstreitkräfte zwölf feindliche Flugzeuge, wobei sie selbst drei Flugzeuge verloren. Das bringt die Gesamtzahl der seit Ankunft der britischen Streitkräfte in Italien vernichteten Flugzeuge auf 109. Unsere Verluste in derselben Zeit betragen 13 Maschinen.

Englischer Bericht über Luftunternehmungen. Am 3. Mai wurden auf die Schleusentore von Zeebrügge drei sehr große Bomben abgeworfen. Wir führten mit sehr gutem Erfolge einen weiteren Streifzug über den Bahnhof und die Rangiergeleise von Diedenhofen durch. Auf den Fabriken von Carlshütte wurden weitere Treffer erzielt Auf dem Bahnhof und den Rangiergeleisen wurden mehrere Treffer beobachtet. Alle unsere Apparate sind zurückgekehrt.

5. Mai. Der deutsche Admiralstab meldet: Drei deutsche Seeflugzeuge Schossen am 4. Mai vor der flandrischen Küste vier feindliche Flugzeuge ab Zwei feindliche Flieger wurden schwer verwundet auf dem Luftwege geborgen.

Paris. Im Laufe des 3. und 4. Mai wurden neun deutsche Flugzeuge von unseren Kampffliegern und zwei durch unser Abwehrfeuer abgeschossen. Außerdem.wurden am 2. und 3. Mai feindliche Flugzeuge beobachtet, die steuerlos in ihre Linien niedergingen. Im Laufe dieser beiden Tage und in der Nacht zum 3. unternahmen unsere Bombentlugzeuge zahlreiche Ausflüge. 28 000 Kilogramm Geschosse wurden auf die Bahnhöfe Ham, Noyon, Chaulnes, Jussy, Perronne und St. Quentin, sowie auf Lager und Unterstände in diesem Gebiet abgeworfen.

Italienischer Bericht. Der Luitdienst war sehr tätig. Ein Caproni-geschwader und englische, von zahlreichen Jagdflugzeugen begleitete Flugzeuge warfen etwa neun Tonnen Bomben mit ausgezeichneten Ergebnissen auf die elektrischen Anlagen von Capedine (nördlich Meri). Während dieser Streife bewarfen andere Flugzeuge wieder das feindliche Fliegerlager von Campereggiore (südlich Strasic). In der letzten Nacht trafen unsere lenkbaren Luftschiffe überraschend über den Bahnhöfen von Primolano und Bolzano ein, die sie wirksam mit Bomben trafen. In derselben Nacht bewarf ein Marineluftschiff marschierende

.Flugsport", Organ d. Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. Modellflugv. 1918.

De Havilland IV. (Fabrik: Aircraft Manufacturing Co. Itcl.)

Tafel VIII.

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.Flugsport", Organ d. Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. d. Modellflugvereine. 1918

Rumpf des De Havilland IV.

Tafel IX.

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Abteilungen jenseits des Tagliamento. Wir schössen acht feindliche Flugzeuge ab, von denen zwei brennend zur Landung in unseren Linien gezwungen wurden.

6 Mai. Bulgarischer Generalstsbsbericht. An der gesamten Front Fliegertätigkeit. In der Moglenagegend westlich vom Wardar wurden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen.

7. Mai. Italienischer Bericht. Englische Fliegerabteilungen schössen drei feindliche Apparate in der Gegend von Motta di Leventa ab und warfen Bomben auf die feindlichen rückwärtigen Stellungen zwischen dem Astico und der Brenta.

8. Mai. Engli s ch e r B er i ch t a us Mes o po t amie n. Am Nachmittage griffen unsere Flugzeuge das türkische Lager von Fatah am Tigris, 23 Meilen nördlich von Tekrit an. Eine große Anzahl Bomben wurde auf Truppen und feindliche Transporte abgeworfen, die auch mit Maschinengewehren beschossen wurden. Ein türkisches Flugzeug wurde zerstört beim Zusammenfluß des Besserzab und Tigris.

Französischer Heeresbericht. Trotz des schlechten Wetters zeigten sich unsere Jagdflugzeuge tätig. Zwei deutsche Flugzeuge wurden abgeschossen und acht schwer beschädigt Ein deutscher Fesselballon wurde durch unsere Flieger in Brand gesteckt. Am 10. und 11. Mai warfen unsere Bombardierungsflieger 7000 Kilogramm Geschosse auf feindliche Bahnhöfe, Speicher und Quartiere, besonders bei Noyon, Chauny und Flavy-le-Martel. An letzterem Punkt wurden Feuersbrünste beobachtet.

Bericht der französischen Orientarmee. Die verbündeten Flieger unternahmen Beschießungen im Rücken des Feindes im Wardartale und an der Struma.

Flieger-Funker bei der Aufnahme von drahtlosen Meldungen, die von einem fliegenden Flugzeug gemacht werden. Der Mann rechts gibt dem Flieger mit der Signalpistole das Zeichen, daß Verständigung erzielt ist.

Flieger-Funker bei der Aufnahme von drahtlosen Meldungen, ilie von einem (liegenden Flugzeug gemacht werden. Der Manu rechts gibt dem Flieger mit der Signalnistole das Zeichen, (laM Verständigung erzielt ict.

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Englischer Bericht über Luftunternehmungen. Am 9. Mai erlaubte der wolkenlose Himmel unsern Fliegern, sehr tätig zu sein. Während des ganzen Tages blieben die Apparate in der Luft, nahmen Erkundungen vor und machten Photographien in den Gebieten hinter dt r feindlichen Front. Unsere Beschießungsflugzeuge waren auf der ganzen Front sehr tätig. Zusammen wurden mehr als 24 Tonnen Bomben durch unsere Flieger auf verschiedene Objekte abgeworfen, darunter befanden sich die wichtigen Eisenbahnstationen Tournay, Douai, Marcoing, Chaulnes, Cambrai usw. Die Truppenlager von Carvin, Peronne, Chiville. wie auch die Cais von Zeebrügge. Fast während des ganzen Tages fanden Luftkämpfe statt, die besonders am Abend lebhaft waren. 27 deutsche Apparate wurden abgeschossen und 12 andere zur Landung gezwungen Ein feindlicher Beobachtungsballon wurde zerstört. Sechs unserer Apparate fehlen. Während der Nacht wurden von unseren Fliegern 4'/a Tonnen Bomben auf die Kais und den Eingang des Kanals von Ostende, von Chaulnes und Bapaume geworfen. Alle unsere Apparate sind zurückgekehrt.

9. Mai. Deutscher Tagesbericht. In den drei letzten Tagen verlor der Gegner im Luftkampf und durch Abschuß von der Erde aus 37 Flugzeuge. Oberleutnant Schleich schoß gestern drei feindliche Flugzeuge ab und errang damit seinen 26, 27. und 28. Luftsieg.

Amtliche Meldung aus Berlin. Am 8. Mai mittags und abends griffen stärkere feindliche Fliegergefchwader die Mole und das Dorf Zeebrügge mit Bomben an, ohne militärischen Schaden anzurichten. Durch die Fliegerbomben auf die Kirche von Zeebrügge wurden drei Belgier und zwei Kinder getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. An der Landfront des Marinekorps / wurden von unseren Jagdfliegern zwei feindliche Flugzeuge, Uber See ein drittes abgeschossen.

Englischer Bericht aus Mesopotanien. Am 8. Mai haben unsere Flieger türkische Lager bei Fatah am Tigris, 33 englische Meilen (52 kilometer) östlich von Fekrit, angegriffen. Viele Bomben wurden abgeworfen und feindliche Truppen und Trains mit Maschinengewehren beschossen. Ein türkisches Flugzeug ist nahe bei der Mündung des Masser Zab in den Tigris abgeschossen und zerstört worden.

11. Mai. Italienischer Bericht. Die Tätigkeit in der Luft war ziemlich bedeutend. Eines unserer Lenkluftschiffe warf etwa eine Tonne Bomben auf den Bahnhof von Mattarello. Englische Flieger zwangen einen feindlichen Flieger zur Landung und setzten einen feindlichen Fesselballon südlich von Conegliano in Brand. ,

12. Mai. Deutscher Tagesbericht. Im Luftkampf wurden in den letzten beiden Tagen 19 feindliche Flugzeuge abgeschossen, 12 von ihnen durch das bisher v. Rittm. Frhrn. v. Richthofen geführte Jagdgeschwader zum Absturz gebracht. Leutnant Loewenhardt errang seinen 20. und 21. Luftsieg.

Wien FeldDilot Oberleutnant Linke-Crawford schoß am 11. ds. Mts. zwei englische Flugzeuge ab und errang damit seinen 22, und seinen 23. Luftsieg. In Albanien stellenweise lebhaftere Kampftätigkeit.

13. Mai. Deutscher Tagesbericht. Im April beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen Fronten 15 Fesselballone-und 271 Flugzeuge, von denen 122 hinter unseren Linien, die übrigen'jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind.

. Wir haben im Kampf 123 Flugzeuge und 14 Fesselballone verloren. (Siehe auch'folgenden Bericht.)

Berlin. Im Monat April verloren unsere Gegner durch unsere Kampfmittel im ganzen 271 Flugzeuge und 15 Fesselballone Wir büßten durch feindliche Einwirkung 123 Flugzeuge ein, von denen 87 jenseits unserer Linien verblieben und 14 Fesselballone. Von den feindlichen Flugzeugen wurden 223 im Luftkampf, 42 durch Abwehrgeschütze und 6 durch Gewehrfeuer abgeschossen. 122 feindliche Flugzeuge blieben in unserem Besitz. Außerdem wurden 20 feindliche Flugzeuge jenseits unserer Linien schwer beschädigt zur Landung gezwungen und zwar acht durch unsere Flieger, 12 durch unsere Flugabwehrgeschütze.

Wien. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Am 11. Mai nachmittags griffen sechs englische Flugzeuge den Kriegshafen im Golf non Cattaro mit Bomben an, ohne Verluste oder Sachschaden zu verurteilen. Eines der Flugzeuge ist abgestürzt, seine Insassen wurden unverletzt gefangen.

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14. Mai. Italienischer Bericht. 11 feindliche Flugzeuge wurden in den gestrigen Lufikämpfen abgeschossen. Britische Flieger bombardierten wirksam feindliche Baracken in der Umgegend von Ajiago

Bericht des Admiralstabs der britischen Marine. Am Morgen des 12. Mai haben unsere Wasserflugzeuge und Armeeflugzeuge gemeinsam mit Erfolg die U-Bootslation von Cattaro beschossen. Feindiene Jagdtlugzeuge stiegen auf, hatten aber keinen Erfolg. Trotz des intensiven gegnerischen Feuers kehrten unsere Apparate unversehrt zurück.

15. Mai. Deutscher Tagesbericht. Unsere Flieger schössen gestern fünf feindliche Fes?elballone ab. An den Kampffronten sehr rege nächtliche Fliegertätigkeit.

Wir bewarfen Calais, Dünkirchen und andere riickwätlge Munitionslager und Bahnanlagen des Feindes ausgiebig mit Bomben.

Ausland.

Feindliche Fliegerverluste. Die französische Regierung verzeichnet während der letzten Tage eine Reihe schwerer Fliegerverluste an der Front. Der Hauptmann Meiffer wurde bei einem Angriff aus geringer Höhe gegen dis deutsche Infanterie durch eine Kugel getötet. Er war bekannt als einer der besten Schlachtfliegcr. Der Leutnant Demeuldre, der vor kurzem die Ehrenlegion und die goldene Medaille des französischen Aeroklubs erhalten hat, ist an der iomme abgeschossen worden. Chaput, Befehlshaber eines der bekanntesten französischen Jagdfluggeschwader, der ebenfalls wiedeiholt im Tagesbericht zitiert war, ist tödlich verwundet in den französischen Linien abgi stürzt. Der amerikanische Fliegerhauptmann Northon Hall, der schon vor der amerikanischen Kriegseiklärung als Freiwilliger in französische Dienste getreten war, ist in den deutschen Linien abgestürzt. Man nimmt an, daß er gefangen ist. — Nach „Echo de Paris" ist der Fliegerkapitän Manieu von einem Streifzug nicht zurückgekehrt.

Die „Neue Züricher Ztg." meldet aus London : Im Verlauf des Angriffs auf Zeelirügge ist der Hauptmann Arthur Breek, Chef eines englischen Fluggeschwaders, gefallen; er verlor bei dem Angriff auf die Mole das Leben. Breek war der Erfinder des künstlichen Nebels.

Aus Paris wird gemeldet: Oberst Bölling, einer der Chefs des amerikanischen Flugdienstes, ist in Frankreich bei einer Inspektionsreise in seinem Automobil getötet worden. Es ist dies der erste amerikanische Oberst, der an der Westfront gefallen ist.

Motosacoche Flugmotoren. „Suisse Sportive" berichtet, daß die Fabrik von Motosacoche in Genf Aufträge auf Lieferung von mehreren hundert Flugzeugmotoren für die englische Armee erhalten hat.

Die amerikanischen Flieger kommen als Mitglieder des amerikanischen Roten Kreuzes auf Hospitalschiffen nach Europa. Dieser Mißbrauch des Roten Kreuzes geht aktenmäßig aus Dokumenten hervor, die abgeschossenen amerikanischen Fliegern abgenommen wurden. Ein im Bereich der Armee des Generals v. Hutier abgeschossener Amerikaner hatte einen Paß bei sich, in dem er als Mitglied des American Ambulance Service for France bezeichnet wird. Der Gefangene gab unumwunden zu, daß es allgemein üblich ist, daß Flieger für die Ueberfahrt in den amerikanischen Ambulanzdienst eintreten und auf Hospitalschiffen herüberkommen. Nach der Landung in Frankreich treten sie dann sofort in das Automobilkorps und von diesem zur Fliegertruppe über. Ein gefangener Flieger ist direkt vom Arnbulanzdienst in die Fliegertruppe getreten. Ein anderer trug ein Attest bei sich, worin die Daten der verschiedenen Ueber-tritte amtlich bestätigt werden.

Die Unzuverlässigkeit der englischen Berichte über Luftkampferfolge ist bekannt. Amtliche englische Schriftstücke, die bei den letzten Angriffen erbeutet wurden, liefern dafür neue und besonders schlagende Beweise, weil sie mehrfach den Ort der angeblichen Abschüsse nennen und dadurch eine genaue Nachprüfung ermöglichen. Die englischen Meldungen vom 25. September 1917 sind besonders bezeichnend. Eine Patrouille des 20. Squadrons will am 25. September 1917 über Becelaere zwei Albatros-Jagdflugzeuge abgeschossen und zwei steuerlos heruntergetrieben haben. Tatsächlich haben die Deutschen am genannten Tage im weiteren Umkreis dieses Ortes nichc ein Flugzeug verloren.

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Eine Patrouille des 54. Squadrons behauptet, drei deutsche Jagdflugzeuge über Middelkerke zerstört zu haben, von denen eins ins Meer stürzte. In Wahrheit verloren die Deutschen in dieser Gegend nur ein Flugzeug. Dieses stürzte in der Tat ins Meer. Leutnant Barlow vom 56. Squadron beansprucht zu Unrecht einen Sieg Uber dem Houthoulsterwald, desgleichen ein Flugzeug des 40. Squadrons in der Gegend von Pelves. Insgesamt wollten die Engländer am genannten Tage 19 deutsche Flugzeuge zerstört und 13 steuerlos heruntergetrieben haben. Tntsächlich betrugen die deutschen Verluste an der englischen Front im ganzen sechs Flugzeuge.

Verschiedenes.

Der Kauf gebrauchter Flugzeuge. Der Kauf gebrauchter Flugzeuge unterscheidet sich als Vertrag in keiner Weise von dem Kauf ntuer Gegenstände, und die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche stehen dem Käufer gebrauchter Flugzeuge genau so zu, wie jedem anderen Käufer, wenn nicht die Gewähr-leistungsansprüche ausdrücklich oder stillschweigend ausgeschlossen werden.

Es wird nicht selten der Versuch gemacht, die Haftung des Verkäufers auf Grund eines solchen Gewährleistungsausschlusses abzulehnen und zwar auch mit einer gewissen Berechtigung. Der Verkäufer einer gebrauchten Sache kann für die Leistungsfähigkeit garnicht so einstehen wie der Fabrikant oder Händler neuer Flugzeuge, und es entspricht daher wohl seinem Interesse, sich von jeder Haftung zu befreien.

Aber es kommt nicht darauf an, was für ihn das Vorteilhafte ist, sondern 'was durch Willensübereinstimmung beider Parteien Vertragsinhalt wird. Nur wenn jeder Käufer gebrauchter Flugzeuge als selbstverständlich damit rechnen muß, daß der Verkäufer keine Gewähr Ubernehmen will, dann könnte ein solcher stillschweigender Gewährschaftsausschluß anzunehmen sein.

Von einer solchen Selbstverständlichkeit kann aber nicht die Rede sein. Im einzelnen Falle kann es wohl so liegen, daß der Käufer aus den Umständen, die bei den Vertragsverhandlungen eine besondere Rolle spielen, insbesondere

Kin malerisch gelegener Flugplatz in den bayrischen Alpen.

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daraus, daß der Verkäufer besonders betont, daß das Flugzeug nicht neu ist, eine Absicht, die Gewährschaft auszuschließen, entnehmen muß; in der Regel jedoch nicht Der Käufer will ein leistungsfähiges Flugzeug haben, wenngleich es gebraucht ist, und er würde vielleicht auf den Kaufvertrag garnicht eingehen, wenn jede Haftung des Verkäufers für Fehler und Mängel ausgeschlossen würde.

Trotzdem ist die Eigenschaft des Gebrauchtseins nicht ohne Bedeutung. Nach den Grund ätzen des Kaufrechts haftet der Verkäufer dafür, daß die verkaufte Sache zu der Zeit, zu welcher die Gefahr auf den Käufer übergeht, nicht mit Fehlern behaftet ist die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder dem nach dem Vertrage vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder mindern. Eine unerhebliche Minderung des Wertes oder der Tauglichkeit kommt nicht in Betracht (§ 459 BGB)

Aus der Fassung des Gesetzes geht schon hervor, welche Bedeutung die Verkehrsanschauung dabei hat. Was heißt; zudem gewöhnlichen oder dem nach dem Vertrage vorausgesetzten Gebrauch? Eine Begriffsbestimmung hierfür wird man wohl schwerlich geben können, zweifellos aber ist es, daß die Umstände des Einzelfalles hier die Ge-ichtspunkte für die Beurteilung ergeben müssen, einerseits der Preis, andererseits die Eigenschaft des Gebrauchtseins. Jeder weiß, daß die Güte einer Ware von dem Preis abhängt, und daß er für einen sehr niedrigen Preis keine so tadellose Ware erhält, wie für den angemessenen Preis, jeder weiß auch, daß Flugzeuge sich mit der Zeit abnutzen. Er kann daher nicht die Güte und die Leistungsfähigkeit erwarten wie von neuen Ist der Preis sehr hoch, so ist daraus wieder zu schließen, daß entweder das Fabrikat besonders gut ist, oder daß das Flugzeug noch verhältnismäßig neu ist. Umgekehrt muß er je nach der Niedrigkeit des Preises seine Erwartungen mehr oder weniger weit herabsetzen.

Man kann daher an gebrauchte Flugzeuge nur diejenigen Forderungen stellen, die eine entsprechende Zeit in Benutzung gewesene Sache unter Berücksichtigung der im Preise zum Ausdruck kommende Güte — im Zweifelfall mittlerer Art und Güte — erfahrungsgemäß besitzt Die Flugzeuge, die für alt gekauft werden, müssen wohl leistungsfähig sein, brauchen aber nicht so tadellos zu sein, wie neue.

Auch in der Rechtsprechung wird dieser Grundsatz anerkannt. In einer Entscheidung vom 13. Närz 1913 Warneyer Rechtsprechung 1913 Nr. 281 ist das ausgesprochen in Hinsicht auf eine gekaufte Maschine, in älteren Entscheidungen Juristische Wochenschrift 1907 S. 174, 1908 S. 36 in Hinsicht auf ein gekauftes Wasserfahrzeug bezw. ein Automobil.

Patentwesen.

Gebrauchsmuster.

77h. 026144. Automobil- & Aviatik, A-G, Freiburg i. Br. Trommel zur Aufwicklung des Maschinengewehrpatronenbandes usw. 24.2. 15. A. 24 220. 31.1.18.

77h. 626145. Automobil- & Aviatik, A.-G. Freiburg i. Br. Klapptritt usw. 24. 2. 15. A. 24 219. 31. 1. 18.

77h. 626 148. Automobil- & Aviat k, A.-G. Freiburg i. Br. Flugzeugrumpf usw. 24. 2. 15. A. 24216. 31. 1. 18.

77ri. 626 149. Automobil- & Aviatik, A -G. Freiburg i. Br. Hebel zum Heben des Vergaserstiftes usw. 24. 2. 15. A. 24215, 31. I. 18.

77s 626150. Automobil- & Aviatik, A.-G. Freiburg i. Br. Spannhebeleinrichtung für die Gummifederung usw. 24 2 15 A. 24214. 31 1. 18.

77h. 626505. Deutsche Flugzeug-Werke G. in. b. H , Lindentliul b. Leipzig Flugzeugtragfläche usw. 3. 3. 15. D. 28483. 12. 2. IS.

Firmennachrichten.

Deutsche Lnitschranben-Gesellschaft m. b. H. Sitz Berlin-Neukölln. Gegenstand des Unternehmens: Die Herstellung und der Vortrieb der von dein Ingenieur Hans Golde in Berlin konstruierten Luftschraube, genannt „Propulsor", sowie die gewerbliche Verwertung der von dem Ingenieur Hans Golde auf diese Liiftsebraiibe noch anzumeldenden patent-amtlichen Schutva'eohte und aller zukünftigen Keehte, welebtr entweder Herr Hans Golde oder tun „Deutsche Luftschrauben-Gesellschaft m. b. II." erwerben wird. Die Fabrikation und der Vertrieb von Zubehörteilen für Klugzeuge und Luftseli'ffe. Das Stammkapital beträgt (J0000 Mk. Geschäftsführer Hans Golde, Ingenieur, Johannisthal, Hans Müller, Kaufmann Charlottenburg. Prokura: Die bisherige Prokura des Hans Müller ist erloschen. Die

muí i-ìris i (çelegeiuiv KIugplatK in den biiyriauheii Alpen-

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Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschuftsvertrag ist am 3fi. Januar, 2\). Januar 1Ü17 abgeschlossen und am 11. Juni und 4. Juli 1917 abgeändert. Die Daner der Gesellschaft ist bis zum ;U. Dezember 192f> festgesetzt.

Flngzeng.Auto-Räder-ErBatE-Bereifnnu (System Breeht) Gesellschaft mit beschränkter Haltung („Fareo".) Berlin- Unter dieser Firma wurde in das Handelsregister eingetragen. Gegenstand des Unternehmens: Der Erwerb und die Verwertung des dein Ingenieur Ciirt Brecht zu Berlin-Sehnnehcrg zustehenden Musterschutzes auf Herstellung von Papierbereifung für Fahrräder, Flugzeuganlaufräder, Automobil und Lastwagen sowie der hierfür zu beantragenden Auslandspate- Das Stammkapital betrügt 30 000 Mk. Geschäftsführer: 1. Architekt Karl Wiehert in Berlin, 2. Ingenieur Curt Brecht in Berlin-Schönebcrg. Die (Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellsehaftsvertrag ist am 15. April 1!M8 abgeschlossen. Zur Vertretung der Gesellschaft ist der Architekt Karl \\ jodiert allein berechtigt, der Ingenieur Curt Brecht jedoch nur in Gemeinschaft mit einem anderen Geschäftsführer oder einem Prokuristen. Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Oeffeutliche Bekanntmachungen der Gesellschaft folgen durch den Deutschen Ucichs- und Preußischen Staatsanzeiger. —

Gleit- und Modellflugwesen. Berliner Modellflugwesen.

Die Vergangenheit des Berliner Modellflugwesens zeigt sich im Spiegel derZeit recht wechselvoll, und es dürfte darum von Interesse s in, die markantesten Ereignisse auf diesem Gebtete in kurzer Form ins Gedächtnis zurückzurufen-

Der Iterliner Modellflugsport-Club, der sich im Frühjahr 19U, kurz bevor der Krieg in8 Land zog, mit dem Modellflugteehnisehen Verein Berlin zusammenschloß, sicherte der so gesehaf', fenen, wohl einen größtenModellFhig-Vereinigung eine glänzende Entfaltungsmöglichkeit au* breitester Grundlage. Da fast sämtliche Mitglieder des Vereins zu den Waffen eilten, sahen sich die wenigen Zurückgebliebenen außerstande, die Vereinsgescliäfte weiterzuführen, und legten diese in die Hände des in Modellsportkicisen bekannten Herrn Gotting.

tm Juli 1!)KJ schienen die besten Vorbedingungen gegeben zu sein, die gesammelten Erfahrungen wieder der Oeffentliehkeit zuzuführen, sodaß sich Genannter, unterstützt von einem kleinen Kreis persönlicher Freunde dazu entschloß, den Wurf zu wagen. Er gelang. Die Vereinsgeschäfte des so geschaffenen Deutschen Flug-Vcroins nahmen gleich im ersten Geschäftsjahre einen glänzenden Aufschwung und bestärkten alle Beteiligten in der Hoffnung auf ein längeres Anhalten dieses günstigen Aufschwunges. Es kamen- aber leider unvorgesehene Geschehnisse zur Geltung. Man kann offen sagen, daß es verfehlt war, beeinflußt von mehreren, neu für die Sache gewonnenen Herrn von den ursprünglich gesteckten Zielen des Vereins abzuweichen und die Aufnahme des Gleit- und Großflugzeugsports in das Arbeitsprogramm durchzuführen. Es wurden verschiedentlich Stimmen laut, die die Ziele der Vereinsleitnng als zu bescheidene bezeichneten, und speziel die jüngeren Mitglieder hatten ja nun dje Möglichkeiten, sich auf drei verschiedenen flugtechnischen Gebieten zu betätigen Das bis vlahin auf einen Punkt — ehen das Modellflugwesen — gerichtete lebhafte Interesse der Mitglieder begann nachzulassen, und die erwähnte Forderung ließ die Tätigkeit auf allen drei Gebieten erschlaffen, denn verschiedene Umstände gestatteten es nicht, auf dem Gebiete des Gleit- und Motorflugsports praktisch etwas zu leisten.

Nach diesen Vorkommnissen wurden nun wieder Stimmen laut, die die Gründung einer rein modelltechuischcn Vereinigung anstrebten, um allen Einwänden, wie sie von Gegnern des Modellflugwesens angebracht worden sind und die darauf hinzielten, den Modellsport als ein unsinnig Ding, eine Spielerei Erwachsener hinzustellen, jeglicher Grundlage zu entblößen. Wer könnte sich bestehenden Tatsachen gegenüber der Einsicht verscließen, daß das Modellwesen unserer Flugzeugindustrie und in der Hauptsache dem Militärflugwesen vorgebildete und begeisterte Kräfte zugeführt bat. Auch der leider im Luftkampf gefallene hervorragende FJicgerleutnaut Baldamus betrieb eifrig den Modellbau, desgleichen zählen jetzt viele deutsche Motlellkonstruk teure auf Grund ihrer hierbei gesammelten Erfahrungen zu tüchtigen .Mitgliedern der Fliegertruppe. — Die oben erwähnte Anregung aus den Kreisen der Modellbauer fiel auf fruchtbaren Boden. Der Berliner Flug-Verein, wurde am 9. Februar dieses Jahres ins Lehen gerufen, da ein gutes Fundament geschaffen und der Erfolg schon im Voraus feststand. Nach Friedensschluß wird diese Vereinigung auch unsere Hoffnung, Merlin neben den Provinzvereinen eine würdige Stellung im deutschen Modelll'lugwe en zu verschaffen, verwirklichen und i:ns einen großen Anhang aus interessierten Kreisen sicherstellen. Um schon jetzt die reifere Juseud für unsere Bestrehungen zu begeistern, haben wir beschlossen durch Modell-Wettflüge, öffentliche Vorträge usw. den Modellsport in den weitesten Kreisen bekannt zu machen. Unser erstes diesjähriges Preisfliegen um einen silbernen Ehrenbecher, einen Wettbewerb für Modelle von Enten- Typ, hat sehr zufrieden stellende, Ergebnisse gezeitigt, wurden doch au drei Sonnlagen Leistungen erzielt, wie man sie in Anbetracht des jetzigen Gummimnterudcs kaum für möglich gehalten hätte. Die besten Leistungen waren folgende:

Siuclininski Rekord-Ente 249, 159, 148, 187 Meter PercliallaEnte . . . 247, 161, 154, 117 Reimer-Ente .... 148, 120, 100, HO „

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Von der Angabe der verschiedenen Finglange unter 100 Metern ist abgesehen worden, bemerkt sei nur noch daß an dem Perchnlhi Dreidecker und dem Heinze-Pnrssol zwei Nor-lnaltypen außer Wettbewerb flogen, die recht achtbare Leistungen erzielten, hniipsärhlieli letztgenannter Apparat bewies neben großer Schnelligkeit noch sehr gutes Steigvermögen und ebensolche Stabilität. Als nächster Preisflug ist ein Bewerli für Apparate mit voriiliegender Schraube airgesetzt worden. Näheres wird noch bekannt gegeben.

Berliner V1 u g - V e r e i n Berlin W. 3ö, Stoglitüjei'str. S.

Vom ModellwettrJiegeii ties Berliner Fliigveieins.

Vom Modcllflicgcn des Berliner Flugverein. Hinter dein Startband

Vinn Mrxlullllii'iíen des I Ieri hier Fliigvi'mn. Hinter doni Startband

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&efaitniritad)ung+

3«e 3ö)ifd)enfcDeinc für bie 5°|0 6t&ul&t>erfi1)rö&un0en utib 4,|»°|o aWaniPeifungen 5er vii. ßriegiJanlei&e

tonnen Dom

27. ZUai 5. 3s- ab

in bie enbgültigen Stüde mit 3irtsfd)einen umgetauft roerben.

3>er Umtaufd) finbet bei ber „ltmtaufd)fieHe für bie ßtiegs= anleiten" SÖcrlitt W 8, Seljreitftrafje 22, ftatt. Slujjerbem über= nehmen fämtlidje 9?eid)sbanianftalten mit Saffeneinridjtung bis 3um 2. SJejember ,1918 bie foftertfteic Vermittlung bes Umtaufdjes. 9tad) biefem 3eitpuntt tonnen bie 3roifcf;enfd)eine nur nod) unmittelbar bei ber „Umtaufdjfteü'e für bie Kriegsanleihen" in SBerlin umgetaufdjt roerben.

■35ie 3tDi^eny^cine 1™** m^ SSerjeidmiften, in bie fte nad) ben 33e= trögen unb innerhalb biefer nad) ber 9himmemfolge georbnet einjutragen finb, roätjrenb ber SSormittagsbienftftunben bei ben genannten Stellen ein= jureidjen. $ür bie 5% SReidjsanleitje unb für bie 4'/2°/0 SReidjsfdjatj* anroeifungen finb befonbere 9lummernrieräeid)niffe ausjufertigen; 'ftoxmte laxe fyierju fjnb bei allen Sieidjsbanfanftalteu ertjältlid).

firmen unb Saffen tjaben bie non tljnen eingereichten 3ttnWen-fd)eine red)ts oberhalb ber StürJnummer mit ifyrem gfamenftempel ju nerfetjen.

Sßon ben 3tt)ifcf;enfd)enfd)einen für bie I., III., IV., V. unb VI Äriegs= anleite ift eine größere 9lnjat)l nort) immer nidjt in bie enbgültigen Stürfe mit ben bereits feit 1. SIpril 1915, 1. Dttober 1916 1. 3ult, 1. Oftober 1917 unb 2. 3anuar b. 3s. fällig geroefenen 3msfd)einen umgetaufd)t roorben. 1)ie ^nfjaber roerben aufgeforbcrt, biefe 3r°ifd)en= fctjeine in ifyrem eigenen 3ntereffe möglidjft balb bei ber „UmtaufcfjfteHe für bic ßrieflsattleiljeit", ÜBerlin W 8, söetjrenftrafje 22, jum Um= taufd) einjureichen.

33erlin, im 2Jtai 1918. §anenftein. o. ©rimm.

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S. Juni 11». Jabrg. I.

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Ausland per Kreuzband

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„Flugwesen

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Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 19. Juni.

Was wird aus der Flugzeugindustrie nach dem Kriege ?

Es dürfte keine Flugzeugfirma geben, bei der diese bangende Frage noch nicht erwogen worden wäre. Die wenigsten haben sich wohl für die Zukunft ßeschäftigungsmöglichkeiten gesichert. "Wie sollten sie es auch? Die Möglichkeitsfragen sind bei vielen noch in «in undurchdringliches Dunkel gehüllt. Hier heißt es Augen auf! Nicht nur im Interesse der einzelnen Firma, sondern im Interesse der gesamten deutschen Flugzeugindustrie! Hierbei ist es vor allem wichtig, die Zukunftsmöglichkeiten auch in andern Ländern zu verfolgen.

Beachtenswert sind diesbezügliche Hinweise und Vorschläge, die ein gewisser „Isaac" in der „Times" macht. Isaac glaubt an günstige Zukunftsmöglichkeiten der Flugzeugindustrie, verhehlt jedoch nicht, daß nach dem Krieg eine kurze Zeit der Stagnation und heftigen industriellen Kämpfe zu überwinden sei. Die Schwierigkeiten nach dem Kriege liegen vor allem in der Vertriebsmöglichkeit, für die jede Firma selbst zu sorgen habe. Jetzt während des Krieges haben die Flugzeugfirmen nur an der Produktionserhöhung organisiert. Eine Vertriebsorganisation zu schaffen, war überflüssig. Eine solche besteht so gut wie gar nicht. Die Organisation für die Herstellung von Flugzeugen wird sich mit geringen Aenderungen den Friedensverhältnissen anpassen. Jetzt während des Krieges gab es Aufträge in Hülle und Fülle und man war froh, daß man sie bewältigen konnte. Diejenigen Firmen, welche noch keine Vertriebsmöglichkeiten nach dem Krieg «rwogen haben, werden naturgemäß gegen die anderen im Nachteil sein.

Für die Absatzmöglichkeiten direkt nach dem Krieg an die neutralen und sonstige Militärstaaton bestehen zwei Ansichten. Zunächst

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glaubt ein großer Teil, daß die Dinge so hübsch bleiben wie sie sind; d. h. daß der Bedarf für die Weltregierungen, dazu käme noch der der neutralen Staaten und schließlich der Bedarf an Flugzeugen für private- und Handelszwecke, der gleiche bleibe.

Nach Isaac hingegen wird für militärische, private und Handelszwecke für die ersten zwölf Monate nach dem Krieg kein Bedarf vorliegen. Es wird eine gewisse Zeit erforderlich sein, bis dringend nötige zeitgemäße Neuorganisationen methodisch durchgeführt und vor allem die handelspolitischen Beziehungen der verschiedenen Länder geregelt sind.

Nach diesen Ausführungen scheint man in England mit einem, wirtschaftlichen Rückgang zu rechnen. Es hat dies allerdings den Vorteil, daß man vor Enttäuschungen bewahrt bleibt.

Der weitsichtige Industrielle hingegen wird jedoch nicht auf einen, wirtschaftlichen Niedergang warten und denselben über sich ergehen lassen, sondern nach Mitteln und Wegen sinnen, um ihn zu umgehen. Mehr möchten wir während des jetzigen Zustandes nichts sagen. Der eingeweihte Industrielle wird jedoch nach Lesen der vorliegenden Zeilen die Lücken in den Darlegungen empfinden und wissen, welche Wege der Vorbereitung in derUebergangswirtschaft einzuschlagen sind. — —

Albatros Kampfdoppeldecker C V.

(Hierzu Tafel X.) (Nachdruck verboten.)

In mehreren Nummern der engl. Zeitschr. „Flight" ist in mehr als ausführlicher Weise der Albatros GV beschrieben. Die Auffassungsweise des Auslandes bietet manche interessante Beobachtungen, die wir bei der Wiedergabe aus gewissen Gründen nicht berichtigt haben. Dem Flugzeugkonstrukteur werden jedoch die Irrtümtr auffallen. In nachstehendem, geben wir die Ausführungen von „Flight" teils wörtlich übersetzt, teils gekürzt wieder.

„Dank der Unterstützung der in Frage kommenden Stelle sind wir in der Lage," so schreibt „Flight", „in Zukunft noch mehr unseren Lesern ausführliche Beschreibungen von deutschen Flugzeugen zu geben. Der vorliegenden Maschine haben wir besondere Aufmerksamkeit gewidmet, weil sie besonders interessant ist, und um jenen zu helfen, welche nicht in der Lage sind, die deutschen Maschinen persönlich zu studieren. Das Gästebuch in der Londoner Ausstellung hat ergeben, daß die Konstrukteure von entfernt liegenden Fabriken die Flugzeuge nicht besichtigt haben.

Der Albatros Kampfdoppeldecker gehört zu der von den Feinden so genannten G-Klasse, d. h. Maschinen für verschiedenen Gebrauch, für Artillerie-Beobachtung, Erkundung, Fotografie und als Kampfmaschine. Augenblicklich scheint die Maschine auch als Bombenabwurfmaschine benützt zu werden, natürlich nur in geringem Maße, denn sie ist nur für vier Bomben eingerichtet.

Aerodynamisch ist der Albatros besonders interessant. Die Konstrukteure waren bemüht, in allen Teilen eine gute Stromlinienform zu erhalten. Die Wirksamkeit eines modernen Zweisitzers wird durch unvermeidliche hervorstehende Teile, wie M.G., durch den Schützen, der häufig aufstehen muß und mit seinem Oberkörper über den Rumpf

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hinausragt, stark beeinträchtigt. Die Bildung der Stromlinienform ist besonders ersichtlich im Vorderteil der Maschine, wo die Aluminiumverkleidung den Motor vollständig einschließt, so daß nur der Auspuff etwas hervorragt. Vorn an der Rumpfbekleidung ist eine konusförmige Kappe angebracht, welche den Hals und die Untersetzungsgetriebe des Motors verdeckt. In kurzer Entfernung von der Aluminium-Blechverkleidung sind die Seiten des Rumpfes bis zum Schwanz ganz flach, so auch der Rumpfboden, während die Rumpfoberseite mit einer gewölbten Furnierplatte versehen ist.

Hinten verflacht sich der Rumpf in eine horizontale Schneide, durch diese Formgebung wird ein günstiger Luftabfluß geschaffen. Die Dämpfungsfläche wächst, sich harmonisch an die Rumpfform anschließend, aus dieser heraus. Der G-esamtwiderstand dieses Rumpfteiles wird daher erheblich vermindert. Wir haben keine Angaben

Abb. 2. Halbsclmitte der wichtigsten Schotten des Albatros OV.

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über den richtigen Wert des Widerstandskoeffizienten in der Formel R = k AV2, jedoch glauben wir annehmen zu können, daß der Koeffizient k von sehr niedrigem Wert ist.

Was die übrigen Teile des Albatros betrifft, scheinen die Konstrukteure nicht so sehr darauf aus gewesen zu sein, den Widerstand herabzusetzen. Zum Beispiel bei Kabeln haben sich die Albatros-konstrukteure keine Mühe gegeben, den Stromlinienquerschnitt anzuwenden.

Konstruktiv zeigt der Albatros noch vieles Interessante, besonders im Rumpf bau, wir werden später noch darauf zurückkommen.

Im Prinzip ist die Konstruktion des Rumpfes beim Albatros die gleiche wie bei leichten Booten und Wasserflugzeugen. Der Rumpf besteht aus vier Hauptholmen an den Rumpfkanten und dazwischenliegenden Hilfsholmen, die von Schotten von verschiedenartigem Querschnitt und Formen miteinander versteift werden. Das Ganze ist dann mit einem Furnier, in vorliegendem Falle mit einem dreifach verleimten verkleidet. Als Kompromiß betrachtet, scheint diese Art der

Abb. 3. Runipfvorderteil des Albatros 0 V.

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Rumpfkonstruktion ziemlich gut zu sein. Die Arbeitsleistung in der Herstellung ist fast leichter wie bei einem Gitterrumpf, da beim Holzrumpf das Justieren, da nach Schablonen gearbeitet wird, wegfällt. Ein weiterer Vorteil des Holzrumpfes ist, daß dieser Zerstörungen durch Maschinengewehrgeschosse weniger ausgesetzt ist als der Gitterrumpf. Der Gitterrumpf kann durch Zerschießen eines Holmes oder Spanndrahtes zerstört werden, während bei dem Holzrumpf viele Treffer, wenn sie Längsholme treffen sollten, nichts ausrichten können.

Anders ist die Frage der Festigkeit. Hierüber besitzen wir keinerlei Angaben, da von uns noch keinerlei Festigkeitsversuche gemacht worden sind. Bereits im Jahre 1914 sahen wir hier in England einen Albatrosdoppeldecker (von Thelen geflogen) mit Holzrumpf, der mit geringen Unterschieden der vorliegenden Konstruktion ähnelte. Seinerzeit wurde von der Deutschen Versuchsanstalt Adlershof angegeben, daß der Rumpf eine 60fache Sicherheit besitze und eine 2V2fache Sicherheit gegenüber dem Gitterrumpf aufweise.

Wenn man den Einzelaufbau des Albatrosrumpfes betrachtet, so findet man es auffallend, daß fast für alle Teile auch für die Diagonal-Verspannungen aufnehmenden Schotten nur Furnier verwendet ist. In Abb. 2 sind die verschiedenen Schotten mit ihren Strebenquerschnitten und Abmessungen wiedergegeben. Der Hilfsholm in halber , Höhe des Rumpfes dient gleichzeitig als Richtlinie zum Auswägen und zur Abmessung der "Winkel.

Im Vorderteil des Rumpfes sind die Schotten, welche zur Versteifung des Motors dienen, 32 mm dick. Diese Schotten bestehen aus vielfach kreuzweise verleimten Holzdickten. Es ist ferner beobachtet worden, daß die verschiedenen Holzdickten aus verschiedenen Holzarten bestehen. Auch sind die verleimten Stücke aus kleinen Holzteilen zusammengesetzt. Dies mag geschehen sein entweder um kleinere Holzstücke verwenden zu können, oder um die Holzfaser in möglichst viele yerschiedene Richtungen zu bringen.

Abb. 3 zeigt den Vorderteil des Rumpfes und die Art und Weise des Motoreinbaues. Die erste Schotte ist massiv und steht im rechten Winkel zur Propellerachse. Die zweite Schotte von vorn in Abb. 2, Schnitt (2) ist ausgespart, die dritte Schotte Abb. 2, Schnitt (3) ist massiv; an ihr greifen die Beschläge von den vorderen Fahrgestellstreben und den vorderen Spannturmasten an. Da die. vordere Motorunterstützung klar aus Abb. 3 hervorgeht, ist sie nicht in Abb. 2 enthalten. Der Schottenschnitt (1) in Abb. 2 dient nur zur Formgebung des Rumpfes. Die Motorauflageträger bestehen aus Spruce von I-förmigem Querschnitt knit oben und unten aufgeleimten Furnierauflagen (s. Abb. 4 Tafel X). Die obere Auflage setzt sich bis zur Rumpf wand fort und bildet so einen Abschluß zwischen dem Oberteil des Motors.

Eine andere Form zeigt die Schotte (4) Abb. 2 zwischen Führerund Beobachtersitz. Diese Schotte besteht aus einem Sprucerahmen-werk und 3 mm aufgeleimtem Furnier. Die Gesamtdikte mißt 26 mm. Die hinter dem Beobachtersitz liegende Schotte (5) ist in ihrer Konstruktion bedeutend leichter gehalten. Diese Schotte besitzt Diagonalstreben aus Spruce mit aufgeleimtem Furnier und beigeleimten Holz-blöckchen an der Kreuzungsstelle. (Vergl. die Schnitte a-a Abb. 2). Der hintere Rumpfraum ist vom Führersitz durch Leinewand abgegrenzt, an welcher Taschen für Karten usw. befestigt sind.

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Abb. 5. Seitenflosse des Albatros CV.

Abb. 6. Scliwanzkufe und ihre Befestigung am Albatros CV. Oben rechts: Einzelheiten der Kufenlagerung. Oben links: Kragen C verhindern das Verschieben der Gnministränge Diese Kragen bestehen aus zwei gepreßten an den Rändern zusammengeschweißten Scheiben. Unten: Laschen zur liefestigung des Gummiträgerrohres mit der Schotte.

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Die Formgebung des Rumpfes nach hinten wird durch Rahmen gebildet wie ein solcher in> Schnitt (6) Abb. 2 dargestellt ist.

Die Verschiedenheit dieses-neuen Albatros gegen den vom Jahre 1914 besteht hauptsächlich in der Ausbildung des hinteren Schwanzteiles. Die Kielflosse ist vollständig mit Furnier bekleidet und wächst aus dem Rumpf heraus. Die Konstruktion geht aus den Schnitten (7) und (8) Abb. 2 und aus der perspektivischen Abb. 5 hervor.

Die Längsholme des Rumpfes-sind in ihrem Querschnitt sehr verschieden und kompliziert. Die> Abb. 8. VerkieiduDgsbiechbefestigung. Querschnittsform ändert sich mit der Form des Rumpfes und besitzt Verstärkungen an den Schottenbefestigungsstellen. In Abb. 7 Tafel X sind die verschiedenen Rumpfholmquerschnitte wiedergegeben. Die Querschnittsänderungen der Rumpfholme sind durch Ausfräsen und Abfassen erzielt. Das Holmstück B (siehe Abb. 7) ist beispielsweise nach einer Kurve ausgefräst. An verschiedenen Stellen des hinteren Rumpfholmteiles sind Leisten von dreieckigem Querschnitt zur Befestigung des Furniers angesetzt. Im Vorderteil des Rumpfes (Abb. 7, Schnitt A) ist der Rumpfholm massiv und an der äußeren und unteren Seite mit profilierten Holzträgern verstärkt.

Die Verstärkung war Notwendigkeit, da die vorderen Holme das nach vorn überhängende Motorgewicht aufzunehmen haben. Gleichzeitig dienen diese Zusatzleisten zur Befestigung und Formgebung de» Furniers, da an dieser Stelle die Rumpfform aus der runden in die flache übergeht. Der obere Holm, welcher ursprünglich rechteckigen Schnitt besitzt, ist kanalartig ausgefräst und hat an verschiedenen Punkten L-Schnitt, wie in X, Y, Z, Abb. 7 Tafel X gezeigt ist.

Zur Befestigung der oberen Rumpfverkleidung ist auf dem oberen Rumpfholm eine besondere Befestigungsleiste, siehe Abb. 7 Schnitt X, aufgeleimt. Am ßeobachtersitz ist diese Befestigungsleiste, um das Maschineneewehr zu unterstützen, viereckig.geblieben. (Abb. 7, Sehn.Y). Die auf^eleimteiii Leisten dienen, weiterhin dazu, die Schotten in ihrer Lage festzuhalten und gegen Verschieben zu sichern. Am Vorderteil des Rumpfes, der mit Aluminiumblech verkleidet ist, sind diese Befestigungsleisten fortgelassen. Die Blechverkleidung ist mit Wirbelösen befestigt. (Abb. 8.) Die Verschiebung der Schotten wird an diesen Stellen durch Holzschrauben verhindert.

Die beiden mittleren Rumpfhilfsholme sind kürzer als die Hauptholme. Sie besitzen rechteckigen Querschnitt mit abgefasten Kanten. (Siehe Abb. 7a und b.)

Der Hauptaufbau des Rumpfes ist aus der Zeichnung Abb 9, Tafel X, ersichtlich. Aus dem Grundriß ist zu ersehen, daß die Seiten-

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wände des Rumpfes vom Führersitz bis zum Sehwanzende gradlinig verlaufen. Für die Fabrikation ist es vorteilhaft, daß die Rippen der Dämpfungsfläche parallel zum Rumpf verlaufen und die Dämpfungsflächenholme senkrecht zu diesen stehen. Um dies zu ermöglichen, müßte man die Hauptholme stark nach aufwärts biegen. Um das zu vermeiden sind zwei besondere Längsträger zu beiden Seiten des Rumpfes angebaut. (Vergl. Abb. 9.) Diese Hilfsträger sind in demselben Querschnitt gebogen wie das Profil der Dämpfungsfläche. Durch diese Konstruktion wird ein guter Uebergang aus der Rumpfform in die Dämpfungsflächenform erzielt und ein sanftes Abfließen der Luft ermöglicht. (Vergl. auch die Schnitte 7 und 8 Abb. 2.)

Die Befestigungsart und Konstruktion der Dämpfungsfläche geht aus den perspektivischen Darstellungen Abb. 10 hervor. Die hintersten Schotten 7 und 8 Abb. 2 tragen zur Befestigung der Dämpfungsfläche horizontale Ausleger. An der Vorder- und Hinterkante der Dämpfungsfläche befinden sich weitere lösbare Befestigungsstellen,

Abb. 10. Befestigung der Diimpftingsfläche.

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deren Ausführung aus der Abb, 10 deutlich hervorgeht. Die kastenförmigen Holme der Dämpfungsfläche bestehen aus Esche und dreifach verleimtem ausgespartem Fournier. Der Querschnitt dieser Holme paßt auf die horizontalen Ausleger.

Die Ausleger reichen innerhalb dieser -Kastenholme bis zur ersten Rippe. Aeußere Verstrebungen der Dämpfungsflächen sind nicht vorgesehen. Die große Tiefe und die Art der Befestigung bildet genügend Sicherheit.

Die innere Vorderkante der Dämpfungsfläche trägt einen dieser entsprechend geformten Schuh. Durch diesen Schuh ist eine lange

Abb. 11. Oben links: Hintere Befestigung der Dämpfungsfläche am Kumpf und Lagerung des Hohensteuerrobres. Oben rechts: Befestigivngsteil des hinteren Dnmpfungsflächenrande«. Unten: Höhensteuerlagerung mit Ilolzblöcken zur Befestigung der Bespannung. Die Befestigung dieses Holzblnckcs dürfte mit. einigen Schwierigkeiten verbunden sein, da die Holzschraube und der Schraubenzieher durch ein Loch in der gegenüberliegenden Wand des Stahlrohres durchgeführt werden muß; wahrscheinlich wird dazu ein besonderes

Werkzeug benutzt.

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Sehraube nach dem entsprechenden Sohuh der anderen Dämpfungsflächenvorderkante geführt. Abb. 11 zeigt die hintere Befestigung der Schwanzfläche. Die Ecken des hinteren Rumpfendes sind mit einem Stahlblechschuh überzogen, auf welchen ein rundes Rohr aufgeschweißt ist und in ein entsprechendes Loch des Hinterholms der Dämpfungsfläche zu liegen kommt. Durch das mit Schellen an beiden Dämpfungsflächen gelagerte Höhensteuerrohr werden die beiden Dämpfungsflächen gegen den Rumpf zusammengehalten.

Die Art der Lagerung des Höhensteuerrohres zeigt die untere Skizze in Abb. 11. Ein um das Rohr gebogener Stahlblechstreifen, dessen Enden scharf umgebogen, in entsprechenden Schlitzen des hinteren Dämpfungsflächenholmes eingreifen, ist mit diesem Holm durch eine Schraube verbunden. Die hintere Kante der Dämpfungsfläche ist halbkreisförmig ausgefräst und ist an der Lagerstelle mit Metall ausgefüttert, um so die zweite Lagerhälfte zu bilden, wovon der Stahlblechstreifen die andere bildet.

Da das Höhensteuer aus Stahlrohr besteht, sind zur Befestigung der Bespannung kleine Holzblöcke (siehe Abb. 11) angeordnet. Diese Holzblöcke lassen die Lagerstelle frei und sind mit kleinen Holz-schräubchen am Höhensteuerlagerrohr befestigt (siehe Schnitt B-B. Abb. 11). Ein Loch in der gegenüberliegenden Wand des Rohres dient zur Einführung des Schraubenziehers.

Abb. 1-2. Einzelteile zur Düniptiing.snüc.lie.

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An dem hinteren Ende des Rumpfes befinden sich zwei senkrechte Rohrstümpfe, deren untere Enden dicht zusammengehen. Der Zweck dieser Teile ist nicht sofort ersichtlich, es scheint jedoch, daß sie zur Befestigung beim Schleppen auf einem Transportwagen dienen.

Ueber den Aufbau der Dämpfungsfläche erübrigt sich weiteres zu sagen, da dieser zur Genüge aus Abb. 12 hervorgeht. Die Durch= bildung der Dämpfungsfläehenvorderkante ist sehr geschickt ausgeführt. Die Dämpfungsfläehenvorderkante ist im Querschnitt kreisförmig und in der Draufsicht nach einer Kurve gebogen. Da das Herausarbeiten aus einem vollen Stück Spruce nicht genügend Festigkeit gewährleistet hätte, ist ein besonderes Verfahren angewendet worden. Es scheint, daß ursprünglich die Dämpfungsfläehenvorderkante aus vierfach verleimten Eschenholz blättern bestand, deren Fasern in verschiedenen Richtungen laufen. Aus diesem so gebildeten rechteckigen Nasenholm ist dann der kreisförmige Querschnitt herausgefräst worden. Diese Nasenleiste ist äußerst fest und nebenbei sehr leicht.

_ (Fortsetzung folgt.)

Verzeichnis der im Monat April 1918 in unserem Besitz gebliebenen feindlichen Flugzeuge.

Es fielen in unseren Besitz: An der Westfront 121 Flugzeuge, an der Südostfront 1, an der Palästinafront 3.

Englische. 20 Sopwith. Einsitzer Nr. ß 5750, Ltn. Mekilvey gefangen; Nr. B 2377, Name des Insassen nicht feststellbar; Motor Nr. 21586, Name des Insassen unbekannt, tot; Nummer nicht feststellbar, |Ltn. J. J. Meredith, Schicksal unbekannt; Nummer des Flugzeuges und Name des Insassen nicht feststellbar, tot; Motor Olerget Blin Nr. 7725, Name und Schicksal des Insassen unbekannt; Nummer des Flugzeuges und Name des Insa-sen nicht feststellbar, Flugzeug völlig vernichtet, Insasse lebt anscheinend; Nummer B 698, Ltn. A. F. Isbell verwundet; Nummer C 3791, Ltn. Browne gefangen; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. F. R. Knapp gefangen.

Zweisitzer Nr. B 641, Ltn. William Mudir, Pilot Ronald Grey gefangen; Nr. C 8294, R 2644, E. C. 2, Name der Insassen unbekannt, gefangen. Bei 8 Sopwith waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

23 Sopwith-Camel. Einsitzer, Nummer:des Flügzeuges nicht feststellbar, Ltn. D. H. Gold, tot?; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. M. J. Peiter, Schicksal unbekannt; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. Hill, Schicksal unbekannt. — Nr. R. 17639, Name des Insassen unbekannt, verwundet. — Motor Admiralty, Ltn. D. Ch. Hopewell gefangen. — Motor Clerget, Ltn. H. Lowe, Australier, gefangen. — Motor Rolls Royce, Ltn. Pemperton verwundet. — Nr. D 6428, Ltn. Dean, Kanadier verwundet. — Nr. D 1837, Name des Insassen unbekannt, verwundet. — Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Hptm. Agath tot; Nr. B 6311, Ltn. Stovin tot. — Motor Clerget, Name des Insassen unbekannt, tot. — Nr. B 5048, Name des Insassen nicht feststellbar, tot. Bei 10 Sopwith-Camel waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

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Bei einer deutschen Seeflieger-Abteilung: Deutsche Seeflugzenge landeinwärts fliegend, von einem anderen Flugzeug aus aufgenommen.

^Bei einer deutschen Seeflieger-Abteilung: Nach dem Flug. - Anlandbringen eines Wasserflugzeuges.

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4 Bristol. Einsitzer, Nummer des Flugzeuges nicht fesstellbar, Edg. Whitfieid, tot. — Nr. 3507, Name des Insassen unbekannt, verwundet. — Standmotor Nr. 1319, Name des Insassen unbekannt, verwundet.

Zweisitzer Nr. B 1166, Name der Insassen nicht feststellbar, tot.

6 Bristol Fighter. Zweisitzer, Nummer des Flugzeuges und Namen der Insassen nicht feststellbar, tot; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. Williams, Ltn. Critschley, tot; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. B. A. Bell, Ltn. G. G. ßartlett, Schicksal unbekannt; Nummer des Flugzeuges und Namen der Insassen nicht feststellbar, tot. Bei 2 Bristol Fighter waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

15 S. E. 5. Einsitzer: Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. F. Baumont, unverwundet. — Nummer des Flugzeuges und Name des Insassen nicht feststellbar, tot. — Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Ltn. E. L. Sneithers, glatt gelandet. — Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Adams Ronald, p 'angen?; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Hugh Dugan, Schicksal unbekannt. — Motor Hispano Suiza, Cpt. W. B. Patrick, gefangen. — Nummer des Flugzeuges und Name des Insassen nicht feststellbar, tot. — Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Marne des Insassen unbekannt, gefangen. Bei 7 S. E. 5 waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

7 R. E. Zweisitzer, Motor Nr. 4922, Ltn. George Grinsted, Newbury, gefangen. — Nr. C 4578, Namen der Insassen unbekannt, gefangen. — Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Insassen tot. — Bei 2 R. E. war die Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, die Insassen tot. Bei 2 R. E. waren die Nummer des Flugzeuges, Namen und Schicksal der Insassen nicht feststellbar.

14 Spad. Einsitzer, Nr. S. 1217, Ltn. Hopgood gefangen; Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Obltn. G. G. Mac Phee, gefangen. Bei 2 Spad waren die Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, die Insassen tot. - Bei 2 Spad war die Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, die Insassen gefangen, einer war ein amerikanischer Unteroffizier. — Bei 7 Spad war die Nummer des Flugzeuges, Namen und Schicksal der Insassen nicht feststellbar.

Zweisitzer, Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Namen der Insassen unbekannt, gefangen.

4 D. H. Zweisitzer, Nr. 2161, Namen der Insassen nicht feststellbar, Führer tot, Beobachtet verwundet; D. H. 5, Nr. 1848, Namen der Insassen nicht feststellbar, tot; D. H. 4, Nummer des Flugzeuges und Namen der Insassen nicht feststellbar; D. H. 9, Namen des Flugzeuges und Namen der Insassen nicht feststellbar.

2 Martinsyde. Zweisitzer, Motor Rolls Royce, Alex Pontoul. Schicksal unbekannt, Name des anderen Insassen nicht feststellbar, tot. — Nr. 325, Namen der Insassen nicht feststellbar, tot.

1 Vikkers. Einsitzer, Motor Hispano Suizza, Name des Insassen nicht feststellbar, tot. — Außerdem blieben sechs Flugzeuge in unserem Besitz, deren Typ nicht feststellbar war.

Französische. 8 Spad. Einsitzer, Nr. 1959, Führer Berlont, Schicksal unbekannt; Nr. S. 13, Mar. des Logis G. Cam. Paumier, tot ? ;

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Nr. 3191, Mar. des Logis Roger Busch, Schicksal unbekannt. — Bei 5 Spad waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

5 Breguet. Zweisitzer, Motor Renault, Adj. Vallee, Corp. Jean Gauthier, gefangen; Nummer nicht feststellbar, Beobachter verwundet, Führer tot. — Nr. 1288, Namen der In.sassen nicht feststellbar. — Bei 2 Breguet waren die Nummer des Flugzeuges und die Namen der Insassen nicht feststellbar.

1 Caudron. Einsitzer, Nummer des Flugzeuges nicht feststellbar, Insasse tot.

1. B. E. Zweisitzer, Nr. 4033, Lt. Louis Lerson, Lt. Horon Jumen, gefangen.

1. A. R. Zweisitzer, Nummer des Flugzeuges und Namen des Insassen nicht feststellbar.

1 Nieuport. Einsitzer, Nr. 5561, Corp. Louis Bordoulet, tot;

1 Voisin. Zweisitzer, Nr. 2761, Corp. Louis Chapel, Namen des anderen Insassen nicht feststellbar, tot.

1 Flugzeug nicht feststellbaren Typs, Standmotor, Brigadier Fermon Marcel Vernandon tot.

Macedonische Front. 1 Nieuport. Einsitzer, Nr. 4047, Lt. Montoya tot; In Palästina wurden erbeutet:

1 R. E. 8. Zweisitzer, Nummer des Flugzeuges und Namen der Insassen nicht feststellbar, Führer verwundet, Beobachter tot.

1 Flugzeug Nr. 3594, Name des Insassen nicht festgestellt, tot. — 1. Einsitzer, Name des Insassen nicht festgestellt, verwandet.

Bei einer deutschen Seefiieger-Abteilung: Abhängen eines vom Flugzeugmutterschiff ausgesetzten Wasserflugzeuges. Im Hintergrund ein U-Hoot.

UH fini i ilciitHih.-n Sri'liii'tfiT Uiti'iliiMu : \l>han<jiait chirs vom Kliiiirniiiiiinltrrsi'liiff ¡iii-p'-ri/ti-ii \V.'ij*siTllii^7i mí> - Im í liiiiiTtTuml ein I -H<m|.

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Versagen der englischen Motorenindustrie.

In den Kreisen, die es angeht, wurden kürzlieh in London geheime Mitteilungen über die vergleichende Stärke mit den feindlichen Luftstreitkräften gemacht. Ob die deutschen Luftstreitkräfte überlegen

sind, wird nicht verlautbar. ■--Es wird jedoch gesägt: „Wenn wir

den Krieg noch dieses Jahr gewinnen wollen, so müssen wir unsere bisherige Flugzeugproduktion noch mehr beschleunigen."

Nach englischen Angaben hat die Motorenerzeugung mit der Erhöhung der Flugzeugproduktion nicht Schritt halten können Es wird die sofortige Aufstellung eines Programms gefordert, um die Motorenproduktion zu erhöhen und diese Kalamität zu beseitigen.

Bezeichnend für die englischen Behauptungen der numerischen Ueberlegenheit an Flugzeugen gegenüber den Deutschen ist eine AeußeruDg von „Flight", welche besagt, daß die Ueberlegenheit in •der Luft nur durch die Flieger zum Ausdruck gekommen sei. Die Deutschen hätten seit dem letzten Winter sich sehr angestrengt und wären zur Zeit fähig, Maschinen in viel schnellerem Tempo an die Front zu bringen als früher. Diese Steigerung sei erfolgt trotz des Mangels an verschiedenen Materialien.

Das englische Luftmihisferium sei sich der Gefahr durch den Motorenmangel bewußt. Es lasse nichts unversucht, die Produktion zu beschleunigen. Alle persönlichen Interessen müßten in den Hintergrund treten. Gedanken an Streiks in dieser kritischen Periode des 'Krieges dürften überhaupt nicht aufkommen. — — Die Zeiten seien mehr als kritisch, sie seien — entscheidend. — — Die Entscheidung wird in den nächsten drei Monaten fallen, vielleicht noch früher. Jetzt heißt es, alle persönlichen Interessen und Streitigkeiten ausschalten, die später ausgetragen werden können.

Und bei uns in Deutschland? — — Was wäre, wenn wir die Motoren nicht gehabt hätten? Die Geschichte wird später beweisea, was wir der Motorenindustrie zu danken haben. — —

Vom Air Force.

Lord Rothermere schreibt in einem Brief vom 14. April 1918 An Colonel Faber: „Es ist wahr, daß die Anzahl der Stabsoffiziere in der Heim-Organisation des Flugdienstes fast ebenso groß ist als ■die Anzahl der aktiven Flieger an den kämpfenden Fronten. — -— Es ist beklagenswert, jedoch bin ich nicht verantwortlich für diese Maßnahmen, die eine große Zahl von Dienststellen hervorgerufen haben."

Die Schaffung der Stabsdienststellen, sei in großer Eile erfolgt. Alles was von Fliegern an der Front nicht zu gebrauchen war, kam ins Cecil-House. Außer vielen Verwundeten befanden sich darunter auch viele Unfähige! — —

Ueber die Räumlichkeiten des Cecil-Houses sagt Rothermere, daß •es besser sei, statt der vielen kleinen Räume große Räume zu verwenden. Dadurch würde das lästige Hin- und Herlaufen, der große •Ordonanzenapparat, verhindert.

Fast jede Bewegung des Feindes an der Front bringt neue Luftprobleme in Erscheinung, welche augenblicklich Prüfungen und Beratungen erfordern. Es wird jetzt ein strategischer Rat geschaffen,

„Flugsport", Organ d. Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. d. Modellflugvereine. 1918.

Abb. 9. Rumpf des Albatros CV.

"a b cd e

Schnitt der Motorlager. Abb. 7. Rumpfholmquerschnitte des Albatros C V.

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Automobil und Aviatik

Akt.-Ges-/ Leipzig-lieiterbl ick.

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bestehend aus besonders befähigten Mitgliedern, denen obliegt, die fortgesetzt an der Front neu auftretenden schwierigen Fragen in der Gegenwirkung zu lösen.

Lord Bothermere hat das "Wort „der offenen Tür" geprägt, bei uns nennt man es .freie Bahn den Tüchtigen". Jedem befähigten, in der Fliegerei tüchtigen Offizier soll die Möglichkeit gegeben werden, vorwärts rzu kommen. Eine Schwierigkeit für das Fortkommen der im Air Force tätigen Offiziere liegt noch darin, daß bisher die Möglichkeit, höhere Eangstellen zu erreichen, für den regulären Offizier nicht vorhanden war. So gab es bisher noch keinen Brigade-General.

Englische Kopier-Präs - Maschinen für Holzteile. Die

Ersetzung derHan d -arbeit durch Maschinen findet im Flugzeugbau immer mehr Aufnahme. Wir haben bereits in früheren Nummern mehrere Arten von • Luftschrauben-Fräsmaschinen besprochen. (Stehe Flugsport 1917 Nr. 21 Seite 567 u. Nr. 18 Seite 582.) Bei der in nebenstehender Abbildung dargestellten neuen englischen Luftschrauben - Kopier - Fräsmaschine Pat. De-fiance liegt das Modell und die zu fräsende Schraube horizontal in einer Ebene. Bei der in Nr. 18 des Flugsport beschriebenen Luftschrauben - Fräsmaschine lag das Modell fast senkrecht unter der zu bearbeitenden Schraube. Die Holzspäne fallen bei dieser Konstruktion auf das Modell u. zwischen das Tastrad. Daß hierdurch Ungenau-igkeiten entstehen

Eugl. Schrauben-Fräsmaschine Pat. Dertance.

Engl. Kopier-FrUsmachine.

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können, bedarf keiner weiteren Erklärung. Bei der vorliegenden Konstruktion ist dieser Nachteil vermieden.

Eine weitere Kopier-Fräsmaschine zum Anfertigen von Streben zeigt die weitere Abbildung. Modell und zu bearbeitender Gegenstand liegen auch hier horizontal hintereinander. Die Maschine gestattet die Bearbeitung von 5 m langen Stücken mit 300 mm größtem Durchmesser.

Wugtetfinifibe (Rundfdjaü.

Inland.

Den Heldentod fanden: Ltn. Erich Leonhardt, Ltn. d. R. Heinrich Zürn, Ltn. d. R. Hans Seeling, Ltn. d. R. und Flgzf. Erich Zerche, Ltn. Besser.

Walter Hoefig, Ltn. d. R. der Fliegertruppe, Chefpilot der A. E. G., Flugzeugwerke, Berlin, ist bei Ausübung seines Berufes tödlich verunglückt.

Unsere Luftstreitkräfte hatten an den großen Ei folgen der Schlacht am Chemln des Uames wiederum einen hervorragenden Anteil. In den Tagen, die dem Angriff vorausgingen, wurde die Truppenführung durch Meldungen der Erkundungstlugzeuge, die trotz des schlechten Wetters weit in feindlichem Gebiet aufklärten, ständig über die vermutliche Stärke und die Maßnahmen des Gegners unterrichtet. Unsere Jagdstaffeln, denen die feindliche Geschwader im Allgemeinen auswichen, sicherten uns die völlige Ueberlegenheit in der Luft. Eine feindliche Jagdstaffel von sechs Flugzeugen, die sich der Staffel des Leutnants Windisch zum Kampf stellte, wurde restlos vernichtet. Unsere Schlachtgeschwader griffen an allen Stellen der Angriffsfront in den Kampf ein und säten Tod und Verderben in die dichtgedrängt flüchtenden Kolonnen des Gegners. Infanterieflieger meldeten ständig über die Verschiel ungen der eignen und der feindlichen Linie. Fesselballone, die der Infanterie auf dem Fuße folgten, hielten die Führung über die Bewegungen beim Feinde auf dem Laufenden. Wie in der Schlacht an der Somme und in Flandern gingen auch bei diesem Angriff unsere Flakbatterien dicht hinter unserer Infanterie und bekämpften u. a. auch zahlreiche Ziele auf der Erde. In den ersten drei Tagen verlor der Gegner an der Angriffsfront allein zehn Flugzeuge und einen Fesselballon. Wir büßten 12 Flugzeuge ein. Der Gesamtverlust der Gegner betrug 38 Flugzeuge und sieben Fesselballone.

Papierne Luftsiege. Seit Beginn der großen Schlacht haben unsere Gegner sich für ihre Niederlagen im Kampfe durch Siege auf dem Papier schadlos gehalten. Da man von siegreichen Erdkämpfen nicht gut reden kann, wenn man keine eroberten Ortschaften anzugeben vermag, so hat sich ihre ganze Erfindungsgabe den Luftkämpfen zugewendet. Hieiin feiern ihre Waffen Tag für Tag Triumphe, wohlverstanden auf dem Papier. Am 16. Mai will eine einzige Brigade der englischen Fliegertruppe 21 deutsche Flugzeuge abgeschossen und kein einziges verloren haben. Tatsächlich verloren wir am 16. Mai an der Hauptfront eines und auf der ganzen Westfront 11 Flugzeuge, unsere Feinde dagegen 19, bezw. 26 Flugzeuge. Am 17. Mai wollen die Engländer 30 deutsche Flugzeuge abgeschossen, fünf steuerlos heruntergetrieben und zwei durch Notlandung in ihren Linien erbeutet haben. In Wahrheit verloren wir am 15. Mai an der englischen Front fünf und auf der ganzen Westfront insgesamt sechs Flugzeuge, während .die entsprechenden Verluste unserer Gegner 18 bezw. 21 Flugzeuge betrugen.' Die Feststellungen lassen den einen Schluß zu: Es muß um die Stimmung bei unsern Gegnern schlecht stehen, wenn sie es für nötig halten, ihre Länder so zu täuschen.

Fliegerangriff auf Köln. Die feindlichen Flieger, die am 18. Mai in einer Stärke von sechs Flugzeugen 23 Bomben auf Köln abwarfen, hatten es, wie schon aus der Oertlichkeit der Einschlagstellen der Bomben ersichtlich, die fast sämtlich auf die verkehrsreichsten Stellen der Stadt fielen, lediglich auf die Bevölkerung abgesehen. Für diese Annahme spricht auch der für den Angriff gewählte Zeitpunkt am frühen Vormittag mit seinem besonders lebhaften Straßenverkehr. Auch die Art der Bomben läßt darüber keinen Zweifel zu. Es waren durchweg solche von geringer Durchschlagskraft, aber desto größerer Splitterwirkung. Der Gebäudeschaden ist unerheblich. Dagegen sind 35 Tote und 87 Verletzte zu beklagen.

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Bei einem Bombengeschwader: Prüfen der Maschinengewehre in einem Großflugzeug vor dem Start- !Das Flugzeug ist mit unregelmäßigen, verschiedenfarbigen Flecken als Schutzfärbung bemalt.)

Bei einem Bombengeschwader: Anlliüngen der Bomben unter dem Flugzeug.

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Fliegerangriff auf Landau. Am Pfingstmontag Mittag wurde die offene Stadt Landau in der Pfalz von feindlichen Fliegern mit mehreren Bomben beworfen, die zwei Frauen und ein Kind töteten und einigen Häuserschaden anrichteten.

Deutsche Flieger in Seenot. „Nationaltidende" meldet aus Malmö: Mit einem Handelsdampfer kamen in Göteborg zwei deutsche Flieger an, die wegen Benzinmangels auf der Nordsee hatten niedergehen müssen. Sie hatten vier volle Tage und zwei Nächte auf der See zugebracht, ehe sie von dem Dampfer aufgenommen worden waren. Sie hatten sechs Tage teilweise ohne Wasser und Nahrungsmittel auf dem Meer zubringen müssen. Ein schwedischer Dampfer rettete an der Doggerbank zwei andere deutsche Flieger und brachte sie nach Marstrand.

Von der Front.

15. Mai. Türkischer Heeresbericht. Palästinafront. Unsere Flieger griffen ein Rebellenlager erfolgreich m t Bomben an.

Mesopotamien. In Gegend Altyn Kopra schoß Hauptmann Schütz, Führer der hier unter schwierigsten Verhältnissen kampferprobten deutschen Flieger, aus einem feindlichen Flugzeuggeschwader einen Bombendoppeldecker ab und errang hiermit den 10. Luftsieg, davon neun im Irak.

Französischer Bericht. Zwei deutsche Flugzeuge wurden am 13. Mai, zwei andere am 14. Mai abgeschossen. In der Nacht vom 14. zum 15. bewarf eine unserer Bombardierungsgruppen den Bahnhof Chatelet auf dem Rückflug, auf den 700 Kilogramm Sprenggeschosse geworfen wurden. In derselben Nacht bewarfen deutsche Flieger die Gegend von DUnkirchen. Unbedeutender Sachschaden Keine Menschenopfer.

Am 15. Mai zeigten sich unsere Jagdflieger, von schönem Wetter begünstigt, äußerst lebhaft. 17 deutsche Flugzeuge wurden von unseren Fliegern heruntergeholt, ein 18. von unserer Abwehr. Außerdem wurden zwei feindliche Fesselballone in Brand geschossen.

Französischer Salonikbericht. Die britischen Flugzeuge bombardierten die feindlichen Waffenlager bei Demir Hissar und Serres.

Italienischer Bericht. Unsere Flieger warfen trotz ungünstiger Witterungsverhältnisse ungefähr vier Tonnen Bomben auf die feindlichen Flugfelder des Piavetales ab.

16. Mal. Deutscher Tagesbericht. Starker Fliegereinsatz an den Kampffronten führte zu zahlreichen Luftkämpfen. Wir schössen 33 feindliche Flugzeuge ab; 14 von ihnen brachte wiederum das früher von Rittm Freiherrn v Richthofen 'geführte Jagdgeschwader zum Absturz. Ltn. Windisch errang seinen 20. Luftsieg.

Berlin. Deutsche Bombengeschwader entwickelten in der Nacht vom 15. zum 16. Mai rege Tätigkeit. Bei Dünkirchen, Calais, Poperinghe wurden Munitions- und Bahnanlauen mit großen Bombenmassen belegt. An allen Stellen wurden Treffer einwandfrei beobachtet. Auch der Westbahnhof und die Unterkünfte in Amiens wurden von unseren Geschwadern mit gutem Erfolg angegriffen. Explosionen und Brände waren die Folge.

Englischer Flugbericht. Am 15. Mai bombardierten wir erfolgreich den Bahnhof und die Gleisanlagen von Diedenhofen. 24 schwere Bomben wurden abgeworfen und ihr Platzen auf den SchuDpen, den Eisenbahnlinien und den Hochöfen, beobachtet. Die Fabrik von Karlshütte neben den Eisenbahnlinien wurde viermal getroffen Alle unsere Apparate kehrten trotz des starken Feuers, das sie beim Ueberfliegen der Objekte von der feindlichen Abwehr erhielten, unbeschädigt zurück.

17. Mai. Deutscher Tagesbericht. Gestern wurden 18 feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon abgeschossen. Leutnant Löwenhardt errang seinen 22., Leutnant Windisch seinen 21. Luftsieg.

Wie „Havas" meldet, wurde Paris in der Nacht vom 15. bis 16. Mai zweimal von deutschen Fliegern angegriffen. Im Umkreis der Hauptstadt wurden zahlreiche Bomben geworfen. — 15 feindliche Apparate überflogen unsere Linien und beschossen mehrere Orte hinter der Front. Da einige Flugzeuge gegen Paris zuflogen, wurde um 10 35 Uhr Alarm geschlagen, um 1120 Uhr wurde es wieder ruhig. Auf verschiedene Punkte des weiteren Umkreises von Paris wurden Bomben geworfen.

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Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" berichtet von der belgischen Grenze : In der vergangenen Nacht wurde Zeebrügge aus der Luft angegriffen. Ein Flugzeug stürzte brennend nieder. Bei einem Gefecht zwischen zwei Flugzeugen flog das eine über holländisches Gebiet, worauf es von der holländischen Grenzwache beschossen wurde.

Französischer Bericht. In der Nacht vom 14. auf den 15. und im Laufe des 15. unternahmen zahlreiche unserer Flugzeuge Beschießungen der feindlichen Zone. 33000 Kilogramm Geschosse wurden abgeworfen auf die Bahnhöfe und Flugplätze von St. Quentin, Jussy, Flavyle-Martel, Nesle, Harn usw. Ein Munitionsdepot bei Nesle explodierte. Es wurden außerdem Feuersbrünste festgestellt bei Guiscard, Chatelet und beim Bahnhof von Nesle. In der folgenden Nacht wurden 30000 Kilogramm Geschosse in der nämlichen Gegend abgeworfen und weitere 10000 Kilogramm in den Gegenden von Amagne, Lequy und Mont Cornet Am 16 wurden vier feindliche Flugzeuge heruntergeholt und drei schwer beschädigt. In der Nacht vom 16. auf den 17. wurden die Bahnhöfe und Truppenlager in der Gegend von Chaulnes, Roye, Nesle, St. Quentin usw. mit 35000 Kilogramm Bomben belegt. Als Ergebnis wurde die Explosion eines Munitionsdepots im Walde von Champignon, eine Feuersbrunst und Explosionen in Equilly, Ville-Selve und im Bahnhof von Nesle festgestellt,

London. Bericht aus Palästina. Am 7. Mai führten unsere Luftstreitkräfte einen erfolgreichen Streifflug auf Annan, eine Station an der Hed-schas-Bahn, aus und am 9. Mai auf eine feindliche Flugzeughalle und Eisenbahnstation in der Nähe von Jenin.

18. Mai. Deutscher Tagesbericht. Gestern wurden feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon abgeschossen.

Deutsche Fliegerbomben. LVou links nach rechts:,25 kg, .50 kg, 100 kg und 300 kg. Im Hintergrunde ein Großflugzeug.

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Bei einer Maschine nach Art der Vögel lassen .sieh aber Verwindungsklappen oder ähnliches gar nicht aibringe», weil alle Teile in beständiger Bewegung .sind. Bei den heutigen Maschinen lassen sieh alter Stabilität*-Vorrieht nigeii und Verspannnng^n wegen des starren Baues sehr leicht anbringen. —

Dan.- die Betriebssicherheit. Auch hei dein besten Motor kommen Versager vor Was will Herr Vf. bei seiner Maschine aber machen, wenn der Motor gerade dann aussetzt, wenn sieh die Flügel in ihrer höchsten Stellung befinden?!'.! Dann wird ein Absturz unvermeidlich sein, wahrend bei den Maschinen mit starren Flügeln ein Versagen des Motors bloß zu einer Gleitflug-Notlandung zwingt, die in den meisten Fällen doch wohl gut aus laufen wird. Darum bleiben wir nur ruhig bei den heutigen Maschinen. Auch sie werden ja auch verbessert, werden, was nach der sprunghaften Steigerung der Leistungen in den letzten Jahren mit Sicherheit erwartet werden darf. Im Modellbau bei kleinen und vielleicht Sportflugzeugen, woessich auch mir um geringe Flächenbelastungen handelt, kann dasSchwingenflugzeng wohl einmal eine Rolle spielen, für Groß- und Riesenflugzeuge dagegen mit ihrer enormen Flächenbelastung wird der heutige Typ auch weiterbin der beste bleiben.

Gleit- und Modellflugwesen. Neue Räder für Flugzeugmodelle.

Die nachstehend beschriebenen Räder sollen leichter sein als die Aluminium -Panzer-Räder. Bei den folgenden vier Ausführungen ist eine Gewichtaersparnis von 30—35°/o gegenüber vorgenannten Rädern erzielt.

I. Ausführung. Als Material kommt Sperrholz oder Zigarrenkistenholz in Frage Die Achse besteht aus Zeichenpapier mit einer darüber geschobenen Buchse. Das eigen t-liehe Rad wird zur Versteifung der Achse an beiden Seiten mit Auflehnen! versehen und die beiden äußeren Ringe nach der Bespannung aufgeleimt.

II. Ausführung. Bei der zweiten Ausführung sind nur die beiden äußeren Ringe fortzulassen.

III. Ausführung. Bei diesem federnden Rad braucht die Fahrgestellachse nicht mittels Gummi aufgehängt zu werden, das Rad federt sehr weich. Die eingesetzten Speichen bestehen aus Bambus und sind an dem Mittelteil sowie an dem Anssenring angebundm.

IV. Ausführung. Es sei zuerst eine Schablone von einem halben Rade in der entsprechenden Größe und Stärke anzufertigen, und die Achse darin festzulegen. Alsdann nehme man einige Lagen Zeichenpapier oder Japanpapier und klebe .sie darüber. Die beiden Hälften ergeben ein sehr stabiles Rad. Alle diese Ausführungen beruhen auf praktischen Versuchen. AHea nähere ist auf der Zeichnung ersichtlich. A. Wein er.

Jllustrirte

No. 13 technische Zeitschrift und Anzeiger ,roB*™;,£"JJl

19. Juni ültl. ]Mrg. I,

pro Jahr «.IMO

Auslas« per Krauzkan« M.M.M

Elnzelpr. M. 0.80

für das gesamte

„Flugwesen

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telef. Hansa 4557 Oskar UrslnUS, CivUlngrenieur. Tel.-fldr.: Urslnus.

Brlef-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M.. Bahnhofsolatz l.

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" _ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet._._

Die nächste Nummer des „Flugsport" erseneint an> 3. Juli. Englische Sorgen.

Der Mangel an Mannschafteu und Material scheint in England -doch größer zu sein, als bisher angenommen wurde. Die größte Sorge ist die Beschaffung von Leuten. „Flight" fragt: „Wo sind solche im Lande entbehrlich? Was muß zurückgehalten werden? Aus den Schiffswerften können wir sie nicht nehmen. Alle Menschen von Land und Stadt müßten eingereiht werden. Das Land ist jedoch kein unerschöpfliches Reservoir für Leute, Geld und Material. Auch ■die Hilfsquellen des britischen Kaiserreiches haben ihre Grenzen, Ziehen wir zu viel Leute aus dem Lande heraus, so werden wir dasselbe Desastre bekommen wie an der Front."

In einer Versammlung von Frauen erklärte der Arbeitsminister, daß man in der nächsten Zeit Frauen als Lenkerinnen von Flugzeugen verwenden würde und daß man glaube, daß sie sich in diesem Berufe gut bewähren würden.

Diese Zeilen klingen beinahe wie ein Verzweiflungsschrei. Das -englische Flugzeugbauprogramm ist bisher schon nicht erfüllt worden, die Aussichten für die Zukunft scheinen daher noch düsterer. *"

Die Gründe des Majoritätsbeschlusses für Lord Rothermeres Abgang lauten „ Diplomatenkrankheit,u „innere Reibung," „Durcheinander im Luftministerium". Rothermere, der, wie er früher einmal ausrief, •die Luft von den hunnischen Mikroben reinigen wollte, wird von „Aero-jplane" leicht beeinflußbar, als „geschorener Samson" bezeichnet. —

Ein einzelner Mensch kann überhaupt für die Durchfuhrun geiner solchen Organisation nicht verantwortlich gemacht werden. Denn wenn die Unterorganisationen nicht vorwärtstreibend in die Speichen der vielen Räder des gewaltigen Uhrwerks einer Kriegsluftorganisation •eingreifen, ein einzelner Mensch, und wäre er der Befähigste, würde ■es allein nicht fertig bringen Auch Weir nicht! —

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Albatros Kampfdoppeldecker Cv. (Nach engl- Darstellung.)

Fortsetzung v. S. 277.

Hierzu Tafel XI.

Nachdruck verboten.

Der Führersitz befindet sich wie üblich vor dem ßeobachtersitz und zwar bei dem Albatros auf dem Benzinbehäller. Der Benzintank ist, wie die Abb. 13 erkennen last, der Sitzform angepaßt. Auf dem Beazinbehälter ist ein besonderes bis zur Rnmpl Verkleidung; führendes Füllrohr befestigt. Hinter dem Führersitz am oberen Teil des Rumpfes befindet sich ein Hilfstank. Beide Benzinbehälter sind durch Leitungen und Umstellhahn miteinander verbunden, sodaß beliebig aus einem oder dem anderen Behälter Benzin nach dem Motor geführt werden kann. Da die beiden Behälter verhältnismäßig tief liegen und insbesondere beim Steigen nicht genügend Druckhöhe vorhanden ist, stehen beide Behälter unter Druck. Die eine Luftpumpe

wird von dem Motor angetrieben, während die Reserveluftpumpe wie üblich von Hand betätigt wird.

Der konstruktive Aufbau der Benzin behält er ist sehr interessant. DieSeitenwände-sind miteinander durch Drahtanker verbunden, vergleiche die Abb. 13. Um das Umherschlagen der Benzinmassen bei halbleerem Behälter zu dämpfen, sind, wie aus Abb. 13 hervorgeht,, fünf mit kreisförmigen Oeff-nungen versehene Schlinger-dämpfungsschotten eingebaut. Das Benzinsteigerohr ist bis auf den Boden des Gefäßes geführt. Der Haupt benzin-tank ruht auf entsprechend geformten Konsolen, an denen die Stahlbänder zur Befestigung angreilen.

Die Steuerbe-tätigungs-Einrich-tungen zeigen Abb. 14. Derkardanisch gelagerte Steuerknüppel ist auf einer horizontalen drehbar gelagerten Rohrwelle nach allen Seiten schwingbar befestigt. An,

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den Enden der Bohr welle befinden sich Hebel, an denen die Höhensteuerseile angreifen. Das Höhensteuerseil führt über eine vorn am Rumpf gelegene EolJe und von da nach hinten nach dem anderen Ende des Klappenhebels. Die Rolle ist in Abb. 16 links oben mit ihrem Befestigungsteil dargestellt.

Auf der linkenSeite der Rohrwelle ist gleichzeitig der Bremshebel gelagert, an dessem oberem gekröpften Ende der Seilzug für den auf der Radachse sitzenden Bremssporn befestigt ist. Die Wirkungsweise geht aus Abb. 15 hervor. Läßt man den Bi emssporn wieder nach, so geht der an einer Feder hängende Bremssporn wieder in seine frühere Lage zurück. <H5

Die Art der Betätigung, der Schräglagensteuerung zeigt Abb. 17. Das Steuerseil geht vom Steuerknüppel über eine am unteren Rumpf-holra liegende Rolle parallel zum Hinterholm über eine weitere Rolle nach dem hinteren Hebel der Verwindungsklappe. Das zurückgehende Kabel geht von der vorderen Verlängerung des Verwindungsklappen-hebels über eine Rolle im unteren Flügel längs des Holmes über eine auf der linken Seite des Rumpfes liegende Rolle nach dem Steuerknüppel. Vergleiche Abb. 14. Der Fußhebel für die Betätigung des Seiten-

Abb. 14. Steuevbetätigungseinrichtuugen des Albatros 0 V. Oben links: Kugelpfannenlager für die Festklemmvorrichtung. Unten rechts: Steuersäulengriff mit M.G.-Drücker.

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Steuers ist auf einer Rohrpyramide drehbar befestigt. Die Seile greifen nicht wie üblich direkt am Fußhebel an, sondern an einem besonderen rechtwinklig dazustehenden Hebel; von diesem führen die Steuerseile über Rollen nach dem Seitenruder. Der Fußhebel kann entsprechend der Größe des Führers verstellt werden. Größere Führer verwenden den Hauptfußhebel während kleinere den Hilfsfußhebel benutzen. Um das Abgleiten des Fußes vom Fußhebel zu verhindern, sind nach unten gebogene Haltebügel vorgesehen.

Wie bei fast allen deutschen Maschinen ist eine Steuerknüppelfeststellvorrichtung angeordnet, die es ermöglicht, beim Steigen wie ebenso beim Gleitflug den Steuerknüppel in der jeweiligen Lage festzuhalten. Diese Feststellvorrichtung besteht, Abb. 14, aus einer auf der Steuersäule verschiebbaren Muffe, die durch eine mit Hebel versehene Schraube festgeklemmt werden kann. Die Kiemmuffe ist mittels einer gegabelten Stange, deren unteres Ende in einer Kugelpfanne schwingt, am Boden des Rumpfes befestigt. Diese Kugelpfannenlager-befestigung gestattet der Steuersäule eine Bewegung nach allen Seiten. Bei festgeklemmter Muffe hingegen, wo das Höhensteuer in seiner Lage festgestellt ist, kann die Schräglagensteuerung betätigt und der jeweilige Steuerausschlag mit den Knieen beibehalten werden.

Das auf der rechten Seite des Rumpfes neben dem Motor eingebaute Maschinengewehr wird durch einen Drücker, welcher in der

unteren rechten Skizze Abb. 14 ersichtlich ist, betätigt.

Die Befestigungsart der Steuerseile am Seitensteuer und Höhensteuerhebel sowie die Ausführung dieser Hebel ist aus Abb. 18 ersichtlich. Vom Höhensteuerhebel führt ein konischesRohrnach dem hinteren Höhen-steuerrand.(Abb.l8 A.) Das Seitensteuerlager-rohr ist in schellenartigen Lagern drehbar, wie bereits früher (in Nr. 12 Flugsport) beschrieben, befestigt. Ein kleines, an der Schotte des Rumpfes befestigtes Stehlager trägt das senkrechte Seitensteuerrohr.

Eigenartig beim Albatros ist die Befestigung der Steuerseile an den Klappenhebeln. In die Enden der aus

Abb. 15. Bremshebel u. Bremssponi.

Albatros Knmpfdoppeldecker C V. (Nach engl. Darstellung.)

Stahlblech hergestellten Klappenhebel ist eine halbkugeliche Pfanne eingepreßt. In dieser Pfanne ruht der halbkugelförmig ausgebildete Teil des Seilspannschlosses (siehe Abb. 18). Bei dieser Anordnung kann sich das Spannschloß frei nach allen Seiten bewegen, sodaß Vibrationen nicht auf die Steuerklappen übertragen werden.

Außer dem fest eingebauten durch den Führer betätigten Maschinengewehr ist in dem Beobachtersitz ein bewegliches Maschinengewehr angeordnet. Das bewegliche M G. (Abb. 19) ruht auf einem mit Rollen versehenen aus Furnier hergestellten drehbaren Kranz. Der Maschinengewehrkranz erscheint zunächst etwas sehr plump, ist

Abb. 16. Seilrollenbefestigimgen für die Steuerseile.

Albatro! K:iuipf(lo|i|ii'lili'iker G V.

iNat'li engl. l)MrstrlliiMK<>

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Abb. 17. Sehräglagenstenerungs^chema des Albatros C V.1

jedoch sehrleicht. Das Maschinengewehr ruht in einer nach hinten und vorn schwingenden Gabel, die in jeder Lage durch eine Feststellvorrichtung , wieaus der Skizze hervorgebt, festgeklemmt werden kann. Weiterhin ist die Gabel noch seitlich um ihre Achse drehbar, sodaß das Maschinen-Gewehr, außer der Bewegung durch den Kranz, eine bequeme Bewegung nach allen Seiten gestattet. Der drehbare Maschinengewehrkran z kann durch eine Feststellvorrichtung, wie sie rechts oben auf der Abb. 19 dargestellt ist, fest-c. HinteresKumpfstiick gestellt werden, mit Seitenstener- DieseKlemmvor-lagermiif. richtung besteht

aus einem hebelartigen Gabelstück, das durch

Abb. 18. Klappenhebel de» Albatros C V.

Höhensteuerhebel.

B. Untere Lagerung d. SeitenR teners.

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s

■einen Exzenterhebel gegen den feststehenden runden Kranzteil de. Beobachterraumes gedrückt wird. Da der Beobachter beim Stehend^ feuern von seinem Sitz aufstehen muß und durch den Sitz nicht behindert wird, ist der Sitz als Klappsitz ausgeführt. Der Sitz klapp -einfach selbsttätig unter dem Drucke einer Spiralfeder, sobald er von -dem Gewicht des Beobachters befreit ist, nach oben

Der Albatros-Doppeldecker gehört zu der C Klasse, d. h. für verschiedenartigen Gebrauch und nebenbei als Kampfmaschine. Er ■dient zur Erkundung Feuerrichtung und zur Fotografie; als Bomben-maschine kann er daher nicht angesehen werden. Trotzdem sind Vorrichtungen vorgesehen zur Aufnahme von einigen wenigen Bomben (vier), damit sie auf zufällig sich bietende Ziele abgeworfen werden können.

Abb. 20 zeigt eine schematische Skizze der ßombenaufhängung und der Bombenauslösevorrichtung. Die Bomben sind unter dem Haupttank unter dem Führersitz gesichert aufgehängt. Die Auslösung ■erfolgt durch den Schützen im hinteren Sitz vermittels eines kleinen Hebels, der rechts oben in Abb. 20 wiedergegeben ist.

Die Bombenaufhängung (Abb. 20) besteht aus an besonderen Holzträgern befestigten Lagerböcken aus Stahlblech, gegen welche die Bombe vermittels eines Stahlbandes gepreßt wird. Diese erwähnten Träger sind an dem Boden des Rumpfes durch diagonale Glieder gesichert; in der Zeichnung sind aus Gründen der Deutlichkeit die Träger weggelassen. Die Bomben selbst werden durch ein ziemlich genau

Abb. 10. Einbau des beweglichen Maschinengewehrs beim Albatros C V. (Unter dem Maschinengewehr ist ein Sack für die Aufnahme der Hülsen vorgesehen.)

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unter der Mitte der Bombe durchgehendes Stahlband getragen. Das-Stahlband ist an einem Ende aufgehängt, während das andere Ende ein Auge trägt, welches in feinen offenen Haken der Aufhängevorrichtung greift. Die Skizze in der oberen linken Ecke Abb. 20 läßt die Einzelheiten des Hakens und die Auslösevorrichtung, durch die der Streifen ausgelöst wird, erkennen. Die Auslösevorrichtuag ist über den Mittelpunkt der Bombe aufgehängt. Der Vorgang ist folgender: Wenn der Nocken an der horizontalen Welle das hintere Ende des Auslösers herunterdrückt, geht das vordere Ende in die Höhe gegen den Zug einer Spiralfeder. Der Haken wird frei und die Oese mit dem Stahlband ausgelöst und mit ihm die Bombe. Die vier Nocken, welche den Auslöser freigeben, sind auf einer gemeinschaftlichen, über dem Boden des Rumpfes liegenden Welle montiert. Für die Auslösung von vier Bomben sind an dem Hebel am Beobachtersitz fünf Bewegungen nötig. Da jedoch nur vier Nocken vorhanden sind, so-wird bei der Bewegung Nr. 1 noch keine Bombe ausgelöst. Die Auslösung der ersten Bombe erfolgt erst bei der zweiten Bewegung. Es-ist dies jedenfalls eine Sicherheitsmaßregel.

Auf der rechten Seite des Rumpfes ist auf der Nockenwelle ein kleines Sperrad mit fünf Zähnen angebracht. (Siehe die rechte untere Skizze in Abb. 20.) Das Sperrad wird durch eine Sperrklinke in seiner jeweiligen Lage festgehalten Neben dem Sperrad sitzt lose auf der Welle eine kleine Seiltrommel, über welche das Zugseil vom Bomben-auslösegriff nach einer am Rumpfe befestigten Spiralzugfoder führt. Die kleine Seiltrommel wird noch weiterhin durch eine Spiralfeder gegen das Sperrad gedrückt. Am Sperrad befindet sich an der Seite, welche der Seiltrommel zugekehrt ist, eine kleine Schraube, die abwechselnd in fünf entsprechend als Mitnehmer wirkende Aussparungen der kleinen Seiltrommel eingreift. Nach erfolgter Auslösung einer Bombe hält die Sperrklinke das Sperrad fest, der Seilzug wird nachgelassen, von der Spiralfeder am Rumpf angezogen und die Seil-

Abb, 20. Bomben-Aufhänge und Anslösvovrichtung des Albatros 0 V.

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trommel mitgenommen. Bei einer weiteren Bewegung nimmt dann die seitliche Schraube am Sperrad die Trommel um ein Fünftel Umdrehung wieder mit. Aus der Abb 20 geht der Vorgang wahrscheinlich klar hervor.

Außer dem Bombenauslöshebel befindet sich am Beobachtersitz noch ein Hebel, der wahrscheinlich dazu dient, eine Kuppelung; am Motor für die drahtlose Telegrafie ein- und auszuschalten.

Auf der linken Seite am Boden des Beobachtersitzes ist eine rechteckige Oeffnung zum Einbau einer Kamera vorgesehen. Der Kompaß, der voo beiden Sitzen aus erreichbar sein muß, ist an einer kreisförmigen Oeffnung unter der Hauptfläche angebracht.

Eigenartig ist die Konstruktion der Albatros Tragflächen. Der vordere Flächenholm liegt dicht an der Vorderkante und der hintere Holm ungefähr in der Mitte der Flächentiefe. (Siehe Tafel XI Abb. 21.) Weiter nach hinten ist noch ein dritter falscher Holm angeordnet, der jedoch nicht mit dem Rumpf verbunden ist. Bei kleinen Winkeln, wo sich der Druckmittelpunkt nach hinten verschiebt, hat demnach der hintere Rumpfholm fast die ganze Last zutragen. Diese Tatsache hat jedenfalls die Albatros-Konstrukteure veranlaßt, diesem Hauptholm ungewöhnlich große Abmessungen zu geben. (Abb. 23 Tafel XL) Die beiden Holme sind aus Spruce und haben Kastenform. Die Kastenform wird gebildet

aus zwei ausgefräs- , \

ten Hälften, die miteinander durch Nut und Feder verleimt sind.

Die Flächen-rippenhaben I-Quer-schnitt. Der Steg besteht aus Spruce und die Flanschen aus Esche. Um die Profilwölbung der Flächen gleichmäs-sig zu halten, sind zwischen denHaupt-rippen falsche Rippen angeordnet.

Der Aufbau z. ß. der oberen linken Tragfläche geht aus Abb. 21 hervor. Die beiden Hauptholme sind durch Distanz-Stahlrohre verbunden und in fünf Feldern mitei n an d er verspannt. In den ersten beiden Feldern nach der Mitte

Abb.

Distanzrohr und Zeilenstrelienbeschlao; d. Albatros C V.

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des Rumpfes sind die den Stirndruck aufnehmenden Vorspannungen doppelt ausgeführt. Die Befestigung der die beiden Holme verbindenden üistanzrohre sowie die Art des Angreifens der Vorspannung zeigt Abb. 22, Dieser Holmbeschlag besteht aus einem den Holm fest umschließenden Stahlblech, aus dem die Oesen für das Eingreifen der Verspannung ausgestanzt und herausgebogen sind. Zur Lagerung des Distanzrohres ist auf den Beschlag ein kurzes Rohrstück geschweißt und auf dieses ein weiteres kurzes Rohrstück geschoben, welches vermittels Schlitz und Stift gehalten w rd. Der Holm ist in senkrechter Richtung an der ßeschlagstelle des Zellenstrebenbolzens und zwei weiteren den Verspannungszug aufnehmenden Schrauben durchbohrt. Dieser Beschlagteil mit den Verspannungsösen ist in der unteren Skizze Abb. 22 dargestellt. Die Verspannungskabel greifen an den in einer Platte eingelassenen Rundösen an. Die Oesen sind an ihren Flanschen gegen Verdrehen, wie aus der Abbildung hervorgeht, durch einen Niet gesichert. Um den Holm an den Durchbohrungsstellen zu verstärken und einen rechteckigen Querschnitt zur Aufnahme für den Beschlag zu erhalten, sind über und unter den Holm Paßstücke aufgeleimt. Abb. 23 zeigt die verschiedenen Querschnitte von Nasen-, Vorder-Hintor- und falschen Holm. Die hinterste Kante der Fläche wird durch einen Draht, wie bei allen deutschen Maschinen abgeschlossen.

Die Wölbung der oberen und unteren Seite der Tragfläche ist, wie Abb. 24 erkennen last, ziemlich groß. Warum ein solcher Flügelschnitt angewendet wurde, ist uns z. Zt. unerklärlich. Die deutschen Maschinen haben pro Flächeneinheit große Lasten zu tragen. Es scheint, daß man diesen Flächenschnitt gewählt hat, um in großen Höhen recht große Lasten tragen zn können und hat einen großen Widerstand in niedrigen Höhen in Kauf genommen. Jedenfalls sind die Voraussetzungen, welche zur Wahl dieses Schnittes führten, noch nicht ganz klar und es wäre interessant, wenn das National Physical-laboratorium Versuche mit diesem Schnitt anstellen würde, um den Sachverhalt festzustellen. Insbesondere ob dieser Schnitt vorteilhaft ist, große Gewichte in großen Höhen zu tragen. (Fortsetzung folgt.)

Konstruktions-Einzelheiten.

Beschläge der Spadflugzeuge.

Die Rumpfbeschläge (Abb. 1) sind bei englischen und französischen Flugzeugen verschieden durchgebildet. Bei ersteren sind auf die Rumpflängsholme gebogene und gestanzte Blechstücke aufgeschraubt, an welche die Rumpfverspannung angreift. Die senkrechten lind wagerechten Rumpfstiele stehen ohne weitere Befestigung innerhalb der Bleche.

Die französischen Flugzeuge haben Stielschuhe aus Aluminiumguß, wie sie früher Deperdussin verwendete.*) Ein durchgestecktes Rohr hält die Stiele fest und dient zur Befestigung der Verspannung.

Die Zellenstiele aus Holz haben im Innern ein dünnes Stahlrohr, an welchem die beiden Augen befestigt sind (Abb. 2). Die Innenstiele

*) Die Soeiete „Spad" ist hekunntlieh ans Deperdussin hervorgegangen.

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Abb. 3.

Beschläge der Spadflngzeiige.

FürWerksrartu.Flugplarz

(Verehr. Leser, welche die unter dieser Rubrik ausgeführten Vorschläge versuchen, werden um Auskunft gebeten, inwieweit sie sich bewährt haben. Die Redaktion). (Der Nachdruck aller Artikel uniev dieser Rubrik ist verboten).

Spartöpfe für Anstrk hmittel. Die Ausgaberfder Anstreich- und Lackierereien in den Flugzeugfabriken sind nicht unerheblich. Meistenteils wird man erst immer aufmerksam werden, wenn bei der Kalkulation auch die hohen Färb- und Lackrechnungen, in Erscheinung treten. Der Betriebsleiter mancher Flugzeugfabrik hat daher begonnen, wenn auch mit geteiltem Empfinden, sich in die sogenannte Malerkunst zu vertiefen und dem Betrieb weitgehendste Aufmerksamkeit zu widmen. Und das mit Recht! Hier kann bei guter Organisation, Schaffung geeigneter Einrichtung, sauberen Arbeiten und vor allem sorgfältige Aufbewahrung der Anstrichmittel viel gespart werden. Ein großer Teil der Anstrichmittel geht verloren durch Verschütten und Eintrocknen.

Die Anstrichmittelgefäße haben die verschiedenartigsten Formen. Nebenstehende Abb. 1 und 2 zeigt einen sogenannten Lacksparer, wie er im Auslande viel verwendet wird. Dieser Lacksparer besteht aus einem viereckigen, mittels einer Schraube verschlossenen luftdichten Kasten, an dessen Unterseite sich eine Eintauchöffnung befindet. In die Eintauchöffnung fließt aus dem Kasten nur immer soviel Farbe, als zum Eintauchen nötig ist. Durch den tiefliegenden Zuflußschlitz an der Eintauchöffnung kann nur die zu Boden sitzende

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Farbe abströmen. Die Eintauchöffnung ist sehr praktisch als Abstreicher für den Pinsel ausgebildet. Durch eine Klappe kann bei Nichtgebrauch die Eintauchöffnung geschlossen werden. Dieser Lacksparer hat noch weiter den

Abb. :> ii. 4. Spartopf für Anstrichmittel.

Vorteil, daß die leichten zur Verdunstung am meisten neigenden Verdünnungsmittel nicht der Luft ausgesetzt sind Eine andere weniger gut durchdachte Form ist in Abb. 3 und 4 dargestellt.-

Spart Schleifmittel! Eine Unsumme von Schleifmitteln dient lediglich der Verschönerung von Maschinenteilen. Solche Rücksichten müssen heute fallen. Der Gebrauch von Schleifmitteln, wie Schmirgelpapier, Schmirgelleinen und Schmirgelscheiben, sowie insbesondere das Verfahren des Schleifens auf Abb. tu. 2. Spa, topf für Anstrichmittel. Präzisionsmaschinen sollte nur dort angewendet

werden, wo das Aufeinanderarbeiten metallischer Flächen oder die Härte des Materials es unbedingt erfordert. Wenn alle amtlichen Konstruktionsstellen und alle Privatbetriebe ihre Bearbeitungsvorschriften daraufhin durchsehen, können namhafte Mengen von Schleifmitteln gespart werden.

flugtetfjmfcfie (Rundfctjau.

Inland.

Den Orden Pour le mente erhielt: Hptm. Koehl, Kommandeur eines Bombengeschwaders.

Den Heldentod fanden: Flugzeugobermaat Paul Geinitz, Ltn. d. R. Willy Erl er, Flgltn. Richard Ernert, Flgzf. Heinrich Rath je.

Jagdgeschwader Freiherr v. Richthofen. Der Kaiser hat genehmigt, daß das von dem am 21. April gefallenen Rittm. Frhrn. v. Richthofen zuletzt geführte Jagdgeschwader die Bezeichnung: Jagdieschwader Freiherr v. Richthofen Nr. 1 führt.

Ein Fliegerangriff auf Karlsruhe fand am 31. Mai kurz nach 9 Uhr vormittags statt. Es wurden zehn bis zwölf Bomben abgeworfen, die zum Teil ins freie Feld fielen, zum Teil in Gärten. Es wurde einiger Schaden an Gebäuden angerichtet. Leider fielen dem Angriff vier Personen zum Opfer, sechs andere wurden nicht unerheblich verletzt, zum Teil durch eigene Schuld. Um *jt\0 Uhr war der Allarm beendet.

Fliegerleutnant Bongartz. Nach Rittm. v. Richthofen war Ltn. Bongartz der erfolgreichste deutsche Kampfflieger, sein Name stand in der Liste der erfolgreichsten Flieger noch vor ein paar Tagen an erster Stelle. Im Luftkampf hat Ltn. Bongartz ein Auge verloren und liegt zurzeit jn einem Lazarett. Kunde

Abb. 3. Beschläge tier Spartiiiigzeuge.

Abb. 1 u-2. Spartopf für Anstrichmittel.

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von dem tragischen Abschluß dieses Fliegerdaseins gibt der Brief eines Fliegers aus Zoppot, der seiner Heimatzeitung schreibt: „Heute Nachmittag kam ein Fokker Dreidecker herunter, überschlug sich und darunter kro:h der Flieger hervor mit einem ausgeschossenen Auge, blutüberströmt. Er ging erst um seinen Apparat herum, besah ihn sich, kam dann mit herunterhängendem Auge uns entgegen, stellte sich vor: .Leutnant Bongartz* und machte noch eine Verbeugung. Ein Held. Wir verbanden ihn, ich bestellte sofort ein Auto, er hatte furchtbare Schmerzen, da das Geschoß in der Nase saß und er keine Luft durch die Nase bekam. Er sagte noch: „Ja, ja, wir kommen alle ran". Ein Engländer hatte ihn im Luftkampf direkt von vorn getroffen. Sein Flugzeug war ganz zerschossen und mit blut bespritzt. Mit dieser fürchterlichen Verwundung konnte er noch landen und gehen, doch nicht mehr lange. Er bekam dann eine Morphiumspritze, da lag er ganz ruhig. Sicher kommt er gut davon.

Eine Wohltatigkeits-Flugveranstallung fand in Leipzig am 26. Mai 1918 zum Besten der Fliegerwaisen statt. Veranstalter waren der Frauenverband des deutschen Luftflottenverbandes, Ortsgruppe Leipzig, die Germania - Flugzeugwerke und die Fliegerschule Lindenthal.

Die einzelnen Darbietungen waren größtenteils aus dem Leben und Treiben unserer Flieger im Felde genommen. Die Zuschauer erfuhren, wie schnell eine Feldfliegerabteilung bei Alarm startbereit ist, um dem Feinde zum Kampfe entgegenzufliegen.

Ein fast einstündiger aufregender Luftkampf zwischen der bereits gestarteten Feldflieger-Abteilung und einer neu aufgestiegenen Kampfstaffel, hielt das Publikum in atemloser Spannung, und jedes Gefechtsmoment gab einen tatkräftigen Beweis dafür, welche außerordentliche Anforderungen der Krieg an Flieger und Maschine stellt. Der Zuschauer konnte an dem LuftmancSver ermessen, wie groß die Leistungen in Wirklichkeit draußen an der Front sind. Man nahm auch andrerseits das Gefühl mit, daß Flieger und Flugzeugindustrie eng miteinander verwachsen sind, und daß diese enge Zusammenarbeit mit einer der Hauptgründe ist, weshalb wir heute in der Luftwaffe unseren Feinden so sehr überlegen sind.

Von der Front.

21. Mai. Deutscher Tagesbericht. In den letzten drei Tagen wurden 59 feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone zum Absturz gebracht. Ltn. Loewen-hardt errang seinen 24., Vzfw. Runey seinen 20. und 21. Luftsieg.

Wien. Die k. u. k. Fliegerkompagnie Nr i4 scboß am 19. ds. Mts. vier feindliche Flugzeuge ab, die alle auf unserem Boden niedergingen.

Französischer Bericht. Am 19. Mai holten unsere Jagdflugzeuge sechs deutsche Flugzeuge herunter. Neun feindliche Apparate gingen nach Kampf mit starken Beschädigungen in ihre Linien nieder. Am nämlichen Tage-sowie in der Nacht vom 19. zum 20. Mai warfen unsere Bombardieruiigsflugzeuge 25000 Kilogramm Geschosse auf die Truppenlager von Rosières-en-Santerre, auf die Flugplätze von Villeselve, Vauvillers, die bahnhöfe von Peronne, Nesles, Chaulnes usw. ab. Eine heftige Feuersbrunst brach in Rosières aus. Außerdem beschossen italienische Flugzeuge in der nämlichen Nacht den Bahnhof von Montcornet und den Flugplatz von Ville-au-Bois, wo bedeutende Beschädigungen festgestellt wurden.

22. Mai. Deutscher Tagesbericht. Eines unserer Bombengeschwader vernichtete in der Nacht vom 20. zum 21. Mai die ausgedehnten französischen Munitionslager bei Blargies.

Ltn. Menkhoff errang seinen 27., Ltn. Pütter seinen 23. und 24. Luftsieg-Berlin. Starke deutsche Bombengeschwader grüfen in der Nacht vom 19. zum 20. Mai wiederum London an. Die Unternehmung gestaltete sich durch die große Za I der Flugzeuge, die London erreichten und die Menge der auf die Mitte der Stadt abgeworfenen Bomben zum größten aller bisher durchgeführten Angriffe auf London. Einwandfrei wurde die starke Wirkung unserer Bomben in der City zwischen der Admiralität und den West-Indian-Docks beobachtet. Vier große Brände brachen im Innern der Stadt aus. Mit ebenso gutem Erfolg griffen andere Bombenflugzeuge Dover, Chelmsford, Chatam und öouthend an.

In der Nacht vom 16. zum 17. Mai griffen vier feindliche Flugzeuge Brügge über Land an. Gegen 12 Uhr warfen sie außerdem noch zwei Bomben auf holl ndisches Gebiet bei Sulim, östlich von Brügge ab. Die Holländer beschossen die Flugzeuge erst, als sie schon außer Reichweite waren.

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Aus dem Wiener Kr.-Pressequartier wird gemeldet: Feindliche Fliegerangriffe, die am 20. Mai gegen den Kriegshafen von Cat-taro, Durazzo und die Insel Lagosta unternommen wurden, haben keinen Sachschaden verursacht. Im Hafen von Cattaro wurden vier Personen getötet, neun verletzt. Bei einem feindlichen Luftangriff auf Pav nzo wurde neuer Personal-und Materialschaden verursacht.

Rom. Der Generalstab der Marine teilt mit: Unsere Marineflugzeuge, die in der oberen Adria Erkundungen unternommen, hatten etwa 15 Meilen westlich von Pola einen heftigen Kampf gegen zahlreiche Flugzeuge zu bestehen. Ein feindliches Flugzeug wurde abgeschossen. Eines der unsrigen wurde getroffen, mußte auf See niedergehen und wurde vom Piloten zerstört, der seinerseits von einem Wasserflugzeug

Fliegerbomben in der Aufhängevorrichtung unter dem Flugzeug Eine 300 kg zwischen zwei 50 kg Bomben.

Deutsches Großflugzeug mit vornliegenden vierflüglichen Schrauben.

Fliegerbomben in der Aufhängevorrichtung unter dem Flugzeug: Eine 300 kg zwischen zwei 50 kg Boniben.

Deutsches Großflugzeug mit voinltegetiden vierflüglichen Schrauben.

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aufgenommen wurde. Am 22. Mai wird gemeldet: In der südlichen Adria bombardierten unsere Wasserflugzeugegleichzeitig die militärischen Werke von Durazzo, Lagosta und die der Insel Curzola mit festgestelltem gutem Erfolg. Sie kehrten trotz heftigen Abwehrfeuers sämtlich unversehrt zurück.

Basel. „Havas" berichtet amtlich aus Paris: Gestern Abend um 10.40 Uhr wurden von unserem Alarmposten feindliche Flugzeuge auf dem Fluge nach Paris gemeldet. Die verschiedenen Verteidigungsmittel traten sofort in Aktion Es entwickelte sich ein starkes Sperrfeuer, und unsere Flieger sti gen auf. Der Feind warf eine Anzahl Bomben ab in der Bannmeile der Stadt. Kein Flugzeug konnte an Paris herankommen. Eines wurde von der Artillerie des verschanzten Lagers von Paris getroffen und stürzte brennend in der Nähe der Hauptstadt ab. Um 1 Uhr 5 Minuten mitternachts war der Alarm zu Ende.

23. Mai. Deutscher Tagesbericht. Auf dem Kampffelde an der Lys wurden gestern unter andern drei amerikanische Flugzeuge abgeschossen.

Die in der letzten Zeit sich mehrenden feindlichen Fliegerangriffe gegen belgisches Gebiet haben der Zivilbevölkerung schweren Schaden und Verluste .zugefügt. Militärischer Schaden entstand nicht.

Durch erfolgreiche Bombenabwürfe wurden große Munitionslager des Feindes nordwestlich von Abbeville vernichtet. Paris wurde mit Bomben beworfen.

Paris. „Havas" meldet amtlich: Gestern Abend überflogen feindliche Flugzeuge unsere Linien und wendeten sich gegen Paris. Sie wurden durch unsere Wachtposten gemeldet und mit heftigem Artilleriesperrfeuer empfangen. Kein einziges Flugzeug Uberflog Paris. Ein Flugzeug warf einige Bomben auf einen Punkt der Umgebung ab. Es wurden weder Sachschaden noch Menschenopfer gemeldet Um 1.34 Uhr wurde zum zweiten Mal alarmiert. Mehrere Geschwader von Flugzeugen nahmen nacheinander die Richtung auf Paris. Unsere "Wachtposten eröffneten sehr heftiges Artilleriesperrfeuer gegen sie. Unsere Flugzeuge stiegen auf. Eine Anzahl Bomben wurde auf das Häusermeer von Paris abgeworfen. Der Alarm tndete um 3.30 Uhr vorm.

Amtlich wird aus Paris mitgeteilt: Die deutschen Flugzeuge, die an dem zweiten Luftangriff in dieser Nacht teilnahmen, zählten etwa 30. Sie stießen auf das kräftige Sperrfeuer unserer Geschützaufstellungen, von denen 54 Flugzeuge aufstiegen. Ein einziges Flugzeug des Feindes gelangte über die Hauptstadt und warf einige Bomben ab Ein Toter und 12 Verwundete werden gemeldet. Eine gewisse Anzahl Bomben wurde über Ortschaften der Bannmeile abgeworfen. Es gab einige Tote.

Französischer Frontbericht. Im Laufe des 20. Mai wurde ein Flugzeug im Luftkampf zu Boden gebracht. Es bestätigt sich, daß während der -etzt en Kämpfe von unseren Fliegern acht feindliche Flugzeuge zerstört wurden, eins am 15., ein zweites am 16. und sechs am 19. Mai. Außerdem wurden zwei Flugzeuge von unserer Abwehr heruntergeholt am 20. und 21. Mai. Im Laufe des 20 Mai und in der folgenden Nacht haben unsere Beschießungsgeschwader 17000 Kilogramm Geschosse auf die Gegend St. Quentin-Noyon-Tergnier, auf die Bahnhöfe von Peronne, Posieres, Nesle und den Flugplatz von Ville-sur-Selve abgeworfen. Zwei große, von Explosionen gefolgte Feuersbrünste wurden in St. Quentin und in Nesle festgestellt. Im Laufe des 21. und in der Nacht vom 21. zum 22. Mai haben wir 30000 Kilogramm Bomben auf dieselben Gegenden abgeworfen und neue Feuersbrünste herbeigeführt. Die Truppenlager und die Bahnhöfe in der Gegend von Ville-aux-Bois, Hirson, Le Cateau haben während der gleichen Zeit 11000 Kilogramm Explosivstoffe erhalten. Die Mannschaften des italienischen Flugwesens haben an diesen Exkursionen teilgenommen.

Französischer Orientbericht. Flugzeuge der Alliierten bewarfen den Flugplatz Hudovo und feindliche Lager nordwestlich des Monte und in der Gegend von Ochrida mit Bomben.

Bulgarischer Bericht. In der Gegend von Bitolia haben deutsche Plieger drei feindliche Flugzeuge abgeschossen, die vor unseren Stellungen niederstürzten und durch unser Artilleriefeuer zerstört wurden.

Italienischer Bericht. Italienische und verbündete Flieger schössen drei feindliche Apparate ab und zwangen zwei andere zur Landung. Sie beschossen erfolgreich das Flugfeld von Motta di Valuza sowie im Marsch befindliche Truppen und Geleitzüge auf der Asiagohochebene. Major Barazza trug seinen 32. Luftsieg davon.

,,Flugsport", Organ d. Flugzeug-Fabrikanten, Flugzeugführer u. d. Modellflugvereine. 1918. Tafel XI.

Abb. 24. Rippe.

Tragflächen des Albatros C V.

Abb. 23. Schnitte von Nasenleiste, Vorderholm, Hinterholm u. falscher Holm b.

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24. Mai. Konstantinopel. In den Dardanellen kam es zu Luftkämpfen zwischen einigen unserer Kampfflugzeugen und feindlichen Flugzeugen. Im Verlaufe des Kampfes schoß Obltn. Croneise ein feindliches Kampfflugzeug ab, das brennend abstürzte. Die Reste sind in unserer Hand. Dies ist das siebente Flugzeug, das Obltn. Croneise hier abschoß.

11alienischer Heeresbericht. Die Lufttätigkeit war lebhaft. Fünf feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen. Wir belegten mit vollem Erfolge die Flugplätze von Feltre und von Motta di Livenza mit Bomben.

Englischer Bericht Uber Luftunterneh mungen. Am 24. Mai wurde eine Tonne Bomben auf die Fabriken von Hagendingen, etwa 19 Kilometer von Metz entfernt, abgeworfen. Unsere Flugzeuge wurden von feindlichen Jagdfliegern und Abwehrgeschützen angegriffen, sind aber alle unversehrt zurückgekehrt.

London. In den Nächten vom 20. bis 22. Mai führten Teile unserer Luftstreitkräfte Bombenunternehmungen auf Zeebrügge, die Mole, den Stützpunkt der Wasserflugzeuge und die in der Nähe liegenden feindlichen Schiffe, ferner gegen Thoufout und den feindlichen Flugplatz von St. Denys-Westreu aus. Es wurden zwei Volltreffer auf feindliche Torpedozerstörer gemeldet. Mittels photographischer Aufnahme wurde festgestellt, daß ein Zerstörer gesunken ist.

Vom Flugabwehrdienst: Maschinen-Kanoue zur Abwehr feindlicher Flieger. Die Geschosse sind anf der links sichtbaren Trommel in einem CJurt aufgewickelt: die Mannschaft ist mit Stahlhelm und Gasmaske ansgeiiistet.

Vom Fi ugab Wehrdienst; Maschinen-Kanone zur Abwehr feindlicher Flieger. Die Geschosse sind nur' der links Miclitburen Trommel in einem Gurt aufgewickelt: die Mannschaft ist mit Stahlhelm und Gasmaske ausgerüstet.

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Außerdem wurden drei feindliche Flugzeuge steuerlos heruntergetrieben. Unsere Flugzeuge sind sämtlich unbeschädigt zurückgekehrt.

Hierzu erfahren wir von zuständiger Seite, daß in der laut amtlicher englischer Meldung angegebenen Zeit vom 20. bis 22 Mai zwar mehrfach Fliegerangriffe auf Zeebrügge und Umgebung vom Gegner ausgeführt worden sind. Irgendwelcher Erfolg blieb dem Gegner jedoch versagt. Bei einem Fliegerangriff zwei Tage vorher, am 18. Mai, auf die Werft Brügge, erhielt eines unserer Torpedoboote durch eine Fliegerbombe leichte Beschädigungen. Es ist keines unserer Torpedoboote gesunken. Die Engländer verloren bei ihren ergebnislosen Bemühungen, unserem flandrischen Stützpunkt durch Fliegerangriff Schaden zuzufügen, allein in der Zeit vom 18. bis 22. Mai fünf Flugzeuge; ein weiteres wurde zur Notlandung gezwungen, die Besatzung gefangen genommen.

25. Mai. Deutscher Tagesbericht. Die Besatzung eines Beobachtungsflugzeuges, Ltn. Eisenmenget und Vzfw. Gund, haben am 23. Mai aus einer Kette von sechs englischen Kampfeinsitzern vier Flugzeuge abgeschossen.

Wien. Ueber 30 feindliche Flugzeuge haben Feltre mit Bomben belegt Ein Zivilist wurde ^getötet, acht wurden verwundet. Sonst wurde nur geringer Sachschaden erzielt. Feldpilot Offizier-Stellvertreter von Kiß, einer unserer erfolgreichsten Piloten, wurde im Luftkampf abgeschossen und tot geborgen.

Paris. Am 22. und 23. Mai wurden vier deutsche Flugzeuge und zwei Fesselballons von unseren Fliegern heruntergeholt. Es bestätigt sich, daß fünf weitere deutsche Flugzeuge in den Luftkämpfen am 16., 18. und 21. zerstört wurden. Vom 22. zum 23. Mai warfen unsere Bombardierungsgeschwader 30000 Kilogramm Geschosse auf die Bahnhöfe, Truppenlager und Flugplätze in der feindlichen Zone ab. In den Bahnhöfen von Nottescourt und Hirson wurden Feuersbrünste festgestellt, auf dem Flugplatz Cappo ernstliche Beschädigungen.

Englischer Bericht. Die Schönwetterperiode hörte am 23. Mai vormittags 11 Uhr auf. Trotzdem konnten unsere Flieger vorher noch einige Operationen durchführen und acht Tonnen Bomben auf den Flugplatz von Tournai abwerfen, der den feindlichen nächtlichen Bombardierungsgeschwadern als Stützpunkt dient, sowie auf feindliche Kantonnements. Drei deutsche Flugzeuge wurden im Luftkampf abgeschossen, zwei weitere beschädigt zur Landung gezwungen. Drei der unsrigen fehlen. Nachmittags warfen unsere} Flieger trotz des heftigen Windes über sieben Tonnen Geschosse ab auf feindliche Kantonnements bei Peronne, Fricourt und Bapaume, sowie auf Baracken und Eisenbahnlinien in der Sommegegend. Alle unsere Flieger kehrten .zurück Am 24. Mai wurde eine Tonne Bomben auf die Bahnlinie nnd Fabriken von Hagendingen, etwa 19 Kilometer von Metz entfernt, abgeworfen. Unsere Flugzeuge wurden durch feindliche Jagdflieger angegriffen, ebenso von den Abwehrgeschützen, kehrten aber trotzdem unversehrt zurück.

Italienischer Bericht. Die feindlichen Truppen hinter der Hochebenevon Asiago wurden von den britischen Fliegern beschossen. Fünf Flugzeuge wurden heruntergeholt und ein sechstes zur Landung gezwungen,

26. Mai. Bulgarischer Generalstabsbericht. Oestlich von der Tscherna lebhafte feindliche Lufttätigkeit. Feindliche Flieger warfen Bomben auf eines unserer Lazarette bei dem Dorfe Nolnitza ab, das als Lazarett deutlich erkennbar war.

Italienischer Bericht. Die italienischen und die verbündeten Flieger haben aus geringer Höhe mit Maschinengewehren die feindlichen Truppen, Batterien und Truppenlager an den Abhängen von Asiago und längs der Piave beschossen.

Vom Flugabwehi'dienst: Am Entfernungsmesser, mit Englischer Bericht ausItalien, dem die Entfernung nahender Flieger festgestellt wird. Seit dem 18. Mai haben unsere

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Luftstreitkräfte zahlreiche Erkundungen weit hinter den feindlichen Linien ausgeführt und nützliche Informationen zurückgebracht. Zahlreiche Bomben wurden auf Truppenlager und Munitionsdepots des Feindes abgeworfen. 24 feindliche Apparate wurden seit dem 18. Mai in Luftkämpfen zerstört, außerdem wurde ein feindlicher Beobachtungsballon in Brand geschossen. Während dieser Zeit haben wir nur einen einzigen Apparat verloren.

Englischer Bericht über Luftunternehmungen. Am 25. Mai konnten unsere Flieger nur während kurzer Augenblicke tätig sein. Sie benutzten diese Zeit, um mehr als 300 Bomben auf Kantonnements, die Orte Armentieres und Merville, die Munitionslager und die Docks von Brügge zu werfen. Acht feindliche Apparate wurden abgeschossen, zwei andere zur Landung gezwungen, ein weiterer Apparat wurde durch das Feuer eines Maschinengewehrs abgeschossen. Keiner unserer Apparate fehlt. Während der Nacht konnten wir nur während kurzer Zeit Bomben werfen. Wir warfen mehr als sechs Tonnen Geschosse auf Peronne, Bapaume und Maricourt. Alle unsere Apparate kehrten zurück.

Französischer Bericht aus Salonik. Die alliierten Flieger haben mehr als 1300 Kilogramm Sprengstoffe auf die feindlichen Einrichtungen abgeworfen. Im Laufe der Luftkämpfe des Tages wurden zwei feindliche Flugzeuge zum Landen gezwungen.

27. Mai. Wien. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die wechselvolle Witterung in dem Zeitraum zwischen dem 17. und dem 22. Mai ließ nur an vier Tagen eine regere Fliegertätigkeit zu. In dem beiderseitigen Bestreben, die gegnerische Aufklärung zu behindern, kam es zu zahlreichen erbitterten Luftkämpfen. Der Feind verlor dabei 12 Flugzeuge, davon allein vier in einem Tage und durch eine Kompanie. Unsere Verluste beziffern sich demgegenüber nur auf acht Flugzeuge. Die österreichisch-ungarische Fliegerwaffe hatte in diesen Tagen den Heldentod zweier erfolgreicher Kampfflieger zu beklagen, des Leutnants Gräser, der 15 Luftsiege erfochten hat, und des Oberleutnants Benedek, der noch knapp vorher einen Gegner abgeschossen hatte.

Türkischer Bericht. Dardanellenfront. In der Nacht vom 25. zum 26. Mai haben unsere See- und Landflugzeuge wiederholt und erfolgreich einen feindlichen Flugplatz auf Imbros angegriffen. Mehrere Brände von längerer Dauer wurden beobachtet.

29. Mai. Deutscher Tagesbericht. Trotz wechselnden Wetters griffen unsere Flugkräfte den Feind immer wieder mit Bomben und Maschinengewehren an, während Infanterie- und Artillerieflieger ohne Unterbrechung den fortschreitenden Angriff und die Wirkung unseres Artilleriefeuers überwachten.

Wien. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz herrschte gestern sehr rege Fliegertätigkeit. Durazzo wurde zweimal von feindlichen Fliegern überflogen und mit Bomben beworfen. Oftizier-stellvertreter Arighi, der zu ihrer Verfolgung aufstieg, schoß zwei englische Flugzeuge zehn Seemeilen von Durazzo ab und errang damit seinen 26. Luftsieg. Das eine feindliche Flugzeug ging sofort unter. Das zweite wurde von einem eigenen Torpedoboot ins Schlepptau genommen, sank jedoch noch vor seinem Eintreffen yom Flugabwehrdienst: Uebungeu an einem Scheinwerfer, in Durazzo. der zur nächtlichen Fliegerabwehr gebraucht wird.

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30. Mai. Deutscher Tagesbericht. Unsere Flieger schössen in den letzten drei Tagen 38 feindliche Flugzeuge ab. Obltn. Berthold errang seinen 29. Luftsieg. Ltn. Roeth brachte in einem Fluge von Dixmuide bis südlich von Ypern fünf feindliche Fesselballone brennend zum Absturz.

Sofia. Feindliche Flieger warfen Bomben auf eines unserer Militärhospitäler in Odrin. Westlich des Wardar wurde ein feindliches Flugzeug im Kampfe abgeschossen.

Französischer Bericht über Luftunternehmungen. Am 29. Mai abends entwickelte der Feind eine große Fliegertätigkeit und warf Bomben auf verschiedene Ortschaften hinter der Front ab. Um 11.24 Uhr abends wurden einige Flugzeuge auf dem Fluge nach Paris bemerkt, die Abwehrmittel wurden in Funktion gesetzt. Jedoch konnte kein feindliches Flugzeug bei dem heftigen Sperrfeuer vorwärts kommen und Paris wurde nicht überflogen. Vor der Stadt fielen einige Bomben nieder. Ein feindliches Flugzeug wurde durch das Feuer der Abwehrbatterien abgeschossen. Um 12.34 Uhr nachts war der Alarm beendet.

Bericht der italienischen Admiralität. Am28. Mai früh bombardierten unsere Wasserflugzeuge wirksam die militärischen Anlagen von Durazzo und kehrten dann unversehrt zurück. Am gleichen Tage bombardierten britische Flieger den Flottenstützpunkt Cattaro und warfen dort eineinhalb Tonnen Geschosse ab. Ein Wasserflugzeug ging infolge Havarie verloren, während seine Besatzung gerettet wurde.

Französischer Orientbericht. Trotz der ungünstigen Witterungsverhältnisse nahmen die Flugzeuge tätigen Anteil an der Schlacht, indem sie die bulgarischen Reserven aus geringer Höhe bombardierten. Sie beschossen außerdem erfolgreich die Bahnhöfe des Wardartales und das Flugfeld von Hudovo.

31. Mai. Berlin. An den großen Erfolgen der Schlacht am Chemin des Dames hatten unsere Luftstreitkräfte wiederum hervorragenden Anteil In den Tagen, die dem Angriff vorausgingen, wurde die Truppenführung durch die Meldungen der Erkundungsflugzeuge, die trotz schlechten Wetters weit in feindliches Gebiet aufklärten, ständig Uber die vermutliche Stärke und über die Reserven des Gegners unterrichtet. Unsere Jagdstaffeln, denen die feindlichen Geschwader im allgemeinen ausweichen, sicherten uns die volle Ueberlegenheit in der Luft. Eine feindliche Jagdstaffel von sechs Flugzeugen, die sich der des Ltn. Windisch zum Kampf stellte, wurde restlos vernichtet. Unsere Schlachtgeschwader griffen an allen Stellen der Angriffsfront in den Kampf ein und säten Tod und Verderben in die dichtgedrängt flüchtenden Kolonnen des Gegners. Infanterieflieger meldeten ständig Uber die Verschiebungen der eigenen und der feindlichen Linien. Fesselballone, die der Infanterie auf dem Fuße folgten, hielten die Führung Uber die Bewegungen des Feindes auf dem Laufenden. Wie in der Schlacht an der Somme und m Flandern, gingen auch bei diesem Angriff unsere Flak-Batterien mit unserer Infanterie vor und bekämpften u. a. auch zahlreiche Ziele auf der Erde. In den ersten drei Tagen verlor der Gegner an der Angriffsfront allein 19 Ftugzeuge und einen Fesselballon. Wir büßten 12 Flugzeuge ein. Der Gesamtverlust der Gegner beträgt 38 Flugzeuge und 7 Fesselballone.

Berlin. Durch feindliche Fliegerbomben wurden in der Nacht vom 27. zum 28. Mai im Gefangenenlager Hamm acht Gefangene getötet und 48 zum größten Teil schwer verwundet.

Englischer Bericht über Luftunternehmungen. Tiefhängende Wolken und schlechte Sicht verhinderten die Luftoperationen am Abend des 29. Mai. Fünf deutsche Apparate wurden im Verlaufe von Luftkämpfen abgeschossen, ein anderer wurde zur Landung gezwungen. Einer unserer Apparate fehlt. Im Verlaufe de'.s Tages wurden auf ein Munitionslager und die Kantonnements in der Gegend von Armentieres fünf Tonnen Geschosse abgeworfen. Wir setzten während der Nacht unsere Beschießung fort, warfen 16 Tonnen Geschosse auf mehrere Bahnhöfe, darunter den Bahnhof von Valencienne und Bussigny, auf Städte hinter den feindlichen Linien sowie die Docks von Brügge, ohne unsererseits Apparate zu verlieren. Außer diesen Angriffen beschossen unsere Flugzeuge reichlich das Dreieck der Eisenbahnlinie von Metz-Sablons in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai. Ein Apparat kehrte nicht zurück.

Italienischer Bericht. In den Luftkämpfen wurden drei feindliche Apparate abgeschossen.

1. Juni. Deutscher Tagesbericht. In den beiden,letzten Tagen schössen wir 36 feindliche Flugzeuge ab. Ltn. Menckhoff errang seinen 28., Ltn. Puetter seinen 25. und Ltn. Kroll seinen 24. Luftsieg.

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Französischer Bericht über Fliegerunternehmungen. Am Tage des 31. Mai wurde der Luftkampf auf der Schlachtfront fortgesetzt. Unsere Mannschaften haben mit ihrem gewohnten Schneid die feindlichen Flugzeuge angegriffen, von denen 23 heruntergeholt und 14 schwer beschädigt wurden. Die von uns ohne Unterlaß beunruhigten Fesselballone des Feindes wurden oft zum Landen gezwungen und in ihrer Beobachtungstätigkeit beträchtlich behindert. Sechs von ihnen wurden zerstört. Unsere Beobachter haben ohne Unterlaß die feindlichen Linien überflogen und das Oberkommando über die Bewegungen des Feindes unterrichtet, indem sie während des Tages und in der Nacht Erkundungsflüge ausführten bis Vervin, Guise, Le Cateau und Hirson Schließlich haben unsere Geschwader in dem ganzen Schlachtgebiet die deutschen, auf dem Marsch befindlichen Truppen beschossen und ihnen ernstliche Verluste zugefügt. Unsere Bombardierungsflieger haben eine gleiche Hingabe und eine wunderbare Ausdauer bewiesen. Am Tage des 31. Mai und in der folgenden Nacht wurden 66 Tonnen Geschosse auf Truppentransporte, Bahnhöfe und Flugplätze des Feindes abgeworfen, insbesondere im Tal der Aisne, auf Fismes, Fereen-Tardenois, auf Schloß Bulchy, den Wald von St. Gobain usw. Einzelne Geschwader haben in der gleichen Nacht drei Expeditionen unternommen. Die beobachteten Ergebnisse waren zufriedenstellend. Zwei deutsche Flugzeuge wurden am gleichen Tage des 31. Mai durch unsere Abwehrgeschütze heruntergeholt.

Englischer Bericht über das Flugwesen. In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai wurden 17 Tonnen Sprengstoffe abgeworfen. Die Docks von Brügge wurden neuerdings angegriffen. Es entstand eine gewaltige Feuersbrunst. Außerdem belegten unsere Ferngeschwader die Bahnhöfe und Rangiergeleise von Metz-Sablon, Diedenhofen, Courcelles, Karthaus und Esch mit 41/» Tonnen Bomben. Unsere Apparate kehrten sämtlich zurück.

2. Juni. Türkischer Heeresbericht. Mesopotamien. Das gestern zum Absturz gebrachte feindliche Flugzeug wurde von Hauptmann Schüz und Uffz. Quoß abgeschossen.

Eine Fliegertat: Die Flugzeugbesatzung Ltn. Eisenmongor (rechts) und Vzfw. Gund, die bei einem Beobachtungstlug am 23yMai von sechs englischen Kampffliegern vier Flugzeuge abschoß. (Heeresbericht vom 25. Mai, vergl. S. 307.)

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Bulgarischer Heeresbericht. Im Wardar-Tale ziemlich lebhafte Lufttätigkeit seitens des Feindes.

Rom. Italienische und die alliierten Luftgeschwader waren sehr tätig. Es wurden über fünf Tonnen Bomben auf feindliche Flugplätze abgeworfen und fünf Flugzeuge im Luftkampf abgeschossen. Ein sechstes wurde von unserer Artillerie getroffen und am linken Ufer der Piave heruntergeholt.

3. Juni. Deutscher Tagesbericht: Die auf das Schlachtfeld führenden, mit Truppenbewegungen stark belegten Bahnen wurden durch unsere Bombengeschwader erfolgreich angegriffen. Wir schössen 31 feindliche Flugzeuge ab. Ltn. Menkhoff erang seinen 29. und 30., die Ltn. Löwenhardt und Udet ihren 25. Luftsieg.

Wie Havas aus Paris meldet, wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. um 1 Uhr 8 Minuten Fliegerarlarm gegeben. Mehrere Gruppen feindlicher Apparate griffen die Gegend von Paris an. Sie wurden von den französischen Batterien lebhaft beschossen. Es wurden Bomben geworfen. Man meldet nur e.nigeVerwundete. Um 2 Uhr war es ruhig. Ueber der Bannmeile entspann sich ein heißer Kampf gegen deutsche Geschwader. Einem einzigen Flugzeug gelang es durchzubrechen; es warf eiligst seine Bomben ab. Vier Personen wurden schwer verletzt.

Französischer Frontbericht: Unsere Flieger zeigten sich auch am 1. und 2. Juni tätig und führten mit dem üblichen Schneid ihre Aufgaben der Erkundungen, der Beobachtungen und des Jagdfliegens aus. 29 deutsche Flugzeuge wurden heruntergeholt, 24 außer Kampf gesetzt und zur Landung gezwungen. Außerdem wurden vier Fesselballone in Brand gesteckt. Unsere Beschießungsgeschwader vervielfältigten ihre Ausflüge auf der ganzen Ausdehnung der Schlachtfront. 130 Tonnen Sprengstoffe wurden auf Truppentransporte, auf Truppensammlungen und Truppenlager des Feindes abgeworfen, besonders in der Gegend von Crouy, Soissons, Vierzy, Vollers-Hellion, Neuilly St. Front, La F6reen-Tardenois usw. Am 1. und 2. Juni wurden außerdem vier feindliche Apparate von unseren Abwehrgeschützen zerstört

Amerikanischer Bericht: An zahlreichen Stellen kam es zu Luftkämpfen. Einer unserer Flieger schoß ein feindliches Flugzeug ab. Eins von unseren Flugzeugen wird vermißt.

4. Juni. Im Laufe des 3 Juni haben unsere Beschießungsgeschwader die feindlichen Linien überflogen und zwei deutsche Flugzeuge heruntergeholt. Drei andere Flugzeuge und zwei Fesselballons wurden von unserem Jagdgeschwader heruntergeholt. Im Laufe desselben Tages wurden 21 Tonnen Geschosse aui Truppen im Marsch auf Artilleriezüge und Lebensmitteltransporte abgeworfen. Auf dieselben Zielpunkte wurden in der Nacht vom 3. auf 4. Juni 28 Tonnen abgeworfen.

5. Juni. Deutscher Tagesbericht: Ltn. Löwenhardt errang seinen 2ö. Luftsieg.

Berlin. Durch feindlichen Bombenabwurf auf Peronne wurde ein fran-zösicher Pfarrer uud Lehrer schwer verwundet. Die deutschen Bombengeschwader bewarfen ausgiebig die Bahnanlagen von Meaux, Crepy-en-Valois und Villers-Cotterets. Sie riefen Brände und starke Explosionen hervor.

6 Juni. Deutscher Tagesbericht: In den beiden letzten Tagen wurden 46 feindliche Flugzeuge und vier Fesselballone zum Absturz gebracht. Jagdgeschwader Richthofen schoß gestern 16 feindliche Flugzeuge ab.

Hptifi. Berthold und Ltn. Menkhoff errangen ihren 31. Ltn. Löwenhardt seinen 27., Ltn. Udet seinen 26., Ltn. Kirstein seinen 21. und 22. Luftsieg.

B erl in. Außer zahlreichen anderen Zielen wurden die wichtigen feindlichen Umschlagplätze Calais und Boulogne erfolgreich mit Bomben belegt.

Amsterdam. Einem hiesigen Blatt zufolge meldet die „Financial News" in ihrer amerikanischen Börsenübersicht, daß Luftangriffe in den Vereinigten Staaten stattgefunden hätten.

Kons tan tin op e I. Ein feindliches Flugzeug wurde durch unser Artilleriefeuer zur Landung dicht hinter den feindlichen Linien gezwungen.

7. Juni. Berlin. Am 5. Juni hatten mehrere unserer Flugzeuge mit fünf englischen Curtiß-Flugbooten nordwestlich Terschelling ein längeres Gefecht bei dem ein englisches Flugzeug abgeschossen wurde. Dieses Flugzeug verbrannte

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dicht unter der Küste. Drei Mann der Besatzung retteten sich an Land. Zwei weitere englische Flugzeuge wurden schwer beschädigt. Wie aus holländischen Pressenachrichten hervorgeht, sind diese Flugzeuge gezwungen worden, auf Terschelling zu landen. Die Insassen haben die Flugzeuge verbrannt und wurden interniert. Anscheinend ist ein viertes englisches Flugzeug auf Vlieland gelandet. Sechs englische Offz. und drei Uffz. wurden in Holland interniert. Von unseren Flugzeugen geriet während des Gefechtes eines in Brand und wurde später von uns vernichtet. Die Besatzung wurde gerettet.

„Havas" meldet amtlich aus Paris: Gestern Abend wurde wegen Fliegerangriffs um 11 Uhr alarmiert. Eine Gruppe von etwa 20 feindlichen Flugzeugen überflog unsere Linien in der Richtung auf Paris. Die Luftverteidigung wurde sofort in Tätigkeit gesetzt, und unsere Abwehrbatterien eröffneten heftiges Sperrfeuer. Einige Bomben wurden abgeworfen. Man meldet einen Toten, einige Verwundete und Sachschaden. Der Alarm hörte 20 Minuten nach Mitternacht auf.

8. Juni. Zürich. Aus Paris wird gemeldet: Fast l'/a Stunden blieben deutsche Fliegerstaffeln über Paris und Umgebung tätig. Die Abwehr durch Geschütze und die Verfolgung der über 30 Flugzeuge blieb vollkommen ergebnislos. Den Sachschaden, dessen Umfang verschwiegen wird, schreibt man vornehmlich einer neuartigen Orientierung der deutschen Flieger zu.

Bern. Von der Lage in Paris kann, man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß die Stadt, abgesehen von der Beschießung durch die Ferngeschütze, binnen 14 Tagen neun Luftangriffe erlitten hat. Dabei mußten nicht weniger als 120000FIüchtlingeinnerhalb vier Tagen aufgenommen, verpflegt und weiterbefördert werden.

Italienischer Bericht: Die feindlichen Flugplätze zwischen der Piave und der Livenza, sowie der Bahnhof von Caldonazzo wurden in voller Tätigkeit überrascht und wirksam von unseren Flugzeugen und Lenkballons bombardiert. Zehn feindliche Flugzeuge wurden in Luftkämpfen heruntergeholt.

9. Juni. D eutsch er Tagesbe rieht: Ltn. Kroll errang seinen 24.und 25., Vfw. Rumey seinen 23. Luftsieg.

10. Juni. D eu tsche r Tages b e ri cht: Gestern wurden 37 feindliche Flugzeuge und sechs Fesselballone abgeschossen. Ltn. Kroll errang seinen 27. und 28., Ltn. Udet seinen 27., Ltn. Kirstein seinen 23. Luftsieg.

Wien. Eines unserer Bombengeschwader erzielte bei einem Angriff auf die italienischen Flugplätze von Treviso und Monte Belluno zahlreiche Treffer.

Konstantinopel. P a 1 ästinaf ront: In Gegend El Tire wurde ein feindlicher Flieger im Luftkampf abgeschossen. Auf den anderen Kampffronten ist die Lage unverändert.

Ausland.

Ruf nach mehr Aerodromen in England. Lord Rothermere richtet an die Aerodrom-Arbeiter des ganzen Landes ein Rundschreiben:

Beschleunigt soviel wie möglich den Bau von Aerodromen. Jeder von Euch kann helfen! Je mehr Aerodrome wir besitzen, um somehr Flieger können wir ausbilden, um somehr Flugzeuge können wir in die Front bringen gegen den Feind. Die Arbeit an Aerodromen ist genau so wichtig als die Arbeit unserer Flieger. Ohne Eure Hilfe können sie nichts unternehmen und ohne den unerschütterlichen Mut und die Ausdauer unserer Flieger ist es den Armeen unmöglich, dem beständig wachsenden Druck des Feindes zu widerstehen.

Nach den Zeitungen zu urteilen, ist dieser Anruf in den meisten Zentren und von den Arbeitern gut aufgenommen worden. (Und in anderen?) Die Arbeiter geben zu, daß jetzt jeder alles daran setzen müsse, Aerodrome herzurichten für unsere Flieger. Die Daily Mail bringt indessen eine Ausführung eines Ingenieurs, der sich dazu hergibt, zu sagen:

„Es ist alles eine Frage der Gewerkschaftsregeln. Wenn die Gewerkschaften ein wenig nachgeben würden und bestimmte Arbeiten für die Stückberechnung statt für die Zeitberechnung erlaubten, so würden wir etwas ganz anderes erzielen. Jetzt kann der Maurer nicht mehr tun, da seinem Handlanger nur erlaubt ist, in einer Stunde eine gewisse Anzahl von Mauersteinen ihm zu bringen. Selbst bei Zeitberechnung würden die Löhne, die sie erhalten, die Leute dazu bringen, hart zu arbeiten."

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Die Leute, deren Arbeit so nötig ist für den Erfolg unserer Flieger sind Maurer, Zimmerleute und Ausschachtungsarbeiter; viele von ihnen sind junge Leute, die wegen ihrer Geschicklichkeit vom Armee-Dienst befreit sind.

Wir sind natürlich nicht so verblendet wegen dieser Ausführungen eine ganze Arbeitsklasse zu verdammen und wir enthalten uns daher jeden Urteils Uber den Maurer und seine Arbeiter. Natürlich besteht nicht der leiseste Zweifel, daß wir uns nicht des schlechten Einflußes der Einengungen der Gewerkschafts-, arbeiter bewußt sind. Es ist bezeichnend, daß jetzt wo wir uns in der bedeu-tensten Periode des Krieges befinden, wo wir für unsere Existenz kämpfen, wir Erklärungen anbohren müssen, wonach eine Klasse von Arbeitern mit offenen Augen lieber unsere Leute in der Front preisgeben sollen, als die Gewerkschaftsregeln zu verletzen. Es ist eine traurige Beobachtung, daß gut bezahlte Arbeit, unter Bedingungen geleistet, den Einen sicher stellt, während der andere sich im Schützengraben tot schießen lassen kann für einen Hungerlohn; und daß dazu noch dieser Zustand die Gefahr unserer Soldaten vergrößert und die Zeit verlängert, wo sie draußen aushalten müssen. Für Friedenszeiten waren die Regeln gewiß gut und zweckmäßig, jedoch jetzt hätten sie schon vor 3'/2 Jahren über Bord geworfen werden sollen. Es ist zu schwer Uber diesen Zustand zu schreiben und nicht die Geduld zu verlieren, daß wir schließen wollen. Es ist wenigstens ein Trost da, die Leute aus den Schützengräben werden auf eigene Weise ihr Urteil fällen Uber die Flaumacher und Saumseligen, wenn ihre Zeit gekommen ist.

Aus der englischen Flugmotorenindustrie. In der Generalversammlung von Rolls Royce wurde angefragt, was von Amerika bezogen wurde. Der Präsident der Versammlung erklärte, daß fertige Arbeiten nicht von Amerika bezogen

würden,--sondern nur Materialien und Waren, um den Umsatz zu erhöhen.

In der Generalversammlung der Firma Napier und Son, Ltd., erklärte Mr. Vane, daß man mit dem Arbeiten der Firma, wenn man bedenkt, unter welchen

erschwerenden Umständen die Firma im Verlaufe des letzten Jahres zu arbeitenhatte, sehr zufrieden sein könne. Die ungeheueren Mehrkosten für Arbeitskräfte und Material (? — —) und die Verzögerung, (?) die in der Lieferung des Materials hervorgerufen wurde, hatte ernste Schwierigkeiten verursacht und nur dem intensiven Arbeiten der Angestellten und der Direktoren ist es zu verdanken, daß derUmsatz sehr vergrößert wurde, mehr als in jedem. vorangegangenen Jahr. Die Gesellschaft hofft in diesem Jahr noch mehr leisten zu können, wenn das neue Gebäude fertig und die neuen Pläne in Kraft treten könnten. Der Direktor glaubt unbedingt an die Zukunft des Flugmotors. Der Bedarf auch in Friedenszeiten wird ein großer sein, für die Regierung wie auch für Zivilzwecke.

Die Zukunft der Motorindustrie sei eine glänzende, besonders da sich der Motor als vollkommenstes Fortbewegungsmittel erwiesen habe. Es sei großer Bedarf für die Regierung wie auch für den Handel, besonders in den ersten Jahren nach dem Kriege. Die Gesellschaft müsse ihre Absatzorganisationen (!) erneuern so wie auch ihre Fabrik in den Friedensweg ummodeln, und sie hoffen, daß die Regierung die Industrie sehr darin unterstützen wird, da sich die gesamte In-„ , rr .,. ,. , dustrie während des Krieges so über-

Die neue en^ Fhe^e^Umtorm für das aus patriotisch gezeigt hätte.

Die neue enei. Flieper-Unii'orm für das Royal Air Force

Automobil und Aviatik

Akt.-Ges. / Leipzig-Ii eiterblick.

8>zus>pral> pro Jahr 114*

Aulland par Kreuzband H.tl.10 Elnzelpr. III 080

Jllustrirte

No 14 technische Zeitschrift und Anzeiger

3 Ju|i für das gesamte

m.m.i „Flugwesen

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Telet.Hansa 4557 Oskar Urslnus, Civilingenieur. Tel.-fldr.: Urslnus. •Brlef-Adr.: Redaktion und Verlag »Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8 — Erscheint regelmäßig 14tägig. —

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nnr mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 17. Juli. Mene Tekel.

In England hat die -rste Zusammenkunft der neuerdings gegründeten Imperial Association of Commerce (Handelsvereinigung) stattgefunden. Diese Vereinigung verdankt ihre Gründung den durch den Krieg hervorgerufenen Zuständen; es soll eine Zentralstelle für Geschäftsleute sein, die gegen Regierungsmaßnahmen Schutz suchen. Im ganzen Land sollen Zweigstellen errichtet werden. Lord Inchcape ist -der Präsident und der Direktor Mr. P. M. Fischer, ehemaliger Marine-•und Handelsminister in Neu Seeland.

Bei der Zusammenkunft wurde ein Brief des Lord Inchcape vorgelesen, in welchem die Meinung ausgesprochen war: „Wenn sich die Handelsvereinigungen dieses Landes nicht selbst organisieren und .gegen die Maßnahmen der Regierungsstellen, die alles verstaatlichen wollen, streng Front machen, so wird sich der Handel bald in einer traurigen Verfassung befinden und die Handelsoberherrschaft, um die England die ganze Welt beneidete, verschwinden." Diese Meinung -würde jeder Geschäftsmann, der dieser ernsten Sache mehr als einen Augenblick des Nachdenkens widmet, bestätigen.

Sir Herbert Hambling, Manager der London Provincial und South Western Bank, bemerkte, daß er als finanzielles Mitglied des Rates des Munitionsministeriums einen Einblick in die Regierungsmethoden habe "tun können. Sie müssten bis zum bitteren Ende kämpfen, der Handel dieses Landes dürfe niemals unter Regierungs-Aufsicht kommen. ■ Sein Rat ist, die Einmischungen der Regierung bis zum äußersten zu bekämpfen.

,,Flight" glaubt, daß die vom Lande freudig begrüßte Vereinigung ■der Handelsvereinigungen absolut notwendig sei, und nach dem Kriege noch viel notwendiger werde. Besonders dann, wenn die Zeit kommt, -wo der Handel in grimmem Ernst den Kampf auf sich nehmen muß,

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sich unter großen Anstrengungen den Polypenarmen der Begierungsaufsicht zu entwinden. Es besteht nicht der leiseste Zweifel daran, daß der Kampf sehr ernst werden wird. Ueberall sehe man, wie die .Regierung jeden Tag mehr und mehr Industrieen und Handelszweige an sich reißt. Für einen günstigen Kriegsausgang ist dies gewiß, erforderlich und nur aus diesem Grund unterwirft sich das Land willig den Legionen von Befehlen nnd Anordnungen, welche die Freiheit des Handels so sehr einengen. Die Handelsvereinigung darfr da sie bereits bittere Erfahrungen gemacht hat, nicht stillschweigend zusehen, denn hat die Regierung erst einmal irgend einen Industriezweig unter sich, so gibt sie denselben freiwillig ohne bitteren Kampf nicht mehr heraus.

Der Krieg habe unzählige neue Regierungsdepartements geschaffen t die alle von einer Reihe von Leuten bekleidet werden, welche im großen und ganzen bei der Regierungsanstellung viel besser daran sind, als sie ihren Fähigkeiten nach im Zivilberuf angestellt worden wären. Sie werden wie wilde Katzen darum kämpfen, ihre Schieber-geschäftchen als Dauergeschäfte zu erhalten. Man wird diese Leute ebenso schlecht los als einen schlechten Ruf. "Wenn nicht eine wohl organisierte Vereinigung dagegenarbeitet, so werden sie sich behaupten und ihre Stellungen behalten.

Als führender Industrieller und finanzielle Größe spricht Hambling von dem Zivildienst als Kenner, wir müssen seinem Urteil über die Unfähigkeit desselben Glauben schenken. Sicherlich wollen wir die Zukunft des britischen Handels nicht den Regierungsabteilungen in ihrer Unwirksamkeit verfallen lassen. Die Flugzeugindustrie wird von der Nationalisierung besonders schwer betroffen. Die Mitglieder der neuen Vereinigungen sollten die Flugzeug-Industriellen streng: ermahnen, sich um die Friedensentwicklung nach dem Krieg zu. kümmern. Die Friedensentwicklung muß frei von allen Fesseln der Regierungs-Ueberwachungen und Einmischungen sein! — —

Der Fokker Dreidecker.

Nach englischer Darstellung. Hierzu Tafel XII. Nachdruck verboten.

Die Ursachen der Ueberlegenheit unserer Luftwaffe haben wir in erster Linie unserer Flügindustrie zu verdanken. Die Flugzeugindustrie der Welt zusammengefaßt, hat trotz der größten Anstrengungen mit der Entwicklung des deutschen Flugzeugbaues nicht Schritt halten können. Das wissen unsere Gegner ganz genau. Im Feindeslager verfolgt man daher mit größtem Interesse die Fortschritte der deutschen Technik und beschreibt in den Fachzeitschriften neuere Flugzeugtypen bis in die "kleinsten Einzelheiten; teilweise Sachen, die bei uns im, Flugzeugbau als selbstverständlich angesehen werden. „Flight" veröffentlicht eine Beschreibung des Fokker-Dreideckers, die wir in nachstehendem auszugsweise wiedergeben*)

*> Der Beschreibung des Fokker-Üreideekers läßt „Flight" ein Vorwort voraufgehen, dem wir folgendes entnehmen: Gerade als wir die Vorbereitungen für eine illustrierte Beschreibung des Fokker - Dreideckers, welcher in der feindlichen Flugwesenhalle ausgestellt ist, fertig stellten, erhielten wir von dem Technical Department of the Aircraft Production vom Munitionsministerinm einen offiziellen Bericht über diese Maschine. Der Bericht ist etwas sehr kurz gehalten. Daß der deutsehe Freiherr von Eictithofen gerade einen Fokker-Dreidecker, den die Regierung zurückgewiesen hatte, zu seinem Gebrauchsflugzeug benutzt er erstaunt uns nicht, und beweist nur immer wieder, daß dieses Land nicht das einzige ist.

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Die Haupteigentümlichkeit, des neuen Fokker Dreideckers ist das Fehlen jeglicher Vorspannung zwischen den drei Flächen. Charakteristisch für die deutschen Konstrukteure ist das Bestreben, entweder das Flugzeug ans Metall oder aus Holz herzustellen.

Bei der Herstellung von Teilen aus Metall wird in überwiegendem Maße von den Deutschen die autogene Schweißung verwendet. Es gibt in Deutschland zwei Arten von Konstrukteuren; die ersteren verwenden die Schweißung für Teile, welche Zugbeanspruchungen unterworfen sind; während die letzteren vorsichtiger Weise jede Schweißung und überhaupt Metall vermeiden. Der Konstrukteur des Fokker Dreidecker scheint die äußersten Vorteile der genannten beiden Arten von Konstrukteuren sich zu Nutze gemacht zu haben. Wo er Metall benutzt, verwendet er es auch ausgiebig zusammen mit der autogenen Schweißung; wo es ihm gefällt, Holz zu benutzen, nimmt er die schwierigsten Holzverbindungen in Kauf, die durch leichte Metallverbindungen ersetzt werden könnten. Seinen alten Gepflogenheiten getreu, verwendet Fokker für den Rumpf ausschließlich Stahlrohr. Die Durchmesser der verwendeten Stahlrohre sind je nach der Beanspruchung verschieden. Ebenso scheint die Rohrwandung verschieden zu sein, jedoch konnten die einzelnen fiohrwandungen, da die Rohre nicht durchgeschnitten waren, nicht fessgestellt werden.

Der Rumpf ist in Abb. 2 Tafel XII in Grund und Aufriß dargestellt. Der untere Rumpfholm ist an den Stellen, wo die Flügelholme angreifen, scharf nach unten gebogen. Die Stromlinienform erhält der untere Rumpfteil durch besonders angeschweißte dünne Stahlrohre. Um einen glatten Verlauf des hinteren oberen Rumpfteils mit der Dämpfungsfläche zu erreichen, sind die oberen Holme von der Vorderkante der horizontalen Dämpfungsfläche nach unten gekröpft

Der Uebergang von der runden Motorverkleidungsform auf die geraden Seitenwände des rechteckigen Rumpfe« wird durch kegel-abschnittartige Aufbauten bewirkt. Zur Befestigung der Rumpf ver-spanunngsdrähte in den Knotenpunkten sind kleine gebogene Stahlrohre eingeschweißt (siehe Abb. 3 links unten). Die Spanndrähte sind nicht, wie es im ersten Moment erscheint, doppelt geführt, sondern sie sind einfach durch Knotenpunktösen gezogen und werden mit dem Spannschloß zusammengehalten. Dadurch wird ein Spannschloß und zwei Verbindungsösen gespart.

Die Seitenwände des vorderen Rumpfteiles sind nicht verspannt, sondern im Dieiecksstrebenverband ausgeführt. Die eingeschweißten kleinen fiohrbögen in den Knotenpunkten, an denen die Vorspannung angreift, sind im Rumpfteil des Führersitzes in der Richtung der Holme eingeschweißt, während sie im hinteren Rumpfteil in der

wo die Meinungen auseinander gehen, was eine sichere und angemessene Konstruktion anbelangt. Wir glauben nicht, daß die hier ausgestellte Maschine dieselbe ist, mit welcher Richthofen seinen Tod fand. Wahrscheinlich hat dieselbe wesentliche Verschiedenheiten.

Um auf den offiziellen Bericht zurückzukommen, geht aus einem Paragraphen im Anfang anscheinend hervor, daß die Autoritäten die Kürze des Berichtes damit entschuldigen, die ausgestellte Maschine zeige zu wenig Lehrreiches. Dieses ist eine Politik, die wir nicht rechtfertigen. Es mag vorkommen, und es kommt sicher sehr häufig vor, das etwas, was sich als Fehler erwies, öfters viel instruktiver war, als etwas, was gleich gut gelang. Es besteht im allgemeinen die Neigung, nur Dinge nachzuahmen, welche sich als ein Erfolg herausstellten, wärend man sich mit Dingen, denen zuerst kein Erfolg beschieden war, nicht beschäftigt, trotzdem in ihnen vielleicht ein guter Kern stecken könnte, der, klug verwendet, zu einem guten Abschlu} führen kann. Deshalb schlagen wir vor, diese Maschine in derselben ausführlichen Weise vorzuführen, wie wir es bisher mit anderen getan haben, umsomebr uns verschiedentlich von unseren Lesern geschrieben wird, wie lehrreich diese Art sei. Sicher wird sich diese Abhandlung als ebenso lehrreich und interessant erweisen.

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Richtung der Schotten angeordnet sind. Durch die bereits erwähnten Aufbauten seitlich und oberhalb des Rumpfes erhält dieser gute Stromlinienform. Die Anfügung der Formstücke und Versteifung der Tropfenform zeigt Abb. 4. Dieses kegelmantelartige Furnierstück liegt auf einer Spruceleiste; Ober- und Unterkante des Furniers ist an den Rumpfstreben befestigt, weitere Befestigungen sind nicht vorhanden. Es scheint, daß der Furnier nur durch die straff aufgezogene Rumpf-

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I Abb. 5- Verstellbarer Sitz des Fokker Dreidecker.

bespannung gehalten wird. In Abb. 4 sieht man auch weiterhin die beiden Lager für die angebrachten Maschinengewehre. Die vorderen gabelartigen Lagerstücke sind fest und die hinteren beweglich angebracht.

Der Führersitz (Abb. 5) ruht auf einem Rahmen werk im Dreiecksverband und ist in seiner Höhenlage verstellbar eingerichtet. Die Festklemmvorrichtung ist in Abb. 6 rechts oben wiedergegeben.

(Fortsetzung folgt.)

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Abb. 23. Flächenteile des Albatros C V. A Querroderlagermig. B Klappenhebel. C Strebenangriffspunkt. DE Befestigung des Hinterkantendrahtes mit Verstrebung.

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Albatros Kampfdoppeldecker C v. (Nach engl. Darstelle.)

Fortsetzung u. Schluß v. S. 299. Nachdruck verboten.

Anschließend an die Beschreibung der Tragflächen in der letzten Nummer werden in Nachstehendem noch verschiedene Einzelteile der Zelle beschrieben. Id Ab. 23 ist oben das Ende der linken oberen Fläche dargestellt. Die Verwindungsklappe ist aus Stahlrohr. Sie besitzt nach vorn eine rechteckige Verlängerung zur Ausbalanzierung. Wie bei fast allen deutschen Maschinen ist die Verwindungsklappe nicht an dem hinteren Hauptholm, sondern an einem zwischen dem Hinterholm und der Hinterkante der Tragfläche liegenden falschen Holm befestigt. Die Art der Lagerung der Verwindungsklappe geht aus der Abb. 23 (vergl. die Einzelteilskizze A) hervor. Die Lagerung ist in ähnlicher "Weise durchgeführt, wie die seinerzeit bei der Befestigung des Höhensteuers beschriebene Lagerung.

Der Verwindungsklappenhebel hat elliptischen Querschnitt und verjünge sich nach dem Klappenende. Um den Verwindungsklappen-ausschlag zu regulieren, sind an be-ijien Enden des Hebels zur Befestigung des Steuerseiles drei Schellen befestigt (siehe Skizze B Abb. 23). "Wünscht der Flugzeugführer einen großen Steuerknüppelausschlag, so wird er das Seil am äußeren Ende, und wünscht er einen kleinen

Abb. L24. Ilolmbefestigung am Kumpf.

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Abb. 25.

Ausschlag, so wird) er das Seil an der inneren Schelle des-Klappenhebels befestigen.

Das vordere Ende des Klappenhebels-schwingt in einem. ausgesparten Schlitz der Tragfläche. An dieser Aussparung sind die Rippen vom hinteren Haupthohn ab verstärkt als Kastenrippe ausge-normalen Breite ver-

Spannturm.

bildet, während sie nach vorn sich zu der jungen. Zwischen den beiden Kastenstreben greifen die Stiele sowie-die Verspannungen an. Da an diesem Punkt die äußersten Zellenstiele angreifen, besitzt dieser Befestigungsteil nur Angriffspunkte für zwei Verspannungsseile (siehe C Abb. '¿3).

Die Befestigung des Drahtes, welcher die Hinterkante der Tragfläche bildet, ist in der Skizze D u. E (Abb 23) dargestellt. Weiter sind in der Fläche des Albatros längs der Holme dünne Kabel verlegt. Da das gesamte Albatrosflugzeug wenig Drähte aufweist, so scheint diese Maßnahme Notwendigkeit gewesen zu sein, um ein Kapazitäts-gegengewicht zu bilden.

Bei den deutschen Konstrukteuren war es immer modern, Vorrichtungen zu verwenden, die ein leichtes Abmontieren der Flächen gestatten. Wenn auch die Verspannungen, wie beim L. V. Gr., unter Verwendung voü Hebelspannschlössern nicht so leicht löslich sind, so-ist andererseits1 die Holmbefestigung sehr leicht lösbar durchgeführt. In Abb. 24 sind die einzelnen Befestigungsteile des Holmes mit dem Rumpf dargestellt. Das Holmende trägt einen kastenartigen Beschlag. Im Innern des Beschlages befinden sich Rippen, die in einen entsprechenden Einschnitt des Holmes greifen. Die Rippen stehen soweit auseinander, daß sie den am Rumpf befindlichen flachen Zapfen aufnehmen können.

An der Seite des Beschlages ist ein als Bajonettverschluß ausgebildeter Schuh aufgeschweißt. Die Verbindung des Holmschuhe» mitdemflachenZäpfe